Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 106 (5.5.1919)
- Date
- 1919-05-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Stt- IOC _Wien, Montag Der tschechische Kriegsminister tot. Mit dem Aeroplan abgestürzt. * PreßVurg, 4. Mai. (Meldung des tschecho-slowatzschen Preßbureaus.) Heute Mittags ist ein Aeroplan. mit dem der Kriegsminister der tschecho-slowakischen Republik General Stefanik in Begleitung zweier, italienischer Offiziere hier eintreffen sollte, bei Wajnor aus einerHöhe von ungefähr400Metern ab gestürzt. Auf der Stelle, wo der Apparat niedergefallen war, zeigte sich sofort eine schwarze Rauch, sänke. Als die Regierungsvertreter und die Militärs, weicht beim Herannahen des AeroplanS zur Begrüßung des Generals aufgebrochen waren, zur UnMcksstätte kamen, fanden sie den Aeroplan in Flammen und die Passagiere auS dem Apparat herausgeschleudert auf dem Boden liegen. General Stefanik lag fünf Meter von dem Aeroplan entfernt mitvollständig verunstaltetem Gesicht zur Erde gewendet. Diebeiden italienischen Offiziere lagen etwas weiter davon entfernt. Der 'Pilot war durch den Motor zerquetscht worden. Alle Passagiere waren tot. General Stefanik zeigte keine Berbrennungsjpuren. Sein Tod war infolge des Sturzes eingetreten. Die Leichen des Generals und der übrigen Opfer vtt Katastrophe wurden sofort nach Preßbnrg überführt. Die tschechischen Sozialdemokraten fordern Wahlen zur Nationalversammlung. Prag, 4. Mai. „Praoo Lidu" schreibt zum bevorstehenden Wiederzusammentritt der provisorischen Nationalversammlung, daß die Sozialdemokraten alle notwendigen Schritte unternehmen werden, um die ehe sie Durchführung derWahlen in die neue Nationalversammlung zu erwirken. Die sozialdemokratische Partei wünsche, daß die Neuwahlen eine oder zwei Woche» nach den Gemeindewahlen, die für Mitte Juni ausgeschrieben sind, aus Grund derselben Wahllisten vollzogen werden. Sollte bis zum Wahltermin über die Grenzen der tschecho-slowakischen Republik noch nicht endgültig entschieden sein, so können nach Ansicht der Sozialdemokraten in den strittigen Gebieten zu einem späteren Zeitpunkt Ergänzungswahlen durchgeführt werden. Wiederaufnahme des Bahnverkshrs in der Slowakei. - Prag, 3. Mai. (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) Heute wurde der Verkehr auf der Strecke Kaschau—Michaljany—Mezö-Laborcz sowie auf der Strecke Michaljany—Satoralja-Ujheli wieder ausgenommen. _ Die Weimarer Nationalversammlung kommt nach Berlin. Berlin, 4. Mai. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Weimar: Wie von zuverlässiger Seite hierher berichtet wird, soll die Nationalversammlung in der kommendenWoche in Berlin zusammentreten. Als Tagungsort ist die Alte Bibliothek neben dem Palais Kaiser Wilhelm I. ausersehen. Es dürfte sich nur um einige wenige Plenarsitzungen handeln, in denen lediglich Friedensfragen behandelt werden. Es ist beabsichtigt, daß die Nationalversammlung in etwa 14 Tagen bis 3 Wochen wieder nach Weimar zurückkehren soll. Bekämpfung der Ungezieferplage Befreiung durch. Scbutz 'Abonnement von MS Wanzen Schwaben Rassen Flöhen Läusen Ratten Mäusen Systematische Dauer - Desinfektion einzelner Wohnr&ume. Hauser, Villen, Arbeiterkolonien sowie von Stallungen ubw. Verlangen sie kostenlose Auskunft. Abteiltmv Nr. 16 PEROLIN Wien, XIII., Feldmlihlgasse 4. "*Jerhon Nr, 82300 Telegramme „PcroJlnhof“ __Wiener Morgenzettung 5. Mai 1919 Seite 8 Der Jüdischnationale Dr. Isidor Schalit in den .Landtag gewählt. Vor Schluß des Blattes wird gemeldet: An de» Landtag erscheine« gewählt: 60 Sozialdemokraten, 48 Ehristttchsoziale, 7 Deutschnational«, 4 Tschechen, 1 Aiidischnatioualer (Dr. Isidor Schalit). Inland. Die auswärtige Situation und die Nationalversammlung. Die Vorgänge auf dem Gebiete der äußeren Politik führten eine Reihe von Abgeordneten auch am gestrigen Sonntag in das Parlament. Die auswärtige Politik wird in nächster Zeit viel stärker in den" Vordergrund treten, als dies bisher der Fall war. Der Streit um Detailfragen der Sozialisierung war gewiß nicht so dringend und wichtig wie die. Beschäftigung mit den auswärtigen Vorgängen. Wir haben uns, äußerte gestern ein führender Abgeordneter, von dem Fehler des alten Oesterreich nicht ftei gemacht. Wir verbrauchen unsere Kraft noch immer an verhältnismäßig geringeren Problemen, als sie jetzt durch die Verhandlungen in Paris ins Rollen gekommen sind. Die Instruktionen für unsere Unterhändler zur Friedenskonferenz sind noch lückenhaft. Wir haben uns hauptsächlich auf die Anschlußfrage fe st gelegt und den Möglichkeiten, die sich auch nach anderen Seiten eröffnen, zu wenig Aufmerksamkeit zugewendet. Nun heißt es» im Eilzugstempo neue Perspektiven schaffen, wenn wirdies Überhauptnoch können. Selbstverständlich ist die Mehrheit noch immer s ü r d e n Anschluß an Deutschland. Aber wir muffen uns nolsnsvolens auch anderen Lösungsmöglichkeiten zuwenden und sie mindestens in Erörterung ziehen. Die Meldung. daß Deutschösterreich von der Entente neutralisiert werden soll, ist schließlich keine Ueberraschung. Hoffentlich auch nicht für unser Auswärtiges Amt, das ja längst über die Stimmung der Entente sichere Kenntnis haben mußte. Uns wurde ja erst kürzlich zu verstehen gegeben, daß die' Entente, namentlich aber Frankreich, einem Zusammenschluß mit den übrigen süddeutschen Stummen nicht widerstreben würde; daß wir aber diesen Zusammenschluß aus Norddeutschland, insbesondere auf Preußen äusdehnen wollen, das behagt der Entente nicht und sie sucht dies auch zu verylndern. Unter solchen Umständen gewinnen auch die Chancen einer Donauföderation an Aussicht. Jedenfalls müssen diese Probleme nach allen Richtungen hin erwogen werden. Die Parteien müffen die weitere Existenzmöglichkeit Deutschösteneichs sichern und sich über ein Programm klar werden. Nicht nach dem Gefühl, sondem nach den Fordemngen der Existenz muß gehandelt werden. Daß dies auch die Regierung einsieht und Farbe bekennen will, zeigt die Ankündigung, daß sie zu den schwer ft enOpfern bereit sei. Unsere Delegieren für Saint-Germain en Laye müssen klare Direktiven in dieser Hinsicht erhalten. Kluge Köpfe und leidenschaftslose Diplomaten, die ohne Voreingenommenheit handeln, sind für die dortigen Verhandlungen notwendig und nicht durch ein bestimmtes Programm gebunden sind, müssen nach Paris entsendet werden. Politiker, die sich präjudizierten, wie Dr. B a u e r, sind zur weiteren Leitung unserer auswärtigen Politik schon wegen ihrer Gebundenheit ungeeignet l Die Tiroler Abgeordneten dürsten, wie wir erfahren, zur dienstägigen Sitzung der Nationalversammlung wieder in Men elntreffen. Sie werden wahrscheinlich ähnliche Verwahrungserklärungen abgeben wie die Tiroler Landesversammlung. Jedenfalls wird die nächste Nationalversammlung sich mtt der Südtiroler Frage intensiv beschäftigenmüssen. Selbstverständlich ist auch in den deutschböhmischen Kreisen die Beunruhigung infolge der letzten Nachrichten ungemein gewachsen. Auch von dieser Seite werdm alle Anstrengungen gemacht, um zu retten, was noch zu retten ist. , overösterreich sperrt sich ab. Die provisorische Landesregierung für Oberbsterreich hat angeordnet, daß die Einreise in das Land Oberösterreich nm gestaltet ist: a) Personen, die eine Einreisebewilligung der Landesregierung in Linz besitzen; b) Beamten und anderen öffentlichen Organen, die mit schriftlichem Dienstauftrage nachzuweisen vermögen, daß sie im dienstlichen Aufträge in da? Land Oberösterreich reisen; c) Personen, die durch das Laub Oberösterreich nachweislich bloß durchzureisen beabsichtigen. Die Durchreise nach Deutschland und Salzburg ist jedoch nur solchen Personen gestattet, welche die Bewilligung der deutschen Behörde, beziehungsweise eine Einreisebewilligung der Landesregierung in Salzburg besitzen. Um die Einreisebewilligung ist schriftlich oder telegraphisch unter Angabe der Personaldaten und des j Zweckes der Einreise bei der oberösterreichischen Landes regierung in Linz anzusucheu. Die Einreisebewilligung berechtigt jedoch bloß zu einem Aufenthalte in Oberösterreich vov höchstens einer Woche, zum längeren Aufenthalte ist eine besondere Aufenthaltsbewilligung zu erwirken, welche nur über schriftliches Ansuchen, in dem der Zweck und die Notwendigkeit der Aufenthaltes nachzuweisen ist, von der politischen Bezirksbehörde der Aufenthaltsgemeinde, wenn eS sich um einen Aufenthalt bis zu 14 .Tagen handelt, sonst jedoch von der Landesregierung erteilt wird. Den Gesuchen um Einreise- und Aufenthaltsbewilligungev ist zur Bestreitung der Stempelgebühr, ferner der Post-- und Telegraphen- und Telephonkosten ein Betrag von 10 Kronen beizuschließen. Aufenthaltsbewilligungen werden nur dann erteilt, wenn tatsächlich wichtige Gründe für den Aufenthalt sprechen, wie z. B. Todesfälle, Erkrankungen von Angehörigen oder wichtigere persönliche und geschäftliche Angelegenheiten u. s.w. Ein K r a n k h e i t s z e u g n is oder ein Zeugnis der Erholungsbedürftigkeit wird nicht als genügende Begründung anerkannt. Dis Aufnahme in Sanatorien wird nur tatsächlich schwerleidenden Personen gestattet; Personen, welche außerhalb ihres Hauptwohnsitzes in Oberöfterreich ein eigenes Land-- haus besitzen, können diesen Wohnsitz nur dann beziehen, beziehungsweise benützen, wenn ste sich der politischen Behörde gegenüber darüber ausweisen, daß sie ihre bisherige Wohnung aufgegeben oder diese Wohnung der zuständigen Wohnungsbehörde für die Dauer der Ab- Wesenheit zur Verfügung gestellt haben. Hausbesitzern und Wohnungsinhabern in Oberösterreich ist bis auf weiteres das Vermieten und das gastliche Ueberlaffen von Wohnräumen nur an Personen gestattet, welche die Aufenthaltsbewilligung erwirkt haben. Gastwirte dürfen Personen, welche in dem betreffenden Orte nicht ihren ständigen Wohnsitz und keine Aufenthalts-- bewilligung haben» nur durch drei Tage beherbergen.^ Uebertretungen dieser Anordnungen werden mit Geld^ strafen bis zu 2000 Kronen oder mit Arrest bis zu 6 Monaten bestraft. Auch kann die zwangsweise Entfernung von Personen, welche sich ohne Aufenthalts^ Bewilligung in Oberösterreich aufhalten, versüßt werden^ Kompensationsvertrag mit Jugoslawien. Nach einem Belgrader Telegramm ist zwischen! Deutschösterreich und Jugoslawien e i n Kompensationsvertrag betreffend die Einfuhr von Maschinen und von Färben§ abgeschlossen worden. Das ungarische Kriegsprefsequartier meldet. Budapest, 3. Mai. Das ungarische Telegraphen- Korrespondenz-Bureau meldet aus dem Kriegspreffequartier: Mit Ausnahme von Szolnok ander Theiß ist die Lage unverändert. Die Truppen haben den vom Armee-Oberkommandanten Böhm heute nachts ausgegebenen Befehl, daß die Szegleder und andere Truppen Szolnok wieder nehmen, mit der größten Begeisterung vollstreckt und heute um 6 Uhr nachmittags ist Szolnok nach heftigen Kämpfen wieder vollständig in unserem Besitz. Der Armee-Oberkommandant Böhm zog nach dem Einrücken der Truppen sofort in Szolnok ein. Bei M i s k o l e * haben die Tschechen ihren Vormarsch nicht fortgesetzt. In Ozd ftnfr tschechische Truppen. In der Gegend von F ü! e k haben größere tschechische Kräfte unsere Vorpostenlinie angegriffen, worauf wir unsere Truppen in den. Bereich der lange auserfehenen Hauptverteidigungsstellungen zurückzogen. Die Italiener in Kleinasten. Rom, 4. Mai. Die „Gazzeta del Popolo" meldet aus Konstantinopel, daß italienische Truppen, die aus Italien etngettoffen sind, R o n i a besetzt haben. Griechisch-türkische Reibungen in Kleinasien. Rom» 4. Mai. „Il Tempo" meldet aus Smyrna: Zwischen den Griechen' und den Türken hat sich die Situation bedenklich zugespitzt. Griechische Schiffe haben Munit i on und griechische Soldaten, die als Flüchtlinge verkleidet waren, gelandet und in griechischen Kirchen nntergebracht. Abwanderung der Bergleute ans dem Rnhrgediet. Dortmund, 4. Mai. Der zu Ende gehende große Bergarbeiterstreik mNuhrgebiet hat ebenso wie der Streik im mitteldeutschen Kohlenrevier die E'ichür.ung gezeitigt, daß innnec mehr Bergleute aus diesen 'Hctnevrn nuswandern und bo'.i es gerade die geschultesten Äraf.'c und. die in auderen De «»m Unterkunft zu erhalten suche.'.. Bö.'n:.;vc;;ycv. * sich diese der Landwirtschaft zu,