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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-31 · Heft 72 (31.3.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 72 (31.3.1919)
Date
1919-03-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien. Montag Wiener Mvrgenzettung 31. März 1919 Tfix.lt Die russischen Kommunisten an die Arbeiter und SoLdaten der Wett. „Die französische Bourgeoisie will die Proletarier erdrosseln." gültigen Regelung auch weiterhin geleistet werden. Einzelne Städte und Gemeinden dürfen die Unterrichtsanstalten mit Genehmigung des Polkskommissärs für das Unrerrichtswesen erhalten. Dieses Recht wird der Hauptstadt Budapest eingeräumt. '_ Iaurös' Mörder freigesprochen. Paris, 30. März. Meuter.) Billain, der Mörder Jean Jaurss', ist frsigesprochen worden. « Dicke amtliche Meldung kennzeichnet die Stimmung Frankreichs bester, als dns tausend Frmlletonisten gelingen könnte. Dasselbe Krieasgencht, das m der Vorwoche den Attentäter aut Clemeneeau. C o t t i n. zum Tode verurteilte, hat den Mörder Saure^ freracsprochen. B r l la l u hat die unselige Tat in dem Augenblick begangen, wo Iaurö zu einer wuchtigen Aktion gegen die französischen Revanchehetze sich vorbereitete. Jaurös war vielleicht der einzige Mensch, der den Krieg Hütte vereiteln können. Seme Ermordung war die Ermordung des Friedens. Der Freispruch ein Inftizv erbrechen des französische» Chauvinismus. Berlin, 31. März. (Korr.-Bur.) Zum Freispruch Billa in schreibt der Vorwärts: „Ueber die Gründe des Urteils wird noch nichts mitqeteilt. (In einem der Telegramme heißt es. daß Billain wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen worden sei. Die Red.) Aber keine Begründung wird die Anklage der internationalen Arbeiterschaft zum Schweigen bringen, daß hier ein unglaubliches Justizverbrechen des französischen Chauvinismus vvRiegt. Der Freispruch bedeutet eine Provokation des Mcnschheitsge-vißens. qle'chreitig aber auch einen Schlag ins Gesicht unserer französischen Parteigenossen. Sie. die uns in Bern mißtraurisch fragten: „Seid Ihr noch die Alten?", werden jetzt einen sehr deutlichen Beweis anzutreten haben, daß sie selber nichts mit dem System Clemcnceaus gemein haben, das auf den Mord an einem der edelsten Vorkämpfer der Arbeiterschaft die Straflosigkeit als Prämie setzt." General Noudant droht mit der Unterbrechung des Waffenstillstandes. Paris, 30. März. (Havas.) Zum Begehren der GefLntLmtg der Landung der polni chen Armee in Danzig bemerket „Petit Parifien", daß die deutsche Regierung wieder fette Haltung einuehme, die den Abbruch der Vrrhaudlungeu tu Posen verursacht batte. Das Blatt betont, daß General Noudant diesmal mit der Unterbrechung des Waffen itill tt andes überhaupt drohe. DasBiererkomitee werde binnen LurZem eine Gntschlietzvngfassen, die es veröffentlichen werde. Politische Verhaftungen in Berlin. Der Delegierte der Berliner ArSeiterrirte im Moabiter Gefängnis. Berlin, 31. März. (Korr.-Bur.) DerZwette BorMende des Voüzuqsrates der Unabhängigen sozialistischen Partei, Däumig, ist gestern in seiner Wohnung verhaftet und nach dem Gefängnis in Moabit gebracht worden. Die Verhaftung erfolgte auf Veranlassung des StaatsauivßHes. Gaumig steht im Verdachte, mit Ledebonr an den Anruhen im Jänner als Führer beteiligt gewesen zu sein. Däumig ist vor einigen Tagen als D elegierterder Berliner Arbeiterräte zum Rätekongretz gewählt worden. Die Friedenskonferenz. Die deutsche Stellungnahme zu den Friedens- Verhandlungen. Berlin, 30. März. Das Wölfische Bureau meldet: In der Geschäftsstelle des Auswärtigen Amtes für die Friedensverhandlungen fand gestern eine Sitzung statt, worin verschiedene Fragen besprochen wurden, die bei den Friedensverhandlungen eventuell zur Sprache kommen könnten. Er wurde erwogen, ob und wieweit eventuelle Entschädigungsforderungen der Gegner mit den 14 Punkten Wilsons ttberhanpt in Einklang gebracht werden können und betont, daß die Stellung der deutschen Regierung nur den 14 Punkten WUsotrS entsprechen könne. ( s Ferner wurde mitgeteilt, daß die »ach Paris entsandte Finanzkommission die Vollmacht habe, eine genaue Schilderung der finanziellen Lage Deutschlands zu erstatten. Die Berichte der Fmanzkommission werden den entsprechenden Stellen des Auswärtigen Amtes direkt zugehw. Budapest, 30. März. (Meldung des Ung. Tel.-- K.-B.) Der Präsident des Vollzugsausschusses der kommunistischen Internationale Sinowjaw bat an die Arbeiter nnd Soldaten üller Länder folgenden Aufruf gerichtet: Die. französische imverialistische Regierung trifft Vorbereitungen, um ihre Soldaten auf die ungarischen Arbeiter loszulassen, um die rumänische und die tschechoslowakische Armee aus die ungarische Sowjetrepuk'ik zu Hetzen. Ob dieser höllische Plan gelingt, davon hängt in erster Reihe das Schicksal dev Arbeiter Ungarns., aber auch das der Proletarierrevolntion sämtlicher übriger Länder Europas in bedeutendem Maße ob. Namens derkommunistischen Internationale wenden wir uns an die Arbeiter aller Länder mit dem Aufrufe: Eklet unseren ungarischen Arbeiter-Brüdern zu Hilfe! Soldaten und Arbeiter Frankreichs k Mit gespanntem Interesse blickt die Arbeiterschaft der gesamten Welt auf euch! Die französi'che Bourgeoisie ist heute die reaktionärste in ganz Europa. Der Führer der französischen Imperialisten. Clemenceau, ist mehr denn je bestrebt, die Verbündeten zur Unterdrückung der russischen und der ungarischen Revolution zu bewegen. Euch französische Arbeiter und Soldaten will man zur Henkersarbeit zwinaen. um die ungarische sozialistische Revolution zu erdrosseln. Die französische Bourgeoisie will mit euren Händen die Proletarier erdrosseln. Durch einen Krieg von 41/2 Jahren, der im Interesse der Bankiere geführt wurde, will man euch zu Gendarmen und Henkern der Prole- Cntdeckmng einer bolschewikischen Verschwörung. Berlin, 80. Marz. Das .Berliner Tageblatt* meldet aus Genf: Dem Bureau Europa-Preß wird indirekt aus Paris gemeldet, die dortige Sicherheitspolizei sei einer neuen großangelegten bokschewikischen Verschwörung aus die Spur gekommen. Es sei beabsichtigt, die führenden Staatsmänner der Entente durch Attentate zu beseitigen. Man fürchte besonders für daS Leben ClemeneeauS und Wilsons, die täglich durch Drohbriefe belästigt würden. Ausrüstung für Rumänien. Paris, 29. März. Die Agence HavaS meldet: Ter Viererrat fetzt seine Arbeiten in balbtäglichen Konferenzen methodisch fort. Ueber daS Ergebnis der Beratungen wird größte Zurückhaltung beobachtet. Immerhin scheint festzustehen, daß eine bestimmte Menge Material nnd Ausrüstungsgegenstände nach Rumänien geschickt werden soll, damit dieser Staat sich gegen die infolge der bolschewikischen Umwälzung in Ungarn drohende« Gefahren durch militärische Maßnahmen, vorsehen könne. Wir glauben, annehmen zu können, daß General Mang in die Führung der Operationen in Rumänien und Ungarn übernehmen wird. General Henrys wird sich sofort nach Polone begeben, um sich an die Spitze der Armee zu stellen. Die Verhandlungen um Danzig. Beginn am 3. April. Berlin, 30. März. DaS Wölfische Bureau meldet: Auf die am 28. März in der Frage der Landung polnischer Truppen in Danzig ergangene Antwortnote der deutschen Regierung hat am 29. März Marschall F o ch durch seinen Vertreter in Spaa General Noudant, folgenden Bescheid überreichen lassen: Ich habe die Rote vom 28. März 1919 Marschall Foch übermittelt, der dieselbe den alliierten und assoziierteu Regierungen zur Prüfung unterbreitet hat. Ich habe ganz besonders seine Aufmerksamkeit auf den Satz der fraglichen Note gedichtet. Die deutsche Regierung kann nach eingehender Prüfung die Maßnahme (d. h. die Ausschiffung polnischer Truppen in Danzig) nicht verantworten, die ohne Schaffung ausreichender Garantie« dm Bürgerkrieg im eigenen Lande Hervorrufen muß. Marlchall Foch telegraphierte am 29. März folgendes: Ich werde persönlich in Spaa alle Auskünfte und alle, verlangten Garantien dem dmtfchen Bevollmächtigten geben, der mit den Vollmachten versehen sein soll, die nötig sind, um in 48 Stunden zu ent'cheiden. Die Zusammenkunft wird am 3. April stattfinden, er sei denn, daß vier nicht möglich wäre. Es wird gebeten, sowohl die Antwort der deutschen Regierung als auch den Namen dedesignierten deutschen Bevollmächtigten schnellstens Mitzuteilen. Gez. Noudant. Daraufhin hat die deutsche Negierung am 30. März beschlossen, als Bevollmächtigten zur Entgegennahme all der von Marschall Foch in Aussicht gestellten Auskünfte und aller Garantien den Vorsitzenden der deutschen Waffeustillstandskommission, Reich-minister Erzberyer, nach Spaa..zu entsenden. Die deutsche Negierung hat dreien Beschluß durch folgende Rote zur Kenntnis des Marschalls Foch bringen lassen: DaS Reichsministerium hat als Bevollmächtigten dev Vorsitzenden der deutschen Waffenstillstandskommissson Reichsminister Erzberger bestimmt, der am 3. April! vormittags m Spaa für die gewünschten VechaudlunAen tarierrevolution machen. Die französischen Arbeiter werbe» sich nicht mit Verrat beschmutzen und werden ihre Waffen gegen die eigenen Unterdrücker, gegen die französischen Imperialisten, kehren. Genossen! Die Proletanerrevolution ist im Aufflammen begriffen auf der ganzen Welt! Die ungarische Revolution ist der erste Strahl, der aus dem von Gewitterwolken umzogenen Himmel hervorbricht. Die Bourgeois aller Staaten werden nun, nachdem sie 20 Millionen Menschen in blutigem Krieg vernichtet haben, für dieses Verbrechen büßen! Die arbeitende Menschheit wird nicht die Macht in den Händen jener lassen, die un£ in der imperialistischen Krieg geführt haben. Eilen wir alle, der ungarischen Proletarierrevolntion zu Hilfe! Soldaten! Gehorchet nicht jenen, die euch gegen daS rote Ungarn führen! Leistet Widerstand! Organisiert eure eigenen Räte! Geht auf die Seite der Räte Ungarns über! Arbeiter! Erweckt einen Aufstand hinter dem Rücken jener Regierungen, die euch gegen die Arbeiter Ungarns treiben! Möge di§ sozialistische Revolution als drohende Warnung den Bourgeois aller Länder dienen! Die Hände weg vom roten Ungarn! Dieser Ruf erdröhne durch die ganze Welt, auf daß durch Ungarn die soziale Revolution der Herold einer ganzen Reihe neuer Prvletarierrevolutione» werde. DaS Ende der Herrschaft der Bourgeois ist da. ES lebe die Arbeiterschaft und die revolutionäre Armee Ungarns! Es lebe die ungarische kommunistische Partei! Es lebe die Proletarierrevolution der ganzen Welt! zur Verfügung sieben und mit den nötigen Vollmachten versehen sein wird. Der ReichSmimster wird Dien-tag von Berlin abreifm. Angar« fordert das Selbstbestimmnngsrecht. Berlin, 81. März. Die „Deutsche Mg. Ztg.* will aus Paris erfahren haben, daß Bela Kuhn als ungarischer Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten das Selbstbestimmungsrecht für das ungarische Volk verlangt habe. Da die ungarische Regierung jedoch mit den Ententeregiemttgen freundschaftliche Beziehungen aufrecht zu erhalten wünsche, werde sie nicht in übertriebenem Maße auf det Regelung der Grundfrage in ihrem Sinne bestehen, well ihr das auf der Weltmternationale beruhende Programm in dieser Hinsicht die größte Liberalität zur Pflicht mache. j__ , Inland. Wilson an Deutschösterreich. Amtlich wird mitgetellt: Die Wiener Morgenblätter vom 29. März haben den von Aeuter aus Paris übermittelten Wortlaut der Erklämng veröffentlicht, die Präsident Wilson am 27. d. M. über die Arbeiten der, Völkerbundkommission verlautbart hat und die der Auffassung e n t g e g e n t r i t 1, als ob die Beratungen dieser Kommission die Formulierung des Friedensvertrages oerzögem würden. Am 29. d. M. hat ein Vertreter der amerikanischen Studienkommisston die Erklärung des Präsidenten beim Staatsamt für Aeußeres amtlich überreicht. Die Kommunisten in Graz. Graz, 30. März. Heute vormittags hielten die Kommunisten in der Jndustriehalle eine Persammlung ab, in der die Führer M ar esch und To mann über die Ereignisse am 22. Februar ln Graz, beziehungsweise über daS Thema „Die Diktatur des Pva-j letariats" sprachen. j Ueber Aufforderung der sozialdemokratischen Organisationen waren auch die Anhänger der so-, zialdemokratrschen Partei in großer Zahl erschienen, deren Redner Nationalrat Dr. Eisler die, Ausführungen des aus Wien erschienenen Kommunisten Tomann widerlegte und in sachlicher Weise die gegeui die Führer der sozialdemokratischen Partei in der. gegenwärtigen Negierung erhobenen Vorwürfe entkräftete. Während die Sozialdemokraten die Rede manns, die von dessen Anhängern wiederholt von gro-i ßem Beifall begleitet war, ruhig anhörten, unter-' brachen die Kommunisten die Rede Dr. Eislers oftmals durch stürmische Zwischenrufe. z Dr. Eisler gelang eS aber schließlich', zu Vvwirken, daß feinen Darlegungen mit Aufmerksamkeit gefolgt wurde. In nachdrücklicher Weise wandte et: sich dagegen, daß die jüngsten Ereignissy auch in Deutschösterreich eine Wiederhol lung fänden, weil die kommunistische Bewegung wie sie sich ln Ungarn gestaltet habe, geeignet fei, den großen Gedanken des Sozialismus zu diskreditieren. Redner warnte davor, daß sich daS Proletariat gegenseitig bekämpfe. Tomann beantragte eine Entschließung, in der die Proklamierung der Diktatur de§ Proletariats als das xinzig riMige Aus.rument im revolutionären Kampfe “hm

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