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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-27 · Heft 98 (27.4.1919) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 98 (27.4.1919)
Date
1919-04-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Wien. Sonntag Wiener Mörgenzettung 27. April 1919" 'Nr. 9S Bühne und Kunst. Ei« jüdisches Arbeiterdrama. {„(Svon David Pinski, aufgeführl im Wiener KonrödienhauS am 24. April 1919.) Eisik Scheftel ist ein Erfinder. Wenn er abends ans der Werkstatt in das schmutzige feuchte Loch heimkehrt, in dem seine Familie darbt wartet er, bis der Jammer dieses Hanfes einschläft, bis sein vom Unglück verbittertes, vertrocknetes Weib zu keifen aufhört, bis die Kinder schlafen, bis das eintönige Gemurmel des idiotischen Greises, seines Vaters, verstummt. Dann setzt er sich zu dem qualmigen -Oellümpchen und ersinnt Maschinen. Zwei Arbeiten sind ihm schon in diesen durchwachten Nächten gelungen, und er hätte aus ihnen guten Gewinn ziehen können. Dennoch hat er diese Presse und diese Litzenmaschine für ein paar lumpige Rubel dem Note Goldin, seinem begüterten Brotherrn, überlassen. Denn so ist dieser Eisik. Seine „Maschinchen" müssen bei ihm in der Werkstätte stehen. Er muß stets die für ihn so köstliche Musik ihres gleichmäßigen Geklappers im Ohre haben, muß sie wie Kinder mit den Augen streicheln.können, wenn sie so brave, blanke Arbeit liefern. Vor drei Tagen ist eine neue Idee in ihm gereift, und hat plötzlich den ganzen Eisik erfaßt. Zeitlich früh hat sie ihn vom Lager getrieben. Er ist nicht mehr zur Arbeit gegangen, überläßt die Familie dem lieben Gott und der kreditierenden Krämerin und arbeitet rastlos mit Zirkel, Säge und Bohrer. „Hat da einer sich abgetan von der ganzen Welt und »nag sich um kein Haar mehr bekümmern" *) klagt Beile, sein Weib. Er schaut sie unter der Hand an, als wollte er wissen, was sie da redet. Diese ganze klägliche Enge Dings uni ihn existiert jetzt für Eisik nicht. Am Sparherd, aus dem mehrere Familien gleichzeitig abkochen, gibt eS fortwährend Zank um die bessere - Feuerstelle. „Magst zusehen, eine»» Blick tun. Ich sage dir, es ist Pflicht, einen Blick zu tun", ruft Beile den Mann an. Doch er hört und sieht nicht und fügt verklärten Blickes Hebel und Räderchen aneinander. Aber allmählich, erlahmt er. Goldin kommt und droht mit Entlassung, wenn er nicht zur Arbeit zurückkehrt; Orte, des Fabrikanten Sohn, setzt sich ihm aufs Genick, fährt ihm mit klobiger Hand in die Arbeit hinein und zerreißt ihm mit blöder Rede das feine Gedankengespinst< Ueberdies hat sich die Krämerin eingestellt und mahnt eindringlich um das schuldige Geld. Dazu schreit Beile immer heiserer. Eisik springt auf, preßt die Schläfen, verstopft die Ohren und möchte hastig vollenden. Es fehlt ja nur mehr ein Verbindungsstück, ein letztes Glied der ineinaridergreifenben Bestandteile. Und er findet es nicht. Jetzt gerade nicht, wo ihn schon die Not der Familie angrinst und ihn das durch sein Schweigen gereizte Weib wie eine Hyäne anspringt. „Ich werd nehmen deine ganze Macherei und werd es zerbrechen auf ganz kleine Splitterchen. Ich werd dir zeigen, daß ich Hab auch noch ein Stückerl Verstand. Ich werd dir nicht lassen tun, was du willst und wir sollen sterben vor Hunger. Du hörst, was ich red zu dir oder nicht!? Ich werd . . ." Da wird er todesbleich, eine , ungeheure Aufregung macht ihn rasend und mit aller Kraft schlendert er das Gestell gegen den Boden, daß die Räderchen. nur so über die Diele kollern. Vernichtet ist sein, Werk und der verrückte Pinie spielt lächelnd mit den zerbrochenen. Stücken. Eisik geht wieder zur Arbeit, aber er ist gebrochen und von unsäglicher Traurigkeit erfüllt. Kein Wort kommt ihm über die Lippen. „Der Herr Jnscheneer ist nicht zu sprechen", witzelt einer der Arbeiter, und Selig, der Komödiant (eine köstliche Figur) seufzt humoristisch: „Och. die Maschin hat sich nicht ausgemaschint!" Zwei aber sind in dieser Werkstatt, die ihn verstehen: Leiwik, ein junger Mensch, der Maler werden wollte: „Wie ich bin gewesen ein Nein Jüngel, hat sich mir stark gewollt werden ein Maler... wo ich pfleg kriegen ein Stück Papier, pfleg ich malen: Menschen, Soldaten, Pferde. Und jetzt noch, wenn ich seh einmal ein gut Bild, wird mir so traurig. Es sitzt etwas einer in mir und zieht und zieht. . Und Baere, einer der die Flasche liebt, versteht ihn, und fühlt, daß Eisik ein großes Leid widerfahrensein muß. Er setzt sich zu ihm hin, redet ihm zu, das .Warme" zu essen, das ihm Beile bringt, holt den letzten Rubel hervor und läßt ein Fläschchen Branntwein bringen. „Na, wirst nehmen ein bissel Schnaps und wirst essen, wirst du werden gar ein neuer Mensch, ganz der einstige Eisik. Na nu, »nach den Segensspruch und trink!" Und Eisik trinkt hastig auf einen Zug die ganze Flasche aus, wirft sich hin und sein ganzer Körper bebt vor stillem Weinen. Aber Goldin, der Fabrikant, ist nicht dazu da, Gefühlsausbrüche zu analysieren. Er sieht den Mann am Loden liegen, neben ihm die leere Schnapsflasche und jagt den „Besoffenen" davon. Eisik geht.. Vorerst aber nimmt er die Presse, wirft sie wuchtig auf die Litzenmaschine und stampft beide in Trümmer. Seine Maschinen sollen nicht verwaist zurückbleiben. Denn für Goldin Geld machen dürfen sie nur, so lange er in ihrer Nähe sein kann. Er eilt hinaus in den großen freien Wald, flüchtet dann zum Alkohol und schleicht schließlich in seine Wohnung zurück, jremd und scheu wie ein Mörder. „Ich Hab etwas gewollt hinausschreien aus mir. Vor den Augen sind mir gestanden die Presse und die Litzenmaschine, zerbrochen, zerschüttet. Meine Presse und mein Maschinchen! . . . Dann hat sich mir gewollt trinken, trinken . . . Das Trinken hat mich nicht befreit. Es nagt und nagt in mir. Verstehst, ich halt mich kaum auf den Füßen und der Kops ist mir klar." Da sinkt er nieder und preßt die Stirne gegen den kalten Boden. Alle diese müden Arbeitsmenschen schlafen jetzt. Nur der blöde Pinie sagt seine abgerissenen Worte, die gleich, wie immer seitdem sein Gemüt verdunkelt ist, und die nach der Blutschande dieses Weltkrieges wie eine furchtbare Anklage klingen: „Gestorben. Tot ist alles, Gott ist gestorben. Die Erde ist gestorben. Tod. Finster. Kalt." Eisik aber greift, wie von einer Macht gezwungen, nach dem Teller Arsenik, der für die Natten bestimmt ist.. ,Mile, ich Hab aufgegessen den Arsenik! Beile, schnell... ich Hab es nicht gewollt! Beile, ich will es nicht! Peile, schnell!" Eisik muß sterben, denn seine Maschinen sind tot. DaS Schicksal will es nicht, daß er mit ihnen lebt. Ohne sie kann er auch nicht leben. Andere, wie Leiwik, treffen es: „Du weißt doch wie mir sich hat gewollt sein ein Malern Aber ich sag mir: No, nicht ist nichtI Kannst nicht drüber weg, mußt du drunter weg." Eisik kann nicht drunter weg. „Ich bin ein anderer. Mich rettet kein Branntwein nicht und mich rettet der Schlaf nicht. Siehst, ich halt mich kaum ans den Füßen, liehst? Und im Herzen nagt und nagt es und der Kopf hat gar nichts vergessen." Man sieht, dieses Arbeiterstück geht feine eigenen Wege und unterscheidet sich scharf von anderen Proletarierdramen. :\\n .Hauptmanns Webern" wird von verhungerten Menschen ein Hundebraten verschlungen und die Leute fällen vor Erj Ich;uü£a’ nach der Übertragung beS DramaS in deutsche Sprach.- v-'n Martin Beb er, Jüdischer Verlag, Berlin 1905. schöpfung zusammen, wenn sie auf die Zuteilung der Wolle warten. In LangmannS „Bartel Tnraser" macht den Vater der Hunger des KindeS zum Streikbrecher und inan sieht förmlrch das eherne Bataillon der organisierten Lohnsklaven über die Bühne schreiten. In Heyermanns „Hoffnung auf Segen" jagt ein Unternehmer blühende junge Menschen mit der Polizet auf «in morsches, untaugliches Schiff, daß sie ." auf seinen vier singen. Diese grellen Motive auö dem modernen Proletarierleben: Hunger, Ausbeutung, Streik, Grausamkeit des Kapitals, treten in Pinskis Drama ganz in den Hintergrund. Aus dem Milieu der jüdischen Werkstatt — ein ganz spezifisches und eigenartiges Milieu — wächst die Seelennot dieses Eisik Scheftel in daS allgemein Menschliche hinaus.' Ein friedlicher, versonnener Mann, der still dieses elende Leben des HungerS und Schmutzes erträgt, der nichts will, als sich belauschen zu dürfen, wenn sich in dc»n ausgemergelte,», zerquälten Körper die wundersamen Jdeeir regen, geht an seinen reichen Gaben zugrunde. Denn das Talent ist ein Monopol der Reichen geworden, wie irgendein anderer Luxus... Zn Pinskis Löjährigem Dichterjubiläum wurde dieses sein Erstlingswerk, »velches wohl sein bestes geblieben ist, in deutscher Sprache aufgeführt. Egon Brecher, der sich seit Jahren n»n die Errichtung einer jüdischen Bühne bemüht, hat. das Stück vortrefflich inszeniert, unb seine Künstlerschar für das ungewohnte Milieu ernsthaft geschult. Als Eisik Scheftel bot Herr Karl Felda eine Leistung, die »nan nicht leicht wiedersieht. Eisik spricht wenig. Alles kommt darauf an, daß der Darsteller in Haltung und Geste die Tragik, dieser Gestalt zum Ausdruck bringt. Herr Felda hatte sich so ttcf in dieses Schicksal hineingelebt, daß er auch Eisik Scheftel blieb, als er sich vermeigen kam.-Bedeutend war auch Therese Bell au als Beile. Sie weiß das keifende Gezäuke der Unglücklichen durch einen Unterton jüdischer Frauengüte zu mildern. Erschütternd die Grabesstimme des Herrn Lassen als irrsinniger Pinie und rührend Else F!e i s ch e r als Gifchinke. Aber auch allen anderen Mitwirkenden, insbesondere den Herren Kneibinger, Lind't, Kramer und Lunzer, gebührt volle Anerkennung. Stürmischer, begeisterter Beifall lohnte den veranstaltenden Verein „Nord-" Ost" für stein geglücktes Unternehmen, die Darsteller, den verdienten Spielleiter, und ehrte den Dichter, der : seit Jahren in Amerika lebt, und dessen jüngste Werke wir noch gar nicht kennen. Der Wunsch, eine Bühne möge erstehen, auf welcher die drarnatischen Schöpfungen der ostjüdischen Poeten in der Ursprache gespielt werde»» und auf der die spezifischjüdische Schauspielkunst eir»e Heimstatt hat, wird immer lebendiger. Gerade in Wien könnte eine Musterbühne geschaffen werden, die daS Niveau des jüdischen Theaters zu heben und den Geschmack der jüdischen Massen zu läutern berufen wäre. Das Pinski-Jnbiläum. wäre ein Anlaß, diesen, von weiten Kreisen geteilten Wunsch zu verwirklichen. ____________^ Otto AbeleS. Neue Wiener: Bühne. (Wedekind-Abend.) Die Neue Wiener Bühne, die sich seit einiger Zeit mn das Werk Wedekmds »nicht, brachte Freitag das früher verbotene Stück des Dichters „Tod u n d T e u s e l", auch „To t en ta nz" geheißen, aus d»e Bretter. Du Dichtung zeigt, alle WelenszÜge der dunklen Eigenart Wedekinds, seine Begabung fürs Groteske, den unstillbaren, wütenden Bekennerdrang und den paradoxen Geist seiner düsteren Sepualphilosophie. Das.Leben »st eine hoffnungslose Wüste, ist - der die Smnessreitde die....einzige Oase bildet. Eine" Unterredung des Mädchenhändler-Philosophen Casti. Piani (was zu Deutsch „keusche Pläne" bedeutet) mit eiher Mittlerin des Vereines zue Bekämpfung des Mädchenhandels, die in einem Freudenhau'e stattstndet, dient dem Dichter >als Mittel, d»e Moralauffassung der bürgerlichen Gesellschaft Über Weib und Geschlecht zu zerpflücke»», daS als Schmach Berpöme zu erhöhen und das Hochgehaltene in den Kot zu treten. Die Vertreterin der Bürgerlichkeit, bte sich ihm, von seiner Logik bezwungen, an den Hals und zu Füßen wirft, wnst er als UebeSuniaugliche Jungfrau ohne Schamhaftigkeit zurück. Als er ihr aber das Glück eines Mädchens vorführen will, zu dessen Befreiung sie gekommen ist, geht seine eigene Philosophie in die Brüche, denn als er erkennt, daß auch sein Geschöpf, von dunkeln Lüsten gepeinigt, den von ihn» erträumten Seelenfrieden n»cht gesunden hat, gibt er sich verzweifelnd den Tod und die Jungfrau drückt ihm die Augen zu. Die geniale Groteske fand eine bemerkenswerte Aufführung. Rudolf Förster als Cast» Piani bot eine tttffliche Leistung, die das Mittelmaß gegenwärtiger Wiener Schauspielerei u»n ein beträchtliches überragt. Eme gute Partnerin hatte er an Alice L ä ch, welche die bürgerliche Moralistin mit Intelligenz verkörperte. Die Brrsszene zwilchen Dune und Liebhaber siel, hauptsächlich durch die Unzulängltchkett des Herrn MendeS, stark ab. Der Abend wurde durch den „R a b b i E s r a"-Dialog eröffnet, dem Herr S t 8 rk zu guter Wirkung hals. Ellen N tust 8 d t e r fand für etliche Wedekindsche Bänkellttdrr, nicht alle gleichwertig, dm angepäßten Bortragsstil. A. F. Aus den Theatern. Der Spielplan des B u r g t b e a t e r S vom 37. Avril bis 8. Mai lautet: Sonntag,den27.: „Die Sorma." Anfang V,7 Uhr. Montag den 38.: „Maria Stuart/ Anfang 7,6 Uhr. Drensrag dm 29.: „Jaakobs Traum? Anfang '/,7 Uhr. Mittwoch den 30.: „Die Sorina." Anfang V Uhr. Donnerstag dm 1.Mcu (außer dem Jahres- und Saisonabonnemmt): „D»e Verschwörung des FieSko zu Genua." Anfang l a5 Uhr. Freitag den 2.: „Die Verschwörung des Fresko zu Genua: Aniang V*5 Uhr. SamSrag den 8.: „Pygmalion." Anfang 6 Uhr. Der Spielvlan des Operntheaters vom 37. Avril bis inklusive 4. Mai lautet: Sonntag dm 37.: „Götterdämmerung." Anfang Vjö Uhr. Montag den 28.: „Mignon." Anfang 7 Uhr. Dienstag den 29.: „Der Prophet." Antang 6 Uhr. Mittwoch den 30.: ..Manon." Anfang Uhr. Donnerstag den 1. Mar (bei aufgehobenem Saisonabonnemmt): „Fidel,o." Pizarro. Herr Fritz FembakS vom Naüonallheattr in München als Gast. Anfang Vs? Uhr. Freitag den 2.: „Bioletta." Anfang 7 Uhr. Samstag den 3.: „Elektra". Anfang 7 Uhr. Sonntag den 4. (außer dem JahreS- »nd Saisonabonnemmt und zu ermäßigten Preisen): Nachmittags */,2 Uhr: „Cvppelia." „Faun und Nymvhe." „Die Prinzesston von Tragant." Abend« V,6 Uhr: „Palestnna." Borromeo, Herr Kammersänger Fru; Femhals vom National* theater in München'als Gast. Im W>i e n e r K o in 8 d i e mH a u 8 findet heute und morgm die Aufführung von „Das Drama im Gnsetlenvierte!" und „Wien bei Nacht" mit Polly Koß als Gast und Arthur Guttmann in dm Hauptrollen u»n */«7 Uhr statt. Als Nachmlttagsvorstellung' geht um 8 Uhr bei ermäßigten Preisen „Eriwan" n Szene. _ * Aufführung von David Pinskis Drama „Der Schatz". Das Wiener PMstma-Amt veranstaltet Donnerstag den 8. Mai. 7 Uhr abends, im WienerKomödienha ns e ftX. Nnßdorferstraße 4) eine Festausiührung von Davld PinSkis „Der Schatz" mit Rudolf S ch i l d k r a n t und Gisela W e rb e.z i r k. in den Hauptrolle«. DaS Reinertragnis fließt dem SchnlungsfondS des Palästina-Amtes zu. Karte« erhältlich, a»r der Kasse des Wiener Komödicrrhauses, in der Buchhandlung R. Löwit, I. Notenturmstraße 22, sowie in der Verkaufsstelle des Jüdischen NationalfondS, H. Schmelzgasse 7. j Festkonzert der Hakoah. Morgen, Montag, findet großen Konzerthaussaale das Festkonzert der Hcrloak» statk int Mitwirkende: Professor Alfred Grünfeld, Claire Erdinann * Krarr s, Sieamund F e u e r m a n r», Rudolf B a n d l e r, Fritz Blum. Restliche Karte« an dev Abendkasse. ' . j Richard Beer-Hvffmanu liest heute im B o t f S4 heim um 7 Uhr aus eigenen Werken. Karten von K —.20j bis K 8.~ beiin Hauswart. Der neue Leiter der Akademie für Musik und darstsÄende Kunst. Die Pensionierung des Präsidenten' Dr. Karl W i e u c r ist nunmehr vollzogen und der Akademie-, direktor LLilhelin B o p p von der Dlremon enthoben und M* mlaubt. BiS zur destn tiven Regelung der künftigen Direktion hat; das StaatSa»nt für Unterricht mit der Leitung der Akademia trttevinuftifdi den SekrionSrat tm UnterrichtSamte Dr. Karl K o bald betrank, de»n der vorn Lehrkörper gewählte Ausschuß,' bestehend aus dm Herren Professoren Dr. Marx. Haböcks Prohaska und Stwertka, zur Seite gestellt ist. Metropottheater (früher Buudestheater). Dev Vorverkauf für die Vorstellungen der Operette „Schwarzwald--, mcidel" bat bereits an den beiden Tageskassen (Praterstern^ Viadukt, Telephon 45247, und Roteriturmstraße, Basar, Telephon 3423/1V) begonnen. Die Kassen sind geöffnet vormittags von, 19—1 Uhr und nachmittags von Uhr. Die Abend-s Vorstellung beginnt um 7 Uhr. Die Sonntagnachmittags-': Vorstellung um 3 Uhr. 1 Das neu« Ueberkabarett; Le deruier cri. Schon' der Name ist ein Programm. Wer sich die es gestellt hat?- Direktor Ha»»s Maron nennt er sich. Em domo novus, der »mt> kühnem Griff in das bunte Allerlei des Wiener Bergnügungs-j programtnS ein neues Banner tragen will. „Le dernier» cri", daS Letzte vom Letzten. Groß »ft der Spielraum, der da; der Phantasie des Neugierigen offen sieht. Verraten wird noch nichts. Es wurde für die artistische Leitung Erich Juhn, als Ncgissenr Erich Mauser gewonnen. Man darf nnt Recht ge--! spannt sein, was uns das neue Unternehmen, das am 2. Mar, tn der Dorolheergasse seine Pforten auftut, zu sagen hat. ,, 4 Literatur ruWisseuschsM Das Massengrab. Von Albert S. A s s e o. — s.,E uropaische Bücher"! Max Rascher-Verlag, Zürich.) j Der Verfasser »st ein jüdischer Jo»»rnalist auS Saloniki und' sein Buch schildert in ungemein packender Weise den Charakter^ und das Schicksal seiner Heimatstadt, die seit Jahrhunderten einenfast völlig jüdischen Charakter trägt und bis vor der Eroberung d»rrch die Griechen als die eitrige jüdi'che Großstadt im modemm Sinne angesprochen werden durfte. In diesem Buche ist von Juden, abgesehen von emer dramatischen Schilderung der Pogromstimmung beim Einzuge der siegreichen Griechen .in die eroberte Stadt, kaum die Rede. Und dennoch ist dieses Buck, als jüdisches Knlturdokummt von geradezu »»n'chätzbarem Wert. Denn zum ersten Male hat hier, einer ihrer eigenen Sohne uns das Geheimnis dieser jüdischen, Stadt offenbart. Und gerade der Umstand, daß er es nicht für nötig hält, zu erwähnen, daß das Schicksal, das er »n so eindringlicher Wcise zu malen »veiß, jüdisches Schicksal.ist, gibt seinem Buch jenen Reiz der Selbstverständlichkeit des Lebens in ausschließlich jüdischer Gemeinschaft, bic »nan miterlebt haben muß^ um sie zu begreifen. . . i Indem »ms Asse» in einer Reihe von Kapiteln, deren Darstellungskunst an die besten Leistungen moderner Schilderung, heranre-.cht, bie einzelnen Phasen der politischen Begebenheiten von den ersten AufstandSvmuchen Mazedoniens über dre türkische Revolution und die Erelgnisse der Balkankriege erzählt, schildert' er uns den allmählichen aber sicheren Untergang eines Stücks, jüdischen Bolkslmns. daSin Europa kau»n bekannt gewesen ist, obwohl in »hm bereits viel von dem verwirllicht war, »vas w»r von Palästina erwarten. E»n unerhört hartes Schicksal hat Saloniki betroffen, und wenn die Verluste des jüdlschen Volkes durch den Kr»eg einmal gewogen werden, so wird die endgültig« Zersiömng Salonikis mtt am sch»versien wiegen. Und darum sollten w>r nicht achtlos vorüber gehen an dem Buch des Juden Affeo, der seiner Vaterstadt ein so ergreifendes Grablied singt. Das „Massengrab" Saloniki, in dem so unzählige Opfer europäischen Chauonnsmus verscharrt liegen, ist gleichzeitig daS, Grab einer großen jüdlschen Hoffnung. E. Z. K l ö tz e l. Archiv für jüdische Fainittenforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen. Die vorliegmden beiden ersten Helte (Nr. 1 bis 6l des zweiten Jahrganges dieser Zeitschrifk enthalten eine Fülle wertvollen wissenschastlichen und geschichtlichen Materials. Besondere Erwähnung verdienen die Beiträge von Prof. Dr. Braun, Breslau (Die Absta»n»»»ung W e r t h st e i u, Wien Paul Josef . und anderer provenoaltscher Adelsfamilien; Zur Biographie deS Varon Drego d'Aguilar usw.). Die Zeltschrift erscheint im Berlage R. Löwlt, Wien. i Die Mischehe. Die „Zeitschnst für Statistik und Demo-' graphie der Juden", Berlin, bringt folgende hochbedeutsame Daten über die Entwicklung der Mischehen, welche zwischen Juden und Richtjuden nn Deut'chen Reiche während der ersten 13 Jahre de§ 20. Jahrhunderts abgeschlosien wurden: Während noch 1901 auf 100 Eheschließungen zwischen Juden nur lü'S? Mischehm entfielen, stieg ihr Hundertsatz von Jahr zu Jahr, bis er 1918 nicht weniger als 80'98 erreichte, das heißt, daß 1918 m Deutschland von 160 heiratendm Jllden oder Jüdinnen mehr als IS eine Mischehe abschlossen. Daß diese Entwicklung nicht bloß lokal ist und auch noch weit ärger ausarien kann, zeigen die Tabellen in Dr. Teilhabers noch immer zu wenig gewürdigtem Werk „Der Untergang der Deutschen Juden". Danach entsielen zvm Beispiel »n Dänemark 1901/6 auf 100 remjüdssche Ehen bereits 96*06 Mischehen! . ■ J - ' % Ein Mische» Kinderbuch. Dm knappen Bestand an jüdischen Kinderbüchern bereichert die bei R. Löwit soeben erschienene jüdische Märchensammlnng „DaS verschlossene Buch" von Irma Singer. Diese ^höchst originelle Sammlung, welche Kmdem von 8 b»s 10 Jahren viel Freude m»d Anregintg brrngkn mrd, hat unlängst bei de»n von der „Arche" veranstalteten Märchen-Nachmittag für jüdische Kmder seine Feuerprobe glänzend bestanden. Die Erzählungen, d»e reich an Inhalt, put stilisiert und leicht verständlich sind, fanden da den begeisterten Beifall de8 ingrndlichen Auditoriums. Die „Arche" hat dieses Buch auch als ersten Preis für den schönsten Bericht ausaesetzt, der von einem kmdllchen Besucher über den Dkärchen-Nachinittug geschrieben wird. — Preis K 7.70. Zn beziehen durch alle Buchhandlungeil oder direkt van R. Löw't. Wien, i., Ratentnrinftr.'is!-?

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