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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-20 · Heft 61 (20.3.1919) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 61 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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SMe 8 Wien. Donnerstag Wiener Morgenzeitung 20. März 1919 Nr. 61 Warenabgabe der „Rohv". Morgen Freitag. Zentralmagapn (V1N., Piaristengaffe IS): E?ng. Zwiebeln und Paradeiser, vco Kilogramm 1 Krone, Kümmel, Germ, Backpulver und Torletteieffe. Bon 9 bis 12 Uhr. — K Bezirk. Toiletteseife und diverse Kleinigkeiten. Bon 9 bis 12 Uhr und von 3 bis 5 Uhr. — 11. und 111. Bezirk. Paprika, Toileriesrife, Salz. Dorrgemüse, Zwiebeln, Knoblauch und Germ. Bon 9 bis 12 Uhr. — IV. und V. B-'nrk. Waschpulver. Paprika, Tvilettcfeife, Dörrgemine, Salz und Germ. Bon 9 bis 12 Uhr. — IX. Bezirk (Nur für die Mitglieder des IX. Bezirkes). Waschpulver, Knoblauch, Zwiebeln, Dorrgemüse und Salz. Bon 9 bis 12 Uhr. — X. und XVll. Bezirk. Geschlossen. — XU. und Xlll. Bezirk. Paprika, Dörrgemü'e und Zwiebeln. Bon 9 dis 12 Uhr. — XVlll. Bezirk. Waschpulver, Dörrgemüse, Salz, Knoblauch, Zwiebeln und Paprika. Bon 9 drs 12 Uhr. — XIX. Bezirk. Toilettcseise, Dorrgemüse und Salz. Bon 9 bis 12 Ubr. — XXl. Bezirk. Dörrgemilke, Salz und Gulaschtabletten. Bon 9 bis 12 Uhr. — Morgen Donnerstag um 4 Uhr nach' mittags findet in der Gemeinschaftsküche „El.sabechhos", l. Bezirk, Elffabeidstraße Nr. 8, e»ne Mitgliedewersammlung statt. Thema: lieber Gärmergrmnse und ihre Bedeutung für den Konsum. Sport. Das Flugwesen auf der Friedenskonferenz. Paris, 19. März. «Funkivr.) Am Montag h.elt die Kommission für Flugwesen ihre erste Sitzung ab. Sie hat mir der Brüstmg der von dem britischen Lufirar (Air Boards für den Luftverkehr ausgestellten und von den brittschen Dom nien u,'.d Indien sowie von der französischen interministeriellen Lustkomu'.isüon gmgrheiüene-.i Verordnungen begonnen, d»e bereits rm Immer 1919 dem Präsidenten des Notes für Luitwesen unterbreitet wurden. Dre fraglichen Verordnungen befassen sich mn den bei Durchiühruny von Flügen von ernem Land «ns andere von jedermann zu beobachtenden Formalitäten, weiters mit der Registrierung von Flugzeugen, dem Stand der Piloten, den mitzufüyrenden Ausweispapleren. den internationalen opttschen und Lrchtsignalen, der Polizei der Aerodrome und schl.eßlrch Mil den ernzuhaltenden Zollformalitäten. Äie Wettspiele des Sonntags. Am kommenden Sonntag finden in der ersten -Klasse durchwegs Meisterschaftssmele statt. Es treffen auseinander: Rapid—Rudolfs- Hügel <Hüttckdorf), Hettha-W. A. F. (Favoriten), Wacker— W. A. C. iMeidlmg). Amateure—Simmering (Ober-Sk. Beit) F. A. C.—Sporeklub (Floridsdorf). Der F. T. C. aus Budapest, der kommenden Dienstag in Wien gegen _ den W. A. C. spielt, iührl momentan M der rmgarischen Meisterschaft. Die Franzstädtcr kornmen mit einer sehr starken Mannschaft, so daß tS einen sehenswerten Kamps geben wird. Ablöselansen der Bienna. Die Vienna bringt am 35. d. Di. em Ablöselansen über 4 X 100 Meter zur Durchführung. Die Nennungen find bis längstens Sonntag den 23. März an das Cats Zögernitz, XIX., Döblinger Hackitstraße, zu richten. f Einigung in der Schwerathletik. Die Wiener Schwer athletck betreibenden Vereine waren bisher in verschiedene Verbände gespalten, was dem Sport sehr zum Schaden gereichte. Am 16. d. M. fand nun eine Hauptversammlung sämtlicher Vereine statt, m welcher beschlossen wurde, daii nu^cin Verband unter dem Namen „Deulschöstcrrcichffcher Reichsverband" bestehen soll. Die Annahme der neuen Satzungen wird in einer am 6. Apnl stattfindenden außerordenllichen Vollversammlung erfolgen. Sportklub Hakoah. (Sektion s u r T o u r i st i k u n d Ä l n t e r s p o r t.) Sonntag den 23. März l. I. Tageswanderung rm Wienerwald. Treffpunkt V-»10 Uhr vo>. mittags: Endstation des 39er-Wagens in Sievering. Proviant mitnehmen Führung : Ingenieur Ackermann. — Dienstag den 2.',. März l. I. Skitour auf den Schnerberq nur für geübte Skifahrer. Abfahrt: Montag den 24. Marz l. I um 3 Uhr nachmittags vom Asvangbahnhos. Proviant für 2 Tage nntuchmen. Füh ung: Ingenieur Ackermann, l— Dienstag den 25. März l. I. Tageswandemng im Wienerwald. Treffvnnkt Ubr vormittags: Endstation des 36er-Wagens in Nußdors. Proviant m>tirchmen. Führung: Spira. _ Ein Besuch bei Henri Glycenstein. Bon unserem Züricher Korrespondenten. Zürich, 1b. März 1919. Ich hatte heute' Gelegenheit, Meister Glycenstein in seinem Atelier in der Rousseaustraße zu besuchen» Glycenstein. den Schöpfer des „Messias". Es war am sechsten Kongreß, wo er dieses grandiose Kunstiverk ausstellte, das heute irgendwo in Berlin W. steht; nur das Gipsmodell, das der Künstler uns schenkte, ist im Bezalelmuseum in Jerusalem. Symbol eines jüdischen Künstlerdaseins: das Kunstwerk in Ar'in W. und der Abguß — geschenkt! — in unserem Besitze. So behandeln wir unsere Künstler. Und wenn schon Glycenstcin, den anerkannten Mekster, wie erst die Anfänger .. . , Glycenstein ist jüdischer Künstler. Hier braucht niemand erst lange zu suchen, wodurch „jüdisch". Jedes Wort, das er spricht, ist durchtränkt von Tradition, innigem Volksgesühl, von jüdischem Wissen. Da steht in seinem Atelier die Büste eines betenden Juden: Gottesleidenschaft, die zum Himmel emporschreit. Die Augen sind geschlossen, allem Irdischen abgewandt, die Augenbrauen sind wie im Krampfe: Du mußt erhören^ u Gott, es ist nicht mehr zu tragen! Ein Jeremias daneben. Gl^cerPein erzählt, wie er seit je den Gedanken in sich trug, den Propheten zu schassen. Die Aufregungen der letzten Jahre in Warschau ließen ihn das Schicksal dieses Mannes immer wieder in sich erleben. Aus unruhigen Träumen sprang er nachts auf: Ist schon die Zeit da?-- Seit auch Stephan Zweigs Drama ihn angeregt haben mag, hat er den Jeremias in allen möglichen Stellungen zu modellieren unternommen. Hier, in dem im Tvnmodell eben der Vollendung entgegengehenden Jeremias, lebt vor allem eine Bewegung, für mein Auge wenigstens: die über der Brust gekreuzten Arme, die Hände fast verkrainpst in die Oberarme. Glycenstein erzählt, wie ihm die Idee dieser Stellung kam: Er sah einen Juden f am. bc£ Atx.aße Mep,. in wilder Erregung,, die Arme gekreuzt, die Augenbrauen zusammengezogen. So gestaltete er den Propheten. Glycenstein kann seine plastische Leidenschaft gar nicht zurückhalten. Auf der Straße rennt er irgendeinem Juden nach, dessen Kopf ihn fesselt; oder» fev spricht, und sein eigener Körper wird ihm Material, nimmt die Gestalt an, die er in Stein und Bronze bilden möchte; er denkt in Skulpturen. Zlvei Ra Helge st alten stehen in Glycensteins Atelier; die eine nackt, hoch emporgereckt, den Mund zum Schrei offen, als klagte sie ihres Volkes Leid vor Gottes Thron. Viel ergreifender die andere: die Mutter Rahel. Zu ihren Füßen der zurückkehrende Sohn, noch in Ketten, an ihren Leib geschmiegt, das schuldbeladene, leidbelastete Haupt in ihren Schoß verborgen. Sie aber, die Mutter, die ewig fruchtbare, hebt schon ein junges Kindlein, die neue Generation, hoch hinauf zum Himmel der Freiheit. In der dde hängt eine, Plakette: zwei nackte Juden heben äugest engt, die Menora empor- Man sieht aus allen Gestalten, die der Meister jetzt biltet, wie ihn das Problem einer neuen Menschwerdung^einer neuen Zeit beschäftigt. Und Palästina, als der Weg auch für uns, einzugliedern in die neue Menschheit. An den Wänden hängen Bilder Glycensteins. alle leuchtend bunt. „Wenn man malt, soll die Farbe leuchten. Keine Stiefel schmieren," sagt Glycenstein. Und indem er von seinen Bildern spricht, spricht wieder der Plastiker. Er zeigt, wie im Bilde überall der Raum ausgefüllt ist. Erft ist der Raum da — etwa ein Brettchen, auf das er uns weist —, dann wird er ausgefüllt. „Leerer Raum hat keinen Wert." Darum wird immer wieder auf den Bildern alles in Gruppen gesehen. Unter den Bildern sind viele Porträts von Glycensteins Sohn, der selbst Maler ist. Ich frage, wie er heißt. „Emanuel nannten wir ihn, unseren Erstgebornen. Emanuel — Gott mit uns. Wir mußten unserem Leben ein Schild geben-" Noch zeigt uns Glycenstein eine Kohlenzeichnung, eine Studie zu einem großen werdenden Werke: Moses oder Herz! und das Volk, das befreite. Arme strecken sich in die Höhe. Pauken, Zimbeln. „Und rückwärts," bemerkt grimmig lächelnd der Meister, „wird Pharao ins Meer versinken." Und zeigt mit der Hand, wie das Wasser über den Aegyvtern zusammenschlagen wird. Wir nehmen Abschied. Glycenstein begleitet uns. Vielleicht ist er froh, das ungeheizte Atelier — er nennt es selbst in grimmigem Humor ir nidachath, die verstoßene Stadt — verlassen zu können. Das jüdische Volk läßt seine Meister frieren . .. Aus den Konzerten. Ein Mozart-Abend der Frau Hedwig Kanner vermittelte die Bekanntschaft mit hoffnungsvollem Material an jungen Sängerinnen aus der Schule dieser vielseitigen Frau. Darunter befindet sich ein Ibsähriges Mädchen, Madelaine Ru bin stein, deren glänzender Erfolg dartut. daß auch die Vokalmusik ihre Wunderkinder zeitigt. Sie ist so hübsch und trägt so artig vor. daß selbst Mozart galant genug gewesen wäre, sich gegen dieses Experiment nicht zu wehren. Auch von den übrigen zehn oder elf Damen ist Gutes zu berichten. Helene Baltin hat in Erscheinung und Stimme den pompösen Stil des Rokoko. Magret Mann verfügt über gutgebildete Stimmittel und sichere Koloratur. Marianne Thur, ein schöner Alt, Wala Heß und Elsa Wilhelm seien aus der Reihe hervorgehoben. Siegmund Feuermann lieh seinen warmen Geigenton zur Begleitung einer Arie aus ,,ü re pastora“. Dr. Ludwig Miller erweckte an seinem Klavierabend den Eindruck, als ob er zu jenen Musikern gehörte, die gleich Grillparzers „Armer S'ielmann" das Reich der Töne nach eigener Laune und Willkür durchkreuzen, an schönen Punkten allzu liebevoll verweilend, so daß sie fast auf Weg und Ziel vergessen. Trotz mancher befremdender Skurillität nahm man aber doch den Eindruck mit, ein ehrlich schaffendes Talent voll Innerlichkeit musizieren 'ehört zu haben. — An Angela Engels Debüt in einem Kurz-Konzert, wo ein unschuldiges Mäuschen auf dem Podium^ heitere Verwirrung hervorrief, erinnerte man sich anläßlich ihres neuerlichen Klavierabends. Sie hat die damals bezeigte Sicherheit auch im Musikalischen nicht verloren. Technik und Vortrag sind für das Mädchenprogramm, das sie vorlegte, mehr als hinreichend. In ^dcr Wahl ihrer Bundesgenossen war sie aber diesmal weniger vorsichtig. — Louis Dite ließ in einem Orgelkonzert Wiener Komponisten zu Wort kommen. Ein löbliches Beginnen, das manches Interessante zutage förderte. Die Tätigkeit dieses Künstlers, brr auch bei versch'ed^rtlichen jüdischen Veranstaltungen der letzten Zeit verdienstvoll mitwirkte, leitet uns zur Erwähnung einer Schrift, die sich mit der alten Streitfrage von der Berechtigung der Orgel in der jüdischen Liturgie befaßt. Dr. Samuel Kraus nimmt darin für die Einführung der Instrumentalmusik Partei und setzt sich mit den Gegenargumenten der Orthodoxie auseinander. Es ist ein Kampf ähnlich jenem, der zu Palestrinas Zeiten um die Kirchenmusik ausgefochten wurde. Damals endete er zum Segen für die Entwicklung der Musik und ohne Schaden für den Kultus mit dem Siege des reforniatorischen Gedankens. Im Judentum, wo die Tradition das Lebensekement des Dolksgefühles bildet, wird man bei Fällung der Entscheidung vorsichtig zu Werke gehen müssen. Daß aber, algesehen von religiösen Fragen^ der Entwicklung einer jüdischen Kunst durch diesen Schritt neue Anregung zugeführt würde, unterliegt keinem Zweifel und wird von Kraus wirksam unterstützt. Dr. K. M. Aus de« Theatern. In der B o l k s o p e r geginnt die am Freitag den 21. d. M. stattfindende Uraufführung des Mufikdramaö „Eroica* von Dr. Richard Batka, Mustk von Marco Frank, prmkt 4 Uhr. Konzert des Anbruch. Das zweite Konzert des Anbruch am Mittwoch den 36. d. M. Uhr abends, >m kleinen Mufikveremssaal bringt folgende Uraufführungen^ respektive Erstaussühruno.en: 1. Egon Kornamh: Sonate für V olme und Klavier (Violine: Francis E. Aranhi); 2. Felix Prtyrck: zwei Kammermufiklirder (Emmy Her«, F. E. Aranyi, Viktor Pollallchrk, Karl Doktor); 3. Franz Schreker: fünf Lieder (Emmy Heim); 4. Claude Debusy: Trio für Harfe, Bratsche und Flöte, Komp. 1916. (Steffi Goldner» Karl Doktor, Jacques van Lier). Karten bei Heller, l., Bauernmarkts. Veffmmg des Museums für Volkskunde. Nach einer Mitteilung des Mufeumsdlrektors Dr. Haberlandt wird das Museum für Volkskunde nach Abschluß seiner völligen Neugestaltung im eigenen Hawe, dem ehemaligen gräflich Schonbornscheu Sommerpalais, vorausficknlich im Sommer dieses Jahres der Oeffenckchkeit übergeben. Die umfassenden Arbeiten der völligen Gchäuderenovirrung, womit die Josefstadt um em reizvolles altertümliches Arckitekwrbrld bereichert erscheint, sowie die Neueinrichtung der zahlreichen Schausäle, Bauernstuben und dergleichen sind nahezu vollendet und mit Staunen und Freude wird die Bevölkerung einen fast unübersehbaren Reichtum sowohl an Heimatl chen wie fremden interessanten Volksgütern in der immensen Schaustellung des Museums ausgebrritet finden. In den Vorstand find Prof. Dr. Oswald Menghrn, Prof. Dr. L. Radennacher, Direktor Engen Probst, kaff. Rat Ernst Pollack nnd Dr. M. Lamberz neugewäblt worden. Das Münchner Künstlertheater wird in Zukunft Hermrne Korner leiten. Prof. Fntz E r l e r soll an der Lvitze des Ausstattungswesens stehen und Prof. Georg Fuchs als künstlerischer Beirat wirken. Ausgewählte Schriften von Aizchok Leib Perez. Der Verlag R. Lvwit bereuet eme vierbandige Ausgabe ausgewählter Schriften von Perez vor, die Ende April aus den Büchermartt kommen dürste. Vorher werden aus dicker Ausgabe einzeln zu haben sein: Band I, Perez, Ch.fffidische Geschichten; Band II, Von dicker nnd jener Welt, Erzählungen: Band Hl, Drei Dramen: Dre Nacht aut dem alten Markt, Die goldene Kette, Der Sünder; Band IV, Erinnerungen. — Vorausbestellungen an dre Buchhandlung R. Mort, Wien, l., Rotenturmstraße 32. er Volkswirt. WährurrgsLheoretische Jrrtümer. Von Heinrich Färber. Unter diesem Titel polemisiert Universitätsprofessor Dr. Alfred Amonn in einem Wiener Blatt gegen den früheren Staatssekretär Dr. Steinwender. Dieser, sagt er, sei ein „Praktiker", der mit theoretischen Argunrenten operiert. In solchen Fällen begegne man häufig währungstheoretischen Jrrtümer», die nur aus einer oberflächlichen und unzulänglichen Kenntnis der Theorie stamme» können. Die weite Oeffentlichkeit dürfte es interessieren, beide Herren zu hören, um sich ein Urteil darüber zu bilden, was uns erwartet, wenn die Finanzpolitik noch lärrger vorr Theorien geleitet feir» wird, gleichviel ob diese oberflächlich oder gründlich verstanden find. Steinwender sagte: »Mir sind (bei den Verhandlungen über den Üebergang zur Markwährung) von einem Wert der Krone ausgegangen, der zwei Mark mit drei Kronen gleichstellt, glauben aber, daß wir werden darüber htnauSgehen müssen. Eine schlechte Krone ist für Grundbesitz und Industrie kein Unglück, wohl aber für die Konsumenten und namentlich für die Arbeiter. Bei der Valutaregulierung des Jahres 1892 sind wir unter den Durchschnittswert des GuldenS herabgegangen, und damals haben die Bauern in Kärnten und Salzburg ein gutes Verständnis dafür besessen, daß eine leichte Krone die Ausfuhr nach Deutschland begünstigt, während selbst den größeren Wiener Gewerbetreibenden die Frage nicht klar zu machen war." Amonn antwortet hierauf: „Er (Steinwender) will damit anscheinend sagen, daß auch eine niedrigere Bewertung der Krone beim Währungswechsel von gewissen Vorteilen sein kann, insoferir, als dadurch die Ausfuhr nach Deutschland begünstigt werden würde. Es ist dies eine der währungstheoretischen Jrrtümer, denen man häufig begegnet, weil» „Praktiker" mit theoretischen Argumenten operiere,:, rrud der nur aus einer oberflächlichen und unzulänglichen Kenntnis der Theorie stammen kann. In Wirklichkeit hat ein einmal festgesetztes und ausrechterhaltenes Wertverhältnis zwischerr inländischem nnd ausländischem Geld gar keinen besonderen Einfluß aüf die Ausfuhr, sondern bedingt lediglich ein normales, den beiderseitigen Bedürfnissen der in Betracht konrlnenden Länder angeprßtes Verhältnis zwischen Ausfuhr und Einfuhr, gleichgültig, ob jenes Wertverhältnis, an einem früheren gemessen, ein für das eigene Geld hohes oder niedriges ist. Eine Begünstigung der Ausfuhr findet nämlich lediglich statt durch einen längere Zeit andauernden Prozeß der Erltwertnng, und für die Zeitdauer, während der sich dieser Prozeß vollzieht. Sie wird dadurch bewirkt, daß man, wenn rnan ins AuSlarrb verkauft, einen höheren Erlös erzielt, als womit man ursprünglich, beim Beginn der Produktion, da das Geld noch nicht so entwertet war, gerechnet hatte. Diese durch eine Währungsstörung hervorgerufene Steigerung der Ausfuhr ist natürlich für diejenigen Unternehmer, welche Ausfuhrgüter erzeugen, ein gewisser Vorteil, aber in gleicher Weise pin Nachteil für diejenigen, welche nicht Ausfuhrgüter erzeugende Unternehmer siirb, und für die Volkswirtschaft als Gesamtheit." Der Inhalt dieser langen Ausführungen ist kurz gesagt folgender: Bei einem längere Zeit andauernden EniwertungSproztzß des Geldes hat der Erzeuger von Ausfuhrgütern einen Vorteil durch den Export. Diese Theorie gilt aber itus unter einer. Bcdmgmia. tzämlich tvcnu o'c Entwertung

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