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Wiener Morgenzeitung · 1919-06-01 · Heft 133 (1.6.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 133 (1.6.1919)
Date
1919-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Är, 133 Dien, Sonntag Wiens? Morgenzrrmng Politische Rundschau. Der polnische Generalstab über den Bolschewismus. Der polnische Gencralstab verössrntlicht socken eine Broschüre Wer den „Bolschewismus und die polnnche Frage". Darin finden wir auch folgende Stellen: „Solange wir ans dem leider so populären Standpunkt verharren, daß der Bolschewismus das Werk einer Grnppe jüdischcr Banditen ist. werden wer gegenüber seiner Ausdehnung ganz hilflos sein. Dadurch, daß man die Bolschewiken Banditen schilt und die Inden mit Beschuldigungen überhaust, wird nicht viel gewonnen. Bolschewismus tft nicht dasselbe wie Banditentum, trotzdem die russische Revolution an Momenten reich ist, die einen ausgeprägten banditischcn Charakter aufweisrn. Der Bolschewismus ist nichtdaSWerkeirrerjÜdischenClique, trotzdem eine große Anzahl seiner Führer Juden sind.* Endlich scheint also eine Einsicht zu dämmern, daß mit, bloßem demagogischen Schimpfen politische Probleme nicht zu' Me« sind. Drr polnischen Machthaber und Publizisten sollten die Bemerkung deS polnischen Generalstabes beherzigen. Die Lügen über den angeblichen Grund der Pogrome sind dadurch wirkungsvoll entlarvt. Die jüdischen Nationalrate in Ostgalizicn. Dem Pressedienst der Delegation des Jüdischen NativnalrateS für Ostgalizien wird gemeldH , Im Monat Mai wurden vom Jüdischen Nationalrat für Ostgalizren m einer ganzen Reihe von Städten Wahlen zu den Orts-- «nd Bezirksnatronalrüten rmter fchr starker Wahlbeteiligung seitens der jüdischen BevAllmmg (zirka 80 Prozent, auch Frauen) dkrchgeführt. Am Wahlkampf beteiligten sich die Zionisten, Poale Zionrsten, jüdische Sozraldemokraten (Z. P. S.), die jüdischen Handwerker und kanf- «Lmtifchm Fachorganifati-rre». Die Zio » istNchen Listen erhielten 70 Prozent, abgegebenen Wahlstimmen. Dieses Plebiszit beweist klar, daß die Jicden in Ostgalizien Ach national-zionistisch fiihlm mid Anspruch auf nationale Kecht« erheben. Karl Dpitteler Über Deutschosterreich. Karl Spitteler, der große Schweizer Dichter, hat dem Herausgeber der „Agence Centrale" folgende Erklärung abgegeben: Sie wissen, daß ich seit dem ersten Kriegstage die Meinung vertrat, daß die Niederlage Frankreichs und der Triumph des deutschen Militarismus für Europa ein viel größeres Unglück wären, als die deutsche Niederlage. Indem ich das ansspreche, kann ich verjtdjetn, daß ich kein Feind des deutschen Volkes bin, aber immer überzeugt war, daß man dem preußischen Militarismus die Krallen abschneiden müsse. Oesterreich gegenüber bin ich von ganz anderen Gefühlen beseelt. Persönlich würde ich es wie die Verwirklichung eines schönen Traumes begrüßen, wenn es ein zweites deutsches, von Berlin unabhängiges Land gäbe, wohin wir — ich und diejenigen, die meine Ideen bekennen — unsere Schritte lenken könnten. Als Europäer, dem die Ruhe nnb Wohlfahrt Europas teurer find als das Los Deutschlands, bin ich der .Ansicht, daß Deutschosterreich, wenn es seine Unabhängigkeit bewahren kann, nichts tun sollte, um Großdeutschland zu starken: denn dieses wird immer eine Gefahr für den Frieden Europas fein. Die Untersuchung der Pogrome in Galizien. Die Tätigkeit der polnischen Untersuch,mgskommMon. Warschau. 31. Mal. (Tel. der ,.2üie»er Morgenztg") Die vom polnischen Landtag eingesetzte Konumssion zur Untersuchung der Pogrome in Mittelgalizien hat ihre Tätigkeit ausgenommen. Die Kommission besteht aus Abgeordneten und Vertretern der Regierungsstellen. Vorsitzender ist der bekannte antisemitische Abgeordnete Witos, Schriftführer der poalezionistische Abgeordnete Dr. Schipper. Die Kommission begab sich zunächst nach Strziszow. Dort wurden 15 Zeugen einvernommen, darunter drei Juden. Es wurde festgestellt, daß der Pogrom, der am 21. April begann, jrc Zusammenhang steht Mit einer Ritimrmordlügcngcschtchte, Welche von einem dreizehnjährigen hysterischen Christenmädchen aufgebracht wurde. Die Vorgänge in Strziszow waren ober nur die Fortsetzung eitler ganzen Reihe von Ausschweifnnßcit gegen Juden iit den umliegenden Dörfern. In Strziszow wurden über hundert Personen verwundet, davon zwanzig schwer. Bon Len Verwundeten ist einer 'am nächsten Tage gestorben. Von dort griff der Pogrom nach Nebilec über, wo vierzehn Juden schwer verwicudet uutcbctt; zwei, einen achtzigjährigen und einen' siebzigjährigen Mann hat man in eine Grube geworfen Md so lange mit Füßen getreten, bis irr gestorben sind. " Von Strziszow i .. begab sich die Kommission nach Äzcszow, wo die Untersuchung bis zwei Uhr nachts dauerte. Man hat zwanzig Vertreter der polnischen und jüdischen Bevölkerung ausgefragt. Auch hier war der Anlaß zu den Pogromen Angabe eines polnischen Mädchens, daß Juden sie in ejchen Keller gelockt haben, urn sie zu inißhandeln. Später hat das Mädchen vor den Behörden erklärt, sie habe die Geschichte mit dem Keller «rfurchen aus Angst vor ihrer Mutter, weil sie jene Nacht bei einem Offizier zu gebracht Hat. Der polnische Polizeiko,„man baut Lnkaszewiez gab cm, man habe ihm die Anzeige erstattet, daß jüdisch« VolschewMfche Agitatoren fhr Wesen treiben, aber alle seine Bemühungen, solche Juden ausfindig zu machen, seien resultatlos geblieben. Der Pogrom ist Rzeszow war organisiert und hat zwei Tage gedauert. Der Schaden beträgt vier Millionen. Das Militär hat sich demonstrativ passiv verhalten. Auf dem Weg nach Kolbn szowa hat sich die Kommission in G l o g o tu Ntld S a k o l o w ausgehalten. In Sakolow haben die Ausschreitungen am 6. Mai begonnen und zwei Tage gedauert. Der Bauernaufstand hat sich dort nicht nur gegen Juden, sondern an '* gegen Gutsbesitzer und Geistliche gerxendet. Dir Aaii.-.-i -atzen angegeben, daß sic von Die Entente ist sehr gereizt. Berlin, 31. Mai. Die„BossischeZeitung" meldet ans Versailles: Der Gesamteindruck berechtigt zu der Annahme, daß die La<e äußerst gespannt ist. Daß die gegnerische Stimmung sehr gereizt ist/ dürfte g erade für Wilson gelten., der den Vorwurf der schlechten Zuterpretation seiner Grundsätze außerordentlich übel nimmt. Die Meldung, daß die Antwort der Entente schon in zwei bis drei Tagen erfolgen werde, klingt sehr unwahrscheinlich; es wird vielmehr mit einer Panse von mindestens einer Woche zu rechnen sein. Warschau eine Erlaubnis haben, bei Juden zu rauben. In Glogow hat sich der Pogrom ausschließlich gegen die Juden gerichtet. Die Stadt Kolbuszowa macht einen völlig zerstörten Eindruck. Am Marktplatz sind alle Geschäfte zertrümmert, Lin Haus ist bis zum Fundament abgebrannt. Ein Postbern,ter hat das Gerücht verbreitet, baß ein angebliches Telegramm aus Marschau die Plünderung bei Juden srcigebe. Die Baicern geben an, daß in «inen, Dorf ein militärisch gekleideter Reiter erschienen ist und zürn Pogrom gegen 'die Juden, Gutsbesitzer und Geistlichen aufgefordert hat. Es wurde das Gerücht verbreitet, daß Juden in Lublin Hallersche Soldaten vergiftet haben. Es war ein genauer Plan für den Pogrom ans gearbeitet, so daß manche Bauern sogar vorher bekannte Juden warnen konnten. Von den befragten zwanzig Zeugen konnte die Kommission auch feststellen, daß in Maidan, wo 170 jüdische Familien wohnen, 160 vollständig ausgeraubt wurden. Äehnlich war es in den ander«: umlegenden Dörfern. Von den 416 jüdischen Familien in Kolbuszowa hat man Z70 ausgeplündert, 100 Juden wurden größtenteils schwer verwundet, acht wurden erschlagen, darunter drei Frauen im Alter von über sechzig Jahren. Ein Mann wurde erschossen, während ec knieend um sein Leben bat. Der Schaden beträgt zehn Millionen. In Mielec hat die polnische Bevölkerung zum Teil selbst die Inden geschützt. Auf Veranlassung des Abg. Dr. Schipper wurde ein großes Meeting ab geh alten, bei welchem Abg. Witos beruhigend auf die Bauern einwirkte. Infolge dringender politischer Geschäfte mußte Abg. Witos nach Warschau zurückkehren, die Kommission mußte daher ihre Arbeit unterbrechen und wird die Untersuchung in den Kreisen Taruobrzeg und Mielee später durchführen. Genauere Details werden erst nach Abschluß der Uirtersuchung veröffentlicht werden. Rußland war zu Friedeusverhandlungen mit der Eutente bereit Senfatronelle Enthüllungen Tschitscherins. Moskau, 31. Mai. (Funkspruch des Tel.-Korr.-Buc.) Der russisch? Volkston,missär des Aeußern Tschitscherin hat tut den ungarischen Volkskommissar Beln Kim folgenden Funkspruch gerichtet: Die Entente hat an Sowjetcußland einigemale Friedens- Vorschläge gelangen lassen, die sie jedesmal, wenu sie v o.n uns ange« o m-nre ifwurden, rchrcn Völkern gegenüber als von uns abgelehnt bezeichnet^ Diese Taktik wurde bei der Einladung auf diePnrizeninseln und beim Nansenscheu ProjektLefolgt.Dcr dritte und am besten vorberetete Fwcdensvorschlag wurde von der Ententegänzlich totgeschwiegen. Seme An n a h m e d it r ch die Sowjetrepublik ,st dokumentarisch belegt imb durch Aligeilausscigctt bestätigt. Es handelt sich um die Vorschläge, die im vorigen Mürz von den Amerikanern William Bullit, deui Kapitän Petit uyd dem Journalisten Steffens nach Rußland gebracht wurden. , Bisher haben die Sowietregierungen ans eine Veröffentlichung der Vorschläge auf Wunsch Bulltts verzichtet; da jedoch Bullit vom Versailler Kongreß zurückgetreten ist und angesichts der Versuche, die Sowietregierungen für das Blutvergießen verantwortlich zu machen, bat di6 Sowietrecguruug jetzt den vollständigen Text des Entwurfes in den Zeitungen veröffentlicht, der vont Präsidenten Wilson oder vom Obersten H o u s e durch Vermittlung Büllits und m i 1 W i s s e u L l o y d Georges vorgeschlcigcu war. Dieser Text war eigerulich ein Entwurf einer Einladung der Entente an alle in Rußland tatsächlich bestehenden Regierungen zu einer neuen Friedenskonferenz. Ans dieser sollten nur die Einzelheiten der von den Teilnehmern vorher a n g e n o m m e n e n Grundlag ,e u festgesetzt werden. Die Einladung mit dm von der Sowietrcgierung vorgenommenen und von Bullit gebilligten Verbesserungen sollte vor dem 10. April erfolgen. Da indes die Verbündeten nur darauf abzielten, den Krieg in die Länge zu ziehen und Rußland vollständig zu ruinieren, so ist die E i n l a d u n g niemals erfolgt. Die Hauptpunkte deS Abkommens warm: Abschluß eines Waffenstillstandes auf allen russischen Fronten während der Arbeiten der Konferenz, die über den Frieden ans folgender Grundlage verhandeln sollte: Sämtliche tatsächlich ans dem Territorium des ehemaligen Rußland gebildeten Re? gierungen behalten ihrevolle Macht über die von ihnen besetzten Gebiete, die sich im Augenblick des Waffenstillstandes in ihrem Besitz befinden bis zu dem Tage, wo die Bewohner dieser Gebieie s e l b st b e s ch l i e ß tu, die Negierung zu ändern. Keine Regierung darf den Versuch machen, die gegnerischen Regierungen zu stürzen. Die Blockade wird aufgehoben, die Handelsbeziehungen sind wieder aufzunehmen; sie find allen Bevölkcrungsklaffen zugänglich zu machen. Ukrainischer Protest gegen Paderewski. Lyon. 31. M,n. (Fnnffvr. des Tel.-Korr.-Bur.lf Die ukrainische Delegation bei der Friedenskonferenz wendet sich in einem P r o t e st g«gen die Ausführungen Paderewskis im polnischen Landtag. Präsident Paderewski hat in der Landtagssltzung die Unternehmung der polnischen Truppen nicht Kr,cg genannt, sondern eine „N n t e r n e h m n n g g e g e n B a u d i t e n^. Gegen diese der Ztvtllsation hohnsprechende Erklärung des Präsidenten protestiert das Staatssckretariat der Westukraine auf das entschiedenste. Hinter der polnischen Front haben p o lf nische ..R a ch e k o m P a n i e n" Tausende, auch G.cise, Frauen und Kinder, verhaftet nud Hunderte nur deshalb erschossen, weil sie sich als Ukrainer bekannten. Ambmslbi kn alten Reparaturen unter <Siunitif. flarbl'knder für nüf SrMeme, rrstklasiie/k- Material. Leop. Kurzer, Wien, $!!., Wcßüahnstraße 23. Telephon 31537. 36 _ _ 1. ZmL 1913 GeÜe F —.1 I., —.— I.*.S«. ' > > I' ' :r- - i i Telegramme. Verschärfte Blokrade Deutschlands.; 1 Lyon, 31. Mai (Fnukpfr. des Korr.-Bur.) Der Oberste WnÄ schastsrat der Alliierten wird, falls sich wegen der ablehnenden! 'Baltiing Deutschlands die Notwendigkeit hierzu ergeben sollte.j Deutschland neuerlich, Md zwar schärfer a l S i m> K r i g e b l o ck i e r e n. Alle au Deutschland angrenzenden neuti-atc,t Staaten würden verpflichtet werden, jede Emfnhr nach «nd jede Aussnhr aus Deutschland zu Unterlasten. Gleichzeitig mit der Blockade würde eine strenge Zensur über alle deutschen Telegramme und Postsachen verhängt werden. Private Lebens«,nttelsendungeni würden verhindert werden, obwohl möglicherweise eine beschrankte! Menge von Nahrrmgsmitteln für Frauen imd Kinder unter schärfster Kontrolle der Allrierten nach Deutschland emgeführ« werden dürfte. Diese Mengm würden jedoch jedenfalls nicht W groß sein, wie die jetzt im Anrollen begriffenen. Die alliierten Truppen marschbereit. London» 31. Mai. (Tel.-Komp.) Im Unterhause erklärtel Minister Churchill: Im Augmbltck ist die Lage ami Rhein beinr entscheidenden Punkt angelangt. Die! ganze Armee ist zum Vormarsch bereit. Alle Urlauber wurden! zurückberufen. Die Alliierten warten offenbar nur auf den Befehl.! vorznrücken, falls die Entscheidung Deutschlands dies notwendig! macht. Churchill teilte weiter mit, daß das neue, jetzt angeworbene- Freiwilligenkorps bereits 170.000 Mann zähle. Hiezu könne man! noch 25.000 Mann von der Arutee am Rhein, die freiwiM' bleiben wollen, hmznrechnen. Vor einem neuen Spartakistenputsch? r Berlin, 81. Mai. (Tel. der „3Br. Morgenztg.*) In de«! deutschen Häfen sind k o m m u n i st i s ch e Dor-- bereitnngen zu einem neuen Umsturz aufgedeckt worden.! In B e r l r n haben in den letzten Tagen eine Anzahl von? geheimen Versammlungen des Spartakisten^ v u n d r s stattgestmden.. Die neue Koalitionsregierung in &ayetn+ Bamberg, 31. Mai. Ministerpräsident Hoffmans teilte im bayrischen Landtage den Rücktritt d e § K a b i»! u et ts mit und begründete ihn damit, daß in der verzweifelten! Lage des deutschen Volkes und angesichts der Friedensbedingungen! der Entente das ganze Volk rmd a lle Parteien ge-! mein^schaftlich arbeiten müßten, daß somit eine rein! sozialistische Regierung, die nur ein Drittel der Landtagsmitgliederi hinter sich habe, nicht mehr angebracht, sondern ein Mmisteriumi auf breiter Grundlage und die Einsetzung des Landtages in lehr volles Recht durch Aufhören der außerordentlichen Vollmachten! der Regierung notwendig sei. , , Nach .privaten MitteilMgen wird sich das neue Ministerium folgendermaßen zusammensetzen: Präsidium, Aeußeres uudi Kültus H o f f m a n n; Inneres E n d r e s (bisher Justizminister); soziale Fürsorge Segitz (bisher Minister der Innern);! Verkehr Frauendorfer; Landwirtschaft Md Forste Frey-' berg (bayrische Volkspartei); Handel.Legatronsrat Haum^ lbisher Vorsitzender der PresseabteilMg der Zivilmmisterien);! Militär Schneppenhorst; Finanzen Speck (bayrische > Bolkspcrrtei); Justiz Dr. Müller (Demokrat). ' München» 31. Mai. (Tel.-Komp,) Das Programm, auf* das sich die neue bayrische Regierung durch Vereinbarung! zwischen der bayrischen Volkspartei, der dentschdemokratischen Md! deo sozialdemokratischen Partei geeinigt hat, ist folgendes: a) Die! im bayrischen Staatsgebiet gelegenen Bergwerke und die! zur Herstellung elektrischer Energie dienenden Wasserkräfte -ini Gemein wirk s ch aft .zu übernehmen, d) ES hat eine! p l a u m ä ß r g e n B e e i n fl u ss u n g und Kontrolle der für die Ernährung, Wohnung und Kleidung maßgebenden Be-! triebe , zu erfolgen. c) Die allgemeine Uebersührung der! A.p o theken in die Gememwirtschaft istalsbald vor-!?nbereiterr. ä) Das Arbeiter- und Angestelltenrrcht sowie die Arbeiterversichernng und der Arbeitsnachweis sind im Rahmen! deS ReichZrcchtcs in . sozialistischem Sinne fortzubilden. Ferner^ wird die Regierung dafür cintreten, die arosie Vermögens-, a b g'a b e im Reiche ohne Verzug beschleeßcn und durchführen; zu lassen. Die Frage der Sozialisierung und des Rätewesens! wird in erster Linie als Gegenstand der R e i ch s p o l,i t i f\ angesehen. Ein eigener Paragraph verbietet der neuen Regierung! den Abschluß eines Sonderfriedens mit der Entente. Der Sozialrsierungsparagraph in Deutschlands Berlin, 31. Mai. Der Verfassungsausschuß der deutschen! Nationalversammlung setzte heute die Beratung über die Grund- > rechte des deutschen Volkes auf Grund der Anträge des Unter-' ausschuffes fort. Im Abschnitt Gnmdrechte und Grundpflichteu aus dem Gebiete des Wirtschaftslebens bestimmt A r t i k e l 4 6: Das Reich hat darüber zu wachen, daß das Wirtschafts-'' leben nicht dem Gewinne einzelner sondern der, Herstellung eines menschenwürdigen Daseins> für alle dient. Das Reich hat, wo das wirtschaftliche! Jutercsse es erfordert, die hierfür nötigen Maßnahmen auff gesetzlicher Gmndlage anzuordnen. j Das Reich kann zu diesem Zwecke die U e b e r f ü h r u n g vonPrivateigentuminGemeineigentum^ v o r f ch r e i b e n, es kann sich selbst, die Länder oder Gc-i mcindcn an der Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen und- Verbände beteiligen oder sich darauf in anderer Weise einen be-"! stinnnenden Einfluß sichern. Das Reich kann ferner zum Zwecke der Gemeiuwirtschast, wirtschastliche llnternchmmigen und Verbände auf der Grundlage der Selbstverwaltung zusammen) chließcn in dem Ziele, die Mit?! Wirkung aller schaffenden Bolksteile zu sichern, Arbeitgeber und! Arbeituchmer g l c i ch m a ß i g a u der Verwaltung! zu beteiligen und Erzeugung, Verteilung, Vcrweudung! Und Preisgestaltirng sowie Een- und Ausfuhr der Wirtschafts-i Silier nach gemeinschaftlichen G r u ndsä tz e in zu regeln. V Nach einer Debatte, an der sich Redner aller Pmtcuu bcteiligten, wurde in der Abstimmung der erste Absatz gestrichen, der! zweite mit folgender Aeuderung nach dem Anträge deS Abgeordneten Hitze (Zentrum) angenommen: Das Reich kann durchs Gesetz, unbeschadet d c r E n t s ch ä d i g u n g in sinngemäßer Anwendung der für die Enteignung geltenden Bestimmungen für die Vergesellschaftung geeignete private,' w i r : s ch a f t l i ch e U n t e r u e h m n n g e n ms Genteineigemum übcrsi'rhrcn. Der dritte Absatz ustrd a u s g e s c tz t bis zur Fragedes RäersyneiltS. _ Der polnische Vormarsch in Ostgalizren.!. Warschau» 31. Mai. (Poln. Tel.-Ag.) Polmschcr Genexalstabsbericht vom 30. Mai: Galizische Front: Siidlich vom Dnjester ist die Lage unveränoert. Nördlich vom Dnjester erreichten wir die Linie Nadziwilow—Iezierna—Zlota Lipa. Bei der Einnahme non Z l o cz o w wurden 73 Geschütze, 1000 Mumtronswagen, 3000 Gewehre und viel anderes Kriegsmaterial erhelltet.

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