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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-29 · Heft 100 (29.4.1919) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 100 (29.4.1919)
Date
1919-04-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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i GeSe V Men, Dlenstag Bühne und Kunst. ZSSUim Wiener Worgerrzertrmg Sport. I Sezeffio«. (Der FrühZahrsausstellung erster Lerl.> Die Künstlervcreiniaung „Sezession" ist im „Neuen Tag" kongegriffen worden. Klimtyruppe, Neue Vereinigung, „WafferfMann" usw. haben in einem offenen Schreiben an Las Stacks- 'sckretarick der Sezession Kriecherei vor Aristokratie und Finanzjtvelt. dagegen hochmütigen Abschluß gegen alles neue und volkstümliche zmn Bonuurf gemacht. Was einst Inbegriff des Umisturzes war, wird also schon als reaktionär verschrien. Aber es gilt, zn bedenken, was sich auch im politischen Leben zeigt: wenn flieur Ideen organisiert auftreten, fülire» sie schon den Keim der 'Intoleranz in sich. Schwerlich würden die Angreifer Ausnahmen von ihrer ausschweifenden Richtung gestatten, wenn sie am Ruder wären. Sie segeln mit dem Wind der Revolution. Aber ob die große Masse, deren Stoßkraft sie für ihre Zwecke mitbmützen ^vollen. für ihre Art das rechte Verständnis hat, kann billig an» grzn^mlt werden. Das Kunstverständnis marschiert leider «nicht rüscher als der soziale Fortschritt. Jedenfalls aber ist darauf ihinzuweisen, daß j mit einem Punkt des Borwurfs offene TAre» 'emgerannt werden. Die Sezession, hat den Bolksbrldmrgsbrstrebungcu immer weitestes Entgegenkommen gezeigt med sich nicht als Gaststätte exklusiver Kresse gebärdet. Volksnnd ArbeiterbildungZvercine haben dort Stunden wertvollster Betrachtung und Belehrung verbracht. Aie Künstler selbst fanden sich regelmäßig zu den Führungen rin und sahen in dem Umgang mit den willigen Hörem größeres Vergnügen als tut Empfang präpotentcr Persönlichkeiten. Was die Frage des Konkurrenzausschlusies angeht, so trifft auch er nicht völlig zu. Schiele,Kllmtund andere der dort als znrückgesetzl Brzeichurten waren, wie man sich crinnem kann, in Ausstellungen der Sezession vertreten. Zudem dari man nicht vergessen. Laß die Welt vor dem Kriege nicht auf Altruismus gestellt war» Soll es jetzt anders werden, dann vereinigen sich alle Segenswünsche zu diesem Vorsatz. Fürs - erste ist nur ein Teil des FiiihjahrsüberflckseS zur Besichtigung frei. Die Nachernte wird für Ende Mai in Aussicht gestellt. Richard- H a r l s i n g e r, der Präsident der Bereinigung geigt eine Kollektion von Ansichten aus den KriegStagm Dublins. Die Front war zu feme, nm in diesen Erinnerungsbildern störenden Einfmß zu üben, aber ein unheimlicher Druck, wie Gewitternähe lastet auf diesen stimmungsvollen Bildausschnitten. Das'Judentum, im Baustil der charakteristischen Wohnhäuser, mit den alle Stockwerke durchziehenden Holzgängen und in den Ttzpen der Staffage ausgedrückt, beherrscht als für den Maler fremdartiger Eindruck diese Sammlung. Er gibt lebensvolle Darstellungen des Markt- Md Handeltreibens, gibt die verschwiegene Stille altersgrauer Ghettohäuser und des Winkelwerks der Höfe und Hintergaffen. Der Schauplatz vsijödnchen Stadtlebens, gesehen von einem kühlen, aber mter- «cksierten Beobachter, wird viele Neugierige fesseln. Kollektiv stellt Leopold Bauer seine Entwürfe zum Ban der Oesterreichischnngarischen Bank aus. Auch diese mühevolle Arbeit wird wohl '„geänderten Verhältnissen'" zum Opfer fallen. Ferdinand Krurs bringt wie Harlsinger Hubliner Ansichten von ähnlicher Gegenständlichkeit. Mit Sammelwerken sind auch Anton N o v a k (darunter brillante Stilleb ew, Hermann Grom-Rottmatzer lind derBlumenmalerFriedrich Radler vertreten. Josef Stoitzner meistert wieder sein Clair-vbsmr mit dem blanken Schatten, Demeter Kroko liefert Hühnerbilder, Gustav V a r g a versenkt sich in szenische Entwürfe zur Zauberstöte. Sehr anmutig wirken Grete Blochys geist- Md geschmackvolle Sttllrbm. Dr. Alfred Pol! bewährt sich wieder als Entdecker winterlicher Farbetzreize. Bei den Handzeichnungen sindet man den Hauskarikamrisien G e r fi e n b r a n d, der sich damit vergnügt, dn Mitglieder der Genoffenschaft zu verulken. Wer die Originale kennt, hck seinen Spaß daran, die anderen wünschen nach diesex BsrsteÜMg nicht, sie kennen zu lernen. Frau öfffche Verve spricht aus den fernnervigen Linien mit besten Map P o l l a k die Tänzerin Kitth Siarling zeichnet. In der Gruppe der Plastik sindet man die beiden Bronzen Jakab L ü w s „Krieg Md „Frieden" betitelt. Archaistische Stillsterung Md harmonisches Linienspiel fällt an den klemen Kunstwerken, die einen großen Meister verraten, aus. Wilhelm Fraß MdJosef So ck streu mit ihren Werken „Weiblicher Torso" Md „Tänzerin noch in diesem Zusammenhang erwähnt. Was sonst in den 264 Nummer« der Ausstellung an Interesse bietet, ordnet sich dem Gesamteindruck ein: Ehrlicher, ruhig schaffender^ Wille ohne;curs Aitfflammen, das die Gebiwt eines neuen Stednes anzukündrgrn psiegt. . Rudolf Schildkraut mi „Schatz" von Pinski mit dem jüdischen Drama wieder in Verbindung zu sehen, wird sicherlich alle freuen. Das große Werden dieses unübertrefflichen Gestalteis nnd Menschenlnldners nt von seiner Tätigkeit an der New-Dorker jüdischen Bühne nicht wegzudenken. Doft hat er den ricktigm Boden, in dem sein Können Wurzel schlagen und sich! voll entfalt«! konnte, gesimdm. Sein schauspielerisches Temperament lebte sich in den engen Gaffen des Mischen Lebens, du tm jüdtschm Drama zu neuem Leben erstandm sind, schrankenlos aus. Denr Palästmaamte lst es zu danken, daß er David Pmskis Dichtertum nach 25 Jahren semer fmchtbaren schöpferische« Arbeit durch die Inkarnation Schildkrauts m einem semer beste« Dramen „Der Schatz" ehren will. Mit berechtigter Spannung wird daher der Aufführung entgegengesehen. .. Sie sindet am 8. Mai im Komödienhause staitG Eine Gewerkschaft der französischen Schauspieler. Eine von 400 Bühnenkünstlern besuchte Versammlung in der ArberEbörse von P a r i s hat mit Rücksicht darauf, daß die bestehende Union der Schauspieler unsährg ist, die Forderungen ihrer Mitglieder duickzusetzeu, beschlossen, eine Gewerkschaft zu bilden Md um ihre Aufnahme in den allgemeinen Gewerkschaftsverband der Arbeiter Frankreichs anzusuchen. Der Beschluß muß spätestens am 6. Mai durchgesührt werde». Das neue Aeberkabarett: le deraler cri. Schon der Name ist ein Programm. Wer sich die es gestellt hat? Direktor Hans Marou nennt er sich. Ein nomd vovu», der Mit kühnem Griff in das bunte Allerlei des Wiener Bergnügungsprogramms ein neues Banner tragen will. „Lg dernier cri", das Letzte vom Letzten. Groß ist der Spielraum, der da der Phantasiedes Neugierigen offen steht. Verraten wird noch nichts. Es wurde für die artistische Leitung Erich Juhn, als Mgifleur Erich Mauser gewonnen. Man darf mit Recht gespannt fein, was uns das neue Unternehmen, das am 2. Mck in der Dorotheergasse seine Pforten austut, zu sagen hat. Rom und Jerusalem. Dieses Buch, von Moses Heß im Jahre 1862 zum erstenmal vrrogentlicht, ist ein Prophetenwerkt Bon grenzenloser Liebe zum Judentum durchdrungen, geißelt hier Moses Heß unerbittlich die Irrwege semer Zeitgenossen. Als Sozialist und Revolutionär, der die Erneuerung der Menschheit erstrebt, hält er die Befreiung des Judentums für eine unabweisbare Notwendigkeit. Heute, da die ganze Welt sich m dem von Heß verfochtenen Programm bekennt, wird d«s«S Buck mehr alti «n historisches Dokument und seine Bedeutung doppelt aktuell durch den letzten Kampf, der m,t dem Assim lationSiudentum ausgesockten werden soll. - Billige Taschenausgabe K 6.—. Durch alle Buchhandlungen oder direkt von R. Lärmt, Wim, l, FleischjBTCttft r. Länderwettkampf D eutfch österreich—Angartt. Da momentan der Zugsverkehr Vndapesi--Wien noch inmrr fast vollkommm unterbunden ist, mutz man darauf gefaßt 'ein, daß sich die Ungarn eventuell gezwungen sehen werden, daS Wettspiel abzusagm. Immerhin darf mail mit Sicherheit daraus rechnen, daß der Ungarische Fußballverband alles darametzen wird, um feinen Berpsiichttmge« Nachkommen zu Ktmtii, Was das Spiel selbst arilangt. so wirb, es, vorausgesetzt, daß es zustande ratrnnt, ein bedeutendes Ereignis bilden. Waren doch letzten Sonntag bei dm Cupspielen im Prater 10.000 Zuschauer anwesend, äyas ein Beweis für das steigende Interesse des Pu-ukums für den Kvrpersport ist. Der W. Ä. C.-Platz wird Sonntag sicherlich zu klein sem, um die Mrnschenmasien zu fassen. Das Stafette«la«fen in dev Hauvtallee pottzettich verböte«. Während dre -Radrennen 'dhnewetters bewilligt worden warm, lvnrdm die auf der gleichen Strecke angesetzten Ablöselaiifm polizeilich verboten. Dir Sportverbände fetzen alles daran, um die Aufhebung dieses lächerlichen Verbotes zu! »wirken. HorKeyrvettfpiele. Der Hockepkpsrt steckt hei tmS noch vollkommen in den Kinderschuhen. Meisterschastssptele werden willkürlich abgesagt, Gegner erscheinen « cht aus dem Spielselde, überall macht sich der Mangel jeglichet Organisation bemerkbar. Am Sonntag spielte die Vienna gegen den W. A. C. mb siegte 2 r 1, bei Halbzeit' führte» die Praterlecke 1:0. Das Meisters ch aftsfpie! Hakoah—Admira» düS Über ^>en zweiten Platz der Mnsterschaft entscheiden wird, sindet am 11. Mal aitf der Hohen Warte statt. Abschieds-Nundspkel dev Bien««. Die Bimna ist io überzeugt von ibrem Sieae in der diesjährigen Meisterschaft der H. Klaffe, daß sie für Vsingsten ein Abfckieds-Rundwiel für zweitklassige Vereine ausschmdt, an dem voraussichtlich Vienna, Hakoah, Admira nnd Slovan teilnrhmrn werden. Brrdapester Meisterschaftsspiele. M. T. K.—Eisen- Md Metallarbeiter 0:0; U. T. (5.-33. A. K. 2:1; w. Bez.— Staatsbahner Sri; TorekveS—B. T. C. 1:1; F. T. C.— Kispest 4:0. Der Deutsche FptzdaLkkvL Pvasiegte Sonntag gegtti dm Komotauer Fußballklub 4:0. Hakoah. Morgen, 3/j8 Uhr abends, wichtige Sitzung des Fußballausschuffes. „Anitas." Heute, Dienstag, präzise V.7 Uhr, Wenarverscwnnlung im Cai6 Prückl, Stubenrina. In Ailbetrackt der Wichtigkeit der Tagesordnung ist da§ Erscheinen sämtlicher Mitgl::dcr Pflicht. Der Volkswirt. DieSazialisierung de» ÄeutfchrnKohlenbergbaues. Bon Dr. Konrad Flrischrm. D-ST Bericht der Sozialifierungskommissiou und das Gesetz Wer die Sozialisierung der Kohlemvirtschaft in Dtutschkand Serd lenen deslvegrn große Beachtung, weil sie d«n ersten Versuch verantwortlicher Fakboren darsiellen, ernstlich, aber, wie zugegeben tverdett muß, vhm Rücksicht auf die Wünsche und Schlage warte der Straße, mit der Durchführung der Sozia-. lisierurrg zu beginnen. Die Ursachen dafür, daß man hierbei mit dem Bergbau und vor allem dem Kohlenbergbau, den Anfang macht, liegen in der Monopolstellung, welche die Grubenbesitzer innehaben, in der Konzentration der Prvdüktionsstätten, im hohen Stand der Betriebstechnik und in den dadurch bedingten Arbeiterveehältnissen. Seit den ersten Tagen der Revolution wurde daher die Forderung nach Sozialisierung des Kohlenbergbaues am leidenschaftlichsten erhoben, nnd es ist interessant, ,zu verfolgen, welche Stufm der Enttwicklung die Frage feit damals durchlaufen hat. Ursprünglich wurde di? Verstaatlichung des privaten Bergwerksbesitzes gefordert, wie man ja überhaupt anfangs unter Sozialisierung an nicht viel anderes als Verstaatlichung oder Kommunalisierung dächte. Man kam aber bald von allen Derstaallichungsabsichten ab, und ztvar aus außenpolitischen Gründen. Denn wie Staatssekretär Dr. Müller im Dezember erklärte, wäre die Verstaatlichung entweder eine kolossale -Dummheit oder ein schweres Verbrechen, da die Entente sofort ihre Hand auf das nougeschaffene Staatseigentum legen würbe. Allmählich begannen auch ver«ntwortliche sozialistische Kreise auf die Schwierigkeiten der Sozialisierung hinzuweise«, Währerch in der Schlußsitzung des ReichskongresseS der Arbeiter-^ und Soldatenräte unmittelbar vor Weihnachten der Regierung der Auftrag zur sofortigen Durchführung der Sozialisierung gegeben wurde, erklärte um dieselbe Zeit der Vorsitzende der Sozialisierungskovrmissisn Hilf-rding, baß man sie unter den gegenwärtigen schwierigen Verhältnisse« ja nicht überstürzen dürfe, wen« man nicht schwere Komplikationen heraufbeschwörsn wolle. Entgegen dieser Warnung schien die Frago allerdings einer vorschnellen und gewaltsamen Lösung durch die Jännerstreiks zugeführt zu werden, welche gerade in den Kohlendistrikte« die bedenklichsten Formen annahmen. Di? aufständischen Arbeiter führte« in viele« Spendet für den W a h l f o n b $ I Adreffe: Ziorristifches Landeskomttee, 2. Bez., Zirkusgasse 33 Poftsparkassenküttto Nr. 47.116 <Ver» :::: merk „Wahlfonds"). r:: 29. April ISIS fe W Fällen die „Sozialisierung" kurzerhand aus die Weii< durch, baß sie dis Betrieb? einfach besetztst, bereu 'Leitung Und VöMaltimg dann vs» Aröeitsr^aton üftörnomme« wurde. So erließ zmn^Vslsptö^ dsy Esf?«isr Arböiter-- nnd Soldatenrat Nach Besetzung des Kohlen- Syndikats itnd des Hergbaulichen Vereins eine ,Mrrrdnung", derzufolge er sich die Aufsicht über dis Forderung, den Vertrieb und die Preisssstsetzüng der KoD vorbehielt. Die Wirkung dieser Vorgänge wm die He. giernngsvevordnUug vom 1s, Järuwr d. durch iii!)ie Ernennung von ReichsLevollMächiigts« für die einzelnen Bergbaudistrikte ange-ordnet wird, unter döMn ich je ein Vertreter der Untärnehrtter und der Arbeiter oefinden muß. Ihre Funktion bestehe in der KsntMs i)sr Förderung, des Absatzes u^> de« Verwertung der Kohle. In weiterer Folge arbeitet? dw ^egrsrüttg Entwürfe aus, die vorläufig auf die Verstaatlichung der Produktion, also des BergLaues, verzichten wollte«, dagegen aber die noch unaufgeschlosftnsn Kohleitlager.dem Staat vorbehielten und den Kohlenhandel durch Usbernahm? des Kohlensyndikats durch das Reich vergesels? schäften wollten. Inzwischen brachte dl« SoKtalisieruNgskommissiHv ihre» Bericht heraus und stellt« dMnit ganz Neus Gesichtspurikie für die Vergesellschaftung der Kshlenwirtschüft auf. Bor allem spricht stch die KoinMissiott ßitl Grund eingehender Untersuchungen einmütig gLgen Verstaatlichung in irgendeiner Form aus. Die Erfahrungen^ die mit dem Betrieb der staatlichen GoGben itu S a a r» re vier gemacht wurden, zeigen deutlich, daß der staatliche dem privaten Betrieb durchaus nttterlegen ist, sowohl was Steigerung der Produktion, als auch Wirt» schaftlichkeit Und Nentaüilität betrifft. Obwohl aber W staatlichen Gruben teurer arbeiten als die privatchu oder vielleicht eben deswegen, ist dis Süße ihrer Ur, beiter ungünstiger. Auch gelang es dem Swate niemals, einen stärkeren Einfluß aus die Preisgsfftaltung zu gewinnen. Die Ursachen für diese Mißerfolgs d-rr staatlichen Produ^isn erblickt der Bericht in der« Uehermaß an qnanfi^ierten Beamten mit kiernen Wirmugskreis, in den Vesoldungsverhältnisfen, deren Geringfügigkeit die besten Kräfte den Privatbetrieben zufühvt. in der Einengung der freien Betätigungsmöglichkeit'. in der finanziellen Beengtheit durch die Bedachtnahm? auf budgetäre Rücksichten. Es soll daher „entstaatlicht" werden, lieber die Form der Entstaatlichung gehen dis Ansichten auseinander. Während die Mehrheit der Kommission die staatlichen Betriebe irt gleicher Misi wie die privaten der neu zu errichtenden „Dsutschvn. Zbohlengemeinschaft" übertragen will, schlägt die Wnder- 'heit vor, daß die staatlichen Gruben durch Hinzuttitt von Privatkapital in g e m i sch t - ö f s tz.« t l i ch r e ch ckl i ch' e U n L e r n e h m u n g e n umgewandelt tvsM« sollen. Dainit Halen wir den Keön des Berich!«s berührt. Der-Bericht zerfällt in ein Gutachten der Mehrheit undl IN ein Mimritätsvotum. Die Mehrheit^)ill die gesamte Kohlenwirtschaft von der Förderung 'der Kohle bis zur Verteilung an die Konsunwnten ans den privaten und staatlichen Eigentumsverhältnissen loslosen und einem neuen Wirtschaftskörper übertrag^!,, der Subjekt der gesamten Kvhlenwirtschaft sein söll, nämlich der Deutsche« Kohlengemeinschaft. Die Organisation der Kohlengemeinschaft soll in technischer und kommerzieller Beziehung eine möglichst frrik Stellung haben. Durch diese vom Staat unabhängige Stellung soll der Kohlengemeinschaft die Initiative und das individuelle Verantwortlichkeitsgefühl der privaten Unternehmung gewahrt werden. Als oberstes Organ ist, ein Reichskohlenrat vorgesehen, der aus 1t»Ü Mitgliedern besteht, von denen je 2ö von den ArbeiternU den Betriebsleitungen, Len Konsumenten Reich) entsendet werden. Sein« Aufgabe besteht in der Leitung der ganzen Kohlengewinnung, in der Vöstimntung der Fördermengen, der Vrtriebsmethoden, der Preise, der Unterlagen für die Lohnbedingnngen usw. Die Exelutio« liegt in Len Hände» eines Ausschusses des Reichskohlendirektoriums, der für die Dauer von fünf Jahren aus dem Kohlenrat heraus gewählt wird. Da- Direktorium teilt das Reich i« 20 bis 2ö zusammenhängende Bezirke ein, an deren Spitze Generaldirektoren stehen. Diese werden, ebenso wie die Direktoren der Zechen und Anlagen, vom Direktorium ernannt. Mehrheit und Minderheit lehnen jede Einflußnahme der Arbeiterschaft hierauf entschiedsn ab. Bemerkenswert ist weiterS. daß die Bezüge der Ge«erabdirektors» und Direktoren die Solchen fein follön, töte die, in der heutigen Privatindustrie üblichen, eitK schließlich Tantiemen. Denn die höchsten Leistuttge« würben sich nur dadurch erzielen lassen, daß matt die Motive sozialen Pflichtgefühls und fachlicher Avbeitsfreudigkeit mit einem wirtschaftlichen Interesse am Produktionsersolg verbindet. Deswegen sollen die Bramtert Überhaupt mittel- Privatvertrages ckngeMt werden. Dis Uebertragung der Kohlengrube« auf die Kohlsllgemelnschaft Hüfte durch Enteignung des privaten und' staatlichz:i Kapitals gegen Entschädigung zrr erfolgen, Dieser wird der durchschntttlichs Rein«rirai bür letztem zehn Vorkrisgsjahre zugrundegetegt, wobei aber nicht bep ganze Reinertrag ab gelöst wird, sonderfn nur jener Teil davon, der als KapitalzinS, nicht etwa inm Beispiel als Konjunkturgewinn anzusprechen ist. Die Feststellung derEntichädigung erfolgt durch richterliche Kom* mij,'lauen, die Auszahlung in Form von festverzinsliche» Obligatlonün. AlS Träger bSS Verteilnngsor^anlSmus fungieren die Gemeinden, denen sS Überlassen bleibt, den Kleinhandel heranzuztelM oder eigene Ausgabestellen zu errichten.

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