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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-05 · Heft 77 (5.4.1919) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 77 (5.4.1919)
Date
1919-04-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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b Seite 6 Wien. Samstag Wiener Morg-yzeitung 5. April 1919 Nx. 77 Gesandter Allizö Aber die französische LebensmittelhUfe, UnterstaatSsekretär Dr. W a i ß hatte gestern nachmittag 'eine Unterredung mit dem französischen Gesandten Hm« Allizö, in welcher sich der Gesandte übexdie Verhältnisse in Wien dahin äußerte, daß ex sich hereits von der kriesigen Not überzeugt hgbr und seiner Reqierimg dringliche Vorfdellungen machte, nnt mNÄrchster Raschheit Lebensmittel, Kohle und N s h Produkte zu liefen, soll der Not gesteuert werde». Frankreich hege a r o ß e S v m P a t h i e n für die W r e «er. Es herrsche dort keinerlei Haß gegen die Wiener Bevölkerung sowie er mit Genugtuung wahryehmeu konnte, daß dies euch gegenteilig der Fall sei. Herr AStzS drückte schließlich noch seine Bewunderung über die m Wie» herrschende Ruhe und Ordnung aus, welche die Bevölkerung trotz der furchtbare« Jage bewahre, was in Frankreich besonders anMchm vermerkt wwd. Der Marktbericht» Die leichte Besserung, die m der Beschickung der Märkte m Leu letzten Tagen zu verzeichnen war, hat gestern einm Rückschlag erfahren. Die F i s ch m ä r k t e, die jetzt im Vordergrund des Interesses, stehen, waren spärlich versorgt. Frische Seefische warm fast nicht erhältlich und die geräucherten Klippfische auch nur in sehe geringen Aderigen vorrätig. An Fleischersatz gab es m der Grpß-- Markthalle ebenso m den Beznkslädm ein etwas reichlicheres Quantum Weichwürste. Mit der Bahn kamen, gestern in der Groß Markthalle über 2400 Kilogramm gepökeltes Rindfleisch am Heute Samstag wird es außer dem myouinterr Rindfleisch nur das gepökelte amerikanische Schweinefleisch gehen, Die GrünwarenmÜrkte verfügen nach «ne vor nur über Rüben, der Verkam von Spinal, von welchem gestern auch geringe Mmgen aus Wh»«« ankamm, fand uuter bbhasteu Änstellungen statt. Eier waren gestern nicht erhältlich. AüS diesem Grunde kam es in der Viktualienhalle zu Lärmszenen, hie sich bald legte«, nachdem die Kauflustigen die Uchgrzeugung gttvounm hatten, daß keine Vorräte an Eiern vorhanden seien.‘ Warum der Februarzucker «och «Echt zur Ausgabe gelaugt ist?' Vexgeb ms zerbricht sich hie Besölkenma drnKspf darüber, warum der Februarzuckex' «sch nicht zur Ausgabe gelangt, obwohl im Gremium der Kaufmannschaft behauptet wird, daß diese Zuckerquantität in Mien längst kingrlsgett ist. Me wir von uisprmierter Seite erfahren, ist hex Grund Harm zu suchen, daß das Finanzamt mit der Amsgabe der rückständigen Z u ck e r a u § g a b e s o lange zvgewarrethal, bis di r Erhöh« » g d e ß Z u cktk» Preises in Kraft getreten z st. Das ist «ett dem gestrigen Tage geschehen, so daß jm Laufe dieser Tage mit der Ausgabe der noch rückständigen Februarquote Md zugleich mit jener für den Monat März begonnen wird. .Es ist tief bedauerlich, vorausgesetzt, -qß dwse. Nachricht, zntrisfr, daß Las Finanzamt mit der Not der Bevölkerung .«# ' solches Spiel treibt rmd aus ärmlichen, fiskalischen Gründen dir Not noch erhöht. Wenn schon, wie zugegebem werden soll, die' Märzquote unter den uns aufgedrungenen erhöhte« Zuckerpreis der Febmärzuckex, welcher schon v i est e W o che n hier!e ingelagert war, und zwar lange oor der geplanten Preiserhöhung, gewiß nicht. Dre Bevölkerung hat daher das Recht, daß sie den nachMeferten Februarzucker noch zum alten Preise zahlt, Die Not der — bars dem Vnanzamte nicht dazu diene«, als Koniunkrur sür .Echöhung des Züchelpreises Srrwendet t« werde». Fortdauer der volle« Brotquote. ' Auch in der nächste« Woche gelangt die - olle Brotration zur Ausgabe. Den Bäckermeister« wird auch diesmal Dichteres Brptmehl ausgefylgt werde«. Dres rührt daher,' haß snt Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs die Lcbensmittrlzügk der Entente nicht mehr Getreide,'sondern Mehl nach Wien bringen. Das Brotmehl der Entente besteht nämlich rn eurem weniger ausgemahlenen Mehl; sein. Vcrmahlnugspxyzmtsqtz beläuft sich tun? auf 72 bis 75 Prozent (gegenüber M bis 88 Prozent sei hier gebräuchlichen Vermahlung), so daß Kleie Mdgrobe Mahl- Produkte wegfallen und dqs Mehl eine lichtere Färbung gss das , bei Ms gewonnene Brotmehl auszeigt. In der Bevölkerung hat dir Ausgabe der Mjtt« HÜlstt >der dieswöchigeu Brotration gestern manche Enttäuschung vtr- > ursacht, da nach Mitteilungen von qulhenttscher Seite lichtes, iaus Edrlmehl oder Feinmehl aebqckepes Prot zu erwarten war.! Tatsächlich scheint eine ganze Anzahl von Bäckermeistern sich um i die amtlich vorgkschriebenkn Mifchvechältnifle beim Beytbscke« -nicht gekümmert und die behördliche Kontrolle versagt zu haben, denn es würde cm die Konsumenten vielfach dunkles, minder- , wertiges, ja sogar mrnder schmackhaftes Brot als sonst ausm- ' geben. Wenn kompetenten Orts darauf verwiesen wird, daß die Abgabe des weißen Md des schwarzen MehleS sackweise und nicht lilvwM - erfolgte «nd daher! Ungleichmäßigkeiten unvermeidlich gewesen snm, so kann idieser Umstand doch nicht dir groyr Ml drrgrtiaer Fälle erklären. Es wäre äußerst wünschenswert, daß in der kommende« Woche die ohnehin so schmale Brotration. da »ns ausnahmsweise ein Mehl besonderer Güte zur Verfügung steht, sKtMhalbe« m einer gleichmäßig guten Ouafitgt zur Nvsgabe kommt. N Warenabgade der „AohS". Heute Sqmstqg: ZenttglmagMi sVlll Piarfstmggfse Ich: Leber.smittelverkauf: Masol, Mug^^alz, Paprika. Backpulver, Kümmel und Toiletteseise aus Marken von 0 bis 19 Uhr, Zur selben Zeit im Magazin, L RzbklMgtngasse 7i ßm klrinrs Quantum Handschuhe, Mawl, Mg, Kaffee, Backpulver Md Diverses. — U. Bezirk: Zwiebeln, Paprika, Reibtuckex, M,bbürsten, Toiletteseife auf Marken, Kümmel, Gmafchtablette» und Friihstückswärmer. Ist. Md XNJI. Bezirk V. Md lX. Bezirk: Zwiebeln. XE, Bezirk: Gulaschtabletten, ........ . .. Dörrgemüse, Waschpulver, Toilettesesse auf Marke«, Paprika un„ Zwiebeln. -- xiil. Bezirk: Nähzwirn, Toilettckttfe aus Marken, Paprika, Zwiebeln. Knoblauch, Mgfol Md FrühsiMwärmer. xv„ xvit Se-rril SalL Paprika. WMpulytt, Ksimmrl und Dorraemllse. — XXl. Bezirk: Toiletteseife aus Marken, Gulaschtabletten, Salz, Dörrgemüse imd Kümmel von 2 bis 4 Uhr. _ Bühne rmd Krmft. Ans den Theatepn, ^' 3m B u r g t h e a t e r gelangt heute Samstag aakobsTraum von Urward Beer-Hokmann ,-utu ersten Mal zur AuffÜhmn» Die Besetzung der Rollen »st folgende: Rrbekah — Bleibtrru; Iaakob E d kLs ch! Edom — H ö b l i n g; BaßMth — W e h e l s k y; Ohoubahmnh — W o h l g e m u t h; Shaniartn — Herterich; ^chor — Moncza; Jdnibaal — Siebert; Di« «tiiHBW.. — G. R e t nt c r ä: Michael — Devrrent; Gahnel -'Frank; Raphael E. R e i«e r s; Uriel -- A K o tt;^Erster Enarl -^H s eb e rte; Zweiter Engel — Oste n; Drittel Engel — Mayer; Samael — W alden; Stimme des OneÜs M a Y e«; Stimme des Steins — L a ck n e r. Bühnenentwürfe von Alfred R o 111 r. Diese Vorstellung findet bei erhphkm Preisen statt und beginnt um 5 Uhr. ... Aln O p ernl h t a t t r kommt heute Samstag «D e r sllegendr Holländer* mit dm Dome» Aeritzs, Kitte! sowie den HerrM Fritz Fein hass vom Nasippalcheater in Hallos zur Aufführrmg. Mlluchm als Ansqnq 6 Uhr. 9« de» K a m «r r f p! t {e 'n wich Peter Egaes Schauspiel «W rack vorbereitet. Die EktzanMwns NMkt Freitag dm N. d.M. statt. Spielleiter De. Heinz Sch ulb nur. Anoftrstun- «DNprvsMRv«. Die BkreinigMg bildender Künstler unter dem Name« deß deutschen Meisters hat mit Mer Bereich«»«- ke«n Programm sibeniommeu. Dre Berechktgmg zur Füyrunsi des Titels geht nicht weiter als etwa dak Recht einer Musikatienhandlims aus die Finna ^Beechovenhauk^, Und wir findm nicht mehr und nicht weniger als iv den sonsttgen Malerverbän-m «otmaser Mchtnno. Neiß rMbchche Arbeit Wb »»$ dm Mofivm der Machenden Heimat gWäpite Znsvirstio«. Die ichtge Außstelliinq bei Wawra zeigt von größeren Arbeite« Filkvkas fttn durchKebildttes Motiv vom Kchenzl „Nach dem Sturm". Die nach der schweren Erschtitterung wieder in Starre verfunkmen Baumnesen vereinige« sich mit der dunsterfüllten Atmosphäre Md dem weiten Horizont zu eindringlicher Wirkung.. G v tz i n g e r ist mit hübschen Interieurs vertreten, Karl 8 0 r t « z bringt landschaftliche Motive ans dem Wientk Kreis, Paul Hansa für dir Kkwählie Technik ausnehmend zart behandelte Plumenstücke. Fritz Lach malt seine Machau^nit einer Frische, dre hie Nomine m* aesten laßt, Erwin Hubert sondert sich von den übrigen durch eigenwilligere Farbenwaht ab, B e r t l e. G h r mo n «S, F e t t h, K S b r r l Md P « t r i b r S feie« noch herporgehoben. Bon Damen haben Lea R e i n h a r t, Emma L 5 w e n* st a MMr. E. B laf ch tr, E. Reinöl - Wrrnrr Md Klara S »l z r r bemerkenswerte Arbette» ausgestellt. Ei«,gr lastfsche Arbeiten von Franr S a »t«r r ergänzen «och dre Mellung, die zwar keine EckchMewngen vermittelt aber manches von Interesse Md alles auf emem aneckennenSwertm Wwm Sin Prozeß Aoetzeetch Lamonds. Der ln DenWarch hochgeschätzte Msmst Frederick stamond hat den «Daily SkE verklagt, betz im Februar IßlS bchauvtef hatte, Amon^, der Schotte von Geburt ist,, habe -ie deutsche StaatSangthäriskeil erworben, ßamond, der iM'Avkil 1917 vorübergehend die LeiiMg des MMonsepyatoriums im Snaa ühemabm und jetzt m England we>lt, nwr seiMzeit in Nuhlrben rntGliert, ES gelang ihm, leine Entlassung dadurch zu erreichen, daß er seine Bereitwilligkeit, Deutscher zu werden, erklärte. Lamonb bezeichnet das jetz als eine Kriegslist Md bestreitet, je fjir das Deutsche Rote Krem gespickt zu haben oder dm «Patriotfichen Vorlesungen" seiner Frau, der Schausvreleri« Irene Triesch, hrigewohnt zu haben, Lamond wohnt jetzt als Mast ans der Besitzung hes Admirals Sir Skqde, der erflärte, Lamonh habe stets durchaus mglandfreundliche Meinungen geäußert, Es gelang Lamond auch, den Gerichtshof davon zu Übmeugen. )>aß er ein guter Engländer sei, und erzielte eine Verurteilung des „Daily Sketch" zu 2p Guineen Entschädigung. Mo-mmav Abond. Mittwoch den Iß. v. M. findet im Saale des Wissenschaftlichen Klubs, VL Dreihmeisengasse l, um tionen zum Vortraa bringen^nnch. Karten bei Kehlendorier, Lanyt »nd an der Abendkasse. Programm aus den Eintrittskarte«, Dev M8xchenabe«d für jüdische Kinde» wird ans Samsraa den ly. h. M., ‘/fi Uhr nachmittags, verschöbe«. Die^esSsten Karten^ hkhalte« ihre Gtilttgkeit. Restliche Karten Rytenturmstraße 22, und an der Konzert' btt R. Lowit, Hauskasse. , »Iagtzyba Das «me Werk Richard Deer- Hpfmanns, dessen Erstagfführitng für beute Samstag am Wiener Burgcheater angefetzt ist, ist' auch m Buchausgabe erschienen. sBms broschiert % 8,05, gebunden fi NM) Ueber das Schaffen Beer-HosmannS hat Theodor Reik einen ausführlichen Essay geschrieben. der ein klares und eindrucksvolles Bild der Lebens- und Weltanschaumg Beer-Hofmanns gibt. (Preis K 3.80.) Zn bezichen durch N. Löwst, Wien,!., Rotenturmstraße 22, Sport. vieler haben sich zur^gemmsMen Abfahrt mlIA resvckiye Mr vormA-ge im Klubhrtm, Wä »Esty ,Wm, K Werderegaffe 8, tinzufinde». 0p,0 Md G.'B. „Kadkma^. Heute, $ , Ähr abends, habeZ sich alle Mitglieder der Fußbad, Kichathsittk-, Schwimm- und- Geselligkeitssektion bestimmt im Klubherm einzufinden. Morgen spielt unsere I, und )1, Mannschaft gegen Sportklub »Nicholson" M V,3 Uhr, respektive V,ll Uhr am dem Nußdvrser Athleti^Platz in Nußdotf (Grinzingerstraße). Die aufgestelltm Spieler haben sich 9 W torga' Geplante» Ozeanstng. Der englische Oberstleutnant Lollishaw hat sich gls Bttvepher des »Daily Mail"-Preises (200.000 Mark) für die Ueberqnenmg des Ätlantischm Ozeans emtragen lassen. Sr beabsichtigt,, in Neufundland mit' einer fünfmotorigen Landley^aaeMaschine von ähnlicher Bauart wie Mugzmae, die die Fluge von England nach, Aegvvtm tmd- Kndeen flogen, z» starten. Als Ptsatzung werden ihn begleite« zwei FlugzeuMm. die sich gegenseitig gblösrn sollen Md ein Funke«- telegrapylst. MS Zeitpunkt ist der Avnl vorgesehen, da in dickem Monat fast stets Mschm, Neufundland Md Mand starke fob» westliche und westliche Wmde herrschen, dre fördernd ans ßde» Flug wicken würde«. . , * Gaprchtr Vostrafnns. Gin Fußballer wurde wegen tätlicher ftnfultimmg des SchttdrichtnS vis 81. März 1S3L dsich qualtssmrt. . LoichtathlettschD» Stiidtewtzttkamps -virn-varltn. Am Anregung d;S Bekbandeö Berliner Achletlkvereine wird^ob» genannter Ttädtekampf ab 1080 alljährlich regelmäßig zur Aus» tragung gelangen. Etaptvveise, Um Re Vereine uni . .. anzuckfern, ihre Nennungen etmnbalten, hat Herr Dr. Max Fürth, der Präsident des tzichtathletckverbandrS, für jene Vereine und Athleten, dir daS beste Verhältnis zwischen abgegebener und ei«' gehaltener MeldMg suhveisen, Chrenprecke grstlftet. Es« Stasetttzvlanf v«,ch dis Hft«ptftllee. Der W. A. E. beabfichtigt gm t, Mai ein Ablöselanien für Mittelschüler auf der Strecke vom Prgterstern zum ersten Rondeau m AuStrammg If8..vrmgm. Die Strecke beträgt etwas über 1'/, Klio» meter. Jeder A«m soll zrrfo Süv Meier Mücklrsen. Ditz deutschvsterrelchlschy Answtthlmannschast geg«« Anaar».' Die Wiener nmftteti int letzten Moment ohne die Heiden Navidleute Kuthqn und Bauer qbveisen, tvas die Aussichten der Mannschaft sehr herabsetzt. ie Leichtachketm dam Herr Dr. Max Fürth, Der Volkswirt. —„ f Die Verschlechterung des Kronenkurses. Bo« eine« Wäh»nng»polttUler. Des weitere Muken der Züricher Krone«-. nott- ^die gestrige Nottz lautet 17,25) ist wohl ei« Ke««Michen für den traurigen Zustand unserer Wirtschastslebettckwurch für die Beurteilung, welche die Welt unseren politlschen Berhöktnissen avgedeihen läßt. Dir öffentliche Meinung i« her Schweiz ist davon überzeugt, daß wir um' Müde dedolschewtkischen Abgrundes stehen und die Erklärungen unserer Regierung, daß sie sich gege« die Besetzung d«S Landes durch Entente truppen stemmt, eine . Gebärde ist, die irgendwelche Kraft vorzutäuscheu versuche. Auch sie kann der ganz richtig informierte« internationalen ÖeffentttchkeLt steine andere Meinung ernflößen. Man weiß Lm Nuslande sehr gut, daß unsere Regierung nur über die Nationalversammlung 'regiert und daß die wirklichen Träger-der Macht ganz andere Elemente sind. Das Sin^-n des KrovenkurseZ hat ausschließlich politische Ursachen. Man will mit uns nichts mehr zu tun haben und alle Neutralen versuchen, dre Vermögenswerte, die sie hier besitzen, ab zu stoßen. SeUrstverftändlich wirkt eine derartige Beurteilung unserer politischen Verhältnisse auch auf die Beurteilung der Verhältnisse in dem mit uns aus früheren Zeiten wirtschaftlich noch so eng verbundenen tschechischen Staate, so daß das Sinken-der tschechischen Krone (die gestrige Züricher Notiz lautet 21), ausschließlich politische.Ursachen hat. Auch versteht sich der Züricher Kurs für ungestempelte Kronennoteu. Gelingt eine rasche Konsolidierung der polittschen Verhältnisse, so ist sicher damit zu rechnen, daß das Abwärtsgleite» des Krvrrenkurses aufhören wird. Fn diesem günstige» Falle könnte» wir sogar damit rechnen, daß unsere Währung, speziell gegenüber der deutschen, eine kräftige Auswärtsbewegung nehinen wird, was für bte finanziellen Verhandlungen zwischen Deutschösterreich und Deutschland eine günstige Basis bedeute» würde. Jm übrigen muß man gegenwärtig de» Standpunkt einnehmen, daß es ziemlich gleichgültig ist, welchen Stand unsere Krone erreicht. Wichtig ist vor allem eine Stabilisierung ihres Wertes, die m Falle des Bestandes geordneter Rechtsverhältnisse, das ist also einer Rechtsordnung und einer Staatsgewalt, die fähig ist, diese Rechtsordnung in jedem Falle durchzüsetzeu, sofort gegeben ist, wenn einmal, die Neuschöpfung von Geldzeichen zwecks Bestreitung staatlicher Bedürfnisse aushört. Denn der einzige Feind einer stabilen Währung ist eben die N o ts n in f la Lio u, oder wie Hertzka sagte die Zett.eltptrtschaft,.. Fragt man also, was von seiten der öffentliche« Gewalt geschehen kann, um unsere Währung zu stablldsieren, so muß erwidert werden, daß Beschränkungen des Zahlung-- und Kapital-Verkehres, wie sie Lurch die Devisen-Verordnung verfügt sind, ganz zwecklo.S erscheinen. Wir fverden auf lange Jahr« hinaus unbedingt mit einer passiven Zahlungsbilanz zu rechnen haben. Daß eine solche einen stabilen Geldkurs nicht ausschließt, zeigt das Beispiel Oesterreich-Ungarns im ersten Dezennium diesss Jahrhunderts, in welcher Zeit wir ebenfalls eim außerordentlich passive Zahlungsbilanz (nicht etwa cku« Handelsbilanz) hatten, deren Defizit aber durch Heranziehung ausländischen Kapitals glatt gedeckt werden konnte. Bon einem Drsagio der österreichischen Krone war während der ganzen Zeit Seme Rede, was auch für jeden Währung-Politiker selbstverständlich sein muß. Es ist nämlich erst der zur Lösung dieser Fragenj gänzlich unbefähigten Bureankratie unseres Finanzministeriums Vorbehalten gewesen, einen Zusammenhang zwischen DiSagio und Zahlungsbilanz zu entdecken und die ganzen Verordnungen, die auf diesem Gebttt^erschtenen sind, beweis rn uur, daß ihre Verfasser swh nicht einmal die Zeit genommen haben, die einschlägigen theoretischen Schriften auch nur flüchtig zu lesen, 1 Die Veränderungen in den Notierungen der (Bit*1 tentevaluten untereinander und in den neutrale» Staaten haben rein wirtschoftlichs Ursachen. Cbo werden gewiß ln Kürze durch Kreditoperatione» ausgeglichen werden. - ■ , , Dr. E. G. , Die Lage der norddöhmischen Textilindustrie. .! W 81. März, (vriginalbericht der .Wiener Morgenzeitung".) Kürzlich fand hier «ine Versammlung der Baumwollspinner und Baumwollweber auS «den deutsch'-n Gebieten Nordböhmens statt. Vs wurde Über die bevorstehenden, Zwangssyndikate und über die Beschaffung von Baumwolle beraten, wobei man allgemein die Ansicht vertrat, bah ein gemeinsamer Bezug und Einkauf der Baumwolle durch ein Syndikat notwendig erscheint, und daß die Regierung durch die Beschafsung langfristiger Kredite, Beistellung ausländischer Valuten, Unterstützung der Transporte und durch geeignete Schutzmaßnahmen und Pretssttllungeu der schwer betroffenen Textilindustrie zur Hilf« kommen müsse. Durch den langiährtgen Rohstoffmangel, durch bell plötzlichen Zusammenbruch der Papierindustrie welcher MiMonenvorluste zeitigt«, durch die Festlegung des Kapitals in K r i e g san U i h e und durch hie jetzigen Finanz maßnah men sei die Textilindustrie I *4 ' j V;1 , {■' W! *^*f \M|

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