Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 116 (15.5.1919)
- Date
- 1919-05-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Donnerstag " .... ... — Polttische^tundschau. Die Lage in Triest. Bon unserem Korrespondenten. Triest, 10. Mai. Die Stadt Triest hat sich von dm Schäden, die ihr der Krieg zugrsügl hat, bisher nicht erholt. Wohl hat die Besetzung der Stadt durch die Italiener die ErnährungSverhältmlse erheblich gebessert und die mannigfache Fürsorge für Flüchtlinge nnd Heimkehrer manche Erleichterung nnd zeitweilige Beschäsligung der Arbeitslosen gebracht, aber der Uebergang in fremden Besitz hatte frische Erschütterungen zur Folge. .Zahlreiche Großunternehmungen, die Hunderte von Angestellten beschäftigte«, mußten ihr Personal beträchtlich reduzieren. Der Wechsel der Valuta, der ans der Basis von 40 zu 100 erfolgte, hat im Effekt za einer Herabsetzung des Aktienkapitals zahlreicher Unternehmungen um 60 Prozent geführt, die sich gegenwärtig außerstande sehen, ihren Beamten einen Gehalt in Lire zu bezahlen, der dMt bisher in Kronen gezahlten gleichkSme. So erhaltm zahlreiche Beamte einen Gehalt, der dem ans Friedenszeiten gluchkonimt, da die Lebenshaltung ein Drittel der heutigen Kosten betrug. Die Arbeiterschaft hat durch die Stärke ihrer Organrsation erreicht, daß sie beim Wähmngswechsel vor Scherben bewahrt wurde, die sehrzahlreiche Klasse der Beamten jedoch ist stark geschädigt worden. Daher macht sich unter diesen eine starke Agitation zur Erlangung besserer Bedingungen geltend. Der Währungswechsel hat vorläufig fast zu einem Anwachsen der Preise geführt, wenn man die Entwerrung der Krone berücksichtigt. Der Handel, der den Lebensnerv der Stadt bedeutet, hat seine Tätigkeit bisher nicht angenommen, es mangelt angesichts der unsicheren Verhältnisse an UntemehmungSlust, und die Arbenslosigkeit wächst sehr stark an. Angesichts dieser Umstände beabsichtigt die Regierung, ein großes Arbeitsamt zu errichten, wie sie in verschiedenen Städten Italiens bestehen und man hofft, daß die italienische Verordnung betreffs der Arbeitslosenunterstützung auch auf Triest Anwmdung finden wird» Aber alle diese Maßnahmen genügen nicht, um die kommerzielle Zukunft von Triest zu verbürgen, die von vielerlei Umständen abhangt, die durch lokale Maßnahmen allein mcht beeinflußt werden können. _ Zum jugoslawischen Problem. Sekten gibt die Zukuifft einer politischen Entschließung nachträglich recht, die der Not des Augenblicks entsprungen ist, und um wie viel weniger einer, die dem Ansschwung einer glückverheißenden Stunde ihr Dasein dankt, da man benommen ist durch den Glanz der ^Uniformen, die neuen rottoeiß-blauen Flaggen und den Jubel einer durch wenige Ideologen entflammten Masse. Man sollte meinen, der Anschluß Kroatiens an das gleichsprachige Serbien stellt« eine nur naturnotwendige Entwicklung dar und steht erstaunt vor seinen Folgen. Wenige Monat« genügten, einen Gegensatz, der seinen besten Ausdruck in dem Unterschied zwischen alle Sprachengleichheit erhebt. Eine Jahrhundert« wShrende ' Sondercntwicklung kann nicht durch noch so geschickte Propaganda aus dem Wege geräumt werdest. Kroaten und Gerben, das bedeutet westlicher und östlicher Kulturkreis, ein Gegensatz ,dcr seinen besten Ausdruck ttt dem Unterschied zwischen Lateinisch und Cyrillisch findet. Die Seele d«S kroatischen Bauern, der wohl eine der konservativsten Menfchengruppen darstellt, wird abgesehen von dem GesÜhlschaos, das Gewinngier aus der „großen" Zeit und der Nachhall ihrer Schsagworte in ihm erzeugten, ganz eingenommen von der Religion und diese ist das Trennende zwischen Serbisch und Kroatisch. Die Kluft zwischen orthodox und .katholisch Ist fast tiefer als die zwischen Jude und Christ. Die Volksseele ist beharrlicher und minder biegsam als oie Grundsätze der politischen Parteien, sie kennt keine Sprachenkarten, wohl aber den Unterschied zwischen Tonsur und Priesterbart, zwischen Zölibat und Priesterehe. Nicht nur beim Wort blieb die gärenda Unzufriedenheit über den Anschluß an Serbien stehen, welcher Kroatien in der Form zu einem Bestandteil der Verbindung Der Dichter im Kriminal. (I. S. Machar, k. u. k. Krimmal. Erlebt 1916, geschrieben 1917—1916. Aus dem Tschechischen von Otto Pick, Wien ISIS, Deukschöstermchische'r Verlag.) Bon Jakob Fingermonn. Würde die Menschheit aus der Vergangenheit eine Lehre für die Zukunft' ziehen, wäre ihr manche Epoche der Verzweiflung erspart geblieben. Aber dies ist, bei dem kurzen Gedächtnis der Mitlebenden und der Verlogenheit professoraler Geschichtsschreibung, wohl kaum zu hoffen. Gibt es doch immer noch, nach dem Entsetzen des grauenvollsten Krieges, nach der Entlarvung eines von Metternichschem Geist regierten Staates eine erhebliche Anzahl von Leuten, die gern« alle Errungenschaften der Revolution und alle Hoffnungen einer glücklicheren Zukunft den Fleischtöpfen der alten Büttelmonarchie zu opfern bereit wären. In der altrömischen Ge'chichte sind wir gut beschlagen, meint Machar in der Einleitung seines prächtigen Buches, aber was gestern geschah, droht bereits unserem Gedächtnis zu entschwinden. Und das ist nicht gut. Es ist nicht gut, wenn wir jemals an die Drangsalierung unserer Seelen, an die Vergewaltigung unserer Person, die Zerrüttung unseres Daseins durch dt« brutale, fühllose Macht jenes Staates, der uns sein« k. n. k. Sträslingsmarke aufdrückte, vergessen sollten. Niemals dürfen wir der Hingeopferten, der von Haus und Hof Vertriebenen, der Eingekerkerten, der an Leib und Seele Geschändeten und unserer jungen gefallenen Söhne vergessen. Immer müssen wir der Blutgerichte, der Diktatoren mit roten Lampassen, den Intendanten und sonstigen Schieber, der Wlttärpolizei, der schicksalsschweren Uebecwachungsstellen eingedenk bleiben und dann werden wir unser heutiges rationiertes Leben, da- Brot der Armut, süßer finden als die Gastmahl« des machtbcrair schien Kaiserreiche-. Der tschechische Dichter Machar hat sein besonderes Martyrium im DurchbruchsjahL 1.916 erlebt. Die Wiener Morgenzettimg 15. Mai 1919 Nr. 116 Heftige Angriffe der Ungarn an der tschechischen Front. Die Tschechen melden ungarische Erfolge. Prag, 14. Mai. (Tschecho-slow. Preßbur.) Die Magyaren konzentrierten am 11. Mai zn beiden Seiten von Szylakotv bedeutende Kräfte« In der Nacht ans den 12. Mai unternahmen sie einen heftigen Angriff gegen unsere Stellungen, der aber abgeschlagen wurde. Später wurde der Angriff der Magyaren mit noch größeren Kräften wiederholt und egelang, ihnen, bei Fülek örtliche Erfolge zu erringen. Unsererseits sind zwei Tote und elf Verwundete zu beklagen. Die Verteidigungslinie unsere- Truppen zieht vom Cipelfluß über Nyitra—Korlat—Valegfalva—Ieszte. An der Donanfront und im Ostteil der Slowakei ist die Lage unverändert. S. H. S., im Wesen zur Innenkolonie und zum Kräftereservoir des erschöpften Königreiches Serbien mochte. Die Tatsache, baß die italienische Berichterstattung jedes Gerücht aus Jugoflawien gegen dieses ausschrotet, braucht uns nicht glauben zu machen, daß Ruhe und Zufriedenheit in Jugoslawien herrsche. Der Verfasser dieser Zeilen war selbst Zeuge blutiger Zusammenstöße in Agram Ende 1918 und des Dauernstreiks der Anhänger Radic' im April 1919. Radic wurde von den Serben eingekerkert, weil er eine auch bei uns nicht unbekannte Forderung ausstellte: Statt des Anschlusses Neutralisierung. Doch dies alles würde nichts Wesentliches besagen. An ihren Mitteln sollt ihr sie erkennen! Fast scheint es, als ob die Methoden einer verblichenen Gesaintmonarchie hier, verschärft und balkantsiert, wieder auftauchlen. Jeder Postverkehr mit dem Auslande wird gänzlich eingestellt, der Briefverkehr des Inlands (auch innerhalb Kroatiens!) wird einer strengen Militärzensur unterworfen. Schärfste Grenzsperre! Der Uebertritt nach Ungarn ist unmöglich, der nach Deutschösterreich nur nach zweistündiger Fahrt km Äauernwagen Üron Schwarza bis Ehrenhausen) gestattet. Alle dentschöfterreichischen, deutschen, ungarischen, italienischen Zeitungen wurden strengstens verboten, ebenso jede Feier der 1. Mai. * Nein! Diese Lösung ist für Kroatien keine Erlösung auS dem ungarischen Joche. Auf der einen (kroatischen) Seite finden wir weiche .Gemütsart, seelisch« Einstellung auf nationales Zusammenleben, westliche Kultnrzugehörigkeit, auf der andern militaristische Gemütsart, national« Ueberbetonung und durchaus östliche Kullurorientierung. Wohl war, diese Kroaten und Serben sprechen dieselbe Sprache, doch sie haben verschiedene Religionen, ebenso wie Deutschösterreicher und Norddeutsch« und der Gegensatz zwischen ihnen ist womöglich nock) größer als zwischen österreichischen Alpenbelvvhnern und Nordpreußen oder Friesen. Leo Kohn. Der Kampf um WUna. Joffe fälschlich totgesagt. Dem Jüdischen Preßbureau Wien wird aus Berlin telegraphiert: Amtliche zuvrrlä'sigr Nachrichten über die SchreckrnStage in Wilna besagen folgendes: Die Stadt wurde von einer kleinen Anzahl polnischer Legionäre (etwa 400 Mann, die in der Nacht vom 18. auf den 19. April in einem einzigen Zuge ankamen) überfallen und erobert. Der Straßenkampf dauerte dom 19. bis 21. April. Die Bolschewiken, welche offenbar gleichfalls wenig zahlreich warm, mußten abrücken und schleppten 95 Geiseln mit, unter denm sich auch die Fraum der zionistischen AnterfiaatSsekretäre Rofenbaum rmd Rachmieliewiez besandm. Diese Geiseln wurden nach Wilkomir gebracht, wo sich auch der fälschlich totgesggte ehemalige Berliner BotschafterJoffe aushielt. Ueber ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Während des Kampfes bewaffneten die Polen den polnischen Straßenmob, der sofort einen furchtbaren Pogrom veranstaltete. Die BeerdignngSgefellschaft Chewra-Kedlscha stellte bisher 2300 jüdische Leichen fest. Unter anderen wurden sämtliche Besvcherdes Siege nach außen konnten den Machthabern die bebende Furcht vor inneren Umwälzungen nicht nehmen. Das Hauptquartier suchte auch den inneren Feind unschädlich zu machen, den es insbesondere in den slawischen Provinzen der Monarchie vermutete. „Menschen aller Schichten und Stände lebten mrtrr Polizeiaufsicht; Gasthäuser, Theater, Eafös und Promenaden wimmelten von Spitzeln, und die Spionage drang selbst in die Familien ein. Auf Grund anonym«r Anzeigen erfolgten Verhöre, Hausdurchsuchungen. Verhaftungen, Einkerkerungen. Alle bürgerlichen Rechte waren aufgehoben, es gab kein« persönlichen, kein« verfasfungSgemüßen Freiheiten, niemand war sicher, «S regnevr Stricke, lebenslängliche Haft, hunderte und hunderte Jahre Kriminal, Vermögensbeschlagnahmen. Eingesperrt wurden Frauen, Studenten, Kontoristinnen, Schriftsteller, Abgeordnete, GreiSler, Dankdirektoren, Geistliche aller Bekenntnisse —alles war verdächtig, das ganze Volk war verdächtig, schreibt Machar. Vor allem suchte die Wiener Negierung, die nach Fürst ThunS Abgang einen beispiellosen Terror in Böhmen entfaltete, die geistigen Führer des tschechischen Volkes als die Wurzel alles ÜebelS Unschädlich zu machen. Masaryk war geflüchtet, aber Dr. Kramarsch, Dr. Raschln und viele andere wurden unter der Anklage te; Hochverrates dem Wiener Garnisonsarrest eingeliefert. Die Intellektuellen, welche sich noch auf freiem Fuß befanden, machten sich philosophisch auf daS gleiche Schicksal gefaßt. Der Dichter Machar, dessen Schriften der argwöhnischen Militärbehörde äußerst unsympathisch waren, wird eine- TageS ohne Federlesen verhaftet und dem Wiener GarnisonSarreft übergeben, den er erst nach einigen Mona en, da die Untersuchung keinen Anhaltspunkt für eine Anklage liefert, als kranker Mann verläßt. Im vorliegenden Werks schildert Machar seine Erlebnisse und Beobachtungen, und wenn eS nicht so traurig wäre, müßte man üler die Jämmerlichkeit, Schäbigkeit Sabbatgottesdiensies in der Gabronischer - Synagoge er-' mordet, alle jüdischen Häuser geplündert und ein unermeßlicher Materialschaden angerichtet. Schließlich wurde die gesamte waffenfähigejÜdischeMannschaft, und zwar 10.000 Juden, zwangsweise nach Lidaverschlepvt und von dort unbekannt wohin weiter transportiert. Der O b errabbinerRubinstein wurde mißhandelt und verhaftet weil er sich weigerte, eine Erklärung zu unterschreiben, in welcher die Bolschewiken als Veranstalter des Pogroms bezeichnet wurden. P i l s u d S k i setzte seinen Bruder, Rechtsanwalt P i l f u d S k i am dritten Tage nach der Einnabme der Stadt als Kommandanten ein, welcher die Ordnung sofort w'eder herstellte. Oberrabbiner Rubinstein wurde befreit, und um den guten Willen der polnischen Regierung vorzuspiegeln, eine Stadtverwaltung eingesetzt, welche auö vier Polen und drei jüdischen Kaufleuten bestand. Nichtsdestoweniger boykottieren die Polen vollständig die jüdische Bevölkerung und verkaufen ihr keine Lebensmittel, so daß eine furchtbare Hungersnot herrscht. D i e Stabt wird von den B olschewiken bombardiert, welche drohen, bei der Medereinnahme die ganze- Bourgeoisie umzubrmgen. Die Christlichsozialen und die Zukunft Wiens. Der neue chrtstlichsoziale Verfassungsentwurf, der gestern veröffentlicht wurde, siebt einen „Freistaat Wien" vor. So nimmt auch diese Partei den ein wenig reformierten Gedanken der Reichsnnmittslbarkeit der Stadt Wien auf. Allerdings stehen die chriftlichsozialen politischen Maßnahmen, die darauf htnauSlaufen, Wien mit einer deutschnationalen chinesischen Mauer zu umgeben, zu. diesem Programme im krassen Widerspruch. Das jüdischnationale Programm besagt deutlich, welche« Zweck die Neichsumnittelbavkeit Wiens, die auch wir ver-, langen, haben muß, soll Wien als Welt- und Großstadt erhalten bleiben. Zunftwesen und Konzessionsthrannei müssen beseitigt werden, Abkehr von jeder national-chauvinistischen und fremdhetzerischen Politik ist nötig, jede Politik-muß verschwinden, die sich gegen einzelne Nationen, Staaten und Konfessionen richtet. Der nationale und konfessionelle Provinzradikalismus darf nicht nach Wien verpflanzt werden. Nur eine derartige programmatische Orientierung, die keineswegs den deutschen Charakter Wiens tangiert, kann den Gedanken - deS Freistaates Wien fruchtbar machen. Wie soll man aber dem chriftlichsozialen Programme trauen, wenn in der nämlichen Nummer der „Reichspost", in Weiher es publiziert ist, ein neuer Protest der christlichsozialdeutschuationalen Studenten gegen die Zulassung von Hörern Raum findet, „deren Heimat weitab von den Grenzen Deutschösterreichliegt"? Wenn es mit dem Gedanken des freie« Staates Wien ernst wäre, müßte im Gegenteil Wert darauf gelegt werden, baß di« Wiener Universität ihren Weltruf womöglich noch vergrößert und zu einem Sammelpunkt von Lehrender! und Lernenden aus aller Herren Länder wird. Krähwinkelei und Freistaatgedanke schließen einander aus. und innerliche Verlogenheit dieser Gewalten lachen, deren Popanz Jahre hindurch eine Welt in Verzweiflung jagte. Fischblütige, karrierelüsterne Auditoren und Helfershelfer, reglementslebern« Profvßen, machtsadistische, unredliche RechnungSunveroffiziere, größenwahnsinnig«, von ihren Untergebenen schlau benützte Stabsoffiziere — dies die Oberwelt. In der Unterwelt, den Kerkern, hausen zusammengepfercht verdächtige Politiker, unpolitische Verdächtige, Diebe, Mörder, Schriftsteller, Deserteure, Nabbinatskanbidaten, Journalisten, Geistliche, Zuhälter: Märtyrer und Abschaum der Menschheit. Es werden keine Unterschiede gemacht; wozu auch? Man ist im Krieg — Opfer zählen nicht, die Parole lautet: Durchhalten! Zwanzig bis dreißig Menschen fiitb in Zellen gepreßt, die für acht berechnet sind. Die Notdurft wird in der Zelle besorgt, die Verpflegung ist — der NechnungSunteroffizier weiß warum — völlig ungenießbar. Wer eingeliefert wird, kann sich, auch wenn er keiner Fliege ivaS zu leib getan hat, auf eine monatelange Untersuchung gefaßt machen. Alles ist verboten: der Besitz von Geld, daS Rauchen, Zeitunglefen, Kartenspiel, Alkohol — aber d-r menschliche Geist ist in der Nvt erfinderischer denn je und die Häftlinge schlagen ihre Zeit mit Kartenspiel, Rauchen, Zeitunglesen und gelegentlichen Wetngelagen tot. ES sind reiche Leute unter ihnen, Lieferanten, Großkaufieute, Krieg-Verdiener, und daS allmächtige Geld überwindet all« Vorschriften und Vorsichtsmaßregeln Ein geheimnisvoller Schmuggeldienst hält die Verbindung mit der Außenwelt aufrecht. Als Zahlungsmittel dienen instefonder: Zigarren, für die im Arrest alles zu haben ist. Der Häftling legt an einem bestimmten Fenster zwei Zigarren nieder und eine halbe Stunde später liegt an ihrer Stelle die neueste Zeitung. WaS für Leute beherbergt der Wiener Garntsvnöarrest von 1916! Im Turm sitzen die „Hochverräter" Dr. Kramarsch, Dr. Raschin, auf Zelle Nr. 60 Machar und der Prager Redakteur Duschet und in dm anderen