Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 127 (26.5.1919)
- Date
- 1919-05-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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feette L Mm, Montag Msnev Mo-geuzeitung - — "- * ■" ■1 * ■—?»*■ '■ -1 -- .' ‘; ~ ..1 Was von den 14 PnnkteK ÄÄriggehliebeK ist. London, 2b. Mai. (Tel.-Komp.) Im ^Labour Leader^ schreibt dabekannte Unterhausmit^lied P o ns o « b y: Es war den vierzehn Punkten Wilsons zu verdanken, daß eine BafiS für die Einstellung der Feinds seligkeiten gefunden wurde. Die Alliierten und die Deutschen haben diese vierzehn Punkte als Basis für die FriedenSverhondlungen angenommen. Es wurden jedoch bei zwei Punkten Vorbehalte gemacht, imd zwar bmsichtlich des zrveiteu Punkte-, der die Freiheit der Meere behandelt, und des zehnten Punkte-, der sich mit Oesterreich-Ungarn besaßt. ES bleiben also zwölf Punkte, m denen »an emig ist und zu deren Ausführung man sich verpflichtet. Punkt 1 wurde nicht eingehalten, da baS Abkommen nicht, wie darin verlangt wurde, in öffentlicher Verhandlung festgelegt worden tft. Punkt 3. Die wirtschaftlichen Hemmungen sind nicht beseitigt worden, sondern es sind neue dazugekommen und es ist nicht die Rede davon, daß die gleichen Handelsbedingungen für alle Völker ««geführt werden, die sich am Mr'ege beteiligt haben. Punkt 4. Genügende gesetzliche Garantien für die Beschränkungen der nationalen Rüstungen auf ei» Minimm, das mit der nationalen Sicherheit vereinbar ist, sind nicht gegeben worden. Nur Deutschland muß abrüstcn. Punkt 6. Ss hat keine freie vnpmteMche Untersuchung der kolonialen Ansprüche Migefunden. . Nur Deutschland wird aller seiner Kolonien beraubt, die fast zur Gänze au daS britische Reich fallen, ohne daß der Völkerbund hierbei z« Rate gezogen wurde. "Punkt 6. DoS russische Gebiet wurde nicht geräumt mck der Satz Wilsons: .Die Behandlung, die die Rüsten in den nächsten Monaten bei den Schwestermitionen finden werden, werden der Prüfstein für den guten Willen dieser Nation sein*, machte den Eindruck Mischer Ironie. Punkt 7. Die Räumung nnd Wiederherstellung Belgiens ist der erste Punkt, an den man sich tatsächlich Hebalten hat. Aber in diesem Punkte ist keineswegs vorgesehen, daßEupen und Malmedh Deutschland genommen werden sollen, ohne daß die Bevölkerung darnach gefragt wird. Punkt 8. Wilson hat, als er diese Punkte ansstellte' keineswegs daran gedacht, daß die Mittel zur Wiederherstellung des Unrechtes, das Frankreich im Jahre 1871 erlitt, in der Rückgabe Elsaß-Lothringens und außerdem in der Ueberwkisung deS TaarreviereS an Frankreich bestehen sollen. Punkt 9. Italien stellt Forderungen, die die offenbar anerkannten nationalen Grenzen weit überschreite«. Punkt 11 und 12 beziehen sich auf die Balkanftaaien und die Türkei, doch find die Bedingungen hierfür noch nicht bkkrnnt. Rach Punkt IS sollte Polen mrr Gebiete mit mr- -weifelhaft polnischer Bevölkerung umfgssen, im Friedensabkommen aber werden Gebiete, die vorwiegend deutsche sind, Polen zugewiesen und Ostpreußen wird vollkommen von Deutschland abgetrennt. Punkt 14. Der Völkerbund ist gegründet. Deutschland wird aber nicht als gleichberechtigt unter de« Völkern znm Bunde zugelasten nnd der Verband, der zwischen England, Amerika und Frankreich geschloffen wird, begibt sich von Anfang an des Geistes des Völkerbundes, wie dieser ursprünglich, gedacht war und macht die Spaltung der Welt in zwei feindliche Lager zur. unabwendbaren Notwendigkeit. o» Die Natioualstaate« stelle» Entschädigungsansprüche. Paris, 25. Mai. (Funkspr. der Tel.-Kvmp) Die tschecho-slowakische, die j u g o- N »wische und rumänische Delegationwerden Montag der Kommission für Schadenersatz ihre A nfprüche auf Entschädigung von Oesterreich-Ungarn vortragen. Die Verifikation von Vollmachten. Saint-Germai«, 26. Mai. Samstag rmr halb 10 Uhr vormittags ist der Ausschuß für Ne Verifikation der Vollmachten zufammengetreten, um die vom Präsidenten der österreichischen Delegation, Staatskanzler Dr. Renner, überreichten Vollmachten" zu prüfen. Anwesend waren Jules Cambon, White, Lord Hardkige» Marohon, ImperiaK nnd Matfui. Die rumänischo Grenze. Lyon, 25. Mai. (Funkspr. des Tel.-Korr.-Dur.) Der Rat der Fünf hat Samstag dir Linie der rumänischen Grenze im Banat von Temesvar und in der BuLowina festgesetzt. Brockdorff nach Versailles znrückgekehrt. Versailles, 24. Mai. (Funkspr. d. Tel.-Korr.-Dur.) Graf Brockdorff-Rantzau ist um */,12 Uhr vormittags hierher zmückgekehrt. Die Frage des SaargebieLes. Lyon, 26. Mai. (Funkspr. des Tel.-Korr.-Bur.) Die vier Regierungsoberhäupter haben Samstag vormittags eine Sitzung abgehalten, in der sie die wirtsthastücheu Bestimmungen des Vertrages mir Oesterreich prüften. Femer haben sie den endgültigen Wortlaut der Antwortnote auf die vom Grafen Brockdorff-Rantzau bezüglich des Saargebietes übersendeten Schreiben festgestellt. Dem w£entps* zufolge hält diese Note sämtliche Bestimmungen, sowohl die wirtschaftlichen wie die politischen, die in dem Vertrage bezüglich des Regimes im Saargebiete ausgenommen worden waren, aufrecht. Bloß eine einzige Abänderungist vorgenommen worden. Sie betrifft die Modalitäten der Goldzahlung, die Deutschland eventuell für den Tell der Bergwerke leisten sollte, den es nach der nach Ablauf der 16 Aahrr vorzunehmenden Abstimmung zmückzukaufen hätte. Die Regierung Koltschak noch nicht anerkannt. Paris, 26. Mal. (Tel.-Komp.) Trotz des Drängens von Frankreich nnd England hat der Rat ha Vier die Rgierung Koltschaks noch immer nicht anerkannt. Er wird erklärt, daß die Konferenz die Lage in Simderek genau untersuchen werde, ehe fie sich aus eine endgültige russische Politik festlege. Die amerikanische Mission hat alle Mitteilungen «egen der Abreise des amerikanische« Gesandten Dorris aus Tokio» der sich zu Admiral Koltschak begab, abgelehnt. Die Intervention in Rußland. London, 25. Mai. (Reuter.) Der zweite Teil der Hilfstruppen für Nordrußland wird in den Tagen vom 27. bi» LU d. M in See Keine Verbindung Petljuras mit de» Bolschewiken. Lyon, 25. Mai. (Funkspr. des Tel.-Kon.-Bur.) Das ukrainische Preßbureau in Bern erfährt aus Stanlslau, daß alle Meldungen Über einen angeblichen Uebergang dcsGenerals P e t l j u r a zu den Bolschewiken und Über einen Einbruch der Bolschewiken in Galizien reine Erfindung sind. 24stündiger Generalstreik der Internationale gegen de» Gewaltfriede«. t Berlin, 26. Mai. (Korr.-Bur.) Der „Vorwärts* meldet aus Lugano: In einer großen sozialistischen Kundgebung in Mailand hat Serrati eine^ 2 4 stündigen General st reik der Sozialiste aller Lander als Protest gegen den von der Entent" Deutschland angedrohten Gewaltfriede» »er kündigt. Angara KLmpft gegen Lüge und Rot. Budapest, 25. Mai. (Ungar. Tel.-Korr.-Vur. Der Budapester Derttral-Arbefter- und Soldatenrat ha heute nachmittags eine Sitzung abgehalten, woran auch ausländische Genossen teUnahmen. Morgari (Italien), Nikola Ilie (Jugoslawien) und Frau Eastman (Newffork) überbrachten die Grüße der Arbeiterschaft ihrer ander. Volkskommissär für Aeußeres Dela Kun erstattete einen längeren Bericht über die Lage und erklärte, daß im Vordergründe des politischen Kampfes heute zwei Fragen stehen: der Kampf gegen die Verbreitung von falschen Nachrichten und der Kampf gegen die Not. In diesem Kampf sei Ausdauer und Geduld notwendig, um eine Rückkehr zur Dourgeoisdiktatur zuverhindern. Der Ged«! d bedürfe es auch bezüglich der militärischen Lage. Mehrere Bylkskommiffäre berlchtetm sodann Über die militärische Lage, darunter auch Armee* oberkoimnandant Böhm, der erklärte, er könne nur kurz Mitteilen, daß die Tschechen gemeinsam mit den Rumänen oberhalb von Miskolc-mit doppelter Urbermacht angegriffen haben und mit halb so starken Kräften zerstreut worden seien. Unsere Skeitkräste, sagte Böhm, sind im Vordringen begriffen. Oberhalb Fülek wurden die Tschechen geschlagen. Die Sajo-Lime ist beinahe ganz in unseren Händen. 10 Millionen Schaden in Prag. Prag» 25. Mai. In der Stadt herrscht Ruhe. Das Strcchenleben zeigt da» gewohnte Bild. Die erst Freitag angeorbuete frühere Sperre der Häuser und der öffentlichen Lokale wurde noch gestern abends aufgehoben. Der »Narodni Lifty* zufolge dürste flch der durch die zroangsweifen Verkäufe verursachte Schade nach Berechnungen kaufmännischer Kreise aus 10 Millionen Kronen beziffern. Padereivskl in Prag. Prag, 25. Mai. (Tschecho-sloro. Preßbm.) Ministerpräsident Daderewski ist als Repräsentant des polnischen Staate« mit seiner Gemahlin und Gefolge heute abends hier eingetroffen. Nach der Bearüßung durch den Präsidenten Masaryk fuhren Ministerpräsident Paderewski und seine Begleitung in die Burg. 26 Mai 1919 Nr. 127 Protest dev Mailänder Sozialist««. Verein, 25. Mai. DaS „Ber?mer Tageblatt" meldet aus Lugano: In Mailand fand eine mächtig« Proteftversammtung gegen einen Gewaltkrieden statt. Der sozialistische Abgeordnete Treves rief in seiner Rede aus, daS Gewisse» der ganzen Welt lehne sich gegen den Betrag auf. ■*. Der Herausgeber des „Avanti", Serrati» brandmarkte die Tatsache, daß gerade die demokratischen Nationen sich im Länderrand am meisten hervortun. Aber ein e i n r ä g i g e r i n t e r n a t i o n a! e r G e n e r a l st r e U würde genügen, die Negierungen zu einem gerechten Frieden zu zwingen. Endlich erklärt der Abgeordnete T u v a t l, dieser infame Friede, dieser die Menschheit < schändende IubaS.pak t^bfirfe nicht bestellen bleibrn. Die Völker würden dafür sorgen, daß der V ersa i ller Bertrag nicht revidiert, sondern zerrisse» würde. (Ungeheurer Beifall.) RervSse Stimmung «nserer Delegation. SaintoGLvNain-en-La^e^b. Mai. ^Le Journal^ schreibt: „Ein amerikanisches Blatt behauptete gestern, der Frjedensvertrag mit Oesterreich werde Dienstag vollendet sein und Mittwoch überreicht werden. DaS ist gelinb? gesagt eine kühne Behauptung, denn schwierige Finanzfragen sind noch zu lösen. Da man aber schließlich das Gefühl hat. doch einmal zum Ende kommen zu müssen, so haben sich die Regierungschefs herbeigelaffen, gestern die schwierige Aufgabe der sinanziellcn Liquidation der früheren Habsburgcrmonarchie zu besprechen.- ES versteht sich von selbst, daß die durch daS lange fruchtlose Warten hervorgerufene nervöse Stimmung der Delegation, die erst gestern m einer Note die Gefahren einer weiteren VerzögA:ung dargelegt hat, durch derartige Blätterstimmen noch mehr gesteigert wird. Manche der Delegierten, deren in Wien oder in den Ländern dringende Arbeit harrt, beginnen sich zu ftagen, ob ein tatenloses und in der Dauer unabsehbares Warten angezeigt erscheint und ob eine Unterbrechung deS Aufenthaltes in St. Germaiu bis zu dem Tage, der für die Uebergabe der Friedensbedingunge» endgültig bestimmt werden wird, nicht ratfamer wäre. Wilson gegen Polen. * Konflikt wegen der polnische« Ofleafioe. Berlin, 25. Mai. Die ^Deutsche Allgemeine Leitung* berichtet akS dem Haag: D:e Weigerung der Polen,. auf den vom Blererrat verlangten Waffensttllstand einzugehcn nnd den weiteren Vormarsch gegen die Ukraine aufzugeben, spitzt s i ch z u einem Ko nf l i k t z«. Der Viererrat empfing gestern eine ukrainische Kommission, die mitteilte, daß die Ukrainer durch die Fortsetzung der polnischen Offensive gezwungen feien, ihre Truppen zur Abwehr deS polnischen Angriffes von der ruffischen Front abzuziehen und dadurch den We^ für den Aufmarsch der Bolschewiken frei zu machen. Die Polen gebrausten die Truppen deS Generals Haller, dir zum Kampf gegen die Bolschewiten bestimmt nnd hierfür von der Entente ausgerüstet worden seien, gegen die Ukraine. Präsident Wilson beabsichtigt, im Namen des Viererrates eine Note zugunsten der Ukraine herauszugeben. Jedoch soll vorher die Ankunft Paderewski S, der heute oder morgen in Paris einlnfst, adgewartet werden. Freilaffttug der Geisel» in Budapest. Budapest, 25. Mai. Das Ung. Tel.-Korr.-Burea« meldet: Die ungarländische Räterepublik hat über ihre inneren Gegner triumphiert und der Angriff der Über da« Land hergefaüenen Eöldnerscharen wurde von den unter Waffen getretenen Proletariermaffen ausgehalten. Die Räterepublik hat sich befestigt nnd da die Räterrgierung bei der Aushebung der Geiseln nicht durch das Gefühl der Rache geleitet wurde, andererseits aber die politische Nowendigk«1 einer weiteren Jnhaslhaltung der Geiseln anfgehört hat, hat die revolutionäre Räteregierung die Freilassung sämtlicher Geiseln angeorbnet. Der vesterreichische Lloyd an ein italieuifches Konsortium verkauft. Pari-, 25. Mal. (Funkspruch deS Tel.-Korr.-Bnr.) Der im Jahre 1836 gegründete vesterreichische Lloyd, der 1913 außer dem Stammkapital von 28 Millionen Kronen 80 Millionen Kronen Obligationen und Reserven von 17 Millionen besaß, wird infolge Ankaufes der Aktienmehrheit durch eine italienische Finanz gruppe in nächstem Zeit eine große italienische Unternehmung werden. Ein italienische- Bankenkonsdrtiu» Hot 120.000 Aktien der Austrv-Amerieana angetanst, welche Lchiffahrtgesellschast im Johre 1912 62 Schiffe mit einem Gehalt von 145.000 Tonnen besaß- MBMHMHUMM finden Si? am leichtesten durch ein Stellengesuch im ^Kleinen Anzeiger^ der Wr. Morgenzeitung RI