Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 67 (26.3.1919)
- Date
- 1919-03-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 67 Men, Mittwoch Wiener Morgenzettnng überlassen, sondern denjenigen, die.der Staat durch den Aufwand dvu vielen Millionen unterstützen müßte, und denen er nun auf vernünftige Weise Einkommen und Existenz verschafft. Durch die Beteiligung des Staates an dem zu gründenden Unternehmen würbe sich der Staat die durch eine richtige kaufmännische Verwertung ergebende Wertsteigerang nutzbar machen/ während Bereiter Verschleuderung der Güter ober Uebgrlassung an bas Großkapital diese Millionengewinne dem Staate entgehen würben. Direktor Bronners Projekt nimmt ein Gründnngskapitrl von 60 Millionen ln Aussichtwovon 25 Millionen, von - Mitgliedern der ErwerbsgenossenschüfL und 26 Millionen seitens des Staates aufgebracht , werden sollen. Der Staat -Deutschösterreich hätte diesem unter seiner Konirolle stehenden Unternehmen die Verwertung der Mobilisierungsgüter als Treuhänder zu übertragen. Der Vorteil, dev sich für den Staat ergibt, ist folgender: Durch eine schnelle Sicherstellung dieser Güter wirb eineWertsteigerung erzielt, die von Fachleuten aufMilliarden veranschlagt wirb, und der .Staat könnte aus dem ihm bisher zur Last liegenden Arbeitslosenheer, das eins große finanzielle Belastuna^für ihn bildet, eine.produktive Klasse schaffen. Bronner an, daß gegen 16.000 Beamte und 200.000 Arbeiter angestellt würben. Die Genossenschaft wäre auch in der Lage, die aus der Gefangenschaft Zurückgekehrten soforteiiier Beschäftigung zuzuführen. Daß zu einer richtigen kaufmännischen Verwertung des Demobilisierungsgutes die Heranziehung kaufmännisch geschulter Kräfte aus dem Zivilstände eine Notwendigkeit ist, bedarf keiner näheren Ausführung, doch werden sich in den Kreisen der jetzt Arbeitslosen, der Heimkehrer und der Krtegsinvaliden auch genügend geschulte Kräfte, finden. Da die Erfassung der Sachgüter in ivirtschaftspolitischer Hinsicht auch eine Frage finanzieller gegenseitiger Abmachungen mit. den ans der österreichischimgarischen Monarchie neugebilbeten Republiken bildet, rrstpfiehlt Bronner, daß seitens der Regierung von Deutschösterreich dieser Vorschlag den betreffenden Regierungen zur Kenntnis und Nachahmung empfohlen werde. Die Gründung 'des österreichischen Unternehmens, könnte auch zu gleichen Gründungen in den anderen Staaten führen und sich durch , ein Reziprozitätsverhältnis die Anbahnung eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses ergeben. Das Unternehmen könnte auch durch Aufnahme einer Anleihe finanziert werden, wozu ...sich die Banken mit Rücksicht auf den großen vorhandenen ' Fundus leichter bereit erklären würden. Dem Staat würde bei der ganzen Aktion die staatliche Kontrolle zufallen. Nicht , zu vergessen ist, daß die Kleinindusteie und das kleine Ge- ' werbe, Handwerk und die Bauern mit Material und Arbeit versorgt würden. Volkswirtschaftlich wichtige Pläne, wie Ausnützung von Wasserkräften zur Gewinnung von Kohle, Licht, elektrischer Kraft, der Ausbau von Wasserstraßen, Neubau . von Eisenbahnen, könnten hier ihre Verwirklichung finden. ' Bronner hat auch eine Rentabilitätsaufstellung fertiggestellt, ,-,„ wpnach für den Beamten lm Durchschnitt ein Grundgehalt , von '500 Kronen pro Monat vorgesehen ist. Bezüglich der „ , 20Ö.00Ö Arbeiter ist daran gedacht, daß ungefähr 100.000 t ’: eincit Taglohn von 10 Kronen, 60.000 einen Taglohn von . '12 Krönen'und 50.000 einen Taglohn von 15 Kronen erf;. halten sollen. Wenn die Regie eventuell auch bis zu einer .. . . halben Milliarde in sechs Monaten ergibt, so ist-demgegen-' ' ,'über^ festzustellen, daß der Wert der zu erfassenden Güter lnit einer Milliarde anzunehmen und bei sachgemäßer Ver- Wertung zumiübest eine öOprozentige Wertsteigerung ins Auge '.. zu fassen ist, so daß sich für den Staat eine Mehreinnahme V..’ von einer halben Milliarde ergibt. Die Gesellschaft hätte ait der Verwertung dieser Sachgüter trotz ihrer kapitalistischen Beteiligung keinen Gewinn zu suchen und für ihre Mitglieder nur eine ganz bescheidene Kommissions-, respektive . Bcrwertungsgebühr des erzielten Umsatzes zu beanspruchen. Das Großkapital ist bemüht, die Demobilisierungsgüter an sich zu reißen, da es sich eine Gelegenheit zur Ausschlachtung neuer Millionengewinne nicht entgehen lassen will. Es erscheint daher das Projett Bronner trotz mancherlei Reformbedürftigkeit sehr berücksichtigenswert, und es würde sich empfehlen, daß der StaatSrat sich ein« eingehende Jnformattou verschaffe, ob das Projett durchführbar sei. Bekanntlich wurden während des Krieges große Unternehmungen und Werke, wie zum Beispie. in Blumau, Enzers- . felb, Wiener-Neustadt, Klosterneuburg, Wölkersdorf, für rein militärische Zwecke errichtet oder ausgebaut. Sie haben heute . ihren rein militärischen Charakter vollständig verloren und „ stellen mit ihrem Fundus große wirtschaftliche Werte und > vor allem Arbeitsgelegenheiten dar, wie sie momentan keine Großindustrie aufweisen kann. Wenn die jetzige Regierung ...... fähige Männer und nicht bloße Protektionskinder besitzt,; '■ so. darf sie sich eine Gelegenheit, Personen, die arbeiten ‘ wollen — und viele wollen arbeiten, wenn sie auch die Be- ' schäftigung eines Schneeschauflers ablehnen — zu beschäf- - Ligen, nicht entgehen lassen. Und deshalb verdient das Projekt Bronner das Interesse der kompetenten Stellen. ’ ■ ' Dr. F. T. ' r"“ " Die Mißstände in der »Mensa aeaclemrea judaica“. Von Herrn Vernarb Hof Lauer, Obmann des ~':i; Vereines „Einheit", erhalten wir eine lange Zuschrift, '"V' in der es heißt: y „'Die brachten in Ihrer Zeitung am 13. d. M. . einen Artikel,'der betitelt war: ,Mißstände in der / Aeosn ü6LäLmi6a.ju6L'ea", Er enthielt Anklagen und Beschwerden, die im JnLeresse unserer sozialen Hilfs- .! . nrbeit nicht unwidersprochen und nicht unwiderlegt I,/ bleiben dürfen. 1«. Anklage: Die Gtudentmvertre"er find trotz der . - statutarischen-Bestimmung-seit zirka einem Jahre nicht den Borstandssiyungen bei gezogen worden. Ich stelle fest ■« und bitte die Herren des gleich zu nennenden. Kuratoriums als Zeugen: Es besteht eine Vereinbarung des Vorstandes der „Einheit" mit den Besuchern der Mensa, baß ein Kuratorium, welches aus vier graduierten Herren des Vorstandes besteht, mit Vertretern der Mensa alle diese betreffenden. Angelegenheiten berät und bespricht, wodurch die Beiziehung dev Hochschüler zu den Borstandssitzungen entfällt. Dieses Kuratorium hat zumindest 7 Besprechungen seit dem.Winterbeginn abgehalten. 2. Anklage: Die Anschrift der Mensa wurde entfernt. In der Vorstandssitzung vom 25. November 1918 wurde eine Zuschrift, der städtischen Kriegsfürforgezentrale verlesen, wonach für die Mensa, die von fremdländischen Studenten besucht wirdkeine Lebensmittel geliefert werden können. Der Vorstand der „Einheit"- will und wollte aber doch die hungernden Gäste ohne Rücksicht auf ihre Staatszugehörigkeit versorgen und meinte, da esß nötig sei, die Besucher der Mensa nicht ausdrücklich als solche zu Lennzeichnen, sondern für jeden Besucher als Gäste ansehen zu lassen. Darum entfernten wir die Anschrift. - 3. Anklage: Es wurden Nichtakademiker zur Ausspeisung in die Mensa geschickte Das ist ganz richtig. Wir gaben gebildeten Personen beider Geschlechter in der Mensa, die wir erhalten und für die . wir jährlich 5p00 Kronen Miete zahlen, auch in der Mensa Essen, weil die Zahl unserer Gäste so groß ist, das; wir in den anderen Sperseräumen keinen Platz haben. 4. Anklage: Im August wurde eine Preiserhöhung vorgenommen, ohne daß diese noch bis heute dem Vorstande oder dem Kuratorium vorgelegt worden wäre. In der Porstandssitzung von: 26. September 1918 (also nicht im August) wurde die Erhöhung der Speisetarife beschlossen, weil wir wieder die Gehalte und Löhne der Angestellten um 20 Pwzent des Grundgehaltes erhöhten und weil gerade damals die große Erhöhung der Preise aller Lebensmittel der staatlichen Wirtschaft eingetreten war. Diese Erhöhung, unserer Speisetarife fand ihren Ausdruck in der Festsetzung von 44 Hellem für ein Mittagessen und von 1 Krone 80 Hellern von einem Mittagessen mit Fleisch. 5. Anklage: Ein Einblick in die Spendeneinläuse und Fassungsbücher wird dem Studentenausschüsse nicht gewährt. Ich stelle fest, baß der Einsender den Studentenausschuß kennt. Wir gewähren keinem Besucher Einblick in die Spendeneinläufe und die Fassungsbücher. Auch der Studentenausschuß besteht nur aus Besuchern und zur Einsichtnahme wären gleich ihm alle anderen Gäste unserer Dolksspeisehallen berechtigt. Das würde aber zur unmöglichsten Wirtschaftsführung führen. Wir geben nur unseren Mitgliiü ern und Gönnern Rechenschaft über unsere Gebarung und unterbreiten der gesamten Oeffentlichkeit in der Generalversammlung unseren Rechenschaftsbericht, nachdem unsere Bücher und Rechnungen von einem Revisorenkollegiüm geprüft worden sind. 6. Anklage: Das Essen ist infolge der miserablen Zubereitung und des unerhörten Schmutzes ungenießbar. Dagegen erhebe ich die Forderung, unparteiische Männer innerhalb kurzer Zeit zu mir zu senten, damit diese das Essen prüfen. Solchen .Anklagen kann nur durch objektiv« Beurteiler ein Ende gemacht werden. 7. Anklage: Die Verwaltung der Mensa läßt es an Schmähungen und Beleidigungen den Stui euren gegenüber nicht mangeln. Da stelle ich fest, daß in die Mensa nur einige Angestellle, kein Vorstand kommt, daß es daher nur an dem Benehmen der Besucher gelegen ist, wenn zwischen Aufwäner, Kassier und Kellnerinnen einerseits, den Studenten andererseits sich Konflikte, ergeben. Ich fiele aber fest, daß akademische Bürger im Lokale der Mensa alte, hochangesehene Männer, die amtlich dort waren, mit Brachia0zewalL bedrohten und mit Schmähworten bedachten. Ergebenst Bernhard Hofbauer." * Dazu erhalten wir von unserem Gewährsmann folgende Aeußerung, deren Richtigkeit uns auch von anderer Seite bestätigt wurde: Ad 1. Es ist zwar wahr, daß ein Kuratorium besteht, dieses ist aber nicht mit dem Rechte ausgestattet, Vereinbarungen zu trefßen, sondern bei der Sitzung wird mit den Studentcnvertretern beraten und dann müssen die Resultate der Vorstandssitzung vorgelegt werden; somit haben die Studenten keine direkte Jngerenz. Ad 2. Da in den Statuten eine Mensa vorhanden ist und eine Aenderung der Statuten nur bei einer Generalversammlung vorgenommen werden kann, durfte die Anschrift der Mensa nicht entfernt werden. Ad 3. Ueber den Bildungsgrad der Personen, die widerrechtlich in die Mensa geschickt wurden, soll hier kein Urteil abgegeben werden. Es genügt aber, daß die Plätze in der Mensa, welche von den Freunden und Förderern der Studentenschaft für Studenten bestimmt waren, von anderen Leuten, die sich irgendeiner Protektion erfreuen, besetzt werden, so daß der Studentenausschuß genötigt ist, notleidende Studenten abzuweisen, für welche die Mensa doch in erster Reihe bestimmt ist. Für nichtakademische Besucher gibt es in der „Einheit" ja andere Lokale. Ad 4. Nach Informationen des Mensa-AusschnsseS beim Herrn Professor Neumann und Herrn Hofrat Schlag ist eine Erhöhung der Speisentarife nicht der Vorstandssitzung vorgelegt worden. Daß die Löhne um 20 Prozent erhöht worden sind, bietet noch keinen Grund, die Preise sh erhöhen, da die Regie von der „Einheit" 26. März 1919 Seite 5' Juden ix. Jüdinnen des VI , VII u. VIH. Bezirkes! Donnerstag:, den 27. März 1919, präzise 6 Uhr abends, findet im V E RBANDSHEII (Grosser Saal), VI., Königseggasse 10, eine @ Massenversammlung mit folgender TAGESORDNUNG statt: Die Joden und die kommenden Landtags¬ und .> Referent: Abg. Ing. Robert Stricker, Der Jüdische Frauenbund. Referentin: Frau Dr. Friedl'Ornstein. Aktuelle jüdische Voiksfragen. Referent: Adolf Stand. Jüdische Männer u. Frauen! x Erscheinet in Massen! 10*7 Jüdischer National verein zu bestreiten ist, das Essen lediglich nur für den Kaufpreis abzugeben ist. Ein Mittagessen kostet 1 Krone 32 Heller, das aus zwei wässerigen, sonst leeren Suppen einem Sauerkraut, ohne Fett und Zucker zubereiteten Kraut oder mit Sand zubereiteten Karotten, einer Portion Sirok (Vogelfutter), dann einer ebenso kleinen PortionHafcrreis besteht. Mehlspeise haben die Studenten schon zirka vier Wochen nicht gesehen, und wenn einmal, so doch ein dunkles, schwarzes Stückchen Brot. Eine Fleischportion besteht ebenfalls aus solchen zwei Suppen, einer ziemlich kleinen Portion Fleisch und einer kleinen Portion Haferreis. - .! 8ld 5. Der Studentenausschuß, der wohl'aus Besuchern besteht, aber ein statutarisches Recht auf Vertretung hat — wie es eben die anderen Besucher nicht haben —, könnte Einsicht in die Spendeneinläufe, und Fasfungsbücher nehmen, da Spenden s p e z iellj ü r die Mensa einlaufen, die für andere Zwecke Verwender werden. Als Beweis sei eine Spende von 25.000 Kronen erwähnt, welche lediglich für die Mensa bestimmt war, die aber bis heute nicht für die Mensa verwendet worden ist, sondern nach eingeholten Informationen dem Baufonds zugeschrieben worden ist. AM dem Rechenschaftsbericht kann die Generalversammlung, die schon seit drei Jahren nicht war, nicht sehr klug werden. Ad 6. Die miserable Zubereitung und der unerhörte Schmutz kann von jedem Besucher bestätigt werden. Es ist aber in der „Einheit Usus, vor solchen Ein--, ladungen vorübergehend Ordnung zu machen. . . Ad 7. Als Beweis seien angeführt die Beleidigungen des Herrn Fischer dem Kollegen Rubin gegenüber, der gegen ihn dann auch eine gerichtliche Klage, eingebracht hat. Es ist nicht wahr, daß der Streit zwischen den Bediensteten und den Studenten entsteht. Bis nun ist auch noch kein Mann, der amtlich dort war, je mit Brachialgewalt bedroht oder mit Schmähworten bedacht worden. Soweit unsere Informationen. Es wäre nun boH angezeigt, daß sich die jüdische Oeffentlichkeit und vor. allem die Mitgliedschaft des Vereins „Einheit" sowie die Förderer der Mensa dafür' interessieren, was. eigentlich vorgeht. ' _ Die Gasdrosselung verschoben. §nt Staatsamt für öffentliche Arbeiten fand vorgestern, tote beichtet, eine Sitzung statt, in der über die Vorschläge desStadtrates, betreffend die neuerliche D r 0 s s e l u n g des Gasverbrauches beraten wurde. Einmütig kam hierbei der Standpunkt zum Ausdruck, daß die Wirkungen der Gaseinschränkung für die gesamte Bevölkerung als ^katastrophal zu bezeichnen sind und eine gründliche Erwägung notwendig wäre, ehe die Vorschläge' des Stadtrates zur Durchführung gelangen. Direktor Menzel erklärte, daß der Kohlenvorrat in den Gaswerken so tief gesunken sei, daß eine E in st e l l u n g d e r W e r ke d r 0 h e. Die Verschärfungen verso': in den Zweck, diese äußerst« Gefahr so lange wie möglich hinauszuschieben. Von anderen Rednern wurde hervo-'n-e'.iobcn, daß, so lange die Möglichkeit.,bestehe, eine Bosserung in der Kohlenzufuhr zu erreichen, die angekündigten Maßnahmen hinauszuschieben wären. Insbesondere müßte Vorsorge getroffen werden, daß. die mittleren und kleinen Haushalte durch Zuweisung von Haus- und Küchenbrandkohle oder andere Brennmaterialien versorgt werden, wenn es wirklich zur Absperrung der Rechauds kommen sollte. Die Beratungen endigten mit dem Ergebnis, daß die Einschränkungen in der bisherigen Weife aufrechterhalten werden, ohne ein« Verschärfung. Der Stadtrat wird Gelegenheit haben, sich in seiner heutigen Sitzung neuerlich mit der Angelegenheit zu beschäftigen, insbesondere utit Avancierungen, die sich auf die Haushalte beziehen, in ErwägWg zu ziehen. DM StMsKM, 061238493897