Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-04-20 · Heft 92 (20.4.1919) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 92 (20.4.1919)
Date
1919-04-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979169--00810-2986143
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sk. S2 Wien, Sonntag Wiener MorgenZettrmg 20. April 1919 Seite Tagesbericht. Die'Kümpfe vor dem Parlament. Die Bewachung des Parlaments. Vor hem Parlamentsgebaude herrschte auch gestern vormittags volle Ruhe. In der Säulenhalle selbst sind die Teppiche, um sie zu sFsnen, entfernt und auch die Gewehre und Maschinengewehre zur Seits gestellt worden. In der Mitte wurde zu den Klängen seiner Ziehharmonika flott getanzt. Es war überhaupt , sehr gemütlich, und wenn nicht dir Maschinengewehre j zwischen den Säulen gestanden wären, so hätte man geglaubt, irr irgendeiner fröhlichen Kasern-enkantine sich zu befinden. \ Mittags «ordnete der Kommandant Oberstleutnant Stößel-Wimmer strengstr Bereitschaft an. Er hielt an hie SoÜiaten eine Llnsprache, irr der er rnitteilte, «daß die Volkswehr außer der Bewachung des Karla-!.nrents auch noch den Schutz der Burg, des Burg- ^hea.ters, des Rathauses und der beiden Museen übernommen habe. Für den Fall von Demonstrationen seien sorgende Anordnungen zu befolgen: ' Wenn Leute sich ansamrneln und gaffen, so soll Man das ruhig geschehen lassen. Der zweite Fall wäre, «wenn einzelne wieder Unruhen hervorriefen, dann sollen j$te Bokswehrleute versuchen, ihnM mit kaltem Wasser! beizuKommen, indem sie sie anspritzen sollen. Den Ernst- (.fall wolle er als zu traurig überhaupt nicht in Betracht i ziehen. Der 5bommändant teilte der Mannschaft auch -den Dank des Präsidenten Seitz für ihr musterhaftes iuttd besonnenes Einschreiten am Donnerstag mit. . Um 1 Uhr wurde die Wache durch ein weiteres Bataillon und zwei Maschinengewehrzüge verstärkt. Auf dem Dache des Parlaments sind Scheinwerfer ausgestellt, die des nachts, die umliegenden Parks ab- Äuchen. Sicherheitsmaßnahmen der Behörde«. Da gestern nachmittags mehrere große Arbeitslosen- und «Helmkehrer-Bersammlungen stattianden, trafen die Sicherheitsbehörden ganz außerordentliche Maßnahmen. Das Parlamentsgedäude wurde um Vst Uhr von etwa 1000 Mann Volkswehr -besetzt. Alle Bureaus wurden geschlossen und sodann die ganze Strecke des Ringes und der Laftenstraße von den Museen bis zum Rathaus ab gesperrt. Eine Kompagnie des BolkswehrbatamonS Nr. 40 sicherte das Rathaus, da§ Bataillon Nr. 2 besetzte die Hofburg. Die Straßen wurden, ununterjbrochen von Wachen abgestreift, die mit Stahlihelmen ausgerüstet waren. Im Vestibül des Parlaments waren Hinter dem großen Tor, das schon am 12. November das Ziel -des Ansturmes der Kommunisten gebildet halte, waren vier Maschinengewehre gefechtsbereit ausgestellt worden. Die Rampe .war ebenfalls durch Maschinengewehre gesichert. Das Zentral-Telegraphcnamt am Börseplatz wurde nachmittags von 150 Polizisten besetzt, die Gewehre erhalten hatten. Auch Maschinengewehre wurden aufgestellt. Wie berichtet, sind auf Seiten der Sicherheitswache bei den Kämpfen um das Parlament die Reviermspektorm Gröger und Molzer und die Wachmänner Husch rk und Mir sch ge, fallen. Nun haben die Kämpfe heute ein fünftes Todesopfer gefordert. Sicherheilswachmann Josef Hrahky, der bei dm Tumulten durch einen Brustschutz schwer verletzt worden ist, ist gestern vormittags um '/«II Uhr im Allgmemen Krankenhause gestorben. . , ' Die Regierung hat b es chloffen, den Hinterbliebenen der hei den Ausschreitungen am Donnerstag tätlich verunglückten Wrchorgane die letzten Akttvitätsbettige an Stelle der normalen - Pensionen der Verstorbenen als Bcrsorgnngsgenüsie zuzuerkennen. Weilers hat die Regierung beschlossen,, dem Polizeipräsidenten S ch o b e v zur B e t < i l u n g dev H i n t t x b 11 e 6 c n e tt der getöteten Polizeiorgvne somie den verwundeten Polizeiorganen den Betrag von 100.000Kroueuzur Verfügung zu stellen. Die Verhandlungen mit de« Mbeitslosen, Bestem sprach eine von der ArbeitSlosenversammlung am Donnerstag gewählte Abordnung der Arbeitslosen beim Staats sekretär des StaatstMltes für soziale Verwaltung, Ferdinand H r n n s ch, vor, um die Antwort der Regierung auf die vor» der erwähnten Versammlung ausgestellten Forderungen entgegen- ,zunehmen. ... Staatssekretär Hannsch teilte der Deputation mtt, daß am Dienstag den 23. d.M. eine Beratung mit dKi Vertretern der Gewerkschaften ftattfindrn werde, um zu erörtern, in welcher Weise und in welchem Ausmaße den Wünschen und Forderungen der Arbeitslosen Rechnung getragen werden könne. Werter stellte Staatssekretär Hannsch Über eine aus der Mitte der Abordnung vorgetragene Forderung in Aussicht, daß «machend Weisungen im Wege des, Staatsamtes für Volksemahrung himmsgehm werden, um dieBeteilung der Arbeitslosen mit Lebensmittelkarten für M in d e st b e mi ttelte zu sichern. Der Mörder des Inspekotrs Gröger. f Die Polizei hat die Untersuchung. gegen eine Anzahl von Personen eingeleitet, die beschuldigt erscheinen, sich an den A u Ss ch r e i t u » g e n vyr dem Parlament am Donnerstag beteiligt nnd auf die Wache g e s ch v s s e« zu haben. Darunter befindet sich auch ein Mann, der sich, vor ferner Festnahme rühmte, er hätte gegen die Wache geschossen und zwei Wachleute getötet. .! Im Besitze dieses Mannes tvurde der Dien st- •s t M o I tt e t des getöteten R e v i e r i n s p ek 1 o r S Gröger gefunden. Der Verhaftete trag auch die G a «t u« sch e n d e S erschossene« Wachbeamten, dessen Leiche bekanntlich auSgeraubt wurde. Der Verhaftete leugnete fetzt, a« Pen Vorfällen beteiligt gewesen zu sein, doch dürfte seine Schuld durch die Vorgefundenen Gegenstände so ziemlich erwiesen sei«. . . „ _. Die Leiche der auf dem Schmerling-Platz erschossenen Frau istbiS heute vormittags nicht agnosziert worden. £ Ausweisung von Kommnniften. .Im Verlaufe der gegen die frenldr« Flüchtlinge unternommenen AuSweürmgSakttott ist die Polizei auf mehrere ausländische kommunistische Agitatoren gestoßen, gegen die, nunmehr rin Verfahren eingeleitet wurde, und deren ÄuSweisnng aus ^e^schösterreich erfolgen wird. flMiranm lUHttttHM cn gro3 B. KULLMANN Wien, I., Rudoifsplatz 3, Reichhaltige Auswahl in Seidenwaren u. Seidentüchem. Export nach allen Richtungen. Die Sommerzeit eirrgefiihrt. Die StaaLsZorresponderrZ veröffentlicht eine Bsrordnung, wsnaG die -®ow ttt e LZ ei t eingeführt wird. Sie gilt für die Zeit vom 28. April bis 29. September. Am 23. April nnr 2 Ahr früh wird die Ahr rrm eine Stunde -orgerü^t.— Drntfchöfterreich ist also der einzige Staat in Europa, der dis Sommerzeit durchführt. _ Aktion des Jüdischen Nationalrates „Wiener jüdische Kinder in die Schmerz". Den BemühungU des Jüdischen Nationalrates für Deutschostrrreich ist e8 gelungen, den Ferienaufenthalt für 500 bedürftige Wische Kmder in der Schweiz zu sichern. Herr Oberrabbiuer Dr. Chajes und einige Herren des Nationalrates haben anläßlich ihres Aufenthaltes in der Schweiz die Aufmerksamkeit Weiler jüdischer Kreise auf das furchtbare Kmderelend in Wien gelenkt und sind zur Organisiermig der Aktion noch weiter dort tätig. Zur Aufbringung der notwendigen Geldmittel und Sicherung der Plätze hat sich in Zürich cm Komitee „Schweizer Hilfsaktion zur Versorgung jüdischer Kruder aus Wien" gebildet, welches die Leitung der Fürsorgeaktion für die Schweiz übernimnrt. Die Kmder werden sowohl in Heimen, als in Einzelpfleae urrtergebracht; auch für die Unterbringung von Kindern, welche rituell verpflegt werden müssen, ist gesorgt. Dre Durchführung der Aktion in Wien leitet ein Komitee, welchem nebst dem Präsidium des Jüdischen Nationalrates Abgeordneter Stricker, Dr. Brun» Pouak-Parnau, Adolf Böhm, Bernhard Jahr, Dr. Isidor Maraulies, Dr. Karl Pollak, Dr. Isidor Schallt, Auitta Müller, Bernhard Goldstein, Erna Patak und andere angehören. . , . , , Ansuchen um Aufnahme von Kindern für die Ferienaktion sind ausschließlich schriftlich an das „Soziale Organrsationsamt des Jüdischen Nationalrates für Deutschösterreich", Leitung Arntta Müller, II, Große Mohrengasse 10, zu richten. * Wiener -Kinder nach der Schweiz. In B e r n hat sich neuerdings eine Vereinigung von Frauen und Herren gebildet, welche im Rahmen der Aktion der Frau Gerta Luise Einem es sich zum Zrele gesetzt hat, Wiener, beziehungsweise devtschösterreichische Kinder in Schweizer Familien unterznbrmgen. An der Spitze dieses Komitees für die Aufnahme von Wiener Kindern, G e s ch ä f t s l e i t u n g Bern, steht Herr Dr. R. v. Tavel. Fenier gehören dem Komitee an die Damen v. Wattonwhl und Gerstner. BMbeck, die Herren Major Buechli, Pfarrer Loertscher, Oberstabsarzt Luescher, Dr. Polzer, 'Oberleutnant Roth und v. Schifferli. Die Geschäftsleitung in Wien hat vorläufig Direktor Dr. Rudolf Richter übernommen. Anmeldungen für die Aufnahme von Wiener Kindern werdch nur durch die BezirksschuliiispeKoreii im Wege der Schulleitungen entgegengenommen. __ . * Dev blutdürstigste magyarische Bolschewik. Wir lesen im „Prager Taglatt: „Cech", das Organ der tschechischen katholischen Bolkspartei, zittert einen Vudavrsier Bericht des „Dailp Telegraph"^ in welchem, als der blmdnrstigsie. magyarische Bolschewik cm gewisser Samneli dargestellt wird. Seine Kollegen hatten die größte Mühe, ihn von der Durchführung seiner bluttgen Pläne zurückZuhalten. „Cech" beeilt sich, hinzuzufügen. daß Samueli ein Jude sei. Diesmal hat das Blatt jedoch mit der konfessionellen Konstatierung wenig Glück. Der betreffende Bolschewikenfnhrer heißt nämlich, wie uns ein gennuer Kenner der Verhältnisse mitteilt, nicht Samneli, sondern Szamuellv,' der in den entschwundenen goldmen Zeiten sogar ein unverfälschter ungarischer Adeliger war nnd mit seinem vollen Namen Tiberius von Szamuelly hieß. Er ivar Nedaktemdes „Magyar Kirrrr", des Organes der ungarischen — katholischen Bolkspartei." Mit Beschuldigungen Mß man eben auch sehr vorsichtig sein. - < . Einbruch mit einer halben Million Beute. Am 18. d. M. nachts wurde bei. der Manusaltnrwarensirma S t e i n e r L K o m p., I., Marc Aurelstraße 2, ein Einbruch verübt. Die Schränker drangen in die zn ebener Erde gelegenen Geschäftsräume, deren Eigentümer die Herrm- Albert und Robert R o s e n b a u m sind. Den Rollbalten, .haben sie mit Nachschlüssel geöffnet, die Tür aufgesprengt. Im Geschäft haben sie eine eiserne Kaffe angebohrt. Das mittlere Schloß haben sie abmontiert. Dann gelangten -sie zum Treffor und erbeuteten daraus einen Barbetrag von K 160.000 und verschiedene Werchapiere in bedeutender Höhe. Die beiden anderen Schlöffer der eisernen Kaffe waren unversperrt gewesen. In dem nämlichen Raum waren von der Fwma Adolf Geiringer Waren uiftergebracht. Davon stahlen sie einen beträchtlichen Teil an Seidenhandschuhen, Kunstserdenstrümpfen usw. Der Gesamtschade an Waren beträgt migefähr eine halbe Million Kronen. Auf die Ergreifung der Täter hat die geschädigte Firma eine Belohnung von 5000 Kronen und auf die Wiedererlangung des aestohlcrien Gutes eine Belohnung von 10 Prozent des Zustandegebrachten ausgesetzt. * Zulassung der Frauen z.«m Studium der Technik und der Bodenkultur. Das Unterrichtsamt hat soeben einen Erlaß betreffend die Zulassung von Frauen zum ordentliche« Studium an den Technischen Hochschulen und an der Hochschule für BodenMue berausgegeben, in dem ungeordnet wird, daß die Ziilassung der Frauen als ordentliche Hörerinnen an bdt Technischen Hochsckmlnn und an der Hochschule für Bodenkultur vom Studieniahre 1919/20 angesangen grundsätzlich zu gestatten ist. Als selbstverständlich wird vorausgesetzt, daß dre AasnahmLbcwerberinnen Len Anforderungen für die Aufnahme voll entsprechen, welche dermalen stir die männlichen Studierenden in. Geltung stehen sowie, daß die Aumahmsbewerberinnen ohne jede Schädigung und Beeinträchtigung der männlichen Studierenden nach den vorhandenen räumlichen und wiffenschaftlichen Einrichtungen der einzelnen Hochschulen Platz find eil können. Eine internationale Messe in Amsterdam. Die nuten Erfahrungen, die Utrecht mit einer seit drei Jahren bestehenden großen Iahresmesse gemacht hat. lassen die Landeshauptstadt Amsterdam incht schlafen. „Econoinisch Wcckblad" meldet jetzt die Gründung einer Aktiengesellschaft zur ^Errichtung eures ständigen internationalen WeltMarktesTm Amsterdam" mit einem Kapital von vorläufig Ist Millwnm Gulden. '* Die Museen an den Ostertagen geschlossen. Airs neue Anordnung bleibvr am Ostersonntag und OsternrontäL.das kuust- und natmhistorische Museum geschloffen. ‘ Hosrat Professor Dr. Wagner-Jauregg über „Telepathie und Hypnose. im Verbrechen". Der Vorstand der Wiener psychiatrischen Klinik, Hctzrat Professor Dr. W a g n e r - I a u r e g g, hat. sich ans' ' Emladung der Bereinignüg/der Gerichtssaalreserenten der Wiener Tägespresse bereit erklärt, zugunsten des Wohlfahrifonds einen emmalitzen Vortrag über ^Telepathie und H y'pn o s e i m V e r b r e ch t u" > zu halten.' Der Vortragende -wird sich auch mit der Aufklärung der M ö g lichter ten zur mißbräuchlichen Anwendung^ von Telepathie und Hypnose befassen und -mit Experimenten, begleiten, die zum Tnl vom Assistenten der Klinik, D r. P a u l S ch i l d, ausgeführt werdend- und bei denen auch zwei S n g g e st e n r e mittmrken sollen, deren Namen allenfalls noch bckanntgegebcn werden. Der Vottrag findet am 2. Mai im großen^ K. o n ze r t fy auss aale statt. Karten - von . ll 3.— bis 20.— ab Morgen an. der Konzertkaffe Guttchann.. Irr üer Lelie-Le« Schule Grrtsch, II., Leopolps-- gaffs 28, beginnen m dieserWoche sowohl netze Tägesals aüch -neue Abendkurse fürsämtliche Bureaumrd Handelsfächer. Honorar mäßig. Unterricht rasiäj und gewissenhaft. , , * 700.000 Kronen Prümie Und S7ioöb Gewinne der Klassenlotterie werden bis 8. Mai ausgelost. Lose zur nächsten ersten Klasse th K 40.—, a/4. K 10.— und Vs K 5.— versenden imt Erlagschein B r i! d e r Bermann, Wien I„ Rotenturmstraße 18 (Eingang Lichtensteg 1). Vorträge ARÄ Versammlungen. Jüdischer .Turnverein „Makkabi"/ Wien, X. Mittwoch den 23. d. M. findet m Hoffmanus Rosensälen, X,, Favoritcnstraße, 89 eine Pessach-Feier verbunden mit Akademie, turnerischen Vorstihrungen und anschließendem Tanz statt. Beginn präzise Vi8 Uhr.Die vereinigte Hechalltz-- Gruvpe „A g i d a 8 - A ch i m veranstaltet am Sonntag den 26. d. M. in Kadermanns Fcstsaal (Prater, neben , dem Lnstspirlth eater) . einen F r ü h l i n a s b a l l. Da§ Reinerträgnis ist für Auswanderer nach Palästina bestimmt. Karten bei . Löwit und Casö „Adbazia"-, N., Ansstellungsstraße 1.. ~; Dev V, DiSknssionsabcnd des Palästinaamtes findet Mittzvoch Len 23. d. M. um 6 Uhr abends im^Souterrauilokal des EasE Industriellen, I., Konkordiaplatz 4, statt.- Referieren wird der bekannte Kunsthistoriker Dr. Fritz S a x l über „HandWerkstätten; bemk Wiederaufbau Palästinas . Die Wahlm. Unsere WahlarbeA. , Wer die Bedeutung der Iudenfrage erfaßt fyatJ vergibt sich nichts, wenn er die Juden und Jüdin:?.':! dieser Stadt aufs ordert, in die Wählerversammlungen der bewußte.: Ju..- -nschast zu gehen.^ Und alle Volksgenossen, d'-) diese Versammlungen besuchen, werden zu der Üb erzeugung gelangen müssen, daß es sich nicht um jene famofr; Gepflogenheit anderer Parteien und Klüngel handelt, Menschen mit allerlei Phrasen und Versprechungen zu haranguieren, in eine bestimmtes Gesinnung »einzutreten^, sondem um die gewaltige- Ausgabe, die sich die zionistische Bewegung gesetzt Hat,'! das - Judentum zu reinigen, zu erneuem und das! jüdische^Volk selbst, die Welt aber von einer ihrer? verderblichsten Krankheiten, von der Judenstage, zu! erlösen. - - \. Alle unsere Redner gehen von dem großen ganMi Problem aus und begründen jene Forderungen, welche in dem Stockholmer Manifest nieder-: gelegt sind: 1. Die Forderung nach der Heimstätte'iw Palästina, 2. die Forderung nach der endlichen Durch-! führung der tatsächlichen Gleichberechtigung , und 3. die Fächerung nach den Minderheitsrechten für die Juden-! schast überall dort, wo sie in'großer Zahl siedelt. So! wird organisch die Erringung des Re ch t e s auf! die eigene N a Lion von unseren führenden' Männern und Frauen entwickelt und n i e m a l §' unterlassen, gleichzeitig den ver-! d e r b l i ch e n n a t i o n a l e n E C h a u v i-? n i s m u s, den engherzigen! K l a s s e n g e i st d e r O b e r s ch-i ch t e n und die Berhetzung der Bevölkerungskl affen gegeneinander zu verur-! teilen. Keiner unserer Wahlwerber speist die! Wählerschaft mit Versprechungen ab oder lockt sie! unter Zusicherung von Vorteilen heran — eine Ge-' pflögenheit, die das'Parteileben des alten Oesterreich! so tief korrumpiert hat^und insbesondere Wahlzeiten in der Großstadt Wien zu den abscheulichsten Wochen! geschäftsmäßiger Anwerbung von Wählern, fystema-! tifcher Vergiftung der Bevölkerung durch Verhetzungen! und zu der sattsam bekannten gegenseitigen Be-! schimpfungs- und Verleumdungskampagne haben. > Nur durch die verantwortungsvolle Arbeit, welche uns die Bedeutung der Iudenfrage gerade in dieser; Zeit der Entscheidung auferlegt, ist es gelungen/ bei! den Wahlen zur Konstituante einen Erfolg zu erzielen.! Weil wir die Wahlen nicht als Selbstzweck behMdeljr und mehr Wert auf. systematische ÄufklämngsarbeiL! legen als auf den Augenblickserfolg, mehr Wert auf. die Durchdringung der jüdischen Bevölkerung Mit der Erlösungsidee des jüdischnationalen Gedankens als auf die Zahl s der abgegebenen Stimmen, ist die Aus-! breitung "der Zionistischen Idee aus immer weitere Kreise gelungen und gleichzeitig bewirkt worden, daß sich das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden! im Staate zusehends bessert, daß die Hoffnung besteht, ' in absehbarer Zeit ein gedeihliches Zusammenleben und Zusammenwirken im Interesse' des Staates herbei-', zuführen. j Der neue Wahlgang dient dm aleicherr Ideen! und wird neue Erfolge bringen. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.