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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-27 · Heft 128 (27.5.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 128 (27.5.1919)
Date
1919-05-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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?it. 128 Wien, Arenslag Telegramme. - ( Ruhe in Prag. Keine Einfuhr von Lebensmitteln. Prag, 26. Mai. (Tel.-Komp.) Der gestrige Sonntag verlief,vollkommen r u h i ß. Nur in Weinberge kam 'es vor einigen Fleischerläden zu Ansammlungen, die jedoch zu keinerlei Plünde r u n g e n führten. Eine unnngenehnle Folge haben die Ereignisse der Vorwoche jedoch in der Hinsicht gezeitigt,, daß alle Lebensnültel vom Markte verschwunden s i n d und keinerlei neue Zufuhr erfolgt. „Es rvurde geraubt!" Prag, 26. Mai. (Tel. der „Wr. Morgeuztg.") Unter dem Cchlagworte «Menetekel" schreibt ,N a r o d n i Li st y": „Es wurde geraubt!" Es wird immer geraubt, wenn keine Vorkehrungen getroffen werden, damit nicht auf der Gasse Parasiten aller.Demonstrationen — der Abschaum der Großstadt, Verbrecher, Diebe, Ränder — ihre Tätigkeit entwickeln können. Alle Prager Demonstrationen haben einen analogen Verla uff. Am ersten Tage wird für Ideen, sei es politische, sei es soziale, demonstriert, am zweiten Tage lauchen die Parasiten d e r Demo n st'r a 1 i o n e n ans und am dritten Ta ge sind die Gassen schon an gefüllt initPersonen, deren Photographien sorgfältig im Polizeialbum geführt werden. Das alte österreichische Polizeiregimc kannte die Prager Gasse gut, nnd traf rechtzeitig Vorkehrungen. Die heutige voüüsche Polizeivcrwaltung ist auch nicht vom Himmel gefallen, sie weiß, welchen Verlauf die Dinge nehmen, aber dennoch trifft sie keine Vorkehrungen und so kam es, wozu es kommen mußte." , Im Anschlüsse daran attackiert die „Narodni Listy" in in leidenschaftlichen Worten den Justizminister und den Minister des Innern, welchen sie die volle Verantwortung für die Plünderungen zuschreibt. Sie seien eindringlichst ersucht worden, rechtzeitig zu verhindern, daß auf Prag nicht neuerlich der Schimpf f ü r Raub und Diebstahl, falle, daß der güte Ruf der tschechischen Nation, namentlich in der gegenwärtigen Zeit, nicht besudelt werde, da man die Pflicht habe, nicht nur ans die eigenen inneren Verhältnisse, sondern auch auf die Airslandslage Rücksicht zu nehmen. Eine bewaffnete Garde zum Schutze der Prager Kanfleute. s Prag, 26. Mai. (Tel. der „Wr. Morgcnztg?) Im Prager Vorort Weinberge fand gestern eine große Vers a m m l u n g vonK a n fleut-en nnd G e w c r b et u c t & enb tn statt, die einen sehr stürmischen Verlauf, nahm. Es wurde eine Resolution beschlossen, in, welcher die Kaufmannschaft und Gewerbetreibenden znr E rrichtung einer s e l b st ä n d i g e n bewaffneten Garde aufgefordert werden, weil die st a a t l i ch e n Organe weder genügende Tatkraft noch das B c- 1t r c 6 c n zeigen, um die Kanfleute und Gewerbetreibenden vor weiteren Gewalttaten zu schützen. Große Demonstrationen in Brünn. Brünn, 26. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Auch hier kam es heute zu g r o sten Kundgebungen gegen die erun g. Um zwec Uhr nachmittags legte die o r g a n is i e r t e Arbeiterschaft in dm Fabriken die Arbeit nieder nnd zog unter B o r a n t r a g u n g v o n T a f e l u, welche die bekannten Auffchriften gegen dm Wucher trugen, ans den ft r o ücn Platz. In der M a s a r y k g a s s e wurden mehrere Geschäfte aus g e t a u b t. Die Ausschreitungen dauerten zwka.,-.zM-e,ff.S t n n d,.e.n, .dann gelang cs.L e.g i-o n 8 r e n icitüdem M i l i t. 8 r, dm Plünderungen Einhalt zu tun. Es kam auch zu^ eine»! Z u s a m m c n st o ß mit der Wache, wobei ein Wachmann durch einen S t einwurf v e r l e tz t w u r d e, nwranf die Polizei S ch u s s e auf die Menge abgab. Ein Zivilist wurde-schwer verletzt. Die Geschäfte wurden sämtlich gelchlojicn und starke Kavalleriepatrouillen durchstreifen, die Stadt, >u der gegen abend wieder Ruhe herrschte. Teuermrgskrarvalle in Meichenberg. s Reichenbevg, 26. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg?) tzcutelain cs hier zu großen Demonstrationen gegen d \ c c u c t u it g und den Wuch er. Bereits des Morgens Mcu Demonstranten durch die Stadt, dränge n in die Lddeil ein und nötigten die Inhaber, ihre Waren zum halbe u P reis zu verkaufen. Es bildete sich dann ein Zug, der unter Dorautragung eines Galgens mit einer ansgchängten Puppe und der Aufschrift: -Hoch hängen unsere Wucherer' durch die Straßen zog. Die Läden bliebm tagsüber p^.s ch l o f s,e n und abends herrscht« Ruhe. Bon der Behörde ist mit der Bestandaufnahme angefangm worden. Borratsunfnahme in Böhmen. Prag» 25. Mai. (Tschecho-slow. Preßbur.) Die inter- Nlwlsterkelle Konferenz, die heute im Avprovisionierungsmimsterimn stattfand, hat beschlossen, sofort alle Bczirksverwakümgenanzuwciscn, „sämtliche V o r r ä t e an S1 o f f e n zur Erzeugung von Wäsche und Kleidern, ferner sämtliche Vorräte an -sturrn. Kleidern und fertiger Wäsche, die Vorräte in den Fabriken und Verkaufstellen sowie die Vorräte au Herren- und Damenhiiten, rohem und , fertigem Leder, Schuhen, gestrickten und .vrikottmreu, sicherzustcllm. Der Eigentümer ist verpflichtet, -eine Vorräte im den Fabriken binnen 48 Stunden dem Bczirkswirlschastsrat imd dort, wo keine politische Bezirlsverwaltmig besteht, dem Magistrat anzümelden. Ucber diese Waren darf vorläufig nicht verfügt werden. Nicht angemeldete Warm verfallen ohne Entschädigung zugunsten des Staates. Das Präsidium des Vollzugsausschusses der tscheckw-slowakichen Agrarpartei hielt gestem unter dem Vorsitze des Präsidenten Z v e h l a eine Sitzung ab, welche der gegen den Sucher gerichteten V o l k s b e w e g u n g und den mrutt im, Zusammenhang stehenden Ereignissen m Prag und m )cr Provinz gewidmet war. Das Präsidmm sprach seine vollste Üefriediguntz über den Standpunkt der Regierung, der durch den Minister Svehla in der Nationalversammlung vertreten wurde, muptsächlich aber über die Versicherung des festen Willens der Regierung aus, ebenso rücksichtslos wre den Wucher auch den i..erro r nn v era n tw o rtli ch er und n n- ) iß z i pl i n i er t e r M as s en zu bekämpfen. Das Präcbtwn, wandte sich an die berufenen Faktoren in der Provinz mit 5.cr dringlichen Aufforderung, dahin zu wirken, daß im Geiste der Erklärung der Regierung die Preisrcgulierung und der Absatz, lind zwar, nicht nur der Lebensmittel, sondern namentlich auch der Bekleiduugsgegmstande so erfolgen, daß künftighin Ausschreitungen, welche die innere Ruhe bedrohen, vorgebrugt werde. Der Textilarbeiterausstand in Nordböhmen beendet. » Nekchrnberg» 26. Mai. (Tel. der „Wr. Morgeuztg.") Dre am 28. d. M. in denAüSsta n d getretenen Textil- :i x & e 11 e c der Städte R e i ch v n b e r g, G r o t t a u und >er umliegenden Bezirke erwartetm heute zu vielen Tausend en vie KrtndmachNng der B e d i n g n n g e n über die Vechanduwgru .zyjschen de» , U.ul Jt m e r n . und den V e r-. Wiener Morgenzertrm^ t r a u e n s m ciitit e r u der Arbeiterschaft. Die Forderungen sind zn»l größten Teil b' e w i l l i g t worden. Es wurde ein Kollektivvertrag abgeschlossen, demzufolge die Löhne einheitlich festgesetzt werden. Der h ö ch st e Arbeitslohn bewägt 99 Kronen wöchentlich. Weiters wurde von den Unternehmern die 4 8 st ü n d i g e Woche uarbcitszeit bewilligt sowie die U r l a u b s fr a g e entsprechend geregelt. Es wurde e i n st i nt ui t g beschlossen, den Streik zu b' e e'n d e n imd die.Arbeit Mittwoch wieder aufzunehmen. Baumwolleinfuhr nach Tschechien. n Prag» 26. Mai. (Tel. der „Wr. Morgen-itg.") Rach einer Information der ..Narodni Listh" hat sich die Live rp o o l c r Baumwollbörse dafür entschieden, daß durch ihre VermittluD der B a u m w o l l h a n d e l mit der Tschecho-Slowakei möglich gemacht wird. Dieser Beschluß wurde durch Vermittlung des tschccho-slowakischen Gesandten in London gefaßt. In erster Linie wird der B a u mw o l l e x p o r t nach Böhmen, Finnland nnd Polen erlaubt sein. Der ungarische Näteksngrsß^ Budapest» 26. Mai. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die.revolutionäre Räteregierung hat die Einberufung eines Lande srätekongresses für dm 1 4. I n u i augc ordnet. In den Komitatm und Städten wählen hierfür je 50.060 Einwohner einen Delegierten.; Lenin bittet um Waffenftiüftand. Lyon, 26. Mai. (Fuukspr. des Korr.-Bur.) Aus H e ls i u g s o r s wird gemeldet: Lenin hat von Admiral Koltschak einen Waffen st illstand verlangt. Die Bitte ist abgeschlagen worden. Iasnaja Poljana mrabhängige Domäne. Moskau» 85. Mai. (Funkspr. des Tel.-Korr.-Bur.) Die Räteregiernng Rußlands erklärte die B e s i tz u n g T o l ft o i s, Iasnaja Poljana, als unabhängige Domäne nnter dem Schutze der Nation. Barzilai lebt. , Rom» 26. Mar. (Funkspr. d. Tel.-Korr.-Bur.) Barzilai, der infolge des Ablebens seiner Mutter nicht mit her italienischen Abordnung nach Paris halte znrückkehren können, ist nunmehr nach Paris a b g e r e i si. (Die unlängst von uns wiedergegcbene Neutcrmeldung von Barzilnis Tod entspricht demnach nicht der Wahrheit. — Die Red.) Polen und Ukrainer sollen „vernommen" werden. Paris, 26. Mai. „Rew-Dork Herald" meldet, daß der Rat der f ü n f Minister der Auswärtigen Angelegenheiten die Kommission für die p o l n i s ch e n A u g e l e g e n h e i t e u beauftragt hat, die ukrainischen und polnischen Delegierten über die S ch w r e r i g k e i t e n zu vernehmen, die durch die neue polnische Offensive in Galizien entstanden sind. Akraimsch-bolschewikische Schlacht bei Kiew« Haag, 26. Mai. (Tel.-Komp.) Das Ukrainische Prcßbureau teilt mit, daß am 21. d. M. in der Nähe von Kiew eine große Schlacht zwischen Ukrainern und Bolschewiken stattfand. Der Feind hat große Verstärkungen aus Moskau herangezogen.' Die Ukrainer haben Prip olla besetzt und stehen jetzt im Kampfe bei Kiew. Die Bolschewiken haben den polnischen Konsul in Kiew verhaftet. Feuerkatastrophe in Ludwigshafen. Berlin, 26. Mai. Der „Lokalanzeiger" meldet ans Mannheim : In der Nacht brach in L u d w i g s h a f e n i m 8 a g e rh a u s der städtischen Bahnen, das mit französischen Truppen belegt war, ein Feuer aus. Der Brand griff so rasch um sich, daß viele Soldaten sich nicht mehr retten konnten.^ Mau spricht von 30 Toten und 1 0 0 V, e r l e tz t c n. Viele sprangen von den oberen Stockwerken in den Rhein. DaS Gebäude ist völlig n i e d e#6 c b r ct n it t. Als Ursache wird Angegeben, daß beim Kaffeekochen ein Spiritusapparat explodierte. _ Tagesbericht. Aerztliche Winke. (Ucbertragbare Bartflechte. Methylaltoholv-ergiftung.) Von Dr. Sanel Beer. Unter dem Einfluß des Krieges nnd der damit verbundenen geänderten Lebensverhältnisse, infolge des Mangels an Seife und Wäsche haben die parasitären Erkrankungen als Schmtltzinfektiotren bedeutend zugenomrnen. Ganz besonders ist ein gehäuftes Aicftreten der Bartflechte zu verzeichnen, die durch einen' mikroswpisch nachweisbaren Pilz hervorgerufen wird und in früheren Jahren selten, hauptsächlich bei den utit der Pflege von Rindern und Pferden Beschäftigten zur Beobachtung kam, jetzt aber von Mensch zu Mensch durch die Vermittlung der Rafierstnben übertragen wird. Das Leiden, das, wenn auch ungefährlich, lästig imb entstellend wirkt, tritt zuerst mit rötlichen, etwas erhabenen, in. der Mitte schuppenden Flecken ans, wobei \ es dann zu Pusteln nnd umschriebenen, oft geschwulst- ' artigen, auch abszedierenden Wucherungen und Verhärtungen in der Bartgegend korirmt. Die Unrgebung bleibt gesund. Die Erkrankung ist zuerst oberflächlich, um daun in die Tieft zu gehen. Aehnlich diesem Bilde verläuft die harmlosere, durch Hantbakterien hervorgerufene Entzündung der Haarfollikel. Erst nach Ausfall -oder Vereiterung der Haare gehen die entzündlichen Erscheinungen zurück. Ist die Krankheit aufgetreten, daun ist darauf zu achten, daß die parasitären Keime durch Kratzen oder Rasieren nicht auf neice Stellen übertragen werden und hier neue Herde entfteherr. Es empfiehlt sich daher, um die Pilze nicht zu verschleppen, die Haare kurz zu schneiden, was auch erleichtert, die Medikamente in die eilirankteu Hautpartieu gelangen zu lassen. Am besten hat sich neben den Schwefe'lprcbparaten die Röntgenbehandlung bewährt, die einen Ausfall der er- Haare uni) damit die Hcilntrg herbeiführl. . 27. Mai 1919 Seite 5,^ Das wichtigste ist aber die Vorbeugung und ditz Ausschaltung der Infektion, die übrigens von beij Männern auch^ auf die Frauen und Kinder üb>ertragey werden kann. Das Volksgesu>idheitSamt bat daher in anerkenneuder Weift in zwei Merlblätlorrc an die Raseure und Kunden die Richtlinien und Berhältaurgsmaßregel« bei dieser icrn'isthetischeu Krankheit veröffentlicht und es ist auf die Mithilfe und das Verständnis des Publikums zu yofftn. Die Raseure dürfen Gäste, die Barterkrankuugen zeigen, in öffentlichen Rasierstubeu nicht bedienen, sondern sie an die für Bartkranke b e st i in inten Rasierst üben weisen, wo unter ärztlicher Aussicht strenge Desinfektiousversahrrrl durchgeführt werden. i Man benütze am besten eigene Pinsel, Seift, Messer. und unbedingt eigene Wäsche oder Papierservietten. Man fordere^ daß der Raseur sich jedesmal die Hände reinige,, und vermeide die längst verpönte Puder qiraste oder go* den Sch warum. Ueberhanpt tväre es gut, wenn die Gäste die' Raseure zu mehr Sauberkeit in den'' Lokalitäten, zu besserer Reinigung der Hände und der Nägel, zu häuft-; . gerem Wechsel der Mäntel und Leibwäsche verpflichteten^ - womit es in Wien selbst in den besseren - Geschäften' sehr im Argen steht. ... * Infolge des gewissenlosen und ungesetzlichen Ver«. käufts von Methylalkohol zur Bereitung von Schnaps ist es in letzter Zeit zu einigen sogar tätlich verlaufenen! BergifLungen 'gekonrmen. Diese ailch Holzgcist genannte alkoholische Verbindung, die hauptsächlich bei der Herch stellung der Anilinfarbstosfe und zum Denaturieren des Alkohols technische Verwendung findet, hat zum ersten Male anläßlich der Massenvergiftung nnter den Besuchern des städtischen Asyls für Obdachlose in Berlin im Jahre 1911 die Anftnerksmnkeit der wissenschaftlichen ' Kreise in höherem ' Grade auf sich gelenkt. Damals gab es unter 174 Erkrankungen 80 Todesfälle. Schon einmaliger Genuß von einem kleinen Gläschen Methylalkohol kann die schwersten, leben bedrohenden Erscheinungen Hervorrufen; es entstehen furchtbare Lttcmnot! i mit Brustbeklemmung, heftigen Leibesschmerzen und Glieberzuckungeu. In keinein Falte fehlen Sehstörnmgenj die meist zur vollständigen Erblindung führen. .f Bei der heute allgemeinen Verfälschung der Nahrungs- und Genußnüttel ist jedenfalls größte Vor4 sicht im Genuß von Schnaps und Punsch geboten, zuma^ß' skrupellose Gcschäftslentr bei dem Mangel von Aethylff alkohol (Weingeist) zu der naheliegenden Substitution! ' desselben durch Methylalkohol greifen. Ei« italienisches kommerzielles Bnrea« in Wien. i Dw Jildustrke Italiens hat währerid des Krieges einest großen Aufschwuiig genoinmen. Wie wir erfahren^ wurden ivähreud des Krieges fast tausend neue Fabriksbetriebe für verschiedene Erzeugnisse, so beispielsweise in der Metallwar«^ brauche, in der chencischeu Jlldicstrie und der Textilwarenerzengung in Italien errichtet. Infolgedessen ist an verschieß denen Gebrauchsgegenständen und Jndustrieartikeln augenblicklich ein bedeutender Uebersluß vorhanden, der für den Export frei wird. Der geographischen Lage entsprechend^ kommt Deutschösterreich in erster Linie als Absatzgebiet für diese Artikel in Betracht, aber wir können auch vor allem aus! Italien, als deni nächstgelegenen Lande der- Entente eins Menge frischer Lebensmittel, die wir dringend. benötigen, wie frisches Obst und Gemüse beziehen. Für einige wichtig« Lebensmittel, wie Getreide und Fett, bestehen zwar italienischerseits noch Ausfuhrbeschränkungen, doch werben sogen jetzt schon in besonders berücksichtignngswürdigen Fällen auch für diese. Artikel von der italienischen. Regierung Ausfuhr-, bewilligungen erteilt. Einen besonderen Aufschwung hat während des Krieges die Auto-, Pnemnatik- und Flugzeugindustrie genonunen. A Bon allen erwähnten Artikeln, namentlich aber von Erzeugnissen der Textilindustrie nnd vieler Arten vvn Lebensmitteln sind iu Italien^ bereits große Mengen versandtbereik^ Die Preise sollen im allgeineiuen nicht wesentlich höher of§( vor twm 51riege sein. Biele führende Geschäftsleute sowies Gruppen von Finanzleuten haben sich bereit erklärt, zur Wiederaufnahme des Handels mit Deutschösterreich langfristige Kredite zu gewähren. Es besteht auch Aussicht, daß sich die valutarischen Verhältnisse bald bessern werden.^ Die:/ Devisenzentrale in Italien wurde bereits von der Regierung^ aufgehoben. Der Handel mit Devisen liegt ausschließlich,inj den Händen der hierzu befugten Banken und unterliegt einestgenauen Kontrolle. j. Itm bereits früher bestandene Bcziehimgen zwischen hiesigen und italienischen Kaufleuten wieder zu erneuern unk»! neue' anzuknüpfen, hat die italienische Mission hiev ein kommerzielles Brrrean eingerichtet, das -jederzeit gerrrst bereit ist, Auskünfte in deutscher Sprache zu erteilen, un^ Offerte hiesiger Kaufleute eutgegcnzrmehmen. Italien 'will von uns verschiedene Artikel beziehen, namentlich Glasware^ > Artikel der Holzindirstrie, toie Fenster- und Türrahmens, Möbel, ferner optische Jnstrmnente kämen für die Ansftrhst. nach Italien in Betracht. Andererseits wird dieses kommer-i zielle Bureau der italienischen Mission auch über Äfnbote ita-s lienischer versandtbereiter Ware verfügen, nm im Moments. des Friedensschlusses auch gleich mit »dem Handel einsetzew zu können. Das kommerzielle Bureau stellt Post und Tele-! graph in den Dienst dieser Vorverhandlungen. -z Italieir hat bisher den Trmcsport aller seitens de» Entellte ruls zirgekommenen Lebensmittel übernommen rmd? seilreit Anteil an dein nns gewährten Kredite von 30 Millionen >—. das ist 10 Millionen — bereits nur das Dreifache über-- schritten. Für die Transporte wurde auch zunr großen Teile die Kohle von Italien geliefert, obtvohl Italien gerade jetzt genötigt war, in emzelucn Gebieten die Kohlenkarte eitt&tt- ,ähren. f Pis zum 30. April wurden Denischösterreich vdrt Italiens nachstehende Mengen arc Lebensmitteln geliefert: S86.36Y Zentner Weizen^ 136.660 Zentner Mehl. 84.940 ZeMerj Reis, 45.000 Zentner Maismehl, 29.510 ZenstkQ Bohnewll l 12.080 Zentüer Fetr nnd Tel und 9-100 Zentner Kvndens-f ni'.lch.

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