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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-26 · Heft 127 (26.5.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 127 (26.5.1919)
Date
1919-05-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 127 Momag Wiener MvrDenzrrrnnA Deutscher Protest gegen BrrN«, 2b. Maü DaS Wölfische Bureau meldet: Zn Ergänzung des gemeldeten Protestevom 23. Mai gegen die beabsichtigte Prokkamierung einer neutralen Republik Pfalz hat Reichsmirnster Erzberger heule an General von Hämmerst rin in Spaa zur sofortigen Weitergabe an General Noudan 1 ein Telegramm gerichtet, worin er darauf Bezug nimmt, daß der Negierungs- Präsident der Pfalz, von W i n t e r st e i it, von General Gerard zwangsweise über den Rhein abgeschoben worden ist und alle politischen Beamten von den französischen Besatzungsbebörden aufgefordert worden sind, der geplanten neuen Pfälzer Regierung den Treueid zu leisten« Weiter führt Reich-minister Erzberger die Bekanntmachung des Generals Gerard an. in ^der es heißt, eS fei dem Generalkommando der französischen Armee zur Kenntnis gekommen, daß Landauer Bewohner wegen ihrer sympathischen Gesinnung für Frankreich seitens gewisser deutscher Beamter Ungelegenheiten erfahren hätten. Dari« liege ein Verstoß gegen die Befehle des Marschalls Fvch sowie eine Nnkorrekth eit dem siegreichen und wohlwollenden Kantreich gegenüber. Das französische Besatznngslom» mändo in der Pfalz werde alle Bestrebungen auf deren Selbständigmachnng im Anschluß an Frankreich auf dawohlwollendste fördern und alle gegenteiligen unterdrücken. Auf Grund dieses Tatbestandes ersuchte Reichsminister Erzberger den General von Hammerstein, der interalliierten Mission in einer Protestnote zu erklären» General Gerard und die ihm unterstellten französischen Besatzunßsbehörden Härten ihreNechte mißbraucht, um einen Staatsstreich zur Loslösung der Pfalz von Bayern und dem Deutschen Reich zu fördern, der von insgesamt 21 Persönlichkeiten den Putsch in der Pfalz. ins Werßh gesetzt worden sei, über den aber die überwältigende Mehrheit der pfälzischen Bevölkerung voll Empörung und Entrüstung sei. Nachdem nun am 18. Mai die pfälzischen Abgeordneten, die Mitglieder der pfälzischen Landrates als des verfassungsmäßigen Selbstverwaltungskörpers, die Führer der politischen Parteien, die Vertreter von Handel, Industrie und Gewerbe, des Weinbauer, der pfälzischen Genossenschaften, der freiem und der christlichen Gewerkschaften und des KreisverbandeS Pfalz des bayrischen Beamten- und LehrerbundeS in einer einstimmigen Entschließung den Willen der Bevölkerung festgestellt hätten, daß die Pfalz am gemeinsamen Vaterland unlöslich festhalten wolle, würde die weitere Unterstützung dieser ho ch verräterischen Pläne einer Handvoll Leute durch Gewaltmaßnahmen und Gewissenszwang gegenüber den pfälzischen Beamten und der Bevölkerung seitens des französischen Oberbefehlshabers gegen Völkerrecht und internationale Moral verstoßen. Die deutsche Regierung erhebe gegen -aS Vorgehen des französischen Oberbefehlshabers in der Pfalz erneut schärfsten und feierlichen Protest, sie könne nicht annehmen, daß im Augenblicke der Friedensverhandlungen ein jo offenkundiger Rechtsbruch und eine so flagrante Verletzung deS Selbstbestimmung-rechtes mit Billigung de- Höchstkommandierenden, MarfchallS Fock, und der französischen Regierung erfolge; sie appelliere daher an die von allen Völkern und Staaten gebilligten Grundsätze dekünftigen Völkerbundes der Gerechtigkeit und der internationalen Moral, indem sie die sofortige Abberufung des französischen Oberbefehlshabers in der Pfalz und die sofortige Rückgängigmachung seiner Vergewaltigung-maßregeln erwarte. Die Aenderrrng des Friedensvertrages. Amsterdam, 25. Mai. Der Pariser Korrespondent der „Daily News" meldet seinem Blatte unter dem 2§. Mai: In Kreisen der Konferenz nimmt die Ueberzeuguna zu, und zwar auch unter den Franzosen, daß an dem Vertrag erhebliche Aenderungen vorgenommen werden müssen, ehe von der endgültigen Unterzeichnung die Rede sein könne. Ein Delegierter erklärte dem Korrespondenten, die nationale Ehre jeder einzelnen der Verbardsyiächte fordere die Abänderung deS Vertrages. Er werde zweifellos abgeändert werden, aber man könne noch nicht Vorhersagen» ob er genügend abgeändert werden würde, um ihn zu einer handlichen Grundlage für einen Frieden zu machen, treu dw Völkerbund im Laufe der Zeit verbessern würde. Hsldane über die trübe Zukunft. London,'25. Mai. Im „Glasgow Herald" schreibt Lord Haldane: ES ist noch zu früh, ein definitives Urteil «her die vorgeichlagenen Friedensbedingungen abzugeben und Stellung zu de« Problemen zu nehmen, die im Abkommen erwähnt sind. Lord Haldane ist der Ansicht, die Bedingungen seien so streng, daß sie die Keime neuer Krieg e in sich tragen. könnten und dadurch vielleicht sich selbst vernichten werden. Er glaubt, es sei für Deutschland unmöglich, die verlangten Entschädigungen zu bezahlen, falls man tatsächlich zu große Gebietsteile von Deutschland abirenne, ist jedoch nicht der Ansicht, daß Deutschland dem Bolschewismus verfallen werde, obwohl' es möglich sei, daß der Bolschewismus durch die jetzt gestellten Bedingungen gefördert werde« Lord Haldaue befürchtet eine Bedrohung des Völkerbundes durrü die jetzt vorgrschlagene Lösung und äußert seine Beunruhigung über die Zukunft. x Berlin soll Lombardiert werdeir. Berlin, 25. Mai. (Tell d. „Wr. Morgenztg.")Der Berliner „Lokalarizejgei * meldet aus V ers.ailleS: Nach amerikanischen und englischen Meldungen ist, falls Deutschland nicht unterzeichnet, beabsichtigt, nicht nur sofort den/Vormarsch anzntreten, sondern auch den Luftkrieg wieder aufzunehmen. Man behauptet, Berlin würde Tag und Nacht bombardiert werden; dann würden, so meint „Paine*, die Deutschen bald zur Vernunft gebracht werden. Es scheint aber kaum glaublich, daß derartige Pläne von Amerika ausgehen, das erklärt hat, eS würde m Juni alle seine Truppen aus Europa zurückziehen. Tirol gegen die Einreise. Hrmsbrrrch. 35. Mai. . In der heute hier unter dem Vorsitz deS ObinauneS S ch r a f s l abgehaltenen Generalversammlung des Tiroler BanernbundeS wurde eine Resolution beschlossen, die sich mit der drohenden Ueberschwemmung deS Landes mit Fremden beschäftigt und in der sie sich entschieden gegen die Verfügung der Wiener Regierung verwahrt, wonach das Land Tirol während, der kommenden Sommermonate der Einreise Fremder offenstehen soll. Die Versammlung erblickt hierin eine schwere Schädigung der ohnehin schon schwierigen Ernährung-Verhältnisse de- Landes. Die Landesregierung wird daher aufgesordcet, gegen den Verbrauch und die Verschleppung der Lebensmittel durch Fremde mit allem Nachdruck auszittrelen. Tagesbericht. Wie es den Gefangene« in Sibirien geht. Das Blatt des Deutschen Volksbundes znm Schutze > der Kriegsgefangenen schreibt:; Bei den Ententeregiernngen werden bis Interessen unserer Landsleute mit schärfstern Nachdruck vertreten. Die Verhandlungen haben zu dem Resultat geführt, daß die Fürsorgetätkgkeit neutraler Delegierter gestattet wurde und daß das amerikanische Rote Kreuz die Vermittlung von Postsendungen und Nachs richten zwischen den deutschen Kriegsgefangenen inSibi-! rien und ihren Angehörigen übernommen hat. I Nach dem Ausbruche der sogenannten „Tschecheurrvolntüm" m 26. Mai 1918 änderten sich die Verhältnisse in Sibirien vollständig. Die Tschechen hinderten sofort jeden weiteren! Abtransport und brachten alle unterwegs befindlichen Transporte wieder in den alten Lagern unter. Die Zivilgsfangenen aus KraSnvjar-k und Ir-! tutSk sind nach TobolSk gekommen. Die sonstigen > <ruf freiem Fuße stehenden Gefangenen wurden auch wieder in geschlossenen Lagern uuiergebracht, die dann unter tschechische Bewachung gestellt wurdet!. Die Behandlung soll nicht den Grundgesetzen des Völkerrechtes j widersprechen. Die Tschechen halten im allgemeinen bessere Ordnung in den Eesangenenang-elegeuheiten als früher die russischen Negierungsorgane. Die Gesundheit-Verhältnisse geben z« Klagen kaum Anlaß. In den Berichten aus Ostsibirien wird hervor gehoben, daß dort keinerlei epidemische Erskrankungen vorgekommen sind; auch -us dem Westen sind derartige Fälle nicht gemeldet rvocken. Geldmittel, die für den Hilfsdienst zur MannfchaftSzulage. Kra >, ü n ko starr fiesserung und zu Sprtalszwerken erforderlich sind, sinreichlich vorhanden. Im übrigen ist die westsibirische Regierung darauf eingegangen, den Offizieren die bisher fällig gewesenen und nicht ausbezahlten Gehalte vom Mai 1918 an auSAuzahlen und auch künftig regelmüßig die MonatSaeüalte aus.^ukolaen. Im östliche« Sibirien ist di« Lage der Gefangenen am besten. Die Japaner und Amerikaner haben die dortigem Lager vollständig übernommen. An Offiziere und Mannschaften dieser Lager werben regelmäßig Zahlungen durch die japanische Behörde geleistet, und zwar erhält jeder Offiziersaspirant. Leutnant und Oberleutnant 870 Rubel monatlich, jeder Offizier vom Hauptman« aufwärts 850 Rubel monatlich, bi« Unterl offiziere und Mannschaflerr täglich 2Vt Rubel. DskleidungSstückr find auch zur Verteilung gelaugt. Die! Berpff<§tt»s ist im allgemeine« rmSrrkhen-. s Jeder im Lager befindliche Kriegsgefangene erhält pro! Tag ein Pfund Brot, y* Pfund Fleisch, etwas Butter und Tee. Die deutsch« Regierung hat die bringende Forderung erhoben, die Heimschaffung aller in Rußland befindlichen Gesangemn unverzüglich zu besinne» und unabhängig davon nochmals ersucht, einige j deutsche Kommissionen nach Sibirien reisen zu lasse«. 26. Äcar re» 4 Juden nnd Jüdinnenv Reklamiert euer Wahlrecht zrrm Jüdischen Rattonalrat für Deutschssterreich! Wahlberechtigt ist jeder Jude ohne Unterschied des Geschlechtes, der sich zur Mische» Nation bekennt uud dus 2v. Lebenswahr Überschritts« hrrt../ 9!»me!S)»?*«i znr Eintragung hx die Wählerliste im Bureau des Natisnalrates: Wie«, II«, Taborftr. 2Sd Großer Brand im Prater. Ein« Million Schaden. In der Wollwäscherei und Trockenanlage.der Ledersabrikssirma Heinrich Riß und Söhne im Prater, §cta* delskai 334, kam gestern nachmittags vermutlich durch Selbstentzündung von gepreßter Wolle ein Brand zum, Ausbruche, welcher sich schnell in ein angrenzendes Ge-j Läude, in dem R-.nderfelle eingelagert waren, ausdehnte.j Die durchschlagenden Flammen ergriffen dann auch dens. im erste» Stock' gelegenen Trockenraum und auch dass zweite Stockwerk des Haupttraktes. Im Trockenbodens waren Schaffelle eingelaaert. I Löschzüge der Berufsfeuerwehr, die m rascher Folgeauf dem Platze sich einfanden, konnten erst nach mehr! als einstündiger mühevoller Arbeit den Brand lokalisieren und nach Verlauf einer weiteren Stunde ganz unterdrücken.; Der Dachstuhl ist zur Hälfte ein Raub der Flammeuf geworden. Der verursachte Schaden, der durch Versicherung, gedeckt ist. dürfte eine Million Kronen betragen.; Der Fabriksbetrieb, in welchem 60 Arbeiter beschäftigt;, sind, wird wahrscheinlich nicht aufrechterhalten werde«; könne». Wiener Börse. Mt Rücksicht auf die noch immer ungeklärte; Lage, erösfnete die heutige Börse in lustloser Haltung mit leicht abgeschwächten Kursen. Lediglich für Alpine» Aktien, ln welchen das Geschäft reger war, zeigte sich erhöhtes Interesse. Mitteilungen des AnterrichtsamteS des Jüdischen Nationairates. \ Um der Zersplitterung und Kräftevergsudung, -bei gegenwärtig auf dem Gebiete des jüdischen BtldungS- [ und Unterrichtswesens herrscht, ein Ende zu machen,« plant das Unterrichtsamt die Zentralisierung aller j jüdisch-kulturellen Bestrebungen. An die Stelle system-. loser, vielfach unfruchtbarer Einzelaktioneu der Vereine:^ soll «fine einheitliche und pla:i...aßige, die tzyrhandensn Kräftze zusammen fassende Wirksam Seit treten. Und zwarfi sott in dem Unterrichtsamt eine Zenicalstekle geschaffen; werden, von der insbesondere größwr und schwierigere.; Aufgaben auf dem Gebiete deS Mischen Biloungs- ' u»d UnterrichtSwesens in Angriff gemmwen einer! sachgc.^äßcn Lösung zngeführt werden sollen.! Die Organisationen und Veraüre, deren Tätigkeit! sich auf das jüdische Erziehuugs- und Bildungswesen! erstreckt, werden daher ersucht, sich so bald als möglichst schriftlich beim Unterrichtsamt des Jüdischen N-Ltional-! rates, 3. Bezirk, Taborstraße 20 a, anzumeld-en. Nachdem Eintrefien der Anmeldungen werden an diese Der-; eine Einladungen zu einer Beratung behufs SchaMngj eines Kulturausschusses ergehen.! * Ärrsgabe von türkifchsm ZigaretLenLabak. Wie! dir „Oestecrcichrfche Tabakzeitung^ erfährt, wird der feinst e| u n a a r i s ch e Zi g a r et t e« 1 a d a k zu sMia Heller per Paket nicht mehr erzeugt. In der nächsten Zeitwird mit der Ausgabe von 85 Gramm-Packungen feinste«! t ii r t i s ch e n R a « ch t a b a k S begonnen. Preis ll 5.50 per! Päckchen. Bei der Wiener F'manzbrzirksdicektiou fand eine E «-! gurte wegen . Amderuna in der Zuweisung des Tabak« j Materials an die einzelnen Berlagsbezirke statt. Hierbei brachten! die Trafikanteir ihre Beschwerden wegen der immer schlechter! werdendm Zuweisung deS Materials vor. Es wurde dem! Präsidenten des Reichsverbandes der Tabaktrafikanten eine! neueStammkundenzählung in den ernzelne« Bezirke»; zngefichrrt, um eine gerechtere und gleichmäßigere Fassung zu er-' moglichw. Eine Jnbenstattflkk. Die größte Judengemeinde der Welt, Ist dir in New-Uork, welche gegenwärtig IV* Millionen Mitglieder zählt. Ihr Budget beträgt 1.8,700.000 Dollar, wovon 3,600.000 Dollar auf den Unterricht cntfatleit, obwohl die jüdischen Schulen nur von 14 Prozent der jüdischen Kinder besucht werden. Die größten Judengemeinden in Europa sind die in Budapest vnc» Warschau. Daun kommt- Wien mit 850.000 fLeelen «ch Berlin mit 150.000. Insgesamt gibt es tu der ganzen Welt Ui/4 Millionen Juden, von denen sich vorläufig nur 3 Mtlliouen in Palästina ansiedeln könnten. * Trdffkmng der städtische» SvmmrrSäder. Die Müschen Sommerüäder sind nun geöffnet, und zwar di« Strombäder bei der Augartenbrücks, Sophienbrücke, Kaiser Josef«- Brücke, da» Strombad in Nußdorf, dem auch ein Bonnen-' und Luftbad angealiedert wurde, ferner das Bchwimm-, Luft- und Sonnenbad „rkucheloü" im Kahlenbergerdorf, das Strandbad „Stadkau" und das Freibad „Alte Donau". Das Strandbad „Mnsehäufel" wirb am 88. Mai eröffnet, die übrigen' Sommerbäder am 1. Juni. < * Dr*tschöst«rr:tchischer Fstrsorgeverein für zugereiste kranke Inden. Seit 10 Jahren existiert in Wien «i» Hilfsverein zur Unterstützung kranker zugereister armer Juden, welch« ärztliche Hilfe benötigen. Der Verein hat wahrend, des Krieges zirka 5000 arme kranke Juden ärztlicher Hil^ zugeführt. Er erhält von der Flüchtlingszentral« eine Subvention von ft. 800, während die Wiener KultuSgcmeind« wie auch die Allianz es nicht fttr nötig hislrrn, disssr Verein, der unter sehr schweren Bedingungen arbeitet, z»ri »nterstützen. Die Generalversammlung beschloß, ein eigenes,' Hei» wie auch M Amdulatottum fitr tugereche Le»^

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