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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-28 · Heft 99 (28.4.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 99 (28.4.1919)
Date
1919-04-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sekte L Wien. Montag Wiener MsrgenzeLtnng 28. April 1919 Nr. 8ii? Der Fall Fiume sowie überhaucht die italienischsübslawis^e Stroitfrage ist symbolisch für die Art der Politik, die nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart unter der falschen Firma des Sclöst- LestimmungSrechtes der Völker von den versOiebonen' - Negierungen und Parteien verfolg r wird. Fiurkr, eine Stadt von 50.000 Einwohnern, von beim, etwa 22.000 Zum italienischen Volke sich bekennen, wird vvn den LLalienischen Imperialisten Mr Italien Martert And die rlbkehnung dieser Fordsrunsz' durch Dilfon ebenso wie von — südslawischer Seite ist ein Anlaß für die leitendenitalienischen Kreise, ihrer Erbitterung gegen Amerika, England und Frankreich freien Spielraum zu lassen. Ja, noch mehr, die Gefahr war i« den letzten Tagen sehr groß, daß die italienische Del-sgaiion durch Verlassen deS Pariser Friedenskongresses diesen sprenge. Symptomatisch für die Bezishungöy Italien.? Zu den anderen Ententemäch en sind eine ganze Reihe von Nachrichten, wie die Mitteilung, hgy dir ' englischen Truppen Fiume verlassen wollen, da' diese bei dem Zusammenstoß zwischen Jtülienern Md Südslawen mit Rücksicht auf ihre Sympathien fsir bis sühslawi'che Sache hoi Italienern nicht Vorschub leisten wollen, während andererseits italienische Zeitschriften England drohen, Italien werde an der hinterlistigen englischen Politik sich dadurch blutig rächen, daß es der^ Ansftanb in Indien und Aegypten gegen die englische Herrschaft' mit allen Mitteln fördern wer?e. Man möge nur so weiter in den verschiedenen Zentren, wo heute in Europa Mltpslitik gemacht Wird, mit dem Fetter svielerr. f$ctt man noch nicht genug an den H-sksbsmbeu von Opfern, welche ein wahnwitziger nationaler Fanatismus in viereinhakb Jahren Weltkrieg und fünf Monaten Waffenstillstand auf Herr Schlachtfeldern' Europas, Asien? und Afrikas verschlungen hat. Genügt es nicht allen diesen Urhebern dieser Weltkat-astrovhe, baß weiters als Begleiterscheinung der kapitalistischen Politik sowie der sinnlosen Msverrnng der eitt* einen Staaten vonernanber. ia. vielfach der Städte eines und de?selben Staates mULreinandee siShL Deulschnn--.;-..>.'ch r.lc ssHale Revolution immer weitere Dr ive von Oft- und Mittslcueo^a und -deS Balkans ersaßt und ->i?. ncucntstandeneit StaattzgebildL zu zertrümmern droht. Ist an all den Verbrechen hoch immer nicht genug? Nein, brn Imperialisten der verschiedenen Nation??: und Klassen genügt dies alles nicht. Sie wollen nun auch den Bolkerfturm in Asien und Afrika entfachen iu dem Irrtum, ihn ihren kleinlichen matchiavellistischer: Gelüsten im Jnteressr Fiumes Usw. dienst-' bar zu machen. Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht los werden. Wenn einst die Millionen Keknechtötsr Völker itt Asien n;ib Afri'a gegen die europäische Fremdherrschaft sich erheben und wenn weiters I asp a n sich an hie Spitze der pana'iaiifcheu. dWelcht auch panislamitischen Bewegung, stellt, dann schlägt die SchicksaOstnnds Europa?, dann naht dis GiftterLLmnwruttg der weiften Ra'fs, wenn Europa? Völler sich nicht ' von natronalen Und sozialen Parteien 7 denen Prinzipien und Programme, nichts, und Befriedigung ihrer Machtgier alles ist. Und Mächtpoliü? im schlimmsten Sinne des Wortes entspriir-zen alle die Hindernisse, die bisher dem Weltfrieden entgcgenftdhen, welche nicht nur eine Berfiiindiguttg der Ententemächte U'r.ttreinander vrrhirlft^rtk, sondern zur Verewigr'.ng des Chaos Ln MittLleatopa Und am Balkan führen. R'.cht eine Spur von wahrer Kulturpolitik, nicht da? .geringste Verständnis für die täglich, in ganz .Europa ,urrd auch außerhalb .dieses Weltteils anwachsend?, radii'alsLyialist'sch? Bewegung die parallel nnt der W?lchungersnot steigt -* ist bei atkn feiten zu bcmrrlcn, Li? einerseits glauben, baS Schicksal der Welt daiw? j entscheiden zu können, unü denen andererseits Politik nichts anderes ist, M ein Kampf um MinisterpostLN und Mandate für verschiedene BerL-vetUngskörper. flurmidal »nte pdMa2?! D armes, sterbendes Europa. Zerklüftet und ohnmächtig duech Nationalen Haß, der alle Klassen der verschiedenen Völker durchtobt, erschüttert in deinen Fundamenten durch eine täglich änwachftnbe revolutionäre Bewegung, der deine. Schein-' kuftur n.rr'.ws geworden, wie denkst du übet Staatsmänner, bk auch in zwölfter Stunde nicht zur Brruunft kommen und nicht sehen die drö^nde Gefahr, die von Ä'ien nab Afrika Mit StprmErschriktsn herannahk. Europa kann wählen: entweter e§ 'schreitet dadurch zur Heilung aller Wunden, die ihm nationale, veljgiöse und öksnr.-.-.ische HerrschaftZbestrebungen gsschsagen, dnß eZ sich ü.ler die Grundlagen einsS gerechten Völkerfticdcn.S als Vorbedingung einer modernen sozialen Vengrstaltnug in Paris einigt, ober eS naht langsam, aber sicher die S'.n.cho, wo Europa die führende Gtsllrmg cnt?.tsitet, es naht die GörLerdämmrrunß dev ^wLißen hrüsse. endet für dbK, ü I i f 0 it I $! | ASrssier Ziskristlfches L««drs» Lomir es, 2. Grz.» MeLssgaße SS Poftss?ÄrMffsK^snrs Ar. 47.115 <Bsri| :::: ' ' zktä rrn % . AWWW ZWGA DeMchSßerreiA Be!a Krrrr fordert eiK Schiedsgericht L'sr dMLerr f- 27. April. Pas Ungchriiche Telen-rapbon» KorresM»deu,chMeau meldet: VvWkyWyWr für Amrßeres - Bela Kun hsk den sngarWen GefandÄM in Wien, deanstraglk,'dem StaciiÄekreM Dr. W.aner folßsnde Note [ ß M-eimittchkt Die deutlchöfte.rrrichifche Regierung macht unZ den Vor schlage die EntscheidNug jener Streitfragen, die zwischen uns auigetauckn sind, einem Schiedsgericht zu unterwerfen. Wir nehmen diesen Vorschlag an. jedoch •Ahnten wir als Schiedsrichter über vus leim kapi-LaWschs Macht anerkennen, mag diese sich auch ein neutrales Mäntelchen mndängen. Ms Schiedsrichter in einer sslche» Angelegenheit können wir einzig und allein das Forum der drittenFnternationale akzeptieren. Falls dieses die dentschösterreichische RegierM pon der Schuld frei spricht, die »NKkrifche Gegenrevolution gefördert zu habm^ sowie davon, daß ihre Organe in BudaW sowohl dze gegenrevolution.ären Ilmtriebe? als auch. den. S'chwpgekvon WertregenstKnöm ‘m Interesse der konterrevolutionären Bourgeoisie begünstigt haben, so wollen wir unK sinem solche« Schiedsspruch ohneweitereS fügen. Wir erwarten aber, daß die deutschösterreichische Regierung ebenso handeln wird, falls der Schiedsspruch gegen sie auZsällt. Die Forderung der GsgenreVSlnLion durch die Wisuer Regierung eine ^TuLsache^. Die Note begnügt sich aber nicht damit, uns dielen Vorschlag zu machen, sondern stellt auch eine; Reche von Nehauptllngen ans, die wir nicht widersprNchstoS hinnehmen können. Herr Bauer sogt, wir Hütten keine einzige Tatsache angeiisbrt, ans der hervorginge, baß die deutschösierrkichische Negierung die Gegenrevolution begünstigt. Dknkgegenüöer tönnen wir »ns darauf beschränken, an? die nnbestreitbare Tatsache hinznweisen, daß sowohl unser Vertreter in Wien als auch vir in Budapest an den Vertreter der deutsch österreichischen Regierung zu wiederholten Malen vergeblich das Ersuchen gestellt haben, dem sich in Dien herumtreibcnben aristokratischen magyarischen Gesindel das Handwerk *tt legen. Es ist uns allerdings bekannt, daß die Leutschösterreichische Re-sierung mit Ausweisungen von Ungarn -nicht sparsam umgeht. Aber diese Äusweisnttaen richtete« sich bisher fast ausschließtich gegen Arbeiter, die sich zum Sozialismus bekennen, und gegen Beamte, dir bei de« verschiedene« Liquidiernngsbehörden tätig waren. Dagegen erscheint das Organ der Konterrevolutipnüp „BäcsvTstagyar FutLr* nach wie vor nubenettigt unter de« Schuch ftier deutschösterreichischen und wird unter dar Mitwirkung ihrer Organe in Massen na d Ungarn ge« rchmuMekt. Die Berufung auf die sogenannte Preßfreihch ist schon deshalb hinfällig, weil die deutschösterreichischt Regierung das ihrer Kontrolle unterstehende Korrespondenz, bnreau wiederholt daran verhindert hat, selbst unsere Be, richtignngen zu veröffentlichen. Ja sie lief; sogar an einzelrre Blätter gesandte Richtigstellungen unterdrücken. Me Gesetze gegen das Htrus tzabsburg — ein Liebesdienst für die Ehristlichsoziale», Um unsere Behauptung zu entkräften, daß du deutsch-sierreichilche Regierung, sich auf eine gegen» revolutionäre Partei stützend, die Gegenrevolution nattrr» gemäß fördern muß, bernkt sich Herr Bauer, auf btt Gesetze, die das Haus HaöSburg-Lothnngen des Thrones entsetzt und des Landes verwiesen hätten. Diese Gesetz« waren indeffen geradezu Liebesdienste für die Christlichsozialen, die nur den Zweck verfolgten, die Flucht des .Herrscherhauses, dieses Hauptschuldigen und Hauptnutznießers des Krieges, z« ermöglichen und es so dem VvllSgerichte zu entziehen. Die heutschösterreichische Regierung richtet an unS die salbungsvolle Mahnung, uns an die Jnangural- Der geheime diplomatische Apparat in Me«, adressa zu halten, worin der Grundsatz ausgestellt wird, daß dieselben einfachen Grundsätze der Wahrheit und des RechtöS, die die Beziehungen zwischen dm einzelnen regeln, auch die Beziehungen zwischen den Völkern regeln sollen. Diese Sprache führt eine Regierung, die den ganzen geheimen Diplomatische« Apparat zur Besorgung ihrer auswärtige« RegierungSgeschäfte beibehalten hat, jene« Apparat, besten Bestand schon ein . Hohn und Spott . aus jene Wahrheiten und jene- Recht dafftellt, die die Beziehungen zwischen den Völkern regeln sollen. Solange die deutschösterreichische Regierung mit dielen Methodm arbeitä, bleibt uns nichts anderes übrig, als jene andere Mahnung, die Jnauguratadreffe zu beherzigen, worin es dem Proletariat zur Pflicht gemacht wird, die Machinationm der Diplomatie zu entlarven und z« durchkreuzen. Die deutsch österreichische Regierung lehnt eine Diskussion ab. Die SiaatSkorrespondrnz teilt mit: Die ungarische Regierung hat den Vorschlag der dentschösterreichischen Negierung, die Streitfragen, die zwischen den beiden Regierungen ausgetaucht sind, einem Schiedsgericht unter neutralem Vorsitz zur Entscheibnya zu überantworten, mit der Begründung a b g e l e b n t, sie könne als Schiedsrichter keine kapitqlisti che Macht anerkennen, mag diele sich auch ein neutrales Mäntelchen umhängen. Als Schiedsrichter könne sie nur die dritte Internationale akzeptieren. Da die dritte Internationale ihren Sitz in MvSkLN hat und mit Moskau jeder direkte Verkehr un» möglich ist, ist dieser Vorschlag offenkundig nur zu dem Zwecke flemacht, sich der Entscheidung eines unbefangene» Schiedsrichters zu entziehen. Unter s o l ch e n U m st ä n d e n hat die deutsch österreichische Regierung nicht die Absicht, die Diskussion mit der ungarischen Regierung fortzufetzen, und oieS umso weniger, als sich die ungarische Regierung in ihrer Antwortnote abermals anmaßt, allen völkerrechtlichen Grundsätzen zuwider, die innere Politik der dentschösterreichischen Negierung einer ebenso «usachlicheu alS unziemlichen Kritik zu unterziehen. Auf die Aufforderung der deulschösterreichischen Regierung. Tatsachen ayzusübren. durch die erwiese« werden solle, daß die deutschösterreichische Regierung die ungarische Konterrevolution fördere, weih die ung'-rifche Regierung auch jetzt nichts anderes zu antworten, als daß die Zeitung ^BSesi Magyar Futar" unbehelligt unter dem Schutze der deutschösterreichische« Regierung in Wien erscheine «nd unter Mitwirkung ihrer Organe in Massen nach Ungarn geschmuggelt werde, Die ungarische Regierung wech sehr genau, daß die deutsch österreichische Regierung das Erscheinen dieses Blattes nicht verhindern kann, da in Deutschöst»erreich Preßfreiheit herrscht. Die Behauptung aber, daß diese Zeitung unter Mitwirkung deutschösterreichischer RegierungSorgane nach Ungarn geschmuggelt werde, ist eine grobe Unwahrheit. mmKmmmmummummmmtmmummmmmatmmMKtattmmMäOBsaam Protest der Wiener Künstler gegen die Weg führung der Kunstschätze. E'me Aborduung bei den fremden Mächte«. Zm KonlerthauSsaake fand gestern eine Proiestknndsiebung der Kunsilerschast und knnstliebenden Kreise Wiens gegen die italienischen Änipräche auf unseren Kunstbesitz statt. Den Vorsitz führte der Rektor der Akademie der bildenden Künste Hvstat Hellmer; namens der Veranstalter der Versammlung, der Genossenschaft der bildenden Klinstker Wiens, des Hagenbundes und her Sezession, sprach Maler.Franz Hohenberger. Er ptotestierle iu scharfen Worten gegen daS Vorgehen der JtälieNet'. Hierauf wurde eiustimmig eine Resolution angenommen, in her es heißt; „In ganzen Massen, in Waaqonladungen soll unser Kunstgut gleich einer beliebigen Ware verladen und über die Alpen, transportiert wertzen. Wir sind Künstler und wir wollen des Künstlers vornehmstes Rechtes, sein Herz sprechen zu lassen, in' vollem Maße in Anspruch nehmen. Wir feilsche« nicht, wir verhandeln nicht, wir sagen nur nein und abermalnein! Von heute an dulden wir Künstler eS einfach n cht mehr, daß auch stur ein einziges Stück geraubt wird. Wir stellen nn» vor die Werke hin, »m ftp, ».«« es daraus «ntonimt, mit unseren Leibern zu decken. Rach iieb^keit würde nur da^u führen» des Gegners B^gchrilchkeir zu reizen. Möge xedemstt» wiffen, daß man uns Künstler zum Aergsten entschlossen finden wird» wenn es gilt, unser Heiligstes zu schützen*'. Die Versammlungsteilnehmer begaben sich hieraus zu den Vertretungen von Amerika, England, Frankreich und den neutralen Staaten, denen eine Deputation vov Künstlern, bestehend aus den Herren Engelhari. Haßman«, Ranzoni, Graf, Oerley undHv h enb erg er, folgende Bitte unterbreitete: „®toe große Veranstaltung von Künstlern und Kunstfreunden Wiens ist zu Ihrem Hause gekommen und hat uns zu Ihnen entsendet. Italien will unseren altererbten Kunstbesttz antaste« und wir haben nicht d:< Macht. eS daran zu hindern. So kommen wir zu Ihnen, dem Vertreter eines großen Kulturvolkes, mit der Kitte: Helfen Sw uns iu unserem gerechten Streben, uns und unserem Kolke seine ideelle« Kulturgüter zu erhalten, Es wäre eine Entweihung des kulturellen Empfindens, solche Güter zu Zahlungsmitteln zu erniedrigen. WaS heute unS bedroht, würde sonst leicht zu esner barbarischer Gewohnheit werden, unter det im ewigen Wechsel deS geschichtliche» Werdens auch andere Rationen bitter zv leiden haben könnten. Darum bitten wir Sie nochmals! Helsen Sie «nS und nnjkrer gercchlen Sache und ftiei- Steder Uebttbringer bieseöHilserujeS bei Ihrer Ncgircnirg."

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