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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-29 · Heft 70 (29.3.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 70 (29.3.1919)
Date
1919-03-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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■■•••■■ 1 ‘ - ' * ' ' - V, ' ' ■ : ,: ' ' '; .; . '•■?.’■'■ 'Äfc 70 , Wien, Sämstäg Wiener Viorgenzeitung 29. März 1919 Seite Die Tscheche« fordern deutsches Gebiet. z Genf» 28. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") »Matin" meldet, daß die tschechischen Delegierten bei der Friedenskonferenz, die Ä b r u n d u n g i h r e r 9c o t b* wn d W e st g r e n z e gegenDeut s ch l a n d verlangt haben. Beratungen ohne Ende. Paris» 28. März. (Havas.) Wilson, Lloyd George, Orlando und C l r m e n c e a n traten Donnerstag um 3 Uhr 30 Minuten nachmittags tm Kriegsnnmstennm zusammen. Marschall F o ch, der General Pershing und Wilson wohnten der Sitzung. bei, du bis 6 Uhr 45Mmutm dauerte. Paris» 28. März. lHavas.) Die Bölkerbundkommission, die rmter dem Vorsitze Wilsons tagte, bezeichuete O rlando, Makino. General S m u 1 s und Oberst H o u s «• als Mitglieder der Kommission, die die Frage des Sitzes des Völkerbundes prüfen soll. Die Kommission beendigte sodann die Prüfung der zum Konventionsemwurs vorliegenden Ergänzungsanträge. Lord C e c t I, Benizelos und Oberst H o ü s e werden zusammen den Revisions.nlsschuß bilden, dem die endgültige Fassung des Projektes obliegt. Die Kommission wird wieder zusammentreten, sobald der Rcvisionsausschuß seinen Beucht ausgearbertet haben wird. Inland. Provisorische Landesversammlung. (Sitzung am 28. Marz.) In der gestrigen Sitzung wurde nach einem Referate des Abg. Pölz er dm Gememdcwahlordnnng für die Städte Wienei-Neustadt und Waldhofcn an der Mbs mtt dem Zusatzamrag deö Abg. K um an n, daß dw Amtssprache deutsch sn, einstimmig angenommen. Hierauf gelangte der Antrag des Finanzausschusses bezüglich der Regelung der Bezüge und der rechllrchen Stellung der Kanzleibcamten zur Annahme. , Nächste Sitzung Mittwoch den 2. Apnl. Aus dem Auswärtigen Amt. Staatssekretär Dr. Bauer hat den Minister a. D- Dr. Franz Klein, der bisher im Staalsumk für Aeußeres die Vorbereitungen für die Fnedensvechandlungcn leitete, mit fc.ncr Stellvertretung und mit der Revision der politischen Sektion betraut. Verhandlungen in der Schweiz? Genf, 28. März. (Tel. der „Wr. Morgengg.") Seit Dienstag weilt hier der ehemalige französische Botschafter in Wien. Herr C r o z i e r. Auch Baron Haupt, der Schweizer Vertreter Deutschösterreichs, ist m Genf emgelröffen. Freigabe der Kolportage. Der Justrzausschuß wies tn seiner gestrigen Sitzung den Antrag des Abgeordneten Fischer auf Freigabe der Kolportage dem Abgeordneten Dr. R a m e k zur Berichterstattung zu. — Du Regierungsvoilage über die Abschaffung d:r Todesstrafe wurde dem Abgeordneten Dr. E i s l e r zugewiesen. > —■■■■— Telegramme. Belagerungszustand in Serbien. Paris, 28. März. (Funkfpr. der Tel.-Komp.) Es wird mitgeteilt: Serbien verlangt von der Entente militärische Hilfe, da es sich auf feine eigenen Truppen nicht mehr Verlagen kann. A e b e r Serbienwurde der Belagerungszustand verhängt. Erregte Stimmung in Frankreich. Der Sturz der Regierung bevorstehend. Kopenhagen, 28. März. (Korr-Bur.) Nach hier her gelangten Berichten nimmt die Erregung über die verfehlte Politik der Staatsmänner der Entente in Frankreich immer mehr zu. In Allen Kreisen hört man erbitterte Aeußerungen über die Konferenz. die soviel Zeit vergeudet und die Gelegenheit versäumt habe, einen Frieden zu schaffen, der die Welt vor den schwersten sozialen Erschütterungen bewahrt hätte. Mit unverhohlener Abneigung spreche man über die Balkanvölker und die Tschechen, deren egoistische Politik Frankreich neue Opfer an Blut und Geld zu kosten drohe. Im Vordergründe stehe eine ministerielle Kombination mit Brian d an der Spitze und mit oder noch eher ohne Mitwirkung von Albert Thomas. Aber auch ein vollständiges Umkippen sei nicht ausgeschlossen und ernste politische Kreise rechnen schon mit einer Wendung, die die in der, Opposition stehenden Linkssozicilisten an sührenoe Stelle bringen würde. Auch von einem Wiederer'cheirwn CailLau x' auf dem politischen Schauplatz sei ernsthaft die Rede. Die Verhandlungen der englischen Regierung mit den Arbeiterverbänden. London» 23. März. (Reuter.) Nach Schluß der Konferenz mit den Vertretern der Elsenbahner gab Thomas bekannt, daß die Eisenbahner das Anerbieten der Regierung a n g e n o m m e n h a b e n. London, 28. März. (Reuter.) Die Abstimmung des Berg» arbeiterverdandeS über dir Frage der Annahme der von der Regierung angebolenen Bedingungen, die vom anssührenden Ausschuß wärmstens empfohlen wird» wurde für den 9. Apnl festgesetzt. - Die Landung der Polen in Danzig. Gewitterftimmung in Berlin. . n Berlin» 28. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Note der Alliierten über die beabsichllgte Landung der Armee des Generals Haller m D a n z i g hat «me sehr ernste außenposmsche Lage geschaffen, deren Wirkung >m Augenblicke noch nicht zu überfehen ist. Die Regierung hat sich vor Äbsendung der Amwortnote mit den Führern aller Parteien sehr eingehend besprochen. Alle Parteien haben sich mit dem Wortlaute der Antwortnote einverstanden erklärt. Ungarn ruft die ProlZtarier zn den Waffen. „Proletarier zu den Waffen!" ..'Budapest, 28. März. (Meldung des Ung. Tel.- Korr.-Bur.) Der Präsident der revolutionären Räteregierüng und das Fünferdirektorium veröffentlichen folgenden Aufruf: Arbeiter,' Proletarier, Genossen! Die Arbeiterschaft Ungarns hat die Sache der: Befreiung des Proletariats und der Welt-. Umwälzung um einen entscheidenden Schritt weitergeführt. Die ungarländische Prvletarierdiktatur ist nunmehr das Bindeglied zwischen der Tausenden von Feinden trotzenden Sowjetrepublik und der revolutionäre Eruptionen vorbereitenden Umwälzung des westlichen Proletariats. Den Sieg der Prvletarierdiktatur vermag ‘ nur Einheit,. Manneszucht und die No ttz Armee zu sichern. - . Weg mit jeder individuellen Aktion! / Laßt, , uns : bi« Verfügungen der VolksbeäüftragLen ähwarLerr^ZH.: Erstarkung, der Proletariergewalt hat' die UkLföpCHfyÄ'. -a n'f.Ker ganzen Li nie. zu beg in ne n, im Jtztzer-''. esse der Organisation und im Interesse des Ltnfbaües^. der Noten Armee. ' . . Proletarier, zn den Waffen-.! Zum.Schützes des Proletarierstaates und der Proletarierherrschaft,? zum Aufbau einer schöneren und besseren WeltordnWg^ Hoch die internaßi-onale Einheit und die Diktatur 'des/ Proletariats! - . . ‘ . . : : V Die Sazialisiernng schreitet fort. Budapest, 28. Mürz. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Tie Sozialisierung der Betriebe vollzieht sich auf der ganzen L l n t c. Sen zwei Taffen ist ine I n v e n t a r i s i e r u n g der Geschäfte und Magazine mt Zuge, damit bi'c zum.Lebens» ttcrhalt in erster Linie notigen Vorräte für jene nchrrgestcllt werden können, die den Bedarssnachwers liefern. Vom 1. Avril an mu) jedermann, ob Hausbesitzer oder nicht, seinen Mietzins an die Räterepublik entrichten, und es steht eine Verordnung bevor, welche die überflüssigen Wohnungen und Emrichtungsgegenstände den o b d r ch l o s e n P r o l e t a r i e r n zur Verfüffung stellen wird. Dre Versicherungsanstalten werden verstaatlicht. Sämtliche Aerzte werden in Hinkunft Angestellte der Räterepublik fein, so daß cs Privatärzte nicht geben wird. Auch dre Privaihonorare koren am. und jeder Arzt wird von der ungarischen Räterepublik eme ständige Besoldung erhalten. MreLzinsermätzigung der kleinen Wohnungen. Budapest, 28. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Revolutionäre regierende Rat hat dre Herabsetzung der ZlnsederkleinenWohnungenangeordnet. Alle Wohnzinse un^er K 2U00 werden um 20 Prozent ermäßigt. Beschlagnahme von KnnstschätzM in Mn ' Adelspalästen. Budapest» 28. Marz. Das Ungarische Telegraphen-Korrespondenz-Burcau meldet aus S 1 u h l w e i ß e n b u r g: Der revolutionäre Rat hat heute in den zahlreichen im Komital besindlichen Schlosiern die Inventaraufnahme begonnen. Im Äakvarer Schloß des ehemnUgen Ministerpräsidenten Grafen Montz Esterhazy sowie im Schloß^ des gewesenen Erriähmngsm nisters Grafen Johann Hadik in Sereglhe wurden wertvolle Kunstschätze beschlagnahmt. Die Inventaraufnahme wird in den Schlössern der Zlchy, Karolyi, Szechenyi, Nadasdy, Esterhazy, Sziraky, Wimpffen, Pappenhenn, Lambera, TraMenberg, Fiat rmd anderer fortgesetzt werden. Frauen als Rotgardisten. Budapest» 28. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Anläßlich der gegenwärtig im Zuge besindlichen Anwerbungen für die Rote Armee melden sich auch zahlreiche Frauen itnb Mädchen. In Stuhlweißenbnrg allein haben sich au etncm Tage 80 Frauen und Mädchen zum Eintritt in die Rote Armee gemeldet. 52 Milliarden Pfund kostet der Weltkrieg. London, 27. März. (Funkspruch.) Zn einer im „Fnstitute of Bankers" gehaltenen Rede über die wirtschaftlichen Äusstchten schätzte der bekannte finanzielle Experte E d g a r G r a m m o n d die direkten Kriegskosten der Alliierten auf 28.368«Millionen und jene der zentraleuropäischen Mächte auf 13.675 Millionen Pfund Sterling; mit Berücksichtigung der indirekten Kriegsausgaben schätzte der Redner die Gesamtkosten auf 52.000 Millionen Pfund Sterling. Zn der Weltgeschichte reicht nichts an eine derartige Kapitalsvsrwüstnng heran. Deutsches Gebiet an Belgien. Genf/ 27. März. (Tel.-Komp.) Schweizer Blättern zufolge verlautet aus sicherer Quelle, daß die Bereinigung der wallonischen Ortschaften, die bis jetzt zu Deutschland gehört haben, mit Belgien im Prinzip von der Friedenskonferenz beschlossen worden ist. Ferner soll Belgien als Kompensation für die im Kriege verwüsteten Wälder 10.000 Hektar deutscher Wälder längs der belgischen Grenze. erhalten. __ Die bestürzte Rew-Dorker Börse. „Ungünstige Berichte politischerNatnr." New-Bork, 26. März. (Korr.-Bur.) Die Tendenz der Börse war anfangs eher schwächer zu nennen. Später hatten Käufe des Privatpubliknms eine Erholung zur Folge. Die Kurse gaben aber erneut nach, als weitere ungünstige Berichte politischer Natur bekannt wurden, und besonders hatten Eifenbahnwerte unter Angebot zu leiden. Die Börse schloß in g e d r ü ck t e r Stimmung. -*— Teilweise Demobilisierung in Italien. Rom, 27. März. (Tel.-Komp.) Die Entlassung der Zahrgänge 1888 und 1889 wird vom Kriegsministerium vorbereitet. ' Der Diererrat will gegen Angarn einschreiten. London, 27. März. (Tel.-Komp.) „Daily Mail" meldet aus Parisr Der Viererrat hat die Vorgänge in lingarn zum Gegenstand einer eingehenden Beratung gemacht und beschlossen, Maßnahmen geaen diegegenwärtigeBudapesterReg i e r n n g zu ergreifen. Bratianu will die Juden betrügen. Stockholm» 28. März. (Tel. der „Wr. Morgenztq.") In einer Besprechung, welche Baron Edmund Rothschild mit dem rumänischen Akmüterpräsidenlen Bratianu hatte und in welcher auch über die endliche E m a n z i p a t i o n der rumänischen Juden gesprochen wurde,, verstieg sich B r a t i a.n u zu der Behauptung, daß unter den m der rumänischen Armee dienenden Juden „viele Verräter" gewesen seien. Auf die Frage, warum man diese Verräter mcht erschaffen.habe, erwiderte Bratianu, daß man mdiesem Falle halb R u m ä n i e n h L t t e e.r s ch i e ß e n müsse n. Seine wetteren Aeußerungen über die Gleichberechtrgung der Juden in Rumänien waren allgemeine Phrasen, welche dem Kern der Sache auswlchen und eine kategonsche Erklärung über diese Frage sorgfältig vermieden, so daß Baron Rothschild den Eindruck gewann^ daß die Judenfrage in Rumänien nur unter dem Zwange der Friedenskonferenz zu einer günstigen Lösung gelangen kann. Frankreich für Deutschösterreich. Förderung der Lebensmittelaktion. z Genf, 28. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Seit Ausbruch der ungarischen Revolution ist Gms das Reiseziel hervorragender politischer Persönlichkeiten Frankreichs geworden, welche die Ausgabe haben, die Stimmung informierter Kreise zu sondieren und durch diskrete Verhandlungen den Boden für eine Annnäherung an die Anhänger b e t französischen .Politik in Oesterrnch-Ungam vorzubereiten. Durch Vermittlung neutraler Politiker wird au der Fertigstellung eines Planes gearbeitet, der die politische Situation in Deutschösterreich auf eine durchaus geänderte Gmndlage stellen soll. Frankreich schützt seine Interessen ohne Rücksicht auf die kleinen Alliierten und will nicht noch anderen. Staaten eine» Vorwand b eten, sich dem Bolschewismus anzuschließen. Namentlich Dentschösterreich solidem Bolschewismus nicht zum Opfer fallen und aus diesem Grunde werden dieLebensmi t t elfen d u n g e n f ü r D e u t s ch 8 st e r r e i ch sehr g csordertwerden. — Das Resultat der FriedcnZüerhandlungen wird in etwa zehn Tagen veröffentlicht werden. Heftige Beschießung Lembergs. Zahlreiche Tote und Verwundete. Lemberg, 28. März. (Polnische Telegraphen-- Agentur.) Donnerstag nachmittags wurde die Stadt durch die ukrainische Artillerie heftig beschossen. Nach einer mehrstündigen Unterbrechung wurde die Beschießung der Stadt in der Nacht fortgesetzt.' Zahlreiche Pcivathäuser wurden arg beschädigt. Die ruthenische St. Georgs-Kirche und das in der Nähe der Kirche gelegene Palais des Metropoliten Szeptycki wurden getroffen. Die Verluste an Toten und Verwundeten sind groß. Unter den Getöteten befindet sich auch der Präsident des polnischen Journalistenvereins Redakteur Alexander Milski. Lebensmittel aus Przemysl eiugettyssen. Lemberg, 27. März. (Poln. Tel.-Agt.) Dank der Wiederherstellung der Etsenbahnverbindung zwilchen Przemysl und Lemberg konnten Lebensmittel m reichlichem Maße eingeführt und dre Lebensmittelnot behoben werden. Der jüdische Kongretz in Kanada. Stockholm» 28. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der kanadische Kongreß der Jüdischnationalen faßte eine NesoWon gegen das von der amerikanischen Regierung geplante E i nwanderungsverbot. Er fordert in seiner Entschließung Politik der offenen Tür. Konferenz der jüdischen Rationalräte. Stockholm, 23. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Heute begann in Paris die Konferenz der jüdischen Nationalräte. Zunächst wurden Schritte beraten, um die Friedenskonferenz für die Prinzipien der Gleichbeiechtigung der jüdischen Nation zu gewinnen. Die Beratung über diese Frage wurde schließlich einer Konnnlssion zugewieseu, zu deren Borsitzeilden Oberricht« Julicur Mack gewählt wurde.

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