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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-06 · Heft 78 (6.4.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 78 (6.4.1919)
Date
1919-04-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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\ Seite 4 Wien. Sonntag Lärm zu machen". Ungeachtet des Versprechens des Ministers fanden jedoch tags darauf neue Unruhen in Cekow und in G r aje e statt, die größere Dimensionen angenommen haben. In diesem Zusammenhang verdient eine Erklärung - des Abg. Grünbaum wiedergegeben zu' werden, dir er in der 17. Sitzung des polnischen Landtages namens der jüdischen Fraktionen abgegeben hat. und' die die polnischerseits bekundeten Verständigungsabsichten mitsamt ihrem Kommissionsvorschlag ins richtige Licht rückt. Diese Erklärung hat folgenden Wortlaut: „In der Debatte Über die blutigen Geschehniss; im Dombvowaer Rayon war auch ein Vertreter der jüdischen Parteien zu Worte gemeldet, der den Pogrom- Epilog dieser Vorfälle beleuchten sollte . . . Täglich kommen aus verschiedenen Orten Delegatiock?«. die sich über Mißhandlungen. und räuberischer Ueberfälle beklagen. Aus diesen Beschwerden ist zu ersehen, daß diese Exzesse in einem gewissen Zusammenhang mit den Vorkehrungen zur Unterdrückung der erwarteten Arbeiterausstände stehen.. Die jüdische Bevölkerung, dieser Städte befürchtet eine Wiederholung der Exzesse. Der Landtag hätte so die Gelegenheit gehabt, judenfeindliche Ausschreitungen zu verhüten und zu erklären, daß die Juden in der freien polnischen Republik nicht unbestraft mißhandelt und geplündert werden dürfen. Unserem'Sprecher wurde aber das Wort nicht erteilt, und gerade, als er zu Worte gelangen sollte, wurde die Debatte gegen seinen Protest geschlossen. Wir protestieren daher feierlich gegen diese' Vergewaltigung mtserer Rechte als Abgeordnete und konstatieren mit Bedauern, daß dieses Vorgehen im Widerspruche zu der angestrebten Verständigung ckit den Juden sich befindet, die in der Diskussion über den Vorschlag zur Einsetzung einer Kommission für jüdische Angelegenheiten zutage getreten ist." Der Pogrom in Dombrowa. - Warschau, 4. April. Der jüdische Landtagsabgeordnete Dr. Weinzieher berichtet, von einer Reise nach Dombrowa zurückgekehrt, über die Geschehnisse vom 12. März l. I. folgendes: Die Ausschreitungen gegen die Juden kamen von seiten ' einet Abteilung des 10. Infanterie- Regimentes. Nach den Ausschreitungen wurde diese Abteilung nach Czeladz an der deutschen Grenze, transferiert. Auf der Durchreise durch B e n d i n überfielen die Soldaten alle jüdischen Passanten und mißhandelten sie. Auch in Czeladz veranstalteten sie unmittelbar nach ihrer Ankunft einen Ueberfall auf die jüdischen Einwohner, mißhandelten sie und plünderten die jüdischen Geschäfte. Erst nach der Intervention des Abg. Meinzieher beim Oberste» Rilski ließ der Kommandant der genannten Abteilung, Hquptinaun Wojczrk, die Ruhe wieder Herstellen. Während der Exzesse in Dombrowa ist der jüdische Kauptmann-Auditor Dr. Josef Turin aus Tarnow ums Leben gekommen. Prilnekis Mandat soll suspendiert werden. Warschau, 5. April. (Tel. der ^Wr. Morgenztg.") Der »Moment" derrchlet, daß bezüglich deS Mandates des Abgeordneten P r t1«c f t (jüdische Bolkspartei) der scharfe Angriffe gegen die Polen wegen deren Verhallen gegm^re Juden richtete, im polnischen Landtage^em Antrag gestellt nIrde, sem Mandat für ungültig zu erklären, da er nichtaus Polen gebürtig ist. Der Antrag wurde angenommen und. die Suspendierung des Mandates Priluckns dem Obersten Gerichtshof übergeben. Für den Antrag stimmte merkwürdigerweise auch der orthodoxe Rabbiner Perlmutter. S a m a e i fällt mu grausamer Stimme em: „...Jedes Volk, dran LU Dich schmiegest, Es brennt Dich aus wie eitriges Geschwür ... Du Liebling Gottes wirst der Weit verhaßter Als Pest — als giftiges Kraut — als tolles Tier! Du Tor! Von Gott erkorener Prägelknabe! - Ln Deinem Dulder leibe peitscht er ewig , Sem Gottum allen andern Völkern cm!" I a a k o b bleibt stark und antwortet inbrünstig: >Jch laß Ihn nicht! Ich weiß: Zu. ihm gehör'ich! Mlch lockt Verheißen nicht, mich schreck: nicht Grauem Sich : Tref in mir — woh n Wort nicht mehr dringt, Schläft — was Dir fremd ward: Seliges Vertrauen!"~ Steil bricht ein Strahl aus den Himmeln, verdunkelt alles, hastet an Jaakob und in unendlicher Huld ertönt: Die Stimme: »Um meinen Ramm magst Du Un-—Erhörtes duldm, Doch noch in Martern, fühl, daß ich dich nie verwarf: Ich will ja nur, mem Sohn, mich dir so tief verschulden. Daß ich — zur Sühne — Dich erhöhn vor allem darf! Der Strahl erlischt, rS dämmert um die Höhe von Beth-El, Jaakob sinkt auf fein Lager Drück und Gabriel"- neigt sich über ihn: „Noch einmal — mein Jaakob — sinke Zurück auf deinm Stein — zu kurzer Ruh! Wenn Du mit Drr — mit Fremden ringst — gedrltke: Mrl Gon, dem Herrn, rängest heute Du! tu Deinem Samen fchau're immer wieder rmnere dieser Nackt — so Sern Beehl l, Schon rötet sich Sem Morgen! Auf die Lider — Und: (er richtet sich hochaus) Wandte — schaue — höre IiSro - El! Dies ist die neue Dichtung Beer-HosmarmS, stammelnd wiedergegeben. Da lebt ein jüdischer Dichter in der Großstadtwüste, einsam, tastet zurück zu den Müttern Über Zeit und Raum und erlebt den Jaccköbs-MylhoS. Und dieses Gedicht ist nur der Auftakt einer Damdstrilogie, die — wenn das Werk so gelingt' wie bas Vorspiel — eme wirkliche Bereicherung der Weltliteratur »m'v eine königliche Gabe au das Judcutnm werden wird. Erlesen die Sprache, von köstlicher Weisheit die Gestaltung der Leiden einander ergänzenden Mcnfchentppen Jaakob und Edom. die Stcigenmg der Wcchselredm in Wieirek Morgenzeitung Inland. Die LLnderkonferenzeu. „ Wie schon gemeldet, begannen gestern vormittags in der Staatskanzlei die Konferenzen der Regierung" mit den Landeshauptleuten. Den Vorsitz führt Doktor, Nenner. Die Beratungen, die bis morgen dauern sollen, gelten zunächst der Vereinbeitlichung der Gemeindeordn u n g e n und sodann der Regelung der E r n a h r u n g sfeage. Dieser Puntt der Tagesordnung dürste großen Schwierigkeiten begegnen, da die Vertreter der Länder erklären, daß die bäuerliche Bevölkerung nicht in der Lage ist, dir von der Negierung geforderten großen Mengen von Lebensmitteln abzuliefern. Im Rahmen der Debatte über die Ernahrungsftage wird auch du Frage der Abs perrung der einzelnen L 8 trder gegen den Zuzug von Fremden und gegm den Sommerverkehr zur Sprache kommen. Gerade in den letzten Tagen, hat die Vorarlberger Landesregierung ebenfalls einen Absverrungsbeschluß gefaßt. Die Staatsregierung ist nicht gewillt, ihn anzurrkmnm, hat jedoch kein wirksames Machtmittel in der Hanbj um ihre Ansicht durchzuseyen. I« der nächsten Woche well auch die oberösterreichische Landesregierung ihre Grenzen sperren. Schließlich kommt'die Frage der Wasser- «nd Elektrizitäts wirtschaft zur Verhandlung. Die gestrige Länderkonferenz bfiaßte sich mit der Regelung der w a s s e r r e ch t l l ch e n Verhältnisse., Die Vertreter der Länder erklärten sich bereit, Vertreter in die W. E. W. A. namhaft zu machen. Die W. E. W, A. soll in der Frage des Ausbaues der Wasserkräfte zwischen Staat, Ländern und Gemeinden vermitteln. . Bei der Verhandlung über ein Einvernehmen bei Handhabmig derneuen Verfassung über dieLandesgesetzgebung stellten die Vertreter der Länder eine Anzahl von Fragen, worauf der Staalskanzler erwiderte, daß alle diese Fragen erst bei Nedastwn der endgültigen Versasiungsmkunde eine definitive Regelung erfahren werden. Hinsichtlich der Frage der Frist, von wann an die Anfechtungsklage zu laufen beginne, wird beschlossen,, eme Erklärung cm die Landesversammlungen zu richten, dre eine authentische Interpretation des Gesetzes zrim Gegenstände hat, mit dem Ersuchen. dre Landesregierungen mögen diese Interpretation den Landtagen zur Kenntnisnahme unterbreiten. Die Verhandlungen der Landeskonferenz werden heute Sonntag fortgesetzt. Die Arbeit der Sozialifierimgskonimisfioir. In den nächsten Tagen wird die amtliche Verlautbanmg derMitglieder der Sozialisierungskommission erfolgen, deren erste Sitzung für Donnerstag, den 10. b. M. in Aussicht genommen ist. In die Kommission werden Vertreter der I nd u st ri e, der Arbeiterschaft, der Äugest e l l t e n, der verschiedenen Staatsämter und Fachleute berufen werden. Hinsichtlich der Berufung der 'Fachleute* haben in den letzten Tagen eingehende Verhandlungen stattgesunden. Die Aufgaben . der Sozialisierungskommlssion hat der Vorsitzende derselben Staatssekretär Dr. Bauer,- bereits m der gestrigen Sitzung der Nalionalversammlimg in großen um» riffm vorgezeichnet. Die Kommission wird der Natiynalveriammlung eme Reihe von Gesetzentwürfen vovlcgen, deren Ausarbeitung dem Bureau der Kommission oder den Slaatsänuern obliegt. Schon jetzt lausen sowohl von Fachleuten als auch von Larey Vorschläge betreffend die Sozialisierung von ftaailichen vnd sonstigen Unternehmungen ein. Cm solcher Vorschlag, der sich auf Me Sozialisierung des F t u e r v e rslcherungs Wesens bezieht, wurde den Nationalrätrn , gestern überm ttclt. Durch diese Maßnahme würden dem.Staate große Summen zustießen. Um den rechtlichen Bedenken gegen die Enteignung des Versicherungswesens zu begegnen, soll die Ablösung der Geschäfte nur allmählich erfolgen. Die Schaffung eines eigenen, dem Staatsamte des Innern an gegliederten Amtes fürFeuerschutz- und »Feuerlöschwesen wird m Erwägung gezogen. Lvassttko nach Bern versetzt. Wie die Slawische Korrespondenz vcriiiiymt. wurde der bisherige Wiener Bevottniächtigte der wrstimainischen Republik N t1 d t ö i v. Wassilko zum ©omubtcn des gesamtukrainischen Staates in Bern eunamtf.;iu seinem Nachfolger wurde der ehemalige Abgeordnete v. S i u g a l e v i c bestellt. der - gewaltigen . Traumszene von edelster Musik getragen. Nur eine leise Trübung an dem Kristall: Juden Weissagungen Samäels, auch in der Stimme Gottes klingt zu sehr baS spätere, das Golus-Schicksal Israels durch, man hört die Anspielung ans die Leiden der Gegenwart und mich düntt, man r hört sie zu stark. Aber gerade diese Trübung macht dem Dichter Ehre, denn da er dieses Gedicht ersann, umklangm und umschlangen ihn dre Stimmen der Seelrnpein seines erniedrigten Volkes, wie sie damals bei ihm waren und sem Herz erbeben machten, als er dm Roten Jtzrg im „Grafen von Charolais" Normte. Die gestrige Aufführung nn Burgtheater wurde dm grvßm Anforderungen der Dichtung nicht vollkommen gerecht. Herr G e r a s ch gab sich anerkennenswerte Mühe aber für einen mit Gott hademdm, von Gesichten bedrängten, vom Odem des Ewigen angewehtm Jaakob reichen nun einmal seine Kräfte nicht. Viele Stellen, darunter die kostbarsten und wichtigsten, blieben unverständlich. Die mit kargm Strichm meisterhaft gezeichnete Gestalt der Rebekah wurde von Frau D l e i b t r e u meisterlich verkörpert und neben ihr gebührt Herrn Walde« als Samael großes Lob. Herrlich die Gliederung und ^Beseelung seiner Rede. Auch der Edom des Herm Höbling, der Jdmbaal des Herm S'i e b e r t Md die DaSmath der Frau M ed e l S k y-standen auf der.Höhe. Unter dm Erzengeln siel die Stimme des' Herrn E. Reimers 'besonders ans. Die Inszenierung war überaus stimmungsvoll. Im Zwischenakte dankte der diensttuende Spielleiter für dm reichen Beifall und am Schluß der Vorstellung blieb .daS Publikum so lange auf dm Plätzen, bis der Dichter selbst vor der Rampe erschien. Es war ein großer Erfolg reinen poetischen Schaffens. ' Ein Traum wird lebendig bei dieseinTraum Jaakobs: Das Spiel, aufgrführt unter dem freien großen Himmel Palästinas, in hebräischer Sprache in offener Arm» ... Möge es Beer- Hofmann gegönnt sein das begonnene Werk zu vollenden und dem jüdischen Volke, eine solche Ausführung diesrb nationalen Festspiels in Gegenwart des Dichters zu erleben. '-Otto A b e l e s. \ 6. April 1919 -- Die tschechische Schule in Meidling. Aus dem Rathause wird mitgeteilt: Schon vor dem Kriege und , auch wahrend dieses bestand in der Ehrenfelsgaffe m Meidling «ine tschechische Schule, die emen ziemlich starken Besuch aufzmpersen hatte. Bon den Lehrkörpern der Merdlinger Schulen wurde nun in letzter Zeit die Beobachtung gemacht, daß Mahnungen an die Eltern, ihre Kinder zum Schulbesuche zu ver- -Anlassen, erfolglos waren. Der Grund hierfür lag darin, daß diese Kinder am Unterricht in der tschechischen Schule in der Ehrenfelsgaffe teilnahmm. Der Magistrat hat vor nicht langer Zeit diese Schule aufgehoben. Diese Maßregel schemt aber teilten dauerndm Erfolg gehabt zu haben, da festgestellt wurde, daß in der genannten Schule in jüngster Zeit an ungefähr 60 Kinder tschechischer Unterricht erteilt wurde. Wenn die Schule tatsächlich einen stärkerm Besuch tschechischer Kinder zeigt, so beweist das unserer Meinung nach, daß em Bedürfnis nach emer solchm Schule besteht. Man wird da mit der Parole vom »deutschen Wim". rncht auskommm, sondern wird sich dazu bequemen müffen. die Schvlsrage einvemehmlich mit dm Vertretern der nationalen Minoritäten zu lösen. Das gebietet nicht nur das gerechte Empstndm, sondern die polittsche Klugheit, die «s verhindern müßte, daß man im tschechischen Böhmen zu Represstvmaßnahmm greift. Em Chauvinismus erzmgt dm andern. Arbeiter-, Beamten- und Danernrat in - Gumpoldskirchen. Aus Gumpoldskirchen wird berichtet: An einer von der sozlaldemokratischm Lokalorganisation einberufmm Bollöversammlung wurden acht Vertteter der Arbeiter, vier Vertreter der Beamtenschaft und mm Vertreter der Hauerschast in dm Arbeiter-, Beamten- Md Bauemrat von Gumpoldskirchen gewählt. Die Hairptaufgabe dieses Rates besteht darin, di« schwierigen Lebens Mittelverhältnisse Gu in poldsk r r ch e n s in ruhiger, sachlicher Zusammenarbeit aller Bevölkerungskreise mit dem Bürgermeisteramte möglichst zu ordnm In erster Reihe wurde eine Ausnahme aller in dm HaushaltMam vorhandenen Mehl-, Mahlprodukte-, Kartoffel- Md Zuckervorrme angeordnet. Erhöhung der Mannfchastslöhnunge«. . Wie niitgeterlt wird, tretm sofort nme GebührmbestlMMMKM m Kraft für die Mannschaftspersonen der deutschösterrerchischeu Provisouschm Mehrmacht, die eine tägliche Ernheitslöhnüng von K 7.— ohne Unterschied der Charge festsetzm. Das Kostgeld vo» K 5.44, das für die Volkswehrmänner normiert ist, gilt nun auch für die Gagrsten Md freiwillig weiterdimmde llnteröfstzicre, denen es bisher nicht gebührt hat. Nicht freiwillig dimmde Stabsunterofstziere, die im gebührlichm Bezug einer MonatslöhnMg stehm, haben ab 1. November 1918 rückwirkend bei Einstellung aller bisher bezogmen Zulagm Anspruch auf dm Zuschuß von 170 K zur MonatslöhnMg. ... Freiherr von Spens-Boodeu gestorben, v . " Am 2. Avril ist hier der ehemalige I « ft i z«i« i st * j? im Kabinett Koerber und, lebenslängliches Mitglied deL einstigen Herrenhauses Alois Frerherr v. S v e» B o o d e n nach langem Leiden im 84. Lebensjahre g e- (st o r b e ru Nach vieljährigem Dienst bei dm Justizbehordm in Böhmen -kam er. im Jahre 1890 als Hoftat mm Obersten Gerichtshof, wurde dann zum Sektionschef ins Justizmünsterimri bemfen und im Jahre 1893 nach dem Rücktritt Loebls zuuc Statthalter inMähren emannt. Im Jabre 1V00 bmef rhn Dr. v. Koerber als Justizminister in das Kabinett. In dem Kampfe gegen die Badenischen S v r a ch e n v e r o r d-n ü n g e« kam m m viMchm Konsilkt mit den ffchechischen Gericht« in Böhmen. Im Jahre 1903 schied er aus dem Kabinett aus, als Dr. v. Koerber selbst die LeitMg deS Justizministeriums übemahm, mid trat in dm dauerndm Ruhestand. Staatssekretär Dr. Bratusch über die Iustizreform. Beim Staatssekretär für Justiz Dr. Bratusch erschimm gestem die Vertreter der W i e n e r kulturpolitischen O r q a n i s a t i o n e n, um die von weite» Kreism der Bevölkerung geforderte» Reformen unseres Justizwesms zur Kenntnis des Staatssekretärs zu bringen. Es wurde die U marbeitung deS bürgerlichen Gesetzes sowie des Strafgesetzes in einer dem Zeitgeiste mtsprechmden Form, die Reform des Preß-. Vereins und Drrsammlmrgsrechtes, insbesondere die Notwendigkeit eines modernen Mes eingehend erörtert. Auch di« Zulassung der Frauen zu hesenaten", die Gleichstellung der unehrlichen mit dm ehelichen Kindern und die Allmmtationspflicht der väterlichen Großellem unrhel'cher Kinder wmde in den Kreis der Besprechung gezogen. — Der Staatssekretär gab bÄ'ruut, daß sich daS Justizamt bereits seit längerer Zeit mit einer gründlichen Reformunseres Justizwesens beschäftige, wies aus die zu überwältigenden Hemmnisse und Schwierigkeitm hin Md sicherte schließlich zu, daß er drr ihm überreichtm Dmkschrist sein« volle Anfmerffamkeü widmen werde. Das Selbstbestimmungsrecht Deutschsöhmens. Prag, 5. April. DaS »Prager Tagblatl" meldet aus Teplitz: Die erweiterte Landesparteivertreluug der Sozia ldemokratie Deutschböhmens hielt unter Zuziehung der dmtschm Sozialdemokratie Mährms und Schlesiens eine Konferenz, die sich mit der politischen Lage beschäftigte und in der übereinstimmend zum Ausdruck kam, daß der Erfolg deS Kampfes um das S e l b st b e st i m m u n g sr e ch t nicht von der Pariser Konfermz, sondern von der Kraft deS Proletariats DmtschböhmenS und deß Sudetenländer abhängt. Für das deutsche Proletariat sei nicht die Pariser. Konferenz, svndem der internationale Sozialisteukongreß das höchste Forum. Weiters lehnte die Konfermz die E r n e n n u n g einer beschränkten Anzahl von Abgeordneten m die deutschösterreichlsche Nationalversammlung ab. Die diesjährige Maifeier wird im Zeichm der Sozialisierung der Gesellschaft sowie dcS Kampfes um das Selbstbestimmungsrecht stehm. In der Frage der kommenden G e m e i n d e w a h l e u erklärte die Konferenz das aufgezwuname neue Gesetz als eine Vergewaltigung der Deutschen,^ beschloß jedoch, sich au den Wablm zu beteiligen, weil bamit zum erstenmal Gelegenheit gegeben werde, der ganzen Welt zu zeigen, wie groß mm stark an Zahl daS deutsche Volk in dm von dm Tschechen besetzten Gebieten sei. Die französische Mission in Wien. Paris, 5. April (Funkspruch). General Hall i c t\ GeneralstallSchef-Stellvertreter «nd früherer Militär' a t t a ch 4 i n W»e n, hat sich gestem abends n a ck W f r u begeben, wo er sich M. Allizs anschlicßen wird. Er ist um einer nnluünschen Mlssion betrank, bei deren Erfüllung ihn, seine reichen Erfahrungen in mitteleuropäischen Angelegenhe.len aufiutuu kommen werden. .. ft

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