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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-01 · Heft 73 (1.4.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 73 (1.4.1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f I Sii»,»Iervmplavr Kreis 30 Heürr llriwr-n «r «rtm,»»v»is» t V<f«' ©»♦ flufltllnna tu» finu«* Monatlich. . .K 7.- grtrrtelf&ivlii . . „ 30.- «EL'irtql . . . „ 40.- «•ntffMftig.80.— Mit 9!oRt»cvfmi'or skon 44088. Nevakllo» 48810. ttti 8 Uhr ab»ndo N». 10801 'lb )-■ « /// 7" / /" WlüjfWWWIlIiW ‘ Kreis 30 Heiler iic^c-.^ieratlonO-» pvait* k»v da« LUonatltch ...» 8^— Ni-rt-lfShrk, . »4*- , , * 48.— <0«t»tffäftrlg . . M 98.— Aodakri»» w. Admiv«-»«» tion: Mit». TI. ■ £atr<rr|t£rt*« Kr. »—*» Vostfp»»lrass»«-K»«t» «». 150.408 Rr. 73 Wien, Dienstag, den 1. April ISIS 1. Jahrgang a^n-"""--nr' ■■.—■t.7, ,m- .-"■■■,■-.■■-77’Ta.TaaBaaaa'S-iTT7ynirssivg ■, ■ •■■■•■■■■ , ■ M,ari.7aT-,i7—i-..—i—un..«.r-!-n Die Slegfriedenskonferenz. —y. 2B t Mt, 1. April. Die Meldungen, wonach die Entente in Ungarn und Rußland nicht enterveniercn will, verdichten sich. Die bewaffnete Intervention ist auch sehr unwahrscheinlich angesichts des Mißvergnügens in der breiten Bevölkerung Frankreichs und in der Orientarmee. Bezeichnend hierfür ist eine Debatte, die in der vorigen Woche im französischen Senat stattfand. Ein Senator brachte eine Reihe von Beschwerden der Truppen der Orientarmee vor, die lebhaft an die Beschwerden erinnern, die von unseren Soldaten und deutschen Truppen in der Ukraine erhoben wurden: schlechte Verpflegung, schlechte Ernährung, schlechte Posiverbindung und schließlich die Sehnsucht nach Hause. Der Untörstaatssckretär Llbrami tat dasselbe, was bei uns in solchen Fällen Georgi oder Czapp taten: Er versuchte, die Beschwerden zu enuräften, zum Teil gab er sie zu und versprach Abhilfe. Er wies aber in seiner sehr lesenswerten Darstellung daraus hin, daß die 160.000 Mann der Orientarmee auf der ungeheuren Linie von Fiume bis Odessa stehen und daß sich etwa ein Drittel dieser Armee aus Mannschaften der Territorialreferve zusamr.'.ensetze, die etwa unserer Landwehr entspricht. In der französischen Presse konnte man nun bei Besprechung iit denen die Erklärungen der Regierung zum Ausgangspunkt sehr ernster Erwägungen gemacht wurden. Verschiedene glätter kamen zu dem Schluß, daß eine Intervention iÄ Rußland nur mit Hilfe einer Freiwilligenarmee rnöglich wäre. Inzwischen ist aber der Umschwung in Ungarn gekommen, und nach verschiedenen Berichten befindet sich auch Bess^rabien im Zustande heftiger bolschewikischer Erregung. Dadurch sind die Verhältnisse womöglich noch schwieriger geworden. Man darf aber ‘'-iiji Mir -v, fischen Proletariat eine sehr lebhafte Agitation gegen die Weiterdauer des Krieges vollzieht. Es wird jedem Franzosen heute schon klar, daß die Aufrechterhaltung der Mobilität nicht dem nationalen Interesse gilt, nicht dör Eroberung des Elsaß, sondern daß es sich um eine Aktion des klarsten Imperialismus seitens der französischen Machthaber handelt. Solche Aktionen hat es in Friedenszeiten geling gegeben, so zum Beispiel die Penetration pacifique in Merotio. Aber bei solchen Experimenten in der Friedenszeit handelte es sich weniger um französische Familienväter als vielmehr um schwarze Aolonialtrupperr oder um die aus der ganzen Welt zusamniengelausenen Fremden.lcgionüre. Diesen Erwägungen, die heule in ganz Frankreich angestellt werden, kann sich auch die Friedenskonferenz nicht verschließen. Sie muß auch Rücksicht nehmen auf die gewichtigen Stimmen der Amerikaner und Engländer. Selbstverständlich sucht die Friedenskonferenz ihre Arbeiten zu beschleunigen. Aber beim besten Willen muß sie sich dem Gesetz unterordnen, mit dem sie ihre Tätigkeit begonnen hat. Es kommt auch hicr das Prinzip der Trägheit zum Ausdruck. Die Friedenskonferenz führt ja ihren Namen nicht ganz mit Recht. Sie ist im groß?» und ganzen nichts anderes als eine Besprechung der hohen Zivil- und Militärbureaukraten und der Diplomaten der vierzehn Ententeländer. Man tveiß, wie schwerfällig die hohe Bnreaukratie, belastet durch Militärbeamte, arbeitet. Und man kennt die Unfähigkeit der Diplomatie. Wir haben das ZnsammenarLeit?n dieser drei Kategorien durch viereinhalb Jahre lang schwer genug an uns selbst verspürt. Daß es sich um die Vertreter siegender Staaten handelt, ist durchaus lein einschränkendes Moment. Die bisherige Diplomatie war nicht imstande, den Krieg zu verhüten. Das hat sie im Jahre 1914 bewiesen. Daß sie aber ihr gefährliches Treiben fortsetzt und die Grundlagen für ueue künftige Kriege legt, das zeigt sie jetzt bei der Friedenskonferenz. Schon jetzt treten die schwersten Differenzen zwischen den einzelnen Ententegenossen an den Tag. Nehmen wir nur die Probleme. von denen täglich die Rede ist: der Kampf um Teschen zwischen Tschechen und Polen, der Kampf zwischen den Serben und Italienern um die Adriaküste; und nun noch die Meltprob lerne: Syrien, der Dodekanes, die Mongolei, die japanische Gefahr sür Amerika und Australien, die deutschen Kolonien. In dem Augenblick, in dem die Friedenskonferenz die unglückselige Idee hatte, einen Diktatfrieden zu schassen, dabei aber gleichzeitig den Weltbund der Völker zu begründen. mußte es sich zeigen, welche unmöglichen Ausgaben sich diese militärisch-burcaukratisch-diplomatische Konferenz gesollt hatte, Ausgaben^ deren Lösung viel- * Die Sperre in der Adria aufgehoben. Rom, 31. März. (Agenzia Stefani.) Auf Weisung des Oberbefehlshabers dev italienischen Marine wurde die Sperre in der Adria mit Gültigkeit vom 39. April, mitternachts, an aufgehoben. Heute Generalstreik im Ruhrgebiet. 2 Essen, 31.März.(Tel.der „Mr. Morgenztg/) Die Konferenz der revolutionären Bergarbeiter, zu der 475 Delegierte erschienen waren, beschloß, morgen in den Generalstreik zu treten. Der Ausktand soll so lange fortgesetzt werden., bis eine Reihe von Forderungen, darunter auch solche politischer Natur, erfüllt sind. Die sozialdemokratischen Vergarbeiteror anisationen werden gegen die Wühlereien der Kommunisten immer machtloser. _ Frankreich sMM keine Armer nach Rußland. Paris, 30. März. (Tel.-Komp.) Der Arrterftaatssekretar des Krieasministeriums hat in der Kammer erklärt, daß die Re.ierung nicht geneigt sei, eineExpeditionsa r m ee nach Rußland zu entsenden. Die Politik der Alliierten Rußland gegenüber bestehe vielmehr darin, dem Lande Hilfe gegen die Bolschewiken Sendung k. und Kleionna nach PoitzinZ'^mKurL^ tw& t>m tuMSeru der Ostfeestaaten zu leisten. Slowakische Lehrerbildungsanstalt in Preßburg. Preßburg, 31. März. (Tschecho-slow. Preß- Vur.) Gestern nachmittags ist die erste slowakische Lehrerbildungsanstalt in Gegenwart des Ministers Dr. S r o b a r, des Generals P i e e i o n e und eines viel-- tansendk'öpfigen Publikums, das aus der ganzen Am-^ebuna berbergeftrömt war, in feierlicher Weise eröffnet worden. leicht Idealisten,' niemals aber Imperialisten gelinge»: kann. Der 3totttettt«9 in Deutschösterretch. Von Adolf Böhm. (Aus der Eröffnungsansprache zum außerordentlichen zionistischen Parteitag am 30. März.) Der Staat, in dem unsere Organisation seit ihrem Bestand getvirkt, ist zerfallen. Wir Zionisten, die wir tausend Gründe hatten, das alte Oesterreich mit seinem Antisemitismus, seiner politischen, geistigen und sozialen Rückständigkeit, seiner Unfähigkeit, die Völker, die es bildeten, zu versöhnen, seiner unseligen Regierung, die den Weltkrieg heraufbeschworen hat, zu hassen, wir waren dennoch, wie die studen in allen Staaten, in denen sie leben, die treuesten» Bürger des Reiches, dem wir angehörten. Wir haben gehofft, baß endlich der große Gedanke der nationalen Autonomie der Völker siegen und auS diesem Oesterreich ein Völkerbund im klxinen entstehen werde, in dem auch das jüdische Volk, das in dem alten Staat l1/* Millionen zählte, bi« -nationalen Rechte erhalten werde und diese Ideen als unser innerpolitisches Programm verfochten. In diesem Reich war wie nirgends sonst aus dcr Welt West- »cnd Ostjudentum vereinigt und die Möglichkeit fruchtbarer Wechselwirkung gegeben, die von so hoher Bedeutung für den Zionismus! ist. der die Einheit aller Juden auf Grund des gemeinsamen nationalen Ideals herbeiführen will. Nun das Reich durch.'Schuld seiner unfähigen und rückständigen Machthaber in'-'-S^ücke zerrissen ist, bestehen unsere österreichische und! unsere' westösterreichische Organisation nicht mehr. Mer der j weltumspannende Zionismus macht an Landesgrenzen nicht Halt ui»d g-'ade in der Zeit des Zerfalls großer Reiche ist die Idee der Einheit des nationalen Judentums allüberall gewaltig fortgeschritten und vorbildlich ver-? wirllicht in unserer »nächtig angewachscnen zionistischen Or> ganisation, die trotz allen Stürmen des Weltkrieges aufrecht- I ge)lieben ist wie Mit anderer interterritorialer Verband. Dies tut nicht den mindesten Eintrag, der Treue der Juden und \ Zionisten zu den neuen Staate % die aus den Trümmern ,\.V -r' ", '.'•rr*- 77,1- 7 -!'!> st'.,'!'.. yyi;<! verbindet das jüdische Dolksbewußtseür und das genleinsame, t große Ziel. Die Treue ist eine unteilbare Qualität der Seele. Nur wer seinem eigene» Volk treu ist, kann > iteu fein dem Staate, dem er an gehört. So bekennen »vir Zionisten Dentschösierreichs uns al-.' treue Bürger unseres Staates, gewillt, ',»» seinein Ausbau unser Bestes k beizutragen, ebenso tvie als treue Söhire u»lseres, des iüdi-! scheu Volkes. j Nicht besser kann dieses Verhältnis vcrantec: iveroen, als daß von dem Staate, den» wir angehören, uns die! Möglichkeit nationaler» Anslebens gegeben »vird. Wir so r der»» unsere nationaler» Rechte in unserem j Staate nicht als Fremde, sondern im Sirme der großer» Idee der Autonomie aller Völker, wo immer sie leben, wie auch { zum Wohle unseres Landes selbst, das rurr ertvachsen kann, > »orrrrr seinen Bürgern auf seinem Boden dir freie Er»twistlrrng - ihrer Art gewährleistet wird. Die Friedensßonserenz mufj scheitern, wenn i*S nicht den einsichtigen Staatsmännern der Entente gelingt, den Chauvinismus zu entwurzeln. In Paris sind zwar die Vertreter der westlichen Demokratie versammelt, aber ihre Macht ist keine geistige, sondern sie stützt sich nur auf Batonette — ein Widerspruch, der irr nicht mehr ferner Z»'it seine Auflösung finden muß. Man kann sich nicht darüber wundern, daß das hungernde Zerrtraleuropa kein Vertrauen mehr zur Friedenskonferenz hat und daß der Gedanke der politischen Demokratie, der sich nunmehr fast überall dnrchgescht hat, sich zum Gedanken der wirtschaftlichen Demokratie entwickelt. Das ist das Ziel der For-?rungen der Arbeiterschaft, aber diese Forderungen decken sich bereits mit den Forderungen aller sozial denkenden Menscher» ohne Unterschied der Klasse. Die Diktatrir des P-oletariats wird, wenn sie so durchgeführt »vird »nie in Rußland oder in Ungarn, zu einer rein mechanischen Nachahmung der Herrschaft des Bi'rrgertums. Die bisher herrschende Klasse »vird zur unterdrückten geinacht, die Bevorrechteten werden entrechtet. Das »vüre genau so die Uebcrtreibung des Machtvrinnvs ans innerpolitisthem Gebiet, tvie es die Entente-Imperialisten in bezug aus die äußere Politik planen. Aus Machtgier ward dieser Krieg geboren. Aber die Machtgier, die sich erhalten hat, karrn ihn »»ich! beenden. Der dauernde Fr'ede kann nur ein Werk de§ internationalen Menschentums sein. Solange das Proletariat unterdrückt »vor, stellte es die Klasse dar, die das Menschheitsideal am reinsten an strebte. Es wäre ein furchtbares Unglück für die Menschheit, »veirn das zur Herrschaft gelangende Proletariat fein- Aufgabe vergessen und in die Fehler der unlerg?' v >'n verfallen wollte. \ Von diesen Zielen beseelt haben »vir in der» Tagen > des Umsirrrzes gemeinsam mit anderen narionoljüdischerr i Grr»ppcn den Jüdischen Nationalrat sür Deutschi ösierreich gegründet. In der kurzen Zeit seirces Bestandes! hat sich der Nationalrat als das Instrument beivährt, das | er nach unserer Vorstellung von ihm sein sollte:' als die auf Grund des Selbstbestimniungsrechtes der Völker geschaffenen Repräsentanz des jüdischen Volkes in D e n t s ch ö st e r r e i ch und als ein Teil der nationalen Gesamtvertretung des Judentums aller Welt. Der Jüdische Nationalrat für, Deutschösterreich steht in engstem Kontakt mit den gleichen Institutionen anderer Länder und hat in allen Fragen, die das Gesamtjudentum betreffen, brnderlicir mit ihnen für den Schuh und die Rechte der Juden, insbesondere ihrer »»ationaleu Mindcrhcitsrechte, gearbeitet Gleich in den erster» Tagen hat er als unseren Vertreter Dr. Sonne ins Ausland entsendet, der auch an der 2 o udoner Ziorristenkonferenz tsilnehnren kour»ie. Zn der Konferenz der Delegierten aller jüdisckrcn Natronalräte. die die Forderungen an die Pariser Friedenölvnfersnz ausarbeiten soll, hat er Dr. Cbajes, Dr. MargrrlieS rrrrd Doktor Schallt nominiert, von denen die beiden erstere.n bereits in der Schweiz »veilen. Die nationaljüdische Weltbewegung Im», wie überall, auch irr Deutschösterreich jedes Bedenken der zionistischer» Organisationen »vegcn der innerpolitischcu Betätigung on gesichts der heutigen Lage hinweggeschivennut und sür Deutschösterreich ist der Moment gekommen, zionistische und nat-ionaljüdische Organisation zu vereinen. Der Jüdische Nationalvcrcin brir:gt als Mitgift nicht nur sein Programm in die Vereinigring, sondern auch, als Frucht seiner langjährigen Arbeit, den Erfolg, den er mit der Wahl seines Obmannes, des Mitgliedes des Großen Aktionskomitees und alterprobten zionistischen Führers, urlserer-

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