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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-29 · Heft 100 (29.4.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 100 (29.4.1919)
Date
1919-04-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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> Seite 4 ÄZien, DLensiag' Meiler Morge«zeum«g ■~4 •' 29. AM 1919' r9& 100 Das Laadtagswahlgefetz in de« WcswKrame. 27 Mandate für die Inden. Gtanislan, 28. April. Der „Ukrainische Preffedieust" meldet: In der Schlußsitzung des ukrainischen NntionalratcS wurde nach eingehender Debatte der Gesetzentwurf betreffend daß Wahlgesetz, die Wahlordnung und die Einberufung des Landtages des WesibereichrS der ukrainischen DoWrrpublik in zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen. Der künftige Landtag wird ans 220 Abgeordneten bestehen. Bon diesen Mandaten entfallen auf: die Ukrainer 160 Sitze, auf Polen 33, au f Juden 27,und auf Deutsche 6 Sitze. Das Wahlrecht fft proportional. Den Frauen wurde auch das atkive imfc passive Wahlrecht verliehen. Polnische Siege in Rußland. ’ , Thovn, 28. April. (Tcl.-Kornp.) Einern Mars ch a rr e r Bericht zufolge habeu die Polen in einer großangelegten Offensive gegen dir Russen Wilna, Liba u, No wo G r o dek und Baranowitschi erobert. ' Tagesbericht. , Ruhe in Mien. iüükerblrebeuc Niafsenverfammlung «nf dem Schrvvrzensti berg platz. — Gesperrte Kaffrehärrftr. Für gestern ^/§2 Uhr nachmittags hatte das Zentralkomitee der Acbeitskosen Versammlungen im 8., 10., 11., 1.6. und 21. Bezirk einberufen. In Dtassen verbreitete Flugblätter forderten die Arbeitslosen, Männer und Frauen, auf, recht zahlreich zu erscheinen. Die größte Versammlung, eine Versammlung unter freiem Htnrnrel, sollte jedoch auf dem Schwärzend erg platz trotz des behördlichen Verbotes stattsinden, wohin alle Arbeitslosen nach Beendigung der Bezirksversammlmigen geladen wurden. ' Die Sicherheitsbehörde hatte die umfassendsten Sichertzeitsvorkehrungen getroffen. Sic hatte Befehl, auch nicht die kleinste Gruppenansammlung zu dulden. Ein großes Aufgebot der Wache zu Pferde und zu. Fuß war bereits um 1 Uhr nachmittags teils auf dem 'Schwarzenbergplatz, teils m den Neben- und Quergassen des Kolowratringes lonsigmert. Auch ein großes Kontingent von Volkswehr und Stadtschutzwache war aufgcboten worden. Um 2 Uhr nachmittags wurde der Schwarzenbergplatz nbgrspörrt, das Passieren des Platzes wurde nicht gestattet. Selbst die Straßenbahn durfte nur bis zur Haltestelle am King fahren, wo die Fahrgäste aus- und übersteigen mußte«. Bon der Oper bis zum Schtvarzenbergplatz entwickelte sich ein.großer Korso. Jeder Versuch, Gruppen zu bilden, wurde von der Wache verhindert. ' ■ «die Kaffeehäuser und die umliegende« Geschäfte wnrdrn gesperrt. ' ' Um diese Zeit ging eine Bewegung von den umliegenden Kaffeehäusern „I m P e r i a l" und „S ch w ar z e n b c r g p l a tz" aus. Die Gäste verließen eilig die LotÄe, die Kaffeehäuser wurden gesperrt-, ebenso ,Zlomser". .Heinrichshof" und „Kolowratring". Auch die in der Nähe befindlichen Geschäfte ließen die Rollbalken nieder und die-Eingänge wurden abgesperrt. Dieser Moment rief begreiflicherweise eine gewisse Spannung hervor, die jedoch bald nachließ. .... s, Verhaftungen. > ' Unter den Passanten fiel besonders eine hochaufgeschossene Gestalt in Militärmantel und Matrosenkappe mit roter Kokarde auf, die jetzt eindringlich mit einigen fragwürdigen Burschen sprach. Es war offenbar einer der Führer. Er gab den Auftrag, in .die Bezirksversammlungen zu gehen und dort SU melden, daß unter den gegebenen Verhältnissen von einer Versammlung unter freiem Himmel leine Rede wehr sein könne. Drotzdem versuchten einige junge Burschen in kleineren Gruppen auf deu Schwarzenbergplatz zu ziehen. Da sie der Aufforderung der Polizei, den Platz zu verlassen, nicht Folge leisteten, wurden einige junge Burschen sofort verhaftet und ab ge führt. Ein Kolporteur kommunistischer Flugblätter, welcher versucht hatte, dieselben zu verteilen, entfernte sich rasch, als er merkte, daß ihm die Verhaftung drohte. > Hm 5 Uhr konnten die Lokale^vieder geöffnet werden'. Qp ' Schwacher Besuch der Versammlungen. W ■ Mit Ausnahme der Versammlung im 10. Bezirk, welche von «etwa 2000 Arbeitslosen aus dem Arsenal und der Firma Roth besucht war, waren alle übrigen Bczirksversammlungen nur schwach besucht. Sie verliefen alle ruhig. Nach Schluß zerstreuten sich die Teilnehmer, ohpe daß ks irgendwie zu Ausschreitungen kam. Das Mische Elend Wiens. Die Bilder, die der Vortrag der Frau Anitta M ü l l e.u Sonntag vormittags im Zentralt'ino auf der Leinwand vorführte, haben auch für den Eingeweihten ein tief aufwühlendes Erlebnis bedeutet. Frau Müller hat das jüdische Elend Wiens in seinen Schlupfwinkeln ausgesucht; die Organe des von ihr geleiteten Amtes haben Erhebungen gepflogen, Material gesammelt. besonders krasse Falle photographisch festgehalten. Die traurige Ernte dieser Bemühungen hat nun der Lichtbildervortrag vor die Oefsentlichkeit gebracht; die Wirkung war erschreckend und erschütternd. Was merkt man in Wien vom jüdischen Elend? Wer macht sich darüber Gedanken? Wer von all den Passanten der Schiffamtsgasse, Kleinen Schiffgasse usw. untersucht, welches Grauen hinter dem morschen Gemäuer wohnt? Die Aufnahmen zeigten zunächst das furchtbare Wohnungselend, bas verheerend auf Gesundheit und Moral einwirkt. Man bekam schauderhafte enge, finstere, schmutzige Löcher zu sehen mit feuchten zerfallenden Wanden, in denen Familien von 8 oder 10 Personen wohnen. Die Kinder meist rhachitisch und tuberkulös, immer halb verhungert, die Elten» gebrochen und resigniert. Schöne und gesunde Menschen gehen in dieser trostlosen Behausung rettungslos zugrunde, niemand nimmt sich ihrer an/ Die Gemeinde Wien hat nicht einmal Altersheime. Bersorgvngsanstalten, Spitäler zur Verfügung, um auch nur in den dringendsten. Fällen ein Asyl. gewähren zu können. Oft wußte seitens des sozialen Amtes der Frau Müller tagelang S' " werden, bevor eine Unterkunft für einen Unglücklichen werde« konnte. Frau Anitta Müller machte zu den n Bildern Angaben, die oft in zwei Sätzen z«rnze Schicksale enthüllte». Nicht minder im argen liegt die Fürsorge für verlassene Kinder. DaS Jugendheim der Dtadt Ären, das für 300 Kinder Platz hat, beherbergt meist rgea 800, die Kinder verkommen in Schmutz, Elend und Entgelt nur ihr eigenes Elend noch' vermehren. Natürlich' wirb daö für das Kind ein bauernder Leidensweg, und speziell jüdischen Kinder haben ein noch traurigeres LoS als die anderen. Hier kann private Wohltätigkeit nicht helfen, sondern Nur soziale Gesetzgebung und soziale Organisation. ES ist höchste Zeit, daß sich die jüdische Gemeinschaft dieser Verpflichtung bewußt wird. Man kann sich nicht durch private Zugehörigkeit zu einem WohltätigkeitSverein loskanfen. Sonst wird man mitschuldig an dem namenlosen jüdischen Elend. Frau Müller konnte, da wir ein jüdisches statistisches Amt noch nicht besitzen, nur an dem Stand der Sterbesiatrstik Nachweisen, wie über alles Erwarten groß dir Zahl -der verelendeten Juden m Wien ist. Don1035TodeLsällen waren 2001 auf ein Gratisbearübuis angewiesen, das heißt, baß etwa 50 Prozent der Wiener Juden in Not und Elend leben, etwa 100.000 Menschen! Rachitis, Tuberkulose, Seuchen 'greisen um sich, und täglich sterben ein paar Menschen buchstäblich den Hungertod! -, Keine AgitationSrede. konnte mit solcher überwältigender Klarheit beweisen, daß Die Juden endlich eigene Politik im Interesse ihrer Gemeinschaft machen müssen, wie diese Lichtknldnvorsiibrung. Die Juden dürfen nicht weiter ihre Jürgen verschließen undihrGewissen einschläfern. Nur die Wirksamkeit eigener jüdischer Vertreter im Gememderat und allen Verwaltüngsröcherschaften, . nur eine - planmäßige soziale Politik und Mirsorgeorganisation ^können die furchtbare Krankheit rmsereS Bolkskörpers heilen Wer diese Bilder gesehen hat, den ftirb derEindruckuicht mehr verlaffm. Wir alle haben bis jetzt unsere primitivste Menschenpflicht versäumt. Die nächste Zukunft chilß lehren, ob im Judentum noch ^sittliche ** * m ***«bttw** .*BWW*y . # Heute Dienstag, 5 Uhr nachmittags, sindet im Saale des Gasthauses „zum Auge Gottes", IX,, Nüßdorferstraße 75, eine Wiederholung des Llchtbildervortrages der Frau Anitta Müller .über „Das jüdische Glend in Wien" statt. Aktion zur Förderung des jüdischen Handwerks und Gewerbes durch den Jüdischen Rationalrat. Der Jüdische Nationalrat für Deutschösterreich he" abfichtigt die Frage der Aebersührung der jüdischen Massen zu produktiven Berufen, insbesondere zu Handwerk und Gewerbe, zu untersuchen und auch darauf gerichtete konkrete Maßnahmen zu-treffen. Wir fordern die jüdische Oeffentlichkeit auf, uns hierbei zu unterstützen. Insbesondere bitten wir, um die nötigen Erhebungen durchführen zu können, um weitgehendste Information, und zwar durch Angabe von Adressen jüdischer Handwerker, Gewerbetreibenden aller Branchen, gewerblicher Vereine und Institutionen, welche ähnliche Zwecke verfolgen. An die jüdischen Handwerker und Gewerbetreibende ergeht unsere besondere Einladung, sich dem jüdischen Nationalrat zur Unterstützung seiner Arbeiten zur Verfügung zu st eilen und sie msbesondere durch Anregung zu fördern. Der Jüdische Nationalrat kann die praktischen Schritte zu Hebung des jüdischen Gewerbestandes und zur Förderung der Gewerbe unter den Juden nur dann mit Erfolg durchführen, wenn ihm der ganze Stand mit seinem Rate und seinen Erfahrungen zur Seite steht. * Dozent Dr. Torezyner nach Berlin berufen. Wie wir erfahren, hat Dr. Harry Torczyner, Privaldment für semitische Sprachen an der Universität in Wien, eine Berufung an die Lehranstalt für die Wissenschaft dcS Judentums in Berlm angenommen. — Der Abgang Dr. Torczhners bedeutet eine» schweren Verlust für daS jüdisch-wissenschaftliche Leben Mens. Es ist bedauerlich, daß es nicht gelungen ist, den Gelehrten durch eine adäquate Stellung in Wien zu erhalten. Wiener Kinder ans der Schmelz. Mittwoch dm 30. d. M. um 1l»2 Uhr nachmittags trifft der erste Zug mit dm am 12. Februar nach St. Gallen abgegangenm Kindern aus der Schweiz am Westbahnhof ein. * Ferienaktion für bedürftige Wiener jüdische Kinder. Es wird aufmerksam gemacht, daß nur die von der Leitung der Aktion ansgegebenen Anmeldeformulare verwendet werdm können. Schriftliche Gesuche sowie persönliche Vorstellungen von Parteien, die nicht vorarladen sind, sind zwecklos. Anmeldeformulare können in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 2 bis 6 Uhr in der Sozialen Hilssgemeinschast, Anitta Müller, U., Praterstroße 17, eingeholt werden. * Drohender Kevnerstreik am 1. Mai. Bisher ist es in den Verhandlungen zwischm dm Unternehmern in dm Gast- und Schankgewerbebetrieben und ihren Angestellten noch zu keiner Einigung gekommen. Die Differenzen sind sogar wegen der Lohnforderungen der einzelnen Angestellteukategorim sehr groß. Die Unternehmer wollen beispielsweise von der I ntzeritarhaftung, von der P r o z e n 1 e z a h lr» n g und anderen Abgaben seitens der Angestellten nicht aba e h e n, mtb gerade das ist eine Hauprfordenmg der letzteren. Auch in der T r i n k g e l d fr a g e ist nach keine Einigung eifolgt. Sie soll als Privatsache behandelt werden, also brstehm bleiben. Die bisherigen Berhandlungm nahmm einen sehr erregten Verlaus. Heute tritt das 50gliednge Streikkvuntce zu einer Beratung zusammen imb wird über die Zugeständnisse der Unternehmer verhandeln. Dann soll ein Antrag den Berjammlangen unterbreitet werden, welche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag stattsinden imd über dm eventuellen Generalstreik am 1. Mai schlüssig werdm sollm. wenn es bis dahin zu keiner, Einigung kommen sollte. * Auszahlung den erhöhten Arbeitslofenuuterftützung. Der Kabinettsrat hat beschlossen, die bisher den ArbeitSlosm in Wien gewährte, mit einer Krone für Kopf und Tag bemessene Familienzulage auf dm doppeltm Betrag zu erhöhen und den männlichen Älrbeitslosen, die über 18 Jahre alt sind uüd in keinem Familimverbande leben, eine , Ei Höhung ihrer Unterstützung mn eine Krone täglich zu bewilligen. Drese Erhöhungen werdm ab 10. Mai rückwirkend auf dm 27. Apnl ber den Zahlstellen flüssig gemacht. * Wiederaufnahme des Gtadtbahuverüehr«. wir erfahrm, wird die Stadtbahn dm oanztägigm Verkehr am 10. Mai wieder aufnehwen. Durch dm Mangel an Heizem und Maschinen wirb natürlich die Verkehrsdichsigkrit leiden. Vorträge und Versammlungen. Mittwoch den 80. April 1919 um 6 Uhr abmdö sindet im kleinen Souterrainlokal deZ Ciif»- Indnsircellm. I, ConcordiajMöglichst bald <m private ieri . t* fio.-T.u* ‘or.. r:t.! I v.funo. Gäste..willkommen Die Wahlen Die letzten Tage. M - In diesen letzten Tagen vor denr 4. Mai im$ mit allen Kräften gearbeitet werden. Es gilt, das ant 16. Februar^ glücklich begonnene Werk fortznsetzen' imd dem jüdischen Volke in Dentschösterreich eine bewutzt-jüdische Vertretung Zu sichern. Die Versannn^ lungen der letzten Tage im II., XS'., im IX.,i VIII. und VII. Gemeindebezirke waren massenhaft btt sucht. Alle Redner gingen von der richtigen Grund-- sordemng ans, dah die Juden das Aecht auf die e i g e n e N a t i o n, düs wir als einziges Volk noch nicht beschert, endlich erkämpfen muffen,/ daß die Iudensrage gelöst werden nmtz, welche W- Wicklung und Umwandlrrng der Staat nnd die Ge< sellschast auch immer durchmachen wird, daft nur die nationale jüdische Idee diese Lösung herbeiftihren kamt- Unsere Führer treten siegenden nationalen C h a u v i n i s m u s auf, der dem Judentum wesensfremd ist, und siegeu die Klassen< Verhetzung, aber auch gegen dr rh e u t i g < F o r m des d n r ch d e n K r i e g s* Wucher übermächtig gewordenen Kapitalismus. Wie die zionistische Partei programmatisch ftstgelegt hat, das; Grund und Bodeü in Palästina Genieingut des Volkes werden und aller Bodenspekulation entzogen bleiben müsse, fordern wir, hierzulande, daß jedernrann die Früchte seiner Arbeit voll genießt und durch Ausbeutung nicht gekürzt werde. Aus zu fieberhafter Werbetätigkeit in diesen letzten Tagen! R ur uns er Pr o gr amm dient dem Judentum u n d d i e s e m Staate, weil es ein einträchtiges Zusammenleben mit den nichtjüdischen Mit> b ü r g e r n e r m ö g l i ch t u n d d i c jüdische Schande beseitigt. Eine frivole Kandidatur. Wir erhaltm folgende Derichtigmig. - Unter Bezugnahme auf § 19 des Prchgesetzes ersuche ich mn Aufnahme nachfolgmdrr Berichtigimg: In Nummer 96 vom 25. April 1919 Ihres Blatte» schreib« Sie auf Seite 5 untcr der Spitzmackr: Die Wähle». Eine frivole Kandidatur. „Die Kandidatur des Dr. Schwas Hiller scheint jedoch auch bei seine» FreMdm... ans Schwierigkeiten gestoßen z« sein. De»» zwei Tage vor Ablauf ber Ein», reichmegsstist für die Wcchlvorschläge (am 17. April) verständigte er die ftldischnationale Wählleitung, er sei bereit, auf der jüdischnationalen Liste an zweiter Stelle zu kandidieren." Demgegenüber erkläre ich. 1. Es ist unwahr, daß meine Kandidatur bei meinen Freunden ans Schwierigkeiten gestoßen war. Mahr ist vielmehr, daß ich fett Ende März von den drei vereinigten dein--' kratischen Bereinigungen, welche mir die Kandidatzre anböfeu, einhellig als K^udrdat ausgestellt wmde und daß diese Ausstelluns seither niemals mehr in Frage gestellt wurde? S. Es ist mrwahr, daß ich am 17. d. M. oder an irgendeinem frühere« Tage, im April die jüdischnationale Wahlleitung verständigte oder verständigen ließ, daß ich an zweiter oder sonst einer Stelle der jüdischnationalen Liste kandidieren wolle. Wahr ist vielmehr, daß die zwischen mir und der jüdischnationalen Partei geführten Kouipromißverhandlungen, die zwecks Vermeidung eines Mhb kampfes , unter Juden in der Lepoldstadt ««geleitet worden waren, suit meinem Schreibe« an Herrn Abgeordneten Stricker v o m 20. M ä r z d. I. als gescheitert beendet wurden und daß ich am 26. Marz die mir von anderer Serke angebotene Kandidatur unter Festhaltung meines Standpunktes in der Judeustatzr angenommen habe. ' Hochachtungsvoll Dr. Rudolf Schwarz-Hiller. , Herr Dr. Schwarz-Hiller berichtigt also bloß ganz u n w e s e n t l i ch e Dinge. Denn ob seine Kandidatur bei den sogenannten .Vereinigten demokratischen Vereinigungen" aus Schwierigkeiten gestoßen ist oder nicht, ist doch für die jüdische Oeffentlichkeit höchst gleichgültig. Merdings kann es Herrn Dr. Schwarz- Hiller bei der jüdischen Wählerschaft nicht sehr empfehlen, daß er von diesen sogenannten Demokraten, die in Wirklichkeit nichts anderes sind, als die letzten kläglichen Reste der abgewirtschafteten altlibecalen, nunmehr unter falscher Flagge segelnden Assimilationsparieren sogar ^einhellig" auf den Schild gehoben wurde. Es ist weiter höchst gleichgültig, ob Herr Dr. Schwarz-Hiller auch noch nach dem 20. März nochmals an die jüdischnationale Wählleitung herangetreten ist oder nicht. Maßgebend ist doch nur, ob er überhaupt auf der jüdischnationalen Lifte kandidieren wollte. Und das wollte er: -allerdings nur als N u m m e r 1. Und nur der Vollständigkeit halber stellen wir gegenüber der Berichtigung nochmalsfeftz daß am 16. b. M. bei einem unserer siihrenden Parteigenossen ein Mittelsmann des Dr. Schwarz-Hiller mit der Mitteilung erschienen ist, dieser sei jetzt bereit, aus' der jüdischnationalen Liste zu kandidiereri, und daß für nächsten Tag eine Zusammenkunft vereinbart wurde und daß der erwähnte Mütelsntaan bei dieser Zusanimenkunst bekmmtgab, Dr. Schwarz-Hiller habe seinen Entschluß wieder geändert. *, Me jene Umstände, welche uns gezwungen haben, die Kandidat Dr. Schfvarz-Hitters als frivol zu bezeichnen, sind von ihm u n b e r i ch t i g t geblieben. Mahr ist also, daß er dem Abgeordneten Stticker er« klütt hat, ec habe iMgelemt, er destachlc die Inden als Naliw pnd er wer de nur mehr uns ein jüdisches P r v g x u m rn k u n d i \\ t rt n

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