Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 68 (27.3.1919)
- Date
- 1919-03-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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\ 94t. 68 Wien, DorniekstLg Wiener Morgenzeitung MM Die Wahlreform in der Kultusgemeinde. Die Frauen, Rabbiner» Lehrer und Beamten von der Wählbarkeit ausgeschlossen! Von unserem Berichterstatter.; r Wien, 26. März. ' Der Kultusvorstand hört nicht das Tappen des steinernen Gastes. Unangefochten und ahnungslos frevelt er weiter, während schon die Flammen aas dem Boden Klagen. Wer noch einen Rest von Hoffnung hatte, daß dieser Körperschaft Leben und - Geist einzuflößen ist, der mußte von der heutigen Sitzung endgültig eines besseren belehrtwerden. Mit einem Zynismus sondergleichen Mißbrauchen' diese 'Menschen' ihre Machtposition, urO das Ansehen des Judentums zu untergraben; sie singen ernsthaftdas Loblied des alten „Khille"-Geistes, jenes Schandflecks des Judentums, der eine Atmosphäre von Beschränktheit, Dünkel, Selbstgefälligkeit, Würdelosigkeit und Willkür geschaffen hat, in der die üppigste Schmutzwirtschaft gediehen ist und den Menjchen das Rückgrat gebrochen wurde. Nirgends tritt Mer Charakter dieser Körperschaft deutlicher zutage, als irr dem Verhältnis der „Vorsteher" zu den B«lmten. Die Herren, die eingestandenermaßen in ihrer Mehrheit vom Judentum gar nichts verstehen, wollen die Rabbiner, Lehrer rnrd Beamten von ' der Verwaltung ausschließen, tveil sie es unter ihrer Würde finden, mit „bezahltern Clerk" zusammenzusitzen. Ihnen steht der Bankdirektor, der von der Bank bezahlt wird, sozial höher, als der geistig arbeitende, die idealsten Aufgaben erfüllende Lehrer, den die Gemeinde besoldet. Sie wollen ihr tzerrengefühl bis zur Neige auskosten. - In einer „Khille", so sagte Dr. Schreiber, muß es Herren und Diener geben. Dieses System hat es dazu gebracht, daß es der besser gesinnten Jugend moralisch unmöglich gemacht wird, Lehrer zu werden, und daß daher dieser wichtigste Beruf meist von Leuten, die irgendwie Schiffbruch gelitten haben, aus Verlegenheit gesucht wird. Dieses System hat den ehrlichen Lehrerstand auf das Niveau eines Schnorrertums herabzgedrückt und ihm die Autorität geraubt. Den leeren rnrd überheblichen Argumenten des Generalredners dieses Systems, Herrn Dr. Pappenheiur, ist Stricker sachlich und scharf entgegengetreten. Seine Rede war ein' wahres Meisterstück und konnte den Eindruck auf die wenigen Ehrlichen unter den Vorstandsmitgliedern, nicht verfehlen. Hofrat L öwner, der, obwohl erklärter Gegner der nationalen Richtung, immer durch Offen- .heit und Aufrichtigkeit angenehm absticht, hat auch erklärt, daß er von der Argumentation Strickers überzeugt MourÜe. Diese Frage ist auch wahrhaftig keine Garteijache, sondern eine Forderung der Gerechtigkeit rmli-'moderner Gesinnung. Es zeigte sich aber, daß vuch diese Eigenschaften nur bei den Nationalen zu finden sind, während die verknöcherten Vertreter des alten überlebten Systems eben in keiner Hinsicht in die heutige Zeit passen. Die heutigen Beschlüsse sind eine schwere Beleidigung des Rabbiner-, Lehrer- und Beamtenstandes. Das jüdische Volk darf nicht dulden, daß man die Männer, die man ihm als Führer und Lehrer in den wichtigsten geistigen Dingen gibt, auf der anderen Seite zu minderwertigen Menschen stempelt, mit denen man nicht beim Bcratnngstisch sitzen kann. Die Entrechteten aber werden dafür sorgen, daß bei den nächsten Wahlen Männer gewählt werden, die ein besseres Verständnis für die Würde und das Wesen des Judentums haben. , Nachstehend der Sitzungsbericht: t-' Vizepräsident Hofrat Rap Pa Port eröffnet die Sitzung mit der Feststellung, daß die letzte Sitzung von ihm ordnungsmäßig geschlossen, und nicht, wie die Presse berichtete, abgebrochen worden sei. Säine Worte seien nur in dem allgemeinen Tumult untergegangen. — Nach einer Anfrage Dr. Schreibers wegen der Mazzothversorgung wird in die weitere Beratung der Wahlresorm eingegangen.?! 8 6 betreffend den Ausschluß aller jener Personen vom aktiven Wahlrecht, die vom Wahlrecht für die beutschösterreichische Nationalversammlung ausgeschlossen sind, wird ohne .Debatte angenommen. , ' Das passive Wahlrecht. ';; § 7 lautet nach dem Vorschlag der Kommission: Wählbar sind jene aktiv wahlberechtigten, die deutsch-; österreichische Staatsbürgerschaft besitzenden Personen männlichen Geschlechtes, die am Wahltag das 30. Lebensjahr { vollendet haben. Die im § 13 b, Absatz 1, des Gesetzes; vom 18. Dezember 1916, St.°G.-Bl. 115, bezeichneten - Personen sind auch dann nicht wählbar, wenn die Folge ihrer Verurteilung nach § 13 b, Absatz 2, des bezeichneten "Gesetzes aufgehört hat. Ausgeschlossen sind auch jene / Personen, die über eine ihne nanvertraute VermögenSgebarung der Kultusgemeinde oder einer Anstalt derselben ' mit der zu legenden Rechnung ohne genügende Rechtferti- ' gung inr Rückstände sind. Dr. Schwarz-Hiller beantragt Streichung der Worte „männlichen Geschlechtes". Dr. Plaschkes unterstützt diesen Antrag und verweist auf die Verdienste der Frauen in der sozialen Fürsorge, auf.die die Verwaltung der Gemeinde im eigenen Interesse nicht verzichten dürfe. Dr. Auerbach widerlegt eingehend die von konservativ orthodoxer Seite vorgebrachtcn Einwünde gegen das Frauenwahlrecht; von religösen Autoritäten wird bestätigt, daß gegen die Wahl der Frauen kein Anstand bestehe. In Wahrheit leiten die Gegenseite nicht ernste Gründe, sondern Launen und Geschmacksrichtungen, dies ist aber in der heutigen Zeit, Wo eine neue Weltanschauung sich durchsetzt, nicht anl Platz. Die Kultusgemeinde degradiert sich selbst, wenn sie als einzige öffentliche Körperschaft in diesem Punkt ihren reaktionären Standpunkt behält. Im Namen der Kultur beantragt .Redner Zulassung der Frauen. Herr K a u d e r s sucht in komischer Weise darzutun, daß die Frau ins Haus und in die Küche gehört und in der Gemeindestube nichts zu suchen hat. Er stützt sich dabei , auf einige Bibelsprüche und seine Familienerfahrungen. Der Ausschluß der Frauen beschlossen. ' Bei der Msttmmung wird § 7 in der Fassung deS Entwurfes aiigenomuren. Der Antrag__Schwarz-Hiller wird mit allen gegen 7 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmen nur: : Auerbach, Ehrlich, Gärtner, Plaschkes, Pollak, Schwarz-Hiller, Stricker. Die Wählbarkeit der Rabbiner und Lehrer. § 8 lautet im Entwurf: ' A u s g e n o m m e n von der Wählbarkeit sind: 1. Die Rabbiner, ihre Stellvertreter, dann die besoldeten Kultnsfunktionäre und Diener ' der 'Kultus- ' gemeinde; - 2. die Religi onsle hrer an den' öffentlichen Volks-, Bürger- und Mittelschulen sowie auch jene Lehrpersonen welche an von derMltusgemeinde subventionierten konfessionellen Lehranstalten angestellt, sind; 3. die Rabbiner, die besoldeten Kultussunktionäre und Diener der Bethausvereine. Dr. Pla s ch kes beantragt S tr eich nng dieses Paragraphen und tritt für das Wahlrecht sämtlicher Beamten der Gemeinde und der Tempelvereine ohne.Ausnahme ein. Sie »vollen das Wahlrecht — führt Redner aus — den Seelsorgern der Gemeinde und .den Lehrern nehmen. -Wohin steuern wir denn eigentlich? Jede Wegnahme des Wahlrechtes ist eine Lspitis ägrninutio. Sie wollen diejenigen, denen "Sie Ihre Seelen und Ihr kostbarstes Gut, Ihre. Kinder, anvertrauen, entehren. Für diese- Vorgehen sprechen keine sachlichen, sondern nur persönliche Argumente. Gerade wer die Gemeinde als rein religiöse Institution betrachtet, darf die wichtigsten Funktionäre, die Sachverständigen, nicht, ausschließen. Die Opposition kann ja damit' zufrieden sein, denn diese Entrechteten werben der Opposition in die Arme getrieben. Aber hier geht es nicht um wahltäktische Fragen, sondern um eine Frage des Rechts; das Recht dürfen Sie nicht beugen, wenn Sie Achtung vor sich selbst haben. Redner verweist darauf, baß die Kultusgemeinde sich .schon durch den Ausschluß der Ausländer eine moralische,-Schlappe sondergleichen geholt hat/denn heute berufen sich antisemitische deutschnationale Studenten auf das Beispiel des Kultusvorstandes. Ebenso setzen Sie. die Rabbiner, vor der Oeffent-, lichkeit herab und geben jedem Antisemiten die Berechtigung, unsere Rabbiner nach dem Vorbild der Kultusgemeinde anzupöbeln. Dr. Pappenheim spricht für den § 8 und beantragt noch Einschaltung der Worte „und Beamte". Bestünden zwischen Rabbiner und Gemeinde nur spirituelle Beziehungen, dann wäre Redner für die Wählbarkeit, allein wegen der materiellen Beziehungen sei dies unmöglich, denn es wäre unzweckmäßig ,wenn Rabbiner und Beamte in materiellen Fragen mitreden. Der Eintritt iu den Wahlkampf erfordert auch den Anschluß an eine Partei; ein Rabbiner dürfe aber kein Parteimann sein. Ferner gibt es Differenzen zwischen verschiedenen Gruppen von Rabbinern, zum Beispiel Gemeinde- und Vereinsrabbinern. Die Entscheidung in materiellen Fragen muß den Laien Vorbehalten bleiben. Dasselbe gelte von den Lehrern und Kultusfunktionären. Die Lehrer dürfen nicht in den Parteikampf gezogen werden, weil ihre Objektivität und Autorität darunter litte. Die Funktionäre finden schon Wege, ihre Interessen zu wahren, auch wenn sie nicht hier sitzen. Aber auch die Wählbarkeit der Beamten sei eine administrative Unmöglichkeit, da es peinlich wäre, in Gegenwart eines Beamten über Remunerationen oder über außerordentliche Avancements und ähnliches zu beraten. Und ein Diener der Kultusgemeinde? Was kommen .da für soziale Unmöglichkeiten heraus? Heber den Gehalt des Rabbiners kann der Schamnics nicht entscheiden. So kann man eine Khille nicht verwalten! Wenn Sie die Rabbiner und Beamten Hereinsetzen, dann ist es mit der Verwaltung der Gemeinde zu Ende. Stricker: Wir sind die einzige öffentliche Körperschaft, in der noch keine Lehrer sitzen, obwohl gerade die Gemeinde mit Erziehung viel zu tun hat. Die Gründe Doktor Pappenheims sind: Ein Lehrer soll keiner Partei angehören. In der heutigen Zeit der größten Bewegungen sollen die berufenen Erzieher sich von der Welt abschließen und warten, welche Spießergruppe die Majorität bekommt, und sich darnach ihre Weltanschauung bilden? Sie haben es den Lehrern nie verwehrt, in vergangenen Zeiten Partei zu nehmen, nämlich gegen uns. Wenn andere Menschen einer Partei angehören und trotzdem in sachlichen Fragen objektiv sein können, warum sollen die Lehrer diese Fähigkeit nicht haben? Aber es sind eben andere als die ausgesprochenen Gründe: Sie wollen die Lehrer entrechten, weil Sie im Lehrer etwas nicht ganz Vollwertiges erblicken, wobei Ihnen gewisse äußere Erscheinungen Recht geben. Aber die Schuld liegt an uns, an der jüdischen Gesellschaft, welche die Lehrer als minderwertig betrachtet und deklassiert hat; deshalb sind diese Menschen innerlich verkrüppelt worden. Dieses. Unrecht hat die Gesellschaft gutzumachen. — Sie sagen ferner: die Lehrer haben in materiellen Fragen ihres Standes nicht mitzureden. Warum? Wenn in einem Parlament über materielle Ansprüche der Lehrer zu sprechen ist, werden als erste die Lehrer in diese Ausschüsse geschickt. Sie meinen, daß nur dann etwas herauskommt, wenn man einem Stand etwas aufoktroiert. Das Gegenteil ist richtig. Bei Vertretung von Einzelinteressen ist gewöhnlich der Vertreter des Standes derjenige, der ungerechten Forderungen im Interesse der Würde des Standes viel energischer entgegentritt als andere.. Wem» man einen Stand mündig nmcht, wird er würdevoller. Er bleibt würdelos, so lange er darauf angewiesen ist, sich auf Umwegen um seine materiellen Interessen zu kümmey. Was Herr Dr. Pappenheim so befriedigt festgestellt hat, daß jeder Funktionär schon Wege findet, ist eben das Unwürdige. Wenn man genötigt ist, bei einzelne?». Kultusvorstehern P r otektion zu suchen, dann hat der, der qm besten kriechen kann, die besten Aussichten mit seinen Forderungen durchzudringen. Die unerquicklichen Debattenauf die Dr. Pappenheim angespielt hat, haben nur darin ihren Grund, daß Sie den Beamten keine Organisation und keinen Anteil, an der Verwaltung zugcbilligt haben, so» daß sie genötigt sind, ihre eigenen Ansprüche zu e r s ch u o rr e it, wobei dann das SA) n,o r rgen i e die besten Geschäfte macht. Der Unterschied zwischen der Kultusgemeinde und anderen Körperschaften, den Sie sich zurechtgelegt haben, gilt nicht. Im Wörterbuch der neuen Zeit ist daS Wort „Khille" nicht mehr enthalten. Der allgemeine Zug geht dahin, daß sämtliche Arbeiter in allen Betrieben zur Mitregierung in den Betrieben berufen werden-. Dieser Zug der Zeit wird vor der „K h i l l e" n i ch t Halt mache n. Erschrecken Sie nicht: Die neue Zeit führt den Schammes in. den Kultusvorstaiid. Wir hoffen, es wird keine Betriebe »nehr geben, wo die Herren allein zu entscheiden haben über die Ansprüche der bei ihnen beschädigten Personen. (Zwischenruf Ständers: Ja, aber in den Fabriken!) Da haben Sie es wieder: In den Fabriken ja, in der „Khille" nicht. Meinen Sie, daß der neue Geist sich Vorschriften machen läßt, wo er hinein darf und wo. nicht? Wir übernehmeil nicht.die Verantwortung, '27. Mörz ISIS Seite sl daß die Öffentlichkeit sagen wird, hier wird ein Verwaltungsbetrieb aufrecht erhalten, wo es nur Herren und Diener gibt und wo die Bediensteten über ihre materiellen Forderungen nicht mitentscheiden dürfen! Ich' fordere die im Dienst der Kultusgemeinde stehenden Menschen auf, sich das nicht gefallen zu lassen und sich ihr Recht zu verschaffen. Wir sollten dem Zug der Zeit entgegenkommen, damit wir nicht von außen gezwungen, werde»». Auch der f&eldcb jsr Mltusgemeinde muß mobernifirtt' werden, wenn die Gemeinde vor Erschütterungen bewahr werden soll.! K anders spricht hierauf für den Ausschluß der Rabbiner, gerade an§ „Hochachtung" vor ihrem Stand, Dr. Schreiber bezeichnet es als „Ruhmesblatt" der Kultusgemeinde, daß sie de» bezahlten Klerus bisher von der Verwaltung fernhielk und warnt davor, den Rabbinern, die schon über die Kanzel verfügen, noch „mehr Macht" zu geben. Dr. Karl Pollak verliest hierauf er» an den Kultnsvorstcmd gerichtetes Memorandum der Rabbiner, aus dem hervorgrht, daß die Rabbiner selbst den Wahlrechtsrauv als schwere Kränkung empfinden, trotzdem die Herren KauderL, und Konsorten es ihnen aus „Respekt" verweigern. Hofr.atLöwner erklärt, daß er der Argummtatwn Strickers vollinhaltlich zustimme, was Lehrer und Beamten betrifft. Die Bedenken Pappenheuns seien demgegenüber unbedeutend. Er. hält es für.undernokratisch und ungerecht, wenn Lehrer und Beamte ausgeschloffen werden. Dagegen spricht er sich gegm die Wählbarkeit der Rabbiner aus, weck durch ein Herabsteigen in die Arena des politischer: Kampfes sie in ihrer Standeswürde beeinträchtigt werden. i Hierauf wird zur Abstimmung geschritten. Ein Antraf Plaschkes auf namentliche Abstimmung wird abgelehut. Alle ausgeschlossen! Hierauf wirdder § 8 in der Fassung des Ausschusses sowie der Zusatzantragi Dr. P a p p e n h e i m s angenommen. Es sind sonach alle Rabbiner, Kultusfunktionäre, Beamten und Diener der Gec memde von der Wählbarkeit ausgeschloffen. y Sodann wird die Sitzung vertagt. Letzte Nachrichten. Die Budavester Kommune unter Proletarier« diktatrrr. \ Budapest» 26. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Heute tatrftö den Bürgermeistern und den Magistratsrüten von BudapestMt-i geteilt, daß das Proletariat Budapests mit heutigem Tage die Leitung sämtlicher Angelegenheiten der Hauptstadt einem provisorischen Komitee übergeben habe, an dessen Spitze je ein Vertreter der Hand- und der geistigen. Arbeiter steht. Mit dem Arbeiter- und Soldatenrat Budapests führen diese Genossen die Angelegenheiten im Sinne der prole^ tauschen Diktatur. 1 Nur die Arbeiter haben das Necht, zu lebe«) Budapest» 26. März.. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der volutionäre regierende Rat erläßt eine Verordnung über dft provisorische Verwaltung und Arbeiterkontrolle der i n d u st r ieilen* Bergbau- und Verkehrsbetriebe. Es werden, alle diejenigen industriellen, Bergbau- und Verkehrsbetriebe, bwmj Arbeiterzahl am 22. März 1919 die Zahl 20 überschreitet, unter! Kontrolle der Arbeiterschaft und gesellschaftliche Leitung gesetzt.! Ein- Produktionskommifsär »st der Vertreter des gesamten Proldtariats in jenem Betriebe, an dessen Spitze er gestellt wird. Drei Arbeiter wählen in den betreffenden Gebieten den kontrollierenden! Arbeiterrat. Die Bea»nten werden auch als Arbeiter betrachtet^ Eine andere Verordnung betrifft das Recht zur Arbeit und! dm Arbeitszwang. Darin helßt es: Im Proletarierstaate haben, nur diejenigen das Recht zu 1 eb eit, b tc| Arbeit, entw cderkorperliche oder geistig^ zur Aüfrechterhaltung der Gesellschaft verrichten. Die Räterepublik ordnet daher den a! l g .&*, meinen Arbeitszwang a n und setzt d a S R e ch tz auf Arbeit fest. Der Staat ist verpflichtet, alle jene zq erhalten, die arbeitsunfähig sind sowie jene, welche arbeiten wolläk denen aber der Staat keine Arbeit verschaffm kan». \ Errichtung einer Prager FrühjahrsttttM Herbstmesse. Prag» 26. SDftm. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) In dev m 23. d. M. hier abgehaltenen Versammlung der tschecho» 'lowakischenTextilkaufmannschast wurde angeregt, »n Prag Frühjahrs- und Herbstmessen nach dem Vorbild vo« Leipzig und Lyon abzuhalten. Dem Ausschuffe wurde aufgetraamdie Vorarbeiten zur Verwirklichung dieser Messen sofort in An?! Enthaftung des Vizekonsuls Dr. Schwarz, ,V( Prag, 26. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Dev deutsche Vizekonsul Dr. Schwan wird morgm gegen Kaution' auf fre»eu Fuß gestellt. Die Untersuchung gegen ihn wird fortgeführt. Der Umsturz in Ostgalizien. Wie das Telegraphen-Korrespondenz-Bureau mitteilt, ist auS hier vorliegenden Telegrammen aus S t r h j und S1 & nislau vom 2t. d. M. zu schließen, daß die von der Moskauer Sowietregierung durch Funh'prnch. verbreitete Nachricht von einer bolschewikuchen Revolution in Ostgalizim u i ch:t> aufWahrheit beruhe. Nene Unruhen in Barcelona. Lyon» 26. Dtärz. (Funkspr. des Tel.-Korr.-Bur.) Wie aus Barcelona gemeldet wird, sind dort neue ausgedehnte Aufstände ausgebrochm. Vorträge und Versammlungen. ' - DaS Lokalkomitee „Poale Zion" veranstaltet heute Donnerstag »nn 6 Uhr abends m den Rcichshallen, L, Dorotheergaffe 6, eine M ax R o f e n f e l d- G e d e n k f e i e r. Es wirken mit:- Dr. Wattenberg, Opernsänger Körner, Czuczka und das Blaser-- guartett des Orchesters der Oper. Karten sind erhältlich beim Komilee „Poale Ziou",l>., Glockengüsse 6/17, m der Buchhandlung Somit, 1., Rotentunnstraße 22, und m der Verkautsstelle des- Jüdischen s)kat>onalfonds, II., Schmclzgaffe 7. — Verem „Zwn", Wien. Samstag den 29. d. M. um 3 Uhr nachmittags wird im Vercmßlokale Herr Ingenieur Fedor Ackermann über:. „Körperliche Erziehung" vortragen. — Frauengruppe „Verein' tz-ou". Wien. Sarustag den 29. d. M., %b Uhr nachmittags, findet im Eass „City", >X., Ponellangaffe 1, ein Beremsabmd Jause lnb"griffrni rm vokal-musikalischem Programm und verschiedenen Gesellschaftsspielen statt. — Vortragsabend Scharr. DienStag den 1. Avnl liest im Saale des Jngemvw-. und Architekteiivcrernes,Eichenbachgnsse?, Slegmnnd Schorr eigene jüdische Satiren und Hmnoresken. >