Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 76 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Rr. 76 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung 4. April 1919 Seite 3 Inland. Keine Besetzung Deutsch österreichs durch-ie Entente. Amtlich wird mitgeleilt: Zu den b t u u r u h igenden A u s st t cuUngen, die die Bevölkerung ohne Not in Au'tcgirng halten, gehören auch die leichtfertigen Mitteilungen iMncher Preßorgane, daß französische, italienische ober anders fremde Tr up p en n a ch Den Ls ch öfter r e i ^..gebracht würden. Dafür liegt nicht.ein einziger Anhaltspunkt vor. Die fremden Missionen in Wien chaben in allen Deutschösterreich berührendes Angelegenheiten bisher mit der deutschösterreichischen Regierung ein vorheriges Einvernehmen gepflogen, und cs ist darum nicht anzüNehmen, daß sie von dessen VsrgangsweM ab- Weichen werden. Keine auswärtige Vertretung hat der deutschösterreichischen Regierung gegenüber jemals die Absicht geäußert, Besatzungstruppen hierh.erzubringen oder irgendeinen'H.unkt Deut sch österreichs zu besetzen. Eine Demarkationslinie ist vertraglich vereinbart und diese ist nie überschritten worden. Ebensowenig ist von irgendeiner Stelle die Absicht knndgegeben worden, von Deutschösterreich aus gegen Ungarn-irgendwelche militärische Operationen einzuleiten. Es liegen vielmehr wiederholte gegenteilige Aeußerungen vor. Die oft genannten 190 Ententezüge, die in einem Zeitraum von drei Monaten abgewickelt werden sollen, betreffen Heimkehrer, und zwar Kriegsgefangene, Flüchtlinge, Kranke und Legionäre, die letzteren natürlich init ihrer Ausrüstung. Die Oesfentlichksit wird gut tiytf Ausstreuungen keinen Glauben zu schenken. Die Regierung wird, WMn irgendeine Ent-entemacht ihre Absicht ändern sollte, sich natürlich dagegen mit allem Nachdruck verwahren und jedenfalls sofort die Oeffentlichkeit ausklären. v Gesandter Allizv Seim Staatskanzler Dr. Renner. Der französische Gesandte Al-liz 6 hat gestern beim Staatskanzler Dr .Renner seinen Antrittsbesuch gemacht. Der Gesandte erklärte, seine Hauptmission sei, die Bedürfnisse und Wünsche De utschö st erreich s kennen zu lernen und unter Heranziehung von Experten zu studieren. Nunmehr, nach Aufhebung der Blockade für Deutschösterreich, würde eine Ab-' ordnuug von Kaufte Uten und Industrielle n hier eintresfen, um - die HanbLlübe.iehuugen und den Warenaustausch mit Deutschösterreich wieder auf-- zunehmen. Die französische Repüblik habe das Interesse. das normale -Wirts'chaftsleben' mit Deutschösterreich ehestens und in Ruhe wiedor aufzunehmen und fortznftthren. Der Staats langer sprach seinen Dank für diese guten Absichten des. französischen. Gesandten aus. Die Re^irrung hoffe, die Ruhe im Lande ausrechtzuerhalten, allerdings unter der einzigen Bedingung, daß Deutschösterreich in keine -internationalen Affären mehr verwickelt werde und daß' der Boden von Deutschösterreich' nicht zum Ausgangspunkt für Operationen der Entente gegen Ungarn genommen werde. . < Gesandter Alliz 6 ver'ichevte darauf, daß seines Wissens hiervon in Ententelrei,'<n uietitals d ieRe de war. Er werde diesen Wünsch seiner Negierung beannt geben. _’_ Ern Hotel für Abgeordnete. In par kamen irischen Kreisen vei lautet, daß sich die Regiemng mn dem Plane befaßt, wegen der großen Auslagen, die das Wohnen in Hotels für die Abgeordneten der Natwnalver-- samuüung verursacht, ein »n der Rahe des Parlaments gelegenes ärärnches Gebäude m <m Abgeordneten-Hotel mmuwandeln .und so für die Abgeordneten ein billiges und passendes Absteigequartier zu schaffen.. Telegramme. Konflikt Wilson—Elemenceau. Warum Ler FriedLnsschlutz verzögerL ist. ■ Bern, S. April. Der Schweizer Preßtelegraph m-'ldet: Der Sonderkorrerpyndent des republikanischen Blades „New f')vrl T r i b u n e" in Paris telearapbrert» es feinicht die Angelegenheit des Völkerbundes, die den Friedens!chluß verzögert, sondern em ^durch Gegensätze rn den Ansichten des Präsidenten W r l s o n u n d des Ministerp r ä s i d e n r e n C l e m e n c e a u h e rv o r g e r u s entt Konflikt. Der Gesichtspunkt ClemtuceMrs sei praktisch und na t t o na V derjenige Wilsons dagegen r d e a l u n d r n t e r n a t r v n a l. - Der Sonderkorrespondent des „Daily TekegraphE schreibt: Es ist ein Ungl ü ck gewesen, daß die Beratungen der Friedenskonferenz rmaeheimen abgrhalten worden sind; es tft öbcrv noch nicht zu spät, die Gehermtuerei anfzugeben und den Völkern vuizuterlerr, was vorgeht. Wilson gegen eine Intervention in Osteuropa. . , Pari». 8. April. lFmik'vr. der Tel.-Komp.) Präsident W e l s o n hat eine Delegation amerikanischer Kongreßmitglieder empfangen und ihnen erklärt, daß unter t e i n e n U m st ä n d e n amerikanrs ch e T r uppen nach Ost- und Südost e u v oPa gesn n d t werden sollen. > Die »m Augenblick noch in Rußland' befindlichen amerikanischen Truppen tollen zurückgezogen werden, sobald das Wetter drrS gestattet. Barrikadenkämpfe in Petersburg. Chinesen schießen auf die Arbeiter. Berlin, 3. April. (Korr.-Bur.) Der „Lokalanzeiger" meldet ans Kopenhagen: Russische Telegramme aus Helsingfors bestätigen, dast es in Petersburg zu schweren Unruhen g e k o mm en i st. Die Arbeiter lehnen sich gegen den Bolschewismus auf. Es kam zu Barrikadenkämpfen, bei denen die chinesischen Soldaten des -Roten Heeres die Reihen der Arbeiter durch Maschinengewehrfeuer stark lichteten. Am die Arbeiter zu beruhigen, mußte die Brotration e r h S h t werden. Lenin erklärte in einer Rede» die Lage fei sehr kritisch; man müsse sich aber mit dem Hnnoer abfinden. Wenn die Bolschewiken die Macht im jetzigen Augenblick ans den Händen gäben, wäre das ein großer geschichtlicher Fehler. Odessa und Nikolajew von den Sowiettruppen erobert. Berlin, 3. AprÜ. (Korr.-Bur.) Das »»8 Uhr- Blatt" meldet aus Rotterdam, daß nach einem dort vorliegenden Moskauer Funkspruch die Dowiettrupven nach erbitterten Kämpfen die Festungen Nikolajew und Odessa genommen haben. Die ukrainischen Regierungstruppen ziehen sich überall zurück. Bolschewikische Kriegsschiffe in der Ostsee. -Rotterdam» 3. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) „Daily Mail" meldet ans Stockholm: In der Ostsee zeigen sich revolutionäre russische Kriegsschiff e» über deren Absichten nichts bekanntist. Amerika gibt den Handel mit Deutschösterreich frei. 9terv - Pork, 3. April. (Funkspr. der Tel.- Komn.) Das Handelsamt hat gemäß den in Paris getroffenen Beschlüssen in Aebereinstimmung mit den Alliierten die Ermächtigung erteilt, den Handel mit .Deutschö st err ei ch v o m 19. d.Ak an wieder aufzunehmen. Die Amerikaner haben den französischen Militarismus satt. N e w - P o r k, 3. April. (Funkspr. der Tel.- Komp.) . Detroit News" meldet aus Paris: Die Versuche der französischen Militärbehörden, Amerika zu Operationen «regen die Bolschewiken auch in Ungarn zu veranlassen, haben die Amerikaner in ihrem Wunsche bestärkt, sich allen europäischen Bündnissen zu entziehen und die amerikanische Armee baldmöglichst nach Hause zu bringen. Einschränkung der Uebersiedlungsfreiheit in Tschechien. Mögen der Wohnungsnot. Prag, 8. Avril. (Tel. der ..Wr. Moraenttg.") lieber Berichl des sozialpolitischen Ausschusses über den Gesetzentwurf der Regierung betreffend die Beschränkung des N e b er siedlungsrecbtes wurde das Gesetz ohne Debatte in erster und zweiter Lesung angenommen. Berichterstatter I a r o S führt die Gründe an. die die Regierung zur lleberreichnng des in Verhandlung stehenden Antrages geführt haben. Hauvtsü'Mlch sind dicS der durch den Krieg und die S t a g n a t i o n der Bautätigkeit v e rn r s a ch l e W o h n n n g s m a n g e l. Durch das beantragte Eidsetz wird das freie Uebersredlungsrecht beschrankt. Der Gemeinde steht das Recht zu, die Ueberffedlung z u v e re iteln, wenn festgesteNt wird, daß jemand un nütz erweise übersiedeln wi.ll. Die Frage von Danzig. - Haag» 3. April. <%ct der „Wr. Morgenstg.*> Aus Paris w'rd gemeldet: Der Rat der Bier bat dre nötigen Instruktionen »ilr Danzig ausgestellt. Man scheint in Paris gewillt zu sein, eine gütlich.e Lösung zu verhindern. Abfahrt der polnischen Divisionen nach Danzig. Rotterdam, 8. April. (Tel. der „Wr. Morgenzlg.") Die Abfahrt der polnischen Truppen nach Danzig ist endgültig für Sonntag den 6. April sestgestellt worden. Die deutsche Handelsflotte ein Teil der Kriegsentschädigung. London, 8t. April. (Tel.-Komp.) Wie die „Da>ly Mail" meldet, wird de bevorstehende wicht ge Eklärnug der Regierung ,m Uiueihawe über die Art bei* benschen Ktlegsenlschädigüng wahikcheinlieli große Enttäuschung h^rvvrriikm. da de deuticheHandelSslorte e,nenTe r l der K r i e g s e n t j ch ä d r g u n g ausmachen soll. Fortgesetzte Kämpfe in Stuttgart. Die T-nppen schießen. — „Streik bis zum Siege oder bis zur Erschöpfung.^ Stuttgart, 3. April. (Tel.-Komp.) Der gestrige Tag hat hier wieder mehrere Opfer gefordert. An einem der belebtesten Punkte der Stadt wurde, von den Sicherheitstruppen m e h vs a ch ,auf Ansammlungen geschossen wobeieinige P e r s o n e n g e t ö tet unir verwundet wurden. Den ganzen Tag über hörte man in ber inneren StadtMaschinengewehrseuer und v e r e i n z el t a n ch das Eins ch l a g e n v o n Handgranaten. Zn größeren Zu^ sammenstößen ist es nicht gekommen. Die Streikleitung hat für gestern und heute die Parole ausgegeben, den Streik b i S zum Siege oder bis zur Erschöpfuna sortznsetzen. Dem Gegenstreik haben sich nunmehr auch dir Bauern angefchloffen. _ Ausdehnung des Streiks im Ruhrgebiet. Die Verhandlungen ohne Ergebnis. Berlin, 3. April. (Korr.-Bur.) Dre „B. Z. am Mittag* meldet aus dem Auhrgebret: Der Bergarbeiterftrnk hat sich auch auf die westlichen Teile ausgedehnt. Bon >57.000 Arbeitern sind 102.000 nicht zur Arbeit erschienen. Der Aitsstaud dürste an Umfang im Laufe des heutigen Tages n o ch z u n e h m e n, doch hat es auch jetzt noch den Anschein, daß ein eigentlicher Generalstreik n.cht zuüaudekommen dürste. Das ist auch dre Memung der Führer der Bergarbeiterverbände. Die arbeitswilligen Bergarbeiter lasten sich durch den T err o r der S P a r t a k i st e n einschüchtern und bleiben den Zechen fern. Die Berhandlungeit zwischen der Regierung Md den Delegierten der Bergarbeiter sind bis jetzt ohne Ergebnis geblrebett. Gewissensnnd Gedankenfreiheit in Deutschland. Beschluß des Weimarer Berfaffungsansschnffes. Weimar, 3.April. Der B erfass u n g s a u s s chuß nahm heute die Abstlmmung über Arttkel 30 Md 30a vor. Der erstere wurde in einer den Vorschlägen der Abgeordneten Dr. N.a u m a n n (Demokrat) und Dr. Q u a r ck (Sozialdemokrat) entsprechenden Fastung angenommen» wonach alle Bewohner des Reiches volle G l a « b e n S-» G e w i s s e n su n d Gedankenfreiheit und staatlichen Schutz für ungestörte Religionsübung genießen. , Der Genuß bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte sowie die ZulastMg zu öffentlichen Aemtem ist u nabhanglg vom ReltgionSbekennt»is. Im Arttkel 30» wird unter anderem bestimmt:- Es besteht keine Staatskirche. Die Freiheit der Bereinigung zu Religionsaesellschaften wird aewLHrleistet^ Einer Keligions-- gesellschaft stehen die Rechte ' einer öffentlichen Körperschaft zu, sofern sie sie bisher besesten hat. Anderen Religionsgesellschaften sind gleiche Rechte zu gewöhren, wenn sie durch die Zeit ihres Bestehens und die Zahl ihrer Mitglieder eine Gewähr für die Dauer haben. Den Religionsgesellschaften werden diejenigen Vereinigungen gleichgestellt, dn sich die g e m e i n s ch a ftl i che Pflege ern er W e l t a n s ch au u n g z»Aufgabemachem Die Sonntage nnd die st a a t l i ch anerkannten Fnertagebleiben erhalten. Das Eigentum der Religionsgesellschaften an den für die Kulms- und für Wohltätigkeitszwecke bestzmmten Anstalten, Stiftungen und Fonds bleibt bestehen. Der entscheidende Absatz o) dieses Artikels über die'T r e n n n « g von Staat und Kirche wurde mit den Stimmen der Soziawemokrütm Md Demokraten sowie des Zentrumsabgeürdneten Dr. Kaas angenommen. (Die Weimarer Nationalversammlung ist sicherlich nicht das Ideal einer VölksvertretMg. Aber wie turmhoch steht sie doch über unserer Nätkonalversammlung mit ihrer großderrtsch-christlichsozialen reaktionären Mehrheit! Die Red.) Die bolschewikische Agitation in Deutschland. Berlin» 8. Avril. (Tel.Komp.) In Berlin finden fast täglich g e h e i m e B e r s a m m l u n g e n der Bolschewiken statt. Die bolschew'kischen Agenten aus Rußland passieren nach wie vor frei die Grenze. Das Zenttum dieser Reisenden ist Königsberg, wo» sie Ausweise erhalten um von da ans ungehindert nach dem Reiche oder nach Rußland gelangen nl können. Sehr verschlimmert hat sich die Stimmung der noch in deutschen Gefangenenlagern befindlichen r ul s i s ch e lt O f f t z i e r e. Auch dort sind bolschewikische Agenten eingedrungen und haben namentlich die jüngeren Offiziere in ihr Lager hinüberzuziehen verstanden. Diese jungen Ofsinere werden votl den Agenten m i t r e r ch e n Geldmitteln versehen. Wie die „Deutsche Tageszeitung^ hört, sollen die des Bolschewismus verdächtigten Offiziere in einem besonderen Lager vereinigt werden, um«die Uebertragung dieser Ideen aus die anderen Offiziere zu verhindern. Die Ukraine fordert ihre Anerkennung. Paris, 3. April. (Tel.-Komp.) Eme ukrainische Dcleaatioir ist mit weitgehenden Vollmachten in Paris eingetroffen. Wie es heißt, wird sie von der Friedenskonferenz in Form emes U l t im a t u m s die Anerkennung der U n a b h 8 n g i g k e i t d e r N k r a i n e bis zum Wochenende fordern.. Anmeldung der Einlagen nnd Aktien in der Tfchecho-Slowakei. Prag, 3. April. (Tschecho - slowakisches Preßbureaue) Mit Nücksicbt auf mehrfache Anfragen teilt bas Finanzministeriu m mit, daß Eigentümer einheimischer Geldeinlagen und Aktien (Artikel 1 und 3 der Verordnung vont 4^ März), die sich im Ausland arifhalten, die Einlagen urld Aktien schriftlich anmelden können, ohne daß sie vorläufig die betreffeiiden Einlagebücher oder Anteilscheine vorlegen. Eine solche Anmeldung muß nicht auf dem vorgeschriebenen Formular geschehen, muß aber doppelt Vorgelege werden und die genaue Bezeichnung der Einlagen enthalte», wie das betreffende Finanzinstitut, die Nitmmer des Buchrö, die Währung und den Betrag, auf welchen -es lautet, urid vor allem die Angabe, wem es gehört. Das fürdie Anmeldung zuständige Amt ist das Konskriptionsamt, in dessen Bereich sich das betreffende Geldinstitut befindet.' Dieses Amt stellt das zweite Exemplar mit der Bestätigung über bas Eintreffen der Anmeldung zurück. Diesem' Amt . werden das betreffende. Einlagebuch - (Anteilschein)' und Kafseiischeine iwrzulegcn^ sein, sobald sie in bas Gebiet der tschecho-s!owmüche,r Republik gebracht werden. Ist eilt Einlagebuch (Anteilichem; oder Kassenschein schon jetzt hier deponiert, so ist der Bewahrer zur Anmeldung verpflichtet, wird aber die Aufforderung des Konskriptionsamtes abwarten, das nach der- Anmeldung den Eigentümer zur Vorlegung atlffordern wird. Für An geh öri ge der tschecho-slowakische u NePilblik, die in Wien wohnen, wurde als KonskriptionSbehürde das Amt des Bevvllmächtigten der tschech oslowakischen Republik in Wien 'bestimmt, bei welrhem einheimisehe Einlagen nnb Aktien angemeldet werden können. /