Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 79 (7.4.1919)
- Date
- 1919-04-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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' 1?f 3te. 79 Wien, Montag, rsamErMnch' Bauer verltoh. Wenn die Arbeiter ihr rchtbewußtscin in die Worte kleideten: „Alle Räder -Yen still, wenn dein starker. Arni es willl', so konnten Wort auch diejentgott fitr sich in fepvurf) iisl)ntcit, das Räderwerk her Siaatsinaschine trieben. " Ir r L u in u nd Träg h eit d 6 s K e! ftt s habiM die MMschaft erhalten und vielleicht läßt sich die materia- Astischü Göschichtsauffassung dahin interpretierön. daß der geistige Behärrnngstrirb der Meilschell den eigens ^Ächen materiellen Faktor der Geschichte bildet. So .ssckd wir glücklich soweit ge kam,ne», baß sich langsam! Des betrogen sieht: Der Wh Wart erzengsnde Pro-. Wrrior, der für seine höheren Löhne. nichts zu kaufen stakvmmt, Vär hungernde Bdamis, der Kapitalist, dem btz fürtschreiteude Entwertung d-es Gelbes feinen Besitz zst .entwinden droht und — der Staat selbst, der vor btzm. Zusamnpenbruch steht... Es ist nicht nötig, nach dein Bolschewismus zu rufen, der keine Lösung be* beuten kann. Aber eine künftige Gesellschaftsordnung .wird auf der Grundlage der Menschenliebe und Wersch tigkett beruhen und so beschaffön sein müssen, daß M Güter und die höheren Gmüsse dieser Welt nicht vWschliößüch denen zugute kommen dürfen, die ihrer Misch aigentlich nicht so sehr bsdürfen wie der geistiger vpganiswrte Kulturmensch, dem sie von vornherein ver^ jsKosseu sind. Gs wird in der Zukunftsvrdnung nicht Mglich sein, daß Dichterhonvrare dem Gewinn mittlerer Mrtenpartien gletchkommsn und' Gesetze,svvllstrecker, Mchter Und Lehrer des BolkEs die Brosamen auflefen, . von den Tischen her Ungetstigen fallen. Telegramme. rm Dir Landung in Danzig nicht bewilligt. ’BM; ^4*18,6. April.(Meld. der Agiuce HavaS.) Die »RegittungSöberhäüpter hielten Samstag zwei Sitzungen ah, Da Wilson noch immer leidend ist, wurde er durch Oberst H o u s e ersetzt. Zn den Samstagbesprechungen wurde ein ernstlicher Fortschritt verzeichnet. Die Redaktion her in den territorialen Fragen gefaßten Beschlüsse wird eifrig fortgesetzt. Das Problem der Entschädigungen ist aUf dem Wege der Lösung. - De« Tag war besonoerS befriedigend in. bezug aus hie Regelung der Angelegenheit voll Danzig. Man weist in wohlunterrichteten Kreisen darauf hin, daß das Wnzip des Durchzuges polnischer Truppen durch Danzig M Märschakl Foch ausrechkerhalten und von Erz* b^rger im Namen Deutschlands formell angenommen »vürde. Da es^ aber den AlliieMt für das Entsenden W Truppen nach Danzig au Schiffen fehlt, waren die Dutschm mit dem Trüppeutränsporte auf dem LandttVtze 'einverstanden. Diö Armeö Haller wird also ganz Deutschland .Ittels zchu Züaeu im Tage durchqueren, um die Eisen* Hnlinie von Warschau zu gewinnen. Man ist der Ant, daß diese Lösung die Absichten'der Alliierten voll edigc. Das Schichat Danzigs wird erst später bemtgegebeu werden, doch ’ fahrt schon jetzt versichert kden, daß die Alliierten diese Frage in besriedigender eise lösen werden. gütliche Auseinandersetzung mit Rußland. Bern, 6. April. Die englischen Betichterstätter in wis wollen dort die Tendenz bewerten, die sich auch Ms in französischen Zeitungen schüchtern hervorwagt, K mit Rußland irgendwie gütlich auS- Münderzusützeu. Am meisten finoe die Idee Ansng, das hungernde Rußland mit Lebensmitteln zu verfem Da aber die Anerkennung der Sowietregierung jelehnt wird, müßten die Mächte die Verteilung der iknSmiitel selbst vornehmen. . Man denkt an eine Nachahmmrg der Versorgung elgiens durch Amerika während der deutschen Besetzung H Landes, wo die Verteilung unter amerikanischer Kon* jfle stand. Auch im russischen Falle müßte eine neutrale lacht die Arbeit aus sich nehmen. Mau erwähnt in dsem Zusammenhänge Schweden und speziell den wzialistenführer Branting, dem die Leitung anvertraut serderi würde. Zu dieser neuen Stellung der Entente gegenüber rßland soll viel der Bericht der Amerikaner Stephen ..d Büllitt beigetrügen haben, die von der amerikä* ischen Friedenskoiniriission nach Rußland entsendet Nrden sind. Zu diesen englischen und französischen Meldungen ,it noch hinzuzufügen, daß Bullitt, der als BertrauenO- M Wilsons den Beryandlungen der Berner interionalen Sozialistenlongrefles beigewohnt hat, sich über ionale und territoriale Fragen zu informieren suchte I sich von Knnsi ein Memorandum über Ungarn Arbeiten ließ. . v - State Reformen der Arbeitergesetzge-nng in Dentschlnnd. Berlin, 6. April. (Meldung des Wölfischen Bureaus.) as Kabinett hat den nachstehenden Abänderungsvorschlag Artikel 34 der Reichsverfaffung angenommen: Die Arbeiter sind dazu bemseu, gleichberechtigt in emschaft mit den Unternehmern an der Regelung der hne und Arbeitsbedingungen sowie an der gesamtwirt* aftlichm Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken, ie Arbeiter erhalten zur Wahrung ihrer sozialen nnd wirtschaftlichen Interessen nach Betrieben und Wirtschaft?» vielen gegliederte gesetzliche Vertretungen in Belüebslt> Bezirksarbeiterräten nnd einem Reichsarbeiterrat. Wiener Vtorgenzeitnntz Befreiung durch SGhatz ^Abonnement von 349 Wanzen Schwaben Russen Flöhen Läusen Ratten Mäusen Systematische Dnuer - Desinfektion einzelner Wohnr&uüie, Uavssr, Villen, ArbeiterkölOiiien sowie von Stallungen uew. «erlangen sie Kostenlose Auskunft. PEROLIN Win, XDL, FtUmUblpun 4. Telephon Nr, 82300 Telegramme „Pcrölinhof“ Die Bezirks arSeiterräte und der ReichSarbelterrat treten zur Erfüttuua der gesamtwirtschaftlichen Aufgaben und zue Mitwirkung vei der Ausführung der Sozialisierunasgesetze mit den Vertretungen der Unternehmer zu BezirkSwirtschastsräten und zu einem Reichswtttschaftsrat zusammen. Sozialpolitische und wirtschaftspvMische Gesetzentwürfe von grundlegender Bedeutung sollen von der Reichsregierung vor ihrer Einbringung beim Reichstag dem Rnchswirtschastsrüte zur Begutachtung vorgelegt werde«. Der Reichswirtschaftsrat hat das Recht, selbst solche Gesetze beim Reichstag zu beantragen, die ebenso wie Vorlagen der Reichsregrerurig oder des Reichstages zu behandeln sind. Den Arbeiter- und Wirtschaftsräten können und werde« Kontrolle und Verwaltungsbefugnisse übertragen werden. Aufbau und Aufgabe« der Arbeiter- und WmschaftSrttte sowie ihr Verhältnis zu anderen sozialen SelvstverwaltuttgSkörpern werden durch Reichsgesetz geregelt. Eine ausführliche Begründung wird dem Vorschläge beigegeben werden. Ruhe in Stuttgart. Stuttgart, 6. April. (Meldung des Wölfischen Bureaus.) Nach'einem amtlichen Beucht -er Staatsregterung von gestern abends ist die Regierung Herrin der Lage. Der Freitag ist vollständig ruhig verlaufen. Der Generalstreik der Spartakuslrute ist kläglich zusammengebrochen. Die Streikleitung ist bereits Donnerstag zum größten Teil verhaftet worden. Gegen die Henkersdienste der deutschen Freiwilligenverbünde.' Berlin, 6. April. Zn der -estrigen Versammlung der Groß*Berliner Arbeiterräte nnd der kommunalen Räte, die einen zum Teil stürmischen Berlünf nahm, wurden schließlich die von den Kommunisten gestellten Anträge angenommen, wonach die Vollversammlung jedem, der sich von den Freiwilligenvttbände« anwerben läßt, die schärfste Verachtung ausspricht und alle diejenigen, die in den Freiwilligenverhänden Henkerdienstc am deutschen Proletariat leisten, für unwürdig erklärt, in aller Zukunft noch mit ehrlichen deutschen Proletariem zusammen zu arbeiten. Die Versammlung fordert alle deutschen Proletarier auf, unverzüglich Beschlüsse in dem Sinne zu fassen, daß sie es ablehnen, mit ehemaligen Angehörigen der NoSke* garde zusammenzuarbeiten. Weiters fordert die Versammlung alle Groß-Berliner Proletarierauf, alle Geschäfte zu boykottieren, welche die Hetzplakate der Bereinigung zur Bekämpfung des Bolschewismus sowie die Werbeplasate der Keiwilligenverbände öffentlich anschlagen. Ferner wurde ein Antrag der Unabhängigen angenommen. Wonach die Versammlung in den Einwohnerwehren eine Gefahr für die Revolution ^erblickt. Zum Schutze gegen Plünderungen genüge auch eine Wehr, die von organisierten Arbeitern zu bilden sei. Einige Teilnehmer, die gegen diese Entschließung stimmten, wurden mit Psui- und Schmährufen bedacht. Regelung der Sprachenfrage in Ungarn. Budapest» 6. Tlpril. (Ung.Tel.-Korr.-Bm.) Eine Berordnung der ungarischen Räteregierung verfügt, daß jede Behörde verpflichtet ist, jede in ihr Ressort gehörende Eingabe, sei sie in welcher der iin Lande gebräuchlichen Sprachen immer abgesaßt, anznnehmen und die Erledigung in der Sprache der Eingabe mitzuteileu. ' . ' 7. April IM»*-. ' ’ . fSettF» 5 ■■■'■ .—...-- .y- ■«-- - 'A?. Hetze gegen Lloyd Georges Mäßigung. Amsterdam, 5. 2lpül. Wie der „Meuwe Rotier, vamsche Courant" aus London erfährt, setzt der Parise Korrespondent der „Times" seine Kritik an der ge. mäßigten Haltung L l o y d G e. o r g e § fort. Er schreibt: Lloyd George sei über die Wir.' kling seines letzten Angriffes auf die französische Preff« selbst erschrocken ttitb versuche jetzt eifrig, mit der> größten französischen Publizisten in Fühlung zr. kommen. Es werde aber mehr notwendig sein als allgemeine Erklärungen über die Solidarität der britischen und der sranzöstschen Ziele und Interessen, um dm Eindruck der prodeutschen Haltung Lloyd Georae° wieder zu beseitigen. * Sabotage und Höllenmaschinen. Stockholm, 6. April. Ein M o, s k a u e i? Funkspruch meldet, daß die außerordentlichr Kommission in Petersburg eine neue Verschwörung gegen die Sowietregierung aufgedeckt habe, welche zum Ziele hatte, durch Sprengungen, Zerstörungen unoFBrmdstistungen einen bewaffneten Aufstand zu organisieren. Unter anderem sollen Agenten des Admirals K o l t s ch a k versucht haben, die W a s f e r st a t i o n in Petersburg in die Luft zu sprengen. Bei Fortschaffung der ausgefiurdenen Höllenmaschine wutve eine Anzahl Roter Soldaten verwundet.. Inland. Die Liiitderkonsereirz. Die Länderkönsttenz zog gestem die Frage der Regelung des Einreise- und Svmmerverkehrs in Verhandlung. StaMmetür Dr. Lö e w enfeld - Ruß verwies aus. die von mehreren Ländern erlassenen Ver« orduurgr«, durch die die Einreise in die betreffende« Gebiete <m besondere Bewilligungen geknüpft und Auseythaltsbeschränküngen und Verbote verfügt werden können. Abgesehen davon, baß diese Verordnungen gegen die gesetzlich gewährleistete Freizügigkeit verstoßen, werde durch diese Verfügungen der großstädtischen, insbesondere der Wiener Bevölkerung die unentbehrliche Möglichkeit der Erholung und Berbefierung der Ernährung rm Wege eines zeitweise« Landaufenthaltes genommen. Es seien nicht nur die bemittelten Klassen, sondern aüch der Mittelstand und Arbeiterfamilien, welche, vielfach bei ländlichen Bekannten und Verwandten, insbessttdere für ihre Kinder, auf dem Lande die Möglichkeit einer verbesserten Lebenshaltung suchen. Bei der Lebensmittel not in Wien und der erfchrecken* denUnterernährnng derKinder feienfolche Prohibitivmaßnahmen eine schwereGefahr für die Wiener Bevölkerung. Reise- und Aufenthaltsbeschränkungen seien'nur gegm jene Personen anzuwenden, die im Verdachte des Schleichhandel- oder der gewerbsmäßigen Verschleppung von Lebensmitteln stehen oder dessen überwiesen sind; hiegegen können Einwendungen nicht erhoben werden. Dagegm sei der Landausenthalt der großstädtischen Bevölkerung keinen schikanösen Beschränkungen zu unterwerfen und lediglich Ueberwachungs- und Kontrollmaßnähmen dmch die lokalen Faktoren vorzukehren, welche das Hamstem und Hinaustreiben der Preise verhindern. Um in Gemeinden, welche selbst nicht über genügende Lebensmittel verfügen, eine Schädigung der hemischrn Bevölkerung zu vermeiden, wäre den betreffenden Gemeinden daS Recht emzuräümen, mit behördlicher Genehmigung die Ausstellung von Lebensmittelkarten an Ortsfremde abzulehnen; es wäre dann Vorsorge zu treffen^ baß die rayoniertm Lebensmittel den auf dem Lande befindlichen Personen aus ihrem ständigen Wohnsitze nachgesendet werden können. In dieser Weise könnte den scheinbar entgegengesetzten Interessen der städtischen und ländlichen Bevölkerung Rechnung getragen werden. Für die d.*ö. Heilbäder werde durch Zuweisung der wichtigsten Lebensmittel, wenn auch in beschränktem Ausmaße, vorgesorgt werden, so daß bei rechtzeitiger Anmeldung der Besuch dieser Heilbäder gesichert werden kann. Für diese Orte werden noch besondere Vorschriften erlaffen werden. StaatSkanzler Dr. Renner hält es für zweck- Mäßig, dmch die GtaatSregierung auf Grund des Ermächti-' «maSgesetzes eine BollzugSanweisung hinauszugeben, die un Entwurf den Landesregierungen zur baldigsten Rückäußerung übermittelt werden soll. Die Bollzugsanweisuttg, durch die der Reiseverkehr geregelt werden soll, hätte die Landesregierungen zn ermächttgm, im Rahmen des Landes solche Vorschriften zu erlaffen, die sie für notwendig erachten. , Den Inhalt der Vollzngsanweisnng stizziert der Staatskanzler dahin, daß für diejenigen, die den wirtschaftüchen Grund ihrer Reise bescheinigen, etwa Reiseiegitjmationen eingeführt werden dürften. Weiters müßte der Sommerverkehr geregelt werden, wobei jedoch namentlich den Touristen nnd Schülern keine Beschränkung auferlegt werden soll. WaS das Änssuchen von Sommerfrischen anbelangt, so ist dieses für die großstädtische, namentlich die Wiener Bevölkerung ein nnabweisliches Bedürfnis, dem unter allen Umständen Rechnung getragen werden muß. Oberst Ennningham. Der Chef der englischen MllitärmMvu iu Wien, Oberst Cunningham, der am Freitag gleichzeitig mit General Smuts nach Budapest abgerciit war, ist gestem früh wieder hier eingetrvffen.