Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 81 (9.4.1919)
- Date
- 1919-04-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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S'Cette 4; J Wien, MÜwoch? Die Finanzmatznahryen in Tschechien. Prag» S. April. -(Korr.-Bur.) Dem Fiiianzansschuß der, Nationalversammlung sind heute Zwei Vorlagen, des FinänzminiftcrZ zur dringlichen Erledigung zugegangeu. Die, eine betrifft die Ansuahme einer Anleihe in.de r H öhe v o n 179 Millionen Dollar. Die zweite Vorlage,betrifft die g e s e l; l i ch e n Z a h l n u g s m i1 t.c 1 im tschechoslowalkichen Staate und ist eine Ergänzung des bereits im Jänner diesbezüglich genehmigten Gesetzes. v VolKsabstrmrrmng i»r Oftschlesien. Prag» 6. April. (Tel. der ,.Wr. Morgcnztg.") Wie auS W.u^inul gemeldet wird. wurden die Vertreter Schlesiens und ' der Nac'adargc'oiele von Eambou empfangen.^Es würde ihnen initgetcilt, daßdie E n t s cd e r d n n g üb er Sch l es i en den c 11) :x o g r a p b i s ch c n B e r h ä l t n i s s e n entwreckim nwrde. Man nimmt au, daß die Entente schon in,den nächsten Tagen die Durcliführimg einer. O o l t s a b st i m-!N n 1t g ins? fts ch l e s i c n anvrdncn werde. Ein ukrainisches Friedensangebot an Polen. London, 8. April. (Fnnkspr. des Korr.-Bur.) Der ukrainische Ministerpräsident H o l u b o w i t s ch hat durch die Verbündeten' ein F r i c dcnsangebot.au P o len gerichtet und 'chlägt vor, bnü die Streitfragen im Wege einer allgemeinen: V o l k s a b st i m m u n g der Polen, Ukrainer und Juden erledigt werden sollen. Sein Antrag hat be» den Juden B c i r a l l gesunden. _ Die neue Regierm^g in München. Ausschluß der Mehrheitler. — Ein revolutionärer Bankrat. — Antisemitische Flugblätter. — Wieder PretzzenKur. ' München, 8. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnirg".) bezüglich der Llusübnug der Regierungsgewalt waren gestern zwei Listen im Umlauf. Die eine bestecht ans Unabhängigen und Mehrheitsfvzialrsten, die zweite, mit Dr. Lipp an der Spitze, wird aus Vertretern; der U nab hän gigen und der Kommuniston mit AuZschlus; der Mehrheitssozialiften gebildet. Diese Liste behielt die Oberhand. Die Ba uer ritz nnd ler sollen, wie die „Münchener Zeitung" meldet, durch Konzessionen für die Zustimmung zur Räterepublik gewonnen worden sein. Der revolutionäre Zentralrat hat dem revolutionären Bankrat für Bayern die Vollmacht zur sofortigen Einsetzung von Bankräten mit folgenden Rechten erteilt: Gegenzeichnung aller Schriftstücke, Wechsel usw., Mitbestimmungsrecht in der Verwaltung, Recht der -Pcrsonalveränderung. Alle Depots- und Geldabhebuugen, Üeberweisnngen im Giro- : verkehr, - Wechsel usw. bedürfen der Gegenzeichnung der Angestelltenauss-chüsse der Betriebsräte. Alle Banken und Bankg-es-chäfte Bayerns sind heute, zwecks innerer Neuorganisation g e sch l o s s e n. -Alle Zahlungen iiber 5000 Mark an außerbayrische Stellen Und Leuzuständigen Kontrollstellen zu melden und.müssen gm bargeldlosen Wegei «ab'gewickett iverden. Der Zentralrat hat eine Waonung erlassen, in der gesägt Wird, ' daß' das Verhalten von Dssizieren, Studenten usw. die öffentliche Sicherheit bedrohe. Die. V er b'reitung von antiseriritischen..verhetzenden Flugblättern werde ohne Zweifel in kürzester Frist dazu zwingen, alle Personen, welche die Ruhe gefährdenfestzunehmen und sofort von einerm Nevolutionsgerichtshof aburteileu zu lassen. Der Generalstreik der Arbeiter hat aufgeh örtt Heute vormittags waren als Protest des Bürgertums fast alle Geschäfte in der Stadt gesperrt. Die B lättr r er s ch einen w Leder unter Zensur. - In . den Redaktionen befinden sich vom Zentralrat' d c l e g i e r t-e Zensor c n. Die Soz ist* - lisiernng der Press: soll e hast en s d u r ch g e führt werden. In N ü r n berg ist der Genera Ist reis prvklamiert werden. * Kolonist ließ ihn verhaften. Er befindet sich setzt im Haifaer l'-esängnis und wird von jüdischen Gendarmen bewacht: Täglich nwldensich' neue Zeugen und. Geschädigte. Es heißt, daß 'i ad) der bekannte Kaiqiakam von Haifa, der ebenfalls ayllose Verbrechen gegen die Juden und Araber puf dem 'wissen hat, verhaftet worden ist. ' ...... Das-wichtigste Problem, das uns. gegenwärtig beherrscht, n: die Fr age der Arbeitsbeschaffung. Alle jüdischen Gesellschaften, an der Spitze der Provisorische Waad für Palästina .widmen dieser brennenden Frage vio größte Aufmerksamkeit. Letztens hat dieser palästinensische Aat eine große 51 on se ren z abgehalten. Folgende Beschlüsse wurden öffentlich bekanntgegeben: 1. ES wird eine neimgliebrige Kommission gebildet' zwecks :!>czulierung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. In dieser Kommission sitzen je drei Delegierte der vereinigten Kolonien in Jndäa, der landwirischäftlichen Arbeitcrorgamsatron in Judäa und der .Zionistischen Pälästinakommission. 2. Alle finanziellen öffentlichen Institutionen sind verpüichjcl, allen denjenigen, die jüdische Arbeiter überhaupt nicht l'cschöktigcn, jede Hilfe zn verweigern. 3. Der „Provisorische Rat der Juden Palästinas" ist nach Kenntnisnahme aller Berichte über die Lage des Arbeitsmarftcs im Lande :,u der Ansicht gelangt, baß sich die jüdische T^sfentlichkeit cincS nationalen Vergehens schuldig macht, wenn sie die Arbeitsfähigen ohne Arbeit läßt. Es soll eine spezielle Kommission gebildet werden, der es »bliegt, den jüdischen Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen. Diese Kommission muß onf der zweiten Sitzung bereits ihre Vorschläge unterbreiten. i. Der „Provisorische Rat" verpflichtet die Zionistische PcilLstLuakovrmtfston sofort eme Aktion zu unternehmen, um darr jüdische» Arbeiter» RrbeitSnwglichkeiten zu geben. Wiener Mörgenzeitüng r9. April 1919" —w ■ 1 ■ ■ ■ ——n——wwii Der Kampf um die Macht in Bayern. f Berlin» 8. Avril. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das Reichskabinett befaßte sich gestern mit der Verhaftung des Reichsmististers L a n d s b e x g, des kommandierenden Generals v. Kl ei st.'Es wurde beschlossen, energisch gegen diese Verletzung der Immunität vorzngehen. Wie die Regierung.mitteilt., befinden sich bereits ausreichende Trnppemnengen a n s dem W c g e n a ch Magdeburg. Wie die „B. Z. am Mittag" erfährt, wurden die Verhafteten gestern freigelaffcu, nachdem ReichZwehrmnnstcr No § ke telegraphisch vom Arbeiter- und Soldatenrat in Mcrgdebnrg ' die nnverziigliche. Freilassung der Gefangenen gefordert und nachdrMich vor den Folgen' eines solchen Vorgehens gewarnt hatte. Wie ans B n m b c r g .gemeldet wird, nahmen Abgeordnete aller bürgerlichen Parteien in den drei ftankischen Regierungsbezirken Fühlung untereinander und protestieren gegen die Äu s ruf.« n g d e r R ä t er ep nb l i k. In dem Protest wird die Beamtenschaft und das Volk aufgefordert, sich hinter den Landtag zu stellen nnd auf die katastrophalen Folgen einer kommunistischen Politik Hiugewiesen. Das Münchener Kommumftenorgau wendet sich in einem Aufruf an die Arbeiterschaft gegen die je tzigrRäteregierung. Der revolutionäre Rat sei nicht als Vertretung der arbeitenden Klaffen^ anzuerkennen. Weder, die Räte der, Mehrheitssozialistischen Richtung noch die Unabhängigen seien befugt, an Stelle des gesamten Proletariats die Räterepublik zu verkimden. Das Blatt fordert die Arbeite^ Soldaten rmd Bauem auf, unverzüglich zur Wahl e r n e s wirklich revolutionären Organs zu schreiten. Die Komnnmisten werden aufgefordert, allen Schraten der Gründer der Schriuräterepublik gegenüber das schärfste Mißtrauen zu bewahren. Die Arbeiternnd Soldatcnräte Nürnbergs haben mit 138 g e g e n 70 S t i m m e n 'die Räterepublik abgelehnt. In Nürnberg herrscht Ruhe. Die Stadt ist in V e r t e i d i g u n g szuft and versetzt. Die - Baneruräte Mittelfrankcns lehnen die Räterepublik ab und unterstützen das Ministerinm Hoffmann. Zunehmende Wirren. Hof» Echweinfurt und Ansbach für die Räterepublik. Belagerungszustand in Nürnberg nnd Magdeburg. Plünderungen in Magdeburg. Hof» 8. April. (Korr.-Bnr.) Hier ist gestern die Räterepublik ansgernfen worden. Magdeburg, 8. April. (Korr.-Vur.) Heute nachts überficl ein bewaffneter Hause die G e t r e i d e s p e i,ch e r im Hafeugelände nnd p l ü n d e r t e's i e t e i l w e i s e ans. Zwischen den^Plünderern und Militär kam es zu stundenlangen S ch r e ß e r e i e n. Ein Angriff auf den Justizpalast wurde durch Maschinengewehrfeuer abgeschlagen.' Die Zahl der Opfer ist unbekannt. Der Werl der aus dem Speicher entwendete« Lebensmittel beläuft sich ans mehr als 700.000 Mark. Auch die Schuppen des a m e r i k a n i s ch e n R o tem Kr e u z c s, in denen Lebensmittel für die Gefangenen lagerten, wurden a n sg e p l ü n d e r t. Infolge dieser Exzesse verhängte der Exehrtivausschuß den Belagerungszustand über Magdeburg. Nürnberg» 8. April. (Korr.-Bur.) Durch Plakatanschlag Mwde heute früh die Verhängung des Kriegszustandes über die Stadt bekannt. Schweinfurt, 8. April. (Korr.-Vur.) Die Stabt hat sich der Räterepublik angeschloffen. Ansbach, 8. April. (Korr.-Bur.) Eine von der sozialdemokratischen Partei, dem Gewerkschaftskartell und der unabhängigen Partei einberusene Massenversammlung sprach sich e t u ft t m urig f ö t d i c R a t erepublik aus, die'schon gestenr mittags ausgcrftfcn warj. ohne daß die Führer wußten, wie sich die Arbeiterschaft dazu stellen werde. Streik in Essen nnd Düsseldorf. n Essen, t 8. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Streik der Arbeiter im Elektrizitätswerk dauert an. Die Stadt ist ohne Beleuchtung, die Zeitungen dürfen über die'Arbeiterbeweguug mchts verlautbaren. In Düsseldorf dehnt sich der Streik iinmer mehr aus, die Zeittmgen sind infolge des Setzerstreiks nicht «rschienm. Neue amerikanische Schatzscheiue. Washington» 7. April. (Reuter.) Das Schatzamt kündigt die Ausgabe von 4V,Prozmtigen Schatzscheinen im Betrage von 500 Millionen Dollars, die die am 10. April fälligen Schulden decken sollen, an. Die Verfallszeit der Schatzscheine ist für den 19. Jult angesetzt. Englische Ein- und Ausfuhr. London» 7. April. Im März d. I. hatte die Ernfnbr einen Wert von 105,772.289 (Abnahme gegen das Vorjahr 1,450.931), die Ausfuhr einen Werl von 53,108.496 (Zunahme 17,106.181) Pfund Sterling. ' . Auch die jemenitischen Juden schreie» nach Arbeit. Anfang März verMstalteten die Jemeniten eine Straßendemonstration. Etwa 100 Jemeniten ans Jaffa nnd den Mgrenzenben Kolonien marschierten durch die Straßen von Tel Awiw, blau-weiße Fahnen vorantragend mit den Inschriften: „Die Fahne der Arbeit", „Die Organisation der jungen Jemeniten in Palästina", Mir verlangen Arbeit. Der D'enwnstrationszng ging durch die Allenbystraße und machte vor dem ÄmtshMS der Zionistischen Palästinakommission halt. Die Herren Lewin-Epstein und der Kommandant Bian ch in i erschienen auf dem Balkon und erklärten, daß noch an diesem Tage eine Konfereuz abgehalten, und deren Resultat bekanntgegeben werde. B'on den zahlreichen Industriermd Handels'unlerneh>mungetf, die hier projektiert werden, beschäftigt mrs gegenwärtig, am meisten das Projekt der Gründung von großen Druckereien in Jaffa und Jerusalem. Der frühere Administrator deS zionistischen Organs Maswjet^ in Rußland, Herü Valzmann, der vor krrrzem nach Palästina gekommen ist, beabsichtigt im Aufträge einer Gruppe von russischen Juden, die für diesen Zweck vier bis fünf Millionen Francs bercifftellen wollen, in Palästina eine großangelegte Druckerei und Lithographieanstalt zu errichten. Das Unternehmen soll hauptsächlich Arbeiten für das Ausland übernehmen. Ein ähnliches Unternehmen plant der bekannte hebräische Mäzen Herr A. Stybel ans Moskau, der dem zurzeit in Palästina weilendeir Herrn Jsaac 'Goldberg bereits Vollmächten erteilt hat, die Errichtung des Unternehmens in die Wege zu leiten., Sollte es gelingen, die erforderlichen Maschinen und Materialien in das Land ehestens hereinznbekommen, so wirb hierdurch, wie es heißt, Arbeitsgelegenheit für tckele Hunderte von Inden geschaffen werden. 81' Tagesbericht. 4 Tagung Kber Kinderaufzucht. % Die Wirkungen der Hungerblockade. Montag begann im Sitzungssaal der Gosells^aft der Acrzie die Tagung der.Denischösterreichischrn Ge^ sellschaft für B t v ü i f ox it n g s p v l i t i k über Ki n d e v> au faucht. Eröffnet wurde die Tagung durch' ' grüßungstvorte des Vorsitzenden der Gesellschast, Prys sessor Dr. Viktor M a ta j a. - Zinn ersten Pimkt der Tag^sordlmng: S tat istilder Süu glin gssterb li ch kei t / ergriff als Bericht«« erstatter Negierungsrat Dr. Wilhelin Hecke, das Worj^ , Er führte aus, daß die Sterblichkeit der Kinder unter einem Jahr schon im alten Oesterreich außerordentlich, hoch gewesen und nur von Rußland, Ungarn und Bayern übertroffen worden ist. Auch in Denischösterreich wird immer noch beinahe der fünfte Te i l alle.r; G.e.bv re neu -i rn ersten Leb e n-sja h re da-htm' 'gerafft. ' / - Ueber S äug lintz.s sterb li'ch'keit und BevVv kerlitt.gDpvlitik berichtete Sektionschef Dr.'Ka«fy „ Er bemerkte zunächst, daß der lange Weltkrieg nnd. dk; Wirkungen der -H'un gerblockade das Volkse tum - Deutfchösterreichs besonders schwer geschädigt haben.. . Der Geb urten Verlust allein beträgt -100.000 bis 500.000. Ileberdics hat während der? Kricgszeit die S t e r b li ch feit d e r m e h r a l s F ü n fjährigen mn 23.6 Prozent zngenommen. AG, -Mittel-für. eine Volksernenerung fführte der Berichts erstatjer an: Vermehrung der Zahl der aus eine Ehck entfalleNdett Kinder aus Grund einer ziel bewußt tcn Familien- und Ge b n r te npo l i ti k, Siche« stellnng einer Zutpandernng bei Vermeidung jeder! ■ weiteren Volksverluste durch Auswanderung und Besse-! rung der Anfzuchtbediugnngen für die Jugend alle« Altersgruppen. Der Berichterstatter '.erwähnt»- auch, daß vvm Staate für das Jahr 1918 und das erste VieretljaW 1919 rund eineinhalb Millionen Kronen für M utier schuh und S äuglin gs fü^r sorge aufge-- wendet wurden. Er verlangt weiter die Einführung der? gesetzlichen Stiltpflicht für Frauen, Atlsbau der Kinder-, krankcnhäuser, Speisttngsstellen für Schwangere und! Kleinkinder, ferner Krankenkvlonien, Sandshielplätzes und Erholungsstätten für kleine Kinder. Gestern referierte Primarius Privatdozeut Dr. Leopold M o l l, Direktor der Reichsanstalt für Mutterimd SänglingS" fnrsorge in Wien, über die Bekämpfung d er Säuglingssterblichkeit und legte die Ursa.chm derselbe» klar. Die Säuglingssterblichkeit ist in erster Hinsicht überall dort sehr hoch, wo den Müttern die Möglichkeit und die Fähigkeit fehlt,, chren Still--und.Megepflichten Nachkommen zn können» Um den arbeitenden Muttem diese Möglichkeit z« verschaffen, ist eine Erweiterung der in der Sozialversicherung gegebmm Mutter- und Säuglingssürsorge, sowohl in extensiver wie m intensiv«: Hinsicht notwendig. Die F a m r l i e n v e r s i ch e r « « g muß ausgebaut und Mutt ers ch aftsversichernngtz Stillkaffen sowie Mutterräte allgemein eingeführt werde».- Besonders wichtig ist eine allgemeine Aufklärung der Bevölkerung ° über die .Bekämpfung der SänglinsStzerb, l i ch k e i t. Der nächste Referent, Dr. D o » i n, der Wer BerusSvovmmidschaft sprach, vertrat die Ansicht, daß die Einzelvornumb« schaff , bei der Säuglingssürsorge versagt habe. Seine BchaupttMG die mietzeliche Mutter sei als Vormünderin ganz ungeeignet, schlägt jeder Erfahrung ins Gesicht. Versagt hat immer nur die Vormundschaft, wie ja das Elmd der Ziehkinder beweist. D'r. R o ß w r l d verlangt eine einheitliche OrzantsatbM aller Fürsorgeaktionen, Gektionschef K a n P tritt für die Anlegung von Nahrungsmittelreserven ein. Er teilt «tf, daß durch' Vermittlung der Schweizer Fürsorge stelle» die englische« und amerikL«ische«8 Frauen eine Wäschesammlung eingeleitet Hab«, und baß bald ein« solche Wäschesendnng eintrifst. wodurch! es inöglich fein wird, wieder Wäsche ausgeben zu könne». Primarius D'r. Moll bedauert, daß man kein Mittck hat, jene Frauen, die ihre 'Säuglinge stillen könne», ckbep nicht wollen, zu zwingen, dies zu ttm. ' s Hierauf referierte Sektionsrat Hillniayr bmn SoziaL« versicherungsamt über Sozialversicherung und KinderaufzuchL und bemerkte, daß die Arbeiterkrankenkassen die ersten Iwstitutionen waren, die der Säuglingssürsorge ihr Augenmerk zuwendeten. Die Einrichtungen der Sozialversicherung sind' in hervorragendem Maße geeignet, die Maßnahmen zur Aufzucht eines gesunden und kräftigen Nachwuchses zu fördern^ Beim Ausbau der Sozialversicherung wird auf dieses Ziel besonders Bedacht zu nehmen sein. In erster Linie fällk den Krankenkassen und ihreg Verbänden die Aufgabe zu. im Zusammenwirken mit allen anderen berufenen Stellas den Mutterschutz und die Kinderfnrsorge zu pflegem, Deshalb ist auch die weiteste Ausdehnung des Kreises dev Versicherten und die Einbeziehiiug der Familienangehörige»! in die Versicherung drmgend geboten. Weiters sollen die Krankenkassen ihre Aufmerksamkeit ans die Förderung des Selbststillens der Mütter unb die, Errichtung von Kinderamvulatoricn lenken'. Die Renteninstitute der ' Sozialversicherung könneu durch Gewährung billigen Nealkredites, insbesondere bei Errichtimg kostspieligerer Heilanstalten und criif dem Gebiete der Wohnüngsfürsorge die .Bestrevimgere zur 'Kinderaufzucht wirksam fördern. Besonders wichttg ijy auch die Forderung, daß kinderreichen Familie»; bei der Bemessung der Dersichernngsleistiingeir Begünstigungen gewährt werden. Vorsitzender Prof. Dr. Mala ja schloß s ydantt Tagung.