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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-01 · Heft 73 (1.4.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 73 (1.4.1919)
Date
1919-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien. Dienstag Wiener Morgenzeitung 1. April 1919 Seite 2 FreundsZ Robert St ricker in die deutschösterreichische Konstituante erzielte, wik. Wir begrüßen mit herzlichster Freude Liesen Erfolg uNb wissen, daß von nun ab die Vertretung der nationaljüdischerr Forderungen in den besten Händen sich ' befindet. Diese Forderungen stttd LöenLffch überäÜ dort,, wo Juden in größerer Zahl wohlreU. Sie sind gerichtet auf Anerkennung der Jude« Lls Katts» M»d itzewährung n ationaler Mtuher he it-vecht S a» fit. Roch bedeutsamer als die Erfolge in DeutfchöjM ciq ist, was sich irr den letzten Monaten auf der Weltbühne für den Zionismus ereignete. Palästina ist unter Mitwirkung der tapferen jüdischen Legion von der Türkenherrschast be reit worden. Nach einerlangen erfolgreichen Kampagne iß ei * den Führern unserer Organisation gelungen, im Sinne der Postulat« Theodor Herzls die Anerkennung der Judenscage als, internationaler Frage Lurchzusetzen und sie vor jrnrS Forunl zu bringen, das heute über die Neugestaltung b.w Welt entscheidet. Ewig denkwürdig i» unserer Geschichte der 27. Februar 1919 bleiben, an dem unsere Führer Sokolow, Ussischkin und Weizmünn der Kommission der Friedenskonferenz, diesem Rat« der größten Staatsm.mner iöer Welt, die Forderungen des zionistischen Judentums, daS freute drei Viertel Mer Juden der Erbe «präsentiert, nach einer nationalen Heimstätte für das Misch« Volk in Palästina vorletzten. Aber ebenso wird in der Geschichte unseres BolkeS der Name jenes Verräters -zu ewiger Schmach erhalten bleiben, der sich unterfangen hat einem nichtjüdischeU ExpansiottSaelüst Knechtesdienste zu leisten und als Jude gegen die Forderungerl des nach endlicher Erlösung ringenden Vierzehnmillionenvolkes zu intrigieren. Durch dieses verwerflich« Unterfangen wird nicht verhindert werde», daß «in gutes Stück unseres Programms erfüllt ist, das unser unsterblicher Führer vor mehr als zwei Jahrzehnten ausgestellt hat: die Weltmacht« haben im Prinzip die Judenfrage als eine internationale Frage »nöihre Lösung durch die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina anerk annt. Noch find wie nicht an» Ziel. Unserer gesteigerten Erwartung und unserer drängenden Nngebnld ward noch nicht dis endgültige Entspannung. Roch sind zahlreiche Schwierigkeiten z» überwinde«. Di« zionistische Organisation wird ihnen di« Stirne biettzn und auch weiterhin nach den Lehren Theodor Herzls ihr ganzes, volles Programm, ihren Rechtsanspruch auf ein autonomes nationales Leben, nach den eigenen Bedürfnissen des Volkes, der Welt gegenüber vertreten. Nur durch unbeugsames Verharren auf seinem ewigen Rechte das hat uns der Weltkrieg gezeigt — kann ein Volk den endliche« Erfolg erringen. Einig mit allen andere« Teilen der zionistischen Organisation steht die unsere auf dem Boden des Baseler Programms und der Kopenhagens« Proklamation. Wir verlangen, daß Palatina dem Völkerbund direkt unterstellt und von diesem Großbritoarntrn als Mandatar mit der Verwaltung betraut tvsrds. Wir fordern pin ungeteiltes - Palästina innerhalb feiner historischen Grenzen, wir fordern solche Bedingungen für unsere Niederlassung im Lande, daß unsere Kräfte sich bprt frei entfalten und die nationale autonome Heimstätte für das jüdische Volk sich entwickeln kan«. In diesen Postulat«« liegt auch nicht et« Gran von Unduldsamkeit mb. Imperialismus. Wk wollen im herzlichen Einvernehmen mit unserem nunmehr befreiten arabische« Brudervolk vorgehe« und wir sind froh bewegt, daß dessen Führer, wie dies Emir Fels ul verkündet hat, von ähnlichen Gefühlen gegenüber kl« zionistischen Bestrebungen beseelt sind. In bezug aus de« Ausbau lttifent Heimstätte wird unsere dSutschösterreichische Organisation sicherlich, treu ihren Traditionen, für dis Schaffung aller Voraussetzungen eintreten, welche eitle gesunde soziale Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens verbürgen, vor allem für die Nationalisierung des Bodens. Die Delegierten aus unserer Mitte sind für die sozialen Prinzipien erfolgreich eingetreten, schon zu einer Zeit, wo ber Weltsieg des Sozialismus noch in weiter Ferne lag, und auch innerhalb der Organisation noch keine spezielle sozialistische Gruppe bestand. National und sozial in der inneren Organisation, friedlich und brüderlich allen anderen Völkern gegenüber, so wollen wir Zionisten, getreu unseren urjüdischen Idealen bei der Neugestaltung der Welt, die sich unter heftigen Erschütterungen vollzieht, sein und bleiben. Don diesen Grundsätzen beseelt, waren wir unter den Ersten, die die hohe Idee de- Bundes der befreiten und sich selbst Lesttnlmenden Völker mit EnthusiasNlus begrüßt haben, die als Richtschnur für die Neuordnung der Erbe dienen soll. Dies nicht nur aus drin Grunde, well wir darin die Erfüllung der unsterblichen Ideen, die Unser« Propheten in die Welt gebracht ,und di« einzig und allein vom jüdischen Volk rein bewahrt worden sind, erblicken, sondern auch, well dt« endgültige und restlose Derankrrung der Recht« unseres eigenen Volkes nur durch den Völkerbund geschehe« kann. Dies« Forderung wirb von der zionistische« Organisation und den jüdischen Nationalraten mit dem Nachdruck erhoben, den baS Bewnß.lein verleiht, für die ungeheure Mehrheit des bisher entrechteten Vterzehnmilltona-dolkeS i* sprechen, jenes Volkes, bas die hohen Ideen der Freikit, des Rechtes und des BölterfriedenS tu die Wett gebracht hat, selbst aber bis -um heutigen Tag Unsägliches leide» «re**». weil diese Idee» im Völkerlebrn sich nicht durchsetze*» kannten. Die Haltung der nichtjüdischen Wett gegenäkr den Juden und ihren Forderungen aus Gewährung ihrer Rechte wi.d auch jetzt, »vre immer, der Prüfstein dafür sein, ob lene Idem nicht wieder nur Dekoration. Worten, mir derlei» ihr Gegenteil verbellt wnd. geblieben, odcr ob sie wirklich Lcitsterae für die Kenordnemü der Welt geworden sind. Spartakistenpntfch in Frankfurt am Main. Frankfurt, 31. März. (Tel. der „Wr. Mor? genztg/) Die Spartakist-« Labe« heute «achmittagssinan cr roß an ge lag te n Putsch auSqeführt. Am Roßmarks wurde die PottzeLwachftube, da-SosaL „Frankfurter Hof" sowie ein angrenzendes großes GeschZftslokal gestürmt. Zurzeit — 8 Ahr abends — Lobt ein heftiges Maschinengewehrfeuer zwischen Spartakisten nnd Regierungsrruppen» _ Raab und Pretzburg von den Italienern besetzt? London, 31. März. (Tel.-Komp.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß laut einer drahtlosen Meldung itatlentsche Truppen Raab besetzt haben, während andere italienische Truppenabterlungsn in der Stärke von 7000 Manu in Pretzbnra einzogen. (Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt bis zur Stunde nicht vor. Anm. der Red.) Beschlagnahme des Schmucks in Ungarn. Budapest, 31. März. (Ung. Tel.-Korr.- Bur.) Im Sinne einer Verord ung der RLtereglerung find Goldgegenstande, Juwelen und Edelsteine, verenderzeitiaer Wert pro Stück K 2000 Übersteigt, an den VolkSkommiffSr für soziale Produktion abznliefer«. Ein Gegenwert wird nicht gegeben. Politische^undschau. Sitte englische Stimme über die ZttKttttst DevtschNfterreichs. „Daily Telegraph schreibt im Anschluß an die letzte Rede Dr. Bauers in der bsrrtschösterreichischen Nationalversammlung: „Während die Friedenskonferenz über Ideale debattiert, handeln die Sozialdemokraten in Deutschland, Oesterreich und Ungarn. Die Monarchie durfte sich ohne Kontrolle auflösen, jeder ihrer Steile sucht daS möglichst beste Geschäft zu machen. Oesterreich und Ungarn könne nichj geadelt ts(5^sn. Hfe wollten alles tun, was die Entente' wünschte?'aber sie wurden sich selbst überlassen und zum Anschluß an Deutschland getrieben, das sich so für den Verlust Elsaß-Lothringens und Schaffung eines unabhängigen Polen entschädigt. Die Deutschen faßten in Wien und Pest festen Fuß und nehmen die früher von den HabSburgern besetzte Stellung ein. In fünf Jahren wird es kein unabhängiges Tschechien und Jugoslawien geben, denn Wien und Pest sind die natürlichen Clearinghäuser und Verbindungen für alle diese Länder und Völker. Unfähig, die Pflichten ihrer neuen Freiheit politisch klug zu tragen, häuften die Tschecho-Slowaken Fehler auf Fehler, trieben Oesterreich und Ungarn zum Anschluß. All dies wäre zu vermeiden gewesen, hätten die Etttenteführer statt des Versuchs, alles von Paris aus zu regeln, die gegenseitigen Beziehungen, dieser Staaten unmittelbar nach dem Waffenstillstand organisiert und kontrolliert. Die Operettenpolitik der Tschechen erreichte mit der Aufdeckung eines Waffenkomplotts Oesterreich-Ungarns zur Invasion in die besetzten Gebiete seinen Höhepunkt. Oesterreich hat überhaupt keine mobilen Truppen und Ungarn hat genau 14 Bataillone Infanterie, IV, Batterien Artillerie. 3 Schwadronen Kavallerie und 8 an der slowakischen Front zerstreute Aeropkane, was Foch bestätigen kann. Oesterreich und Ungarn unter deutscher Erziehung sind viel zu geschickt, solche Angriffe gegen ihren früheren Schwesterstaat in diesem Stadium des Spiels zu machen und meinen, durch Zuwarben alle Karten in ihrer Hand zu behalten, sobald der Anschluß an Deutschland perfekt wird. Die Pariser Konferenz verlor ihr ganzes Prestjg« durch ihre zuwartenbe Taktik, und da- Gerücht findet Glauben, sie habe jetzt keine Truppen; ja, die Extremen erklären, sie dürfen aus Furcht vor bolschewikischer Ansteckung keine Truppen schicken. Wenn nicht schleunigst Maßnahmen getroffen werden, so wird die alte, heilige Allianz: Oesterreich, Ungarn, Deutschland und etwas später Rußland., ein fester teutonischer Block, bald einen Strich durch die .knospenden tschecho-slowakischen und jugoslawischen Aspirationen entlang der rumänischen Front und dann über den Balkan ziehen und damit die junge Freiheit dieser befreundeten Republiken vernichten. DaS Heil liegt in unmittelbarer Schaffung eines Douaubundes unter Führung und Schutz der Entente. Jede der neuen Republiken sollte zur Konferenz zugelasseu werden und ihre Ansprüche offen klar legen. Rur bann kann ein harmonisches Zusammenleben der lr' hsr habSburgischen Völker Zustandekommen. Finanzisron, um nicht vom Bolschewismus beiseite geschoben zu werden, ist daS Entscheidende. OesterreW Schuld, zu Lorkciegsvaütta gereKnet,. Nr.?r beträgt 3.6 Milliarden, nach dem jetzigen Wert dev Krone 860 Millionen Pfnnd. Deutschösterreich sollt« nur für ein Wertes haften, im Falls des Zusammen-! schlusses mit Deutschböhmen aber für ein Drittel. Falls. Oesterreich aus dem Anschluß beharrl, «ruß! die Entente von Deutschland die Aebernahme der ganzerrs 860Milltonen Pfund Schuld verlangen, ivcksder Tschechoslowakei, Galizien, Schlesien, Kroatien, Slawoniens Bosnien, Herzegowina mb den anderen Ländern Akt-i österreichs den Beginn ihres neuen Lebens ohne Schulj den ermöglichen würde. In gleicher Weise müsse mit? der ungarischen Schuld von jetzt 430Millionen Pfunds (alte Parität 1.8 Milliarden Pfund) verfahren werden.! Denn wenn sich Deutschland mit Oesterreich, Ungarn- und Deutschböhmen verbündet, würde seine Bevölkerung! um 21 Millionen steigen und auf die Person eine Schuld! von 61 Pfunb 10 Schilling entfallen, wobei die Sftet-j reichifch-rrngarische Schuld mit 1.59 Milliarde» Pfund! zum jetzigen Kronenwert gerechnet wirb. Werden aber! die Schulden der Staaten zuin Vorkriegswert der Krone' berechnet, so beträgt die vereinigte Schuld Oesterreichs Ungarns, die von Deutschland übernommen würde,.! S.4 Milliarden oder 267 Pfund 13 Schilling per Kopf,i ein hoher Preis in dieser Zeit abbröckelnder Finanzen.! Jedenfalls waren dürfe Schulden für einige Jahr ein, Hemmschuh der „teutonischen" Ausdehnung gegen de»! nahen Osten. Festzuhalten aber ist, daß die ganze öfterj reichisH-ungarische Monarchie bankerott und der Geist des Volkes für legitime, konstitutionelle Entwicklung! so geschwächt ist, daß der Keim des Bolschewismus es besonders jetzt sehr leicht hätte. Nur die sofort! Einstellung der Pariser Konferenz auf die realen fachen kann Europa vor Unsäglichem Unglück rtt i)lber wird Europa je erwachen? El« Pla« zur Zerstückelung Deutsch, Ssterreichs. Die ungeschickte, allzu impulsive Behandlung der. Anschlußfrage durch de» Staatssekretär Dr. Bauer, hat uns schon viel Schaden gestiftet. Erst wurden die Franzosen unruhig, dann entstand ein lebhafter Presse-j krieg in LIalien und nun behandeln auch die „Narvdni' Lisch", das Organ der Prager Regierung, diese Frage in einer Weise, die bei allen Bewohnern DeutschösterreichS lebhaftesten Widerspruch Hervorrufen muß. Man muß wirklich das Auswärtige Amt nochmals und nach-i drücklichst um Vorsicht bitten. Mit einer Porzellankiste^ darf man nicht Fußball spielen. 1 Die „Narodni Lisch" führe» aus, baß die! Deutschösterreicher, um sich durch die Pariser Friedenskonferenz vorteilhafte wirtschaftliche Bedingungen für ihre Existenz zu sichern, fortwährend drohe»,! baß sie. sich »Deutschland anschließeu werden, um dessen Militärmacht für den künftigen Revanchekrieg zu kräftigen, was insbesondere den Franzosen nicht geringe Sorgen verursacht. Es bestehe daher die begründete Befürchtung, daß der tschechv-slowakischeUi Republik und dem Königreich der Serben, Kroaten, und Slowenen schwere Verpflichtungen oh« jedej Konzession zugunsten Deutschösterreichs für dessen- Nichtanschluß an Deutschland auferlegt werden.; könnten. '!!' Die „Narodni Lisch" bezeichnen es daher als. wichtig, baß sich dis Regierungen in Prag nnd Bel-i grab ehestens über ein gemeinfanres Vorgehen in? der bentschösterreichischen Frage verständigen. Dü- Deutschösterreich aus zweierlei Art von ALndergebieten bestehe, so müsse man darauf beharren, daß es in seine natürlichen Teile zerfalle. Den eiueni Teil bilden die deutschnationalen, den andern Teil die slawischnationalsn, aber germanisierte» Gebiete^ Aus den deutschen Teilen, Vorarlberg, Tirol nördlich des Brenners, Salzburg ohne Lungau und Oberösterreich sei eine selbständige Salzburger. Republik, zu errichten, deren Neutralität international! verbürgt werden würde. Sie würde mehr als 31.000 Quadratkilometer mit «tlva H/a Millionen Einwohnern umfassen. I Aus dem slawischen, aber germanisierten Teile Deutschöfterretchs follen^ zwei selbständige Staaten gegründet werden. Nieberösterreich mit Men ohne Deitraer Gebiet und ohne das Marchfeld soll eine selbständige Republik bilden, in welcher die tschechischen Minderheiten im Hinblik auf ihre Zahl ähnliche Rechte erlangen würden, wie sie die Deutschen in der tschecho-slowakischen Republik genießen werdem. Nur in einbm solchen Falle könnte von einem wirtschaftlichen Anschluß der Wiener Republik an die Tscheche-Slowakei gesprochen werden. Lungau und die Steiermark nördlich von Wildon sollen in eine selbständige Murrepublik unigewandelt werden, in welcher die flowenischen Minderheiten nationale Rechte erlangen würden. Dieses „germanisierte" Ge-' bist könnte in engere wirtschaftliche Beziehungen zn SÜdslawien treten. Das Pustertal, ganz Kärnten und Steiermark südlich von Wildon sollen SÜdslawien zufallen. Rur unter solchen Umständen könnten Tschecho-Slowaken und Müdslawen gewisse Verpflichtungen gegenüber den germanisierten Teilen der Alpenländer übernehmen. Diese Aendernngen hätten auch daS Verschwinden jeder Spur von Deutschöfterreich zur Folge und damit auch das Ende des „Dranges nach Osten Die Meinung des Auslandes, daß uns an» nächsten benachbart ist, bars nicht uilterschätzt werden. Auch nicht von der Sozialdemokratie, die geradehin der Anschlntz--

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