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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-28 · Heft 69 (28.3.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 69 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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y Nr. 69 ' . v*r ■< . . w ’ ,u* y\-.'? ‘ ,’ i><‘ Wien» Freitag Wiener MorgeNzeitUW 28. März IY19 Gelte 8'. - -—-"--<-.'«»4. Tagesbericht. Uebergreifen des Eisenbahnerstreiks auf die Ost-und Afpangbahn. . Wie ümtiich mitgc^ilt wird, hat der Eisenbahnerstreik bisher nur auf der Sü dbn h n zu einer v o l lstÄnM gen Ll r b t i 1 s n i ed erlc g itn g gef''hrt. Auch Mf tjte' D stbah n hat . die 'Bewegung n'lbergegriffen. ein Deill der Arbeiter hat 'die Ar,b e.it. nieder-. Helegt. Die Ashangbahn ist insoweit in Mitleidenschaft gezoger:, als si e ziNrr. Teil Line gemeinsame Strecke chit der Südbahn hat. Andere.Bahnen hat die Streikbewegung bisher nicht ergriffen. Gegenwärtig findet eine gemeinsame Beratung der Vertrauensmänner der Güdbahn mch der Ostbahn statt. Die Ursachen des StveM. sind rein wirtschaftlicher Natur und drücken sich irr Lohnforderungen aus, die nicht bei allen Kähnen die gleichen'sind. ‘ Borgeschichte des Streiks. ' 'Zum Ausbruch des Streikes'wird uns von inforchiLrter Seite mitgeteilt: Der Streik.geht von einer Gruppe der Arbeiterschaft und nicht von. der Organisation aus. Obwohl hrluptfächlich tvirrfchaftliche Momente, Äöhnfragen. den Ansstand, herbeigeführt haben,sind gber auch p o l i t i s ch e Gründe nrittpirkend getyefen. Der Umsturz in Ungarn ist auf die Eisenbahnerschast, die mit den migatischen Eisenbahnern in Fühlung steht, Vicht ohne Einfluß geblieben, lote ja überhaupt innerhalb der Organisation sich eine radikale - Opposition Kltend macht, die scheinbar an Anhängern gewinnt. Die Eisenbahner fordern 79> Kronen täglich. Gestern vormittags fand. in den Eichensälcn in Favoriten eine Massenhaft besuchte Versammlung statt, bei.der die 'Lohnforderungen., in erregten Debatten besprocherr wurden. Die ursprünglich von den Eisenbahnern erhobenen Forderungen waren ein Mindestlohn von 5 Krouen pro Stunde ftir jed^n Ar- . beiter und eine tägliche Zulage von 30 Kronen als Entschädigung für die nicht gelieferten Lebensmittel; fomst würde sich das Einkommen für alle Arbeiter ohne jeden Unterschied ans. mindestens 70 Kronen pro iDag beziffern. Da diese Forderungen einem Teil der Arbeiterschaft, selbst zn hoch erscheint, wirb eine Einigung auf jGrnnb einer gemäftigteven Forderung angestrebt. Ausbleiben der Levensurtttrlzüge aus Jtalinr. Bekanntlich bewegt sich der Transportdienst der »Entente ausschließlich aus der Linie Loitsch—L-aibach. Falls der Streif andauern sollte, wäre ein weiterer Zuschub von Getreide und Mehl unmögl ch gem acht und P ie'tt fHtn be vor L ime-x H uw gerka tastro p h e. > Die Verhandlungen im Verkehrsamt dauern fort und es ist anzunehmen, daß eine Einigung im Interesse der Gesamtheit zustande kommen Wied. 8lein Sympathiestreik der Straßenbahner. —. Besetzung unserer Bahnen durch Ententetruppen? ~ Die Streikbewegung beschäftigte gestern lebhaft die .parlamentarischen Kreise. Es zirkulierten zahlreiche Gerüchte, z. B. von einem Sympathiestreik der Straßenbahner, tarn deren Bahnhöfen beim Verbände der Handels- und Transportarbeiter zahlreiche Unfragen gerichtet wurden, ob die Streik^arole auch für die Straßenbahnbediensteten ausgegeben werde. Den Fragestellern wurde bedeutetdaß der Betrieb der Straßenbahnen weitergeführt werde und Wer die Forderungen, der Bediensteten, erst in den Nächsten Tagen entschieden werden moll. ' Die in Wien weilende englische und italienische Mission habensich über diesen Stand der Streikbewegung eingehend erkundigt und verfolgen dieselbe mit größter Aufmerksamkeit. Ueber die Wirkungen, der Einstellung der Bahnbetriebe auf unsere Ernähr ungslage wurden die Missionen genau »unterrichtet. Begreiflicherweise Dgen die Missionen auch Besorgnis über die Unterbrechung des Verkehrs der Ententezüge von und nach Bukarest.. Die Tschechen-' Plaidieren für ei ne Besetzung u nsererBahnen durch Entente truppen, so daß unsere Eisenbahner unter Kommando von Ententetruppen gestellt würden. Fortsetzung der Ve.Handlungen. Abends wird uns aus dem Staatsamte für Verkehrswesen gemeldet: Dre Arbeitseinstellung des Eisenbahnpersonales hat sich im Lause des Nachmittags n i ch t werter ausgebreitet. Die Verhandlungen mit dm Bediensteten werden fortgesetzt. Hierbei ist in erster Lime das Bestreben darauf gerichtet, den Verkehr der A p p r o v i s i o n i er u ngs züge sicherzusiesten, damit nicht die Ernährung der Bevölkerung gefährdet werde. Dis abends keine Einigung. Der StaatSkorresyondenz wird spät abends gemckdet: Im Arbeitcrhrim Favoriten ist der Vertraueusmännerausschuß i^er Enenbahnbediensteten pernranent versammelt. Abends verhandelten mit deu Streikenden Staatskanzler Dr. Renner, 6er Staatssekretär für Heerwesen Dr. Deutsch und Abgeordneter T o m s ch i k. Dre Versammlung nahm teilweise einen b ew e g te n Verlauf. Staatskanzler Dr. Renner besprach die politische« und wirtschastlichm Ursachen des Ausstandes und »legte d,e äußere, innere, Ernährnnas- und volkswirtschaftliche Lage des Landedar. Ueber unsere militärische Situation sprach Staatssekretär Dr. Deutsch. Ueber die einzelne« wirtschaftlichen undStandes'- angelegenheiten. der Eisenbahner berichtete Abgeordneter T o m» f ä» i k. Dir Vecsammlimg wählte schließlich ein achtglied.igeS Komitee, welches die Verbindung mit den sozialdemokratischen Abgeordneten aufrechterhalten und gegebenenfalls in Verhandlungen rmtrctm soll. Die Vertraunlsmänner werden auch nivraen den gMm Tag über permanent versammelt sem. Auch di-7 Lokalbahnen streiken. Graz, 27. März. .(Del.-Konip.). Dev Verkehr auf allen Linien der steirischen Bahnen ruht. Jnr Lause des heutigen Tages hatte sich auch das Personal der Stainzer Bahn, der Sulmtalb ah n, der Bah n K a p.fe n b e r g—A u—S e e w i e s e.n. u n d der Radkersburger .Bahn'dem Streik/ a«ngeschlossen. Zwischen Wien und Brück verkehrte eine Maschine mit zwei Dienstiväzen, die dgs noch unterwegs befindliche Personal ,in feinen Diertstork. zurüch- Lrachte. Um 8 Uhr abends, wurde von Graz , aus ein sogenannter Kommissionszug nach . Wien geleitet, der gleichfalls das auf der Strecke Verblieberte Post- und Bahnpersonal in seine Heimat befördert- Graz, 27. März. Heüt-e früh sind hier auch die Angestellten der Stgatsbah nen in den Ausstand getreten, so daß der Zugsverkehr auch auf der Strecke Graz—Fehring—Aspang eingestellt ist. Die streikenden S ü d b a h n a n g e.st t\l t e n hielten eine Versammlung ab und setzten einen Eisen bahnerrat ein, in demauch die Beamten schuft, die sich mit den Arbeitern solidarisch erklärt hat, vertreten ist. Der Eisenbahnerrat hat sich in Permanenz erklärt. Die Streikenden haben den Sicherheitsdienst in den Bahnhöfen übernommen und sorgen dafür, daßSabotageak te vermieden werden. Morgen findet eine allgemeine Eisenbahnerversammlung statt. . - * Aus der Werkstatte dev Krimiualpotizei. Vor einem großen Zuhörerkreise, fanden am 23. und - 26. März die von der Organisation der Gerichtssaalreferenten der -Wrcner Tagespresie veranstalteten Vorträge über das Wirken der Krimmalpolizei auf dem Schauplatze eines Verbrechens Md über ihre Arbeit zur Ausforschung des Täters ffcatt.- Der schmucke Saal im Polizeigebäude aus der Ellsabethpromenade war dicht gefiillt.^ Polizeipräsident Schober wies in emer mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede darauf hin, daß die Zeit vorüber fei, in der die Polizei sich in ein mystisches Dunkel hüllte. - Heute kenne man den Wert der Oeffentlichkeit, die ganze Beamtenschaft sei von der lleberzeugung dnrchdrMgen, daß das Publikum nicht für die Polizei, sondern die Polizei für das Publikum da sei. Im ersten Vorträge sprach Polizeirat Dr. Richard D o h m a l über das Thema „Die Polizei am Tatorte". Der Vortragende wies auf einzelne Fälle hin, wo unscheinbare Gegenstände, die ein Laie sicher übersehen würde, dem untersuchenden Beamten eine Handhabe boten, um den Täter auszuforschen. Durch Proiektionsbilder, die Polizeiinkvektor R u p p vorführte, wurden diese Erläuterungen illustriert. Man sah das Zimmer mit der Leiche der emrordeten Kaufmannsgattin Rusche,, d:e von ihrer früheren Kollegin, einer Choristm, ermordet worden war, dann die unalückliche Gesellschafterin Julie Earl, die im Hotel Bristol das Opfer eines entsetzlichen Raubmordes geworden war. Eine Besichtigung des Polizeimuseums mit seinen Erinnerungen an große Verbrechen, den Bomben aus der Zeit der Jrredenta, den Mordwaffen, die der Mädchenmorder Hugo Schenk, der Dienstbotenmörder Schneider zu ihrem grauenhaften Handwerk benützt, der Reisekorb, mit welchem Franziska Klein, die^Mörderin des Hausbesitzers Sykora Wien verlassen, und der an ihr zum Verräter wurde, beschloß den ersten Vortrag, der das größte Jntereffe erweckte. Zu dem zweiten Vorkrag hätte sich Präsident Schober gleichfalls eingesunden. Polizeirat Dohmal behandelte diesmal das Thema „Die methodrscheEntlarvung des Verbrechers". Er führte in anschaulicher Weise die Arbeit der Polizei in ihrem eigenen Hause, im Erkennungsamte, der Versammlung vor Augen. Zu den Hilfsmitteln auf diesem Gebiete gehören das Verbrecheralbum, die Bertillonschen Körpermessungen und die letzte wertvollste Errungenschaft, die Daktyloskopie, Me Fingerabdrücke. Wie sestgestellt, gibt e s n i ch t z w e i M e n s ch e n, d e r e n Linien Zeichnung auf derHand,, insbesondere an den Fingerspitzen, ganz gleich wären, und da von jedem Verbrecher, der dem Sicherhrüsbureau emgekefert wird, Fingerabdrücke gemacht werden, so sind diese Zeichnungen, von denen schon Hundertlausende vorhanden sind, zur Jdentiffzierung von Rückfälligen von der größten Wichtigkeit. Im Anschlüsse an diesen gleichfalls mit einer Reihe von lehrreichen Lichtbildem illustrierten Vortrag demonstrierte Polizeirat Dr. Eichberg in der antropometrischm Abteilung das Wesen der Daktyloskopie und zeigte, wie in der Praxis Fingerabdrücke hergestellt werden. Seinen fesselnden Erklärungen 'olgteu die Zuhörer mit gespannter Aufmerksamkeit. Mit emer Besichtigungd es Verbrech er alb ums schloß die nach jeder Richtung h,n gelungene Veranstaltung. Auf allgemeinen Wunsch wird die Veranstaltung in absehbarer Zeit wiederholt. * Erstreckung der Arbeitslosenunterstützung bis 15. Mai. Das eben erschienene Staatsgesetzblatt veröffentlicht eine Bollzugsanweismig des Staatsamtes für soziale Verwaltung, mit welcher die Fortführung der staatlichen Arbeitslosenfürsorge für Arbeiter und Angestellte b l s 18. Mai 1919 angrordnet wird. * Zionistische Bezirkssektion Währing. Die Mitglieder des Zionistischen Zentralvereines Md des Jüdischen Nationalvereines in Währing versammelten sich Mittwoch den 19. d. M. im Cafs Sommerbauer zur Besprechung akweller zionistischer ragen. Die Referate wurden von Dr. W. S t e i n und Dr. Arnold F r i e d m a n n erstattet, worauf sich eine lebhafte Diskussion entwickelte. Alle Redner billigten den Vorschlag der Referenten rmd forderten, daß im Organrsationsstatut die Fusionierung des Zionistischen Zentralvereines mit dem Jüdischen Nationalverein dnrchgesührt werde. Die Mitglieder beider Veremigungen sollen bezirksweise in eine zionistische Ortsgruppe zusammengefaßt werden. Der am 19. d. M. gewählte Ausschuß hat sich konstituiert. Die Bezirkssektion Währing wird eineintensive zionistische Tätigkeit enftalten und allwöchentlich Vorträge und Diskussionen veranstalten.—Dienlichste Vollversammlung derWühriuger Ortsgruppe findet am Mittwoch den 2. April, Va6 Uhr abends, im neuen Klublokal C a f 6 „W 8 h r i n g e r h o f", XVIII., Währingerstraße 162, statt. Tagesordnung: Berichte über die Tagungen des „Dcrlischöstcrreichischm Parteitages" und über die Gei.ei.alversammlnng des,-Keren Kajemelh Lejisroel". * Ein jüdischer Märchennachmittag. Eine neue Arbeitergemeinschaft für jüdische Kultur und Kunst »Die Arche" beginnt die Reihe ihrer Veranstaltungen im Zeichen der Jugendbewegung mit einem M ä r ch e n n a ch m i t t a g für j ü d r s ch e K i n d e r, der am Samstag den 12. April um ‘/,3 Uhr nachmittags im großen Konzerthaussaal stattsindet. Als Mitwirkeude wurden L l a R o s e n. E l i s e K a r a u und der rasch berühmt gewordene j u n g e S ch i l d k r a u t gewonnen.. Das Programm wird jüdi'che Marcken und Erzählungen an8 alter und neuer Zeit Mpassen. Kv -.m von K. I.— bis K 6.— ab Montag den 31. März bei R. Löw'.t, Wien, X. Rotenturm- | straße 22, und an der KonzerthgEkasse. Alls ’bctn 'Ntmerlräglus I jüdische Kindes bedacht.- * Ferdinands-Kino. Ein ebenso packendes als sensationelles Kriiiiiualdraina „Die Tode sf.ah r t -n a ch> 9Ji oute ,S y l v a", ein Erzeugnis italienischer Filmümst, lu.tet das diesmalige Programm dcs.F erd inands-Kino ein. - Landschaftliche Schönheiten und eine ungemein bewegte dramatische Handlung machen diesen Film besonders sehenswert Im Programm befindet sich noch der Film „Die To ch t tar'- d e S Spiele r.s", der im Mittelpunkte.der HaydlMg^drel Leiden einer unschuldtg verfolgten Frau zeigt Md bis zum Schlüffe und zur unerwarteten Lösung das Publikum in Atem halten chich^'. Beginn der Vorstellungen 3 Uhr nachmittags. - - - - * Zentrak-Kino. Die schönste Schauspielerin Italiens^- die berühmte F r a n c e s c a B.c r t i n i, ist heute in dem Filmronk „D i e schöne I v o n n e" zu sehen. Der Film, ein Meisterwerk italienischer F lmkunst, fesselt sowohl durch Darstellung als durch dramatische Kraft. Außer der s'ch ö n e n- 9) vonne bringt das Zentral-Kmo noch einen zweiten Schlager. Es ist das Dctektivdrama „Die Heimkehr des Kriegsgefangenen". Die Geschichte dieses Films greift in die Mgste. Gegenwart ein. Ein Gefangener, der todgeglaubt wird, kommt aus .der sibirischen Ecswüste zurück, wird des Mordes beschuldigt und es gelingt ihm erst nach langen Mühen seine Unschuld tm den Tag zu brmgen. Der spannende Detcktivfilm wird, ebenso wie „D i e schöne U v o n n e" den Beifall des Publikums finden-. Anfang der Vorstellungen 3 Uhr nachmittags. 1 Vorträge und Versammlungen. „W e r d ä n d i - B u n d". Vortrag von Dr. Richard P l ä t t e n st e i n e r über Rosegger im Festsaale des alten Wiener Rathauses, Wien, I., Wipplmgerstraße 8, 5 Uhr nach-, mittags. (Zutritt frei.) — Samstag den 29. März, Uhr abends, findet im Vereiuslokale, H., Arkusgasse 33, die Forttetzung der Debatte über die bei der Generalversammlung des Vereines 'Keren K a j e m e t h Lejisroel abgehaltenen Referate über die Nationalfonds- und Palästinaarbeit. Gäste willkommen. Letzte Nachrichten. Der Friede vor Ende der Woche? Rotterdam, 27. März. Der „Meuwe Rotterdamsche Courant" erfährt aus Paris: Der Rat der Vier hielt heute eine Sitzung ab, in deren Verlauf wichtige Beschttiffe gefaßt worden find. Man solle bereits im Prinzip bezüglich dreier Fragen eine Aebereinftimmung erzielt habenr Die Frage der Wiedergutmachung, des. Rheines und des Adriatis che n Meeres. Es ist daher sehr gut möglich, daß die Verheißungen Lloyd Georges und des Obersten House, daß die vorläufigen Friedens bedingungen g e g e n Ende der Woche festgesetzt fein werden, fich erfüllen. Eines tue not: Mau müsse um jeden Preis zu Ende kommen. Lammasch in Belgrad. z Belgrad, 27. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg") Wie die hiesigen Blätter melden, wird nächste Woche Profeffor L a m m a s ch in Belgrad eintreffen. um wirschastliche Beziehungen zwischen Deutschs st err ei ch und Jugoslawien herzustellen. Für unsere Kriegsgefangenen. n Genf, 27. März. (Tel. der „Wr. Morqenzttz.") Eine Deputation des internationalen Komitees des Roten Kreuzes hat Genf verlassen, tm sich über die Vereinigten Staaten und Japan nach Wladiwostok zu begeben und von dort nach Westsibirien zu gelangen. Der Zweck der Reise ist, sich von dem Z «st a n d e der ö st e r r e i ch ischen Kriegsgefangene« ei« Bild zu machen, die sich dort befinde«. , Rücktritt des Generaldirektors der Südbahn. Der Generaldirekeor der Südbahn v. W e e b e r hat dem> Staatssekretariat für Verkehrswesen mitgeteilt, daß er Ende diese?' Monats von seiner Stelle zurücktreten werde. Nur nu' Hinblick auf den Streik hat er seinen Wunsch für dm jetzigen Moment zurückgestellt, doch wird eine Verändmmg auf dwsem Posten ln kurzer Zeit erfolgen. Eine europäische Aktion der Bolschewiken. London, 26. Marz. (Tel.-Komp.) In einer Information, welche „Exchange Telegraph" unter dem ,22. März ans Paris erhält, wird ausführlich dargelegt, daß die B o l s ch t w i E e n für dasFrühjahr eine große europLisch.e Expedition planen. Der rumänische Jnformationsdieüft enthalte Nachrichten darüber, daß. die Bolschewiken sich gegen Rumänien wenden würden, sie seim gut genährt und wohl bewaffnet und haben dieMoralvonFanatikern. Das ganze rumänische Volk erwarte im Frühjahr den Zusammenstoß mit den Russen. Diese große rnistsche Invasion versetze das rumänische Volk in viel größere Aufregung als der augenblicklich drohende bolschewikische Putsch. Auch die Ukrainer in der Südukraine bc^ reiten sich für emen Feldzug gegen die Bolschewiken im Frühjahr vor. P e t l j u r a, der ukrainische Diktator, hat Vertreter für die Friedenskonferenz ernannt und wird zu einer Einigung mit den. Polen noch vor dem Frühjahr zu kommen trachten, weil er dann. gegen die Bolschewiken gut gerüstet zu sein glaubt. Die Friedenskonferenz verteidigt sich. London, 26. März. (Tel-Komp.) „Reuter meldet' arrZ Paris: Eine hohe britrsche amtliche Persönlichkeit sagte, gestern abends rm Zusammenhang mit einer Krück über .die D e rz ö g e r n n g d e s F r i e d e n s s ch l u s s es m i t D e y t s chla nd, daß btifWelt sich der Größe der Aufgaben des Kongresses nicht bewußt sei. Seinerzeit sei darauf hingewieseu worden, - daß der Rat der Zehn seine Aufmerksamkeit so untergeordneten Fragen, wie zum Beispiel der Frage der Tele g r aphen k a b,el, gewidmet habe.Trotzdem sei diese Frage aber von der größten Bedeuümg und müsse vor Erledigung des Friedensvertrages geregelt werdev.Mcht minder wichtig sei die Frage, wem die d e u t s ch e n K o l ani e« zugeteilt werden sollen. Auch die Grenze n zwnchm den neuentstandenen Staaten und Deutschland müssen festgelegt werhey, Ungarn sei wegen einer derartigen Frage zum BolschewisuuÄ übergegangen. Eme Verzögerung m der Behandlung solcher A»--- gelegenhriten käme einer Arfffordenmg zu einem ähnlichen > Schm gleich. . .

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