Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 88 (16.4.1919)
- Date
- 1919-04-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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’v* ^W'r \ \ ' '"’ ^;v ' ©eite t Wien, Mittwoch Msuer Msrgenzettmrg 16. April 1919 Nr. 88 Schlagwort von der ^Vaterlandslosigkeit^ herhalte^ Es ist dies ein bereits rostiges Schwert, das von Haus aus nicht einmal gegen uns geschmiedet worden war. Kaffer Wilhelm hat es einmal gegen die deutschen Arbeiter angewendet. Warum sollte man es nicht auch gegen die Juden schwingen dürfen, gegen die ja rede Waffe für erlaubt gilt? Die DeuischMdWin, die dem Hohmzollernkrm die Art, sich m räuspern und zu spucken, aufs - genaueste sdgeguckt haben, glaubten jedenfalls, darauf nicht verzichten zu dürfen, und fo kegssnsrr wir in ihrer Presse HZuM mchr oder weniger wissenschaftlich geschmnckkm ÄW GH mutzen über die ÜnfWscheit der Juden, den Tmpftndungsychalt des BsgrUrs „Vaterland" den Ariern n.achzrrfühlen. Eme grsufsme Arome des Gchfekfejs fügte es, dich dies gerade zu einer Zeit geschieht, da das jüdische Volk sich anlchickt, sein Heimatland, das es vor neunzehn Iechrhunoerte» verloren, unfcbm es fo. lange eise m der Geschichte aller Völker heifpLllsse Tretw bewahrt hat, wieder eigenftaatÜch zu reorganisieren... Es geht eben nichts-über die Tlsfgründigkeit der autifemfeffchrn „Msienschsst". Nun find freilich nicht alle Juden MsnUen. Was ist ss denn aber, daß fo viele unseres Volkes dem uralten Ideal mefceu »erben ließ, das Jahrhunderts hindurch von «ffersu Vorfahre« mit «tzreuder Inbrunst als religiös Idol gehLwr worden war, bis es uns durch.Theodor Herz! als realpoMfches Ziel in greifbare Nähe geruckt wurde? Was Mt diese BeMendstm aller ftvwrm TrMtion mck fchmShlicher Anfemdunge« von Mßsn zum Trotz He ^8 m der Assimilation an die Gastvölker suchen? Wss anderes, als die Liede zu dem Lande, kr dem sie geboren und erZStzsn wurden, mch die DankLmLesi für die Kultm, die sie hier in sich «mfnehmen Konnten» also alles das, . was in sein«: Gesamtheit das Wesen eben jenes PstriMsnms ausmacht, de« man uns sbsketten wA? And wenn die Zionisten ihre Stammesgenossen vor der restlosen Hingabe an ihre Gefühle für das Adoptivyaterlqnd warnen, so km sie es nicht, weil sie solche Gefühle für unjädisch hftsten — w« unsere reltzziöse und profane Literatur kennt, wei^ daß' Liebe jeder Art nirgends eine inbrünstigere PstsgesMe findet als im Schoße Israels, und daß gerade die durch Leinen materiellen Lohn entheiligte Schwärmerei für ganz abstrakte Begriffe sich nirgends so häufig Mm Fanatismus steigert, wie in unserem Volke. Für das unser Innerste aufwühlende Schwanken zwischen dem Lande, in dem wir das Licht der Welt erblickt und jenem anderen, das uns die Welt des Lichtes bedeutet, können wir einen Klassischen Kronzeugen an- Mr«r: Hugo Auckermsnn, der, im tiefsten HeaZsn Zionist, f&e Oesierre^s Eh« m& Lkchm streitend — „ein S^s« und ekr Held Mkeich" — den Tod fand. BÄe himmelhoch ffeht dieser Irche, bm rmr nmkilchss Erlebsn zmn Lfede Wurde, Itetx dm Men arischen Lyrikern, die den Krieg im Unterland erlebt und besungen haben. Diesen Dichtem wäre ein bedeutendes Kapitel in der Literaturgeschichte Scherers sicher gewesen, denn sie bilden einen neuen erschütternden Beleg für die Scherersche Theorie von der Wellenlinie der deutschen Kulturentrvicklung: „Drei große Welle«, Berg und Tal in regelmäßiger Abfolge ... . Wir Megsrr hoch und finken um so tiefer... In der zweiten wie m der dritten Blütepmode gewahren wir ein freies Umherblicken, das aSe DormteUe überwindet. Mit der Toleranz der Rsügionm geht die der NsttsvskMe« Hand i» Hemd ... Es ist em Anzeichen des Verfalles ftn drei-chnten wie im neun- Zehrfien Iahchundert, wenn die Fanattker austreten, rrmche das Eoantzeldtm der Liebe unter den Konfessionen .verleugnen und das gegenseitige Mißtrauen, Haß und Berfolgungseifer schüren . . . Der Niedergang des Deutschtums, dessen Anzeichen der zitierte Literarhistoriker so genial erfaßte, beschränkt fich natürlich nie aus die Literatur allein. Das ausgehende Mittelalter charakterifiert Scherer wie folgt: „Die Expansivkrast der Deutschen war vorläufig erschöpft rmd das waffenmächtigfle Land Emopas lernte vor Türken, Franzosen und Schweden zittem, wie es einst vor Sarazenen, Normannen und Magyaren gittert. Die Achuüchkeit mit der politsichen Mtmcks» von heute ist f«appi«end. Es haben chm Wieder einmal, wie nach der ersten und zweiten Blüteperiode, die schlechten Eigenschaften hoc Deutschen, nationale Engherzigkeit und religiöse Undukdsamkett, über ihre guten, die ihnen von Zeit zu Zeit eine wohlverdiente Stellung des Glanzes unter dm Dölkem verschafft, obgesiegt und ihnen dm allgemeinen Haß mgezogen, welcher in der jetzt siegreichen „dntente* sein«* politischen Exponenten fand. Den Geist der dritten Blüteperiode charakterisiert das Goethewort: „Kegm große Vorzüge der andere» gibt es nur eine Waffe: die Liebe." Hundert Jahre fcwfeet erdsickt rin geistig klemkatwrigss Cpigsnmkrm feine dichterische Aufgabe in Hschsesüngen argen alle aufstrebenden Kräfte fternder RasionattÄten. Infvmeit Pt allerdings auch das Judentum am Zusammenbruch der „irmerm Front" Deutschlands beteiligt, aber nicht, wie es die Lkttifemiten ohne Rücksicht auf die historische Wahrheit glauben machen wolle», als wirkende Ksmpsmnfe» fondemnm als fechender Mechstab dafür, wie weit die von Gcherer wkamtm Kräfte des Vechckiee mWbet Me Obschand im deutschen Vvlke ffßmnmtt hatten ... , Ehtzrts BoMMft «ii dss VLNtschL M-GM. Ä*te Fr»eLe am jede« Preis. — Die ««ertrSglichr Q«al M h«te. — «Sasket «L vo« der SeldstzerfleiZchMg.« Wkiwar, 18. April. (Korr^Vur.) In der heutigen Whrmg der Nattanalvesfammlung varlaprKsiömt Bcheidemann kcüchftetzsrrde OfteeboWaft dsS NsichkprLsidenren Ebertr Di« Bationntversammlung M dis hsAtfme Verkvs4eviA dsö deaischs« Dolbss hat am 10. APM mit großer Emmürig?/it die Erivarinng ausgesprochen., datz dt« Rsgisrung nhi einem Frieden der BerstLndignn§ ktnb Bersöh n«« g zu fiimmt und jeden Vertrag ab lehnt, der Gegenwart und Zukunft d e S d e u t sch e n B o l feß: u nd de %M < n | chheit prersgiöt. Ich öegrsrße diese als das das LnbeuMms« MKkMS deS deu^che» BoÄeL. daß dar kmnmsnd« Frioda ein Kneds daiuer«- der Ge-lMttdigung »nd V erf4 h n u n g d e r Völker fsin fE und daß sr somit wvch DentschLand die MSAdiese« Grch^dsaH der g-mrg und BersShnn«g daMnck zu beobachten. Dor WUie dsS dcutzche« Bsltsä tvivp Mc die NegLÄrmiL Pkäßgsbüsb fei«. Wir tzaöM Esö Mts«, um LsL «ufesm N-mden den Fr.isdäx Schluß zu. sziz^ii,. um unser $ME von dieser userträ glichen Qusl zu öefreisn. Dw DevauMorttruü fkr a$k Felgen, die sich «uS der ^rtdaue« des Zisst^rckes fibr uns. Mr daS übrigs Europa und letzten Endes für hie gauze Wett ergeben müssen, füllt somit auf sie. DirS Mögen sich -Mseve GLgnor iu zwölfter G tu«tze vor Augrn haltsn. Frieds. Arbeit und Brot und da» neu« Demfchlarrd zu schajjvn ist aber auch unmöglich, solange Teile Mjeres eigenen Volkes in eürem §kampse derlrarrc«, der unser schwor darntedetNotzpndeS Staats- «a- Wirtschqftslobe« vo^jeuds zu vernichten droht. Wohl ist viel gofürchigt rvorden am deutschen Polte in virr fchtVeren ArroMahren. Darum ist es unsere erste Wicht, zu verstehen, M helfen und zu bessern, »der der Drang «ach MsnsWHöeit und Mrnsche»wür^i..ll::it ist Leine Lntlaftung für eine Handvolk führender Unruhestifter, di« planmäßig beÄ Ausbau der ^u^chsn NspubM zu stbrsu trachten. Das neu« Deutschland kann nicht geschaffen Wörden, durch einen radikalen Sprung ins Duuklch der sicher «in Sprung ck hon Abgrund wäre. Die bolschewikischo Diktatur der Minderhelk dos PrvletariatS würde den Industrie st a a t G o u t j ch l a st d j t.chs-r. in » e n ioft M o «ftteu twinuten. Schleuniger Fr io Hs nach. außon» Äßend uuf der Grundlage der Verstartdigyng und des Bundes, aller Döller, ist f il r u ns eine Lebe ns frage. Aber ckcht werftgee Lechrtzi unsere Msttimg vor dom Untergans^ ber fföon««chiHeit von' Frr sdon n ttd Arbeit i nt Innern. Darum wende ich mich in dieser ernsten Stund« an unser deutsches Volk in allen feinest Schichten mit der mahnenden Mtte: -Laßt ab von der Gelbsteerfleischung, überwindet euch, tut die Augen auf vor dem Abgrund, arbeitet. Und Sie, die Abgeordneten unseres Volkes, bitw ich, chohin Sist auch gehen während der Pause, die heute ty ihren Beratungen eintritt, wirke« Sie überall für Frii-den üud Arbeit. Unser Vaterland, unser «rues Detttschlaud, bnvf nicht zuschanden werde«. PgMfche^NMdichüN. FraaLreichs ^kache. Präsident Wilson hüt in einer seiner Rodest a« die FriedensLostferenz feine LoLannie 14-PunUe-Botfchaft dahtu erMrt, dgß dis Völker nicht mehr wie Steifte auf einem Brett herumgeschoben werden sollen. Aber wie in alle» Punkten, fö hat auch in diossm Mljoft den weichen «Lfsem deve» Nackags-Ühl gsgeu DsuiMarrd die ganze Friede«» ronfereitz dehrrrfchl und den zukünftigen Friod-en schon heute ln Frage stellt. DaS K»ke Rheümftr mit den Städten Doblenz, K-ölu, Bonn, soll durch fttufzehn Jahve von den Franzoiou dchrtzt dlsiban, bis Deuffchiar» die 180 Milliä-rdan Fvansts SrisgAeutfchDLguug -ezahll haben wird.Deutsch- Lmd Hütte also '«.lljLhrllch12 MMiarden zu bez-ahlen. aber derlleut «t die Gdn4ü«f4e auS dom SaaVge-Sisl, die Rohstoffe aus den Kolonien und die reich?« AessourcM auS OberschlestLN, das an die Polen falftru soll. Ru« braucht aber Deutschkutd in Zurunsl nach den Erklärungen des inzwischen zurücktretenden ReichSftnanzmittistsrs Dr. Schiffer für öfjentltri-eZwecke 13 Milliarden, statt wi« früher sieben Milliarden. Bo» bissen 13 Milliarden ist aber die Hälfte unbedeckt, tek ist aber der HShepuutt dev Ausgaben noch nicht ermftch^da die staatlichen Bedürfnisse durch die Erhöhung der LoftnanSlagen ujw. noch um weitere Milliarde« wsch^eu müfse«. Das müsse« FvankvsiHS Gachverstü«diye jnm wissen. Die Forderung nach Besetzung des linLs» MeinuferS für IL Jahve kann also, da Deutschland solche Summe« niemals wird ausbringa» können, nur als Bemäntelung der ewigen Befepmrg gelle». Ein solcher Friede« bedeutet thven neue» Verzweifiu «gsirieg Deutschlands. _ Pogrommeldaage«. Di« polnischen NachrichterchurcauS finde» es für gut, von Zeit zu Zelt Nachrichten über Pogrome m der Welt zu verbreiten. So berichtet wieder die Warschauer Telegraphen-Agentur über Juüenpsgroute in Homel und zitiert ein Wilnaer Blatt, tvonach die Zahl der Opfer dieser von der Rote« Garde pLamnäKig vorbereiteten Pvsrome tu dtzx Tausends gehe. Man Wird gut tu«, j-atchs ans polnischen Quelle« stammende Aachrichten mit Lrofter Reserve ausjuftehmen, denn sie rrmnern zu sehr an die bekannte .^Haltet den Dieb"-Taitil. Leider haben auch in der Urraüm unter der kosakischen Wildheit viele Juden ihr Lebe« gelassen und aitch im ktzslschewikischeu Rußland hat e£ an AuSschretmngen nicht gefehlt. Aber wenigsterrS haben die ukrainischen Behörden den guten Willen bouft«ft», die Unruhe« zu Reklamiert Euer!! Wahlrecht Bsvemsfe-ttttg: Vou-tsch- Sfterr. StaatsbLrgerrecht. Meklamationsfrift: Vom LY. bis LS. d. M. Not«enLr§e Dokumente: L. SüW«rshidrKerichoftsovkUiWr«s^2.M»id-- roKM rMtz r.ei«Ook«m-Wt fGO§mfto- oder HevMSsschot«, SLaaes-chttlKSAHerLch, Potz rs.s L. SS unterdrücken und die arntsn Opfer M entschädigen. Hingegen verfolgen die Polen die Pokittk, ddm Judcntzatz thoer Organ« die Zügel schstchsu zu Lassen und nachher die geschrheiten Bluttaten mit specher Stirne abznleususn oder anderen in die Schuh« zu schieben. Die PoAtik der polnischen Machthaber zeigt auch i« dev Fudsstfrage ei» Janusgesicht. Auf der eisten Seite veranstaltet ntan heuchlerische Enqueten, über deren wahren Zrveck nientaitd im Unklaren setn kann, andererseits will man sich nicht dazu haben, auch nur die geringsten »ationalsu Minderheiksrechts bsn Inden zuzugeftchen,. und in der Frage der Behandlung der Juden ein eindeutiges Machtwort an die untergeordneten Behörde« zu erlassen. Die polnischen TsndenzmelLungeu über JrckEpegrome suchen zwei Fliegen mit einem Schlag zu treffen. Einerseits will man Ukrainer oder Bolsche- 'wiA« bei der Enwnt« anschwürpön, um dei dieser M BoMvrrk der Ordnung anerkannt zu werden, andererssitS heuchelt man eine Fürsorge für die Juden, die zu beu Tatsachen in größtem Mdersprrlch steht. Hoffentlich erweist sich auch die letzte Meldung der. polnische» Lelegraphen-Agentur als unrichtig, Slnf feinen Fall aber sollen die Pslen aus dem Umstaud, daß eS auch bei ihren Nachbar» Judenunruhe« gibt, das Recht für fich ableiten, mit der fildischeu Bevölkerung PvleW in so barbarischer Weife zu verfahre«, wfe bisher.. Sind das a»ch Jude»? Das Börttrrer Organ der DfehrhsitS sozielisten, der »BorwLrtS^, erzählt Über die Neuerscheinungen der Münchener Regierung: Da ist der Außenminister Dr.-A ipp, ein bisher in Bahre« gänzlich unbekannter! Man«. Wie unfsr Nürnberger Parteiölllt, die „Fränkische TageSpss^, feststettt, hat Dr Lipp bereits zweimal wegen Größenwahns im Jrrenhause gesessen. Ihm ist alst> das TollhauS nichts Neues. . Völlig in das Milieu paffend ist auch der Finanzminister Silvio Gesell, der vor dem Krieg« Schriften über die Theorie heS Geldes schrieb, die in alle« wissenschaftlichen Arrism Heiter feit und Widerspruch, erregten. Namentlich auch von sozialistischer Seite wurden die Theorien GesellS als gänzlich unhaltbar und unwissenschaftlich kritisiert. Seine Befähigung zum Finanzminister dürfte damit erwfessn fefe. BsL der Ausrufung der RäterepubM in Au.sÄb«rg fcfefet als Führer ei» De. Rothenselber eine bessudere Rolle. Dieser Mteführer ist von HauS aus FranziskanermSuch und hat die niederen Weihen glücklich über sich ergehen lassen. Kurz vor dem Kriege trat er aus dem Orden aus und betätigte sich in Augsburg als Literat. In den ersten Kriegsjahren schrieb er für die „Augsburger Neuesten Nachrichten" Gedichte voll glühendstem Patriotismus und nationalistischem Ueberschrvang. Als die alldeutsche Hetze gegen MUsonS Vermittlungsversuche einsetzte, war eiwrr dar wüsieftL» Kläffer gegen Wlson i» Augsburg der genannte De. Rothenfeider. Jsboch konnten ihn diefe literarischen Leistungen nicht aus feinen ewige» PortemotmaianötM bringen, die in AugSbürg stadtbekannt waren. Me es scheint, geht feft» Liferaturgeschüft unter bolschewikischer Firma fetzt besser. So sehen die Leute aus, welche an die Stelle der in Parteidfenstsn «graute» .Fferräte^ treten. Die „Reichspost" nennt noch als Führer der Münchener K»m- «unisio« die Wftne des Würzburg« Peofesssrs S s iffert mck des fterstorbonen WSwzdtzwgsc Öö«cktöVgsxmeiste-vS R i n g e l m a n u, „junge WmächSßute, die jetzt sich qU » gMß macht««-.