Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 70 (29.3.1919)
- Date
- 1919-03-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite e Wien, Samstag Wiener Morgenzeitrmg 29. März 1919 Nr. 70 " —,4—“ . - . :-: ---1 -------- Die Ernährung. Der Marktbericht. Die Lage am den Märkten wird -umner unerträglicher^ Geircrn waren nicht ernmal die minderwertlgen Weichwürste zu haben. In der Groß Markthalle waren wobl einige hundert Kilogramm Wcichwiirsie vorrätig, doch wurden ste ausschließlich an Wiederverkäufe!: abgegeben. Der Mangel an Lebensmitteln machte sich heule derartig kühlbar, daß selbst um die getrockneten und geräucherten Klippfische, die bis vor kurzer Zeit last unverkäuflich waren, ftü> mische 'Nachfrage herrschte. Um einen möglichst großen Te'* der Angeflellren zu befriedigen, wurde die Abgabe auf ein Kilogramm beschränkt, aber trotzdem konnten viele Kauflustige nach langem Warten nichts erhalten« Frische Fische waren rn ganz Wien nicht haben, selbst auf dem Zemraifischmarkte gab es nur gewässerte Stockfische zu K 8.30 das Kilogramm. Auf dem Naschmarkte tamen getrocknete und geräucherte Schellfische zu K 14.— und K 15.— das Kilogramm zum Verkaufe. Die Grünwarcnmärkte warm zwar mit Rüben ausreichend versehen — aus Böhmen kamen auch Kohlrüben an — aber Gärtnergcmüse war fast nicht zu haben. Der Verkauf von Eiern war für dm gestrigen Tag nicht vorgesehen, doch wurde in dm ersten Verkaufsffunden m der Blkrualienhalle der Verkauf von Eiern, die für heute bestimmt waren, erzwungen. Heule werden aber trovdem in der Biktualieuhalle und auf den größeren Beznksmärktm Eier zu haben sein. In der Großmarkthalle wird es heute außer Rindfleisch bei Len Firmen mit den Anfangsbuchstadm A dis G nur amenlanischeS Schweinefleisch geben. 39 Lebensmittel-ampfer unterwegs. Für die Zentralmachte. n Genf, 28. März. (Tel. der ,Wr. Morgeirztg.") »Herald" meldet aus New-Dork. daß vom 23. bis 26. März 89 Dampfer mit Lebensmitteln für die Zmtralmächte dm Hafm von Hoboken verlasfm haben. __ Kartosselabgabe. Durch den Eisenbahnerfireik und die hierdurch bedingte Sperre der Bahnhöfe konnte die Fassung der Kartoffeln für d,e Ausgabe in einzelnen Br irken nicht vollständig stattfinden. Dre Nachlieferung rckrd bet Eintntt normaler Verhältnisse sofort erfolgen. Preiserhöhung der Draunbohke. Durch das Disagio deMschösterreichiichm Währung gi-genüber der ffchecho-slowakischen, Verteuerung der Fracht und Stergerung der Regreauölagen. -tt.erne Erhöhung der B r a u n k o h l« n p r r i s e >rut dm städtischen Kohlenlager-Plätzen notwendig geworden. Von Montag. 31. d. M., an betragen die Verkaufspreise für lov Kcko» gramm Braunkohle K 10.12. Kohlenausgabe im April. Der andauemd ungünstig- Kohleneinlaut ermoplidjt auch ,m Mona e April kene Erhvhun''' der bisherigen Kohlcnquote. Dre Wochenmmge des KückenbrandeS blerbt bis am weileres mit 15 Kilogramm Steinkohle beuehungsweüe 20 K.logramm Braunkohle oder Holz aufrecht. Gewerbe. Industrien und Anstalten erhalten ans Grund der Gewcrbcbczuasrarten ,nl Ävril für emen ganzen Betricbsbrand «O Kilogramm Steinkohle, auf Grund eines BeiUgsscheines für Betriebe d,e un er dem Buchstaben 6 festge>etz e Monarsmenge. Die Abgabestellm der Groß- und Klcinkohlenhändlcr wurden angewiesen, in erster rmu» die Approvifionierungsbetriebe voll -u beliesem und eist dm Nest auf dre übrigen Gewerbebetriebe auf-uteilm. Die Abgabe von Heizkohle wird mit 1. April gänzlich eingestellt. Warenabgabe der „RohS". Zetteln! * fj*» Planstengaffk 19"): Heute S ams ta Kkig. Salz, Tviletteieffe. Zwiebel. Frühstückswärmer, Kümmel, Vapnka, Backpulver und Germ von 9 b,s 12 Uhr. - Zur ielben Toiletteseiie und diverse Klein gleiten'. —!l.. XU., nV.I?-.unlXXI*®f*,rt: Geschloffen. — III., IX. und XIX. Bezirk - Zwiebel, Salz. Don-gemüse, Paprika nnd Kümmel. — IV., V. und XIII. Bezirk: Knoblauch, Sali. Dörrgemme, Waschpulver, vvrrnfrt> uni* ^O'l/tteseiie. — X. Bezirk: RayvN'Me Lffare. —?Cjirf' ^aSa{' Salz, Dorrgemüse, Puddingpulver, Kümmel. Sardellen und Paprika. - Bei der Aktion ,H,!i dir selbst". VH. Bezrrk. Wcstbahnstraße Nr. 31. find alle Damenheml m und Baumwollstope ausverkaust. Nachschub wird für die nächste Woche erhofft. Bühne und Kunst. Aus den Theatern. at er gelangt heme Samstag Sht wcares .Julius Casar" zur Aufführung. Diese Vorstellung ginnt um 4 Uhr nachmittags. - ** vernrhea t c r fomm; heute Samstag »Migm mr dm Damm Lehmann. Ader sow e den Herren Maikl. Duh 5 Uhr^nachmuttÄ ^^hmann, Marian zur Aufführung. Aust w J?KeJF * * J® fetter, Bühne geht Dims den l. Avnl WedekmdS Tragödie ^D,e Büchse der Pandora" wlgmder Besetzung der Hauptrollen m Szme: Lulu: Elisak Bergner vom Lesung-Theater in Berlin: Geschwrtz: Ellm N uadter; Alwa^Fntz Bamli; Schweich: Kurt v. Leffen; C £pl: ''5?or Merwes: Rodrige: EugenIrnsen; Jack: Ludi Ä a A". Nöllen wirken Mit die Dämmen Di wf$2' n?' dauli, Wmgerdt und die Herren Hendnchs, Lowl Mlksch, Ueberacker. Regie: Emil Geyer. "ra mm erspielen nimmt daS Gastspiel Höflich Mittwoch den 2. Aprll in JbsenS „RoSme nolm semen Anfang. Das Budapester Proletariat in de« Theate, Aus Bodavch »ird (tnndfeet: ffiflimt (Mt dxsPwl«» euren Einzug in sämtliche Budapester Theater. Es war d»eS ^.-^^. an dem sämtliche Theaterkarten dm Aibeitern zu?ur Verfügung gestellt worden warm. In a1 ^|eQtcrn wurden vor Beginn der Vorstellung einleitende V So sprach im Lustspieltheater der Volksbec ^ur Ackerbauwesm, Alexander C s i z m a d i a. em P lrtarierdichter, m schl.chtm Wortm über das Verhältnis der Ki Proletariat. Die vom Orchester vorgetragene Marseill, mm stehmd angehört und mit großem Beifall begrüßt. ^uslballsche Notizen. Wie auS Berlin berichtet wird, wurden als Mitglieder m die Akademie der Künste auch einige Mufiker berufm,, rrnd zwar Dr. Hans P f i tz n e r (München), I^riedrich Klose (München), Arnold Mendelssohn Darmstadt), Dr. Otto N e j tz el (Köln), JeanLoms NrkodS (Dresden), Paul I u o n (Berlin imd E. N. v. R e z n i e ^Berlin). Kloses neuestes Chorwerk „Der Sonnegerst" wird demnächst in Wien zu hören sein. Auch.Mendelssohn, Nikodö imd Reznicck sind durch Cborkompofittonen bekannt geworden. Paul Iuon rst Lehrn an der Hochschule in Berlin, Dr. Ncitzrl ist nicht nur Komponist, sondern hat als Schriftsteller, Kritiker, Redner, Dirigent und Virtuose Proben seiner vielseitigen Begabung gegeben. — In Berlin findet zurzeit eine Richard Stramr-Woche statt, in deren Berlanf Marie Gntheil- S ch o d e r die Elettra singt. Auch Wafiermann wird „verfilmt.* Jakob Wassermann Hifi mit Hans Steinhoff, dem artistischen Leiter der Dornschcn Bühnen einc« Vertrag geschlossen, dmniiwlge Steinhoff das Recht erworben hat. die Waffermannschen Ronlane »ihr dm Film zu bearbeiten. — Eine peinliche Botschaft, die man nicht gerne hört und die zum künstlerischen Niveau Wassermanns bestimmt nicht paßt. Erstes Konzert Hugo Gottesmann. Hugo Gottesm a n n. ein auS der Wiener Biolinmeisterschule hervorgegangener Künstler, der vor zwei Jahren von der Akademie mit dem Staaispreise ausgezeichncl wurde, a»bt am 8. April sein erstes Konzert mrt Orchester (DingeM Oskar N e d b a!) im großen Saal des Konzerthauses. Programm: Morzart: Biol nkonzert >»Ilur; Hugo Kander: Phantasie (Uraufführung: Brahms: Viol'nkozert v-bur. Karten an der Konzerthauskaffe und bei Kchlendorfer. Hebräisch-jüdisches Konzert. ^Montag de« 31. d. M. um Vs^ Ubr abends veranstaltet der Verein „Zion" im..Bavni'chm Hos", N, Obere Augartenstraße 39. ein hebränch-jüdisches Konzert. Mttwilkmde: Ope> m'Lngerm Frl. Sonia S t e i n. Koloratursängerin Martha Blank, Erster Hofopernflötist Iaques van L i e r, Kapellmeister S. BraSlawski. Karten von 3 bis 13 Kronen sind zu haben: Buchhandlung Lvivit, Rotenwrmstraße und im Bereinssekretariat»!!., Glockcngnffe 80. Gründung eines jüdische« Orchesters. Zur Gründung eines jitdrichen Orchesters werden alle lüduchm Streicher und Blmer dringend ausgefordcrt, sich Montag den 31. d. M. um 5 Uhr nachmittags >m Industnellr»l-Cüi6, Könkordiaplatz 4. kin.zu-- finden. Evmt. schnsil. Mttieilungru erdeten an Jacques Lamprl, IX., Berggaffe 20. ^Da» neue Europa-, Internationale Monatsschrift. Schweizer Druck- und Verlagshaus, Zürich. Das M 8 r z h e s t dieser von Dr. Paul C och n redigierten beachtenswerten Monatsrevue enthalt unter anderem nachstehende lehr inftrultive Aufsätze: »Der Pariser Bölkcrbmidentwuri" von M. Sztern, sw" von Cha'lcs Bernard. »Aügememe ^^ch'-vfltcht >md Bekämpfung beS militäl scheu Geiste^" von Dr. Adolf Friedman«, „Die Schweizer Hilfe für Wien" von H. Behle. Die Weltbühne, der Schaubühne XV. Jahr, Wochenschrift für Polrtk, stunst, Wirtschaft, heraus gegeben von Siegfried Iaeobsohn, en hält in der Numni''r 13: Ke ne Rettung? von Hcninch St>öb''l. Journaille von Ols, Bolksmoral und Volksli'ldung von Ludw g Iurn'ch, Paul Hiri'ch von Johannes Fu'chart, An dm Herrn Vmaffer der ^M>l taria" von e>nem O fizier. Der Untertan von Ignaz Wrobel, Koko'chka von Willi Wolfrad', Hauprmanns Do"vtlk0Nt8dle von S. I.. E n attcö Lied von Kaspar Häuser, Fürstenberg von Allons Goldschmidt, Antworten. Gin neuer Roman von Max Brod. Brods neuer Roman „Dis große Wagnis" (K 16.50* darf mit Recht als BrodS jüdischestes Buch angesprochen werden, denn es behände!' den Aufbruch der. Jugend nach Palästma, durch Greuel von Kr'.eg und Revolution hindurch. Namentlich dre letzten Selten des Buches werden von der Jugend mrt Begeisterung ausgenommen werden. Sie m'halien geradezu Brods Programm einer Jugendbewegung. Wi«' HrrzlS ..Almeuland" wird dieses Buch über die S'nnde bmaus Recht behalten und Erfüllung kündcn. — Vorrätig bei lli. Löwit, Wien. I.. Notenturmstraße 29. Sport. Die Svovtplastfrage für den nächsten Länderwett- Kampf in Wien. Der W. A. C. ist »n seinen maßlosen Fordenwgm bei der Vemiiekung des Sportplatzes an den Fußballverband so m it gegangen, 15 P.ozmt von der Brnttoeinnahme des aus'Utrag'ttdm Wettspieles zu vrrl ingen, falls diese sich unter K 60.000*— beläuft, im anderen Falle 20 Prozent. Dem Vorstand des Fußballverbanoes ist mdl ch die G duld gerissen und er te Ite dem W. A. C. mit. daß er aus dem Verbände ausgeschlossen werdm würde, falls er nicht bis zur nächsten Sitzung die Erklärung abgebe, dm Sportplatz unter den alten Bedingungen zu überlaßen. Da diese ohnehin beträchtlich hoch find (10 Prozent von der Bruttoeinnahme) wird sich der Pratrrflub wohl eines Befferm bekehren. Die deutschöfievreichische Auswahlmannschaft. In der letzten Vorstandsntzung des Fußballverbandes haben die Verbandskapitäne die Auswahlmannschaft bekannkgegeben, die am fv April in Budapest gegen das ungarische Team spielen soll. Obwohl es unter den hcutraen Verhältnisim ganz ausgeschloffen erscheint, daß die Wiener Mannschaft tatsächlich nach Budapest kahrm kann, har der Fnßballvcibgnd doch alle notwendigen Vorbereitungen getroffen. Die Anfstellnng. die in mancher Beziehung als total verfehlt bezeichnet werden muß, lan'et: Tor: Ärauvar (Rapid); Verteidigung: Dietrich (RaP'dX Popovic (Amateure); Deckung: Puzendovvler. Brandstädter.M'elsche (säm'liche Rapid); Angriff: Bauer (Rapid). Heinlem (W. A. C.). Krtthan (Rapid, Fischer« (Germania). Wieier (Rapid); Ersatzleute: Chrenka (W. A. E.) und Hansl (Amateure). Querfeldeinlausen im Prater. Für das mvrgm um 10 Uhr vorm'ttags im Pcater zur AustragMig g-'lanaende Ouerfrldcinlanseri find Nennungen von den Vereinen Rapid, W. A. F. und W. A. C. eingelangt. Die Morgigen Wettspiele. Folgende Meisterschastslvieke stehen auf dem Programm des molgiaen Tages: Rapid— Amateure (Hütteldorf^, W. Ä. C.—F A. C. (Prarer); Hertha- Sportklub (Favonten), RudoliShügel—Srmmrring (Favoriten), II. ^»Klaffe: Hakoah—N. A. C. lNußdorf), Admira—Vienna (Floridsdorf), Swrm-Donaustadt (Floridsdorf), Obrr-St. Beit- Rot Stem (Meidling.) Resultate. Hakoah-Iungmannschaft I-Unita- I. 6:3 (l : 1). Die einheitlichere Mannschaft der Hakoah blteb nach hartem Kampfe sicherer Sieger. Diese» Sieg hat sie haiwtsächlich ihrem gutm Training zu verdankm, denn das befferr Stehvmnögm entschied den Kampf. Anfangs ,st UnitaS etwas bester und erzielt schon in der 8. Minute durch N nssenbaum die Führung. Bald macht sich aber eine Uebrrlegenheit der Hakoah geltend und nach einer schlechten Abw-hratkion deS geanttischea Tormannes kann Eckhaudas Spiel einftellen. Die Angriffe der Hakoghstttrmer werdm nach der Pause >mmer gefährlicher. In ihrer Abwehr 'eichnet sich insdrsondei'e GanSl aus. In der 15. Minute errmgt Eckhaus für Hakoah die Führung. In dm letzten 20 Mmutm wird UnrtaS völlig eingeschnürt. In die Torehren teilen sich Eckhaus (3) und Scheuer. Für Unitas verwandelte Gansl einen Elfmeterstoß. Bei der Hakoah sind zu erwähnen das Jnnmtri, „M a r i" G r o ß m a n n, Eckhaus, insbesondere der letztgenannte hatte einen' sehr guten Tag. Bei Umtas der Tormam N o t t m a n n und G a n s l. Schiedsrichter Trumme» sehr gut. ^Hakoah In n a m a n n s ch a f t N.-Unit.as Res. 2:0 (0:0), Jn;ereffattter Kampf zweier gleichwertige» Gegner. Die Tore erzielten Lustig und Sprra. Hakoah. F n ß b a l l s e k t i o n. Heute, Präzise 6 Uhr, AnSschußsivnng. 7 Uhr Vollversammlung. H o ck e y s e k t i o u : Die Ausstellung für das morgig» Wettspiel gegen W. A. C. ist folgende: Blitz, 'Kaufmann—Steiner; Berger—F. Kohn—Kürzmann. Spriegler—Wertheimer ll-New mann—E. Kohn—Kars. Ersatz: Rudolfer, Waldapfel, Byk Die genannten Spieler haben um 10 Uhr vormittags auf dem W. A. C.-Platz zu erscheinm. Weiße Dreß! L«l ch t a t h l e t i k s e k t i o n : Morgm wimittägL allgemeines Training auf dem Hackoahplatz. t Der Volkswirt. Zur Gründung einer dentschiisterreichische« Notenbank. Bon Dr. Leo Sonnenschein. Der „Friede" veröffentlichte kürzlich interessante Vorschläge zum Statut einer deutschösterreichischen Bank; solche Erörterungen sind auf jeden Fall aktuell, denn angesichts der durch die tschechischen Währungsmaßnahmen erzwungenen Politik der Oesterreichisch-ungarischen Bank erweist sich die solche Gründung für jede denkbare Form des künftigen staatsrechtlichen Aufbaues Deutschösterreichs als erforderlich. Der Artikel stellt zunächst die Forderung auf, diese neue Bank solle ihre Währung nicht ruf Gold, sondern derart auf Devisen basieren, daß f*. als Deckung die zu einem statutenmäßig festgesetzten Preis angekaüften Wechsel zunächst auf Deutschland, später auch auf die übrigen Länder liegen habe und meint, zu dieser Lösung würden wir schon dadurch gedrängt, daß wir kein Gold haben und uns solches auch nicht verschaffen können. Die Meinungen über den Wert des Goldes als Währungsmaßstab sind mit Recht geteilt, immerhin ist aber nicht zu verkennen, daß es relativ am wert b e st ä n d i g st e n ist, wenn auch im Kriege sogar die englischen Goldproduzenten eine leichtere Ausprägung deS Pfundes mit Rücksicht auf die erhöhten Förderungskosten vevlangten, und die Regierung eine diesbezügliche Aenderung des Nünzgesctzes nur dadurch umgehen konnte, daß sie den GolbminenbesitzerN die verlangte Differenz bar vergütete. Daß aber die Bestrebungen, die Goldwährung wieder her-, zustetten bestehen, zeigt der Bericht des englischen Wähcungsausschusses, der sich davon eine Beseitiglmg der Inflation verspricht. . ' Nun ist es ja zweifellos richtig, daß der Wert der Golddeckung für das Inland überschätzt wird. Tatsächlich machte schon vor dem Kriege der Goldbestand der Reichsbank kaum 4, der Bank von England kaum 2 Prozent der fremden Gelder bei den Kreditbanken aus, nnd der Verkehr nahm, so lange er die Illusion der Golddeckung hatte, willig das Papier ohne Disagio. Aber im internationalen Verkehr wird beim Versagen anderer Ausgleichsmittel der Zahlungsbilanz die Goldversendung sicher wieder erforderlich sein, sollen nicht Zustände eintreten, wie sie sich während des Krieges infolge Loslösung der Währung von der metallischen Unterlage ergaben. Daß diese Exporte aber in normalen Zeiten relativ sehr gering sind, beweist Deutschland, das vor 1914 durchschnittlich bloß 100 bis 250 Millionen Mark Gold von insgesamt 12 Milliarden Auslandszahlungen versandte. Natürlich wirken dem Goldbedarf für AuSlandSzahlungen, abgesehen vorn internationalen Kredit» und Ueberweisungs-- verkehr Maßnahmen entgegen, die die Schwankungen in der Zahlungsbilanz möglichst anszngleichen trachten, und zu diesen gehört in erster Linie die Devisenpolitik, die darin besteht, baß die Notenbank ohne Rücksicht auf ihr Gewinninteresse fremde Wechsel zu einer Zeit relativer Billigkeit kauft und dadurch verteuert, um sie später bei wesentlicher Versteifung dieser Kurse abzugeben und dadurch zu ihrer Verbilligung beizutragen. Die Devisen sollten nun die Grundlage der Währung bilden. Woher sollen aber die erforderlichen Sumnien genommen werden? Daß wir durch den normalen Handelsverkehr nach Wiedttaufrichtung der Weltwirtschaft die nötigen Devisen erhalten werden, ist nicht anzunehmen. Bleibt also der Weg der Anleihe zur Verschaffung der erforderlichen Zahlungsmittel; abgesehen davon, daß es da doch beiweitem einfacher wäre, diese Anleihe zur Bildung eines Goldschatzes zu benützen, wie es offenbar die Nationalstaaten auch beabsichtigen, gingen wir durch Basierung auf Devisen mit der Kirche ums Kreuz, denn wir hätten dadurch, baß die für uns maßgebenbm Staaten an ihrer Goldwährung zweifellos festhalten werden, nur eine indirekte Goldwährung, wären aber auch den Wirkungen einer ungünstigen Zahlungsbilanz jedes einzelnen dieser Länder, die sich in den Devisenkursen ausbrückt, ausgesetzt. Im Übrigen: wie soll diese Währung fundiert werden? BIS jetzt war die Relation für die anderen Valuten damit gegeben, daß der bestimmte Teil eines Kilogramms Feingold Wähmngsgmnblage war. Man könnte nur derart Vorgehen, daß festgesetzt wird» die künftige Münzemheit Deutschösterreichs werde der aliquote Teil der Mark, des Francs usw. fein, eine umso schwankendere Grundlage, als ja speziell die Mark um ihre Wiederherstellung auf dem Weltmarkt einen schweren Kampf wird führen müssen. Der Artikel meint, baß gerade in KriegSzetten bas GoldeinlösmigSversprechen immer versagte; baS ist sicher vielfach richtig, män muß aber auch für diesen Fall den Goldbedarf für Jrrlcmb und Ausland trennen. Gewiß will der Ausländer in den meisten Fällen kein Gold, sondern nur ein zu einem fixen 5lurs veräußcrbareS Zahlungsiiiittel; gerade diese fixe Einlösbarkeit wird aber nur durch den G.oldnusgleich