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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-06 · Heft 78 (6.4.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 78 (6.4.1919)
Date
1919-04-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wlv. '•■'m Nr. 7d Men. Sonntag Wiener Morgenzettnng 6. .April 1919 Telegramme. Die Tschechen wollen das rnthenifche Ungarn annektieren. Prag» 6. April. (Tel.-Komp.) Minister S v e h l a erklärte einer bei ihm erschienenen Äbordnnna ungarisch er RuLhenen, daß alle Vorbereitungen zur Annexion des von ihnen bewohnten Gebietes getroffen find nnd dessen B esetznng erfolgen wird, sobald von Paris hie definitive Bekanntgabe betreffend die Absteckung der Grenzen einlangen wird» was nur noch eine Frage von einigen Lage» sei. ,' Bayern vor bet« Umsturz. Manchen, 5. April. (Korr.-Bur.) Die Lage ist sehr gespannt. Der Landtag» welcher am 8. April hätte Zusammentreten sollen, wird sich nicht versammeln, und zwar infolge des Einspruches des Zentral-- rates. Der Anstoß zur Veränderung der Lage scheint mmrittelüar aus Augsburg gekommen zu sein, wo . Donnerstag abends di« Parole „Ausrufung der Räterepublik in einer unter Borsitz des Präsidenten des Zentralrates Niektsch stattgesundenen Versammlung gegeben wurde und wo auch gestern ein Sympathiestreik für die Räterepublik sttkttgefirnden hat. Gestern weilte hier eine Abordnung des Arbeiter* Mid SoldatenrateS aus Augsburg und verhandelte mit dem Ministerium. Im Laufe des Nachmittags fand eine gemeinsame Beratung des Zentralrates mit dem Ministerrat statt. Der Zentralrat hielt hieraus eine bis in die Nacht währende Beratung ab. Der Landtag ist ganz . vusgeschaltet. Das Landtagsgebäude ist mit Maschinengewehren versehen, und zwar, wie die „Münchner Neuesten Nachrichten" bemerken, von einer Seite, die den Zusammentritt des Landtages nicht wünscht. Ministerpräsident Hoffman« ist nach Berlin pbgereist. ,A Die Münchner Kasernenräte haben gestern eine Versammlung abgehalte», in welcher nach der Mit- K Leitung vom Generalstreik ln Augsburg, die lebhafte Zustimmung fand, auch seitens der;%'$$, Münchner Garnison Stellung zu einem eventuellen Generalstrei.k genommen wurde. Es wurde solyends Resolution gefaßt: Die Münchner Garnison er- , ■ . klart, daß bei einem in München ausbrechenden Ge- -! neralstveik ihre Sympathien auf Seite der Arbeiter K4| stehen. Die Garnison bleibt neutral, Bereitschäften, wenn sie gestellt werden, dienen in erster AmJ'$ink dazu, die Arbeiterschaft zu schützen und Plünderungen zu verhüten. * :■ Im Hinblick auf die nach Blättermeldungen für den 8. angesetzte Wiedereinberufung des Landtages haben dis Kasernenräte folgenden ebenfalls einstimmig angenommenen Beschluß gefaßt: Die Versammlung beschließt anläßlich des Zusammentrittes des Landtages keine Bereitschaft zu stellen oder Schutzmaßnahmen zu treffen. MM ES werben jetzt Verhandlungen gepflogen, um alle °''^^sozialistischen Parteiendie Mhrheitsfozialisten, Unabhängigen und Kommunisten zu einer gemeinömeit revolutionären Ar betterpartei zuammenzuschließen. In Augsburg fand gestern ein Demvnstrationszug 'tatt, dem Tafeln mit der Aufschrift „Hoch die Rätepublik" vorangetragen wurden. Gestern fand im Münchner LSwenbrä« eiste Derammlung der unabhängigen sozialistischen Partei flott, tu welcher der Kommunist Dr. Da ölet folgende Miteilnng machte: Der Landtag wird nicht znfammentveten. WaS ist Augsburg begonnen wurde, wird tu München vollendet. Dw Aufgabe der nächsten Tage und Stund?» ist die Beseitigung der Parteien, die Einigkeit des ganzest Proletariats, Generalstreik, Ausrufung der Räterepublik und Verbrüderung mit dem russische» itnft ungarische» Proletariat. Der Präsident des ZtntralrateS Nie kr sch hielt arm eine längere Rede, in welcher er erklärte, daß der Landtag Überhaupt nicht mehr zusammentreten werde. Eiste Entschließung, die sich gegen die mehrheitsoztalisttschen Führer wendet, wurde, um die Einigkeit es Proletariats nicht zu stören, zurückgezogen. Pente vormittags tragen im HofbräuMer sämtliche LrbeiterauSschÜsse, Angestelltennnd BeamtenausschÜsst;tnb die Betriebsräte aller Verbände zu einer Sitzung usammen. Auf der Tagesordnung steht die politische age. Die Vorbereitung der Räterepublik. Auch di« Mehrheitssozialisten stimmen zu. ' Berlin, 6. April. Die „Bvssische Zeitung" meldet JfctS München: Die Räte haben die ganze Nacht über ^Sitzungen ab gehalten. Sie sollen beschlossen haben, führende Persönlichkeiten drS Bürgertums und der Presse zu verhaften. Auch das Kriegsministerium fift bon Räte truppen besetzt. WaS tatsächlich von den Räten gewollt wird, geht aüS einem Referat hervor, das Soldatenrat Klingelhöfer über die politische Lage erstattete. Die Räterepublik fglfc ohne jedes Blutvergießen proklamiert und ohne jede wilde Sozialisierung durchgeführt werden. Die Ausgabe der BetkiebSrät« «uv Angrstrlltenausschüsse sei eft. dafür zu sorgen, daß die Arbeitsmöglichleiten und m skmpm gfetfeä MMdkrt c&H&m r fcrfn'i MM Eine feierliche Erklärung der Räterepublik in ganz Bayern werde von einem Generalstreik begleitet fein. Der Tag der Verkündigung der Räterepublik soll als Nationalfesttag gelten. Die Mehrheitssozialistische Partei hat sich über die Frage der Räterepublik noch immer nicht ganz geeinigt, aber unter dem starken Einfluß des Arbeitersekretärs Thomas hat sich heute vormittags eine Mehrheit für die Räterepublik gebildet, so baß zu erwarten steht, daß die geplante Einheitsfront der drei sozialistischen Parteien im Laufe des heutigen Tages zustandekommt. Der „Lokalanzelger" meldet aus München:. Man rechnet mit der Ausrufung der Räterepnblik bis spätestens Montag. Gewitter über Deutschland. Spartakus lebt auf. Sabotage dev Bürgerlichen. Berlin» 5. Avril. <Tel. der »Wr. Morgenztg.") Zu den trüben Meldungen aus München, wo die Soldatenrate dem Landtag keinen Scbuö wehr angedeihen lasten wollen, gesellen sich heute auch noch Sturmzeichen aus Weimar nnd aus Magdeburg. In Weimar ist eine arge Mißstimmung gegen die Nationalversammlung entstanden. Man wirft der Regierung vor, durch die Verlegung der Nationalversammlung nach Weimar eine Erschwerung der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung kierbeigemhrt zu haben. Außerdem protestiert man dagegen, daß die Regierung die Truppen des KorvS Merkel um Weimar konzentriert und Berliner Polizisten mit dem Schatz der Nationalversammlung betram habe. In Magdeburg hat man eine Anzahl von Spartakisten nnd Unabhängigen Sozialisten unter der Beschuldigung verhallet, einen neuen Putschgevlant zu haben. In Stuttgart hat es vorgestern abends neue Kämpfe gegen dieSpartakisten gegeben, bei denen stch die Spartakisten hinter Barrikade« mit Maschinengewehren verteidigten. Bei dem Kampf wurde ein, Kind getötet und zwei Personen schwer verwundet. Komvlrzrert wird die Sachlage im Reich noch dtt'ch dre immer schärfer hervortretenden Tendenzen des BstraertumS, durch die Berbreillmg bvlkchewrkischer Ideen nnd durch Propagierung e neS allgemeinen Streiks gegen vaS Borgehen der Friedenskonferenz nnd gegen die Bedingungen deSMarschall stoch zu protestieren. DaS Bürgertum in ganz Deutschland befindet sich in einem an Verzweiflung grenzeudeuZustand und möchte am liebsten zur Sabotage der ganzen Politik schreiten. Unter solchen Umständen wird natürlich die Lage der Regierung von Tag zu Tag schwerer. Verschärfter Belagerungszustand im Ruhrgebiete. N e v XI n. 5. April. (Korr.-Bur.) Wie die „B. Z. am Mittag" au« Bochum erführt, wurde über bas gesamte Ruhrgebiet dev Verschärfte Belagerungszustand Verhängt. _ Die Grenzen Polens Warschau» 5. Avril. (Korr.-Dnr.) Der Landtag begann gestern die Erörterung über den Bericht deS Ausschusses für äußere Angelegenheiten betrestend die O st g r e n z e n. Der Berichterstatter GrabSk» erklärte: Der Ausschuß sei der Anschauung, daß der gegenwärtige Augenblick, wo die stritdtNSkonferenz Über die Grenzfragen entscheidet, nicht geeignet fei, die Ostgrenze Polengenau zu bestimmen, doch müsse grundsätzlich ausgesprochen werden, daß die Gebiete, die infolge ihrer polnischen BevölkenmgSmehrheit oder infolge Kulturarbett polnischen Charakter tragen, einen einzige» Staat bilden. Der stellvertretende Minister für auswärtige Angelegenheiten WrodlewSki erklärte: Polen, das eine» mächtige» Staat zu bilden wünscht, braucht die bei den gegebenen geographischen und ethnographischen Verhältnissen unvermeidliche Tatsache nicht allzulehr zu fürchten, daß da nnd dort einige Hundertt a u s e n d e f r e m d e r N a t i o n a l t t a t der polnischen Republik anaehören. Ich hvste, daß alle Parteien die Ansicht des Ausschußes betreffend die Vereinigung aller Gebiete mit polnischem Eharaster billigen werden. Redner billigte namens der Regierung die Anstcht deS Ausschußes, daß der weißruffichen und r u t h e n ischeu Bevölkerung die Möglichkeit gelasten werden «Me, sich rücksichtlich der Beziehungen zu Polen frei zu äußern, sobald dies möglich sein werde. Wir werden, sagt der Redner. Mittel finden, um uns mit den Litauern zu verständigen. Die p o l n i s ch e S tadt Wilna darf «icht eine ausländische Stadt werde«. Der Belagerungszustand in Pole«. Warschau» ß. April, lstunllpruch.) Der Minister des Innern veröffentlicht heute eine Motivierung der Verhänastig deS verstärkten Ve r t e i d i g u n g Sz usta n d e S im Gebiete des ehemaligen Königreiches Pole». Diese Maßnahme, heißt iS, ist «ms die b o ls ch e«i kis <h e Pr vv a a a n d a zurückzuführen, die in verschiedenen Orten mehrere heimliche Provagandazenkren gebildet hat, um die Nation zu deSorganisteren. Ausländer» besonders solche auS dem Osten, spielen bei dieser Propaganda eine wichtige Rolle. Außergewöhnliche Maßnahmen werden bloß in den am meistm bedrohten Bezirken ergriffen werden. Hungerkrawalle 1« Saybusch. Laylrusch» b/April. (Tel. der ,Wr. Morgenztg.^ Hier kam eSgestern zu großen H u n g e r k r a w a l l e n. Eine große Menschenmenge sammelte sich vor der BezirkShauptmannfchast an. wobei rin Beamter mißhandelt wmde. Im Haufe deS Bürgermeisters wurden sämtliche Scheiben eingrlchtagen. Angeblich soll die Menge unter der Fühmng de-sSzmlistlschen Abgeordneten T u r c z a k gestanden sein. Die «kvainrfck- Nationalverfammluuy läßt Keine Baue' »ud Arbeiterverireter im Matioualrat zu. Staulsla», i, Avril. Der Ukrainische Breffedienst «eeldet: In der Sitzung der ukrainischen Rattvnalversammlung wurde nach eingehender Debatte die von bv Opposition beantragte Ausnahme von Vertrauensmännern der Bauern undArbeiter inden Nationalrat abgrlthnk und hierauf die Debatte über die Agrarreform fortgesetzt. Iudenhetze in LueK. Hpptln» 6. April. iTel. der »Vr. Morgenztg.") Ein auS L u c t hierher zurückgekehrter Wucher Kaufmann meldet, daß dort ein blutiger I u d e n p o g r o tu stattge^nden hat. Bule Läden wurden a u S g e p \ ft n b 111 und die Vt* fchaftSlente mißhandelt. I NCUC1 rmimÄ WM J<*rr« 'sft)AMCNCORFKTiON l i w*« fWDCNtmi? fi. Gffwmör m M AVARfftHiLreRSmASSC N’48.1 Tagesbericht. Bonuino verwendet fich für die jüdische» Flüchtlinge in Wie«. Die italienische Mission ln Wien erhielt ein Dele--- gramm von Sonnino aus Pari-, wonach angesichts! der .trostlosen Lage, in der sich laut Bericht des OberrabbinerS Professor Dr. Chajes 30.000 jüdische. Flüchtlinge auS Galizien und der Ukraine befindendie italienische Delegation in Paris beim Obersten interalliierten Wirtschaftsrat interveniert hat, um in der weitmSglichsten Weise für die Linderung ihrer Not zu sorgen. Gleichzeitig wurde zur Finanzierung dieser Aktion auch dringendst die Intervention des jüdischen Wohlfahtamtes in New-Aork angesucht. Dazü erfahren wird, daß Oberrabbiner Chajes in Bern bei der amerikanischen Gesandtschaft in dieser Sache interveniert hat, welche bereitwilligst die erhaltenen,' Informationen nach Paris weiterleitete und auch den nach Paris reisenden Delegierten Dr. Reich und Doktor Ringel Instruktionen mitgab. Don Paris aus wurde dann die Verbindung mit dem amerikanischen Hilfskomitee hergestellt nnd von der Entente die Zustimmung erbeten, daß wie nach Polen auch nach Deutschösterreich die Einfuhr von Geld und Lebensmitteln für bis mtleidenden Flüchtlinge gestattet werde. j Drohender Generalstreik der städtische» Angestellten. Heute um S Uhr vormittags findet im ZirluS Busch eilte Persammluna sämtlicher Angestellten dev Gemeinde Wien statt, die vom Verband der Angestellten der Kommme einberUfen ist. Der Verband ist in fünf Kurien emaeteilt, und zwar: 1. Dje Magistratsbeamten, S. Die Lehrerschaft, 3. Die Unternehmungsbeamten, 4. Die MagistratSb^ientteten Md 5. Die UntrrnehmmgSbediensteten. Der Verband steht auf dem Standpunktedaß im Falle «icht alle Bedingmge« und Forderungen der Angestellten von der Kommune bewilligt werden, wahrscheinlich schon am Montag, also morgen der Generalstreik sämtlicher Angestellten der Gemeinde Wien proklamiert wird. Große Erbitterung herrscht besonders unter den Straßenbahnbediensteten und Lehrern. Bei Letzteren wurde die schon im Jahre 1912 zugrsagte Gehaltsregulierung biS heute noch nicht durchgeiührt, und sie verlangen eine Gleichstellung mit de« MaaistratSbeamten, die eine fast IMprozentige Erhöhnna der Grundbezüge verlangen. Die Straßenbahner fordern gleichfalls eine bedeutende Lohnerhöhung, zumal die sogenannten KriegSmlagen demnächst nicht mehr zur AuSzahlMg gelangen sotten. Trotz der ungemein unglinstigen Finanzlage der Kommune ist zu erwarten, daß fie die Forderungen ihrer Angestellten so weit als möglich erfüllt» da ein Generalstreik von weittragendsten Folgen für die Gemeinde Wien begleitet sein würde. Verlegung der Sperrstunde. Die langerwartere Aufhebung der verschärften Sparmaß« nahmen tritt endlich am 8. April durch folgende Verordnung in Kraft: Die Ei n s ch rä n k N n g b e i b e r I n d u st r i e auf öst stvndige Betriebsdauer wöchentlich im Verbrauch von Gas nnd elektrischen Stroch wird aufgehoben. Die G es ch ä flS s p e r r e wird allgemein bis 7 Uhr abends vttschoben. die Sperrstunde für Gast- und f chanklokalitaten bis 9 Uhr, nach Einii'chmng dev ommerSzeit bis Ist Uhr. Die Sperrstunde fstr Kaffeehäuser biS Ist Uhr, nach Einftihrimg der Sommerszeit bl- U Uhr, endlich die H a u S1 o rl v e r r e auf 9 Uhr, beziehungsweise Ist Uhr verlegt. Die Benützung derPersonen» a n s z ü g e wird wieder freigegeben. Theater. KinoS und andere Vergnügungsstätten können unbeschränkt spicken, dach bleibt die Sstprozentige Stromersparnis aufrecht. Lohnfovderungen in den Wiener Schneiderwerkstätten. Die Wiener Schneider stnd in der letzten Zeit mit neuen Lohnfordttungen an ihre Arbeitgeber herangetreten. Bei den

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