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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-07 · Heft 79 (7.4.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 79 (7.4.1919)
Date
1919-04-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sekte 2 Men, Montag Wiener Morgetrzekümg General Smuts in Budapest. Eta« neue Demarkationslinie. — Keine Festsetzung der Politischen Grenzen. — Smuts will die Blockade ansheben. — Konferenz der Nationalstaaten in Prag oder Wien. — Ungarn wünscht die Aufnahme des diplomatischen Verkehr«» . mit den Nationalstaaten. Die ungarische Regierung veröffentlicht den Wortlaut der mit General SMuts, dem offiziellen Vertreter der Friedenskonferenz, gewechselten Noten. Angenehm berührt an diesen Amen de/ warme freundschaftliche Ton der Verhandlungen. Meritorisch kommt General Smuts, der ja aus der Zeit seiner VermittlungstätigKeiL zwischen Buren und Engländern mit derartigen Fragen pertraut ist, der ungarischen Räterepublik ziemlich 'weit' entgegen und will sogar m Paris die Aufhebung der gegen Ungarn neuMngs verfügten Blockade beantragen, Die von ibm festgesetzte Demarkationslinie, die. oüs Gebiet Ungarns nur militärisch, aber. nicht politisch abgrenzen soll, hebt die durch den Oberstleutnant Vir verfügte Abschnürung von DebreeM wieder auf. Außerdem erklärt sich Smuts bereit/ dir von Ungarn verlangte Konferenz sämtlicher Nationalstaaten der ehemaligen Monarchie'in Paris zu befürworten, welche sich noch vor der Entscheidung der Friedenskonferenz iiber die Fragen der Grenzregulierung und der wirtschaftlichen Neuordnung einigen soll. Hier zeigt sich der Weg, wenigstens die Annexionen und Kleinkriege der mitteleuropäischen Staaten einzustellen und dem unsinnigen Blutvergießen, gegen das die Friedenskonferenz zweimal vergeblich Einspruch erhoben hatte; ein Ende zu machen. . Die Antwort der ungarischen Regierung nimmt im großen und ganzen die Vorschläge des Generals Smuts an. Doch scheint es zweifelhaft, ob die Entente den von Ungarn verlangten freien Transitverkehr in Siebenbürgen und die wirtschaftliche Vertretung Ungarns, bet den Nationalstaaten zugeftehen wird. Das Mißtrauen der Ententestaaten gegen den Bolschewismus wird in. diesen, beiden Vorschlägen den Versuch erblicken^ exterritoriale Missionen Ungarns Leninscher Richtung in den Hauptstädten der Nationalstaaten zu errichten und so der russischen Agitation immer weiteres Terrain zu erschließen. Demgemäß würde auch die Forderung, daß in der neutralen Zone, vor allem aber in Szegedin und in Arad, die Räteversassung herzustellen sei, kaum aus das Wohlwollen der Entente ■ rechnen können. Hervorzuheben ist die BereitwilligkeitUngarns, das Vermögen fremder Staatsangehöriger (daß die. Note von „Untertanen" spricht, dürfte wohl! nur ein ' Übersetzungsfehler sein) unter besonderen Schutz zu stellen. Nachstehend -die ungarische amtliche Meldung: Budapest, 6. April. Das Ungarische Telegraphen - Korrespondenzbnreaü veröffentlicht folgenden Notenwechsel: General Smuts hat am 4. April der ungarischen Räterepublik folgendes beantragt: „1. Die ungarische Regierung ist b-reit, alle ungarischen Truppen und alle bewaffnete Macht westlich von folgender Linie zurückzüfiehen: Pie Linie verläßt drei Kilometer östlich von Mako die Maros und läuft drei Kilometer östlich an Tot-Komlos, Bekes-Csaba und Bekes, ferner von der Berettyo-Szent-Martoner Straßenkreuzung, streicht dann 15 Kilometer östlich von Debreczin und von dort nordöstlich schwenkend durchschneidet sie einen 5 Kilometer westlich von Nagy-Eesed gelegenen Punkt und erreicht den Fluß Samos nördlich von Nagy-Ecsed. 2. Sämtliche rumänische Truppen erhalten den Befehl, über ihre gegenwärtigen Stellungen nicht vorzudringen. 3. Das Gebiet, weiches zwischen der im § 1 bezeichneten Linie und der gegenwärtigen Front des rumänischen Heeres liegt, ist als neutrale Zone zu betrachten und durch verbündete Streitkräfte, und zwar durch englische, französische, italienische und wenn möglich amerikanische Truppen zu besetzen. 4. Die ungarische. Regierung nimmt die Bedingungen der militärischen Konvention an, welche von der früheren ungarischen Regierung mit der Entente und den alliierten Mächten am 13. November 1918 abgeschlossen wurde, und hält an ihnen fest. Ferner nimmt sie die Bedingungen des am 3. November 1919 abgeschlossenen Waffenstillstandsvertrages an und hält an ihnen fest. 5. Es wird mit Bestimmtheit erklärt, daß die beschriebene Demarkationslinie keinen Einfluß ausübt auf die in den ev entuellen Friedensbedingung en festzustellende GebietSre gelang. 6. General Smuts wird den in Paris versammelten Großmächten beantragen, dieBlockade Ungarns sofort aufznheben und Erleichterungen ins Leben treten zu lassen, damit die sofortige Einfuhr erstrangiger Bedarfsartikel, vornehmlich Fett und Kohle, nach Ungarn ermöglicht werde. 7. General Smuts wird ferner den in Paris versammelten Großmächten beantragen, bevor sie die politische Grenze Ungarn? im Friedensvertrag endgültig feststellen, die bevollmächtigten Vertreter der ungarischen Regierung einzuladen, damit sie ihren Standpunkt in der Grenzsrage und in allen daraus entstehenden Wirtschaftlichen Fragen in einer Konferenz darlegen können, die u ri t er B orsitz einesVertrsters der. Großmächte mit den Vertretern der Tschecho-Slowakei, Rumäniens, Augof fta Wiens u nll'D e u t s ch ö st e r r e i ch S avgehalten würde. * Budapest, am 6. April 1919.' » . Die ungarische MkmgierUNg richtete hierauf folgende Note an General Smuts: „Herr General! Im Namen des Revolutionären regierenden Rates der ungarländischen Räterepublik sprechen wir Ihnen unseren Dank für mi ZtlvorkomNWheit und das Wohlwollen aus, welches sich von Ihrer Seite aus Anlaß der im Aufträge der Entente mit uns geführten Beratungen kundgeben. Dessen UNützüchtst fiüß wir. bemüßigt zu erklären, daß die überreichten Beding gUngen so geartet sind, daß sie nur als Befehl von Men angenommen werden könnten, die unter diesen Bedingungen die Regierung der Landes zu übernehmen geneigt wäre«. Indem wir uns dennoch auf das Wohlwollen stutzen, baß sich von Ihrer Seite, Herr General, für uns in Ulme« wohnter Weise kundgab, bitten wir Sie, bei den Regierungen der. Ententemächte unsere nachstehenden Vorschläge zü verdolmetschen: 1. Eine neutrale Zone zu schaffen ist auch biö gegenwärtige Regieruug der ungarischen Räterepublik geneigt, allein bloß in dem Falle» wenn dis Grenze der neutralen Zone von der gegenwärtigen BefestigüngSlimS nicht nur wesentlich bis zu der von Ihnen, Herr General, bezeichneten Grenze verschöben wird, sondern'auch Mich bis -zur Maroslinie, die von der lm November 1918 geschlossenen Militärksnvention als Demarkationslinie bezeichnet wird und die durch Befehl 988 des Generals Besan willkürlich und einseitig zum unersetzlichen Schaden unseres Wirtschaftslebens geändert wurde. (Zuschrift Nr. 384 des Oberstleutnants Bix vom 16. Dez. 1918.) A. Auf jenem Teil der neutralen Zone, t der von unseren Truppen zu räumen und auch im Sinne des Antrages des Herrn Generals durch internationale, b. h. englische, italienische, französische und eventuell amerikanische Truppen zu besetzen^ wäre, bleibt die Verfassung der ungari'chen Räterepublik in Geltung und es erfolgt "keinerlei Einmischung in die hierdurch geschaffenen wiAschastlichen und sozialen Verhältnisse. SelbstverstäiMch wäre demnach in Szegedin und in Arad die Verfassung der Räterepublik wieder, hiüzustellen. Entsprechend den Grundprinzipien, auf denen die Verfassung der ungarischen ^Räterepublik beruht, wäre natürlich kein Hindernis vorhanden, daß die Verwaltung in der Muttersprache der Bevölkerung geführt wird. B. Vollster, von jeder Einschränkung freier Verkehr von dem Gebiete der neutralen Zone sowohl nach der Richtung der ungarische Räterepublik als nach dem rumänischen Königreich. C. Freier Transitverkehr auf den vom rumänischen Königreich besetzt gehaltenen siebenbürgischen Gebieten. 2. Wir ersuchen um gleichzeitige vollständige Aufhebung der Blockade und Versorgung der Räterepublik mit Kohle und Fett. 3. Wir ersuchen, die von uns vorgeschlagene und auch von Ihnen, Herr General, - befürwortete K o it* ferenz einzuberufen, welche, sich aus Vertretern der ungarischen Räterepublik, Böhmens, Rumäniens, Serbiens, Jugoslawiens und DeutschösterreichS bildend, parallel mit den Verhandlungen der Pariser Friedenskonferenz tunlichst in Prag oder in Wien so rasch als möglich zusammentreten soll und nicht nur die politischen Grenzen feststellen, sondern auch sämtliche zu dieser Frage auftauchende» wirtschaftlichen Fragen regeln würde. Im Zusammenhang damit erklären wir aufs entschiedenste, daß die ungarländische Räterepublik' nicht auf dem Grundsatz der Gebietsintegrität sieht, jedoch die Lösung von Gebietsfragen auf Grund imperialistischer Eroberung verabscheut. 4. Wir ersuchen zu ermöglichen, daß. wir sowohl m den aufgezählten wie auch in den übrigen Ländern wirtschaftliche Vertretungen unterhalten können und andererseits auch die. auswärtigen Staaten für eine entsprechende wirtschaftliche Vertretung auf dem Gebiete der ungarländischen Räterepublik sorgen können. 5. Wir ersuchen, daß die Ententemächte sofort Sorge tragen für die Einstellung der barbarischen Verfolgungen. die in den besetzten Gebieten gegenüber jeder Art Mn Arbeiterbewegung begangen werden. Indem wir all dies achtungsvoll unterbreiten, erinnern wir Sie, Herr General, daran, daß unsere Regierung nicht nur eine Verordnung über den besonderen Schutz der Person fremder Untertanen erlassen hat, sondern sich auch bereit zeigte, auch dem Vermögen fremder Untertanen besonderen Schutz angedeihen zu lassen. Emp'angen Sie, Herr General, den, Ausdruck unserer aufrichtigen und ausgezeichneten Wertschätzung. G a r b a i, Präsident. — Bela K it h n, Bolksbealiftrager für Aeußeres." 7. GÄ 1919' Ar. 79/ ) PolitischeRundschim. Die Deamtermot.; Ein Supplent ist vor einigen Tagen verhungert. Er blickte auf eine langjährige Dienstzeit zurück und bezog dafür einen Bettolgehali, der, wie cs heißt-' durch ungerechtfertigt« Abzüge veranlaßt war, aber auch in „irormskw" Höhe zum Leben nicht gereicht hätte. Der Mann tat den gleichen Bienst wie Var. Jugend-' bildner, der mit dem schönen Titel eines Krofessars prunkt, und wenn er Weib mrd Kinder hat, tMtz ,seiner höheren Bezüge vielleicht nicht weniger hungert als der Arm«, der eines zeitgemäßen Todes gestorben ist. Das Supplentenelend ist nun eine allzu bekannte Angelegenheit, als daß es darüber neuer Worte bedürfte/ und die Presse hat in der Besprechung des Falles darauf, hingcwiesen, wie unwürdig es ist, baß man Leute mit akademischen Studien,' denen man die gleiche Arbeit und BorantwsMng aufvrlegt, wie Ihren definitiv angestellten Kollegen, jahrelang unter den unwürdigsten Bedingungen schuften läßt. Auch daß studierte Deute, deren StudiM ein kleines Vermögen gekostet haben, unter Gehaltsbedingungen arbeiten, die ein Straßenkehrer entrüstet von sich Wiese, ist entsprechend vermerkt Worden. j lieber alle diese bstrüblichen Konstatierungen aber lassen sich aus Anlaß dieses Falles etkichs Mh« Mn. zipielle Betrachtungen anstelbsn: Die durch den Krwg hervorgsrufen« Teuerung, welcher der ßspflos.gewordene Dürchhalterstaat hoffnungslos nachhüikte, hat diL Not dos Beamten ins Ungemesssne gesteigert, über Lina Beambsnnot hat SS in Krichenszsit ebenso gegeben. Im besten Falle rttußis der .Beamte, wenn er nicht zufällig vermögend war, den Kreuzer dreimal wenden, oh« er sich zur nötigsten Ausgabe entschloß. KanuKrank. heit oder sonst ein Unglück über ihn oder ein Mitglied seiner Familie so bedeutete das eine Verschuldung vst von Jahren. Von der Befriedigung irMdsineS Bedürfnisses höherer Art, das einem studiert»» Kultur-' msnfchrn. zumindest ebenso zuftrht ww irgendeinem. Jobber, konnte kein« Rede sein. Go lebten Tausende von Menschen mit ihren Familien, Menschen, denen brr Staat die wichtigsten Funktionen anvertraut hatte. Durch die Hände schlechtgekbeldrter Postbeamten ließ man Millionen gleiten, armselige G-ruereiMwhmer. gewannen Einblick in , Rresengewinne, schbechtgezahlte Richter übten kraft ihres Amtes eine ungeheure Macht Und entschieden über Beträge, die das Vielfache von dem ausmachten, was sie in ihrem ganzen Leben erwarben. In armselige Rangsklassen eingekeilte Erziehungsbeamte erzogen die. Kinder der oberen und obersten Zehntausend zu guten und verläßlichen Bürgern und Stützen der bestehenden Ordnung. Polizeichvfs, Staatsanwälte und vielfach auch Offiziere hatten keinen Anteil an den Annehmlichkeiten dieser Welt. Leute, denen man die kostbarsten Güter des Staates und der Gesellschaft anvertraute, die sogenannt kostbarsten wie Erziehung und Rechtsprechung, und die wirklich höchstgeschätzten wie die Millionen, wurden gehalten wie Sklaven, und statt sich gegen eine sie entrechtende Ordnung zu empören, drängten sie sich an die dürftig? Krippe. Man muß diesen Gedanken völlig zu Ende denken, um sich der ganzen Absurdität solcher Verhältnisse bewußt zu werden. Wie konnte der Staat eine so unendliche Machtfülle in die Hände einer Kategorie legen, die nach all der Behandlung, die ihr zuteil wurde, ein Element beständiger und wachsender Unzufriedenheit sein mußte? Man müßte dieses Verhalten für eine unglaubliche Naivität des alten Machtstaates halten, wenn ihm die Ereignisse nicht so unbedingt Recht gegeben hätte». Denn alle diese Klassen von ausgebeutetm IniMk^ hielte« erwiesen sich als die stärkste Stütze d^r Ordnung, sie waren die starken Säulen, aus denen das Staatsgebaude ruhte. Es scheint also, daß der Staat seiner Leute durchaus sicher war und daß er wußte, was er tat. Nun muß man aber fragen, wer eigentlich dieser „Staat" ist, der an allem die Schuld haben soll, für alle Sünden herhalten muß, der große Unbekannte, der alles Gute und Böse schafft. Er ist ein proteusartiges Wesen, das in alle gesellschaftlichen Beziehungen seiner Bürger eingreift,^ sich in tauend Formen und Organen darstellt und "doch ewig unsichtbar bleibt. Wo also konzentrierte sich seine Macht? In den Händen des Herrschers oder des Hofes, des Militärs, der Minister, des. herrschenden Kapitals oder der B^rmtenfchaft? Oder war es nicht vielmehr das gesamte Widerspiel her verschiedenen Kräfte, aus denen sich die eine große Resultante ergab, die man nuter dem Begriff der Staatsmacht zusammenfaßt? Jedenfalls steht es fest, daß diese Macht für ihre Selbsterhaltung der verläßlichen Organe bedarf, ohne welch; sie nicht bestehen kann. Und diese Organe bildet eben-dir' große Klasse der Beamtenschaft^ In Verfolgung solcher Gedau'kengäuge kömmt r.ioii zu Konstatierungen, die.ebenso -überraschend wie ditV.ri) sind. Wie der Irrtum, her materialistischen .Geschichiaauffassung die Arbeiterpartei gehindert hat, von ihr?r Macht den rechten Gebrauch zu macheil, so hat die Herrschaft einer rückständigen Ideologieden Beamten zu>» entmündigten Diener einer'ihm feindlichen Gesellschaft'--' ordnung genlachl, die' zu erhalten ermit allen Knisttn bemüht war. Hi er-wie .dort aber war es eiuc Ideen'- > ßie* welche dmn alwn.SMm bttz zu jetoeut völlige«

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