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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-27 · Heft 98 (27.4.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 98 (27.4.1919)
Date
1919-04-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien» Sonntag Telegramme. Die Tschecho-Slowakei anerkennt nicht die KriegskirLeiherr. r; Prag, 26. Slpril. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie bekannt, hat am 26. März das Wiener Postsparkasienamt an seine ausländischen Kornmittent^n ein Zirkular mit der^ Mitteilung gerichtet, daß die auf Kronen lauteirden Konti derselben als Guthaben alter Kronenrechnung weitergeführt und in ungestempelten Noten ausbezahlt werden. Die beim diesigen Amte diesbezüglich gepflogenen Erkundigungen, insbesondere darüber, ob nach Eröffnung des Weltverkehrs die ungestempelten Noten auf tschechoslowakische Noten gestempelt oder gegen solche umgewechselt werden können, wurden dahin beantwortet, daß dies nicht der Fall sein wird, sondern daß die ungestempelten Noten als fremde Valuten nach Festsetzung der Relation werden umgetauscht werden können. Augenblicklich hätten die ungestempelten.No.en im neutralen Ausland zwar einen höheren Kurs als beispielsweise die deutschösterreichisch^r gestempelten, weil die Neutralen damit rechnen, daß f ür d i e u n g e st e m p e l t e n Noten im Gegensätze zu den gestempelten alle Nationalstaaten garantieren. Diese Voraussetzung sei jedoch 'falsch, denn die Tschecho-Slvwake^i werde unter keinen Umständen die.für die Kriegsanleihen ausgegebenen Noten und ebensowenig die Kassenscheine Übernehmen und von den anderen Schulden der alten Monarchie nur einen (bis jetzt noch nicht festgesetzten) Teil. Es sei daher mit einem starken Kurssturz der ungestempelten Noten zu rechnen, daher auch mit einem großen Aurs- Verluste der hiesigen Kontibesitzer beim Wiener Postspar kassenamte. Genera? Anffsnb erg will in die tschechische Armee eintreterr? Prag, 26. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der agrarische »Venkov" meldet: General Aufsenb erg» der Sieger von Komarow, hat an die tschechische Negierung ein Schreiben gerichtet, in welcyem er sich bereit erklärt, in die Lschecho-slowakische Armee einzutreten. DerngegemtLer teilt Generaloberst Auffen- L e r g mit, daß diese Meldung den Tatsachen nicht entspricht. GeneraloberstAuffenberg ist in Troppmi geboren und nach dem Sudetenland zuständig. Er hat bisher zur Aenderung seiner Staatsbürgerschaft, ehe die Zugehörigkeit des Sudetenlandes nicht bestimmt ist, persönlich noch nicht Stellung genommen. PrästdiaLfitzung des Prager Jüdischen NationaLrates. Prag» -26. April. (Tel. der „Wr. Morgenztst.") Die Pmfibialfommiifton des jüdischen Nationcrlrates bekrsne .sich m ihrer Srvrrna vom *H. Am>l auS!rkilie''rlrch mit i ii u c r u o I i t i f dj c n sit r. £ . : :; i b e i t e tl, vor allem mit den bevorstehenden G e m e: n d er l s w a h l e n. Dr. G o l d ü e i n fütntc aus. daß es tilv die P.mei ungenuin, u'ichtig sei. überall KandidattMten au'zu.ellen, um dadurch btci Größe der Anhiina/rzahl der Partei beweisen zu können. Besonders wichim feicu die Kadida'uren tu Prag und in den § e in r i ch l s p r a ch i g e n G e m e i u d e n. Es ist dies stir die Iudm die einige Moglichkett, zwischen Deutschen und Tschechen Neutralität zu bewahren. Zn Prag sei e§ von besonderer Wichtigkeit, daß die Inden iw die Gcmerdestirbe einztehen, da ein großer Teil der Iudeitschast Böhmens hier wohnt, so daß die Art der Durchsuhrmig der Wahlen in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung - von größter Bedeutung ist. Dce Kommission beschloß, in die Wahlen unter der Parole: „st u t> e it, wählet | ii bi f rft" elnzutreteil' und ein dementsptecheudes Manifest an-dle studeuschast zu erlassen. --- Hierauf tvurdcn F t n a u z f r a g e n bestochen. still und nachdenklich wurde und. sonderbar verstört von ihrer Arbeit aufsah, wenn man sie ansprach. Mir wich sie ans, >vo sie nur konnte und mit dem Singen war es vorbei. . ' ■ t ' So ging es ein paar Monate. Wenn Zorah auf Lei Markt wunderte,.so hüllte sie sich trotz der Glut- 2,U;: in ihr dickes großes Umschlagtuch. Das war nichts AufsallendeS, denn dieses Tuch tragen alle polnischen St lein ftübter innen, und es gilt als unanständig, in Bluse und Rock auf die Straße zu gehen. Biel auffallender war es, daß Gnendel eines TageS, als sie im Hof atl der Schwester vorüberkam, stehen blieb und dreimal kräftig vor ihr ausspuckte. Mit sehr viel Deutlichkeit und Moral. Als aber Zorah, die immer mit Begeist'rung bereit gewesen war, der Schwester tu die Haare zu fahren, stumm insHauS sch ich, da wußten alle, wieviel es geschlagen hatte. Die Frauen keiften bis spät in die Nacht, sie schrien den heimkehrenden Männern die große Neuigkeit auf dis Straße entgegen nitd unaufhörlich jammerte Gnendel. ' Am nächsten Tag war Zorah verschwunden und neue Verwünschungen begannen von allen Seitrn, als ■mau hörte, daß sie trotz des SamStagS mit der Eisenbahn abgcreist war. Sie war doch ein jüdisches Kind! Vielleicht hätte man alles andere mit der Zeit veriyeüjcn können, die Entheiligung dss Sabbats verzieh man ihr nicht. Sie schien darauf verzichten zu können, als sie zurückkehrte. Merkwürdigerweise kam sie nämlich, entweder aus Trotz oder auS Gewohnheit. Sie war eine tU'bcre. Zwar immer noch schön, vielleicht sogat schöner als früh-"-, obn mit einem bösen Zug im Gesicht. DaS wal ggrlz in Ordnung, meinten die ehrbaren Frauen Wierser Aivrgcuzeumtg Neber die Lage der Juden in der S l o w a k e i liegt em ' Den <bt vor, demzufolge ihre niirtfdiaftticfte Situation sehr nngünst ' g ist. dn viele mitergeoidnete Organe in einer den Juden fcmd'eligen Welle tätig stnd. doch gelang es den Bemilliungen des Herrn W a l d st e i n» wenigstens einigermalren Abhilfe zu schallen. Uebcr die Versammlungen der D c l cnatio n der Na/tionalratskonfercnz m Paris lagen gute Berichte vor. Die Lage in Bayer«. Berlin, 25. April. (Tel.-Korr.-Bur) AuS Bayern liofleti fast gar keine Meldungen vor. München ist völlig ab gesverrt. Die Regierungstrnppen werden v e r ft ä r k t, ihr Hauprqnariier ist m Augsburg. In Nürnberg aibeilet man an Berteidraungö-- m ahn a h m e n. In den lohten Tassen haben feoit Versanimlungen Unabhängiger stattaefnnden, die gegen die Regierung Hoffmann Stellung nalinicn. Man befürchtet, daß der Anschluß Nürnbergs andieNäterepubllk am 1. Mai erfolgen könnte. Lebensmittellmappheit in München. München» 26. April. Der Lebensmittel' Mangel, der seit etwa vier Tagen einecieht hat, wird immer st ä r k c r fühlbar. München hat so gut wre kerne Milch mehr, auch d e Fleischl'eserungcn sind sehr zuistckgegai'gen. und die Bauern hören auf. Gemüse «t s ndcn. Vorläufig wnd in der Versorgung zwischen Proletariern und Bürgern noch kern IIji tcrschred gnnacht, doch heißt es, daß derartige Maßnahmen beute im Bollzugsrat erwogen werden sollen. Der Kohlen Mangel beginnt sehr bedenklich zu werden. Zahlreiche Zugsemstellungen sind seme Folge. Im übrigen ist die Stadt, bis auf gelegentliche Schießereien, die meist auf Nervvsirät zurückzullrhren sind, r u b r g. Die von Berliner Blättern verbreiteten' Nachrichten Über blutige Greuel» und Schreckenstaten beruhen nicht auf Wahrheit. Verschärfter Belagerungszustand su Nürnberg. Nürnberg, 26. April. (Tel.-Komv.) Die verfiollene Nacht verlies unruhig. E>n< Versammlung der Mchrheitssozialisien wurde von den Unabhängigen und Kommunisten gesprengt. Eme Aniahl Svartakistensührer wurde verhaftet. Bei dem Zusammenstoß wurde einer von di^ni getötet. lieber Nürnberg wurde der verschärfteBelagerungSzustand verhängt-. DreHsrrrptsNhrerder Nürnberger Spartakisten verhaftet. — Ein Führer erschossen. Nürnberg» 26. Apnl. In der vergangenen Nacht wurden die H a u p t f ü h r e r der Spartakisten in Nürnberg, Dr. Freund und Barer, in ihren Wohnungen verhalt-et. Auch die ginne Enverbslo'en- Konrmission wurde huiter Schloß und Riegel geletzt. Der Spart akut eniüh rer Schmitt, der sich der Festnahme widcrsetzte, wurde erschossen, seinSohn schwer verwundet. Heute früh sind das Rathaus und die öffentlichen Gebäude von Trupven besetzt worden. Hertte mrtaas tauchten aus den Straßen bewassnete Zivilisten und Matrosen rull. Es kam zu eurem Zusammenstoß 'wischen ihn'n und einer Patrouille der RegienmgStrupven. Ern Matrose wurde getotetz mehrere Zivilisten verwundet. Weitere Unruhen sind zu erwarten. Ausschreitungen gegen Inden in Varschan. Warschau, 26. Avril. (Tel. der „Wr. Moraenztg."). Montag den 21. April fanden in Warschau im Weichselvezirk Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung statt. Schon während deS aanzen Tages wurden in den Gassen die jüdischen Passamen, besonders die vad eionell Gekleideten, von bewaffn-ten Banden anwhalcen und nliiZhaudelt. Am Abend übersielen bewafsnete militärische Banden gemeinsam mrl z'vlen HooliganS die?llstadt, schlugen alle Vorbeigehen d e n Juden und verwundeten viele von l h n e n. Die iildischen Häuser wurden mit Steinen beworfen und foc Fensterscheiben ringest! lagen. Die A nSschrei tungen dauerten bis 11 Nhr nachts. In der Pretagaffe wurde auch wiedecholt aeschoffen. Den C ch w e rv erlctjtcn wurden seitens bee Rrt ungSgeseÜfchait die erste Hilfe geleistet. Als die jüdischen Na'smäiiner von den Vor^üllm verständigt wurden, intervenierten sie beim Ctadtpräsidenten und bemi Poli'nchef, Sie begaben sich auch an den Tatort, wo sie gememsam imt dem Polizeiches die geplünderten jüdischen Geschäfte besichtigten. Straßenbahnerstreik in Rotterdam. Rotterdam» 26. April. (Tel.«Komp.) DaS Personal der Rotterdamer Straßenbahn hat mit 1000 gegen 20 Stimmen beschloffen, Montag in den Streik zu treten. mit den Perücken und Perlenhauben, denn Zorah war „eine Fräulein" geworden. Bei uns hätte man „eine Solche" oder „Eh-scho-wisfen" gesagt, in Polen nennt man es mit einem gefeltschaftsfähigsn Ausdruck: „eine Fräulein". Cs gab viel „zu tun". So viele junge und kräftige Männer, die der Krieg in die Stadt geführt hatte und die teilweise gerade vergnügungshungrig von der Front, teilweise ve-gnügungshungrig aus dem Spital kamen. D'e Schar der Fräuleins wuchs und der Arzt, der sie dreimal in der Woche empfangen mußte, mutzte sich ein ztveiteS Zimmer dazu nehmen, dem Andrang zu steuern. Aler eines Tages schickte ep die schöne Zorah ins Spital. Sie bat. sie weinte, sie biß und kratzte — es half alles nichts. Sicherlich war es eine Gemeinheit von dem Ofstzier gewesen. Aber waS sollte der Arzt machen? ES war ja doch nur eine Dirne und der zuliebe fotut man einen Kameraden doch ^nicht anzeigen! Zorah langweilte sich erbärmlich im Spital. Zweimal lief sie davon, zweimal fing man sie wieder ein. Sie warf mit Polster, Leuchter oder Wasserglas nachdem Arzt, der sie behandelte. Erst als man ihr drohte, sie zu ihrer Mutter zu schicken, würbe sie ruhig. Jeden Tag erschien Gne'wel und stellte schweigend das Essen vor sie hin, das die Judengeineinde schickte.'Im ärgsten Sturm, durch tiefen Schnee kam die Schwester. Sie srug nie nach dem Ergehen der Kranken, sir gab ihr kein freundliches Wort, sie murrte und fluchte, wie Gott sie gestra't ha'.»e. Aber — sie icm. Schließlich war auch die Spitalszelt zu Ende. Zorah kehrte zu ihrem früheren Leben zurück, mißtrauisch und trübe, um ein Jahrzehnt gealtert. Sie fand nicht, daß ihr Unrecht geschehen war, sie schimpfte 27. Apnt lyitf 9tt. VÜ. Grob-Budapest. * Budapest» 26. Avril. lTel. der ^Wr. MorgenzeitmigT) Die Märeregierung wird die umliegenden Skädte und Gemeinden nvt der Hanptsi.rdt zu einem Gro st- Budapest vereinigen. Neupest und 16 andere Srädieund Gemeinden sollen künsligh,« in Len B c r r i ch d r r H a u p t st a d t von Ungarn gehören» Grotze Torflager in Angar«. i Budapest» 26. April. 'Tel. der „Wr. Morgenztg.*) In den ersten Tagen de8 MonateS Mai wird m den Gebiete« jen'eiis der Donau eme große Aktion zur Tor st> a« w i. n n u n g tinsei-en. DaS hierfür in Betracht kommende Gebiet umfaßt 58.000 Katastraljoch. Es sollen 12 M 11 (t* Dtten KnbikmeierToc! vorhanden sein, wodurch der. Kohle »bedarf für 60 Jahre gefrche rj sein soll. Eine franzöftsche Mission in Stanislau. Stanislau, 25. April, Der nkrainlfche Preffrdienst meldet i Am DrenSiag ist. aus Bukarest eine französische Sorrder Mission hier eingetroffen, bestehend aus dem Delegierten des französischen Ministeriums des Aeußern Costavos und den Offizieren Hanptmann C u r s e n und D u b o e. Dia Mission wmde vom Präsidenten des StaütSsekretarials Dr. Holubowyczin cmer emstÜNdigen Audienz empsangen» der Verhandlungen mit den zuständigen Skellen folgten. tv aüm Vrei-iasle',. Rev«ratnr«u iplfer Mntüntif. ftarbbflnbn ftt ggc 6t)IlcWe, erstklassige« Malnlal. Lcop. Kurzer, Wien, M., Westbahnstraße 23. Telephon 81537. s«o Tagesbericht. Wiener Kinder zu Familien anfs Land. Das Elend unserer armen Wiener Kinder ist nachj diesem ärgsten Hungerwinter ins Riesengroße gewachsen« ES ist so groß geworden, daß sogar die Kommifsionew unserer ehemaligen Feinde schleunigst HilfsaktionLN eingeleitet haben. Doll Genugtuung haben wir vor einigen Tagen die Nachricht vernommen, dast mit Hilfe der Ententestaaten und der Neutralen auch heuer trotz dev verschlechterten Nerhältrtisse die im Dorsahve so segensreich wirkende Aktion „Kinder aufS Land" wieder em möglicht wird. i Das alles genügt aber nicht. Wir dürfen die Sorge izm unsere Kinder nicht allein fremder Hilfe überlassen. Viele tausende Groß stad tkinder werdrn noch übrigbleiben, für die ein paar Wochen Landaufenthalt nicht nur Glück und Freude, vielleicht auch Leben und Gesundheit bedeutet. Au chdiese müssen die notwendig^ Krästigung finden. Darum soll jede Familie, die hener auf dem Land» selbst Erholung finden wird, oder ständig in der schönen Umgebung Wiens und in den besser versorgten Gegrüben Deutschösterreichs wohnt, an ihrem Glück ein arme-,, nahrungs-, luft- und freudebedürftiges Kind nur ein paar Wochen teilnehmen lassen. Wenn heute auch an unserem Tische kein Ueberfluß mehr herrscht, vergessen wir nicht, daß andere noch viel weniger haben. Wo. vier satt werden, kann noch ein fünftes mitessenk An das Mutterherz wenden wir unS vor allemk Mütter! denkt in Dankbarkeit an den Augenblick, da euer Sohn heil aus dem Felde heimgekehrt tstl und Ihr, denen der Krieg das liebste genommen hat, werdet Trost darin finden, wenn Ihr daS Uebermaß eurev mütterlichen Liebe einem „Sommerlinde" schenke» werdet. Besinnen wir uns selbst unserer Pflichten gegen die immer noch Aermeren und bauen wir so Brücken dev. Liebe zu den jungen Herzen der Besitzlosen! - I Die kleinen Gäste werben im schulpflichtigen Altev sein sie werden euch nach ärztlicher Untersuchung gesund, rein und nett gekleidet geschickt, sodaß Ihr eins helle Fretlde an ihnen haben werdet. nur auf den Arzt. Sie wußte nicht, baß sie die Gesellschaft für ein zerstörtes Leben anklagen konnte, sie ärgerte sich nur, daß sie jetzt so viel weniger verdienta als früher. Immerhin reichte es doch für eüre grüne Wolljacke und einen federoerzirrten Samthut, und f» geschmückt erschien nun Zorah häufig am Samstag im Hof der Frau .Schlammes und klatschte stundenlang mit den Weibern, die sie verflucht hatten. Nur mit den Kindern mochte sie nie mehr spielen. j So wäre es wohl noch zehn oder auch fünfzehn! Jahre fortgqgangen, wenn Zorah nicht eines schöne» TageS — es war in ihrem Leben wirklich ein schöner Tag — das Fleckfieber bekommen hätte. Man packte sie mit Polster und Decken in einen Handkarren Gnendel und eine Tante spannten sich vor, und sa karrte man sie zum nächsten Spital. Als sie auS ihren Fieberphantasien für eine Weile erwachte, frugj sie ängstlich, ob der blonde Leutnant, der nun wieder in der Stadt war und sie am Tag vorher besucht hatte, auch die Krankheit bekommen würde. Der' Arzt beruhigte sie. Aber nein, gar keine Spur! Ein Lächeln erschien auf den Lippen der schönen Zorah. Dan» schloß sie die Augen und flüsterte: Der Schlag soll ihn treffen. ES warey Ihre letzten Worte, zwölf Stunden später war sie tot. .Aber ich glaube, der Engel im Paradies hat den Fluch nicht gehört und nur baS holde Lächeln gesehen. Als Gnendel vom Tode der Schwester hörte, spuckte sie dreimal kräftig aus. Dann schnitt sie ein klein«» Loch in ihre Bluse, wie eS die Sitte fordert, »ttfr „satz Schiwe" durch acht Tage aus niedrigem Schemel boi Tränen und Gebet.

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