Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 111 (10.5.1919)
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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: >eve v " rvren, Samstag - Tffrtf VVi ■: ■iTTi".r~i'in -- —.— ■ i , ■■ Wiener Morgenzeitung 10. Mai 1919 Nr. 111 Einigung im Kaffeehausgewerbe.!“' Füc gestern früh hotte hie Genossenschaft der K.is'SLsisder ihre Mitglieder zu einer Vollversammlung rin geladen. Vorsteher Egkher eröffnete die Versammlürrg, teilte mit, daß trotz der schweren Opfer, die dir' Ablchließung des Kollektivvertrages den Arbeitgebern ausgebürdet habe, die Gehilfenorganisatiim neuerliche Forderungen gestellt hat. Herr Kranrpfer berichtete über die mit den (Gehilfen getroffenen Vereinbarungen. Darnach wird den Mitgliedern das Reviersystem und die Zurücknahme alter Entlassungen, die nach denr 1. Mai erfolgten, anempfohleiu Jeder Betrieb, der über 8-Angestellte hat, muß je einen, respektive zwei und drei arbeitslose diellner aufnehmen. Es gibt derzeit etwa *900 arbeitslose Kaffeehausan gestellte. Durch diese Maßnahme erhalten 500 Arbeit. Nach einer kurzen Debatte, an der auch der Vertreter d?r Gehilfen Kukowiza das Wort ergriff, wurden dio Anträge der Vorstehung einstimmig angen o m m e n. Somit erscheint der Friede - zwischen Kaffeesiedern und Gehilfen vorderhand her gestellt. Was die überaus großen Preiserhöhungen einzelner Unternehmer betrifft, so wird am 14. d. M. eine Preisprüftmgskommission zusammen treten und alle Tarife revidieren. •.... Die Genossenschaft der Kaffeesieder in Wien ersucht uns nm Veröffentlichung nachstehender Erklärung: „Die vergangene Woche hat das Wiener Kaffeesiodergsioerbe in die ernsteste Krise gebracht, welche die Jahrhunderte albe Zunft aufzuweise« hat. Um zu erträglichen Lebensbedingungen zu gelangen, hat die Gehilfenschaft Lohnforderungen gestellt, deren Nichterfüllung die sofortige Schließung aller Kaffeehäuser zur Folge gehabt hätte, deren Bewilligung aber gleichfalls drn Fortbestand des Wiener Kaffeehauses ernstlich gefährdet. Die Preise für Lebensmittel, Zinse, Beheizung, Beleuchtung, Reparaturen und Reinigung, das Zeitungsbudget und zuletzt die Lohnerhöhungen, kurz der ganze vielfältige Aufwand, der erforderlich ist, um dem Gast einen gemütlichen Aufenthalt iur Kaffeehause zu bieten — und dieser wird heute höher bewertet als die bescheidenen Genüsse aus der Kaffeehauskiiche — findet schon seit längerer Zeit nicht mehr die nötige Bedeckung. Seitens der Kaffeesieder wurde aber aus mehrfachen Gründen die erforderliche Erhöhung der Preise bis zum letzten Augenblick aufgeschoben, denn erst die Beendigung der Lohnbewegung unter den Angestellten konnte ein Bild davon geben, bis zu welcher unerläßlichen Grenze man mit der Preiserhöhung gehen mußte, obwohl die Lohnbewegung nicht aus Grund der Preiserhöhung, sondern nur ein Grund dafür war. In einer sonderbar oberflächlichen Weise wurde da ein Schlagwort ausgegeben, weniger um zu orientieren, als die Kaffeesieder in dieser schwierigen Situation der Öffentlichkeit gegenüber ms Unrecht zu setzen. Es hieß nämlich, die Kaffeesieder benützten die Gelegenheit, um über das notwendige Maß der Preiserhöhung hinausgehend, aus der Lohnbewegung der Angestellten Kapital zu schlagen. Diese unrichtige Behauptung soll aber ganz anderen Zwecken dienen. Ihren Gästen aber fühlen sich die Kaffeesieder Wiens zur Aufklärung verpflichtet, daß die Lohnbewegung nur ein Mitgrund der Preiserhöhung war, ater -leider bei weitem nicht den alleinigen Grund bildete. Es wurden unsererseits auch Vorkehrungen getroffen, um jeder Willkürlichkeit, die über das Maß des unbedingt Nötigen hinausgeht, sofort zu begenen. Daß eine Verschiedenheit der PPreisbemessung in den einzelnen Kaffeehäusern besteht, geht eben nicht auf die Lohnerhöhung der Angestellten zurück, sondern aus die sprunghafte Steigerung aller Regien — und wie ungleich diese in den verschiedenen Kaffeehäusern sind, zeigt der flüchtigste Blick. Wir bitten unsere Gäste, uns das Verständnis nicht zu verweigern, das man jedem anderen kaufmännischen und öffentlichen Betrieb heute wie eine Selbstverständlichkeit zollt. Schließlich wirb auch die schwierige Zeit sich ändern und iuns den Abbau der. Preise, je eher, je lieber, ermöglichend _ Die Schweizer KinderaLtion des Jüdischen Nationalrales. Vom Präsidium des Jüdischen Nationalrates erhalten wir nachstehende Zuschrift mit der Bitte tmt Veröffentlichung: Des Präsidium deS Nationalrates und sein Organisationsamt für soziale Fürsorge werden fortdauernd mit Bitten bestürmt, besonders empfohlene Kinder bestimmt nützufrndm. ES wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die Einreihung ausschließlich nach der gefundhntlichen und materiellen Hilfsbedürftigkeit der Kinder erfolgt und keinerlei Empfehlung, von welcher Seite immer sie kommen möge, an diesem Prinzip etwas ändern kann. Jedes andere Vorgehen wäre eine Schädigung der Bedürftigsten und konnte vom Präsidium des Jüdischen Nationalrates nicht verantwortet werden. Nach Wiener Muster.! Der Rzeszow« Magistrat erließ eine Verordnung, wonach im Hinblick auf die öffentliche Sicherheit, auf die Wohnungsnot, auf die ApprovisionierungSschwierigkeiten, sowie auf die überhandnehmenden Epidemien an die fremder! Einwohner, die nach dem 1>Rovember ISIS in Rzefzow sich medergelassen hatten, die Aufforderung zumBerlass tn der Stabtinnerüalb »chtTag« ergeht-. Fiir den Fall der Nichtbefolgung Mer Aufforderung wird mit polueckichen Maßnahmen gedroht, j»- Es ist uuuöng zu betonen, daß diese Verordnung auSschlreß« lich gegen die I u d e n gerichtet ist, und zwar gegen jene P o g rii m s l ü ch 1 l r n g e der Rzeszower Umgebung, die wäbreud der Nvvemberpogrome aus den Dörfern in die Stadt > eLob m sin.d^ Jüdisches Massenmeeting I Sonntag den 11. Mai, vormittags 10 Uhr. findet im Koloffenm, n., Rntzdorferstratzea, anläßlich de» zionistische« Wahlsieges eine Jüdische Massenversammlung statt. Es werden sprechen: Die Ge-! weinderLte Dr. Bruno Pollack, . Dr. Jakob Ehrlich, Dr.Leopo!d Plaschkes, Ab-! geord.Jng.Aobert 8 Stricker 8 Ein entführtes Schulmädchen. Seit letzten Sonntag wird das dreizehnjährige Schulmädchen Hedwig Mika, das in der Quellenstraße bei seinen Eltern gewohnt hat, vermißt. Nach den bisherigen Erhebungen ist das Mädchen e.n t s ü h r t worden. Vor einiger. Zeit war das Kind das Ovfer eines Sittlichkeitsverbrechens geworden und wurde aus diesem Grunde von seinen Schulkameradnmen geschmäht und verhöhnt. Bisher sind die eingelerteten Nachforschungen ergebnislos geblieben. '_ * Wiener Konzipiententag. Sonntag den 11. d. M. mn V,1v Uhr vormittags findet im Horsaale des anatomischen Instituts, IX., Währingerstraße 13, die fortgesetzte (dritte) Tagung sämtlicher Wiener Rechtsanwaltsanwä^ter statt. Gegenstand der Erörterungen bildet die Berichterstattung über die Verhandlungen mit der niederostecreichischen Recbtsanwaltskammer über die Forderungen der Konzipientenschasl und ihr Ergebnis. * Demoirstrattonsftveik der Militargagisten. Heute findet, im Staatsamt. für Heerwesen ein eintägiger D emonstratronsstrelt statt. Um 9 Uhr findet in den KonzerthauSsälen rin großes Protesimeeting statt. * Meisterprüfungen an Frauengewerbeschulen. Mit einer heute erscheinenden Vollzugsanwelsung des Handelsamtes wird der Framngewerbekchnle in Baden und in Graz (Entenplatz 3) das Recht der Meisterprüfungen für Frauen- und Kmderfleidernähen verliehen.* * Selbstmord eines KreisgerichtsprLfidenlen. Gestem hat sich in seiner Wohnung, II.. Stuwerstraße 29, der pensionierte Hosrat und KceiSaerichtsprästdent Hugo" K h e r c s erhängt. Er wurde tot aufgesunden. Die Ursache der Tat ist bisher unbekannt. * Todesopfer des Abspringens. Der 60jährige Oberrevident der Nvrdwcstbahndirektion, Eberhard U l m e n st e i n, sprang gestern an der Ecke der Fasan-'und Hegergaffe von einem fahrenden Straßenbahnzug ab, stürzte und wurde von einem zufällig daherkommenden Automobil der französischen ' Mission überfahren. Er erlitt einen Bruch des Schädrlgrundes und schwere innere Verletzungen und war auf der Stelle tot. * Ern flüchtiger Defraudant. Der 28jährige Agent Karl F r r e d m a n n, XIV., Hüttcldorferfiraße 63 wohnhaft, bat am 30. April seinem Chef, dem Gmnschtwarenhcindler Isidor Elefant, XIV.. Goldschlagsiraße 48 wohnhaft, Himbeersaft im Werte von X 21.872 veruntreut, indem er die Ware für eigene Rechnung verkaufte und dann flüchtete. Auf die Wiedererlangimg der unterschlagenen Summe hat der Geschädigte eine Belohnung von 6 Prozent ausgesetzt. * Popper-Lynkreus-Borlesung. Im Rahmen der «Freien Erde" sprach gestern im wissenschaftlichen Klub Herr Ernst C z u c z k a über, Josef Popper-Lhnkcus «Verwertung des menschlichen Individuums- Herr Czuczka gab eme feinsinnige Analyse der Popperschen Ideen, die in der Forderung der unbedingten Anerkennung und Garantie der physischen Unverletzlichkeit des Individuums gipfeln. An diese Ausführungen schloß sich eine lebhaft begrüßte Vorlesung auS dm »Phantasien eines Realisten". * Deutsch österreichische StaatsrvohlLLttgkeltslotterie. Die Generaldirektivn der Staatslotterien in Wien veranstaltet gegenwärtig die erste deutschöfterreichische Staatslvtterie für Wohltätigkeitszwecke, deren Ziehung, am 16. Mai stattfindet. Mit Rücksicht auf die eminent Humanitären und gemeinnützigen Zwecke, welchen dieses staatliche Unttmchmeu gewidmet ist. erscheint dasselbe als außerordentlich förderungswürdig und ist die Erwartung berechtigt, daß die Teilnahme mn so lebhafter sein wird, als auch die Gewinstchancen (Haupttreffer K 250.000.—) sehr günstige und der Lospreis (X 6.—) ein relativ sehr mäßiger ist. Dre Lose sind in allen bekannten Berschleißstellen erhältlich. * Das Alüerrnodernste der Neuzeit auf dem Gebiete der Photokunst, photographische Ausnahmen. Vergrößernngm, Aquarelle und OelvorträtS werden - im Photo-Kunst-Salon I. Weitzmanrr, H., Pratetstraße 9, Mezzanin, künstlerisch ausgeführt.. * Telegramm! .Die bestbekannte Md rmommiert« Hutfirma Leo Semseld, II.,Praterstr.28, bringtdm p. t. Damm zur Kenntnis, daß die neuesten Schweizer Hutmodelle bereits eingetroffen sind und ladet alle Jntereffenten mr freundlichen Besichtigung ein. Mit Bezugnahme auf diese Anzeige gewährt die Firma enten Nachlaß von 10 Prozent. Dereinsnachrichten. Zionistische volkssozialistische Vereinigimg „HapoSl Hozalr", Wien. Sonntag den 11. d. M. um VslO Uhr vormittags findet im BeremslvM, 11., Praterstraße 9/4, eme Mitglied et* Versammlung statt. Tagesordnung: Der Pioniergedanke im „Hapoöl Hazair". — Am 29. April d. I. fand die Menarversaminlnng deS A. H.-Berbande8 der Lese- und Redehalle jüdischer, Hochschüler m Wien statt, welche bei den Neuwahlen m den Ausschuß die Herren: Arch. HanS S o b e l s o li n als Präsidenten, ferner die Herren Arch. S ch 8 n g u t, B i r nbaum, Schulhof und Dr. A u e r fr a ch entsendete. Zuschriften sind zu richten an Herrrn Arch. Hans Sobelsohu. Wien, Hl., Rechte Bahngaffe 18. — Jüdischer Mittelichülerbund. Morgen Sonntag Tagesausflug. Treffpunkt N u ß d o r l 7 Uhr früh. Führer: Jakob Ä ü h r e r. Wohnungen fu<iv;n?;■: a;u cioTQccWjflai Im 03cfl« de» .. Kleine« Anzeiger»" der .Wiener , är<orgci!jcUw;&\ Me Ernährung. Der Marktbericht. Obwohl jetzt der Verkauf von Fleisch an allen Wochentages gestattet ist, war gestern d i c N ach frage nachFleisch sehr gering. In der G r o s; m a r k t h a i l t gab c& außer dem rayonierten Schweinefleisch, das gestem nur sehr wenig bezogen wurde, nur einige Kitzerl und eine geringe Menge Wetchwürsie. Für den heutigen Verkauf wurden 7000 Kilogramm Pökelfleisch ausgegeben, das gegen dm Abschnitt 9 und 13 des Emkausscheines zu haben ist. Außerdem werden heute Kitzerl in großer Menge angebotcu sein. Der Kilo-rammprers lvird 38 bis 40 K betragen. Die Fischmärkte erhielten auch gestem keine Zufuhren an frischen Seefischen, dagegen wurdert gewässerte Stock-, fische in größeren Mengen zugeführt. Auf den G r ü n w a r e n m 8 r k t e n war Gärtnergemüse fast nicht erhältlich, fiir heute Samstag werben etwas bessere Zufuhren erwartet. Rüben, Knoblauch und Zwiebel find auf dm Märkten mehr als ausreichend vorhandm, ebenso Sauerkraut. Eier waren gestern nicht zu haben^'nnd wurden auch für den heutigen Verkauf nicht zugewiescn. Es gibt wieder Wurst. „L u n g e n b r a t e n w u r st" und F e i n g e h a ck t Nachdem die Preise für Wurst mit der steigenden Fleischknappheit einen Preis von X 40.— bis 70.— erreicht hatten, sind die Wiirste, da die Lcbensmtttelaussuhr aus unseren Nachbarstaaten zur Unniöglichkelt geworden war, ganz aus den Läden der'Feinkostgeschäfte und Selcher verschwunden. In den letzten Tagen ist nun in einigen dieser Laden wieder Wurst aufgetaucht. Zunächst war es eme sogenannte Feingehackt^ über deren nähere Beschassenhelt nicht einmal die Verkäufer AuSllmst geben Konnten. Dir Wurst war sehr stark gewürzt, die Wurstfiille hatte wenig Konsistenz. Das Kilogramm kostete — K 66.—. Der Qualität nach kam fie nicht einmal der ^ausländischen" Extrawurst gleich, die noch vor einigen Wochen um höchstens K 40.— z« haben war. Bald darauf tauchte in rimgen Geschäften Wurst auf, die alS Krakauer, Schinken-oder Lurgenbratenwurst, bezeichnet wurde und in einem Selcherladen der inneren Stadt mit K 90.— für das Kilogramm berechnet wurde.' Ermutigt dadurch, daß diese Wurstsorlen Käufer fanden, werden nun auch Knackwürste zu K 66.— und Debrecziner zu K 70.— das Kilogramm verkauft. Es liegt die Vermutung nahe, das sowohl dre Lnngenbratenwmst, bte. nicht besonders gut ist, als alle, übrigen Wurstsorten, die, jetzt erhältlich sind, aus amerikanischem Pökelfleisch erzeugt werden, das im Kleinhandel um K 30.— für daS Kilogramm verkauft und den, Selchern noch zu einem wesentlich billigeren Preis — allerdings zur Abgabe an die räsonierter Kunden — zugewiesen wird. Mitteilungen der „Rohö". Heute Samstag: Zentralmagazin, VIII. Bezirk. Piaristengasse 19 (nur für Mitglieder des vH. Bezirkes): Abgabe von K.-V.-Seife auf Marke 2, Toiletteseife, Walzgrieß, Franckkaffee, Salz, Sardellen und Thunfisch von 9 bis 13 Uhr. — I. Bezirk: K.-V.-Selte. Toiletteseife. Franckkaffee, Zwirn und Diverses von 9 bis 12 Uhr.' — II., HI., IV., V. und XI. Bezirk: Salz. Zwirn, Waschpulver, Dörrgcmiise,Franckkaffee, K-V.-Seffe auf Marke 2, Toiletteseife und Kümmel. - IX., XII.. XI»., XVII., XVIII,, XIX. und XX. Bezirk: Waschpulver, K.-V.-Seife ans Marke 2, Toiletteseife, Walzgrirß und Salz. — X. Bezirk: Julienne. Sellerie,' Walmrieß, Bickobst, Slarkin, Waschpulver und Seife. — XXI. Bezirk: Geschloffen. Bühne und Kunst. Theater in der Iosefstadt. (Neu ünsiudiert: ^Kameraden" von August S t r i« d- , b e r g.) Strindbergs Komödie „Kameraden", diese leidenschaftliche Tendenzrede für den Mann und gegen das Weib, hat bekanntlich Josef Jarno achtzehn Jahre, nachdem das Stück geschrieben war, für die Bühne entdeckt und zum überhaupt ersten Male aufgeführt. Er hat es jetzt neu einstudiert und gestern das Publikum mit feiner tiefschürfenden, den Geist der Dichtung souverän beherrschenden Histung (den Text beherrscht er weniger) zu stürmischem BeifaMingeriffm. Mariette W e b e r ist seine Partnerin. Sie weiß das'hrausame, lockende, dm Mann unterjochende und doch um die rohe Monneskrast buhlende Weibtier glaubwürdig darznsirllen, und dazu gehört sehr viel. Auch Laura Zeller als neidisches, Unheil stiftendes Mannweib, Josesine I o f e f f y alS herabgrkommene, trunksüchtige Dirnenmutter und Ludwig Nerz als Sinnbild männlichen Unglücks boten treffliche Leistmrgen. Ein Abend, für den man dem tapferen, feinsinnigen Künstler Jarno Dank schuldet. 0. A. Aus den Konzerten. Beethovens Neunte hat ihre weitgehende Popiilaristerung mit mancher unzulänglichen Aufführung bezahlen müssen. Was unter so vre! Menschen kommt, büßt au Glanz und Frische ein, auch wenn cs Edelmetall war, das zur Scheidemünze verwendet wurde. Wilhelm Furtwängler unternahm es, die verblaßten Reflexe wieder aufzuhellen und tln Lichte seiner persönlichen Aussaffung erstrahlen zu lassen. Die Renovierung gelang und der Dirigent erwarb sich das Krrditiv für die Betraumta mit künftigen Arbeiten am Werke Beethovens. Maßgebend für den Ersolg des Abends war neben der straffen Zusammenfassung von Chor und Orchester, die von der suggestiven Kraft des neuen Leiters zu erhöhten Letstungen mitgeriffen wurden, eine wohltuende Durchbrechung der überlieferten klassischen Linie durch freieres Spiel des Affetks, das unserem heutigen Empfinden näher kommt. Es zeigt sich eben, daß über Temvoallfsassungen gestritten werden kann, wenn man sie nach dem Metronom vergleicht. Steht aber eine Persönlichkeit am Pult, die eme ungewöhnliche Beschleunigung oder die Dauer einer Generalpause glaubhaft zu machen versteht, so erübrigt sich jede Kontroverse. Furtwängler überzeugte und das macht Ausdeutungen seiner Auffassung überflüssig. DaS Soloquavtett Kiurina, Kittel, Markl, Mayr wäre vollendet gewesen, wenn Maikls hohe Gesanaskunst auch imstande wäre, die Klangfarbe seines Organs zu ändern» die aus jedem Ensemble sich unfehlbar absondert. — JuliuSz Wolffoh« zeigte kurz nach seinem Orchesterkünzert durch Bortührung der Begabtesten auS seiner Schule, daß daS Maß seines pädagogischen KöiincnS der eigenen Birtnosität nicht nachsteht. Neben Rosa Baron, Anton Juer, Josef Laneß und Zoija Spatz» die schon bedeutende Reife verraten, siel besonders die »eine Vetiy Fischer auf, die Webers Konzertstück in b'-mvll von ihrem Meister begleitet, nnt uiigewöhiilicher Bravour ltnb mehr als kindlich« VorttagSkunst beivälkigte. Nelly F r i e d l ä u d e r zeigte schöne Anlagen und treffliche Schulung, Maxuu'.lia« R ei 41^ *0»