Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 71 (30.3.1919)
- Date
- 1919-03-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wiener Morgerrzettrmg _ 30. Marz ISIS Die Räterepublik Ungarn. Dela 5knn an den „Prano Lidu". Budapest, 29. Marz. (Funkspruch des Tel.-Korr.- Bur.) Volkskommissar Bela Kuhn hat an den Redakteur des „Pravo Lidu", Stivin, folgenden Funlspruch abgesendet: Soeben erfahren wir, daß unsere Genossen von den dortigen tschechischen Behörden verhaftet wurden. Angesichts dieser Verhaftung ist nicht zu zweifeln, daß es sich um eine allgemeine systematische Sozialistenhetze handelt. In der Negierung, in der?» Namen diese Taten verübt wurden, sitzen auch Sozialdemokraten. Bitte diese Sozialdemokraten zu befragen, wie sie sich zu dieser Sozialistenhetze verhalten. Ich ersuche sie aber hauptsächlich, diese Tatsache dem tschechischen Proletariat bekanntzugeben. ES wird die Sache des Sozialismus verfolgt. Wir köunen nicht glauben, daß das tschechische Proletariat, das so viel Mut im Kampf« gegen die Unterdrück, besonders im Kampfe gegen die ausbeuterische Bourgeoisie bewiesen hat, diese Verfolgungen ruhig mit ansehen wird. Beschlagnahme der Kasinos. Budapest, 23. März. (Ung. Tel.--Korr.-Bur.^ Die Rate» republik hat sämtliche Kasinos und Klubs in Budapest m i t B eschlag belegt, darunter das luxuriös eingerichtete Palais des Natloualkasinvs, das für Proletarierzwecke verwendet werden wird. Kommunistische Aufklärung in de« Schulen. Budapest, 29. Marz. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Das Volkskommissariat für Unterrichtswesen leitet eine großzügige p o litt scheAufklarungspropaganda ein. In dm zu errichtmden Proletarierscbulen werdm kommunrstische Agitatoren auSgkbckdet. An die Universitätshörer wird die Aufforderung genchtet, daß diejenigm, die die neue Lehre mit Ueberzeugung zu verkünd« vermögen, an dieser Arbeit trckuehmm mögen. Mittelschüler in der Roten Armee. Budapest, 29. Marz. (Ung. Tel.-Korr.'Bur.) DaS Volkskommissariat für Unterrichtswescn hat angevrdnet, daß ienm krieg-gedienten Mittelschüler«, dip uachweism, daß sie in dm Verband der Roten Armee ausgenommen worden sind, sofort die Schutzeugniffe anszufolge» sind. Ausschreibung der Sowietwahleu. m Budapest, 39. März. (Tel. der^Wr. Morgenzta.^) Die Räteregierung beschloß, innerhalb zweier Wochen bte Ausschreibung der Sowietwahleri vorzunehmen. Durch dm Zusammenschluß der kommunistrschm Part« und der Sorialdemokrateu sowie durch Schaffung der emhenlichen ungarischen Prolrtarirrpartei ist ein geschlossenesBorgehen gesichert. Die sozialisterteu Bankern > . » Budapest» 29. Marz. (Tel. der „Wr. Morgeuzig.*) Der der Zentrale der Fmmrzinftrtute wurden den Betrieben eigme Konti eröffnet, mn die Löhne für die Arbeiterschaft flüssig zu machen. Am Montag werden die den Parteim gchongen Safes b e i d e u B a n k i n st i t u t e n in Gegenwart einer Nationalkonunission geösfuet. Die Budapestcr Hauptanstalt der O e ft e rä r e l ch r s,ch - u n g a r i s ch e n B a n h welche unter der Leitung emer eigenen Bolkskommissiou steht, bereitetdie Eiiirlchttmg einer selbständigen Bank vor. Die gemeinsamen Sitzungen des Generalrates der Oestecreichisch* migarischen Dank werden vorläusig nicht abgrhaltm und mit dev Vermittlung aller Geschältsarigelegenheiten wurde her Wieurt Gesandte der ungarischen Räteregierung betraut. Der B a n uotenbedarf m Ungar» ist für längere Zeit: gedeckt mrd der, Ueberweisungsverkehr hat auf der ganzen Lune begonnen. In der K o r r,e s p o nde n z d e r D a n k e n ist eme Aenderung eingetretrn, indem die Titel weggelaffeu werden und der Adressat mit „G e n o's f e" a n g e s p r o ch t-tf wird. Vor der Unterschrift, zum Schluß werden die Worte gesetzt: »Mit proletarischem Gruß*. " Die Theater den Arbeiter«. o Budapest, 29. März. (Tel. der »Wr. Mvrgmztg.") Die Theater wurdm gesteru dem Volke übergeben und in dm Abmdstundm sah man auf dm Parkettsitz« npd Logen Arbeiter mit ihren Frau« und Kindern. In der N ationaloper war die H o f l o g e v o n A r b e i t e r n besetzt, und die M a r s e i l l a r s e wurde gesungen. Abends fand tn sämtlichen Theatern und Kabaretts ein »Roter Soldatenrat" statt.' Kommnnisterung der Hotels. Budapest, 29. März. (Ung. Tel.-Kor^-Burr.) Der! Revolutionäre regierende Mt wird sämtliche Hotels k Mn m »visieren. Uebrr die Zumner in de» Hotels wird dasWohnuugSamt verfügen. Die Löhne der Landarbeiter. Budapest, 29. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bm.) DaS Volks« kommiffariat für Ackerbau stellt dir bis Ende Mai gütigen T a löhn e folgendermaßen fest: In Budapest und Umgebung fite Männer K 30.--, für Frauen K 25.—, für Knaben und Mädchen brS 18 Jahre K 15.—, für Kinder unter 15 Jahren K 10.—. In dm übrrgm Ortschaften betrag« die Täglöhm für Männer L 25.—, für Fraum K 20.—, für Knabe» und Mädchm bis 18 Jahre L 12.— und für Kinder K 8.—. Niedrigere Löhne dürfen nrcht festgesetzt werden. Wo jedoch der Loh» höher ist, kan« er nicht herabgesetzt werden. Die Löhne verstehe» sich ohne. Vechflegmrg. Gntevtetrmpperr in Pretzbnvg. Offeustve gegen Augur«? gt-M Vketzhurg, SS. März. (Tel. der »Wr. Morgeuztg.*) Hiev Mv Tute«tetruppe» «mgetroffm, die mit de» tschechischen dm Grenzschutz gmm Ungar« versehe«^ Man spncht vo» einem geplant« Vormarsch gegen Budapest. Seite 2 Men. Sonntag m.m,. ■ ■ —..., - ... - -, - -r- Aus der rosenroten Republik. —k B e r l i n, 30. März. Seit die Kämpfe in Berlin zum Stillstand gekommen sind, erfreut sich die Stadt unter dem Schutz des Belagerungszustandes vorläufiger Ruhe. Ob diese von langer Dauer sein wird, dürfte wohl niemand poraussageu können. DaS barbarische Blutvergießen. daS sich alle „Errungenschaften" des Krieges zu eigen gcinacht hat, hat aufgehört. Aber die Gegerrsähe bestehen nach wie vor. Es gilt, mehrfach Gesagtes zu wiederholen, wenn man die Ursachen der Berliner Schreckenstage bwßlegen rvill. Die deutsche Revolution ist in ihren Anfängen kläglich stecken geblieben und das Gebäude des heutigen Deutschen Reiches hat «ine sozialistische Fassade, während sich im Innern die lebenden Reste einer gestorbenen Zeit breitmachen. AlS das alte Getvaltsystern zusammenbrach und sich die seelenlose Maschine, welche die bestgedrillte Armee der Welt darstellte, in ein. Revolutionsheer verwandelte, da Zeigte es sich deutlich, daß die Scheidemänner jedes Gefühl für die Stimmung und die Bedürfnisse des Augenblicks verlören hatten, und als die Mehrheitler ans Ruder kamen, sah sich bald das Proletariat in seinen besten Hoffnungen betrogen. Statt eine völlige Neuorientierung anzustreben und neue. Männer mit neuen Ideen anS Ruder zu bringen, die daS Vertrauen der exaltierten Masse gewonnen, zu deren Beruhigung Leigetragen und gleichzeitig auch das Vertraue» der Entente erworben hätten, begann man mit den alten verrufenen Politikern, mit schwächlichen Anpassungskompromissen, mit den abgewirtschaftet« Schwindelmethode» der alten Diplomatie und fing an, im Geheim« mit dem „glorreichen" Militarismus zu paktieren, der Deutschland zum Ruin geworden war, statt sogleich eine demokratisch organisierte Volkswehr z» errichten. Den radikal« sozialistischen Grupp« kanu man cS kaum verdenk«, daß sie alle die Seute des alten Regimes in einen Topf warfen: Hindenburg, der »och heute auS seinem Hauptquartier eine Verteidigung deS Kaisers in die Presse bringt, d« Friedensunterhändler Lrzberger, der für jed« durch englische Waffen getöteten deutschen Soldaten die Zerstörung einer englischen Stadt durch Zeppeline gefordert hatte, und Herrn Scheidemann, den „Grenzsteinverseher" und Chorführer der sozialistischen Kriegskreditebewilliger, den Verteidiger der brutalsten Uebergriffe einer Lollgewordenen Soldateska. In Diplomatie und Arm« ist uod).. immer Mn Auswechslungsprozeß erfolgt und wo eS geschah« hätte es beinahe besser unterbleib« könn«. So hat. man Adolf Atüller in die Schweiz geschickt, der dort durch.Jahr« offiziös Beethmanns Geschäfte besorgte. Herr v." Lorbell, ein Junker reinst« Wassers und bisher Oberpräsibent von Bränd«burg, hat noch vor kurzem öffentlich der verlorenen HohenzollernherrlichkeiL Trän« nachgeweint Und man „erwartet" seinen Rücktritt. Man begreift, daß das Proletariat, daS heute d« ti&tEali'te« Einflüssen leicht zugänglich ist, sich mit einer Drdn»n'g.nicht zufrieden geben will, die sich sozialistisch wvMt ünd zu ihrem Schutz Junker in Offiziersuniform an ötzp -Spitze von ,MegierungsLruppen" verwendet. Freilich heißt jetzt der Oberbefehlshaber" Roste. Aber die Stadt Kassel, wo Scheidemann gewählt wurde, hat Hind«burg zum Ehrenbürger ernannt. ' Dieser hat "ein Hauptquartier zum Zweck des Grenzschutzes, wo er Roste eben erst empfang« hat; General Hoffmann, der unvergessene Säbelraßler von Brest- Litowsk, möchte in ungestilltem Tatendrang aus Truppe» der Entente und Deutschlands ein gemeinsames Heer zum Kampf gegen die Bolschewiken ausgestellt sehm, Herr Ludendorfs läßt sich von Zeit zu Zeit hören, und täglich liest man in der Presse Aufrufe an die Freiwillig« zum Schutz der Ostgrenzen; ang«ehmer Di«st, Verpflegung, Quartier, Kleidung, Löhnung, und außerdem eine Tageszulage von 5 Mark wird ip Aussicht gestellt. Besonders Eifrig« werd« für besondere Verdienste Kriegsauszeichnung« versprochen. Man kann sich nun leicht vorstell«, mit welchem Elan die Junteroffiziere in Berlin ganze Arbeit machten und die rebellier«de Menge »irderknalten ließ«. . Ern Erschießungsbefehl der Gardekavallerie ist bekannt worden, in dem eS heißt: Verdächtige Persönlichkeiten, bei d«en Waff« gesund« wurden, sind nie devzu schießen. Die Regierung erklärt dies mit einem Uebergriff von militärischer Seite, aber daß so etwas »och möglich ist, wirst auf die Verhältnisse ein bezeichnende- Licht. Selbst das »^Berliner Tagebla^, das nicht im Verdacht des SpartalismuS steht, spricht sich sehr «tfchied« für die Unterdrückung des all« militärisch« Geistes aus. Dieser tritt auch sonst in Erscheinung. Der Bund „Neues Dalev» l'a.«d", der in der erst« KriegSzeit entstand und weg« seiner pazifistischen Völkerbundtendenz durch vier Jahre geknebelt war, klagt, daß die Verfolgung« durch daS Militär noch zugenomm« Hab«. Man ist nicht davon abgestand«, Akten zu beschlagnahm« und BereinSsunktiouäre zu brutalisier«. Wieviel von den Tendmznachricht« über di« Bestialitäten der SpartakuSleute zu halt« ist, geht daraus hervor, daß der Bericht über die Rtedermetzelung der Wacheorgane ir; der Berliner Hauptpolizei dem«tiert werde» mußte, nachdem er durch alle Blätter gegang« war. Go trifft das Auftreten der Mehrheitler die größte Schuld an der traurig« Lage, in der sich Dmtschland befindet. Daß sich die Unabhängig« vielfach von den Spartakisten ins Schlepptau nehmen lassen, die jedem Parlam«tariSmuS b« Zkrieg erklärt haben, vergrößert noch den Wirrwarr. ES ist klar, daß di« fortwährende Unruhe und die Streiks die allgemein ungünstige Ernährungslage noch verschlimmern. Noch ist D«tschland von der Welt abgesperrt und' der Leiter des Reichsernährungsamtes, ein alter Gewerkschaftler, hat neulich in der Nationalversammlung trübe Bilder «tworfeu. Nach jedem Streik komm« die Arbeiter zu ihm- und fordern mehr Leben-mittel, während durch die Streiks die Gewinnung von' Kohle, Kali und Eisen, die die besten Zahlungsmittel ans Ausland find, zum Stillstand kommt. Der Ets«bahnverkehe ist gehemmt und die deutsche« Landwirte ähneln den Agrariern ln ander« Länder» 1» ihrem völlig« Mangel an Rücksicht auf die Allgemeinheit. Im besetzte« Saargebiet herrsch« gleichfalls traurige Anstände. Die Franzos« haben den Arbeitern d« Achtstundentag «tzog« und str«ge Strafbestimmungen erlasse», die für die geringste Ueberschreitnng mit Gefängnis droh«. Der Güterverkehr »ach Deutschland ist behindert, da die Franzos« völlig über Eisenbahn« und Bergwerke verfüg«, »nd 80 Prozmt der Kohle geht nach Elsaß-Lothring« oder Frankreich. I« besetzt« Rheinland macht sich eine Strömnng nach Gründung einer westdeutsch« Republik geltend, die von d« Katholik« «mSgeht, und der« Sprachrohr die ,Kölnische Bolkszettung" ist. Man beruft sich ans da- SelbstbestimmungSrecht, verlangt Volksabstimmung, und erllärt, im Verband« deS Deutsch« Reichebleib« zu woll«. Aber eS scheint, daß mau dort die Absicht hat, ein«' Pufferstaat zu bild«. Im ganz« Reich find« große Kundgeknng« statt, gegen die von der Entente geplante Vergewaltigung deS deutsch« Volkes. In eine« Artikel, der diese Bewegung begrüßte, bemerkte die frankfurter Zeitung": „ES wäre nicht gut, wen« dt« bekannt« „Patrioten" deS alt« Stil» sich aus diese- Kampfleld drängte» «nd de» Feind d« erwünscht« ^ilnlatz böten, dt« d«tsch« Proteste als die Borbote» einer Revanchestimmung »nd als Folg« der wieder munter werdend« alllwutsch« Agitator« hinzustellen, geg« die unser Volk beim FrielwnSschluß dreifach« Sicherheiten leist« müßte. So notwmdig er ist, daß der deutsche Protest einstimmig erhob« wird, für so unerläßlich halt« wir, daß nur biejetiigett zu Sprechern gemacht werd«, den« nach ihrer ganz« Gesinnung au-reich«deS moralisches Gewicht zukommt." Aber wo sott man die nötig« Männer von „auSreichrndem moralischem Gewicht" hernehm«, wen» die Scheidemänner selbst vor der Welt belastet sind? Die Nationalversammlung hat sich durch die Ereignisst belehr« lass«, und sich in der letzt« Zeit ein« «tschiedmer« Ruck nach links gegeb«. Man sucht die Rätebewegung mit dem Parlam«tartSmuS in Einllang zu bringen, indem die Arbeiterräte als Kontrollorgan mit dem Recht deS Vetos und der Jntttative dem Parlament koordiniert werden sollen. Auch mit der Sozialisierung will man Emst machen und der Entwurf eines neu« WehrgesttzeS ist fertig. Der unverzeihliche Fehler der Regierung ist, daß sie mit all« Zugeständnissen erst nach Monaten kommt und so die Radikalisierung der Mass« verschuldet hat. Hätte man bei Zeiten mach dem Rechten gesehen, so hätte man eS vielleicht nicht nötig gehabt, in dummen Straß«plakate« geg« d« Bolschewismus zu Felde zieh«, wie es geg«- wärtig geschieht. Niemand kan» sagen, wie Europa in der nächst« Zukunft auSseh« wird. Aber daß nicht bloß dem deutsch« Bol! manches erspart geblieben wäre, wenn man auch in D«tschland die Zeichen der Zeit verstanden^ätte, ist gewiß. Daß eS heute in Europas Fugen knistert, daran hat nicht nur Paris, sondern auch Berlin die Schuld. Pottttsche^Rundscha«. Die Lage in Lemberg. Bon einem Freunde unseres Blattes der foeM^ aus Lemberg hier eiugelaugt ist, erhalten wir die folgenden Rachrichte» über bte dortige Lager Die Kämpfe um Lemberg dauerte» bis in die letzten Tage fort. Es werden täglich zahlreiche Verwundete in die Stadt gebracht. Bo« der Front von Janow allein kamen letzthin durchschnittlich 50 fe 60 Automit Verwundeten. Die Beschießung von Lemberg kostet täglich 10 dis 20 Tote von der Zivilbevölkerung. In der Stadt» wo General JwaSzkiewieals Nachfolger deS bekanntlich nach Paris berufenen RozwadowSki das Kommando führt, herrscht ein völlig zaristisches Regiment. Die Juden wagen sich kaum auf die Straße. Albe jüdischen' Männer von 17 bis 60 Jahren werden zwangsweise zu den schwersten Arbeiten, wie Anftverfen von Schützengräben im Artilleriestuer verwendet. Sie werdey zwangsweise in Uniform gesteckt» auch nächtliche Hausdurchsuchungen bet Jude» kommen immer wieder vor. Die zur Zwangsarbeit Verwendeten erhielten fettet,‘ worin bestätigt wird, daß der Betreffende bei der MobiHsterungSkommission als waffenfähig erkannt wurde. Nach der Musterung werden diese Zettel mit dem Gtampiglienvermerk: „Geschworen^ versehen, ohne daß den Juden ein Eid abgenommen wurde. Die Te uerung in ßembetg ist enorm.' Ein StM Brot im Gewichte von 80 Deka kostet 86 Krone ein Zkilo Butter über 800 Kronen, ein Zkilo PolesiiL', 50 Kronen, 1 Kilo Kartoffeln 8 Kronen, auch für Wasser' mutz mau den Wasserträgern mehrere Kronen bezahlen^ da Wassermangel herrscht und diese sich stundenlang, um daS Wasser anstellen müssen. Den Juden ist jede Versammlung verboten, während polnischeBersammlungrn ungestört stattfindeu. Auch das Mehl für Pessach wurde den Juden requiriert. Unter. " den Uebergriffe» der Soldaten, die bei Hausdur ch such ün-' gen sich an fremdem Gut vergreifen, haben die Judeü'- vielezu leiden. Sämtliche Schulen in der Stadit. sind gesperrt. Die Ukrainer beschießen nur jene Stadtteile, wo sich Munitionslager, Kasernen und mandostellen befindest. Äm meisten wird die K ar Ludwiggasse beschossen. Zur Zelt d^r' Be^ schicßung flüchten die Bewohner in die Keller, iuu t>ovjr ’ Schutz zu suchen.; . .r In Lemberg erscheinen gegenwärtig drei jüöiv sche Zeitungen in jiddischer Sprache, bas blatt", das '„Poale-zionistische Bolksblatt" (eirmml Woche) und das Wochenblatt »Unsere Stimme", welches ' von der jüdischen, polnischen Sozialistenpartei herausgegeben wird. Ein direkter Eisenbahnverkehr 'ist; unmöglich, da die Linie zwischen Grodek und dowa zerstört ist. Auf dieser Strecke wird der ''Ätetyr*