Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 60 (19.3.1919)
- Date
- 1919-03-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Wien. Mittwoch Wiener MorgerrZeituiiq 19. März 1919 M. 6Ü Der Preis der Ma^vth ist nwf» mcsit bekannt, doch durste sich derselbe mit Rücksicht auf die Bezahlung des Mehles in ausländischer Währung sowie der großen Transport- und Emeugungskostm gegenüber dem Preise des Borjahres bedeutend erhöhen. Verspätete-Anmeldungen können au keinen Fall berücksichtigt werden. _ Der Marktbericht. Das Angebot am den Märkten war heute wieder sehr gering, die Nachttage äußerst lebhast. In der G r o st m a r k t h a l l e gab es nur eine. gen; geringe Menge Weichwürsie, die trotz der mmderwerttgen Beschasfenheit sehr gesucht sind. Bahnzrckuhren sind nicht eingelangt. Aus den F i s ch m ä r k 1 e n war die Nachträge sehr leb* hast, das Angebot aber kaum nennenswert. Schollen zu K 8.70 und getrocknete Klippfische zu K 15.— waren nur in geringen Resten vertreten. Flußfische waren nicht erhälckich und düriten auch in absehbarer Zeit nicht auf die Märkte kommen. Ans den Grünwarenmärkten kamen hewe wftber Z'.lfilh en aus Böhmen an, und zwar Riesenkohlrüben, die unter den Rüd "Worten noch am beliebtesten sind. Im übrigen waren aber die Mark!; Nicht bester versehen. Die Gartnerzuluhren nehmen sogar ungeachtet der vorgeschrittenen Jahreszeit und der warmen Witterung weiter ad, was darauf zn'-ückzuführen ist, dast frische Gcirttienvare in den Bezrrksläden zu Phantasiepreise« reißenden Absatz findet. Die Getreideeinfuhr aus Arger/tinien. Die Gemeinde Wrcn ist neuerlich mit e nec argentinischen Getreidcervortsirma wegen Getreldel'.eftrunä in Verbindung getreten. Ueber diese Angelegenheit berichtete m der heutigen Stadlratsitzung Bürgermeister Dr. Werskirchner und beton«, daß die G-'memde Wien in der Frage der Behandlung der argentinischen Importe kür den Staat vorbildlich g-'worden fet und daß c6 lediglich der Initiative der Gemeinde zu danken ist, wenn das Staatsamtfür Volksernahrung heute m die Lage kommt, sofort über ein m den Vorarbeiten tertlggestelltes argentinisches Osten ,'u versagen. Der Bericht des Bürgermeisters wurde zur Kenntnis genommen und der Magistrat zu weiteren Verhandlungen, de» trrgend die Getreideeinfuhr, ermächtigt. ( Reisausgabe. Die bisherigen Entenftzuschübe an Reis ennöglichrn die Ausgabe von einem Achtelt logramm pro Kops der Bevölkerung. Die Ausgabe wird m ganz Deutschösterreich erfolgen. Mit Rücksicht darauf dast in Wien bereits die vierte Woche kern Rindfleisch zur Ausgabe gelangt, wird in der fleisch-- loten Woche, das ist in der Zeit vom 20. bis 26. d. M., ein weiteres Achtelkilogramm ausgegeben werden. In Wien erhält somit jede Haushaltung m der erwähnten Woche pro Kopf ein Viertelkilogramm Reis. Die Samenabgabe. Dre Samenabgabe der Gemeinde Wren ,m Ml. Bezirk. Albertgaste 53, erfolgt bis aus weiteres nur von 8 bis 12 XU}c vormittags. Lebensmittelverkauf der „Rohö". , Morgen Mittwoch, Zentralmagazm (Vlll. Bezirk, Piaristen lmge Nr. 19): Salz. Zwiebeln (pro K.logramm 1 Krone), Sardellen. Ro,mm. Germ «pro Dekagramm 10Heller), Knoblauch, Dorrgemüie, Toitetteseift, Kümmel und Paprika. Bon 9 brs l-'.Uhr. -- l. Bezirk: Toiletteser'e und d verse Kleimgketten. Bon vf» 12 Ubr. —- II. Bezirk: Salz, Gulaschtabletten, Frübstückswarmer und Dorrgemüie. Von 9 b,s 12 Uhr. — III. Bezirk: '-alz. Toilette!erst. Frühstückswärmer. Kümmel, Zwiebeln und Knoblauch. Von 9 bis 12 Uhr. — lX. Bezirk (nur mr die Mitglieder des XX. Bezirkes): Nähzwirn. Puddingpulver, Zwiebeln, Sardellen, Knoblauch und Salz. Von 9 b S 12 Uhr. — ± Bezirk: Nühzwrrn, Dörrgemüse, Salz, Waschpulver und ^oilcttesene. Von 9 bis 12 Uhr. — Xli. Bezirk: Sardellen, ^vilettereife, Paprika, Zwiebeln und Salz. Bon 9 bis 12 Uhr. — Xiir. Bezirk: Salz, Toilette!eise und Frühstückswärmer. Bon 9 b:s 12 1%. — X7U. Bezirk: Puddingpulver, Zwiebeln. Dörrtznnme. Tosiettefttft und Kümmel. Bon 9 sts 12 Uhr. — XlX Bezirk: Gulaschtabletten, Torletteserfe Md Salz. Bon 9 bis 12 Ubr. W. I. W. .Heute Mittwoch von 9 bis */.12 Uhr L bis 2, von 3 bis Uhr A bt§ K. Bühne und Kunst. Die Zukunft der ehemaligen Hoftheater. Sonntag 'and «ne vom Verband für Theaterkultur einbeiufme Versammlung statt, dir der künftigen Gestattung der ehemaligen Hoftheater galt. Der Vorsitzende, Hofrat von M i l l e n k o v i ch, bemerkte in der Emleitungsrede, jedes Publikum habe das Theater, das es verdiene. Bon den Vorschlägen ist der des Prof. Retch besonders hervorzuheben, der die Schaffung einer Volksu h u e nach BerlrnerMufter und emer zweiten Buhne desBurgtheaters imFestsaal der neuen Hofburg forderte. Nach den Mitteilungen des Herrn Dr. D. B a ch ist die Gefahr einer Verv a ch t u n g der bei dcnT h e a t er s e h r g e st i e g e n. Auch den Vorschlag, die beiden Theater von eineni Verein von Kunstmäzenen stützen za lasten, müste entgegengeireten werden. Er forderte dre Ab!chaffungjeder Zensur und Maßnahmen zur Erziehung des Publikums und der Schauspieler, hros. B r e ch t vertrat dm Standpunkt, daß für die Entwicklung dreier beiden Natronalkheattr der Anschluß Deutschösterreichs an Tnchchland unbed ngt notig sei. Jüdischer Autorenabend. Sonntag den 23. März 1919 jmaei.um i/o5 Uhr nachmittags im großen Saale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1. Bezirk, Eschenbachgrsse 9, tm jüdischer Autorenabend statt. Otto Abeles, Z. F. % i n Cc I ft c i n, Josef Grob und Friedrich P o r g vS werden aus eigenen Schriften lesen und Dozent Dr. Harry To rezyner wird die einleitende Konferenz halten. Der Abend wird von der jüdischen Bereinigung »Kanaan" veranstaltet. Spielplananderung in der Oper. Wegen Jndis- Püntwn des Herrn Kammersängers Fritz Fein hals wird Donnerstag den 20. d. M. am Operntheater statt „Paftst-na" „Hvstmanns Erzählungen" gegeben. Beginn 5 Uhr. Die nächste .,.Pale!trina"-Austührung kann erst wieder anfangs April stattsinden,. da der Spielptan für Ende März Aufführungen von ..Liegsnkd", „Götterdämmerung" Md „Meistersinger von Nürnberg vorneht. Festkonzert der „HaLoah". Das Festkonzert, welches die „Hakoah" zur Feier ihres zehnjährigen Bestandes Montag den 28. April un großen Komerrhaussaal veranstaltet, verspricht emen erlesenen Kunstgenuß. Es wirken mit: Alfred Grünf e l d. Sregmund Feuer mann. Rudolf Bäudler und Frrv Blum l'Bmgtheattr). Karten von K 16.— biS K 8.— mi der Tageskasie des KonzerchäuftS. Wem, Hl., Lothringerstraßf Nr. 20, und im Sekretariat des Sportklubs „Hakoah", Taft Industriellen. L Konkordiaplotz 4; Buchhanblmg Löwn, l., Rolenturmstraße 22; Buchhandlung Hirschler, Rabensteig 6. Lotte Lehmann» Mitglied des Operntheaters, hat sich mit dem Maler Desjauer verlobt. Der Prozeß Annie Aosar gegen das Burg» theater. Im Sitzungssaale des Ärmer BiihnmvereinrS fand gestern nackmitrags vor einem Schiedsgerichte die Berhandlimg über die Klage statt, welche Frl. Annie Rosar. Mitglied des Burgthealers, gegen die Direktion dieses Theaters auf RechtsunwirksamkeilderKündignngvom 31. Februar und ans ausrechten Bestand chres m»l der Burgtbeaterdirekttvn am 6. Iulr 1917 aeschlosienen Betrages erhoben hatte. Beide Skrettteile batten sich dabm geeinigt,. daß dre Klage mcht durch ein vrden-l'cheS Gericht, sondern durch einen Spruch eines von beiden Teilen lrergewähltn Schiedsgerichtes arisgetragm werde. Als Mitglieder des Schiedsgerichtes fungierten außer dem Vorsitzenden Dr. Julius Okner dre Tbeaterdirektoren C a r a r und H 8 l l e r l n g sowie dre Schauspieler L e y e r von der Howper und Oberregisieur Brecher vom Komodienhans. Nach kurzer Beratung verkündete das Schiedsgericht das ^-Urteil. Dem Klagebegehren wurde zur Gänze stattg e a e b e n und die Bmgtheaterdirekiion zum Ersatz der Schiedsgerichtskosten verurteilt, da die Kündigung v erspätet war. Ein entdecktes Talent. Aus Berlin wird gemeldet: Es war in den Tagen des Generalstreiks. Herr Götz, der Dichter und Hauptdarsteller der „Nachtbeleuchtung" im Deutschen Künstlertheater, war infolge eines Verkehrshindernisses nicht im Theater. Das volle Haus wartete ans den Beginn der Vorstellung. Da ordnete Direktor Barnotvsky an, daß der Schauspieler Paul Morgan die Götzsche Rolle lesen solle. Ein peinliches Verlegenheitsmittel. Auf einmal erbot sich der Theaterarbeiter Rolf Pilarsky, die Rolle auswendig zu spielen. Man wagte das kühne Experiment. Pilarsky spielte so glänzend, daß das Publikum und die Mitwirkenden nicht aus dem Staunen herauskamen. Berlin war über Nacht um ein darstellerisches Talent reicher. Ein Museum moderner ausländisch^ Kunst in London« London erhält ein neues Museum für moderne ausländische Kunst, das Joseph D u v e e n der Stabt zum Geschenk gemacht hat. ES wird in erster Reihe die Sammlungen Hugh Laue und Salti,lg beherbergen, die zusammen 49 Gemälde von Digz, Degas, Corot, Courbet, Fantin Latour, Puvis de Chavannes, Manet, Pissaro, Claude Monet, Berthe Morisot, Mittet und Rousseau umfassen. Sliir» den Theatern. Im Burgthea* er gelangt Mittwoch Leu 19. b. M. „Unterrregs", ein Don Juan-Drama von Thaddäus Nittner, zur Ausführung. Diese Vorstellung beginnt um Uhr^ Im Operntheater kommt Mittwoch den 19. b. „Margarete" mit den Damen Jeritza, Kittel, Jovanovic sowie den Herren Piccaoer, Zec, Fischer, Madin zur Aufführung. Anfang Vs 5 Uhr. Heute beginnt im Intimen Theater das Gastspiel der Deutsch österreichischen Bühne. Zur Erstaufführung gelaugt das dreiaktige Schauspiel von Hans Knobloch .Das Lächeln GotteS". Der Beginn der Vorstellung ist für Vz6 Uhr angesetzt. JlnDeutschenVolkstheater gelangt Freitag den 21. d. M. die dreiaktige phantastische Tragikomödie'„Schattentanz" von Leo Herzog zur ersten Aufführung. In den Hauptrotten debütieren die Herren Joses Schildkraut Md Felix Steinböck. Palästina-Literatur. Das Palästma-Amt veröffentlicht einen kleinen Führer durch die Palästlua-Lueratur aus der Feder L'v Goldhammers (K —.H8>; Davis Trielsch' umfangreiches Buch „Iüdücke Kolomsatton und Emigralron" iK 26.40) rst bis auf wenige Errmvlare vollständig vergriffen; Franz Karl Endres. drr durch sem Buch „Zionismus ubd Welepolttik" <K 5.50) sich um die zionistische Literatur sehr verdient gemacht hat, btt» offentlicht t» der Sammlung „Pro Palast na" als 4. Heft einen Aussatz über die wirtschaftliche Bedcurung Palästinas als Teil der Türkei (K 1.76}. Die politischen Voraussetzungen dieser sonst sehr interesianteu Schrift sind überholt. Zu beziehen durch dre Buchhandlung R. Löwrt, Ären,!., Rolenturmstraße 23. Sport. Militärsport. Heute nachmittags findet das erste Wettspiel der Bolkswehr statt, und zrvar tritt das V o l k s w ehrbat a r l l o n 13. dem zahlreiche bekannte, erstklassige Fußballer anaehören, der Sportvereinigung Rudolfs Hügel um 4 Uhr auf deren Sportplatz in Favoriten gegenüber. Eine Schweizer Fußballmannschaft ln Wien» An dm Hütteldorser Osierspielen, deren Management Rapid übernomnien hat. wird auch ein schweizerischer Klub teilnehmen, der für sein zweimaliges Auftreten kl 13.000 erhält. Länderwettspiele Deutschöfterreich—Ungarn. Dieses Wettspiel soll anfangs Mal m Wien stattsinden. doch steht dem Fußballverband bis jetzt - noch kein Platz znr Bersüguna. Der W. A. C., dessen Prate-.sportplatz einzig und allein in Betracht kommt, macht dem Verbände, wie immer so auch diesmal, wegen - der Uebcrlaffnng Schwierigkeiten. Jüdischer Sportklub Hechawer. DaS Training der Fußballer sindet nicht wie gemeldet Mittwoch nutz Freitag, sondern jeden Montag ab Uhr auf dem Hakoahplatze m Floridsdorf statt. LLnderwettkampf Frankreich—Belgien. In der Vorwoche fand seit Kriegsau-.^euch der erste Wettkampf der Auswahlmannschaften von Frankreich und Belgien in Vriissel statt. Das Sviel endete 2:2, nachdem die Belgier der Halbzeit mit 1:0 in der Führung gewesen waren. Fürst Otto Windischgrätz hat ans seine Ehcenprastdentenstelle. im Zentralverbande fift gemeinsame Sportinteressen verzichtet. Ec begründet sein Vorgehen damit, daß er dem demokratischen Zuge der Zeit Rechnung trage. Die ungarische Polizei trägt sich mit der Absicht, in kürzester Zeit eme Nadsahrerabte»lung zu gründen,, deren Organisation der ungarische Radfahrecverband übernehmen soll. Das Flugzeug im Privathaus. Das Flugzeug als Verkehrsmittel des Privatmannes wird sich in kürzester Zett neben das Automobil stellen, denn seine Anschauung ist bereits jetzt nicht teuerer. Eme englische Flugzeugfabrck stellt zweisitzige M i'chmen zum Pre se von 7000 Mark her. Die Maschinen besitzen zwei gn'gepvlsterte Sitze und sind imstande, etwa 140 Kilometer in einer Stunde zuruck ulegen. Dieselbe Flntig richtet jetzt einen Flugreugverkehr mit zahlreichen Linien ein, die bis nach Amsterdam, Antwerpen, Chnstrania, Stockholm und Kopenhagen führen. Zahlreiche Geschäftsleute haben bereits diese Flngmaschine, du emen neuen Typ darstellt, für ihren Privatbedarf bestellt. . Ein Rekord im Schleifenfluye. Der französisch« Ffieger P e g o u d war der erste, der bei seinen „8-Flügen" ei» Stück der Flugbahn mit dem Köpft nach Mtcn zurücklegte. Seine. Leistung wurde damals von der ganzen Welt angestauut, doch allmlihl'ch verlor sie an Reiz, da sie von picken mit Erfolg nacktti-ahmt wurde. In der ckrtzten Zeit bat sich nun dre eigentümliche Rekordjägerei heranSgebckdet. die Anzahl der unmittelbar binceremMder zurttckgckegten . Schlecken immer. mehr zu verarößern. Momentan: hält ein amerikanrcher Fliegerlentncint mit 918 ,.8-Schlelfen", die er in 7 Minuten zurückgelegt hat, den Krriosen Rekord. Der Volkswirt. Der Papierstoffoktroi. Von Dr. Friedrich Fischl. Wie schon früher im Deutsch«« Reiche und in Ungarn, ist es nunmehr auch in Deutschösterreich den vereinigten Papiergarne und -gewebe erzeugenden Industrien, den Wall-, Baumwoll-, Leinen- und Flachsspinnereien und -Webereien gelungen, bei der Regierung eine Verordnung zu er^virken, welche es ihnen errnöglichen soll, durch das Verbot der Erzeugung gewisser Waren aus Faserstoffen jene ungeheuren Massen an Rohstoffen, Halb- und Ganzevezugnissen aus Papier, welche bis zum Kriegsschluß und wohl auch zum Teil nach demselben hergestellt waren und durch das jähe Abürechen der günstigen Kriegskonjunktur eine große Wertvermindorung erfahren hatten, durch Verarbeitung zu einer Reihe von Bedarfsgegenständen dem Ber» brauche und damit einer günstigen Verwertung zuzuführen. Die auf das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus dem Jahre 1917 gestützte Vollzugsanweisung des Staatsamtes für Uebergangswirtschaft vom 11. März 1919 und die vom gleichen Tage stammende Kundmachung derselben Amtsstelle befassen sich in ausführlicher Weise mit der Regelung dieser Frage. Dis Vollzügsanweisung spricht das Verbot der gewerbsmäßigen Verarbeitung von Wolle, Baumwolle, Kunstwolle, Kunstbaumwolle, Flachs, Jute und Ramie und der aus diesen Stoffen hergestellten Garne und Gespinste auf die in der Kundmachung näher bezeichneten Waren aus, von denen der Gesetzgeber meint, daß sie auch aus Ersatzstoffen, insbesondere Papiergarnen und -gewoben vorteilhaft hergestellt werden können. Während so im amtlichen Teile der „Wiener Zeitung" die gesetzlichen Normen dieser neuer: Wirt-. schastlich.n Re^ierungsmatznahmen kundgemacht werden, versucht ein im nichtamtlichen Teile des Amtsblattes veröffentlichter Kommentar, welcher die Stelle eines „Motivenüerichtes" vertritt, die scharfen Gegensätze, die in der Auffassung über die Ersetzbarkeit und Verwendbarkeit der Faserstöffe durch Erzeugnisse aus Papier und die im Gebrauche gemachten praktischen Erfahrungen zwischen der Industrie und der Veröraucherschaft bestehen, notdürftig zu überlrücken. Die Regierung behauptet auf der einen Seite, baß durch den Kriegsschluß große Bestände an Spinnpapier, Papiergarnen und -geweben freigeworden sind und deutet -" wohl im Hinblick auf die zahllosen, zwischen den beteiligten Interessenten laufenden Zivilrechtsstreite — darauf hin. daß diese riesigen Gütermengen dem Volksvermögen nicht verloren gehen büVfcn, gibt aber andererseits zu, daß in der Bevölkerung großes Mißtrauen gegen Papier stoffe besonders in jenen Fällen herrscht, wo es sich um Bekleidungsstoffe handelt oder urn Gegenstände, welche dem Einflüsse des Wetters ausgesetzt sind oder, wie Leibwäsche, öfter gewaschen werden müssen, und tröstet die Verbraucher mit der Versicherung, daß Papier nur so lange als Faserstoffersatz gebraucht werden wird, bis es durch die echten Rohstoffs wieder ersetzt werden, kann. Sehen wir uns nun die Liste der 41 Warengruvpen an. welche im Kataloge der Kundmachung aufgezählt werden. Wir finden da Matratzenstoffe, Strohsäcke, Fensterpolster, Tapeziererstoffe, Wand- und Tischbespannungen, Polsterungen für Eisenbahnen und Möbel, Bezüge für Feldsessel und Lehnstühle, Tischtücher, Läu er, Tep; ichsioffe, Kofserfutler.Taschnerwa'.en, Rucksackstoffe, Wagendecken und Plachen. Kunstleder, Wachstuch. Ljnoleum. Betteinlagen. Hausschuhe,Schuhschnüre, Buchbinderstoffe, Vorhangstoffe, Steiflehreü> Leichenkleider, Arbeitschürzen, Krügen und Mrnchetten, Bindfaden, Seile und' Seilerwaren, Gurten, Berpackungsstoffe, Bänder, Isolierstoffe usw. i Mag man nun auch den Standpunkt der Regierung billigen, welche die Vernichtung vier znmindestenS Verschleuderung so riesiger Mengen von Rohstoffen hintanhalten will, obivohl die Frage ofsen geha.te l werden muß, warum die Papierstoffe nicht als Kompensationsgegenstände für don in abfehba'e - Zeit wieder aufzunehmenden Handelsver.ehr mit dem ihrer bedürfenden», weil kulturell minder anspruchsvollen Balkan zurückbehalten werden, so zeigt sich doch bet Betrachtung dieser Warenliste, welche im allgemeinen mit der vielseitig angefochtenen der gleichartigen reichsdeutschen Verordnung inhaltsgleich ist, daß die Zahl der emer raschen Abnützung unterliegenden Gegenstände aus Papierstoffen,- zu deren Gebrairch nunn.esr gerade die ärmeren Volksschichten durch eine lange Reihe von Jahren gezivungen sein werten, im Hinblicke auf dis Tendenz, die Kriegswirtschaft in tunlichst kurzer Zeit abzubauen, eine viel zu große ist. Und auch, was ihre Auslvahl betrifft, sieht man auf den ersten Blick, daß unser Staatsamt für Uebergangswirtschaft nicht, wie es eine derart tief in die Wirtschaft der Berbrauchevschaft einschneidende Maßnahme e-fordert hätte, alle beteiligten Kreise, Erzeuger, Händler und Verbraucher, sondern bloß die Vertreter ter beteiligten Industriezweige zur Beratung heran^e ogen hat. Man kann »ugeben, daß es berech igt ist, die Erzeugung von Leichenkleidern aus Fa'e'stoffen zu verbieten, man kann sich damit befreunden, daß ge vtsse Luxusgegonständc, wie Fenste.'Polster und Wairbbespännungen» Kofferfütter unb Wüggo«Polsterungen aus Er-