Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 63 (22.3.1919)
- Date
- 1919-03-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6ette*6 Wien. Samstag \ Wiener Morgertzettun Sport. Landwirte berufen. Die Konsumnttenvertreter setzen sich zusammen aus 3 Bertretmr der Gemeinde Wien. 3 Vertretern der Städte und Jndustrialorte außerhalb Wiens, 4 Mltglledern de§ Londesarberterrates Md 4 Mitgliedern der Soldatenräte Niederoüerreicks. Außerdem werden die Referenten der Landesregierung Md ein Beamter des Krieqs-. wuchcramtcS an den Arbeiten der Kommission Mitwirken. Die Vertreter der Landwirte werden von der Regierung in der Weise bestellt, daß anS jedem Viertel je 3 Vertreter der Landwirte der Kommission angehären. Sobald in einem Viertel ein System von B a n e r N r a t e n allgemein gebildet ist, haben d;e bisherigen Vertreter ausMeherden und btt Delegierten der Bauernrate in die Komnnssion einzutreren. Die Landwirtschastskommisston ist berufen, den behördlichen AufbrmgMgsdienst ,» Ernahnmg-angelegenheiten in asten sechen Zweigen zu leiten, zu fordern und zu überwachen. Die zu Ausstchtsorganen bestellten Landwirte. Arbeitersnd Soldarenräte sind als AmkSorgane der politischen Behörden zur Milw'.rkimg im Ernährungsdienste benign.' Diese Organe mrd berechtigt, bei der Beurksbehördr in die Emdenzbebelfe der Äukbrmgung von Getrnde, Butter, Fett, Kartoffeln Md Schlachtvieh Einsicht zu nehmen Md Daten über LteserMgsausträge und Lresmingsrückstände emzrcholm. Hirraut wurde die Frage der Bekämpfung des Schleichhandels ««gehend erörtert Md hierbei auch der R u ck f a ck v e r k e h r besprochen. Die Bertreter der Landwirte erklärten, daß sie gegen das Verbot des Ruckiackverkehres nichts emwenden würden, glauben jedoch, daß bei Erlassung eins solckm Verbotes muerdinas seitens der städtischen Konsumenten e»n Sturm der Entrückung losbrechen würde. Die Vertreter der Soldaten- Md Arberterrätr gaben gleichfalls zu, daß an. ein Verbot desRucksnckverkehresderzeit ui ck t gedacht werden könne. Immerhin muffe auf den Bahnlwfen »me strengere Kontrolle der Rucksackträger eirgeführt werden, um damit so gm me möglich dm Schleichhändlern das Handwerk zu legen. Sodann wurde ein sechsgllchriges, aus je zwei Vertretern der Landwirts der Arbeiter- Md Soldatmräte beliebende- Komitee gewählt, dessen Ausgabe es ist, der Landwlttschafrstomminrou Vorschläge für die nächsten Arbeiten zu erstatten. Der Marktbericht. Gestern war um auf den Mr ö n w a r e n m 8 r k te n eine lerchre Wendung zum Befferm zu bemerken, eg gab wenigstens Rüben. darunter auch Kohlrüben aus Böhmen, m mehr als ausreichender Menge. Die Zn-uhren der übrigen Marktgebietversagen gänzlich. An Fleischers ay waren in der Großmarkthalle nur 560 Kilogramm Weichwürste Vorrang, von welchen der größere Teil ent Wltderverkäufer abgegeben wurde. Auf den F r s ch m ä r k t e u gelangrm nur Klippfische zum Verkam. Bahnzmuhrm hatte die Grotzmarkthalle auch gestern nicht zu verzeichnen. Versorgung der Wiener jüdischen Bevölkerung mit Mazzoth. D'L große LebeusMtttelnot in Deutichosterreich hat die Ausgabe des Vorstandes der Wiener israelmfchen Kulmsgemeinde. die Iuden'ckatt Wiens und Deutschoüerreicks anläßlich der diesjährigen Osterfeiertage mit Osterbroren (Mazzvlk^ zu versorgen, außerordentlich, schwierig gestaltet. Von den deuckchöfterreichlschen -Beständen konnte seitens der RegierMg «ne Zuwendung für dresm Zweck naturgemäß nicht erlangt werden. Der Kulkusvorsiand wandte sich daher an die Glaubenkgmoffen in der Schweiz, welche mu HM des israelitischen Konustorrums in Paris die Bewilligung der interalliierten Emahrnngskoimmssion außerhalb des'für Deutschösterreich bestimmten M-cklkonngT'Zs erwirkten, «i der Schwerz für den genannten Zweck Ostermehl anzukaufen und uach Drmschosterreich auszusühren. Das Ergebnis dieser mit Zustimmung der deutfchösterreichischcu Regierung dmckgetöhtten Aktion ist ntm, daß ntt ganzen für die gesamte Iudenlchast in Wien und Nrederösterrerch iür alle 8 Ostertage 10 Waggon Ostermehl znr Bersstgung stehen. Die Ueberwachung der rechtmäßigen ZukeilMg Md der Verhinderung emer Dovpekversorgnng wird durch das SkaatSnmt für Bolkseruährrrng dezichmigswerse durch die Knegsgetteldeverkehcsanstalt erfolgen. Dre Abgabe der Mazzoth erfolgt auch nt diesem Jahre nur gegen Bezugsscheine der-Kullusgememde Md gegen Abgabe der entsprechenden Brot- Md Mehlkanenabfchnttte. Die näheren Bestimmungen über d'e Anmeldung zum Bezüge von Mcnzoib, die bereits am 24. d. M. beginnt, sind aus dm Kundnrachungen der Kultusgemeinde, die an säm liehen Temvrln affichiert sind, sowie aus den jüdischen Wochenzeitungen zu ersehen. Es wird schon heute daraus aufmerksam gemacht, daß die aus j'de Person entfallende Quote mit Rückstcht auf das geringe zur Verfügung stehmde Quantum geringer sein wird als im Vorjahre. Erweiterung der Lebensm'ttettieserungen für die Mittelstaaten. Haag» 31. März. (Tel. der »Wr. Morgenztg.*) Die „Times" und die „Mornmg Postmeldm übere«nstimmmd, daß dieJnteralliierten über «ne beträchtliche Erweiterung der Ledensmittelliefernng an die Mülelmächte verhandeln. Diese soll sofort nach Unterzeichnung des Frirdensvertrages beginnen. Englische grauen für die Wiener Kinder. Zürich» 21. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) Wie aus Bern gemeldet wird, ist die bekannte Philantropm Elhel 5 n o w d e n von der englischen Frauenlrga beauftragt worden, den Wiener Kindern drei Waggons Lebensmutel, hauptsächlich Reiß, Zucker, SchokoladeundKondensmilch zu überbrmgm. Frau Snowden wird in dm nächsten Tagen adrnsen. Die Ausgabe der neuen Sinbauffcheine am Sonntag. Sonntag dm 33. d. M.« vo mittags, findet bei allen Brolkommii'stonen ein verstärkter Dienst statt und wollen Parteierr, die aus irgend emem Grunde die neuen amtlichen Emkauffcheine nicht rechtzeitig beheben konnten, im «gmen Interesse d.e Behebung an diesem Tage nachholen. Warenabgabe der „Ro^S*. Heute Samstag, Zentralmagazin (VUI., Piaristengaffe 19): Feigen, Essig, Nähzwirn, Knoblauch, Germ, Salz» To lctteseise. Bon 9 bis 12 Uhr. — l. Bezirk. Zwiebeln, Toiletteseife Md diverse Kleinigkeiten. Bon 9 bis 13 Uhr. — II., HI., XII. und XHI. Bezirk. Zwirn, Zwiebeln, pro Kilogramm 1 Krone, Dörrgemüit, Paprika, Nribiücher, Rnbbürstm Md Kümmel. Von 9 bis 12 Uhr. —^ IV.. V. und X. Bezirk. Waschpulver, Zwirn, Paprika, Torletteseise» Dörrgeniüie und Salz. Bon 9 dis 12 Uhr. — IX. Bezirk «Nur für dir Mitglieder delX. Bezirkes. Sardellen, Zwrrn, Puddingpulver. Salz, Dörrgemüse, Zwiebeln» Reibtücher Md Reibbürsten. Von 9 bis 12 Uhr. — XVII. Bezirk. Pudd ngvulver, Zwirn, Labsal, Salz, Malol. Paprika und Sardellen. Von 9 bis 12 Udr. — XVIil^ unb XIX. Bezirk. Zwirn, Zwiebeln, Waschpiilver. Döi-rgemiffe, Salz, Paprika, Toiletteseise Md Kümmel. Von 9 bis 13 Uhr. — XXI. Bezirk. Geschlossen. Auslarrdstournee der Wiener jüdische« Leichtathleten. Um die du' ch dm Krieg verlorcngeganaentz Verbindung mit den auswärtigen Brvdervereinm wieder herzustellm, hat die Leichtathletiksektion der ,Hakoahden Plan gefaßt, im Sonmirr eine große Sporlsahrt durckzufübren» die sich ays die Städte Prag. Berlin, Hamburg, Amsterdam, Rotterdam und München erstrecken soll. Die in den genannten Stödten bcstehendm jüdischm Vereine würdm den Haköahnern als Gegner gegeniiberstehen. Ein intensives Anfpannm der Kräfte nach innen und eine fruchtbringende Propaganda nach außen hin wäre durch dm Start der Hakoahner gewährleistet. D e Verhandlungen, die der, Sv.-Cl. »Hakoah* mit dm obm genannten Bmderveremen bereits f«t mehreren Wochen führt, verlaufen günstig Md sind bereits Zustmmnngsichreiben von Berlin. Hamburg und München tingetroffen. Der für Juch rrrfvrüngl'ch m Aussicht genommene Termin wurde im gegenseitigen Einverständnis auf Anfang August verschoben. Ww hoffen, daß dre Verhandlungen bald zu einem günstigm Abschlüsse kommm Md Mse« SportZleute dadurch zu intensiver Arbeit angespornt werden. Aus de« Futzballverband. Die Donnerstag-Sitzung fand wegen der neuen Lickwerordnung ul vollkommen ffnsterem Saale sta.t, so daß der Emlaus de m L'chte von Zündhöl'chen zur Verlesung gebracht werden mußte. Eine Eingabe des S. C. Ravid > m Angelegenhert des Falles Lur wurde dem Straf- Md Meldenusschuv überwiesen. Einem Änsuchm des Fußballverbandes von Mähren Md Schlesien um Entsendung «ner Auswahlmannschaft wurde in der Form Folge gegeben, daß, falls es die Verkehrsverhälmrffe gestaltm, am 4. Mar ein Team der 11. Sprrladtnlung nach Troppau mckmdet werdm soll. Di« Wettspiele de» Feiertage». Außer dem bereits yemrldetm Spiel sind für Dlmsmg den 25. März noch folgende Marches vereinbart worden: F. A. C.—GermMra md Hextha— Rudol'shügel. Der Niederösterreichische La th. Das am lltzkm Sonnmg unterbllebene Wettspicl Spor.klub—Wenna dürfte am 6. Apnl zur AustragMg kommm. Der Sieger aus diesem Wettspiel tr'tt gemäß der am Donnerstag erfolgten Auslosung dem F. A. C. gegenüber. Als zweites Paar treffen Rudol'shügel und Rapid aufeinander. Die beiden letzlangeführtrn Spiele findm am 27. Avrrl statt. Rudolfshügel dürste zu Ostern a» einem Turnier in Budapest reilnchmen. Osterturnier im Prater. Außer der Hütteldorier Veranstalttmg konimt noch ein Nuudfpiel »m Prater zur Austragung. an dem dre Vrrerne W. A. C., Sportklub, F. A. C. Md ViN'ua terlnehmm werden. Die Neue Wiener Handelsakademie hat ein Fußballtumier ausgeschrieben, das rm April stattsindet, und an dem 6 Mtt:elschulen teilnebmm. Sp. «. G. B. Kadima. Heute. */»6 Uhr abends, interner Klubabend verbilnden mit Vorträgen und Tanz. Sonntag spielt die K^d-ma M't der ersten und Reservemann chast gegen A d m i r a I. b und H. Mannschaft auf dem Adm'ra-Sportvlatz Florstsdorf. Iubilaumsgaffe, um und %\\ Uhr vormittags. Dre Refervefpicler sowie dre Spieler der i. haben sich um */»3 Md */*10 Uhr zur gemeinsamen Abfahrt im Klubcafe ,Ctty" elnzusinden. Hakoah. Das für heute angesetzte Training der Jungmann'chascen findet nickt statt. Z. Tv.-B. Hechamer spielt am Sonntag um 9 Uhr gegm die Hcnha-IttngMiinnschaft auf deren Platz. Dienstag, 1v Uhr voi-mittagS. findet em«» außp'odentlicke Vollversammlung M Jüdischen MediZ'nerverein VIK., Alierstraßr 7, statt. Das Hockreymertspiel» Wrmer HockeyNnb 2—Hakoah 2, daS am lebten Sonntag nicht stattsindrn konnte, wurde für den 13. Aprr! angeretzt. , _ Gsrichtssaal. Drr erpreffsrlsche Polizeikommisiär. Vor einem Erkenntnissenat unter Vorsitz des Landesgerichtsrates Dr. Frau^nseld hatten sich gestern der Polizeikommissär Wilhelm Polzer und Genossen wegen. Erpressung zu verantworten. Der Polizeikommissär Poi'er, der Bäckermeister Si"«on Strikowsk'i und dessen Geliebte Berta Kurz haben sich an einem türkischen Untertan,« dem Gesellschaft^ der hiesigen türkischen Ex!'ortsirma ReiS und K o i m z i o l u. Richard Aoimziolu unb an dessen Schwester Elsa des Verbrechender Erpressung dadurch schuldig gemacht, daß Polzer in Gesellschaft des als Inspektor auftretenden B" I 'rrneisters den Türken, der sich als Militärflüchtling bei seiner Schwester unangemeldet aufhielt, in einem Kaffeehaus samt seiner Schwester und de» zufällig an diesem Tt'ck" sitzenden Kurz verhaftete. Nach der Verhaftung hat er dui.ch den angeblichen Inspektor für die Freilassung des verhafteten Türken zweimal einen Betrag von je 20.000 Kronen erfolgreich erpreßt. Der Verhandlungsverlauf gestaltete sich ziemlich lebhaft. Als erster wird der Angeklagte StrikowSkh verhört, Er gibt auf Befragen des Vorsitzenden den Tatbestand zu. Während des Verhörs werden die beiden arlderen Angeklagten Polzer nnd Kurz aus dem Saale entfernt. Aus den Erzählungen des Angeklagten ist zu entnehmen, daß er als Spion der Polizei Dienste geleistet habe, wofür »um Dank seine Konfinierung als russischer Untertan gemildert wurde. Weiters erzählt er, daß er die Erpressungsgeschichte eingesädelt habe. Er hat die DerhastungS- und EnthaftungSgeschichte rnszeniert, die Erpressung von 40.000 Kronen ausgeführt, letzteres Unternehinen unter Mitwissen deS PolizeikommissärS Polzer. Die Angeklagte Berta Kurz gibt an, aus Ezernowitz zp stanimen unb nach einer Rundreise durch die Welt sich hier niedergelassen zu haben. Sie ließ sich von StrikowSky aushalten und lemte den Türken durch Zufall in einem Kaffeehaus kennen. Das Verhör mit dem Hauptangeklaaten Polzer gestaltete sich etwas dramatischer. Der Angeklagte bekennt sich teilweise schuldig und sucht sich durch Ausflüchte sehr geschickt über die ihm peinlichen Fra cn l'innbsr'.ahelfen. Der Vorsitzende hält ihm vor: „ES ist merkwürdig, Herr Pol'ec. daß Gte sich an sprlnarnde. für die Glauv- Äleit Ihrer Verantwortung wesentlich notwendige Einzelnicht zu erinnern vorgeben. Wegen was haben Sie etgen<l'ch den .Kolmziolu etigesperrt?" Angeklagter: „$ect Präsident wollen die Tatsache erwägen, daß na--" - \ - 1 >»'S StrikowSty der Koimziolu ein angeblich verdächtiges Individuum sei." Präsident: „Um Gotteswillen, Polzer, wenn Ihnen die recht zweifelhaften Angaben des vielleicht sehr gute» 22. März!9}9 ä OS ^Taschendiebfängers genügt haben, tt« die Verhaftung etad Kaufmannes vorzunehmen, so ist eS doch sehr merkwürdig^ , Angeklagter (auSweia-end): ,^Zch hatte zu Sttt - kowsb' großes Vertrauen, so daß ich ihm Glauben schenke../ Nun werden die Einzelheiten vor und »ach der Be» Haftung besprochen. Der AngeNagte behartt dabei, von b«r ErpressungSgeschichtr nichts zu wissen. Auf die Frage des Vorsitzenden, was er sich gedacht habe, ahs ihm Strikowsch am Tage nach der EnthaftunK Koimziolus 3000» Kronen gab, schweigt dev Angeklagte. Gegen das Verlesen eines Briefes der Mutter des Angeklagten. der an den Sorsttzendeu gerichtet ist, protestier^ der Verteidiger. Die Aussage des Bruders ist für den Angeklagte» wohk entlastend. Der Bruder erzählt, daß der Angeklagte stavf unter der Fuchtel seiner Frau litt. Er heiratete sie heimlich, ohne Einwilligung der Eltern. Die Frau sei sehr merd würdig, so habe sie eine Kontrolle über seine (deS Bruders* Briefe geübt, habe den Anaellagten von Besuchen bet seinen Eltern zurückgehalten, so daß daraus zu ersehe« ist, daß Polizeikommissär Polzer vollständig unter der Ei« Wirkung seiner Frau gehandelt heb«. * Das AesgeuverhSr. Als erster Zeuge wird der PolizeiOberkommifsär Doktor Zdroubek verhört, der ein intimer Kollege deS Pol^r» ist und für de» Angellagten sehr belastend auSsagt. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt. Der Volkswirt. Die Bilanz der Niederösterreichifchrn Eskompte-Gesellschaft. Die in der gestrigen Sitzung des VerrvaltungürnteS der Niederösterreichtfchen EskomDte-Ge» sellschaft vorgeiegt« Bilanz für das Jahr 1918 ergibt einen Gewinn von K. 12,789.362.66, gegen K. 15,955.693.40 im Vorjahre. Der Berwaltungsrat hat beschlossen, der am 14. April 1919 stattfindenden Generalversammlung vorzuschlaren. daß der nach Abschlag der Dotierung des ordentlichen Reservefonds mit K. 639.478.13 (gegen Kronen 797.769.67 im Vorjahre) und der Übrigen statutarischen Quoten sowie nach Einbeziehung des Gewinnvortrages aus dem Jahre 1917 per K. 684.546.86 zur Verfügung iker Generalversammlung steMde Gewinn zur Verteilung einer Dividende von 10 Prozent gleich K. 40 (gegen 12 Prozent gleich K. 48 im Barj.) verwendet und von dem erübrigenden Gewinne per K. 3,116.468.72 (gegen K. 2,684.546.85 im Vorjahre) der Betrag von K. 1,500.000 (ge^en K. 2,000.000 lm Vor-ahre) dem außerordentlichen Reserve^ fonds zugeführt sowie der Rest per K.616.468.72 auf neue Rechnung vorgetragen werde. Ruf die Einzelheiten der Bilanz kommen wir noch ausführlich zurück.' Was die Aussichten für daZ laufende Geschäftsjahr betrifft, so hängen sie vor allem von der Gestaltung der politischen Verhältnisse ab. Das Zinsenertraznis dürfte sich infolge der großen Differenz zwischen Debet- und Kreditzinsfuß bedeutend erhöhen, die Provisionen ziemlich gleich bleiben, dagegen die Personalauslagen steigen. Eine weitere Steigerung der Steuern wird nicht erwartet. Auch die Möglichkeit der Beteiligung an Konsortialgeschäften wird ins Gewicht fallen. So weit die Dinge bisher einen Ueberblick gestatten, ist ein günstiges Resultat wahrscheinlich. _ Zur Vermögensabgabe. Bau einest» Industriellen. In der „Wochenschau" in Nr. 67 b. Bl. wird der Art Beifall gezollt, in der Dr. Rockchin die Vermögensabgabe bei Jndustrieunternehmungen durchführen will; Es findet eine Selbsteinschätzung statt. Der Staat hat das Recht, das Unternehmen zu dem angegebenen Wert zu übernehmen. So muß der Industrielle richtig fatieven, will er nicht enteignet werden. Kein neues, aber ein außerordentlich kluges und gerechtes Prinzip! So einfach, wie sich immer wieder Theoretiker die Dinge konstruieren. In der Praxis sieht aber die Sache ganz anders aus und ist weder vom Standpunkt des Staates, noch dem der Industrie akzeptabel. In normalen Zeiten war es leicht, den Wert eines Industrieunternehmens abzuschätzen durch die Kombination der mittleren Eetrags^ähigleit während mehrerer Jahre und einer Schätzung der vorhandenen Werte. Beides konnte nicht schwierig sZn. Nur bei ganz wenigen Unternehmungen differierte der Ertrag jährlich um Bedeutendes, und auch die Werte von Grund, Gebäuden und Maschinen waren leicht in annähernd gerechter Weise zu ermitteln, wie dies jahraus, jahvein bei Feuerschäden durch gemischte Kommissionen geschah. Ganz andexs liegen die Dinge heute. Zunächst im: Punkte der Ertragsfähigkeit. Zahlreiche Unternehmungen lagen im Kriege still, andere heimsten über» normale Prosibr ein. Und bei beiden stehen wir, besonders hier in Deutschösterreich, bezüglich der Entwicklung?möglichkeit in der Zukunft vor einem großen Fragezeichen. Wie eS mit Heizstvffen, Rohmaterialien. ArbeitSverhältnissen, Geldwert, Absatz, Konkurrenzfähigkeit stehen wird, weiß heute in Deutschüsterreich kein Fabrikant, welcher Branche immer. Nach diesem Ge'ichtSpunkt den Wert seines Ob'e'teS zu schätzen. ist ihm unniöglich. Zur Schätzung gel ungen, wird er notgedrungen vorsichtig sein. Aber wenn der Staat die ihm zu niedrig scheinende Schätzung benützte, um. die Fabrik zum angegebenen Wert zu enteignen, fiele das ganze unberechenbare R^'iko auj ihn. Er würde es nur dem Unter*