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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-19 · Heft 120 (19.5.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 120 (19.5.1919)
Date
1919-05-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Die derrtsche Delegation ist einig. Berlin, 18. Mai. (Tel. der »Wr. Morqenztg.") Dem »Lokalcinz." wird-von seinem Versailler Spezialko^rerpondenten gedrahtet: Gegenüber der Behauptung des „Mitin*, daß zwischen den Mitgliedern der deutschen Friedensdelegation heftigste Meinungsverschiedenheiten über die Frage herrschen, ob man den Vertrag unterzeichnen solle oder nicht und daß Graf Brockdorff-Rantzav nicht auf Seite der Delegierten sei, die für die Unterzeichnung eintreten. erklärt der Korrespondent, daß alle Delegierten entschlossen sind und bleiben, den Vertrag nicht zu unterzeichnen und daß auch alle Sachverständigen ohne Ausnahme ihre Aemter viederiegen und jede Verantwortung ablehnen würde», wenn )er eine oder andere Delegierte sich finden sollte, den Vertrag zu unterzeichnen. Gestern ist eine neue Note des Grafen Vrockdorf-NantzauClemeneeau zugestellt worden, mit welcher die Forderung des Verbandes nach Abtretung der Gruben des Saar gebiet es mit Gegenvorschlägen beantwortet wird. Lieder Besetzung Deutschlands, als ein solcher Friede. Berlin, 18» Mai. Das »Berliner Tageblatt* meldet aus dem Haag: Hollandsch NieuwS Bureau berichtet aus Paris: In Versailles ist anS deutscher Quelle die Nachricht eiugetroffen. daß viele führende deutsche Persönlichkeiten die Besetzung 'Deutschlands durch die Alliierten lieber 'eben als die Unterzeichnung der vorgeschlagenen Bedingungen. Es gibt mancherlei Gründe, diese Mitteilung ernst zu nehmen. Es ist bisher das wichtigste Symptom für die Ansichten der Deutschen, das man seit der Anwesenheit der Delegierten m Veruillcs erhalten habe. Hierzu bemerkt das »Berliner Tageblatt*: Die Meldung des holländischen Bureaus gibt die Stimmung der maßgebenden Kreise Deutschlands und auch der Mehrheit des Volkes durchaus richtig wieder. 9. Kein Ergebnis der Verhandlungen zwischen Italien und Südslawren. Verse-Mes, 18. Mai. Laut dem Blatte »Eclair* öeschränktm sich die direkten Verhandlungen zwischen Italien and Süd'lawien über die Adriasrage auf eine einzige Be- Pr'chnng, die Fre-tag stattfand und bei der die Parteien üäi überhaupt nicht trafen. Ein Bevollmächtigter einer Dritten Macht empfing abwechselnd die italienischen und die südslawi'chen Vertreter "und gab ihnen die Erklärungen der Gegenpartei bekannt. Die Besprechung führte zu keinerlei Ergebnis. Im Gegensatz hierzu berichten die übrigen Blätter, baß die oifiziöfin Ve,Handlungen.sortdauern, aber nicht merkliche Fortschritte machen. Fiume internationalisiert? Saint-Germain, 18. Mai. »Journal deS TöbatS* »Nährt, daß gestern im Hotel Crillon Verhandlungen über das italienisch-jugoslawische Problem statlgeiunden haben. Orlando und Trumbiö sind zwar nicht zusammengekommen, haben aber durch amerikanische Mittelsmänner indirekt diskutiert. Die beiden Parteien erheben keine Einwendungen gegen die Lösung, Fiume zu einer internationa- '.is irrten Stadt zu machen. Italien halt sich an ren Londoner Vertrag und will gewisse Konzessionen in Dalmatien machen, daS, soweit es jugoslawisch ist, internationalisiert werden soll. Die Jugoslawen verlangen' ein Plebiszit für jede Insel und jede Gemeinde. Die Italiener lehnen diese Forderung ab und wollen auch nicht, daß )ie strittigen Gegenden dem Völkerbund unterstellt werden sollen, der später auf Grund einer Volksabstimmung entscheiden soll. Keine Veröffentlichung des Wortlautes der deutschen Friedensdedingnngen.' Versailles, 18. Mai. Dem »Matin* zinolge hat )er Viererrat beschlossen, den Entwurf des FriedenSsertrages mit Deutschland im Worllaut nicht zu veröffentlichen und der französischen Presse zu verbieten, die Sluszüge aus der deutschen Presse zu bringen. Das Blatt zlaiidl, daß Lloyd George in der gestrigen Sitzung bes Viererrates seine drei Kollegen davon überzeugt yabe, daß es unangebracht sei, den Worllaut des Vertrages veröffentlichen zu lassen, solange er weder unterzeichnet noch ratifiziert sei. Ferner meldet dar Blatt, daß der Deputierte Dutreil den Kammerpräsidenten DeSchanel ersucht habe, im Lesezimmer der Kammer die deutschen Zeitungen auch fernerhin anfliegen zu lassen, da ihre Lektüre die einzige M öglich keil biete, den Friedensvertrag kennen zu lernen. WohnuM» suchen Sie am erfolgreichsten im Wege des »Kleinen Anzeigers" der „Wiener Morgenzeitung". Berlin protestiert gegen den Gewaltfrieden und die Zerreißung Deutschlands. Berlin, 18. Mai. Der heutige Sonntag stand im Zeichen einer gewaltigen Protestkundgebung gegen die Zerreißung Deutschlands und den ErdroffelungSfrieden. An zahlreichen Stellen der Stadt sprechen Abgeordnete aller Parteien zu Hnnderttansenden und erhoben flammenden Protest gegen die geplante Vergewaltigung Deutschlands. Auf dem Wilh'lmsplah batten sich einem Rufe deS österreichisch-deutschen ArbeitsanSschusses folgend Tausende eingefunden, um gegen die Verhinderung deS RnschlnffeS Deutschösterreichs an Deutschland und gegen die Losreißung deutscher Gebiete zu protestieren. Nalidem mehrere Redner, unter ihnen Gesandter Hartmann gesprochen halten, wurde die Versammlung nach Annahme einer Resolution geschlossen. Scheidrmanns Gruß an Deutschösterreich. Die Masten formierten sich sodann zu einem Zuge, der sich zum Reihskanzler-Palais bewegte. Bon einem Fenster desselben nbtete Ministerpräsident ScheidentüKX eine Ansprache an die Menge, in der er vorerst Deutschösterreich herzlichsten Gruß entbot. Die heutige Versammlung habe dem Protest gegen die schweren FriedenSdedinfiun-en gegolten. Sie galt aber auch dem Gedanken, daß die Deutschen Oesterreichs und des alten Reiches zusammengehören wollen. Die Ententemächte können es nicht verhindern, daß wir uns wieder zusammenfinden. Vielleicht gelingt eS der Uebermacht der Entente noßmalS zu triumphieren. Lange aber kann der Triumph nicht wädren. Bleiben wir hart und stark, schloß der Ministerpräsident, wir wollen zu'ammen. weil wir zusammen- ' gehören. Es lebe die Niedliche, es lebe die glückliche Vereinigung der Deutschen in Deutschösterreich und in Deutschland! (Stürmischer Beifall.) , Eine Abordnung der Versammlung begab sich sodann zum Reichspräsidenten Ebert. Der Vorsitzende des österreichisch-deutschen Arbeitsausschusses Geheimrat Professor Herkner richtete an den Präsidenten die Bitte, an der Verwirklichung der großdeutschen Idee unverbrüchlich festzuhalten und dabei auch des schwer bedrohten DeutschböhmenS und Südlirols nicht zu vergessen. Ebert über das gemeinsame Ziel. Reichspräsident Ebert erwiderte, daß die Reichsregierung alles tun werde, was in ihren Kräften steht, um das gemeinsame Ziel, den Zusammenschluß der Deutschösterreicher und der Deutschen, möglichst bald herbeizuführen, Wir wissen zur Stunde noch nicht — sagte Ebert — welche Bedingungen in Paris den Vertretern von Deutschösterreich voraelegt werden, aber nach allem. waS wir hören, ist zu befürchten, daß auch ihnen eine schwere Vergewaltigung droht. Aber was immer auch die Zukunft bringt, auch in den schicksalsschweren Tagen, die uns bevorstehen, wollen wir uns als Brüder Schulter an Schulter zusammenschließen und die ganze Kraft einsetzen für die Erreichung unserer gerechten Ziele. Inland. Telegramme. Die LandtahSwahlen in Oberösterreich. Lipz, 18. Mai. Heute fanden in ganz Oberöster* reich die Landtagswahlen statt. Im Landtag wird der erste Wahlkreis (Linz- Urfahr) durch ö Sozialdemokraten, 3 Christlichsoziale und 1 Mitglied der Deutschen Freiheits- und OrdnungSpartei vertreten sein. Im achten Wahlkreis (Gmunden) Wurden ein Mitglied der Deutschen Freiheits- und Ordnungspartei, 4 Ctzristlichsoziale und 3 Sozialdemokraten gewählt. Im 3. Wahlkreis (Freistadt-Perg) wurden zwei Mitglieder der deutschen Freiheit-- und Ordnungs- Partei, ein Sozialdemokrat und fünf CrisUichsoziale gewählt. Im6. Wahlkreis (Wels-Vöcklabruck) wurden nach den bisher vorliegenden Meldungen fünf oder sechs Christlichi'oziale, zwei oder drei Sozialdemokraten und zwei Mitglieder der deutschen Freiheits- und Ordnungs- Partei aewöhlt. Gleichzeitig fanden im ganzen Land die Gemeinderatswablen statt. Nach den bisher vorliegenden Wahlergebnissen werden in dem Linzer Gemeinderat die Sozialdemokraten wahrscheinlich die absolute Majorität haben, da sie nach einer offiziell allerdings noch nicht bestätigten Meldung von 60 Mandaten 33 errangen. Auf die Christlichsozialen entfielen 17 und auf die deutsche Freiheit-- und Ordnungspartei 10 GemeinderatSmandate. In die Stadlvertretung Gmunden gelangen siebzehn Christlichsoziale, sechs Deutschfreiheitliche und dreizehn Sozialdemokraten. Vernbfchiedrmg des LaridesbefehlshaberS von Tirol. Innsbruck» 18. Mai. (Korr.-Bur.) Die Blätter melden, daß der Landesbefehlshaber, Oberst Lecher, vor einigen Tagen einen mehrwöchigen Urlaub angetreten habe und voraussichtlich nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren werde. Als sein Nachfolger wird Oberst Tschen genannt. Eine Vertretung des Fürstentums Liechtenstein in Deutschösterreich. Wie mitgeteilt wird, hat der regierende Fürst Liechtenstein eine diplomatische Vertretung bei der deutschvsierreichischen Republik errichtet. DaS deutschösterreichische Staatsamt für AeußereS hat die diesbezügliche Mitteilung mit besonderer Genugtuung in Hinsicht auf die zahlreich bestehenden Beziehungen historischer, politischer und wirtschaftlicher Natur zwischen Oesterreich und dem souveränen Fürstentums zur Kenntnis genommen. _ Die Wiener tschechischen Abgeordneten in Prag. Prag» 18. Mai. „Narodni Lischt zufolge hat die Abordnung der Wiener tschechischen Abgeordneten und Gemeinderäte auch den tschechischen Nationalausscbuß besucht. Die beiden Vorsitzenden des Naüonalausschusie« sagten die möglichste Unterstützung der Forderungen der Tschechen fit Deutschösterreich zu mü erklärten, daß es notwendig ersch ine, bezüglich der Nationalitätenfragen einfach mit Reziprozität innerhalb dorischechischen Republik zu antworten. Zugleich seien in dieser Angelegenheit entsprechende Beschlüsse gesüßt worden. Das Ende der Türkei. Paris, 18. Mai. (Tel.-Komp.) Die Besetzung von Smyrna wird in Konferenzkreisen als Einleitung dafür gedeutet, daß die Türkei bald aufhören werde, zu ex i st irren. Es verlautet, daß für die Türkei keinerlei Friedensbedingungen fesigestellt worden sind, weil es bald keine Türkei mehr geben werde. lieber die Verteilung der Gebiete stehe noch nichts fest. Es heißt, daß die europäische Türkei teilweise an Griechenland fällt. Die Reste werden einen internationalen Staat Konstantinopel bilden. Armenien kommt unter amerikanische Vormundschaft, Kleinasien wird vonGriecheuland, Italien und Frankreich verwaltet, während England einen wichtigen Einfluß in Mesopotamien erhält. Demission des türkischen Großwesirs wegen Smyrna. Berlin» 19. Mai. (Korr.-Bur.) Die Rassische Zeitung* meldet aus Versailles: Durch die Besetzung von Smyrna ist nach Pariser Meldungen in Konstantinopel eine äußerst erregte Stimmung entstanden. Der Großwesirhat demissioniert. General Mannerheim vor Petersburg. Die bolscheivikische Regierung geflohen. Paris, 18. Mai. (Korr.-Bur.) Aus Kopenhagen wird gemeldet: Die »Nationaltidende" beachtet, daß eine starke finnlcindische Armee unter Befehl des Generals M a n n e r h e i m bis auf wenige Kilometer vor Petersburg vorgerückt sei, das binnen wenigen Tagen besetzt werden dürfte. Die bolschewikische Regierung sei bereits geflohen. Die finnische Regierung habe der Pariser Konferenz eine Erklärung über ihr völliges Desinteressement an territorialen Erwerbungen bei Petersburg abgegeben, auch wenn Petersburg von finnischen Truppen besetzt werden sollte. Das Schicksal von Lemberg und Drohobyez. Niedergeschlagenheit bei den Polen. Berlin, 19. Mai. (Korr.-Bur.) Die »Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Frankfurt: Einem Wiener Berichte der »Frankfurter Zeitung" zufolge sind die Polen sehr niedergeschlagen» weil ihnen mitgeteilt worden ist, daß die Frage von T e s ch e n vor ein Schiedsgericht kommen, daß die RohölgebieteOstgaliziensderUkraine au fallen und daß Lemberg internationalisiert werden wird. Die finanzielle« und wirtschaftlichen Beratungen. Haag, 18. Mai. (Korr.-Bur.) Heute haben in Spaa Beratungen finanzieller und wirtschaftlicher Natur stattgefunden. Den Vorsitz führte der Stellvertreter des Reichsministeriums D e r n b u r g. An diesen Beratungen haben unter anderen Reichsminister des Aeußern Graf Brockdorff- Rantzau sowie der preußische Finanzminister Südekum teilgenommen. Gegen l/j7 Uhr abends haben die Minister Spaa verlaffeu, um sich nach Versailles, beziehungsweise Berlin zu begeben.

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