Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 75 (3.4.1919)
- Date
- 1919-04-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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•F Sette' 4' - Wie», Döwrttstag r Telegramme. G Das LLrrrBfenÄe Stuttgart. Plünderungen. Maschinengervehrfeuer. — IeiLungsftreik. Stuttgart. April. (Wvlffsches SBitrcan.) Die p>üiM1t%u Gebäude sind von Regierungstruppen üe-. scvt.'iT^r Telephonnnd Telegräphenverkehr ist unter b 1ochen. Die Zeitungen haben sich dem Bürgerstreik, angeieblossen und er scheinen seit gestern nicht. 4' Zfev?r Stuttgart und Umgebung ist der Belagerungstüständ.'perhängt. Es wurden außerordentsiche KriegSgerichte eingesetzt. Die Organisaliorren des Handels uird der Industrie, die staatlichen und''städiiiäie» Beamten sowie die Aerzte, Apotheker und .RrchLSa »wälir haben sich gleichfalls dem bürgerliche n A b tu c h r st r e i k angeschlossen. Jul Lause des gestrigen Tages war es zu mehreren Z u s a rik m e n st ö ß'ü n zwischen Demv nstranten 1! u d R c g i er un g s tr up pen ge ko m me n, wo bei. es ürahrere Tote und Verwundete gab. Vor einer Kaserne versuchte die Mengea einen B r v t w a g e n . z u bin nd c. r n. Stus der Kaserne wurde Ma sch i neu-.' gcwehrleuer eröffnet, dem mehrere Mens ch e n ie b e,t z n m O p fer fie le n. Truppenverstärlmrgen ans dein Lande sind unterwegs. Die Verhandlungen in Spaa. Deutschland Wird in der Danziger Frage nachgeben. Paris, 2. April. (Kvrr.-Bur.) „Petit Parisieu" bestätigt, daß Marschall Foch, der morgen *in Spaa mit Minister Erzberger zusammentrifft, diesem mit- .teilen werde/.daß die: Entente, gestützt auf die durch den Waffenstillstand erlangten Rechte, dir?£> effnung Danzigs für die Divisionen Hallers verlange. Foch werde Erzberger eine 48stündige Frist zur' Anttmirt geben. Bon anderer Seite stammende Nachrichten betätigen-den bereits herrschenden Eindrucks daß Deutschland bei seinem Widerstände nicht beharren werde. Die Truppentransporte der Entente nach . Danzig nicht abgefahren. , Amsterdam, 2. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) „Daily Mail" nreldet, daß sechs abfahrtbereite Transportdampfer -mit Truppen, die nir Danzig bestimmt waren, aus dem Hafen vomLr.Havre auf Grund eines. Befehles des französischen Oberkommandos nicht ansgelatifen sind. Hälizisch-polnische Soldaten «ach Danzig? ‘; Lugano, 2. April. (Tel. der ^Wr. Morgenztg.") Aus G e-Ä u a wird gemeldet, daß 20.000 österreichisch-polnische Truppen mit der Bestimmung D a n z r g in den nächsten Tagen abfahren. , Präsident Fehrenbach verhandelt über Danzig. Weimar,. 2. April. Eel.-KovH.) Der Präsident der deutschen Nationalversammlung, Fehrenbach, begibt sich nach Berlin,, nur an den Besprechungen der Patterführer mit dem Reichs- ^kaöinett Wer/die Landung der alliierten Truppen in Danzig . teil- SMchmrn.Eme. Errtschndung über die Rerse Fehrenbachs nach Men'ist noch «ich: gefalle::. Vor dem Streikende nt Dortmund. . Dortmund, 2. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Streik äst kein allgemeiner. Es streiken nur 30 bls 40 Prozent!der Berg- und Jndusmearbeiter. Man glaubt hier, daß auch dieser Teil der Streikenden die Arbeit bald aufnehme« wird. Budapest ohne Polizei. -Budapest, 2. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bnr.) Die ft l t e-P 0 lizei hat mtt dem heutigen Tage a u s g e h 5 r t. Alle Formationen der öffentlichen Gewalt sind im Rahmen der u e u e n B 0 l k s w e h r konzentriert. Die Zahnärzte müssen Kinder gratis behandeln. Budapest, 2. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Eine Beri":bmtug des Volksbeaustragten für Arbritswesen und Volkswohlfthrt verpflichtet jeden praktizierenden Zahnarzt,, in den eigenenOrdrnationsräumen .mit den eigenen Instrumenten täglich zwei Stunden die Zähneder ihm z n g e- , w r t? t n t n Schulkinder zu behandel n. Für 'diese Tätigkeit erhält er ein Monatshonorar von 1000 Kronen [imh die Vergütung der Verbrauchsmaterialien. Entente-Truppen zum Schutze Rumäniens. Haag, 2. April. (Tel. der „2Br. Morgenztg.") Wie ..D a 2 £ t) M a i l" berichtet, wurde über Rumänien und. die bcletzten Teile Ungarns der Belagerungszustand verhängt. EntentetruvPen in der Stärke von 30.000 Man» seien bereits in Bukarest cingetroffen, Abteilungen rücken an die rumänischen Grenzen, mn m schützen. Weitere Truppentransporte folgen. Kampfe bei Pretzburg? Destern mittags traf im Abaeorduetenhause eine telephonische Mrldung ans B r u ck an d er L ei th a ein, wonach aus der Gegend von P r e ß b n r g sehr heftiges Artilleri eteuer vernehmbar sei, das schon fett dm Morgenstunden andauere. Augenscheinlich sei ein K a m p f zwischen ungarischen und i 1 ch t ch i s ch e n Truppm :ckl Gange. Vizekonsul Dr. Schwarz enthaftet. 7. Prag, 2. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der deutsche Vi;rtonsnl Dr. Schwarz wurde hetUe aus derHaft t nrlassen, nachdem für ihn die Kaution von 100.000 Kronen erlegt worden war. ' Der tschechische Oberste Gerichtshof in Brün«. Prag, 2. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Justiza n s s ch n ß der Nationalversammlung hat beschlossen, daß das Oberste Gericht von Prag nach Brünn verlegt wird. Zu diesem Beschlüße liegt ein Sieg der mährischen A 111 p n ö misten über die Prager tschechischen Gruppen. Preßfreiheit in Tschechien. ' Präg. 2. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das heutige Anusblatt der „P rage r e i t u n g" verössetttlicbt tncht MNUger als 34 Z e i t. n n g s t 0 n »i s k n t i 0 n e ti, darunter iivd 2ß dtvst'm- '»’föifrr Wiener Morgenzeitung 3. 2hM 1919 . , R» 7S .. Blutige Tage in Schwaben. > Stuttgart, 2. April. (Tel.-Kontp.) Die N e g i e r u n g s t r u P p e n in Stuttgart, die gestern noch gemäß den erhaltenen Befehle» bei Zusammenstößen sehr. zurÄckhalteud waren, gingen heute mit aller Energie hör. Zn den Hauptstraßen der Stadt, die mit ungeheuren Menschenmengen bedeckt sind, wird seit heute früh mit kurzen Anterbrechungen geschossen. Das Publikum nimmt in vielen Fällen gegen die Truppen Partei. Die Regierung ist vollständig Herrin der Lage. Zu Zusammenstößen kam es auch in anderen Städten, so in Eßl i n g e n, Friedrichshafen und GSttingen. Zn Eßl.'«gen wurde eine S i ch e r h e i t sk 0 m p a n i e beim Aussteigen aus dem Bahnzug von der Menge mit Handgranaten angegriffen, wobei es mehrere Tote und Verwundete gab. Die Ernährung der VevSlkerung ist aufs schwerste 'gefährdet. Die Gaserzeugung wurde vollständig e i »gestellt, so daß Gas weder zu Kochnoch zu Beleuchtungszwecken zur Verfügung steht. DieVorräte an Mehl reichen kaum für einige Tage. Die Lokalitäten des Konsumvereines wurden von den Spartakisten gewaltsam geschloffen. Die Beratungen der Friedenskonferenz. -Rotterdam, 2. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) '. Die Ereigniffe des heutigen Tages, soweit sie die Friedenskonferenz betreffen, gipfeln darin, daß Frankreich in Bezug auf die finanziellen und territorialen Fragen nachzuqeben beginnt. Strittig bleibt nur die Frage des Saargebietes, in der Frankreich an feinen Annexionsabfichten festhält. Die Division Haller soll zwar über Danzig in Marsch gesetzt werden, doch will die Friedenskonferenz alles tun, um Zusammenstöße der Polnischen und deutschen Bevölkerung z u verhüten. Eine große Rolle spielte in den Beratungen die ukrainische, ungarische «nd rumänische Frage. Die Kriegsentschädigung soll für Deutschland 30 MilliardenPfundSterling betragen, der Rhein soll militärisch neutralisiert werden. ’ Manfred Weist lebensmüde. B u d a p e st, 2. April. sUng. Tel^-Korr.-Vm.) Wie „Vörös Ajsag" meldet, hat fich heute vormittags der ehemalige Besitzer der Szepeler Munitionsfabrik Manfred Weiß vergiftet. Er nahm 5 Gramm V e r 0 n a l ein und wurde bewußtlos ins Parksanatorium gebracht. Sein Zustand ist lebensgefährlich. Der tschechische Hopfen muß in Schweizer Franken bezahlt werden. Prag, 2. April. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") Das Prager Hopfenexport-Shndikat hat die Bestimmungen erlassen, nach welchen Hopfen aus der Republik exportiert werden darf. Die strengen Maximalpreise sind folgende: 1919er Saazer Äopfen für Frankreich,^Belgien und die französischen Mlonicn . 550 französische Franks pro 50 Kilogramm, für die Schweiz, Italien, Spanien, Portugal, Rumänien und Bulgarien 480 Sstweizer Franken pro 50 Kilogramm, nach Deuts ch oste r r e i ch, Rußland, Polen, die Ukraine und Jugoslatvien wird die Ausfuhr nur bewilligt, wenn der Hopfen in Schweizer Franken bezahlt und verrechnet wird, oder Kompensationen geleistet tverden. . Amerika wirbt Freiwillige. Haag, 2. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Aus. Washington wird gemeldet: Die amerikanische Regiemng wirbt 50.000 Freiwillige, welche auf d r e i I a h r e ausgenommen werden. Diese Armee ist bestimmt, die amertkanischm O i k u p a t i 0 n s t r n p p e n i n E u r 0 p a abzulöseu. Der jüdische Kongreß in Kanada. Stockholm» 2. April Dem Jüdischen Preßburean wird aus London telegraphiert: Der Kongreß der Juden Kanadas, der in Montreal stattfand Md von,der gesamten Jrldenheit . des Landes beschickt war, faßte eine Resolution, in der er sich g e g e n d a s g e p l a n t e E i nwand e r u n g s.v t r B 0 t aussprtcht «nd die offene T ü r fordert. Die italienische Mission in Laibach. Die italienische Militärmission.in Wien ersucht um Abdruck nachstehender Mitteilung: Aus verschiedenen Blättern ist zu entnehtnen,. daß an Stelle der italienischen Mission, die im Februar Laibach Verlasserl hatte, eine interalliierte Mission eingesetzt worden sei. Dies.entspricht durchaus nicht den Tatsachen. Wahr ist vielmehr, daß General Segre in Begleitung einiger Stabs- und Subalternoffiziere heute ab'en ds na ch Laibach fährt, um dort zafolge Beschlusses der irrjeralliierteil Untersuchtlllgstommission: bei welcher General Segre selbst den Vorsitz führte. eine italienische Mission wieder einzusetzen. Tagesbericht. Die Kur in den böhmischen Badeorten. Von Dr.. Sanel Beer. | Die große Frage, ob., die drei'böhmischen Bade-' orte Karlsbad, Marienbad, Franzens,bcch auch heueU, " trotz der politisch unsicheren Weltlage «iinen regelrechte«)^ Kurbetrieb aufrecht erhalten werben, beschäftigt lebhaft' verschiedene. Kreise; liegen doch.diese Heilstätten, diel' allein nach den Berechnungen 12.000 Wiener Gäste ' alljährlich aufzuweisen hüben, insgesamt iry feindliche»;'' Nuslande. Gewiß werden die Tschechp-Slotoäken eben- ‘ falls das lebhafte Interesse haben, die berühmten Welt.-'' ' bäder zu neuem Ansehen.und Aufschwung zu bringt" beim diese verkörpern ja ein ungeheures, vom' Ausland zuströmendes Kapital, doch dürften 'die Tschechen ' die ihnen günstige politische Lage in Deutschböhmen ausnützen, um in diesen Kurorten die Existenzbedin-' gungen der Krträrzte/ die bisher überwiegend Deutsch!: waren, der großen deutschen Hotelbesitzer und der große» Wiener Firmen zu untergraben, die daselbst Filiale» besitzen. Abgesehen davon, daß sie gefühlsgemäß dis Besucher aus den Ententslarrdern und dien ihnen nahe-^' stehertden Slatoenreichen vorziehen, werden ihnen ftanzösische, englische, amerikanische, russische Gäste mehr Geld ins Land bringen als der einfache und gar durch ' den Krieg an einen bescheidenen Aufwand gewöhnte Reichsdeutsche oder Oesterreicher. Sv ist denn die Besorgnis der vielen Kranken^ welche die ihnen scheinbar unentbehrlichen Gesundheilsbrunnen zur Linderung ihres Leidens Und nicht zur» Vergnügen aufsuchen, begreiflicherweise sehr groß urch. Ls tritt an den Arzt wiederholt die Frage heran, 08 eine Reisemöglichkeit dahin unter halbwegs erträgliche» ' Umständen zu erwarten ist. Hierfür ergeben sich be».; Wienern beziehungsweise den Deutschösterreichern noH viele andere Schwierigkeiten. Werden sich die bestehenden Verkehrsverhältnrsse bessern? Wenn nicht, dann ist . die Ausreise für hie. vielen, oft schwer leidenden Einzelreisenden unmöglich. Und wir» man die Patienten, die in die Bäder zu wirklich notwendigen Kuren für Wochen gehen, mit den' Formalitäten der Abreise belästigen, die aller» sovie'le Wochen als zeitraubende, mtthe^ volle vorbereitende Schritte, besser gesagt, Laufereien in Anspruch nehmen? Z» ' diesen Unannehmlichkeiten gehören pttsönliche Paß- '- beschaffnng, Steuererledigung und Vermögenssicherung, Zur Wahrirng der deutschösterreichischen Interesse» - - in den böhmischen Kurorten haben sich denn alle beteiligten Kreise, alte Stammgäste, Geschäftsleute und Badeärzte zusammengetan und einem Arbeitsausschuss« die Aufgabe übertragen, sofort in Unterhandlungen mit den deutsch österreichischen und tschecho-swtvakische« Behörden zu treten^ um günstige Zustande für einen Be»': such der Bäder zu schaffen. Neben den Erleich te» rungen bei der Paß- und Steuerstelle, beH' den Zoll- und Gepäckrevisionen wird di« Einstellung eines direkten Bäderzuges ge- , fordert. . .r > Das Wichtigste aber wäre für die Kurbedürstigen die Sicherstellung einer ausreichende» Verpflegung. Diese leider so spät in Angriff genommene Aktiv» müßte rasch und erfolgreich arbeiten, um auch noch de» Minderbemittelten, die gewöhnlich dis Vor» faifon zur Kur benützen, den Aufenthalt in de» Bädern zn ermöglichen. Sollten die tschecho-flotvakifchen Behörden nicht die; nötige Einsicht zeigen und unüberwindliche Schwierig-' leiten in den Weg legen, dann haben wohl viele Wiener. — und das wird besonders schwer die sonst dort praktizierenden Aerzte treffen — ihre Existenzen eingebüßt, ' den Heilung suchenden Patienten hingegen kann ich zu ihrer Beruhigung die wissenschaftlich erwiesene Tatsache mitteile«* daß sie die angestrebten Kuren auch iw anderen österreichischen oder deutsche» Badeorten mit gleichem Erfolge durchführen'können. Wir wissen ja heute ganz gut, daß es bei den verschiedenen Küren in den böhmische» Orten nicht allein auf die spezifischen Brunnen und Quellen ankommt, die sich in fast gleicher Güte und' Stärke auch in anderen Badestätten finden, sonder» daß zur Linderung eines Leidens oder zur Gcnesüngj oft hauptsächlich der Wechsel des Milieus, das Ausspannen aus dem aufreibenden Berufsleben, die peinliche Beobachtung einer vorgeschriebenen Kur oder Diät beiträgt, zu deren Durchführung der Pätieut daheim nicht die nötige Willenskraft ausbringt. Hat doch «in sir berühmter Kliniker wie Noorden darauf / hingewiesen, daß hie Karlsbader Quellen nicht spezifisch auf Gallenblasen- oder Leberkrankheit^n einwirken und daß die Kur ebenso erfolg« reich'in Roh itsch, Wiesbaden oder Neuenahr durchgeführt werden kann. Es spielen ebeii bei der Heilung gewisser Störungett nicht gerade b& in den Mineralquellen enthaltenen Salze die Hauptrolle, sondern es sind dabei noch, mrdtre angede'ntete Momente von großem Einfluß. Unsere Kranken werden dann,.'wenn ihnen -dG Aerzte die nötige Aufklärung geben, Mit nach 5karlsbad>. Frauzonsbad, Marienbad ins Salzkainütergut nach Ischls Aussee,, Hall gehen, die. ou'. Schönheit der Umgehung,'; ieiüeslvegs den böhmischen Badeorten.nachstehen. Aeh»-.! - IM '.MlmöglichMW bi-eterl-Kuxe» i» -Pyraivarth (starke