Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 64 (23.3.1919)
- Date
- 1919-03-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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64 Wien. Sonntag In zwölfter Stunde müssen die Teilnehmer der Friedenskonferenz zur Vernunft kommen oder es wird zu spät sein. Die Deutschen erklären, einen Gewaltfrieden unter keiner Bedingung annehmen zu wollen. Reichsminister David hat vorgestern erklärt, keine deutsche Regierung werde es unternehmen, das politische und wirtschaftliche Todesurteil Deutschlands zu unterzeichnen. Das gleiche würde der Fall sein, wenn die Bedingungen eine langsame Erdrosselung der Kräfte des Landes vorbereit-en sollten. Auch die Westmächte können den gegenwärtigen ßustand auf die Dauer nicht ertragen und brauchen den Frieden ebenso dringend wie der europäische Osten. Zurück zu Wilson, bevor der schon zu straff gespannte Bogen zerspringt! Eine englische Stimme. Der Wiener Korrespondent deS „Daily Telegraf" berichtet feinem Blatte, Ungarn sei entschlossen, die Waffen nicht niederzulegen, bevor es nicht seine reichsten Lebensmittel-- und Kohlengebiete wieder erhielte. Der Haß steige speziell gegen Rumänien wegen Srebenbürgens. Die Sozialdemokraten und auch die bekanntesten Staatsmänner wie Appony, und Pallavicini meinten, das Land werde m dir Arme der russischen, dcirschrn und österreichischen Bolschewiken getrieben und werde mit diesen unter tühmng des Bolschewismus eine heilige Allianz schließen. Diese eußerung des englischen Journalisten ist inzwischen durch die Ereigniffe in Ungarn überrasch eird bestätigt worden. Der englische Journalist meint weiter,, infolge der kurzsichtigen Politik der Entenleführer werden sich die Bestrebungen der Junker trotz deren militärischer Niederlage erfüllen. Der Einfluß eines mit Oesterreich-Ungarn vereinigten Deutschland werde sich vom Rhein bis Rumänien erstrecken und in wenigen Jahreil Tschecho-Slowaken und Jugoslawen aufsaugen. Wie man sieht, ist der erste Teck dieser Voraussage bereits teilweise eingetroffen, und auch für den Fall, als es nicht so weit kommen sollte,, wie der englische Journalist meint, ersieht man, deutlich, wie richtig von unvoreingenommenen Beurteiler«, die mit den Verhältnissen vertraut sind, die Sachlage erkannt wird. Es wird vieles davon abhängen, ob sich die Pariser Ententevertreter für rasche Beschlüsse ent'cheiden und ihre Ansprüche den gegebenen Wirklichkeiten anpnsscn werden. Eine rote Welle rast über die Welt und die Ententemänner mögen aus der Hut sein, daß nicht auch sie von dem Wirbrlsturm der Eceigniffe, der keine Landesgrenzen respektiert, hnweggetegk werden. Europas Zukunft steht aus dem Spiel, und man wird sich rasch entschließen müssen, ob man am Ufer der Ordnung oder des Chaos landen soll. Die ZrtsEnde in . '. Ein aus Galizien in Wien einge- N troffener Freund unseres. Bla! es " schildert die Zustände in Polen wie S'U'sS ' s^gt: Polen ist, seit der Streit mit den Tschechen anhob, von jeder engeren Berührung mit der Außenwelt abgeschnürt. Bolschewiken, Ost- und Westukrainer, Posenscher Heimatsschutz, rennen heftig die Grenzmarken des Weichselreiches an. Seit der Zernierung Polens durch die Tschecho-Slowakei kam bis nun bloß zweimal außerpolnische Post an, dazu auf einem Umweg über Deutschland. Wiener Zeitungen kamen'überhaupt nicht an. ."''Die Abschnürung hat dem neuen Staate nicht bloß ideellen Schaden gebracht. Der wirtschaftliche Schäden ist ungeheuer. Das fabriksarme, erschöpfte, durch die kriegerischen Ereignisse schwer hergenommene Reich darbt an Jndustrieartikeln, welche ganz unerschwinglich sind. Schuhe stellen sich auf K. 600 pro Paar. Papier ist kaum zu haben. Die Krakauer Zeitung „Nowa Reforma" erscheint seit einiger Zeit auf einem einzigen Folioblattc. Selbst die Scheine der polnischen Staatsanleihe sind Zur Rarität geworden, trotz aller Propaganda, die für sie gemacht wird, aus dem einfachen prosaischen Grunde, da der Zustand der Papierläger deren Verfertigung in genügender Anzahl nicht ästläßt. Dagegen bietet der Lebensmittelmarkt in Galizien einen fabeuiaften Anblick. Zuschübe aus dem ehemaligen Kongreßpolen, aus dem von den Po^en okkir ie tat Herzogtum Posen, haben hier jede Erinnerung an die Hungerblockade vergessen lassen. Alle Schaufenster sind mit schönen, knusperigen Kipfeln, schön gebräunten Kaisersemmeln (50 Heller pw Stück) Wecken, haargenau wie im Juli 1914 überfüllt. Brotkarten gehören zu den verschollenen Sagen einer unruhigen Sturmnacht. Eier werden von den Bäuerinnen in großen Körben in unübersehbaren Mengen zu 60 Heller aus geboten und sinken noch täglich tm Preise. Rind fleisch schwankt in verschiedenen Städten im Preise zwischen K. 8 und K. 15. Ein Kilogramm Kalbfleisch kostet in mancher kleinen Ortschaft sogar K. 5. Politisch segeln gegenwärtig die Polen im Fahrwasser der schönsten Reaktion. Die Nationaldemokraten, die sogenannten Allpolen, mit ihrem klerikal-agrarischen Anhang, halten das Heft sicher in der Hand und weisen schroff alle Annäherungsversuche der kleinlcutt gewordenen, gedemütigten, bei den Wahlen zum Warschauer Parlament furchtbar verhauenen . Sozialdemokraten zurück, deren Abgeordnetenzahl kamn 40. Mann erreicht. Der frühere Ministerpräsident, der Sozialdemokrat Moraezewski, hat durch Dilettantismus, persönliche Unfähigkeit, mangelnde politische Orientierung, durch sein unbeschreiblich rohes Tolerieren der Pogrome die sozialdemokratische. Partei in Polen zugrunde gerichtet. Der bürgerliche Paderewski zeigt immerhin mehr Humanität und persönliche Kultur. : Das Judenproblem ist noch immer nicht, gelöst. Die akuten Judenverfolgungen der Novembertage wichen einem zermürbenden, chronischen Kleinpogrombetrieb. Inden werden in Galizien in den kleinen Ortschaften, wie auch an der Peripherie, selbst der größeren Städte, vom Mob, soweit sie erkenntlich sind, wie wilde Tiere gehetzt, oft ans den Eisenbahnstationen, in den t^^ubahnMen unbarmherzig geschlagen. Ne.quisitwNLN. Wiener Morgerrzeitrrng »I rill '!■■■■!> ..-ui. I .. I ■ ■ II nn ■ I Uli Iiww^n ■itbini» und sogenannte Revisionen, wie sie letztens in Krakau, Rzeszow, Tarnow und vielen anderen Orten stattgefunden haben, nehmen sehr oft den Aermstcn ihr letztes bißchen Habe weg. Die Zeitungsletze gegen die Juden übersteigt alle Phantasie. Die öffentliche Meinung der sogenannten demokratischen Intelligenz hat kein Wort der Verurteilung angesichts der böswilligen Kampagne eines „Kurier Codzienny", eines Goni.ee",. eines „Glos Narodu". Juden bekommen prinzipiell bei der polnischen Kommission, die gegenwärtig die Funktionen der Statthalterei erfüllt, keine Erlaubnis zur Ausreise. Im Warschauer Parlament, wo 60 Bauern-Analphabeten sitzen und die überwiegende Mehrheit nicht einmal vollständige Mittelschulbildung hat, werden die jüdischnationalen Abgeordneten, geistig lauter hochwertige Persönlichkeiten bei hirem Austritt mit Lärm und Hohn empfangen. Von den Sozialdemokraten findet niemand ein günstiges Wort für die Judenschäft. Dr. Diamant, Dr. Liebermann, Dr. Felix Perl, der Redakteur des „Nobotnik" machen hierbei keine Ausnahnw. Die polnischen Behörden in den galizischcn Marktflecken lassen den Juden gegenüber ihrer Willkür die Zügel schießen. Es kommen Fälle vor, wo sämtlichen Juden Bärte und Seitenlocken ab genommen werden, so zum Beispiel in Nowe Miasto. Der wirtschaftliche Boykott, der sich in einer Benachteiligung, oder auch im vollständigen Ausschluß der jüdischen Händler bei der Zuteilung von rayonierten Lebensmitteln kundgibt, nimmt imn er schärfere Formen an. Das Judentum soll programmmäßig an den Bettelstab gebracht und zur Auswanderung gezwungen werden. Es wird daraus kein Hehl gemacht. Die Warschauer Regierung hatte bisnun nicht den Mut, durch ein Manifest die Pogrome offiziell zu verdammen. Diese werden trotz der 60 in Lemberg verbrannten Häuser und der mehr als 100 verstümmelten, massakrierten, zum Teil verkohlten Leichen, und des von Dr. Tobias Aschkenaze, dem früheren Präsidenten der Adbokatenkammer in Lemberg und dem gewesenen Vizepräsidenten der- Stadt Lemberg protokollarisch gesammelten Tatsachenmaterials, das die Beteiligung nicht nur von polnischen Legionären und Offizieren, aber auch von Gymnasiallehrern, Richtern, Geistlichen, Rote Kreuz-Schwestern usw. an den grausamen Ausschreitungen gegen die Juden nächweift — den Ententevertretern gegenüber mit frecher Stirn in Abrede gestellt. Schmer'er füllt schaut der unglückliche galizische Jude nach Hilfe aus dem Westen, aber keiue Stimme läßt sich von dort hören. Man denkt allgemein an einen Ma^senexodus. Sollte das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein Recht der Völkerverstümmelung sein? Polen ist ein im Entstehen siecher Staat. Wo Verbrechen au einer wehrlosen Minorität ofsizell geduldet und selbst gefördert werden, dort kommen auch bald andere ethische Schäden zum Vorschein. Eine ■ Korruption macht sich jetzt in den Gauen des neuen Reiches breit, wie ihresgleichen auf dem ganzen Erdenrund kaum zu finden ist. Ihr gegenüber gehört das alte, selige zaristische Rußland zu den Kalenderheiligen. Vor ein paar Tagen wurde in Krakau ein großer Petroleum skandal aufgedeckt. Hohe Beamte verkauften Anssuhrzertifikate auf Petroleum zu K. 60.000 bis K. 70.000, während der Staat, der nicht, im Besitze von Boryslaw ist, das aufgespeicherte Petroleum zu Kompensatioirszwecken benötigt. Eine Un.wenge Zisternen wurde gegen das liebe Geld von guten Polen in die Fremde gebracht. Ueber Neu-Sandez wurden zur Zeit der schärfsten Grenzsperre zahlreiche schwer beladene Lebensmittelzüge nach der Slowakei von christlichen Vahnsunktionären hinauZgeschmuggelt. Neu Eingerückte, durch die gegenwärtigen Musterungen zum Militär herangezogene Soldaten verkaufen zum großen Teil ihre gefaßten Schuhe und Uniformen und spazieren nach Haus. Bei dem mangelnden Organisationssinn der Polen gibt es hier nicht die geringste Evidenz. Bei den Musterungen besteht in den meisten Bezirken eine offene, allgemein bekannte, fixe Loskauftaxe. In Polen dauert der Krieg fort. Der Militarismus feiert trotz allem wie in der guten alten Zeit Orgien. Der General hat das große Wort, der Offizier ist der Herrgott. Von Soldatenräten keine Spur. Marschkompanien gehen ständig an die verschiedensten Fronten ab. Am heftigsten wogt der Kampf an der Linie L e m b e r g—C h h r o w. Eine Unzahl Dörfer ging dort in Flammen aus. Lemberg ist teilweise ein Schutthaufen. Zahlreiche Schäden weist auch die Stadt Przemysl auf, die jetzt allerdings etwas Rühe genießt. Opfer gibt es unter den Kombattanten recht viele. Bisnun hatten in Galizien die Ukrainer numerisch wie auch artilleristisch die Oberhand. Beden!ende Massen polnischer Truppen aus Posen gingen in den letzten Tagen gegen Lemberg ab. Am 15. und 16. März l. I. durften auf der Linie Krakau—Przemysl nur Militärtransporte verkehren. . Posen, das jetzt von Polen okkupiert ist und das sich vollständig autonom regiert, hilft nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich den anderen Teilen des polnischen Reiches. Galizien wird seit mehr als einem Monat mit Zucker ans Posen versorgt. Der Eisenbahnpark in Galizien ist gegenwärtig teilweise reichsdeutsch. Oie Abstempelung der Noten hat in Polen noch nicht angesangen. Jedenfalls wird die dreifache Währung, die jetzt in Polen üblich ist (Kronen, Mark, Rubel) einer einheitlichen Währung, dem Lech, weichen. Dieser dürfte dem Schweizer Frank entsprechen. Bei Umtausch wird die Relation zwischen Krone und Mark höchstwahrscheinlich die vorkriegerische sein. ' 23. Marz 1919 , <äM<T$ Inland. Die Affäre des Kaisers Karl. Wie im Parlament gestern verlautete, wird für dir nächste» Tage bereits die formelle Abdankung deS 6 p»j Kaisers Karl für s i ch und seine Familie» erwartet. Sollte diese Abdankung in den nächsten Tage»"; nicht eriolgen, so werden der am Donnerstag zusammeutretende»! Nationalversammlung die Gesetzentwürfe vorgelegl werden,i die die Habsburger der Herrschaft über D e v 1 s ch°s 5 st erreich für verlustig erklären. j Wie amtlich bestätigt wird, ist das Ansuchen an die' Schweizer Negierung, vom englischen Obersten S t r n t t, der als Ehrenkavalier dem früheren Herrscher zugeteilt ist, auSge-! gangen. Wie nun verlautet, soll besonders die M u t t e r der: Kaiserin die Urheberin dieses Schrittes seim Mitgliederder Staatsregierung haben den Kaiser wiederholt zur Auslandsreise, geraten. - NatiormSverfaiiimluirg. Die nächste Sitzung der konstituierenden N a tionak- Versammlung findet Donnerstag den 27. d. M. um 3 Uhr nachmittags statt. - Die Negierung wird erne Reihe! von Vorlagen unterbreiten. Die Tagesordnung der Sitzung wird später bekanntgegeben. — Der Hauptausschutz hält Mittwoch den 26. d. M. um 10 Uhr vormittags Sitzung. Das Programm der Nationalversammlung. Der Nationalversammlung, die am Donnerstag zusammen-! tritt, harrt große Arbeit. Sie wird eine Reihe von Vorlage»: sozialpolitischen und rechtsvolltischen Inhalts sowie Vorlagen, die sich aut das Ernährungswesen beziehen, zu verhandeln haben. Eine. Budgetberatung wird vorläufig nicht stattfinden, weil die ZusammenlegungderStaatsämter erne Ncuausstellung des ganzenVor-. anschlagcsnorwendigmacht.EinBudgetprovisorium sorgt bekanntlich bis Ende Jum 1919 vor und bis dahin hofft man, em Budget für das kommende Jahr fertigzuftellen. Die Budgetvorlage, die seinerzeit vom Staatssekrrter Dr. Stern Wender eingebracht wurde, wird nicht wiederholt werden.. Sollte das Haus den Wunsch haben, eine politische Debatte ab-! zusühren, so könnte sie sich au emr eventell abzugebende R e-. g i e r u n g § e r k l ä r u n g anschließen. Landtagsmrd Gememdewahlreform. Die Staatsregierung hat gegen die Beschlüsse der provft! sorischen Landesversammlung von Nicderosterreich betreffend die. Gesetze der Erlassung einer neuen Landtagsmahl-' o r d n u u g für Niederösterreich, Durchführung der Wahlen für: den ersten niederösterreichischen Landtag für den Wiener G e m e i n d e r a t und die Brz.rksvertremngen, Abänderung der Laudesordnuna von Nicderosterreich, schließlich Aenderung der Gemeindewahlordnung uub einzelner Bestimmungen des Wiener Gcmemdestatuts keine Vorstellung erhoben; somit steht dem Inkrafttreten dieser Gesetze Nichts in: Wege. Lodgman gegen Klvfae. Landeshauptmann Dr. v. L o d g m a n veröffentlicht gegen-' über den ' Ausiührungen des tschecho-slowaüschen Landesverterdigungsministers K l o f a c über die Verschwörung gegen den tschechischen Staat eine Darstellung,, in der er die Unrichtigkeit der Behauptungen Klosac' nachweist. Am Schluffe der Kandgebimg heißt es: Im übrigen begrüßen wir jede Untersuchung von unparteiischer Sette in allen diese» Angelegenheiten. £ Ein französischer Gesandter für Wien. > Betonung der Selbständigkeit Deutsch Österreichs. \ Genf» 20. März. Der „P e t i t P a r i s r e n" schreibt zu der Nachricht über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschösterreich: Die Vollmacht für den französischen Gesandten in Wien, für welchen Posten der f r a n z 8 s i s ch e G e s a n d t e im H a a &! Allize, ausersehcn ist, ist bisher noch nicht ansgestellt worden.! Es ist aber festzustellen, daß Clemenceau und Pichou mit der Ernennung eines Gesandten m Wien dieSelbstündigkeib D euts ch ö st e rr ei ch s in ausländischen Angelegenheiten herzustellen beabsichtigen. Als Gesandte M Haag ist Allize energisch gegen Kaiser Wtlhelin ausgetreten.? Telegmmme. Des soziale Kampf in Böhmen. : Prag» 22. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) In des, gestern abgehaltencn Konferenz der Vertrauens-« männer der sozialdemokratischen Partei! wurde das Vorgehen der Vertreter der Pattei in der Nationalversammlung in der Frage der Enteignung des Groß-j grundbesitzes gebilligt. In einer längeren Entschließung! wird gefordert, daß der Kampf für eine radikale demo-l k r a t i s ch e B e r f a s s n n g der R e p u b l i k und für! die Sozialisierung der Produktiv usord-i n u n g cutschieden, aber auch besonnen geführt werde, ohne dam die Pattei den Boden der Demokratie und des ParlamemarismiiZi verlraffen würde, insolange der unbegründete Widerstand der! Bonrgeoiskreise nicht zur Anwendung anderer Mittel zwinge.; Die Vertrauensmänner drücken dm Wunsch aus, daß zu der; nationalsozialen Partei ein freundschaftliches Verhältnis gewahrt werde und daß. insbesondere ein solidarisches Vorgehen des so-, zialistischen Blocks in der Nationalversammlung aufrechterhaltem werde.! Zürn Schlüsse heißt es in der Eutschließmmg: „Wir halten; die V o r g ä n g e i u R u ß l a n d für die Politik der Arbeiterschaft aller Länder für so wichtig, daß es u n d e d i u g t notwendig ist. daß die tschechischen Arbeiter durch persönliche Anschauung von den heutigen Vcrhaltnisseniu Rußland e i n k l a r e s B i l d crlairgen. Wir beauftragen daher den Vollzugsausschuß der Partei, er möge, sowie unsere Vertreter nach Paris gereist sind, auch eine mehrgliedrige! Abordnung zur: Prüfung der Verhältnisse! n a ch R u ß l a n d entsenden. Dieser Abordnung sind B e r-j t t Q u c nsmLnner der Arbeiterschaft aus den' größten Industriezentren der Republik beizuziehen. Deaj s o z i a l d e nr o k r a t i s ch e n ,Ak i n i st e r n wird aufge-, tragen, nnt äußerster Anwendung ihres Einstusses im Kabinett! dnrchnlsetzen, daß die Regierung diese notwendige s)!eise ernüig-« licht. Nach der Rückkehr dieser Abordnung aus Rußland rnögei eine außerordentliche Konferenz d e r B e r-! t r a n e n s m ä n u 7 7 einberusen werden, welcher Bericht zuz erstatten sein wird. Erst dann möge die Partei auf Grund dieser! verläßlichen Insormationen z» dm russischen revolutionären Vor-! , Längen endgültig Stellung nehmen."