Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 114 (13.5.1919)
- Date
- 1919-05-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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f .^ _ . MÄH Dlstüg "" " "■—:--r^.r.: --;:.„r Inland. * 7 v ' Nationalversammlung. '. ' Für die nächsten Tage wurden eine Reihe von Ausschlüssen einberufen, die das Material für die.Na-, rionalversammlung vorznbereiten haben. Heute tritt der Ans- - schuß für soziale Verwaltung znsaimnen, auf dessen Tages ordnimg die Gesetzesvorlagen über die Errichtung von BvlksP fle ge st ä 1 ten und das Verbot der 9! a ch i* ntfi-cit für Frauen mit» I ugendli ch e in geroerb-- lichem Betrieben sowie einige Anträge stehen. Für Mittwoch ist der V.e rs <rf s u n g S a u S s ch u ß einberufen, der eine dringende Blenderung der Verfassung, die durch die Abwesenheit des StaatskanglerZ Dr. Renner notwendig geworden ist, vorznnelimen hat. Zwar ist in der Verfassung vorgesehen, das; in Abwesenheit des Staat-Skcmzlers dessen Agenden an den Vizetanzler übergehen, nichtsdestouvcuigci: hat es fid) hcransgestellt, das; dennoch eine Aenöcrung der Verfassung vvrgenommeir werden muß, damit die Befugnisse des Staatskanzlers in allem und jedem an den Vizekanzler übertragen werden können, was umso uoitvendiger erscheint, da ja der Staatskanzler infolge seiner Teilnahme an den Friedenskonferenzen in Saint-Germain-eu-Laye mehrere Wochen von Wien ferne weilt. Am gleichen Tage tritt der Ausschuß für Hee r-- wesen zusammen, um über den Antrag des Abg. Grubber wegen. endlicher Auszahlung der Explostonsschädeu vom Jahre 1917 zu beraten. - ■ : Auch di? Parteien haben Klubsitzungen ausgeschrieben. Die Chri'tlichsozialen halten vormittags ihre Klnbberatung ab,d während die Sozialdemokraten und die Großdcutsche! Boreinigung am Mittwoch von der Haussitzung zusammentreten. Die Parteitlubs haben ihren Mitgliedern, die in den Ausschüssen tätig sind, zur Pflicht gemacht, an den Ausschußberatungen vollzählig teilznne'l'ncen und uLmentlich im S o- 5 i a d i s ie r n n gs a n s s ch n fl, wo wichtige Gesetze . zur Verhandlung gelangen, bestimmt . zu erscheinen. Mit großer Spannnicg sicht' man der Vorlage des Staatssekretärs 'für Finanzen über die Vermögensa b g a v e entgegen, die Dr. Schnmpc 1 er in einer der nächste:! Plenarsitzungen im ,«Hause, «inbringen wird. . . Die Vertreter der Alliierten bei Dr. Renner. Staatskanzler Dr. Neuner hatte vorgestern als Bevollmächtigter bei den FrieLensverhandlungen die Vertreter der vier alliierten Machte empfangen, um mit ihnen über die bevorstehenden Verhandlungen einen Gedankenaustausch zu pflogen und gewisse Einzelheiten der Verhandlungen' zu ' besprechen. ■ . Ilm halb 10 Uhr vormittags erschien in Vertretrmg des von Wien abivesendeu Sir Thomas' C u n n in g ha me der britische Konsul Philpvt, um 10 Uhr für die amerikanische Vertretung Prof. Collidge, um halb 11 Uhr'der italienische Vertreter Mario Vivala. um 11 Uhr der französische Botschafter All i z e. i Herr Allizs versprach, der deutschöftcrreichischen Delegation in Paris die Lege zu ebnen und teilte denr Staatskanzler mit, daß Herr Pinaul von der französischen Gesandrschast mit dem Staatskanzler zusaminen die Reise nach Paris machen werde. j Von der italienischen Mission dürste General Alber ti gleichfalls nach Paris mitreisen. Die Abstimmung in Vorarlberg. Innsbruck, 12. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) Gestern begann in Vorarlberg die Volksabstimmung, mittels welcher entschieden werden soll, ob die Vorarlberger Landesregierung mit der Schweizer Regierung Verhandlungen über einen Anschluß des Landes an die Schweiz einleiten soll. Bis zur Stunde haben zirka 80 Prozent mit Ja und 20 Prozent mit Nein abgestimmt. Tusar kehrt doch nach Prag zurück. Wie in parlamentarischen Kreisen mit Bestimmtheit verlautet, begibt sich der derzeitige Wiener tschechoslowakische Gesandte Herr T u s 'a r in den nächsten Tagen nach Prag. Er dürste auf seinen Posten, in Men nicht mehr zurückkehren. Wie verlautet, soll er in den 'Verhandlungen zwischen den Deutschen und den Tschechen für den Posten eines Ausgleichsministers ausersehen sein. .? Telegramme. Die deutschen Delegation bei der Arbeit. Versailles,- 12. Mai. (Agenee Havas.) Graf Brockdvrfs-Rantzau hat seine Mitarbeiter NmBe- .schteunigung der Prüfung des. Vertrages gebeten. Die 'Ilebersetzer sind eifrig an der Arbeit. Die Maschinschreiber sind in eine Nacht- und eine Tagschicht ein geteilt. Während der letzten Nacht arbeiteten vierzig Ma sch in sch reib er bis 4 Uhr morgens. 'Graf Brockdiorff-Nantzan selbst arbeitete., bis zu vorgerückter Stunde. Man hofft, daß. die Prüfung des ersten Teiles des Vertrages bald beendigt sein ivird. Graf Brockdorff reist sofort na ch h e r nach Deutschland ab, um mit seiner Regierung Besprechungen zu führen. , -• ' Freitag abends haben die Deutschen durch die -Telegraphenzen trale zahlreiche Telegramme iibersandt, die durch die Eiffelturmstation radivtelegraphisch weitergeleitet wurden. Die neue deutsche Delegation, ans 25 Mitgliedern bestehend, wird am Sonntag erwartet,- sie wird im Hotel Vatrl unterzgebracht werden. Neun Offiziere, der Mission des Generals Henry haben ihre Zimmer geräumt,.um ihr Matz zu machen,-' sie werden im Hotel des Reservoirs uniergsbracht werden. in aütn.gtrtBloflen. Reparaturen unter Garantie. . Farbbänder fftt alle Qtfttmt, ersttlasstgeS Material. L«op. Kurzer, Wim, VH,, Westbnhnstmtze 23. Telephon ."15,'! 7. :sb3 „_ Wiener MorgenzeiLung_ _ Die dentschöstetreichischen < Grenzen. Pari s, 12. Mai. (Tel.-Komp.) Der Rat der Fünf fetzte aw Samstag feine Studien in der Frage der de Ätsch ö ft e rreichischen Grenzen fort. Die Besprechungen betrafen -re Festlegung der dsutschSfterreichischen Grenze in Kärnten. Steigerung unserer Valuta in Holland. - H a a g, 12. Mai. (Tel.-Komp.) Während der Markkurs an der Amsterdamer Börse etwa aus dem Niveau vom Samstag blieb, setzt plötzlich eine Steigerung der Kronen ein. Die holländische Preffe verzeichnet als Grund dieser Steigerung nnkontrollierbare Gerüchte darüber, daß Frankreich den H andel mitDeutschöst erreich demnach ft wieder aufuehmen wird, und zwar zu einem günstigen Amrechnungskurs für die Krone. Standrecht im Komitat Oedenbnrg. Oederrb u r g, 12. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") Die Vollzngskommiffton der Stadt und dies Komitats O e d e n b ur g verkündet das Statarium (Starrdrecht) durch folgende Verlautbarung: Infolge der durch Unverantwortliche Elemente verbreiteten Schauernachrichten, welche geeignet sind,, dem Proletariats feine Ruhe zu rauben und solcher Art dann die öffentliche Ordnung gefährden, ferner die geheimen Awtriebe, welche eine Verschwörung gegen die Proletarierdiktatnr bezwecken, haben die Bollzugskommission der Stadt und des Komitats Oedenburg veranlaßt, für diese Gebiete das Statarium zu verkünden. Aeber die Verbreiter falscher Nachrichten und Gegenrevolutionäre urteilt ein standrechtliches Revolutionstrrbunal, dessen Arteil sofort vollzogen wird. Die FrieLerrshedingrrKgen Deutsch- Österreichs. Versalllrs, 12. Mai., Äeußerungen Pariser Blätter lassen erkennen, daß die Bedingungen für Deutschö st er reich wesentlich milder sein dürften als für Deutschland. Die „Action Francaise" teilt mit, daß die Alliiertest sich bereits mit dem Anschluß D cu tschö ft ex re i ch s an D e u t sch la n d abgefunden hatten, Pichvn aber eine Verhinderung'deS Anschlusses durch gesetzt habe. „Journal" befürchtet, der Anschluß sei nur verzögert, wenn nicht Deutschösterreich Gelegenheit geboten wird, an einen anderen Block als an den deutschen sich anzuschließen. Wie unsere Delegation wohnen wird. Versailles, 12. Mai. Der erste. Stock des Schlosses Saint-Germain, der das Museum gallv-römischer Altertümer enthält, wird für die Kvnfrrenzen mit den österreichischen Delegierten vorbereitet. Die beweglichen Ausstellungsgegenstände werden wlsgeräumt, die Vitrinen an den Wänden durch Gobelins verdeckt. In dem großen Saal werden die Alliierten den Deutschösterreichern die Friedensbedingungen Mitteilen. Der anstoßende Saal ist für die Verhandlungen im kleinen Kreise reserviert. Auch ein Ruhefalon ist für die österreichischen Delegierten eingerichtet. Die Verpflegung Deutschösterreichs. Paris, 12. Mai. Die Budgetkommissivn der französischen Kammer wird P i ch o n. anhören über die Frage der Teilnahme Frankreichs an der Frage der Teilnahme Frankreichs an der Verpflegung D eu ts ch öfter reich s. Die Nahrungsmittel werden durch Amerika geliefert. Frankreich, England, Italien schießen je 1ü Millionen Dollar vor, die Deutschöfterreich an Anrerika bezahlt. Deutsch öftere ich .garantiert diese Schuld durch gewisse Pfänder. Die Ablehnung der französischen,Rate von ' 15 Millionen.Dollar durch -die Budgetkommission ist noch nicht definitiv. Die Kommission. fürchtet, daß die von Deutschösterreich angebotenen Pfänder schwer realisierbar sind, und wünscht ferner, daß auch Frankreich an der, Verproviantierung Deutschösterreichs leilnimmt. Abschied Lodgmans. Der nach Saint-Germain abreisendc Landeshauptmann von Dcntschböhmen Dr. La dg man verabschiedete sich gestern vorm.ittags von den im Parlament weilenden Beamten der dentschböhmischen Landesregierung. _ Einberufung von Sozialisten zur Friedenskonferenz. Berlin, 12. Mai. (Korr.-Dur.) Die „B. Z. am M ttag" meldet aus. B er s a i ll e 3: Der Fricdensausschuß der BerNer SostalistcusoufLrmz,.bestedendau8 Braut in g, 'H u y 8 m an s, M a c d a n a I d, Albctt T h o ni-a s und \' o u n u e t, ist für Svniiiag und Ätonmg dringend, nach Pariin Augetegmhcil des Fr i c d e u s v c r t r n g' r s embentstn. 13. Mai 1819 , fantf ') Französisch-englische Kolo»ialkonserenz. Paris, 12. Mai. (Funkspruch.) Die französisch^ britische K o l o n i a l k o n f e r e n z ist Freitag hier eröffnet worden. Die Konferenz prüfte das Zollwesen der Kolonien in W e st a f r i k a .und das Problem,!, der Expo rtz ö ll e, die auf jene Erzeugnisse zu setzen sind, die ans diesen Kolonien nach den feindlichen Ländern gehen soltten. Schließlich beschäftigte sich die Konferekz mit der Lage, die sich daraus ergibt, ' daß die Berliner und Brüssler Akte bereits längst abgelaufen sind, und prüfte, die Bedingungen, unter . welchen deren Erneuerung gesichert worden ist. Die genannten Akte sind nämlich um den gleichen Zeitraum verlängert worden wie die Vereinbarung von . 1898 betreffend das Nigerbecken. Die Schweiz will an der Revision der Rheinakte teilnehmen. Bern, 12. Mai. Eine amtliche Mitteilung besagt: Die Schweizer Delegierten in Paris unterbreiteten der Kommifsiott für die internationalen Häfen, Schiffahrtwege und . Eisenbahnen folgendes Begehren: Für die Friedenspräliminarien macht die Eidgenossenschaft das Recht geltend, als Uferstaat an der R e v i s i o n der R h e i n f ch if f a h rt a k t e vom Jahre 1868 teilzunehmen und mitzusprechen über die Gestaltung der internationalen Schiffahrtwege. Die Schweiz verlangt ferner, daß jene Artikel der Rheinschiffahrtaktc, die den Interessen der Nicht-Uferstaaten entgegengerichtet sind, geändert und festgelegt werde, daß der Baseler R h e i n h a f e n einem Hafen gleichgestellt werde, der am Meere liegt, ferner, daß Bauten,; feste Brücken und Schiffbrücken unverzüglich der Schiffahrt angepaßt und künftighin .derart unterhalten werden, daß die ungehinderte Schiffahrt sür alle; Flaggen von und nach Basel das ganze Jahr gesichert; ist, daß die Befreiung von jeglichen Schiffahrtabgaben rechtens bleibe und allen Flaggen bis Bafel zuge- ' sichert sei. Zwei neue Noten der deutschen Delegation. Lyon, 12. Mai. (Funtspr. des Korr.-Bur.) T e t r e a h, zugctcrlt dem Generalsekrerariat der Pariser Konscreni;, begab siäi pestern ' abends in das Hotel des Reservoirs, wo ihm Graf Bro ck d o r f f - R a n tz a u cm Kuvert füu den Präsidenten der Konferenz, Clemencea u, übergab, das zwei neue Noten der deutschen Delegation enthielt, die eine , betreffend die Kriegs- . gefast g e n e n, . die andere über die A r b e i t S g e s e tzg ebnn g, Die Antworten auf diese beiden Noten, deren Wortlaut Montag von dm Regierungsbüuptern endgültig .festgestellt . werdest wird, wurden unter denselben Bedingungen abgefaßt wie. , die heute früh veröffentlichten. Die Pogrome in ©alijieit. Keakau, 12. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Dem „Glos Narodu" zufolge brachen in R z es z o w die Unruhen auS, weil die Brotrationen vom Magistrat reduz, i er.t wurden. Die Exzedenten warfen sich auf. die jüdischen Geschäfte rmd plünderten sie mtS. Die jüdischen Synagogen in der Mickiewiezgasse wurden demoliert. Dreißig Personen wurden verwundet. Das Militär gab eine Salve ab, wobei -w ei Exzedenten getötet wurden. „Czas" meldet, daß in der Umgebimg von K o lb u 8 z o w a Bauernbanden mnherziehcn und die Juden ans de m Bezirke systematisch vertreiben. Außer in Kolbsuzowa fanden auch m S o k o l o w und M a jd a n Judenerzeste statt. Im Bezirk N o p czh c c stellen bte Bauern den Dorsjuden ein U l t i m a t u m : Entweder werden sie freiwillig mit ihrer Habe die Ortschaft verlasteu,, oder sie werden mit Gewalt dazu gezwungen werden. In einigen Gemeinden wunderten die Juden aus. Eine jüdische F a m i l i c e r k l ä r t e s i ch zur T a n f e b e r e i t, daraufhin wurde ihr der weitere Aufenthalt bewilligt. Ausschreitungen in Baranow und Brzostekr. Krakau, 12. Mai. (Tel. der „Wr. Morgrnztg.") In B a r a n o w und B r z o st e k sind antisemitische Exzestc ausgebrochen. ' Die polnische Regierung für die Unterdrückung der Exzeffe. ■Bimt Hauptkormnandanl.cn Mittelgalizieus, dein die Leitung der Aktion! zur Unterdrückung der Erze s s e an-,; vertraut wurde, ernannte die Warschauer Regierung den General S z a m'o t a. Herr B i e d e r m a n n wurde ihm als Zrv'.lkommistär zur Sntr gestellt. Verhaftung des Leipziger Arbeitcrrates. Berlin, 12. Mai. (Korr.--Bnr.) Die „B. Z. am Mittag" meldet aus Leipzig: Der gestrige Sonntag verlies, abgesehen von einem ^i.mischensall. beim Votiöhause. wo Un be- , drotier Ossisierst^ll ertreter auf bie Menge schbß,' wobei zwei Männer und ein Kind verwundet wurden, im allgemeinen xrchig. Die Arbeiter tverden titeinem Aufruf des Generals Marker aufgefordert, ruhig ihrer; Arbeit nachzugehen; sür Arbeitswillige werde Schuh geschaffen. General Märker hat den Arbeiterrat aufgelöst und dessen Mitglieder verhaften lassen. In den nächsten Tagen soll rine Neuwahl des Arbciterrates stattsittbe,;. nnd zwar auf der Grundlage der Richtlinien, die. vom soüaidemokratischen Zentralrat in Berlin ansgrstellt worden sin-.. Demoüstration der Pariser Banllbeamteu. Berlin, 12. Mai. (Korr.^Bur.) Die „B. Z. am Dnttag" meldet acis V e r s n i l l e 8: Der noch andauernde S t r e i. der B a n k a n g e st e l l t e n nmnnt großen Umfang ans - 25,.000 Bankbeamte d e m o n st r i e r 1 e n beute auf den Boulevards.. D.e sttegierung griff ein,. um die Bankdirektore« zu Verhandlungen z» veranlassen. ' Vordringen der «ngnrischen Roten Armee. - Drrdapeckt» 12. Mai. .Das Ungarisch' Telegraphcil- Korrespvndenz-Bureau meldet über die militärische Lage vom ]ü. Mai: Nördlich von Salgo Tarjan gswa«wi'. n.uUrr Racun. Sonst nicht Nmek.