Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 118 (17.5.1919)
- Date
- 1919-05-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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F Wt^n, Samsrag- Wiener Mor§eiizemmg tü? - ~ t... , , . -„-*-^ilr**«‘’8»-~feM!rtr—int—•■!■ •-. - - . - —...... >, .-IT Plünderungen in Stettin. Petersburg von alliierten Truppen besetzt. r? Mährisch-Ostrau, 15. Mai. (Anrr.-Bur.) „Wartsztlwske SwoLodnoje Slowo" melde!: Der Vorsitzende /der französischen Mission in Warschau teilte mit, daß fWt. Petersburg ans Anordnung des englischen OberkvmMandanten beseht wurde und!baß diese Aktion mit den Operationen der Ententetruppen 'im Norden zusammenhänge. Der Fall St. Petersburgs f werde einen großen Einfluß auf den weiteren; Berlanf der Begebenheiten haben und in allernächster ^Zeit erwarte man einen ernsten Zusammenstoß mit den bolschewikischen Truppen, deren Hauptlräfte sich um Wologda herum konzentrieren. Gleichzeitig lasse sich erwarten, daß jetzt die Polen gemeinsam mit den Esten, Litauern und russischen Soldaten in Kurland eine Offensive einleiten werden. In Erwartung dieser Aktion ziehen sich die Bolschewiken auch von der Bahn WobrgdaT—Dwina zurück, in der Befürchtung, im Rücken angegriffen zu werden. General So mv now, der ehemalige Chef des Generalstabes der russischen Armee,. sags^aß der Fall Bi. Petersburgs für die Bolschewiken ein großer Schlag sei. Die bolschewikischen Trichpen begännen'schon mit einem Mangel an Waffen und M'.tnition zu rechnen. Diesbezüglich habe sich die Lage setzt, noch verschlechtert, da die größten Fabriken für die Erzeugung von Kriegsmaterial sich in St. Peters- ,'bnrg befinden. Eiü itatiettrsch-amerikanischev Marinekonftikt. Bor Smyrna. ü Budspeft, 16. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenztg?) Ein FunKfpmch aus Athen meldet, daß sich bei der vor S;m'yina kreuzenden Ententefloite ein unange- .nehmer Zwischenfall ereignet habe. Ein italienrsches Kriegsschiff gehorchte dem Befehle des amerikanischen Flvtten-Oberkommandanten nicht, worauf ein amerikanischer Kreuzer zwei Schüsse auf das unbotmäßige italienische Kriegsschiff abgab. Von seiten der amerikanischen amtlichen Kreise in Paris ist die Meldung bisher nicht bestätigt-worden. Die Afghanen gegen Indien. Mailand, 15. Mai. (Tel.-Komp.) Der Erfolg der Truppen des Emirs von Afghanistan gegen Indien hat in England, wie die italienischen Blätter melden, ernst ^Besorgnisse heroorgerufen. Der „Secolo" berichtet, der Vorstoß sei eine Folge der i nn er p o li t i s ch e n Umw älzung i n A f g h a n i st a n und gestalte sich zu einer .religiösen Bewegung der Muselmanen gegen die englische Regierung aus. Man befürchte, daß er b o l sch e w i k i s ch e n E i n s ch lag habe und daher * die Lage in Indien sehr gefährlich werden könnte. London, 15. Mai. (Tel.-Kvmp.) Reuter berichtet: Das englische Koloniqlamt gibt bekannt, daß die erste Division in Afghanistan am 1. Mai in Lakhi - K o hat angegriffen wurde. Sie v er- Lrieb die' Angreifer und besetzte ein Dorf und die umliegenden Höhen. Die Rumänen verlassen Paris. Lausanne, 16. Mai. Die Schweizer Depeschen- Agentur meldet aus rumänischer Quelle,. daß Bratianu und die ganze rumänische Delegation infolge des Beschlusses des Zehnerrates, das B anat zwischen Serbien uni) Rumäni e n z u teilen, Paris verlassen wollen. Der Papst an Ebert. Berlin- 16. Mai. Die „Vossische Zeitung" meldet: Dom Pa tikan ist dem Reichspräsidenten auf die'Mitteilung seines Amtsantrittes folgendes Schreiben zugegangen, das erst jetzt nach Berlin gelangt ist, weil es während der Räteherrschaft in München dort beim Nuntius liegen bleiben mußte: t.‘ > . Dem ausgezeichneten, ehrenwerten Friedrich Ebert. übersendet -er Päpst Benediktus XV. Gruß und Heilt Wir haben Deinen Brief erhalten, in welchem Du in Deiner Liebenswürdigkeit uns benachrichtigst, daß Du am 10. Februar d. I. in der'Nationalversammlung Deutschlands zum Präsidenten dieses.Reichcs erwählt worden-bist, und daß Du dieses Amt angenommen hast. Wir danken Dir für diesen Brief und beglückwünschen Dich Zu dieser Dir, übertragenen hohen Würde, dies umsomehr, als. wir sehen, daß Du Sorge dafür. tragen wirst, daß die zwischen - unserem apostolischen Stuhle und dem Deutschen Reiche bestehenden' Beziehungen nicht, nur unverändert bleiben, sondern auch fester werden sollen. Mit Recht nimmst Du an, daß es an unserer Mitarbeit hieran nje mangeln wird. Indem wir die Aeußerungen Deiner-Ehrerbietung und Liebenswürdigkeit erwidern, erbitten wir , für Dich von Gott alles Segensreiche und Glückliche. Gegeben zu Rom. bei St. Peter, 2. April 191!), im fünften Jahre unseres Pontifikats. . Gez. Benediktus P. P. XV. Eirrführuirg des Rätekongreffes in Berlin. Berlin, 16. Mai. (Tel. der »Wr. Morgenzlg/) Im Zentralrat der Arbeiterräte wurde der Antrag gestellt, daß noch in - diesem Monat ein Kongreß aller A rb e i t err 6 t e Zusammentrete, der zu den Friedensbedingungen Stellung nehmen soll. Befreiung der Gefangenen ans dem Inftizgefangnis. Stettin» 16. Mai. (Korr.-Bur.) Im Laufe des gestrigen Nachmittags wurden in vielen Geschäften der Stadt Plünderungen verübt. DaSJustizgefänyilis wurde gestürmt. Ebenso wurden die vonden Regierungskuppen in der Hauptwache nntcrgebrachten Gefangenen aus den Straßenkämpfen gewaltsam befreit. Gegen Abend wurde der Bahnhof besetzt, weil das Gerücht verbreitet war, daß von außerhalb Regierungstrüppen herangezögen würden. Die Behörden haben Maßnahmen getroffen, um die Ruhe Md Ordnung wieder herzustellen. Die Vertreter der Arbeiterschaft legen den größten Wert auf die Feststellung, daß die Unruhen , und Plünderungen vom Pöbel niedrigster Art verübt wurden. Dr. Neurath in München verhaftet. München, 16. Mai. (Korr.-Dur.) Nach einer amtlichen Verlautbarung ist der Präsident des Zentralwirtschastsamtes für Sozialisierung, Dr. Neurath, seines Amtes enthoben worden. Heute vormittags wurde er verhaftet. Liquidierung bedeutender Bank- und Börsefirmen in Äugarn. Budapest» 16. Mai. (Ung. Tel-Korr.-Dur.) DaS Volkskommissariat für Finanzwesen hat die L i q u i d i e r u n g einer großen Reihe von Bank- und B ö r s e f i r m t n anaeordnet. Unter dreien befinden sich: Georg Szacallari, Emmerich. Vaida & Comp., Dr. Alfred Mendellvhn, Haus & Bettclheim. B. Magaziner, Wilhelm Dyöri, A. Wemberger, Ungarische Mercur-Bank Aktiengesellschaft, Landrsbeannenbank-Aktiengesellschaft, Innerstädtische Wechselstubeir-A.-G., Bankhaus Wilhelm Lukacs A.-G., Karl Kiß<8 Co., Bayk-At-G.. S. Bogdanp A.-G.. Benkö-A.-G., A. Gaedrcke, Hecht Bank-A.-G., Josef Beitl, Armin Kooan, A. Torök L Co. A.-G.> Friedrich Dörge. Die Gläubiger der zu liquidierenden Firmen werden aufgefordech ihre Forderungen der der Liqmdiemngsabteilung der Gcldinstitutszentrale innerhalb acht Tagen, anzmneldcn, da sonst ihre Forderungen nur insofern Berücksichtigung finden, als sie aus dm Büchern'der liquidierenden Firmen festgestellt werden können. Ungarischer Kawpfberlcht. Budapest, 16, Mai. (Korr.-Bur.) Das Ungarische Telegraphen-Korrespondenz-Bureau meldet: .Nordsront: Der Feind hat sich südlich von Losoncz am Nordländer E ip e l emgegraben. Die Beute der siegreichen Salgo-Tarjaner Kämpfe besteht aus acht Maschinengewehren, drei Fahrküchen imd einer größeren Menge Artillerie- und Insanterimmntiou. Nördlich von Erlau haben unsere Truppen den Feind auf die nördlich von A p a dfalva gelegene Hohe zurückgedrängt. Die neue ungarische Negierung übersiedelt nach Szegedin. Die Telegraphen-Kompagnie meldet: „Die neue ungarische Regierung wird ihren Sitz von A r a d bereits in der nächsten Zeit nach Szegedin verlegen, also aus ein Gebiet, das bereits außerhalb der Demarkationslinie liegt. Die Stadt Szegedin hat sich vom bolschewikischen Regime selbst befreit und verfügt über genügende Sicherungen, um die W.ieder.kehr des bolschewrkischen Terrors zu verhindern. Neue Banknoten in Ungarn. H Budapest,' 16. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") Der in letzter Zeit immer mehr fühlbare Mangel an kleineren Zahlungsmitteln, der zu einer schweren Kalamität zu werden drohte, hat die Räteregierung zu einschneidenden Maßregeln genötigt, die aber auf die Valuta selbst mrd auf die Stabilität der Geldverhältnisse von keinem Einflüsse sind. Die Räteregierung wird Rotenzu^ö und lO ausgeben. Die Ausgabe der-letzteren erfolgt durch das Postsparkassenamt und ist durch Noten der Oesterreichischungarischen Bank gedeckt. Die „Bohemia" erscheint Wieder. s Prag, 16. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Am Montag erscheint die seit mehr als sieben Wochen eingestellte „B o h e m i a" zum ersten Male wieder. Das Prager Radetzky-Monument entfernt. s Prag, 16. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Heute wurde in Anwesenheit eines riesigen Publikums das A a d e tz k y - D e n k rn a l auf dem Kleinjeitner Ring entfernt. Amerikanische Lebensmittel für die Kinder Deutsch Österreichs. Linz, 16. April. Die „Linzer Tagespost" meldet: Heute traf hier ein Mitglied der amerikanischen Mission in Wien ein, dessen Aufgabe es ist, Lebensmittel für Kind er D eutschtzsterreichs einzukaufen und zur Verteilung zu bringen. In feiner Begleitung befand sich ein Sektionschef des Staatsamtes fiir soziale Fürsorge. Nachmittags würden über die Art der Verteilung dieser Spende mit der Landesregierung Beratungen gepflogen. Gegen die Inden find Tschechen und Deutsche einig. s Prag, 16. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") „N a r o d n i Li st y" meldet, daß die d e u t sch e agrarische Gesellschaft an die landwirtschaftlichen Genossenschaften-ein vertrauliches Zirkukar verschickt, in dem es heißt: Die tschecho-siowakische Zuckerkommissioir hat uns aufgefordert, die Cngros- Zuckerverteilung unter sehr vorteilhaften Bedingungen zu übernehmen. Im Hinblick darauf, daß die Engros- Zuckerverteilung sich vorwiegend in jüdischen Händen befindet, empfehlen wir Ihnen, sofort ein den Gegenstand betreffendes Gesuch einzusendm. „Narodni Lisch" bemerkt dazu, es fei nicht wahr, daß die Znckerzuteilrmg im großen durch Juden getroffen \ werde. TT. Mär i9Tr Yornchmsle Schweizer Wien, I., Spiegclgafise Nr. LS. Die Pension übernimmt in Ihren hocheleganten LoktHSten Hochzeiten, Soupers, geschlossene Gesellschaften etc. 613 )WA<\ Tagesbericht. Vom Wiener jüdischen Museum. Ein Freund unseres Blattes, ein jüdischer Bilbettbei Künstler, schreibt uns: Daß es in Wien ein jüdisches Museum gibt, ist nicht allzu bekannt. Noch weniger Leute wissen um die sehr geringe Zahl der Besucher. Diese fast chrvurschk Gleichgültigkeit ist wohl sehr bedauerlich, andererseits! kann ich aber nicht umhin, darüber eine gewisse Genug-' tuung zu empfinden. Denn über das jüdische Museum in der Malzgasse möge sich unser Herrgott erbarmen. Wohl sind dort viele sehr bedeutende jüdische Altertümer! aufbewahrt, jedoch ihre Anordnung und die Art, wie sie zur Schau gestellt ^finh; ift einfach jämmerlich. (Sa. ist zum Beispiel eine Münzensammlung in einer Höhe , exponiert, die es unmöglich macht, di« Münzen zu bo-« trachten.) Lächerlich, direkt beschämend für ims, daß; in diesem Museum eine große Anzahl von Gegenständsu untergebracht ist, die mit der jüdischen Kultur- und Kunstgeschichte nichts zu Mn haben und in lieblichem Durcheinander mit den wertvollen AusstellungsoLjektLtt zusammengewürfelt sind. Dadurch ist bas jüdische Museum förmlich zu einer Rumpelkammer von abgebrauchten Möbelstücken ohne Kunstwert, Bildern und allerlei modernen Erzeugnissen geworden. Diese „Aus- . stellungsnummern" würden ganz gut für dis Vorzimmer eines KulMsherrn taugen. In einem Museum dagegen schänden sie das Echte und Wahre. t-< So oft ich in die Museumräume komme, packt mich Unmut und Zorn und ich frage mich: Gibt es noch immer so wenig Juden, denen beim Besuch dieses . sogenannten Museums nicht die Augen schmerzen? Wäre es nicht allerhöchste Zeit, daß für die Hinausschaffung der für ein Museum unwürdigen Gegenstände Sorge ' getragen wird? Möge diese Anregung die Anftnerk- . samkeit auf das Museum in der, Malzgässe lenken'. . el.; ' Emrechmmg militärischer Dienstleistung in dir Praxis der IustizLerufe. Durch eine Vollzugsanweisung des Staatssekretärs für Justiz ist die Einrechnung nicht der u f smäßiger militärischer Dienstleistung in die für das» Richteramt, die Rechtsanwaltschaft und das Notariat vorgeschriebene praktische Verwendung neu g e- ■ regelt worden. Während nmh der bisher geltenden Emrechnungsvorschrift nur die nach Ablegung der Hochschulprüfungen im Militärdienst zugebrachte Zeit in die praktische Verwendung bet Iustizberuse zählte, ist nach der neuen Vollzugsanweisung auch die Zeit vor den Hochschulprüfungen einrechenbar. allerdings nur unter der Voraussetzung, daß der Anwärter die für den betreffenden Iustizberuf vorgeschriebenen Hochschulprüfungen innerhalb eines Jahres nach Beendigung seiner Militärdienstleistung - ablegt. Die Erweiterung der Einrechnungsbegünstigungen kommt hauptsächlich jenen Studierenden der Rechte zu statten, die knapp vor Beendigung chrer Studien oder Ablegung der Prüfungen einrücken mußten und denen andernfalls die ganze Zeit der Militärdienstleistung für ihren Lebensbemf verloren ginge. Wertpapiere in Tschechien. Aus dem Amt des Bevollmächtigten der tschechosilolmü»- ' chen Republik - wird gemeldet: Das tschecho-slowaliichr Kouskriptionsamt in Wien, Herrengasse 12, nimmt An iNclduuaetlv svon Wertpapieren (mit Ausnahme der Kneg§anleih--N) mrd Ach Meldung von Einlagen, laufenden Konten, Anteilen usw. aufvorge-- schriebenen Formularen, die dort erhältlich sind, nur noch kurze Zeit -entgegen. Der Konskription unterlagen nur Geld e i »-" l a g e n auf Einlageblicher oder Scheine, Kassenschctne, laufende Rechnungen, unverzinsliche Depositen, Girokonten und ähnliche, . und Anteile bei Geldinstituten im Gebiete der tschecho--' slowakischen Republik. Befinden sich Einlagebücher üsw.-im Be<.: sitze der Parteien, dann sind sie met der Anmeldung vorzulegen.^ Nichtanmelden der Einlagen zieht deren. Verfall zugunsten der. tschecho-slowalischen Republik nach sich. Die.Elgentchner rsick- ' versicherter Schränke (Safes) hqben ihre Einlageblicher oder, Scheine (Kassenscheine) selbst auszüheben und vorzulczen. An der1' Anfnahme von Wertpapieren (mit Ausschluß der Kriegsanleihen)- , können-sich beinr Konskriptionsamte m Wien beteiligen: Augehörik;e:des tschecho-slowakischen Staates mrd Personen, die längy'i ' als em Jahr irr seinem Bereiche wohnen, hinsichtlich aller in ihrem Besitze befindlichen Papier^ ob sie setzt m Bereiche des tschecho-'. slvwMchen Staates oder, im Anslande sich befmde»; andere.' Personen nur hinsichtlich der Papiere, die m der ischecho slowa-1 kischen.Republik deponiert sind. . .^ 7... * Die Forderungen der MilitärsLziftert. Im. Militärkasino fand gestern nachmittags die virlstiindigc Aersammlung der M'litiirgagisten statt, die sehr lebhaft verlies. Bekanntlich lief, gestern Vre Fnst des gestellten Illtimatu-chs ab. Die zwischenzritlichm Berha»dlnttgen haben kein die Allgemeinheit/be-., predigendes "Resultat gezeitigt. Die Versammlrmg .l'v'chsosi gestern . da' N l t r m a t u m bis rnm L. Juni zu v e r l ,'i,n,«..e r n.