Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 120 (19.5.1919)
- Date
- 1919-05-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. vcr. iz'j teuer Aiorge»;LLrurzg weue 3 '4b wit.. 'JKoraaft jy. m, •*VUt l'.i l9 Unsere Delegierten in Saint-Gerwain. Eine französische Schilderung ihrer Ankunft. Genf, 18. Mai. Der Sonderberichterstatter des «Matin" in Saint-Germain schildett den ersten Tag der deutschösterreichischen Friedensdelegation m Saint-Germain. Der Staatskanzler Renner rief, als er sein Frühstück verlangte: «Vor allem keinen Ersatzkaffee! Uebrigens bin ich beruhigt, wir sind in Frankreich! „Die Reise haben die deutschösterreichischen Delegierten sehr schlecht verbracht, denn sie waren die ganze Zeit schlecht verpflegt. Und da die Fahrt überdies sehr lang und ermüdend war, genossen die Deutschösterreicher bis Samstag vollkommene Ruhe. Die Rue de Medici oder die «österreichische Straße", wie sie die der französischen Mission zugeteilten italienischen Offiziere nennen, war deshalb ruhig und menschenleer. Die Delegierten und ihre Hauptmitarbeiter, die in der Rue de Medici wohnen, haben erst zu Mittag ihre Wohnung verlassen. Diejenigen, die im Hotel einquartiert sind, waren nur auf die Terrasse hinausgegangen, die ihnen zur Verfügung stellt. Mittags kam ein Schneider aus Versailles und kehrte erst gegen Abend» mit dringenden Aufträgen iiberhäuft, zurück. Das zweite Frühstück und das Mittagmahl dauerten lang und waren reichlich, und um 9 Uhr abends war alles in den Betten. Es scheint, schließt der Bericht, daß diese KV Unglücklichen seit dreiTagen nicht geschlafen und seit fünf Jahren nicht gegesssen haben. Man hatte sie, als sie vom Zuge ausstiegen, wiegen sollen und sollte sie nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages wieder wiegen. Der Friedensvertrag mit Deutsch öfterreich fertiggestellt. Ex Kaiser Karl wird nicht angeklagl. Paris, 17. Mai. (Reuter.) Der Friedensvertrag mit O e st e r r e i ch ist fast fertiggestellt. Die Klauseln über die Verantwortlichkeit für den Krieg sind im wesentlichen dieselben wie im Vertrag mit Deutschland; doch wird Ex-Kaiser Karl nicht angeklagt. Der Hamburger Senat gegen Tschechien. Hamburg, 18. Mai. Der Senat hat gestern an den Präsidenten des Neichsrninisteriums ein Schreiben gerichtet, in dem er sich gegen die Forderungen des Verbandes wendet, wonach die Elbe ebenso wie die Oder durch zwischenstaatliche Ausschüsse verwaltet werden und dem tschecho-slowakischen Staate in Hamburg eine Freizone auf 99 Jahren pachtweise überlassen werden soll. Gegen diese und weitere Forderungen bittet der Senat im Interesse des ganzen deutschen WntschastSledenS den schärfsten Einspruch einzulegen. Amerikanische Kriegsschiffe in Danzig. Mährisch-Ostrau, 18. Mai. (C. P.-P.) Die Polnische Telegraphenagentur meldet aus Danzig: Das amerikanische Kriegsschiff «Lear", das vor einigen Tagen den Danziger Hofen verlieh, ist in Danzig wiever eingetroffen, wo sich folgende Kriegs-, schiffe der Entente befinden: Die Schiffe „Harvard" und „Lea" der Vereinigten Staaten, das englische Kriegsschiff ,,Wanbrus" und das französische „L'Anere". Die deutschen Kriegsverluste. 6,730.410 9Haitn. Berlin» 18. Mai. Wie die Blätter melden, liegt nunmehr die Zusammenstellung der deutschen Krregsver« lulle an Toten, Verwundeten und Gesänge n e n b s 30. AprÜ vor. Als tot werden 1,676.696, als vermißt, von denen nenn Zehntel als toi zu betrachten sind, 878.770 Mann gemeldet, so daß rin G e s a m t v e r l u st a n T o t e n über zwei Millionen angenommen weiden muß. Als verwundet werden 4,207.(28 M a n n g e meid ei. In feindlicher Gesangrnschast schmachten noch 615.922 M a n n. In diese Zahl sind noch nicht die Zivilbeamtcn eingerechnet. Die Gesamtverluste betragen demnach 6,730.416 Mann. Franchet d'Esperey in Arad. Bo« Julius Karolyi als Detter begrüßt. Arad, 18. Mai. «Romanul" meldet: Samstag um 10 Uhr vormittags traf in einem Sonderzuge General Franchel d'Esperey samt seinem Stabe hier ein. Zu seinem Empfange am Bahnhöfe waren die rumänischen Generale Marda res cu und O l t e a n u sowie mehrere französische Offiziere, die dem rumänischen Generalslabe zugeteilt sind, erschienen. Seitens der Zivilbehörden erschien eine Deputation unter Führung des Grafen Julius Karolyi. Als der General dem Zuge entstieg, wurde von der rumänischen Musikkapelle abwechselnd die Marseilleise, die rumänische und ungarische Dolks-; Hymne gespielt. j Graf Julius Karolyi begrüßte den General, in- * dem er ausführte: «Exzellenz! Mit innigster Freude und großer Ellre erlaube ich mir, Sie zu begrüßen. Wir, sie wirklichen Ungarn, sehen in Ihrer Exzellenz nicht einen Feind unseres Landes, sondern einen Retter desselben und Erlöser eines unterdrückten Volkes! Wollen Eure Exzellenz den innigsten Dank dieses Volkes entgegennehmen!" General Franchet d'Esperey fuhr sodann zum Rathaus, wo um 1 Uhr ein Ehrenmahl ftattfand. Im Laufe des Nachmittags wurden verschiedene Militärs und ungarische Persönlichkeiten vom General in Audienz empfangen. öckSWkMßüer Ongezieferplage Befreiung durch Schatz-Ahonnement von 845 Wanzen Schwaben Russen Flöhen Läusen Ratten Mäusen Systematische Bauer - Desinfektion einzelner Wohnräume, Häuser, Villen, Ärbeiterkolonien sowie von Stallungen usw. Verlangen Sie Kostenlose Auskunft- PER0L1N ----- Wien, XIH., Feldmühigasse 4. Telephon Nr. 82300 Telegramme „Perolinhof“ Tagesbericht. Körpersport und Körperkultur. Von Ing. Fedor Ackermann. Was ist Sport? — Ein chaotischer Wortbegnff, je nach dem Standpunkte des einzelnen, der Hauvisarbe nach zur Bezeichnung einer zum Lkbrrr nicht unbedingt notwendigen Bei.'itiguna. Nur eine Neme Minderheit der Menschen deckt mit dem Worte Sport den Begriff Körperkultur. Matthias Zdarsky. Allenthalben regt sich das Jntereffe für den Körpcrsport — ja man hört sogar davon, daß im Volksgesundheitsamt ein eigenes Ressort fiir Sport errichtet werden soll — und da sei wieder einmal auf die ungeheure Wichtigkeit des Körperspottes für daS jüdische Volk hlugewiesen.^ Wie alle anderen Völker, ist auch daS jüdische Voll degeneriert und man sollte meinen, daß die Bestrebungen aller führenden Männer im Judentum in erster Lmie unserer Regeneration zugewendet seien. Dem ist leider nicht so. Sre alle haben heute wichtigere Sachen im Kopfe. Ihnen ,st es weitaus bedeutender, die Massen m verinnerlichen und zur Unbedingthert m bekehren, Derufsumschichnmgen zn versuchen, für und gegen die soziale Gerechtigkeit zu diskutieren, ganz egal, ob das Objekt dieser Dispute gedeiht oder zugrundegcht. DerPatient wird aber sterben! Er muß notgedrungen sterben, wenn nicht endlich die Einsicht durchdringt und zur Ileberzcugung wird, daß nur ein starkes, gesund e s B o l k unsrrErezJsrael aufbauen kann. Es ist doch so leicht, der Degeneration einen Riegel vorznschieben, wenn man sich erst Uber ihre Ursachen klar geworden ist Geist rmd Körper können degenerieren, jeder für sich oder beide zusammen. Die Anfänge der Degeneration sind allerdings sehr schwer erkennbar, we>l die Ursachen vielfach verborgen oder durch brglertende Lust- und GenußgelÜhle verdeckt sind, toeil ern ungeheures Gebiet der Irrungen, Unterlassungen und Uebertreibungen an unS Menschen webt, unS unsichtbar umstrickt und ununterbrochen dasitr sorgt, daß daS herrlichste Werk der Schöpfung seine Kräfte vergeudet, srühzeitig ausdorrt und welkend und siech Minderwertiges zeugt. Aber die Anzeichen des Verfalles sind untrüglich, wenn die Folgen unseres sogenannten Kulturlebens zutagetreteri. Dieses Kukturlcben ist eine endlose Unruhe, die dem körperlich und geistig abgehetzten Menschen nicht einmal jenes Maß von Ruhe gönnt, das er unbedingt braucht. In der Natur spiegelt sich ja dasselbe Bild. Armselige Felder stehen neben fetten, -verkümmerte Wälder neben kraftvollen Beständen, feurige Pferde neben klapperdürren Gäulen. Der gebildete Landwirt sieht die Ursachen klar» er kann sachgemäß e>ngrrisen. WeShalb ist eint solche Wiedergeburt beim Menschengeschlecht so schwer? Vor allem, weil daS verstechende Menschengeschlecht sich in seinem Schlamm recht wohl fühlt. Zurrst in der Jugend herumtollend, sich austobend, dann als cme halbe Ruine em unverdorbenes Mädchen oft einem schauerlichen Schicksal znzusühren, das ist der Typus der meisten Heiraten, besonders in unseren sogenannten besseren Kreisen. Dann, mrt der Zigarre im Munde,, seine Nachmittage Karten spielend im verrauchten und verstunkenen Kaffeehaus verbringend, wird die Erziehurg der K nder der Frau überlassen, dre ja ohnehin nur der mehr oder weniger auSgenWe» mehr oder weniger aufgepuyte, mehr oder weniger begehrte HaNSsklave rst. Und die Kinder, die Nachkommen eine- Degrnerierlen, die schwächlich rmd Mit wenig widerstandsfähigem Körper geboren werden, wachsen im gleichen Niveau auf. Dasoll mich Palästina? Das soll uns Erez-Jsrael wieder aufbauen? Hand inHand mit der Geist eSerzi eh urig, nein, v o r i h r, muß diek örperliche Erziehung d e s B o l k e s g e h r n. Alle Projekte, wie Schulffedlungen usw. sind insolaug« nahezu wertlos, als nicht die Körperkultur in den Vordergrund gestellt wird. Denn nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist und nur in einem gepflegten Körper ein gepflegter Geist wohnen. Erreicht wird dieses Ziel durch den Körpersport, wobei sich mit dem Worte Korperspyrt der Begriff Körperkultur decken muß und Körperkultur die höchste Ausbildung in bezug ans Schönheit und Anmut, aus Kraft und Ausdauer, Geschmeidigkeit und Raschheit, scharfe und schnelle Auffassung, Geistesgegenwart und Mut, Bescheidenheit uyd Hilfsbereitschaft, bezweckt. Aber mit den heutigen Arten des sogenannten Sportes ist dieses Ziel nicht zu erreichen, denn der derzeit ausgeübte Sport bezweckt bie Höchstleistung des einzelnen. Und daS ist falsch. Höchstleistungen, Wetten Md Eintrittsgelder überlasse man den Berussmenschen. Komödianten und Buchmachern. So etwas hat mit der allgemeinen Körper ausbildung gar Nichts zu tun. Bor allem muß der Körpersport auf der Grundlage der Hygiene ausgebaut sem, damit der Körper wachse, gedeihe, erstarke, frisch Md geschmeidig bleibe und nicht rasch verfalle und sieche Und den Begriff der vernünftigen Hygiene muß man nicht nur unseren SportauZvb enden, sondern der ganzen Masse unseres Volkes beibringen. Mrsentlich für die Hygiene des KörpersporteZ ist die Hautpflege, und es muß eine Selbstverständlichkeit werden, unsere Hont täglich zu pflegen und ganz /besonders sie lange dem Lichte und der Lust auszusetzrn. Leider gilt die naturgemäße Hautpflege noch fast allgemein als unanständig. Hier bietet sich allen Arbeitswilligen ein Feld von ungeahnter Große und emtnent« Bedeutung. _._ Eine Protestversammlimg gegen die Preiserhöhung in den Kaffeehäuser». Ein aus Gast- und Kaffeehausbesuchern zusammengesetztes Komitee berief für gestern vormittags im großen Konzerthaussaal eine Protestversammlung gegen die übertriebene Preissteigerung in den Wiener Gast- und Kaffeehäusern ein. Schon »ach den einleitenden Sätzen des Referenten Dr. E. Schwarz riefen lärmende Zwischenrufe stürmische Szenen hervor, an einzelnen Stellen im Saale wurde gestikuliert, gestritten und geschimpft, nur für kurze Zeit gelang es dem Vorsitzenden, die Ruhe herznstellen, nahezu -ei jedem einzelnen Redner wiederholten sich die Lärmszenen. Dr. Schwarz berechnete auf Grund der von ihm bereits veröffentlichten Ziffern, daß die gesamte Gehilfenschaft der Wiener Kaffee- und Gasthausbetriebe auf Grund der erhöhten Forderungen 72 Millionen Kronen an Gehalt beziehe und den Unternehmern unter Berücksichtigung der eingetretenen Preissteigerungen ein Profit von 162 Millionen v erbleibe. (Protestrrüe.) Als dann der Referent den Gewinn einzelner größerer und kleinerer Betriebe aus den Preissteigerungen berechnete, wurde er wieder unterbrochen, die einzelnen Gruppen gerieten miteinander in lebhaften Wortwechsel, dem Referenten wurde zugerufen, daß seine Ziffern keine Grundlagen haben. Nackt einiger Zeit beruhigten sich die erregten Gemüter. Der Referent konnte sich wieder verständlich machen. Er wandte sich gegen das Kriegswucherrmt und richtete an den anwesenden Vertreter der Preisprüfungsstelle' A Ministerialrat L. Müller den Appell, die Interessen der Konsumenten zu schützen. Er empfahl die . Annahme einer Entschließung, in welcher die Entrüstung gegen die Verteuerung der Gast- und Kaffeehauspreise ausgesprochen wird. Diese Verteuerung, die unter dem Vorwände der Erhöhung der Gehilfenbezüge erfolgt sei, habe den Unternehmern ungeheuren -Gewinn gebracht. , Die Entschließung fordert die Errichtung und sachgemäße Führung von Gast- und Kaffeehäusern in jedem einzelnen Bezirke Wiens durch die Kommune. Durch diese Aktion werde ein Preisdruck erzielt und der. Sozialisierung vorgearbeitet. Schließlich wird die Einsetzung eines Ältions'omitees im Jntereffe einer scharfen behördlichen Aufsicht über die Wirts- und Kaffeehäuser angeregt. Von dm folgenden Rednern rief der Kaffeesieder Steinschneider, der die Gehilfenschaft vor Strömungen nach dem Muster Bela Kuns warnte, lärmenden Widerspruch hervor, so daß er schließlich unter fortgesetztem Spektakel auss Wort verzichtete. Nach drei Konsumenten, die gegen die Kaffeesieder Stellung nahmen, vertrat Kellner I. Heiß den Standpunkt der radikalen Kellnerschaft. Vorsteher Egkher der Kaffeesiedergenossenfchast, der in seinen Ausführungen wiederholt unterbrochen wurde, stellte richtig, daß die von radikaler Seite vorgebrachten Ziffern den Tatsachen nicht entsprechen. Die Preissteigerung sei keinesfalls wegen der Lohnerhöhung allein erfolgt, diese sei nur eine ihrer Ursachen gewesen' Für die Lrganisation der Gehilfen der Sckank-- gewerbetreibenden sprach Sekretär Arthold. Er kennzeichnet die Lohnbewegung unter der Gehilfenschaft und kündigte an, daß sie in Kürze mit erhöhten Forderungen an die Besitzer der für die Sozialisierung reisen Betriebe herantreten werden. Unter unausgesetzten Lärmszenen wurde schließlich die vom Referentenbeantragte Entschließung angenommen. Wiener Börse. Die heutige Börse eröffnete tit äußerst vier Haltung. Türkische Werte setzten zu niedrigen Kursen ein, während die übrigen in den Verkehr gezogenen Kulissenwertc sich zumeist auf dein letztgemeldeten Stand bewegten.