Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 124 (23.5.1919)
- Date
- 1919-05-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wt‘ - Wien, Freitag Wiener MörgenzerLrmg Erhöhung der Brotration. Vom StaatSamLe für Volksernährnng wird verlautbartr Die ZnfchAhe an Brotsrucht machen es möglich, vom Sonntag den 25. d. M. an eine Erhöhung der Brotration durchzuführen. Sowohl für den Schwerarbeiter als auch für alle sonstigen Verbraucher wird die bisherige Brotration »m ein Viertel erhöht zur Ausgabe gelangen. , « Pvivattelegrammverkehr nach Südtirol» Görz, Küstenland und Dalmatien. Nach Trient, Bonn, Triest, Görz, - Zara, Sebenico und Pola sind Privattrlegramme wieder ziMsig. Sie müssen in sramösischer, englischer oder italimischer Sprache abgefaßt sein. Die Wortgebühr betrügt 59'Heller. * Eine jüdische Volkshochschule in Warschau. Die jung-demokratische zionistische Partei „Zeire-Zion" errichtete in Warschau eine jüdische Volkshochschule. * Anmeldung von Marlen. Die heutige ,Miener Zeitung" verlautbart eine Vollzugsanwetstmg des Staatsamtes für Handel und Gewerbe, Industrie uird Bauten vom 13. Mai 1919 'betreffend die Anmeidüng von Marlen. * Dir Spinnpaptererzeugnisse freigegeben. Die heutige „Wiener Zeitung^ verlautbart eine Vollzugsanweisung bc5 Staatsamtes für Hcksidel und Gewerbe, Industrie und Bauten vom 12. Mai 1919, womit die Verordnung des Hcmdels- Nlinisters vom 29. November 1917, R.-G.-M. Nr. 460, betreffend Beschränkungen der - Herstellung, der Veräußerung üird der Mstieferiutg von SPinnPapiererzeug.nissen auß - u Wrr-ksa.mkeit gefetzt wird. * Gilt TÄephongespräch, das hunderttausend Kronen lostet. Äm 12. d. M, brachte ein Bankdiener zu dem Schalter einer hiesigen. Bank, sausendKronen p. je tOO Krönen zum Umwechseln in größerö Scheine. Der Oberbeamte legte zehn Banknoten zu je 40.000 Kronen hin, wurde aber plötzlich 6um Telephon gcntfen und vergaßdas Bündel Hundertkrönenscheine am sich zu nehmen. Erst bei Kassaschluß stellte er fest,, daß ihm 100.000 Kronen fehlten. Da man den Bankdiener nicht gekannt hatte, beobachtete, man Tag für Lag die Aus- und Eingehenden, und am 17. d. erschien wirklich ein Mann an dem Schalter, in dem inan den Gesuchten erlannte. Er ist der Skontist Joses D. Er stellt die Verübung des Diebstahls entschieden in Mrede, jedoch wurde durch die Erhebungen der' Verdacht gestärkt, daß er der Täter ist. * Wieder eine falsche Kommission. In der Wohnung der Nabbinerswitwe Berta Horowitz, 9. Bez., Badgasse 31, erschien kürzlich eine Kommission," die, einen Auftrag, des Kriegswucheramtes vorschützend, in der Wohnung, nach Geld;u suchen begann. Sie erbeuteten 41.000 Kronen, mit denen sich die Gauner empfahlen. Nun wurden 'mehrere Mitglieder vieser Bande,' unter ihnen die Prioatbeamten Anton Ringer und Julius S atz-verhaftet. * Schwede; mit tschecho-slowakischen Banknoten. Ein ungefähr. vierzigjähriger Maiuv der sich Fciedes Lichtenthal nannte und 20. Bez., Streffleurgasse 15, zu wohnen behauptete, hat am 20. d. M. in der Filiale der Wechselstubenaktiengesellschaft „Mereur". in Floridsdorf, Hauptstraße 43, 53 St. Noten zu je K. 100 mit gefälschtem, tschechö-slowakischen 'Stempelaufdruck gegen K. 7579 in deutschösterc. Banknoten. eingewechselt. Die ' Fälschung besteht darin, daß die deiden 'Querbalkett am Kreuze nnd Kopfe des Löwen einander zu nahe. sind. Der.Betrüger, ist klein, hat schwarzes Haar, kkoLeleüs^< SpitzHa.vt^,>vyd.^Lrägti schwarzen' Ueberzieher und s'chwar'zL^.Änzug«... . 7.7' .....' >»7.. * Explosion' einer Hetroleniirlauche. Gestern nachts explädierte in der Wohnung des MHbelhändlers K.o. h.u, Simmeringer Hauptstraße 138, eine Petroleumlaurpe. Dadurch geriet die Zimmereinrichtung. bt Brand. Die Häüptwache Favoriten und die-Filiale Simmieving der städtischen und die Simmeringer Turnerfruerwehr. rückten aus pnd kannten das Feuer in kurzer Zeit löschen./D-ev/Schatze-betragt imgefähr 2000 Kronen.Herr Aohn zog' sich' bei den Löschversuchen Brandwunden an beiden Händen zu. * StraßeirrSuVer. Pm ZI. d. W:. abends wurde der Kaufmann Samuel Blumen selb, Karl Meiselstraße 8 wohnhaft, in der Nnhdorferstruße. unweit der Markthalle voit einem ungefähr 30jährigeu Manne und einem glatt rasierten. Burschen überfallen und einer Brieftasche mit 9000 Kronen beraubt. Der Bursche hatte Herrn Blinnenseld von hinten festgehalten, während der zweite Strolch den Raub anSführte. Die Straßenräuber flüchteten dann gegen Döbling. Beremsnachrichterr. 3 t 0 n t st tscheSekti 0 u Bri g i t t e u au. Montag den 26. b. M.. V-8 Uhr abends,: findet in den Brigittasälen, XX., Wuttergaste 27, die konslituürende Versamntlimg der Ztomstischen Sellivn Brrgitttneu statt. Tagesordnung: 1. Der gegmwärttge Island der ' zionistischen Bewegung; Referent Dr. Euas Tisch. 2. Wer Arbeitsprogramm; Referent Dr. Leopold Plaschkrs. 3. Wahl der Settiouslcitung. Alle organisierten Zionisten und Jüdischnationalen werden ‘ _ somit aüfgefordert, , zuverlässtg und pünkrltch 'zu erscheinen. Zi 0 « tstische Sektion I n tl e r e Stadt. Biontag den 26. d. M. um 6 Uhr abends findet im Soutermmlekal des Wiener Rüig-Casö, I., Stnbcuring 18, die konstituierende Versammlung der Ztonistiichen Sektion Innere Stadt statt.'"Tagesordnung : 1. Der gegenwärtige Stand der zionistischen Bewegung; Referent Dr. Jakob Ehrlich. 2. Unser Arbcttsprogramm; Referent Dr. Emil Stem. 9. Wahl der SelüonSleilnng. Alle orgamfierten Zionisten und Indifchnattonalen werden somit anfgcsordust, z«- ncrläsfig und pünkllich zu erscheinen. Vorträge nnd Bersammlungen. K u l t u r v e r b a n d I a b n e, lX., TÜrkenstmße 9« Sontag den 25. d. M., 10 Uhr vormittags, spricht Doktor I. H a m nt e r über ..Bilu" (Fortsetzung). Daran anschließend Fortsetzungder Generalversantnünng. — Jüdischer Äcr e in „R0 rd -O ft". Der zweit« Vortrag über „Jüdische .Kultur- und Erziehungsfragen" von Frau Dr. Kuhm « r ke r- -S irk es findet Samstag-den 24. d. M., 7?7 Utzr abwds,tat Leremslhköle, II. Tadorftraße 21», statt.— L t s eun d^Red echallejüd'ischer Höchschüler in W i e^n, -lX,, Mckenstraße 9. Samstag den 24d. M. nm l/*6 Uhr abends spricht Dr. M. Reiner über das Thema ^Der Jude und der Krieg". Gäste willkommen. - - Briefkästen der Redaktion. -Eintracht: Die Änaelegmheil -vtrd von uns lsysertd dov« folgte Fift Lie Änregung beste« Dank: — VieliHmr fr Wir sehr« d« Myldmaa entgros«. — Draumtm t Dre Nachricht vpm ukramtfch-PÄmichea WcäfmstiLstaald entsprach nach nafeum Jn° 'fvrmakonen nicht dm Tatsachen,' In der Wrmne werden gegMp roättig nur Ukrainer gcmmiert. — Ludwig Hirschfyld: Es bandelt sich um eine zufällige Namensgleichheit. Weder der ^Mitarbeiter der. »N. -Fr. noch der des JÄfrttfo'; war-» 'v xv‘- Letzte Nachrichten. Keine Annullierung der deutschen Kriegsanleihen. Berlin, 22. Mai. (Tel.-Komp3 Das „Acht Uhr-Abmdblatt" teilt mit: In weiten Kreisen besteht die Befürchtung, daß infolge der sinauztellen Fricdensbedingungen der Entente eine Annullierung derKriegsanleihe bevorstände und daß schon die Iunicoupons nicht eingelöst würden. Diese Befürchtung ist jedoch unbegründet. Die Reichsregierung hat in Versailles auch ihre finanziellen Gegenvorschläge gemacht und dabei die Frage der Kriegsanleihe besonders berücksichtigt. Die deutsche Negierung ist selbstverständlich bestrebt, auch die finanziellen Friedensbedingungen der Entente, die sich bekanntlich gewissermaßen die erste Hypothek auf alle Einkünfte Deutschlands sichern will, zu mildern. Die deutschöfterreichischen Tschechen fordern Vertretung in der tschecho-slowakischen Nationalversammlung. Prag, 22. Mai. (Korr.-Durll Ein Bericht de§ PetitionSaNSschuffks an das Plenum der Nakionalversammlung enthält unter anderem ein Ansuchen deS t s ch e ch 0 - s l 0 w a k i s ch e n Nationalausschusses für Ntederösterr e i ch um Zulassung einer Vertretung der tschechischen Minderheit von Riederosterreich in die Ischrcho-slowansche Nationalversammlung m Prag, und zwar in der Stärke von sechsAbg e 0 r^d n e t e n, die der tschechische NatioNalausschuß für Niederosterrelch. in dem alle tschechischen' Parteien vertreten sind, zu wählen hätte und die entweder vollwertige Mitglieder der tschecho-slowakischen Nationalversammlung sein oder — falls mau dir niederosterreichischeu Tschechen als Ausländer betrachtet —- wenigstens eine berate n d c Stimmen haben sollten. Der Petittonsausschuß hat dieses Ansuchen der Regierung abgetreten, damit sie bei der Ausarbeitung und Vorlage der-endgültigen Verfassung aus die Forderungen und Bedürsnifie der tschechischen Mmderheit in Niederösterreich gebührende Rücksicht nehme. Botschafter Morgentha« über de« nahen Zukunftskrieg. Been, 22. Mai. (Kor.-Bur.) Henrh Morgentha », der Botschafter Amerikas in Konstantinopel, sagte am 15. d. M. in Koblenz in einem Vortrag über den Friedenskongreß: Ihr dürft nicht nach Hause gehen und den Leuten erzählen, daß die Kriege vorüber sleien. Wir müssen uns auf einen größeren Konfiikt. auf größere Opfer und größere Verantwortlichkeit vorbereiten. Die vielfachen und gegensätzlichen Forderungen aller Nationen auf der Friedenskonferenz können unmöglich erfüllt werden. Viele Delegierte werden Paris unzufrieben verlaßen. Dte Nationen werden auch weiterh n streiten und ich glaube, daß i n n e r h a l b 15 0 d e r 20 I a h r e n die Vercmigten Staaten berufen fern werden, die Welt zu retten. Keine Entziehung des ungarischen Postdebits für die Wiener Blätter. Budapest, 22. Mai. Das Ungarische Telegraphm-Korrefpondenzburean ist von kompetenter Seite zu der Feststellung ermächtigt, daß die Nachricht der Wiener Abendblätter, wonach die ungarische Näteregierung den österreichischen Blättern mit Ausnahme der „Arbeuerzeitung" den P 0 st d e b i t für das Gebie Ungarns entzogen hatte, voll kommen unbegründet ist' Wiener Gemeinderat. Konstituierende Sitzung. In einer würdigen emsten Deklaration hat gestern Gemeinderat Dr. Ehrlich den Standpunkt der jüdischnationalen Repräsentanten im Wiener Gemeinderat dargelegt. Die durchaus positiv gehaltene Erklämng betont den vollen uneingeschränkten Anspruch der jüdischen Bevölkerung auf Gleichberechtigung und Pflege der kulturellen Güter des jüdischen Volkes. Wir wollen an der Entwicklung der Stadt Wien Mitarbeiten und ihr helfen, die schweren Zeiten zu überwinden, in denen sie und der Staat, dessen Metropole sie ist, sich nach dem schrecklichen Krieg befindet. Wir kämpfen für die Versöhnung der Völker, für den sozialen Fortschritt und für eine demokratische Wirtschaftsordnung. Die Deklaration der jüdischnationalen Gemeinderäte, die mit dem blau-weißen Abzeichen geschmückt, sich zur Sitzung eingefunden hatten, wurde von dem Haus mit großer Llufmerkfamkeit angehört und am Schluffe mit starkem Beifall ausgenommen. Vermerkt sei, daß Dr. S ch w a r z - H i l l e r in dem Augenblick, als Dr. Ehrlich das Wort erhielt, den Saal verließ. Im übrigen verlief die Sitzung nicht sehr feierlich. Die Tschechen leisteten die Angelobung in ihrer Muttersprache, was die Deutfchnattonalen und Chrrstlichfozialen in starke Erregung versetzte. Es gab Lärm und hagelte Zwischenmse. Als am Schluß der Sitzung der tschechische Sprecher die Erklärung seines Klubs, die er deutsch verlas, in tschechischer Sprache fortsetzen wollte, wurde ihm das Wort entzogen. Der Redner der Deutschnationalm war so befangen, daß er die merkwürdige Erklämng abgad, seine Partei wolle am »Wohl und Wehe" der Stadt Wien Mitarbeiten. Nachstehend der Sitzungsbericht: Jakob Rvmnamr (Sozialdemokrat) Bürgermeister, Georg Emmerling (Sozialdemokrat) erster Vizebürgertneisber, Franz Haß (Christlichsozialer) zweiter Vizebürgermeifter, Max Winter (Sozialdemokrat) dritter BizeLürgsrmeister. Die gestrige Sitzung stand im Zeichen der Kon» stituierung des neuerr Gememdevates. Seit gestern hat Wien, eine' sozialdemokratische GetnemLeverwaltung. Durch die Wahlen haben die Christlich sozialen ihre Herrschaft an die Sozialdemokraten abtreten müssen, aus deren Mitte -der Bürgermeister und zwei Vizebürgermeister geivähtt wurden. Eine solche Konstituierung pflegt immer ruhig von statten zu gehen. Das wLrr auch gestrr» dar Fall'gewesen, wenn, es nicht bei dar Angelobung durch die Tschechen^ ähnlich wi» M Landtag- £* großen TmmrlLsznmr gekommen, wäre. Der GR. Fiala, welcher unter Len Tschechien zuerst die Wugelobung leisten sollte, rief, i 23. Mai ISIS ©eite 5 1 ■"1“*1**" - - . - " ..- Lesung gebracht worden war, seit: „Slibuji" in den Saal, was Lei den Christlichsozialen und DeuLschnationalen einefurchtbare Erregung aus löste. Man rief: „Wir verstehen das nicht! Das ist ein Skandastk Deutsch reden! Wir duLen das nicht!" Vizebürgermeister Reumann: Die Verhandlungssprache ist die deutsche. Wenn bas Gelöbnis in der deutschen Sprache nicht abgelegt wird, verliert der ' betreffende Gemeinderat das Mandat. (Demonstrativer Beifall bei den Deutschnationalen, Christlichsozialen. nnd ' auf den Galerien.) Ich fordere nunmehr den Herrn Gemeinberat auf, das Gelöbnis in der Verhandlungssprache abzulegen. GR. Fiala: Slibuji, ich gelobe! (Neuerliche stürmische Unterbrechungen. Hinaus mit ihnen!) . Vizebürgermeister Reumann: Das Gelöbnis ist in deutscher Sprache abgelegt worden. Die tschechischen Worte vorher werden im Protokoll keine Aufnahme finden. Wir gehen weiter. Diese unerquicklichen lärmenden Szenen wiederholen sich twch einige Male beim Aufruf der Tschechen, schließlich aber löst der wiederholte Vorgang allgemeine Heiterkeit aus und die Angelobung kann zu Ende gefiihrt werden. Später rief der Tscheche Machat noch einmal einen riesigen Skandal hervor, als er in einer programmatischen.Erklärung die tschechischen Forderungen in Wien kundgab. Eine Erklärung der Deutschnationalen. Unmittelbar vor der Wahl des Präsidiums bringt GR. Feld mann im Namen der Deutschnativnalen eine Verwahrung dagegett «in, daß Gemeinderäts, die auf das Programm der tschechischen Parteien gewählt wurden, zur Abgabe des Gelöbnisses zugelassen werdend Falls sie ein solches aufrichtig ablegen, gehen sie des Vertrauens ihrer Wähler verlustig; die Zulassung zur Ausübung des Mandats ist somit eine Verhöhnung des Grundgesetzes der Demokratie nnd Volkssonveranität. Falls sie jedoch das Gslöbnis in unehrlichem Sinne ablegen, wäre es offenkundiger F a l s ch e i d und als. solcher ungültig. Aus diesen Gründet: ist die Abstimmung, die durch Mitwirkung der Tschechen Zustandekommt, rechtsungültig. Dem GR. Erntner, der ebenfalls eine Erklärung ab geben will, entzieht Vizebürgermeister Reumann das Wort mit der Begründung, daß er eine zweite Erklärung einer Partei nicht zulasse. GR. Erntner: Das ist eine Vergewaltigung gleich am ersten Tag!; Vizebürgermeister Ho ß übernimmt munden Vorsitz und es wird zur Wahl des Bürgermeisters geschritten. Bizebürgermeister Reumann wurde m i t 110 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. 52 von den abgegebenen 162 Stimm Zetteln waren leer. Das Programm Les Bürgermeisters. Nachdem Vizebürgermeister Reumann unter, großem Beifall die Erklärung abgegeben hatte, die Wahl anzunehmen und ein unparteiischer Vorsitzender zu sein, entwickelte er nun das zukünftige Arbeits- Programm. Er verwies auf das große Erbe der Sozialdemokratie, die jahrzehntelang rechtlos und nur ei« Objekt der Verwaltung war, und nun zur Führung der Geschäfte Wiens berufen sei. Was unsere Bevölkerung zu erdulden hatte und noch immer ertragen muß, sei wahrhaft erschütternd. Mt Recht flucht das Volk allen, die diesen wahnwitzigen Krieg verschuldet haben. Sie sind die größten Verbrecher der Menschheit. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten nnd mrs der Galerie.) Bizebürgermeister Hv ß: Darf ich die Dameit nnd Herren auf der Galerie bitten, sich jeder Kundgebung zu enthalten. Die Insassen der 'Galerie dürsert nur zuhören, das entspricht der parlamentarischen Sitte. (Ruft bei den Sozialdemokraten: Sehr richtig!) Bürgermeister Reumann fortsahrend: Ein trauriges Erbe tritt die Sozialdemokratie an. Sie übernimmt eine Stadt, die ans dem Mittelpunkt eines . großen Reiches zur Hauptstadt eines Keinen besiegten. Landes geworden ist, das' unter den ungeheuren Schwierigkeiten seilt Wirtschaftsleben wieder aufbauea muß. Wenn nicht ein verblendeter Sieger rms jede Lebenstnöglichkeit abfchneidet, werden wir den Weg nach aufwärts finden. Alle Sünden einer Gemeinde-- vsrwaltung mit Wahlvorrechten für die Besitzenden sind durch den Krieg in furchtbare Erscheinung getretert. Darrrm drücken uns jetzt die schwersten Sorgen. Nur hei' den drei großen Betrieben allein das Defizit zu beseitigen, müssen der Bevölkermrg harte LastenaufgebürdeL werdete. Ist auch dia erste Maßnahme welche der Gemeinderat zu beschließen haben wird, eine Verdoppelung des Slratzenbahntarrfs, der große Erhöhungen der Preise für Gas iutd elektrr- * scheu Strom folgen werden, so wird nachdrücklichst dafür gesorgt werden, daß die Besitzenden in dieser Stadt und aKe jene, denen der Krieg eine Quelle der Br-^- reicherung war, in ausgiebigster Weift zur Tragung ' der Lasten heranse-zvgen werden. 9* «rffc*c Linie müssen wir mft - OnLein«rdsesch«n, um dem Anstand eftr Ekde Wr mmhen,' daß die Gemeinde die wichtrgften Steneriküste:. der SMrt nicht ausnützen darf. Alle diese Maßnahmen werden die Gesundung der Finanzen 'Wie'itd einleik»«. und die Möglichkeiten vradnfliven Schaffens, erösfiwu.