Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 73 (1.4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 73 - Wien, Dienstag ..—>> .—««-.»■ - .. I — daß es auf alle gegenwärtig iftr Pensionsbezug stehenden Personen Anwendung finde. Auch dieser Antrag wurde nach langer Debatte heM VertreLerkollegium Angewiesen. Bor der Abstimmung stellte sich heraus, daß ein Memorandum der Beamtenschaft vorliegt, in welchem viel weitergehende Forderungen gestellt werden, als das Statut'bewilligt. Das Präsidium erklärte, daß dieses Memorandum zu spät eingelaufen sei, so daß «Z nicht inehr.l vom Vertreterkollegium habe erledigt werden können. Es wurde daher beschlossen, auch dieses Schriftstück dem Vertreterkollegium nochmals vorzulegen. In einer Resolution.vertrat1tÄ’ Plenuüi ferner die Anschauung, daß auch die Kriegsteuerungszulage in die Berechnung der PensionsL-ezüge einzurechnen ist, daher chird. das' Vertreterkollegium beauftr,rgt, diesbezügliche. Anträge bei Erledigung der anderer- Anträge vorzutzgen» / . Im ganzen werden 37.000 Krourn.an Nemrmerationen für die Verwaltungsbeamten, 12.000 Kronen für shie Diener und außerdem 400 Kronen als einmalrgex Beitrag für jeden Heimkehrer vorgesehen. Der Antrag Dr. Auerbachs, auch die L-:hrer mit einer Remuneration zu bedenken, wurde von Dr. Pappenheim dahin beantwortet, daß das Präsidium sich hiecwegen zuerst mit her Inspektion in Verbindung setzen Müsse. Dr. Auerbach beantragt hieraus, den Lehrern eventuell eine Osterremuneration zu geben, da diese doch verpflichtet sind, rituell zu leben, was bei den heutigen schwierigen Verpslegsverhältnissen mit großen Kosten verbunden.ist.: Hierauf ertönte ein, Zwischenruf: Wer zwingt sie:denn? Dr. Pappenheim vertrat die Ansicht daß-man den Lehrern, Dienern und kleineren Beachten für die Feiertage keine Remuneration geben müsse,. da diese. Herren ohnedies außertonrlich genug bekommen. . Diese Debatte beleuchtet wieder.das ganze Lügensystem, aus dem der heutige Kultusvorstand sein DaseinDiHt, Man betrachtet die?-Kultusgemeinde als religiöse Institution, ist aber zynisch .genug, zu erklären, baß-die von der Kultusgemeinde angestellten Lehrer, die lder Jugend die .religiösen Gebräuche predigen, selbst kein religiöses Leben zu führen brauchen, wenn man . durch dieses Argument den ohnedies auf einen Hungerlohn, gesetzten Funktionären einen Beitrag aus öffentlichen Mitteln entziehen kann. Man ist vielmehr einverstanden, daß diese Funktionäre sich auf das Sammeln von Almosen seitens wohlwollender Gönner verlegen. Zwar wird dadurch die Selbstachtung der Funktionär«: nicht erhöht, aber die Gemeindegrößen haben Gelegenheit, das Hochgefühl des Gönnertums auszukosten, von dem die armen Schlucker, Beamte und Lehrer, abhängig sind. - « HeOe Nachrichten. Der Blutabend in Frankfurt. Fr äntf irr t, 31. März. (Tel. der „Wr. Moigenzeitirng.") Anläßlich der heutigen Anruhen wurde auf dem BSrsePlatz ein Wachmann g etStetund in den Main geworfen. Dis Demonstranten stürmten das Kriegsgeh aub e und plünderten es aus. Auf den Straßen wurden die Akten des Vorrn un ds ch aft s g er ich t e s v erb rannt. Das Gefängnis wurde gestürmt und die Gefangenen befreit. Verschiedene große Geschäfte wurden geplündert, darunter das Hotel ^Frankfurter Hof". Schließlich griffen Matrosen ein und verhafteten nach lebhaften Schießereien etwa 200 Personen. Der Kommunismus in Prag. Prag, 31. März. (Tel. der «Wr. Morgeüzig?V Die k o in in u- N i st t f d) c Bewegung gewinm auch m Prag mehr und mehr an Boden. Em Beweis dafür war eine Arbe-terversammlang. die Herne üm 8 Uhr adendS im Gürlen des Bolkshausrs stattkaud. Obzwar, die Versammlung nrchk offiziell einberufen war, well die Zensur es verhmderi hätte» hatten sich so viele Teilnehmer emaesundeu, daß der Garten, die Fenster der Hinterhäuser sowie die Dächer, aller benachbarten Häni er besetzt waren. Als Redner tribiine drente ein B a u m st u nr.y f. Es sprachen fast alle führenden PersönUchkerren der Soäaldemokra en, darunter N e m e c, B o r e l, Dr. S m e r a l -und em Führer der Kladnoer Arbeiterschaft. Ter Inhalt oller Reden war etwa folgender: Kapitalismus und Bourgeoisie sind jetzt stärker als wir. Die geringsten sozialen Forderungen werden m der Nationalv c r f amnrlung verschleppt, die teuer erkaufte Freiheit wird unterdrückt. Fe ndt des Proletariats verstanden eS. die russische Rev'olnüon zu e»nem Schreckbilde zu verzerren, aber der UM si n r z i n U n g a r n, das uns zu nahe liegt, um falsche Berichte Herstellen zu können, zeigt uns. wie die Diktatur des . Proletariats m Wahrheit aussteht. Wir grüßen die P.oleianer aller Länder, kein Arbeiter wird gegen die magyarischen Brüder m Felde ziehen. (Zwischenruf: Dre Prager Fleischer wollen gegen Ungarn marschieren.) Dre Weltrevolution des Welcproletariats wird an .umcrer Grenze Nicht Halt machen. Wir warnen die Regierung, die sich hüten möge. .. (Ein Legionär ruft: Bor Di.r?l Stürmische Ruse gegen die Legionäre.) Unser Erstes Miß se>n, uns zu organisieren! Dieser Versammlung Men und müssen andere folgen, bis unsere Forderungen in Fleisch und Blut iibe'-gchcn. Es müssen Apostel ausziehen, um m den Fabriken und auf der Straße Jünger zu werben. In allen Unternehmungen müssen Arbeiterräte gewählt werden, dckrkrt wm zum großen Kämpfe gerüstet find. Zum Schluffe wurde eine Resolution angenommen, die m scharfer Form die bekannten .>o-,alisti'chen Forderung«: enthält. Aus der Versanimliing wurden Rufe laut, Mmra möge sprechen. Dr. S m e r a l ragte dararÜ! Ich bitte Euch, nicht zu verlangen, daß Muna heute hier spreche, uiiicrc Feinde sollen bei uns sehni» daß eS t»ns urchi um die Person, sondern um die Idee geht, Eure Führer sind alle bereu, als einfache Mitkämpfer an Eure Seile zu treten, namenlos zu werden, wenn der KMpj h§LWt. — In dizfM AugttMiche Urzlen mi dem Wiener urlorgenzeuung 1. April 1919 Seite 5 / .. --....----- - -.— r.-.-; --■■•rti,. - . .. . Rufe: «Platz gemacht!^ Legionäre in den Garten, um M un a zu verhaften. Der Versammlung bemächtigte sich eine arge Aufregung, die sich ans die Straße sortpflanzte, wo beide Parteien Snkkurs erhiclicn und noch lange in er regten Gruppen ihre. Memimgsverschlcdenhciten aussochten. Der größere Teil der Versammlung zog dann unter Absiugung der „R o t e n F a h n e""nach Zizkow. Die Verhandlungen mit den Mittelmächten sollen am 1. Mai beginnen. Berlin, 31. März. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Amsterdam: Nach Mitteillingen von amerikanischer Dcile sollen die Verhandlungen in Versailles in Gegenwart der V e r t r e t c r der früherenMittelmächte, wenn irgend möglich, am l. Mai beginnen. Wilson habe angeblich endgültig dnrckgesetzt, daß die deutschen Vertreter gleichzeitig mit den Delegierten der früheren Verbündeten Deutschlands nach Versailles eingeladen werden rmd daß der Welrfriede durch einen Gesamtfrieden wieder bcrgestellt werde. Es sei Wilsons Wunsch, daß möglichst viele Losungen dem Völkerbund überlassen werden. Zweitausend Familien beherrschten Ungarn« Budapest» 3l. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Präsident der Räterearerung Alexander G a r b a i hat heute in Szatmar eine Rede gehalten, in der er aussührte: Die Klaffenherrschaft mit ihrer wirtschaftl'chen und Bodenpolitik hat dieses Land m eine Katastrophe geführt. Zweitausend Familien besaßen zwei Drittel deS Grundes und Bodens in Ungarn. Die gesamte staatliche Maschinerie, die Justizpstege, die Verwaltung, die Armee lag in ihren Händen, und die im Elend lebenden Proletarier waren gezwungen, nach Amerika anszuwandern. Dre wirtschaftliche Bodenpolitik machte dieses Land bei den südslawischen Nationen verhaßt. Redner schilderte sodann den Zusammenbruch des alten staatlichen Systems Rußlands und Mitteleuropas und verwies auf die Unmöglichkeit, das alte System wieder herzustellen. - . Dre italienische Militärmission dementiert dre Anruhen in Italien. Die politische Kommission der italienischen Mrlitarmisstou in Wien, mucht um Veröffentlichung folgender Mitteilung: Die m den heutigen Zciurngen erschienenen Nachrichten über angebliche Unruhen in Italien sowie über Maßnahmen, welche angebl ch vom Gouverneur in Trrest wegen drohender Gefahr einer Revolution in dieser Stadt getroffen worden wären, find vollkommen unbegründet. Amerika sucht Absatzgebiete für Kohle. z Frankfurt, 31. März. (Tel. der „2Br. Morgenztg.*) Wie die „Frankfurter Zeitung" aus Rotterdam meldet, ist seit der letzten Woche amerikanische Kohle über Rotterdam nach derSchweiz geliefert worden, und zwar z u w e s e n t l i ch b i l l i g e r e n P r e i s e n als aus dem Rllhrgebiet »md England. Amerika ist bemüht, langfristige Kontrakte über Kohlenlieserungen m Europa abzuschließen. Eingesendet. fiorle kelgeNrns vr.fiMS.8lrr Wien Wien Verlobte. Die Ernährung. Die Brotkürzung wieder aufgehoben. Vom Staatsamt für Volksernährung wird folgende Mitteilung veröffentlicht: Da die Lebmsmittelzüae, die durch dir Verkehrscmstellung aufgrhallen worden waren, zum Teile bereits eingelangt find und außerdem dre heute eingetroffenen Nachrichten die Sicherheit geben, daß auch in den nächsten Tagen aut entsprechende Zuschiibe zu rechnen ist. »st das Sraatsamt für Volksernähr-ung tn die Lage versetzt, die z w e i t e Hälfte der Brotration un Lause dieser Woche ausgcbrn zu können, io daß dir am Samslag verfügte Brotverkürzung, wie bereits angekündrgt wurde, wieder aufgehoben wird. Die Aushebung wird dadurch erleichtert, daß die zuerst eingelangten Transporte aus Mehl bestehen, so daß der gesürchteie Zeitverlust, der durch die Vermahlung von Getreide verursacht worden wäre, nicht eingelretrn rst. Wie verlautet, gelangt die für diese Woche gesicherte volle Brotquote unter Verwendung von F e i n m e h l zur Ausgabe, so daß das dieswöchige Brot fast wir Weißbrot ausfallen wird. Neue Erhöhung der Brotpreife. Dse gestern nach Trrest abgerciste deutschösterreichische Kommission wird dort mit der von Mr. Butler geführten Eutenie-Lebensnintelkommisston Verhandlungen über eine bedeutende Erhöhung der LrbcnsmiktelzusckÜbe verhandeln. Mit der also m «wa 4 bis 6 Wochm zu erhöhendenBrotundMehlquote wird, wie wir erfahren, auch eme Erhöhung der Preise für Brot und Mchl kommen. Es dürfte dabei die seinerzeit vom E nährnngsamt geplante Brotsteuerin Kraft treten, ebenso eine lleme allgemeine Pre.Serhöhung. Der Marktbericht. Die Markte kommen täglich immer weniger für die Versorgung der brerlen Massen in Betracht. Nahezu täglich verschwindet ern Artikel, der bisher wenigstens emem Telle der Vrwlkerung auf Märkten zugänglich war. Weichkäse, der bis vor kurzer Zeck fast an jedem Stande der Grünwarenmärkte z» haben war. ist seit zwei Wochen gänzlich verschwunden, ebenso F l e i s ch w ü r st e, und nun sind seit gestern Nicht einmal die Minderwertigen W eich Würste zu haben. Bei den Verkaufsständen der F i s ch m 8 r k t e waren bisher täglich — wenn auch nur in geringen Mengen — wenigstens getrocknete oder geräucherte Klippfische zu haben, gestern verfügte die Großmarkthalle nicht einmalüber diese Flschgattung, die trotz deS hohen Preises in dm letztm Tagen stürmisch begehrt wurde. Dre Beschickung der Grünwarenmärkte will auch nicht in Gang kommen. Die Produktion der Frühgemüse wird begre-flicherweise durch die kalte Wrttenmg sehr beelnträchkrat, und da auch gestern nur sehr wenig Rüben hier r,nzelangt sind, wird selbst die Auswahl an Rüben immer Heiner. Gestern gab rS tast nur Halm. »Iben und Zilckerrübeli. Ka'ölten waren nicht ausrelchklid vertrete«, rote Rüben und Kohlrüben überhaupt nicht zu haben. In der Viktualienhnlle wurden unter stürmischer Nachfrage IS Kisjes E i e r verlaust. Ausgabe von Zucker. - Wie amtlich mitgeteilt wird, soll die Ausgabe von Zucker demnächst wieder ausgenommen werden. Ausgabe von Kondensmilch. Für die Zeit bis zum 27. April soll wieder Koudeiisnnlch an Kinder abgegeben werden. Kinder vom 1. bis ztnn 2. Lebensjahr soll«: fünf Dosen, bis zum 6. Jahr zwei, bis zum 14. Jahr ' eme Dose erhalten. Die Schweizee Liebesgaben. Das deutschosterrerchrsche Staatsanit für Finanzen hat gestern den zweiten Schweizer Llebesgabenzug zollfrei gegeben. Dre Fürsorgezentrale (Abteilrmg für Ansspeiseaktioneii) wird die Zufuhr an dir Vcctnlungsstelley so ' rasch als möglich durchführen, worauf dann durch die Frauen» ärbeitskomrtees der einzelnen Bezirke m erster Lrnie jene Mindest» bemittelten (Fam'lien mit Kindern von 2 bis 8 Jahren) beteilt ■, werden, die bei der ersten Verteilung nicht berücksichtigt werden konnten. ES wird darauf aufmerksam gmracht, daß dre Lebens- Mittel vor der Ausgabe erst fordert werden müffm, daher dieerstenVerterlungen frühestens erstEade nächster Woche möglich sein werden. Die Frauenarbeitßkomitees werden die Verteilungstage verlautbaren. Mindestdemitteltenfürsorge. Außer der allgemein anszugebenden Haterreiszubuße als Ersatz für das fehlende Fleisch wird an die Besitzer der rosafarbigen Einkauffcheme für Wohlfahrtsteisch in der 97. Woche in den bekannten Ständen der Großschlächterei Vestenthaler Suvpenmaffe gegen Abtrennung dH Abschnittes 14 an folgenden Tagen ausgeaeben. Donnerstag. 8. Avril, A bis F, Samstag, 5., G bis K, Montag, 7., L biS R und Mittwoch, 9. Avnl, S bis Z. Auf jeden- Kopf dcs Haüs» Haltes entfallen 5 Dekagramm (etwa V-o Liter) zürn Preise von K —.30. Da Papiersäcke nicht beschaffbar sind, wollen solche mitgebracht werden. Die Supvenmaffe ist mit kaltem Waffer anzn? rühren und 25 bis 30 Minuten kochen zu lassen. 5 Dekagranwt ergeben einen Liter wohlschmeckende und nahrhafte Suppe. Bühne mb Kunst. Neue Musik. I (ZweitesAnbruchkonzert. — Konzerth au S» q u a r t e t 1. — Klavierabend I o k l.) Egon Kornauth hat die Widerstände, die sich sefttem Schaffen anfänglich entgegensetzten, besiegt. Man begegnet' -' immer häufiger auf Konzertprogrammen seinen Werken (und deren sind nicht wenige), die meist alle Vorzüge des jnngM Künstlers, Originalität/ frische Erfindungskraft und bet* standnisvolle Beherrschung der Form vereinigen. DoistMk Schneider, der verdienstvolle Initiator der „Anbrü^s* konzerte", verhals diesmal einer neuen Violrnsonate zur Kv» aufführung. Ein zweisätziges Stück, dessen erster Satz dsrr- Schwung Schumannscher Allegroteile auftveist, sich aber auch, zuweilen von bloßer Geschäftigkeit treiben läßt. Der zweite' bringt innig empfundenen Gesang und die Grazie vorrwhM stilisierter dreiteiliger Rhythmen. Mit dem stimmungsvollen! Abgesang fand die Sonate erfolgreichen Abschluß. Don zwei Kammernrusikliedern Felix Petyreks gefiel „Spät" durch r harmonisch gnt gewählte Textillustration. „Der Wind" zeigt' reichen Klangsinn in der Orchestration des Windesbrausens, doch, löst das Lied das Problem des einheitlichen BauÄ und der Deklamation nicht völlig. Fünf Gesänge von Franz Schreker, vo ntiefer Melancholie beschattet, wurden durch Emmy Heim zum Vortrag gebracht. Gleichartigkeit der Stinnnung, die erst in den letzten beiden bunterer Farbengebung wich, war der Wirkung einigermaßen abträglich. Don Schluß des Konzertes bildete ein Trio von Debufsy in der ungewöhnlichen Besetzung von Harfe, Flöte und Viola. Lftp,- Verschmelzung der Harfenarpeggien mit den tiefen Flöten-, registern und dem Gesang der Bratsche wirkte interessant, doch, mutete das Ganze eher wie eine Jnstrumentationsstudie dei^ geistvollen Franzosen, als ein aus zwingender Notwendigkeit' geschaffenes Werk an. Den Ausführenden an diesem Abends' Aranyi, Doktor, Pollatschek, Fräulein Goldner, und van Vier gebührt wohlverdientes Lob. Zwischen Tschaikowsky und Schubert erschien am zweite»' Abend des Konzerthausquartettes Franz Mittler.. Mt einem neuen Werk „Aus dem Wanderleben". Der Konipomst scheint aus diesen Wanderungen die ehemallge österreichisch«., Heimat durchquert zu haben und aus den Ebenen deS Ostens; die ländlichen Themen des ersten Satzes ausgenommen haben. Dieser Satz trifft im musikalischen Borwärtsschreiten und Derweilen die Wanderstimmung am glücklichsten. Die Mittelsatze sind schon musilliterarisch beeinflußt, 'her letztehingegen verbindet Fuge und Czardas. mit glücklichem, Griff, zu einem kunstvollen Gefüge. Mittler fand für seine Arbeit schmeichelhafte Aufmunterung. Ein mustergültiges Programm hatte sich Georg Io kl für seinen Klavierabend gewählt. Nowak, Marx, Luk/ und Zemlinsky waren nebst eigenen Stücken darin, vertreten. In. allen war die Vorliebe des Vortragenden für farbige, bildmäßige Gestaltung, ohne Virtuosenprätention, deutlich zu fühlen. Jotts Klavierstücke zeigen diese Llrt am deutlichsten. Musikalischer Humor ist nicht ihre , schlechteste Seite. Die von starker Begabung zeugenden Leistungen des jungen Musikers verdienten größere Beachtung, als ihnen scheinbar bislang geschenkt wurde. Dr K. M. Vorlesung Jakob Wasser mann. Als Gast des SSpv* . eines jüdischer Gelehrter und Schriftsteller „Haruach". erschien gestern Jakob Wassermann am Borlesepult pc§>. Architektensaales. Wassermann ist zweifellos die stärhbL und jüdischeste Persönlichkeit unter den jüdischen Epikern deutscher Zunge. Der Strom seiner Produktivität, eut-- springt urjüdischen Quellen, zu denen auch das Be- , wußtsein des Künstlers zurückgafunden hat. Aus dsr Erkenntnis dieser lebendig wirkenden Urkraft .hat Wassermann tiefstes Wissen von jüdischem Wesen, schöpft, .^dessen ewige Substanzialität er von Herr^ Schlacken der der euwpäischen Welt geläufigen, ihr zugänglichen Erfcheinungssormen reinigte. Diebeiden bekannten Stücke über Judentum, mit denen der Dicht« seine Vorlesung einleitete, gehören zu dem .Schönt J und Tirjshm. das über. Judentum gesagt