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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-07 · Heft 79 (7.4.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 79 (7.4.1919)
Date
1919-04-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Men, Montag Wiener Morgenzeitung /. April 1919 Nr. 79 Selbstbestimmung für Deutsch-Südtirol. Im Militärkasino fand vorgestern eine Versammlung des Deutschen Städtebundes statt, in welcher^ für D e u t s ch - S ü d t i r o I die Selbstbestimmung gefordert wurde. Der Abgeordnete S t r a f f n e r (großdeutsch) erklärte unter lebhaftem Beifall: Sollte auf der Friedenskonferenz die Entscheidung im italienischen Sinne fallen, dann wird in Deutsch-Südtirol eine Irredenta entstehen, gegen die das Jahr 1809 das reinste Kinderspiel war. Anilin für österreichische Banknote«. Das Berliner Wolff-Bureau berichtet: Vom General N o u d a n t ist eine Note eingegangen, wonach das Gesuch um Freigabe von Anilinfarbe der Ludwigshafener Fabrik nach Oe st erreich für den Druck ö st e rr e i ch i f ch e r Banknoten an die Wirtschaftsabteilung der VIII. ftanzösischen Armee zu richten sei, welche es einer wohlwollenden Prüfung unterziehen werde. _ . Tagesbericht. Massenversammlung der städtischen Angestellten. Lohnforderungen und Dienstreform. Gestern vormittags fand im Zirkus Busch eine von 17.000 Personen besuchte Massenversammlung der städtischen Angestellten aller Kategorien einschließlich der Lehrerschaft statt. Da der Saal die große Zahl der Erschienenen nicht zu fassen vermochte, fanden gleichzeitig in der Venedigerau hinter dem Zirkusgebäude noch zwei Paralleloersammlungen statt. Unter den Anwesenden befanden sich auch die Gememderäte B e r m a n n, B r e itn e r, Dr. G r ü n, Morßl, Schön und V a u g o i n,. den Vorsitz führte der Präsident des Verbandes der ftädttschen Angestellten Hermann Schulz. Die Verhandlungen, die die Derbandsleitung mit dem Gemeinderatskomitee gepflogen, haben folgende Ergebnisse gehabt: Verdoppelungdes Grundgehaltes unterBelassungdessrüherenQuartierg e l d e s, st u f e n w e i s e a u t o m a t i s ch e V o rrückung und Beschleunigung derVorrückungs fristen und gleichmäßige Teuerungszulagen von 2400 Kronen jährlich und 480 Kronen pro Kind. Die Erfüllung dieser Forderungen würde jährlich 88 Millionen ausmachen, dafür käme in Wegfall der Anschaffungsbeitrag mit 23 Millionen, so daß ein Mehraufwand von 55 Millionen Kronen zu bedecken wäre. Vorsitzender Schulz erläuterte die Forderungen und berichtete über den Stand der Verhandlungen. Es handle sich hierbei um 22.000 Angestellte des Magistrats und der Humanitätsanstalten einschließlich der 10.000 Lehrer; außer Bettacht bleiben hierbei die ftädttschen Unternehmungen. Wetters verlangt die Versammlung die umgehende Erledigung der a l l g e m e i n en Dienstordnung. Sie fordert, daß die Vorlage bezüglich der Gehalts¬ und Lohnregulierung und der Reform der Dienstordnun g umgehend demStadtrate unterb rettet und von diesem zeitgerecht erledigt wird, daß der Gemeinderat innerhalb acht Tagen nach Vorlage der Entwürfe an den Stadttat einen definitiven Beschluß zu fassen in der Lage ist. Stadtrat Vaugoin teilte mit, daß das Gemeinderatskomttee seit Monaten an der Arbett sei, um die Frage zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Gemeinderat B r e i t n e r erklärte, die sozialdemokratische Partei werde niemals zugeben, daß den städtischen Beamten das Recht auf Existenz entzogen werde, so groß die Kosten auch sein mögen. Gemeinderat M o i ß l betonte, d a ß a u ch die Forderungen der geistigen Arb ei er berechtigt seien und ebenso erfüllt w erden müssen, wie jene der manuelle n. Nach einer kurzen Debatte wurde die Resolutrott in allen drei Versammlungen einstimmig angenommen. I Streik der städtischen Sanitätsaugestellten? > Eine Gruppe unter den städtischen Angestellten, das Sanitätspersonal, scheint nicht gewillt zu sein, die der Gemeinde Wien für die Erfüllung der Forderungen gestellte achttägige Frist zu respektieren, sondern hat den Beschluß gefaßt, heute um 7 Uhr morgens in den Streik zu treten, falls ihre Forderungen keine zureichende Berücksichtigung erfahren sollten. Die Entscheidung soll noch im Lause der Nacht fallen in den Beratungen zwischen den VertrauensMännem der Sanitätsangestellten und den Vertretern der Gemeinde Wien. ____ Tuberkulosentag. Der erste österreichische Tuberkulosentag nach dem Kriege brachte in den Schilderungen der Fachmänner fast durchwegs Feststellungen über die ungeheuren Verheerungen, die der Krieg und die Hungerblockade an der Volksgesundheit angerichtet haben, namentlich in Wien. Die Beratungen begannen Sonntag vormittags im Saale der Gesellschaft der Aerzte. Der bisherige Staatssekretär für Gesundheitspflege, Sektionschef Pros. Kaup, gab ein erschütterndes Bild des Ansteigens der Tuberkulose, die im Kriege um 40 Prozent mehr Todesopfer forderte. In Wien stieg sie um fast 100 Prozent; am stärksten traf sie die 16- bis 20jährigen (160 Prozent). Nun war allerdings schon im Vorjahre die Zahl der Heilanstalten von 9 auf etwa 60 in Oesterreich gestiegen, von denen auch Deutschösterreich Linnen kurzem 45 mit 4700 Betten zur Verfügung stehen werden. Dazu kommen noch die Anstalten' für chirurgische Tuberkulose. All das genügt aber nicht, und die begonnenen und geplanten Anstalten müffen möglichst schnell fertiggestellt werden. Dozent Dr. Teleky legte der Versammlung eine Tab eile vor, die die T odesfälle der Wiener Zivilbevölkerung an Tuberkulose in den Knegsjahren aufzeigt. Von 6000 im Jahre 1914 sind wir 1918 aus fast 9000 gelangt; davon sind 4900 statt 2700 Frauen, also eine Steigerung von 80 Prozent, während die Steigerung im Kindesalter 80 bis 120 Prozent beträgt. Noch nie sind in Wien so viele Menschen an Tuberkulose gestorben wieI917 und 1918, das Militär nicht eingerechnet. Prof. S p i tz y schildert aus seiner reichen Erfahrung die Not der ärmsten Kinder, die mit Knochenuud Gelenkstuberkulose täglich von Spital zu Spital vergeblich getragen werden, da es an Betten mangelt. Da sie Aufenthalt in Luft und Sonne brauchen, sind Behaudlungsstätten für sie dringend nötig. Die Behörden mögen den Verein „Sonnenheilstätten* in Niederösterreich unterstützen, aber auch wenigstens Provisorien gegen das momentane Elend schaffen. Einen Hauptgegenstand der Beratung bildeten die Für sorge stellen und ihr Bettieb. Hierüber sprach zunächst Dr. Alfred Götzl (Wien), der die allgemeine Regelung durch die Erläffe vom Jahxe 1917 erörterte, die die staatliche Beitragsl e i st u n g aussprechen. Deutschösterreich hat jetzt 40 Stellen, doch ist die Zahl viel zu gering, und die autonomen Faktoren, namentlich die Gemeinden, müffen zu Neugründungen schreiten. Der Tuberkulonsetag nahm hierauf eine Entschließung an, in der es heißt: «Die an der Tuberkulosebekämpfung beteiligten Körperschaften, Aerzte und Fürsorgeschwestern, die schaudernd sehen, wie seit Monaten die durch die Hungersnot furchtbar um sich greifende Tuberkulose in wachsender' Zahl Opfer fordert, wie sie Kittder und Jugendliche schwächt und so auf Jahrzehnte hinaus die Volksgesundheit schädigt, verlangen im Namen der Menschlichkeit, daß diesem furchtbaren Hungerkrieg gegen ein wehrloses Volk, gegen Frauen und Kinder, ein Ende gemacht wird, daß Deutschösterreich und dem Übrigen Deutschland durch Aufhebung der Berkehrsbeschränkungen, durch Verstellung der nötigen Lebensmittel und Transportmittel die Möglichkeit geboten wird, seine Bevölkerung in ausreichendem Maße zu ernähren. Diese Entschtteßung wird der Entente durch die Wiener LebenSmittelkommission der Alliierten Überreicht werde«. Die Sparmaßnahmen. Die von uns gestern gemeldete teilweise Aushebung der Einschränkungen im Gasverbrauch wird heute in einer offiziellen Dollzugsanweisung der mederösterreichischen Landesregierung Lundgemacht. Damach wird ab morgen wieder der 7-Uhr-Laden- ' schluß eingeführt, die Gasthäuser hatten bis 9 Uhl (nach Einführung der Sommerzett am 28. d. M. bis 10 Uhr), die Kaffeehäuser bis 10 Uhr (respekttot 11 Uhr) offen. Die Haustore werden erst um 9 Uhl (ab 28. d. M. um 10 Uhr) gesperrt. Die Theater; Varietes und Kinos dürfen täglich spielen. . Die aufgehobenen Sparmaßnahmen waren fett 4. Dezember 1918 in Kraft. Dr. Edmund Wengraf Präsident der „Coneordia" Gestern vormittags fand die Generalversammlung des Journalisten- und Schnftstcllerveremes „Concordia" statt. Nach lebhafter Debatte, in der. auch an der Tätigkeit des abtretender Vorstandes scharfe Kritik geübt wurde, wählte die Versammlung an Stelle bcfl bisherigen Präsidenten Dr. Ehrlich Herrv Chesredakleur Dr. Edmund Wengraf. — Der neugewählt« Präsident erfreut sich als ausgezeichneter Publizist in Journalistenkreisen allgemeiner Wertschätzung. Er hat sich um die organü satorischen und Standesfragen der Journalisten große Verdienst« erworben, die in seiner Wahl zum Präsidenten ihre Anerkennung finden. Rom und Jerusalem. Die lebte Nationalitätenfrage Das berühmte Buch von Moses Heß ist durch eine in Löwlts Jüdischen Handbüchern erschienene billige Taschenausgabe endlich wieder den wetteren jüdischen Schichten zugänglich gemacht. (Preis K 5.94) — Hugo Bergmann, der diese Ausgabe einleitet, betont Heß' Stellung zur jüdischen Religiosität, die ihm für viele von uns, die den Anschluß an die Substanz des Judentums, seine Tradition, suchen, ohne Opfer dem Intellekt bringen zu können, verbildlicht schont. — Zu beziehen, durch R. Löwit, Wien, ' Rotenturmstraße 22. _ Der Marktbericht. Die Beschickung der Märkte siel gestern Sonntag besonders schlecht aus. D-e Großmarkthalle blieb mangels Vorräte gänzlich geschlossen. Die G r ü n w a r e n m a r k 1 e waren noch ungünstiger als sonst beschickt. Nicht einmal NUben wurden in nennenswerten Mengen neu zugesübrt. Spinat war fast nicht, Salat nur in ganz kleinen Mengen angcboten. Eier fehlten. Was ist in dieser Woche erhältlich? Fettstoff: 6 Dekagramm amerikanischer S p e ck zu K 1.68 ab Mittwoch; als Zubuße pro Kops ein Achtelkilogramm Bohnen zum Preise von K 1.— auf den Fleischscheim Unterzündholz5 Kilogramm auf den Fleischschem» Sport. Länderwettkampf Deutschösterreich-- Ungarn. gl Die Ungarn siegen 2 :1 (Halbzeit 1:1). Budapest, 6. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Vac einer nahezu 50.000köpfigen Zuschauermenge fand gestern auf dem F. T. C.-Platze in Budapest der erste Länderwettkampf Deutschösterreich gegen Ungarn statt.' Obwohl die Wiener das Wettspiel mit mehreren Ersatzleuten bestreiten mußten, vollbrachten sie dennoch eine sehr gute Leistung und verdient ihr Abschneiden volle Anerkennung. j Vor Beginn des Spieles hielten mehrere Sozia» listenführer Reden, in welchen sie die Anwesendes welche zum großen Teil aus Proletariem bestanden, zum Eintritt in die Rote Armee aufforderten. Sodann sang ein Arbeitergesangchor die Marseillaise. > Hierauf begann das Spiel. Die Wiener Reprasen^ tattvmannschast zeichnete sich durch prächtiges Zu» sammenspiel aus. Sie griff dreimal heftig an und es gelang ihr, in der 22. Minute ein Goal zu schießen^ Dieses wurde aber von der ungarischen Mannschaft ausgeglichen, so daß die Halbzett 1:1 schloß. In dev zweiten Hälfte gelang es der ungarischen Mannschaft ein zweites Goal zu erzielen. Endergebnis: 2:1 zu-! gunsten der Ungarn. Leichtathletische Wettbewerbe auf der Hohe« Warte. | Die Vienna brachte gestern auf ihrem Spottplatz Wettbewerbe für Junioren und Neulinge zur AustragMg, die sich einer sehr guten Beteiligung erfreuten Md auch annehmbare Resultate zeitigten. Nachstehend dir genaue« Ergebnisse.! Junioren: Laufen über 60 Meter na äj 2 Vorläufen: U. Lederer (W. A. C. 7*4)1. A. Fischer (W. A. (L TS) 2. — D iskus w ersen: K. Klamberger (W. A. C. 32*28) 1. F. Weinzinger (W. A. C. 27*09) 2. — Laufen über 400 Meter: L. Mannsfeld (W. A. F. 1: 0*1) 1. F. Schwarzinger (28. A. F. 1 : 1*2) 2. Neulinge: Hochsprung: O. Weinzingev (Vienna 1*55) 1. — Speerwerfen: K. Klambauer (W. A. C. 37*73). 1. Karl Karlik (Vienna 35*86). 2. K u g e l st o ß e n: K. Klambauer (W. A. C. 10*16) i. — Weitsprung: U. Lederer (5*84) 1. F. Wertheimer (Hakoah 5*22) 2. — Laufen über 10 0 0 Meterr F. Schramm (Vienna 3*08.8) 1. O. Bierbrauer (W. A. F. 3*09)2. LRiememii Heult! geil tiglltlil K&rffTLrgj Beginn präz. 7 Uhr. finde 10 Uhr. 255 0. K. VHMmnr Kunst- und Gemälde-Salon E. WENDLINGER Tägliche Besichtigung. I., Führichgasse 10. 388 WIRKWAREN, ALBERT MATZNER, Wien, I., Kohlmessergasse 8 Separiert«» Sprechzimmer n., SedLBSoihLiraxcielgrsLese 21 KAUFE n Falsche Zähne m Warn IHH bis K 12»— per Stück. Rl*SIEj9n,t AMI Gebisse G.,Golduhren, Perlen bis K 26,- p. G. Platin, Silber, Essbestecke UM* ZU HÖCHSTEN PREISEN. ££££«£ A4 SNAX R E I S KI N, ß X., SechschimmeStfasse 1 Provinze ufträge schriftlich f?.8? Ein Besuch Überzeugt Reflektanten auf ein komplett eingerichtetes Bureau im 5. Bezirk mögen ihre Offerte unter „5000“ an die Adm. d. Blattes senden. -iss Grubenwinde mit 54 m langemDrahtfeit, eine Schrotmühle, 1V0 Karbidlampen» billig abzugeben. 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