Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 123 (22.5.1919)
- Date
- 1919-05-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Kalisz 2× ep/1002366
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Seite 2 Wien. Donnerstag Wiener Morgenzeitung 22 Mai 1919 Nr. 123 Politische Rundschau. Auch eine „Berichtigung". Das Preßbureau der polnischen Gesandtschaft in Dien versendet unter dem Titel „Tendenziöse Beichte über Polen" nachstehendes CommUniquö: In der „Wiener Morgen'eitilng" erschienen unter dem Titel „Eine neue Pogromwelle in Polen" Nachrichten aus Polen, die sich in einer, der Wahrheit nicht entsprechenden und tendenziösen Weise mit angeblichen Judenpogromen und der damit im Zusammenhang stehenden Tätigkeit des Ministers des Innern befassen. Auf Grund eingeholter Informationen und peinlichst durchgeführter, eine längere Zeit in Anspruch nehmender Untersuchungen, kann folgendesestgestellt werden: Die von der „Morgen',eitunq" erwähnten Ortschaften wie Kalis;, Dombrowa, Wielun, Stopni.-a und noch einige andere, die in der Nähe des Grenzkordons gelegen sind, bildrlen den Schauplatz von Ereignissen, die sich anläßlich der Kriegsgefangenenübersiedlung und infolge der allgemeinen wirtschaftlichen, durch den schrecklichen Krieg hervorgerufenen Notlage, woran doch die ganze Dell zu leiden hat, abspielten. Dank der Intervention der Behörden kam es jedoch in allen diesen Fällen zu keinerlei Exzessen, die ' irgendwelche größere Schäden der Bevölkerung nach sich gezogen hätten. Die Reise des Ministers des Innern nach Kalisz hatte Len Charakter einer Inspektionsreise, deren Ergebne in einem offiziellen Bericht zum Ausdruck kam. Dieser Bericht stellte, die Haltlosigkeit der von verschiedenen privaten Agenturen ausgestreuten Nachrichten sowie die Grundlosigkeit der Befürchtungen, daß eS zu einer Wiederholung der Exzesse kommen könnte, fest, was Übrigens darin seine Bestätigung gefunden hat, daß in den von der .FSiener Morgenzeitung" erwähnten Ortschaften bisnun vollständige Ruhe und Ordnung herrscht. Die Tatsache, daß der Minister des Innern ein« solche Reise unternommen hat, beweist aber nur, welches Gewicht die Regierung darauf legt, daß die Ordnung im Staate ausrerhterholtrn bleibe, und die in Polen herrschende Ruhe bietet unter anderem den Beweis, daß die seitens der Regierungsmitglieder während der. Inspektion t reife gemachten Wahrnehmungen und getroffenen Maßregeln zur Herausbildung derartiger Verhältnisse in Polen beitragen, deren sich nicht jeder Staat in der gegenwärtigen Kri'enzeit zu rühmen vermag. Man wird von der maßvollen Sprache dieser „Bezichtigung" seltsam berührt sein. Wer zu lesen versteht, wird darin nur eine volltnhaltliche Bestätigung der in unserer angefochtenen Notiz verbreiteten „Tendenziösen Berichte" finden. Wir drucken der Deutlichkeit halber diese Korrespondenz aus der Nr. 78 vom b« April nochmals wörtlich ab: H. Warschau. 3t. März. (Spez.-Korr. der .Wiener Morgenztg.") Während man sich in Polen zu einer ernsten Auseinandersetzung mit der Judenfrage anschickt, überflutet neuerdings eine Pogromwelle das Land, die unzählige Opfer an jüdischem Gut und Blut fordert. So fanden im Monat März kleine oder größere Pogrome gegen die gaben in KaliSz, Dombrowa, Wielun, Stopnica, Busk, zydlow, Chmelnik, Poeanow, Piuczew und Klimankotv statt. Namentlich in Kalisz soll eS sehr arg zuaegangen sein. Darauf deutet auch der Umstand hin, daß der Minister des Innern, WojtecchowSki, sich bestimmt gefunden hat, sich in höchsteigener Person an den Tatort zu begeben, um Maßregeln zu treffen. Der Minister empfing dort Vertreter der Zivil- und Militärbehörden sowie der Gendarmerie und leitete eine Untersuchung über die Vorfälle ein, worauf er den dortigen Kommissär der Bolksmtliz namens Zych seines Postens enthob. Zu dem Pogrom in Kalisz meldet das Korr.-Bur. B.W.D.: Minister Wojciechowsli besuchte während seines dortigen Ausenthaltes auch daS jüdische Krankenhaus und ließ sich von den Pogromverwundeteu und Beschädigten informieren. Er empfing auch eine Deputation der jüdischen Gemeinde, der Sr allevorzukehren versprach, um eine Wiederholung der Ex.esse zu verhindern. Dabei vrrlangte der Minister in einem halb bittenden, halb befehlenden Ton, „keinen großen Lärm zu machen". Ungeachtet des Versprechens des Ministers fanden jedoch taaS barairf neue Unruhen in Cekow und in Grajee statt, di« größere Dimensionen angenommen haben. In diesem Zusammenhang verdient ein« Erklärung deS Abg. Grünbaum wiedergegeben zu werden, die er in der 17. Sitzung des polnischen Landtages namender jüdische» Fraktionen abgegeben. hat und die die pokuischerseits bekundeten VerständigungSabsichten mitsamt ihrem Kommisslonsvorschkag ins richtige Licht rückt. (Hier folgt der Wortlaut der Erklärung, in der auch die Ortschaften namentlich erwähnt sind.) Die „Berichtigung" ist also nicht sehr belangvoN. Ein starkes Stück ist eS aber, wenn man in einer Zeit, wo die Schandtaten von Pinsk, Wilna und Lida, die Verfolgungen und Juden morde in RzeSzow.Kolbuszowa, Strziszow usw. das gesamt« Judentum in Schrecken und Trauer versetzen, wo die polnische Presse nicht aufhört, ganz unverhohlen Pogromhetze zu betreiben ,wo die letzten Tatsachen die schwersten Anklagen gegen das polnische Dolk bedeuten — sich plötzlich einer Zeitungsnachricht vom 6. April nach sechs Wochen erinnert und wie ein unschuldiges Kind — „berichtigt. DaS ist eine zynische Herausforderung deS jüdischen Volkes. „Nur einige blaue Flecke.« DaS Tfckrckio-slowakckche Preßdurrau meldet: DaS ^Reich'Nberger MontagSblakt" verS"kntl chl unter dem iS« d. M. eine Meldung aus Prag unter der Urberschnft: „(5m Vvnchmorb nt Karolmtnthal, der Mann getötet, die Frau bluug geschlugt«. Im Interesse der Wahrheit wnd amiilch sestgestrllt, daß Re Meldung, welch« die durch RegtUe Klinger hervor« ^e r u s e n e n Ausschreitungen beirlfft, der fahrheil nicht entspricht. Der Galtrder F au Klmger wurde nach Anlegung eineS Verbandes sofort aus dem Krankenhaus nnlasieii, nachdem vorher durch die Aeritr konstatiert worden war, daßernur einige d 1 au? stlecke davovtrug. Zu dicken AuSschrntungen war eS deshalb g.wmmen, wert Frau Klinger dl« Bevölkerung durchVerböhnung -es ts ch e ch i s ch en B o lk e S und der Republik provoziert hatte. Hierzu ist zu bemerken, dadie Karslknenilialer Bezirks- Eannlchatt und der Stadlrat selbst d«e Anschuldigung der klmgrr als Lüge erklärt hatten. Frnu KimaelS Provoka'ron einfach in ihrer ZugedSriglett zmn Judentum. Das Tschecho-slowakischr Preßbureau sollte etwavorsichtiger mit seinen Feststellungen sem. Unsere gegenwärtige Ernährungslage. Erklärungen des Staatssekretärs Dr. Löwenfeld-Ruß. Staatssekretär für Volksernähnmg DrLoewenfeld-Ruß beantwortete eine gestern in d-rr Nationalversammlung ein^ebrachte Anfrage des Abg. Dinghofer und Geno'sen über die ErnährungSfrage und gab in mehr als «instündiger Rede eine Darstellung der gegenwärtigen Ernährungslage und die Aussichten für die nächste Zeit und erklärte, baß wir bei der Ernährung auf die inländische Produktion nur mehr in geringem Maß oder gar nicht rechnen können. Der Mn-fleiMedarf für Wien beträgt pro Woche 400.000 Kilogramm und für den ganzen Monat April waren knapp 400.000 Kilogramm vorhanden. Hinsichtlich. deS Getreides sind wir mit unserer eigenen Produktion fast zu Ende. Bon den vorgeschriebenen Kontingenten der einzelnen Länder wurden 67 Prozent aufgebracht. Selbst Oberö st erreich bringt heut« bei einem Tagesb, darf; von ungefähr 150 Tonnen künmLSTonnen für seiner eigenen Gebrauch auf. Wir sind in bezug auf Getreide nur auf die ausländischen Zufuhren angewiesen. Aehnlich verhält eS sich hinsichtlich der Kartoffel, die wir bisher immer von den nunmehrigen Sukzession." staalen bezogen haben. Der Staatssekretär schilderte sodann den mißlichen Stand der Fleischfrage, den Rückgang der Mtlchproduktion und erklärte, mit Unterstützung der hiesigen Ententrmtfsionen hoffe matt, aus Polen und Jugoslawien Nahrungsmittel zu erhalten. Er verwies auf die von den neutralen Staaten gelieferten Letensn.it:el, die eine Erleichterung brachten, jedoch nicht ausreichend waren. Unsere ganze Rettung ist derzeit bei der Entente. Der Staatssekretär wies den Vorwurf zurück, daß das S.'aarsamt für volksernührung mit der Erhöhung der Mehlquote so langsam vorgehe und stellte fest, daß fiii diese Maßnahme die Sicherung der weiteren Zuschüße abgewartet werden müßte. Von Sonntag an werde auch die Brotquote um einen Dtertellaib de- NormallatbeS erhöht. Allerdings sei diese Erhöhung nur für 14^Tage bis drei Wochen gesichert. Bei nicht günstiger Erledigung der F'.nanzfrage in Paris müßte mit einem Rückgang der Quote gerechnet werden. Der Staatssekretär erörtert sodann die Frage der Fleisch- und Fettbelieferung durch die Entente. Die Betetlung der Bevölkerung mit einer Quote von 12 Dewgramm Fett pro Kopf sei bis zur «rsten Hälfte Juni gesichert. ReiS und Bohnen können von Fall zu Fall je ttach Einlaugen verteilt werden. Durch die Ententezufchüve ist eS gesungen, in großem Maße auch Nebenaktionen durchzusühren, zum Beispiel die Kinderaltion, die Gewährung von Mehlzubußen an Ct'^nbahnee, Forstarbeinr und Bergarbeiter. DaS für Bottsernährung lege Wert darauf, daß die Lebensmittettmporle gleichmäßig auf Wien und die Länder verteilt werden. D?r Slaatsfekie Sr erklärte, daß die Preisermäßigungen, speziell die bei Fleisch, erfolgen konnten, weil der größere TM kreditiert sei und Hoffnung bestehe, daß der Staat durch bei den FriedsnsverHandlungen uns zu gewährenden langfristige Kredite bas Valutarisiko übernehmen könne. Die sogenannte Mindestbemitteltenaktion habe in Deutsch- Ssterreich in den letzten dreiviertel Jahren 5 6 Millionen Kronen erfordert, und in letzter Zeit seien auch die Arbeitslosen, deren Zahl 140.000 in Wien betrage, in diese Aktion einbezogen worden. Die Aktüm zur Unterstützung des Mittelstandes erforderte seit dem Bestände Deutscköstcrreichß Sl. Millionen. DaS einzige Mittel für die Verbesserung unserer ErnährungSverhältttiff« ist di» Erhöhung der Produktion. Der Staatssekretär werde voraussichtlich schon in der nächste» Sitzung der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf über die Bewirtschaftung der neuen Ernte vorlegen, to welchem die Art der Bewirtschaftung geregelt werden soll. Er trat dem Vorwurf entgegen, daß das Ernährungsamt importhindernd auftrete. Das Staatsamt für Dolksernährung halte daran fest, daß für eine längere UebergangZperiode der sofortige und überstürzte Uebergang zur freien Wirtschaft sowohl vom Standpunkt der allgemeinen Interessen wie auch vom Standpunkt der heimischen Produktion nicht möglich sei. Ohne einer übermäßigen Drosselung deS Kaufmannes oder des Handels das Wort reden zu wollen, erscheine es doch unmöglich, daß die Einfuhr ohne Beschränkungen und Kontrolle bleibe. Der Staatssekretär sei der Meinung, daß auch ««S Gründe« Ser Valuta- und Preispolitik notwendig fei. eine Zettlang die Verteilung der rationierten Artikel »och gleichmäßig durch irgendeine Zentralstelle vorznnehinen, in erster Linie durch die Regierung selbst, und daß für die nächste Zeit die Möglichkeit der Freigabe deS Handels nicht gegeben fei. Der Staatssekretär besprach schließlich das Verhältnis der Viewer Gegienmg zn de« Länder«, durch welches sein Ressort am meisten in Mitleloen'- schaft gezogen werde und erklärt, es könnte um unsere Ernährungswirtschaft viel besser stehen, wenn wir mit den Ländern in einem besseren Verhältnis wären. Redner habe von seinem Amte aus alles getan, um da- Einvernehmen mit den Ländern herzustellen, aber dafei nur möglich, wenn beide Seiten es wollen und dieser Wille sei aus der eUien Seite nicht immer Vorhand«. Eindrücke ans dem kommunistische« Budapest. Budapest ist traurig. In den Gassen ist es leer. Die Menschen hasten schnell vorüber und bleiben selten vor den Auslagen stehen, um vielleicht etwa» zu kaufen. Rur vor be« Banken und Wechselstuben bkiben sich vormittaglange Menschenreihett. Um 11 Uhr wird die Gitter türe geöffnet und die Leute, die Geld abholen wollen, werden zu je zwei Paaren heretngelassen. Für Ordnung sorgen vier Rote-Armeo-Soldate» und ein Vertrauensmann der Bank. Auch hier ösfnet Geld ei« Htnterpförtckien, so daß man nicht lange »oartk» muß unschnell erledigt wird. In der Straßenbahn ist eS leicht, zwischen einem „Proletarier" und einem, der anderer Meinung ist, zu unterscheiden. Der erster« Ist gesprächig, der andere gedrückter Stimmung. Reben mir sitzt so ein Proletarier und erzählte seinem Kollegen, wie es bei ihm zu Hause zugeht. Er spricht lebhaft, so daß ihn jeder hören kann. Genosse Straßenbahnschaffner nimmt noch immer Trinkgelder, nur verweigert er, energischer als früher, jede Auskunft. Da sämtliche requirierten Autos für den „AmtSbedack" der Mterepubiik nicht auSreichen, kann man in der Untergrundbahn. die vom Giselaplatz btS zum Stadtwäldche« fährt, stets Funktionär« der jetzigen Regierung fahren tzheu. An dieser Linie liegen die meisten ÄmtSlokaiitateu. Wehmütig erinnert man sich der Zeiten, wo in der Untergrundbahn die HauievolSe Budapestsich traf . . . In der Rofengasse 61. DaS Marx-Leriin-HauS Ist zwischen Freudenhäusern versteckt. Im Hausflur sind unzählig« Tafel», die die Aemter, welche hier ihren Sitz haben, registrieren. Hier amtieren: die deutsche kommunistisch« Parteiorganisation, dt« tüd tfche Fraktion der kommunistischen Partei, bk» italienisch«, die russische (rüthenische) und die rumägtsche Kommunistenpartel. Hier werden Agitatoren und Bolttredner auöaeblldet. Die Tafel der jüdischen Komnlunisten Ist t« jüdischen Lettern geschrieben. Ein lebhafter Verkehr vor und in dem Hause zeigt, daß man hier de» Kommunismus ernst nimmt. * Dir Dobv'iqasse und die umllsgenden Gaffe» sinh bvtß viertel, wo die Juveu und Flüchtlinge aus dem Osten Ihren Wohnsitz haben. Au» Besprachen mtt mehreren »iitnahm Ich. daß auch sie zur vourgeotsie gezählt werden. AIS .HourgolS" Mrlten, ist auf jedem Fall im kommunistische» Budapest unangenehm. Denn nicht genug der Sekkaturen bei der rebkiismittelvertckiun-, ist man, wenn man in Aemter« zu tun hat, widrigen Schikane« außaesetzt, die aus die Dauer unerträglich werden. Allerdings gibt ei auch hier rühmliche Ausnahmen. So werben die ukrainischen Staatsbürger wie alle Ausländer behandelt. Vorige Woche hat sich hier in der Akademteaasfe die ukratutsche Bejanotseyasi osatztlert. die jetzt so überflutet wird, daß sie einige Sxposituren errichte« Die trete Jouenalistengewerkschast (früher Journalistenverei«) hielt heute eine Versammlung ab. AlS Grund wurde die Einstellung einiger, tn letzter Zeit noch erschienener Zeitungen angegeben. ES gab erregte Auseinandersetzungen, die sich alle gegen die Maßnahmen der Regierung richteten, die ihrerseits sich in einer Zwangslage befand. Denn, wenn sie wollt«, daß „ihre" Zeitungen erscheinen, müßte sie, um RoiattonSpapier zu bekommen, die anderen Zeitungen einstelken. Allerdings kam ihr der Papiermangel erwünscht. In oer Journalistenrepublik gärt es . . . * Bebr unklar Ist die Lage der Approvistonieruna. Um die Stadt mit Lebensmitteln zu versorgen, wurde ein Agilatorenturl errichtet. Die Macht des Wortesoll den Bauer überreden, für J>ü heilige Sache" all sein Hab und Gut zu opfern. Die Bauern ledoch sind nicht opferwillig und setzen allen Versuchen der Gewalt unb der UeverredungSkunst energischen Widerstatü» entgegen. In Budapest und Umgebung haben sich mit großem Tamtam jünszeh« GartenprovuMvgenossenschaften gebildet, die in Fiugzeiteln versprechen, die Bevölkerung der Hauptstadt schon von Ende Mai an mit Gemüse za versorgen. DaS heißt, wem» . . . Budapest bis dahin nicht verhungert. Um Brot muß man sich früh anstellen. Auch bekomme» nicht alle, die bis zwei Uhr nachnitttagS vor dem Labe» stehen, ihre Ration. 75 Dekagramm Fleisch pro Kops und Woche werden verteilt. Ferner gibt mm« drei Kilogramm Kartoffeln für eine Woche und Haushalt. In den Kickkeehäusern bekommt man gegen Proletarierlegitimätion — Einbren »suppe. Ohne Legitimation oder AuSlLnder-Passterschrin ist da» Leben hier unerträglich. » Haute (am t. d. M.) früh um 6 Uhr wurde der Rote Wachmann Geza RemeS wegen Plünderung und Raub l,ingerichtet. Ich hatte «tuen Passierschein und konnte dicker tragisch«» Exekution zu sehen. Der Delinquent sah sehr maß aus und wurde von zwei „Genossen" zum Richtplatz geführt. Der Platz vor dem Parlament war durch einen Kordon abaesperrt. Zwei Reihen Roter Soldaten harrten, Gewehrbei Fuß. RemeS wurde mit verbundenen Augen gegen die Äand gestellt. Sin Kommando, et»» Salve und die Hinrichtung war vorbei. Gestern abendwurde ei» Roter Gardist Zerschossen, der wegen Verbrechen» des zweifachen Mordes vom MilltärrSvolution-aerichtShoi verurteilt worden war. Mi weniger Parade, jedoch mit mehr Grausamleit sollen, dem vernehmen nach, die politische» Hinrichtungen im Rakosslt Gtaat-gesänglii» vor sich gehen. Der Zutritt dorthin ist jedermann, bir nicht zur Reglern»g gehört, strengstens oerooten. Dort find auch die Geiseln ckngesperrt.