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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-04 · Heft 105 (4.5.1919) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 105 (4.5.1919)
Date
1919-05-04
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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i GM"« Wien. Sonntag Die Wahle«. Der heutige Tag. Die jüdrschnationake Agitation hat eine ungeheure ' Arbeit geleistet und für die Verbreitung des jüdischnationalen Gedankens ungemein erfolgreich gewirkt. Der massenhafte Besuch der Versammlungen, die zahl- : reichen DeitrittserMrrmgen zur zionistischen und zn! der von Frau Anitta Müller ins Leben gerufenen Frauen Organisation geben Zeugnis für Las Fort-! schreiten der Bewegung, für die nicht cmjzuhoüendr Riederrmgung des heute nur von RocArde» vertretenen verkrachten Liberalismus und der schädlichen, verlogenen Assimilation. Wer an den unzähligen Propagandaveranstaltungen der nationalMischen Patter teilnahm mußte sich überzeugen, daß von unseren Führern keineswegs „Wahlagitation* und »Wcchlreklame* in! dem berichtigten Sinne betrieben wurde, sondern, haß immer wieder das große weltumfassende, Lösung heischende Iudenproblem aufgerollt und das Wesen der bewußtjüdischen Politik dargelegt wurde. Die Kraft unseres Gedankens ist stark genug. Es bedarf keiner. Verdächtigungen, Beschimpfungen und Verleumdungen. Und so haben unsere Redner sorgsam vermieden. persönlich zu iverden, wenn sie natürlich mit aller Schärfe ' die Weltanschauung und das System unserer Gegner bekämpfen mußten. Heute werden unsere Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen mit größter Anspannung für die große Sache wirken. Möge sich jeder jüdische Wähler, jede Mische Wählerin vor Augen hcäten: Nur die Nationalisierung des Judentums kann herbeiführen, daß wir mit unseren Mitbürgern in Eintracht Zusammenwirken, nur die Wahl bewußt jüdischer Mandatare verbürgt die Wahrung unserer Rechte als Staatsbürger. Ein schönes, künstlerisches Plakat ist m den Straßen Wiens zu sehen: Ein Löwe zerreißt das Dornengewinde, welches das Wahrzeichen unseres Volkes, den Davidsstern umgibt. Wählet jüdischnational und Ihr befreit das Mische Volk von Bedrückung, Erniedrigung und Würdelosigkeit. Wählet jüdischnational und Ihr bewirkt, daß wir wieder als Volk als jüdische Minorität, neben und mit dem deutschen Volke dieses deutschen Staates am Wiederaufbau Deutschösterreichs werden arbeiten können. . . Erfüllet eure Pflicht und uns ist um den Ausgang dieser Wahlen nicht bange. Gegen das Ghetto. 2 k Wiener Judenheit steht vor den Wählen in den Landtag, Gemcinderat und die Bezirlsvertretimgen. Die jüdischnationale Partei hat eigene Kandidaten aufgestellt, um der jüdischen Minderheit ihre legitime Vertretung in diesen Körperschaften zu erringen. Es - erscheint hnttc, da das jüdische Problem in allen Staaten af3 internationale Frage erkannt ist, und das Wesen der Judenheit als völkischen Gebildes außer Frage steht, als durchaus unzeitgemäß, erst die Berechtigung der jüdisch nationalen Politik begründen zu sollen. Trotzdem gibt cs in der Wiener Judenheit Kreise, die inj alten und verbrauchten Gedanken gangen befangen, sich durch die Wucht der Ereignisse nicht belehren lassen wollen und durch die Aufstellung, aller möglichen Sonderlandidaturen die dringend nötige jüdische Einigkeit stören. Es liegt keineswegs in unserer Absicht, den bestehenden Gegensatz zwischen uns und der nichtjüdischen Bevölkerung herauszustreichen und zu verschärfen. Aber cs kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Verschleierung des bestehenden Gegensatzes kein Mittel ist. zu dem auch von uns erstrebten Ausgleich zwischen uns und unserer nichtjüdischen Umwelt zu gelangen. Unsere Politik ist dadurch gekennzeichnet, daß sie in erster Reihe das- Interesse der jüdischen Bevölkerung Wiens unb damit der allgemein jüdischen Sache im Auge hat. Indem wir für dieses Ziel kämpfen, glauben wir auch dem Interesse des Landes und. der Gemeinde am besten zu dienen. Die jüdische Wählerschaft hat die Pflicht, jeden Kandidaten nach seinem Programm in der Jnbenfrage zu beurteilen. Es ist wirklich eine traurige Groteske, daß seit Theodor Herzls Wirksamkeit, die sich in die Worte „Hinaus aus dem Ghetto" zusammenfassen läßt, mit denen sein bekanntes Tendenzstück schließt, uns ans diesem selben Ghetto selbst immer wieder , dev Borwurf entgegentönt, daß wir ins Ghetto zurückwollen. Als was anderes denn als Auswüchse des geistig-moralischen Ghettos sind Erscheinungen zu bewerten wie die, wenn von jüdischen Assimilanten, die sich „liberal", „freisinnig" und ähnlich nennen, sich dabei um jedes mannhafte Bekenntnis herumdrücken und vielfach auf den Grenzlinien zwischen Deutschtum und Judentum jonglieren, den jüdischen Mitbürgern mit der schlotternden Angst bange gemacht werden soll, unsere Politik, die sich' auf Bekennen statt Vertuschen und Leise treten stützt und den für jene Kreise uner- Wreuer MorgenzeUung 4. Mal »19 -Hörtlew MM hat, zur fürderw, wrvde bmftve- Enb» : rechpmg zur Folg« haben,- Dietze eMjuidrLrn Mßirsuder,^ typeu^ die mit we-Mg berechttigtem S'dÄ^e anjs ihr Eitvepäcrtnm für die Ostjnden nur MltksidiM Verachtung übrig haben, wissen Arr nicht. ° wie tief sie selbst im inner-en Ghetto stecken. Nnffew Parole für bfe DahLm, mrsrechte, naMnsWLW.«: MänE zu BcrtreLer» der Dd<chen JnbersUew z» Ehlen, bedeutet gLeiehzeitig eine Sampfansage gegen das Ghetto» Mag es nun in Rmgeafös sein Nest hÄhen oder Salsas Eigen nenMn? Wer Mx die ErhöhnnF der jüdischen Würde eintrirj nrrd sich Lee AnsgLben nnjerer Gemeinschaft bewußt, ist, wühle -judischuationalk Achtung! BekehrungfSr Len heutigen Wahltag. . Jeder Wähler und jede Wählerin LM m die Wcchlbchörde, ruimt feinen Namen, bezeichnet seine Wohnung und Zeigt eine AÄmnde och« eine stnstlAe amtkiche Bescheinigung vor, aus der fein PsrssnoWsnd ersichtlich ist. Als Urkunden oder amtkiche Befthemv» gungen zum. Erweise des PersoncckstsnLes kommen insbesondere in Betracht: GebnrtsimL Tramchem. brr Hnicuw'cbem, SdlaisWetzw- Wcksnrkmrdm, AnjikllrmbgsdekrAt. Passe jeOkr Art. ümtbch« Legrtimnlionm, Arbrüsbuck, Dimstbötenb-nch. EsimbabKob« Straßenbahn »Perrmurn^arten, GeweMchem, Lizenzm» Diplome, Jmmaknkulanonsschem, Mekbrmgslmch emcr Hochschule, Schulzeugnisse, imlrtansche DoKrmmte» ÄerhaM alle unter Beidrnck emeS AnMempekS angefemgtW umachM, welche dm Perfoiralstand des Wählers erkenne« laffm. Hat der Wähler sich auf diese Welfe entsprechend ausgewiesen,' so erhält er von dem Wahlleitee das undmchfichtige Wahlkuvert. Der Wähler hat sich hierauf in die Wahlzelle za begeben, dm Stimmzettel der jSdrfchaationake» Partei in das Kuvert zu geben, tritt aus derZeSe und übergibt bann das Kuvert geschloffen dem Wichkleiter, der das Kuvert ungeöffnet in die Ame legt. AgitationslsLale für die LeopoLdstadL. Ha«ptagitattonsloLal: II.» Airkasgaffe LS jMsaiftLsche» Landeskomitee). AgitationSlerter: Ing. Eugen Bnchbiubermtz Ing. Dr. Advokat. SpreagelloKale: 1. Glockengüsse 30, Berein Zion. Leiter: Moses Rosenblum. 2. Taborstratze 20 s, Jüdischer Nationalr ä t. Letter: Wtthelm Gowschnndü 3. Große Schiffamtsgaffe 10, Restaurant Baron. Letter: David Hormvitz. 4. Große Mohrengasse 10, Jüdischer Fr auenbund, Leiter: Anitta Müller. 6. Ennsgasse 15, Jugendverband Judäa. Leiter: Cilla Bursztyn. 6. Obere Donaustraße 65, Jüdischer Handln n g s ge h ilfe n ve r b a n d. Leiter: Bernhard Grünhut. ,7. Leopoldsgaffe 25, Cafö Schwarz. Leiter: Schwarz jun. ' 8. Lilienbrunngasse 2, Cafö Müller. Leiter: N. Fleischmann. 9. Valeriestraße 69. Dr. Kmt E p l e r. 10. Sterneckplatz 18. Bernhard Mayer und Siegmund,S t a r K. 11. Kaiser Iosefstraße 42, Lvkal der Genossenschaft der Pserdeh än dler. Letter: Hermann Plaschkes. Telephon 44.257. 12. Untere Augartenstraße 1a, Cas6 Herzog, Leiter: Chaim Kofsler. Agitationslokale im XX. Bezirk. 1. Karl Meißlstraße 6> Tür 1. Leiter: Max Hojda. 2. Wallensteinstraße 45, Tel. Nr. 46.124. Sprengelleiter: Jakob Plaschkes. 3. Ausschußfttaße 14/13. Sprengelleiter: Rudolf Stein. 4. Mathildengaffe 1/4. Sprengelletter: Ludwig Dickstein. ,' Agitationslokale im IX. Bezirk. Hauptagitationslokal: Wasagaffe 2, Hochpaterre rechts. Sprengellokale: 1. Seroitengaffe 10, Souterrain. Sprengelleitung: „N 8 u r e I e h u d a". 2. Müllnergaffe 4 s, Souterrain. Sprengelleitung: „Jordania". 3. Türkenftraße 9, 3. Stiege, Mezzanin. Sprengelleitung : „L e s eu n d R e d e h a l l e". 4. Nußdorserstraße 80, Eaft Steiner. Sprengelleitung: $ l V ortakad emiker" und „Iedid a e a^. 5. Glasergasse 4 a, Souterrain. Sprengelleitung: »G a m a l a h". 6. Berggaffe 17, im Hose links. Sprengelleitung : „Robur". Agitationslokalr am Wahltag« VI., VII., VIII,, B«,trk: .tzn»»tagita«»n,k»»al - m., IV. I. «Mi», X*t. 2081/TIU. L r U e r; r Dr. Max t :<1 r b t, FM.Gt r Gr.L«er. Sproasa^oKsle: ' 4. Caf6 „Aegidih«^ ff, VI., Gmnpl itratze SK. Leiter: Heinrich Mrber. 2. Cvsch »R a i m n n b\ 0 f#, VI, Strrchw gaffe 16. Letter: Armin Pollak. 3. Caff,M e i tz n e r h Käse Letter: Dr. Ernst Schubert. 4. Caff ^Wienze ite^V^LinkeMelvire! Letter: Herr Kim. 5. Lass Dob«eVA, GetrÄdmmM Letter: FM Kruh. tz. Cast .Cas« Pieor<^MMe straße Id. Letter: Dr. Sonnenschein. 7. Cast „W e ft m i n st t r", M., Mariahvse straße 87/89. Letter: Herr AfiaygN «ch Archtte Kyhsch. \ 8. Cast „MariahNf". W, MMaMtj straße 89 a. Letter: Iw. Mger. * 9. Cast .Rnbolfshoff. Vl, straße H Leiter: Dr. JmmerglSck. M Cast.West e«b*.V8^ MmiaWerprche^ Letter: Herr A Lisiansky. 11. CasS ^Reubanhvff, VTL> SMmqafcM Letter: Herr MkheWtter, Frau Gmylenstzn. 12. Cast SchSöe^ M, BurMfte Herr Steiner. 1£ Cast «Fit«h oN Rmbemgnge Letter: Herr Schrenzei und Wohlmuch. 14. Cast „95tUlan*Mt L«rchechM«ßraße M Lest«: Herr Direkt« Wiche hastig. 15. Cast Mnzarff» m, straße 3L Letter: Herr KSvpeL _ IC. Lokal der Verbindung «UnitVM AmrsMKstlsßeLI. Letter: Dk.MedmmmtmdtzkM arA Dr: Waym ■ 17. Last Hawmerli«k MI. gaffe 55. Letter : Zw: . . 18. Cast VM, Mchkchß K Herr Schwetzer. Die Agitationsle^ler sucht, schon NM? Ahr ihnenübergebenenAg rial die Arbeit in ihren Gyren-alßj auszunehmen .J Agit ator en. die sich für den Wah« tag zur Versttgung stellen, Werde» ersucht, um 7 Ahr früh in die Jirßnett gasse33zu Komme», vonwoaussieden einzelnen Epren-ell.vK^le,N teilt werden. K «erde« früh mit t Die jüdischuatiouale« LlfiaMH«« Landtag XXl.: Dr. Zfid-c S ch *f Arzt, IX., Wäyringrrstrahe S. Landtag VI.» VH., VIEL: Wg. A« De. Stricker, ul., Bechackgaffe 24. Landtag IX., XVHI., XIX.: Dr. Vrrmo Pol P a r n a u, Ul., Schwarzenbergplatz S. Gemeinverat H.: Dr. Jakob E h r-l i ch» RtchkXW l., Hekfcrstorferstraße 9. j Gemeknderat VI.: Adoff Böhm. XVI.,Mhemiv« gaffe 28. Gemeinderat VH.: Dr. Defider Frted»«»« Rechtsanwalt, VII., Faßziehergaffe 7. j Gemeinderat IX.: Dr. Bnmo Pollat-ParnaMl ltt., Heumarkt 29. \ Gemeinderat XX.: Dr. Leopold Plasch k'dchj Rechtsanwalt, Rovaragaffe 28. B ezirksratlisten: 8istenfiihrerr BezirKSrat Ihi Dr. Otto Abele-, &, Kurzbmm^ gaffe 4. Bezirksrat Vl. r Dr. Ernst S ch über 1, Rechtsanwalt V!., Mimzwardcingasse 6. Bezirksrat VII.; Dr. Artm I m m e r g l S ck, Rechts anwalt, vll., Dreitegaffe 3. Bezirksrat IX.: Dr. Georg Weiner, Recht-anwaÜ^ l., Schulrrstraße. \ Bezirksrat XX.: Siegmund Dic? stein, XX., Ma thildmgassel. Abonnementserneuerung Am 1. Mai beginnt ei« neues Abonnement ans die „Wiener Morgen» zettung". Diejenigen unserer Abonnenten, deren Bezugszelt Ende April abgelaufen ist, wollen das Abonnement schleunigst erneuern, damit die Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erleide. ] | Richtet die jüdische Würde wieder anf^ Wählet jüdischnational!

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