Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 106 (5.5.1919)
- Date
- 1919-05-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite § Wien, Montag Wr^er Modenzeitung 6 . Mai 1919 Rr. m Das Duell Wilson—Orlando. Vorläufig keine Rückkehr der italienischen Deleaation nach Paris. — - Hinauss.chieSung der Uebergabe des Dorfriedensvertrages an die deutschen Bevollmächtigten. Wien, 4. Mai. Die Korrespondenz Joele meldet aus Rom: Alle Meldungen über ein Kompromiß in der Fiumaner Frage entbehren der Grundlage. Man hebt hervor, daß zwischen Sonnino, Orlando und dem französischen Gesandten B a r r e r e verhandelt wurde, ohne daß es jedoch bisher zu einer Verständigung gekommen wäre. Die „Tribuna* schreibt, daß die italienischen Delegierten erst dann nach Paris zurückkehren werden, wenn ihnen entsprechende Vorschläge und Sicherheiten für die Erfüllung der Ansprüche Italiens unterbreitet werden. Das „Giomale d'Italia* meldetaus Lond o.n: Die englische Presse hält eine Unterzeichnung des Friedensoertrages ohne Italien für unmöglich, zumal der Londoner Vertrag diesbezüglich eine deutliche Sprache führt. Lloyd George bezeichnete in einer Rede die Ansprüche Italiens in der Fiumaner Frage als durchaus gerecht. Rach einer Pariser Meldung schreibt der „Temps" daß ein bestimmtes Datum für die ll e b e r g a b e des Vorfriedensoertrages an die deutschen Bevollmächtigten momentan nicht angegeben werden könne.. Die „Italia" erklärt in einer Londoner Depesche, daß im ' Sinne des Londoner Vertrages Italie n s Anwesenheit bei der Unterzeichnung des Friedensvertrages ausgeschlossen sei und gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Aus diesem Grunde werde die Uebergabe des Vorfriedensoertrages an die Deutschen auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Wilson bleibt fest. — Berufung -er österreichischen Delegierten. Paris» 4. Mar. Obwohl man offiziell von der A d r i a - F r a g e wenig spricht, beherrscht sie doch die diplomatische Lage und verursacht eine neue Verzögerung der Uebermittlung der Bedingungen an die deutschen Delegierten. Zwischen Rom und Paris geht ein reger Depeschenwechsel vor sich. Frankreich Und England leisten Vermittlerdienste; d o ch sch eint Wilso n unerschütterlich auf seinem Standpunkt zu beharren. Wilson, Clemenceau und Lloyd George traten Samstag vormittags und nachmittags zusammen und berieten über die durch die A bwesenheit der italienischen Delegation von Paris im Momente der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Deuffchland geschaffene Lage. Sie faßten eine Lösung ins Auge, welche vom freundschaftlichsten Geiste Italien g.e g e n ü b e r - erfüllt ist. Andererseits wurde die italienische Regierung offiziell von der Absicht der alliierten Regierungen verständigt, d e m n ä ch st di e ö st e rr ei ch i s ch e n Delegierten zu sich zu berufen. Amerikanische Finanzkreise die Hintermänner Wilsons in der Fiumaner Frage. Nom, 4. Mai. (Korr. Herzog.) Herr B e r r o n, ein Freund Wilsons, teilt der „Epoc c" mit, daß während der Unterhandlungen der Fiumaner Frag e bereits zweimal eine Annäherung erzieltz jedoch im letzten Momente vereitett wurde. ArnÄka hatte in Bosnien und insbesonders auch in Dali matten große Pachtungen vorgenommen, so die Eisenbahn S p a l a t o—S a r a j e v o und den Hafen von Ragufa. Daraus sei das besondere amerikanische Interesse für die Adriaschiffahrt und für die'Ausnützung des italienisch-jugoslawischen Gegensatzes zu erklären. Mr. B e r r o n deutet an, daß nicht in letzter Linie die Hallung W i l f o n s* in der Fiumaner Frage durch amerikanifcheFinanzkreife beeinflußt werde. Briefkasten der Redaktion. W. R.» Lasiee. Die Großjährigkeit erlangt man mit 2g Jahren. — Josef K. Der telegraphische' Verkehr steht "Is'tn. Der Putsch in der ungarischen Gesandtschaft. Ein monarchistischer Anschlag? Die Wiener Polizei in der Gesandtschaft. — Eine Erklärung der englischen Mission in Wien. Samstag um 10 Uhr abends erschien auf Befehl des Staatskanzlers Dr. Renner eine starke Kommission der W i e n e r P o l i z e i im Gebäude der ungarischen Gesandtschaft, nahm eine strenge Hausdurchsuchung vor und besetzte das ganze Palais, das sodann geschlossen wurde. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet, um die H i n t e rmänner des Putsch es festzustellen und auch den Verbleib der von den ungarischen Offizieren b eschlagnahmten Gelder und Dokumente aufzuklären. Im Laufe des gestrigen Tages wurden zahlreiche an dem Putsch beteiligte Personen zur Polizeidirektion vorgeladen und einem eingehenden Verhör unterzogen. Einige dieser Vorgeführten sollen, wie man hört, in P r a v e n t i v h a f t genommen worden sein. Es scheint sich bei dem Putsch um eine Aktion magyarischer Monarchisten u n b Adeliger gehandelt zu haben, die sich zunächst des Gesandtschaftspalais bemächtigten. Die Putschisten gingen - ganz nach dem bewährten magyarischen Gewaltprinzip vor. Sie verhafteten iür Gebäude einige dort wohnende Beamte. Eine Frau wurde in eine Rumpelkammer gesperrt und erst von den Organen der Wiener Polizei befreit. Die e n q l i s ch e M i s s i o n i n W i e n hat dem deutschösterreichischen Staatsamte des Aeußern den Wunsch nach Veröffentlichung der nachstehenden Mitteilungen kundgegeben: Der militärische Vertreter Großbritanniens in Wien, Oberstleutnant Sir Thomas Cunningham, legt Wert qarauf, zu erklären, daß die Behauptung eines Wiener Blattes, der g roß britannischen Militärmission sei Geld aus der ungarischen Gesandtschen in Wien überbracht und von ihr gegen Qutttung übernommen worden, absolut unwahr ist. Ueberhaupthat Leine offizielle britische Stelle mit den Vorgängen in der hiesigen ungarischen Gesandtschaft irgend etwas zu tun. Vorgestern nachts sind einige Mitglieder der englischen Mission in einem Sonderzug nach Budapest abgereist.. Eine amtliche Erklärung. Die Deutschösterreichische Staatskorrespondenz meldet: Für die deutschösterreichische Stoatsregierung verstand es sich von selbst, daß sie Ungesetzlichkeiten auf ihrem Boden nickt zulassen kann, auch wenn sie, wie im vorliegenden Falle, im ungarischen Gesandtschaftsgebäude in der Bankgasse ausschließlich von Staatsbürgern eines Nachbarstaates ausgehen. Insbesondere aber hält sie sich an die völkerrechtlichen Vorschriften gebunden und mus; ohne Rücksicht darauf, in welcher Art Beziehungen sie zu einem Nachbarstaate steht, der Gesandtschaft dieses Nachbarstaates den vollen gesetzlichen Schutz angebeihen lassen. Sie hat daher, wie bereits mitgeteilt, auch alles getan, um Freiheitsbeschränkungen der Gesandten der ungarischen Volksregierung zu verhindern. Zwei Oberbeamte der Polizeidirektion wurden auf Grund eines Befehles des Staatskanzler- Dr. Renner vom Polzizeipräsideriten beauftragt, mit Sicherheitsorganen das Gebäude der ungarischen Gesandtschaft zu besetzen und dort nach dem Verbleiben deS Gesandten B o l g a r und des wirtschaftlichen Bevollmächtigten Fenyö und der Bevollmächtigten Bali nt Nachforschungen anzustellen. Sonntag ftüh um 3M Uhr wurde dieser Auftrag ausgeführt und nach dm Erhebungen der Sicherheitsbehörde ergab sich, daß die beiden Gesandten von Offizieren entführt worden sind. Es gelang der Behörde weiters festzustellen, daß sie mit einem Automobil m da- Franziskanerkloster geschafft wurden, und zwar am 3. Mai um 11 Uhr vormittags. Die Offiziere erklärten dortselbst, sie täten .dieim Aufträge der deutschösterreichischen Regierung und der Polizei. Man übergab sie dort dem Pater Guardian mrt dem Bemerken, daß dies zwei berüchtigte Bolschewisten seien. Als die Polizei davon erfuhr, wurden die beiden Gesandten selbstverständlich sofort befreit. Im Hintergründe der Angelegenheit stehen Batthyany, Georg Pallavicini und Szmreesanyi, die jedoch jede aktive Beteiligung in Abrede stellen. Das Geld — wie bereitberichtet wurde, etwa 150 Millionen Kronen/ — konnte biSh-er noch nicht zustande gebracht werden. Die Polizei hat eine Reihe vom ' erbaftungen vorgenommeu, darunter von mehreren Qsstzieren. ■ , . J|.'. V Wiener Börse. * Die Spekulation verhielt sich an der, heutigen Börse reserviert in Erwartung der Entscheidung der Friedenskonferenz. Das Kursniveau bewegte sich zu-, meist auf dem letztgemeldeten - Stand. Lediglich Staatsbahn und einzelne ungarische Werte lagen fester. Feuer im Kriegsspital in Hietzing. Heute nachts ist in einer Mannschaftsbaracke des früheren Kriegsspitals Nr. 1 in der Huttcngaffe m Hietzing auS bisher unbekannter Ursache ein Feuer ausgebrochen, daweithin ächtbar war und .zu den beunruhigenden Gerüchten über die vollkommene Einäscherung des Spitals Anlaß gab. Das Feuer wurde erst spät entdeckt nnd verbreitete sich mit großer Schnelligkeit, da die Baracken aum großen Teil aus Holz erbaut sind. — Die Mitteilung, daß das Feuer daS Kriegsspital Hietzung ergriffen hat. trifft nicht zu. Die freiwillige Feuerwehr fandzweiBarackenin hellen Flammen. Die Flammen nahmen immer mehr über Hand mdergriffen anch zwei leere Mannschaftsbaracken von der nämlichen Ausdehnung. Schließlich wurde auch die Berufsfeuerwehr zu Hilfe gerufen. Obwohl die Arbeit im ersten Augenblick fast hoffnungslos schien und es aussah, als sollte das ganze Gel 8 nde von den Flamme« ergriffe»» werden, gelang es durch übermenschliche Anstrengung, das Feuer auf die beiden Mamlschafls--und Stallbaracken zu beschränken und das Spital s elbst vor Gefahr zubewahre & Erst nach 2 Uhr ftüh war der Brand im großen und ganzen lokalisiert. Die Feuerwehr blieb noch die ganze Nacht auf dem Platze und hatte genug Mühe, die hie und da aufzimgelnden Flämmchen zu loschen Mid die ausgebrann e» Baracken auszuräumen. Die Bewachung übernahm Bolkswehr-» mann chast. Der Schade dürfte sich auf K 80.000 bis K 100.000 belaufen. _ / * Hafardspieler bei Frau Körnhek. Am 3. d. M. «ach Mitternacht bat ein Beamter der Polizeidirektiov, in dessen Begleitung sich zwei Polizeiagenten befanden, in der Wohnung der Gattin des Opernsängers Kärnyei, Frau Ella Körnhch I. Weihburggaffe Nr. 18, eine aus sechzehn Personen bestehende Gesellschaft, darunter acht Damen, beim verbotenen Spiele „Bakkarat" überrascht. Ein Kugellagerschlitten, mehrere Spiele Karten, Spielmarken und die Krgnottekassette wurde» beschlagnahmt. Der. Bankumlauf betrug 16.000 K. Gegen die Spieler wurde die Strafamtshandlung eingeleitet. Die Ernährung. Der Marktbericht. Der Verkehr war gestern auf den Märkten, wie stets seid Einführung der Sonntagsruhe im Fleischhauer- Md Selche^ gewerbe, sehr schwach. Die Großmarkthalle blieb gesperrt. Fische waren auch auf dm übrigen Märkten nicht zu haben. Auf den Grünwarenmärkten blieben viele Stande gesperrt., Die Ankünste von Rüben sind in den letzten Tagen stark zurückgegangen. Dock konnte im Verein mit dm hier noch lagernden Vorräten der Bedarf gedeckt werden. Was ist in dieser Woche erhältlich? An Fettstoff: 60 Gramm Salzspeck zum Preise von K 1.80 bei den Speckabgabestellen, außerdem 60 Gramm Oel zum Preise von K 1.68 bei den Butterabgabestellen: Kartoffeln nur für den V., X., XVI. und XVII. Bezirk ein halbes Kilogramm pro Kopf; eine Kerze für diese»' Monat auf die alte Petroleumkarte für Wohrmngen md Aster-! wobnungm; Unterzündholz 5 Kilogramm pro Haushalt: die Besitzer rosafarbenerEinkaufscherne erhalte« ein Achtelkilogramm Bohnm pro Kopf. Kilogrammpreis K 8.-. Theater für he»»te. Anfang ■■ 6 Burgtheater ...... Die Fahtt ins Blaue. 7 Operntheater.Hoffmanns Erzählungen. / 7 Dolksoper ....... Die Entführung ans dem Serail. l/,6 Deutsches Bolkstheater Kabale und Liehe. 7 Kammerspiele.Anatol. 7 Theater i. d. Iosefstadt Die Frau des Debütanten. */,7 Neue Wiener Bühne. . Erdgeist. Va? Volksbühne ...... Flonan Geyer. 8/<7 Wiener Komödienhaus Eva. */«7 Earl-TheaterJohann Nestrop. 7 Theater <t. d. Wien , . Wo die Lerche singt. 7 Raimund-Theater . . . Die Verliebten. *U7 Wiener Bürgertheater. Der sidele Geiger. 7 Johann Strauß-Theater Eine Ballnacht. 8/,7 Wiener Stadttheater. . Spbill.. */s7 Metropol-Theater . » . Schwarzwaldmädel. 7 Lustspiel-Theater . . . Der selige Baldum. 7 Intimes Theater .... Schattenbilder der Liebt. */t7 Deutsch öftere. Bühne . Fuhrmann Hentschel. HB X., Riemerraase 11, Dirclcti.'u: GABRIEL LAX. Ab J. Hai. t ä g 1 1 o 1»; Solria an «er Newa. von MELCHIOR LENOYEL. «DGR FAKlfL'* maailuu. Sketch von WUh. Steik. Musik *«a Bel* I ji-iky mit FRANK LAAASff lO. Mi HELLA MAMIL. ARNEMARIB HKOttfiß, Nw Vtuono«. Aaträgsii fakLcedty. d» Atogar *A. 0. von tPBL fiterk. Micrik v«n BcU ij&zkt tasi Artii M* W«rau mit «ARi. E1UN0EH uni M1ZZ1 DELOm .JSstejdcfiUüi i Le der nier cri Öas Uebercabaret o I., Derotheergasse 6/8. nrebaoliges Aultreten hn Cabaret! , TRAUTE CARLSEN- KARL FOREST vom Dnitscben Volkstheater in ,.Klef4er »aofaaa Zioako" von Karl Forest unci Leo Sckidrovrltx MAX BROD vom Johann Strauas-Tbeoter. 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