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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-18 · Heft 59 (18.3.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 59 (18.3.1919)
Date
1919-03-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 59 Wien. DMsttrtz Wiener Morgenzeit: ».mg 18. März 1919 Seite 3 "' PlenarsttzMg ^tes' MVischeN RMoMkrÄes'. Oebatte über das UnLerrichLsprögramw. — Dr. Brande über das jüdische Schulwerk in Polen.! Von unserem ParlamentsbeLtchterjtatter. < - \ Die sonntägige Plenarsitzung des Jüdischen Na- Lsvtmlrates für Deutschösterreich hatte sich mit iirr Schaffung eines Un terrich t s amt e s für iüdiHe Erziehung:zu befassen. Die Frage des jüdischen rlntzep- Ächtes wird angesichts des völligen Debaelcs des' söge- - nannten jüdischen Religionsunterrichtes und der geradezu verbrecherischen pflichtwidrigen - Vernachlässig. tzimg des jüdischen Erziehungswesens durch die 'AülMhemeinde immer drängender und akuter.'Daher ist. es sehr zu begrüßen, daß sich der Nationalrat, dersich demnächst in eine frei und demokratisch gewählte Volkspertretung unrwandeln wird,, dieser Sache anzunehnren «gewillt ist und die Oeffentlichkeit kann' nur hoffen, bald Taten zu sehen.--Sine aüßMrhetttüch^'-'BeWM^.' r'ung erfuhr die Debatte durch die Teilnahme Doktor Markus Brandes, der.auf der Durchreise aus Polest nach Zürich' sich in Wien aufhielt. Brande, hen Antze- Ktzpigen der zionistischen Bewegmtg ein alter PekannterH ist Gründer und Direktor des jüdischen Ghmuasiuists in, Lodz nüh hat aus seinen Erfahrungen wertvolle Dinzelheitey mitgeteilt. -Der Vorschlag eines Zusammchtarbeitens ' ist jedenfalls erwägenswert. Die Beratung:; Mm diesmal zu keinem Abschluß. De^ Nationalrat beschloß, die Vorarbeiten für hie Wählen für den definitiven Nationalratsofort .einzuleiten. Von den Berichten der Ressorts verdient hie; Beamtensektion besondere. Erwähnung, die gut : A..arbeiten begonnen hat. Der. Bericht-über .die MW-' . 'W-r des ' Amtes für soziale Fürsorge konnte 'infolge Zeitmangels.diesmal nicht entgegengenvmmen werden.. \ Nachstehend der Sitzungsbericht: * ' Sömüäg Iß. MärK ..^ ... Hut S/410 Uhr eröfftiet der Vorsitzende Adolf Böhm hie Versammlung und gedenkt in herzlichen Worten des kürzlich verstorbenen Dr. Max Rosenfeld. Sodann, gedenkt ,er des großen jüdischnationalen .Erfolges in- Deutschösterreich, der. Wahl des Präsidenten des Nationalrates Staatsbahnrates Stricker in oie Konstituante. Er begrüßt Stricker als Ver- - sechter der gerechten und berechtigten Forderungen des Juden- , iums aufs herzlichste^ ^öeifall.) Sodann wird in die Tagesordnung eingegangen. Der Bericht des PrSstdiuMS. Böhm berichtet über die Tätigkeit de? Präsidiums. M der letzten Sitzung und bemerkt, daß infolge, Schwierigreiten technischer Natur die Plenarsitzung.erst heute zusammen-» treten konüte. Durch die, Begründung einer Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ost g alizien in Wien sei der Nationalrat' wesentlich entlastet worden, andererseits sei diese Gründung der gemeinsamen Arbeit außerordentlich förderlich. Es finden häufig. gemeinsame Beratungen'statt und ein Teil des Bureaus wurde dem ostgalizischest Nationalrat zur Verfügung gestellt. Redner erwähnt dann die einzelnen verheißungsvollen Aktionen der pstgälizrschen Delegation, bei welchen wir tatkräftig sekundieren. . Sodann berichtet Redner über die Abfertigung der Dele- . gation des Nationalrates in die Schweiz. Auch die Delegierten aus den verschiedenen Ländern, des Ostens seien meist. über Wien gefahren, wodstrch sich' Gelegenheit zur Ausspräche , ergab. Der Nationalrat war eingehend mit.' der Ausarbeitung der Exposees für die Auslandsdelegation beschäftigt. Die spärlichen Berichte aus. dem Ausland lassen gegenwärtig sticht ganz deutlich erkennen, wann und wo der Nationalkongreß abgehalten wird. Nach den letzten Mitteilungen sollte die Vorkonferenz.in Paris am 15. März begjnnen. Doch sind Schwierigkeiten verkehrstechnischer Natur?;n überwinden, da Delegierte aus der ganzen Welt erwartet werden. Die galizischen Delegierten Dr. Ringel und Dr. Reich seien jedenfalls bereits nach Paris abgeverst, Sodann schildert Redner die Situation in der Wiener Kultus gemeinde, i de'r gegenüber der Nationalrat seine Forderungen in vollem Umfang aufrechterhalten muß. Der gegenwärtige Kultusvorstand hat leider kein Verständnis Und kein Entgegenkommen bewiesen und den Vertrag vom 5. November ge- / br'öchen. Der Jüdische Nationalrat kann von seinen Forde-- rimsten nicht abgehen, weil in ihnen das Minimum eines demokratischen Programms zusammengefaßt ist, und durch - das gegenwärtige Regime im Kultusvorstand die' zahlreichen snv das Judentum eminent wichtigen Institutionen zugrunde gerichtet und die zahlreichen Möglichkeiten fruchtbarer Arbeit -versäumt werden. Sodann berichtet Redner über die Unter--, stützung, welche der Nationalrat den g a l i z i sch e n S.t.ü-. denten im Kampf um ihr Recht an der Hochschule, zuteil. Wörden ließ. Bezüglich der Verwendung der Pogromgelder, und der amerikanischen Hilfsgelder wurde mit der. „Israelit i s ch e n A l li an z" ein Uebereinkommen getroffen und eüt gemeinsames Hilfskomitee: eingesetzt, das zu gleichen Teilest vast .der Allianz, und von uns beschickt ist/und in dessen Präsidium wir vertreten sind. Unsere Vertreter , werden dahin Wirken, daß die Verwendung der Gelder im produktiven Sinst. und-in der Richtung eines gesunden sozialen Aufbaues ge-' leitest werde. Das Bureau des Nationälrats ist damit H«- schaftigt, einen Kataster der gesamten Judenschaft Deutsch- ...WrreichS anzulegen. Redner berichtet kurz über die finast- . ztdllen Verhältnisse mrd stellt ein ausführliches. Finanzreferyst fstr eine der nächstert Sitzungen in Aussicht. Redner berichM/ feiner 'kurz ülstr die Tätigkeit' der verschiedenen Sektiostest/ Welche noch Sonderberichte vorlegen werden. ' Von best. Gründung des Palästina Nantes wurde.derzeit abgesehLst/ rvstil die zionistische Partei ein solches. gegründet hat. Erfo.lg-- rxlchhat die Beamtensektion gewirkt und viM verheißende, Anfänge hat das. s oziale ^O rganisati o.n 's- ' stmt aufzuweisen. Das zu schassende Untetrich t s aipt.. wird heute sein Referat vorlegen. , ' Der Bericht der Beamtensektlon. Dr. Glücklich erstattet den Bericht der Beamtenselliost, Sie. hatin vielen Fällerr, wo jüdische Staatsbeirulte und; Bebienstete. durch willkürliches Vorgehen von. Vorgesetzten mit 'Esttlas.üng bedroht waren, durchihre Intervention dein Unrecht vpxgebeugt, oft auch für Wiedergutmachung gesorgt. Leidest herrschen an vielen amtlichen Stellen noch immer die bedauer- ' lichen Ustklarheiten, die schon wiederholt durch die- Entschtzidung ddx obersten Behörde geklärt waren. Wir habest „och einige Fälle anhängig, die noch nicht, entschieden find. Der Umstünd, daß jetzt eine definitive Negierung in Deutsch« pstörreich eingesetzt ist, -läßt uns, erwarten, daß -jetzt stle LeftztW.'ichtyoytdsrei'-'-'HllWst wird/' Wk -sM 'KtzxA-'. nur dann in der Lage, etwas durchzn setzen, wenn wir esue Organisation haben. Daher wurde die Organisation .der jüdischen Staatsbeamten und.Ataatsb e d i e u ftc t e u geschaffen. Als Organisation sind wir auch zur Enquete iiber die Staatsbeamtenfrage eingeladen worden. ES ist zu erwarten, daß dort auch die Frage der nichtstaatlichen Beamten, vor allem die der Aerzte, erörtert werden wird, welche in letzter Zeit mit Schwierigkeiten zn kämpfen hatten. Die Ratkonalratswahlen. Dr. Sprecher spricht hierauf über das Waylstatut für den definitiven Irischen Nationalrat. Es soll jedem Inden .und jeder Jüdin, die daS 20.. Lehensjahr int Jahre 1919 vollettden, das Wahlrecht ^erkannt lverden. Von jeder einschränkenden Bedingung tvnrde abgesehen und ttnr das Bekenntnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk gefordert. Ganz Deutschösterreich soll ein emheitlicher Wahlkreis sein. Die Liste könne jeder nach eigenem Ermessen zusannnenstellen und' eine Koppelung soll nicht stattsinden, so daß die Diktatur einer Partei ausgeschlossen ist. Dem Nationalrat' bleibt Vorbehalten, zu bestimmen, zu welchem. Zeitpunkt die Wahlen vorgenommen werden sollen, ebenso die Zahl der zu wählenden Mitglieder. Es wurde vorgesehen, daß etwa ans 200 Mitglieder ein Mandat entfallen soll/ - Hierauf wird die Debatte eröffnet.. -/;. Dr. Arthur Rosenberg (Graz) verlangt sofortige Inangriffnahme und Ausschreibung..der Wahlen. Er . richtet sodann Angriffe gegen die Geschäftsführung des Präsidiums, ivelches die Mitglieder nicht genügend informiere, ustd beklagt sich über mangelnde Zuvorkommenheit seitens-der- Beamten der Bureaus. . - . - / .. ' . Abgeordneter Stricker erwidert öcm Vorredner und entkräftet seine Vorhalte. Bezüglich der Ausschreibung.' der Wahlen sei er der Ansicht, daß die Vorarbeiten hiefür sofort einznleitetl sind, insbesondere ist mit der . Anlage-eines Wählerkatasters zu beginnen.- Erst bis diese Arbeiten vorgeschritten i sind, werde man sich über die näheren Mödalitätetr der Wahlen entscheiden können. - Ueber Antrag des Dozent Dr. Torczyner wirb beschlossen,-die Debatte zu unterbrechen und zunächst das. Referat über die Erziehungsfrage entgegenzunehmen-. Der Vorsitzende begrüßt herzlich die als Gäste erschienenen Herren Abg. Dr. Thstn lKrakau) sind Dir. Dst. Brande (Lodz). Das Unterrichtsreferat. Prof. Dr. Geig er erörtert zunächst die Wichtigkeit der Erzlehungsaufgaben, denen das neue Organisationsamt dienen soll. Er charakterisiert zusammenfasfend die: Mißstände im heutigen jüdischen Unterricht und stellt.fest, daß die jüdische Jugend ohne jede Kenntnis des Judentums/aufwächst, da auch das Haus keinen Ersatz biete. Ueber die Schwierigkeiten der Gründung jüdischer Schulen dürfen wir uns tticht täuschen. Trotzdem müssen wir mit den Arbeiten beginnen. Wir stellen uns vor, daß die jüdischen Schulen moderne. Musteranstalten sein müssen, in denen den jüdischen Fächern ein entsprechender Raum eingeräumt wird. Auch die höheren Lehranstalten sind ein dringendes Erfordernis, da gegenwärtig die jüdische Wissenschaft beinahe ausschließlich in den Händen von Nicht- :juden liegt. Redner begründet dann dis folgenden von ihtn dem Nationalrat vorgelegten Leitsätze: A. Aufgaben des Unterrichtsamtcs. * L Schaffung der öffentlichen und' -aus öffentlichen ' Mitteln zu erhaltenden national-jüdischen Schule, in der die jüdischen Fächer (hebräische Sprache und Literatur, jüdische Geschichte) in möglichst weitem Ausmaß gelehrt werden. -> - - Zu den dringendsten Vorarbeiten gehören: 1. Sammlung des statistischen Materials. ' 2. Ausarbeitung'der Lehrpläne, insbesondere für die jüdischen Gegenstände. 3. Heranbildung eines tüchtigen jüdischen Lehrermaterials (Lehrerbildungsanstalten; pädagogische Kurse),- 4. Abfassung von Lehrbüchern für die jüdische Volks-Mittelschule (Ausschreibutlg von Preisen). 5. Propaganda für das jüdische Schnitterk (Vorträge; Aufllärungs- und Werbeschriften). II. Reform und Ausgestaltung der vorhandenen jüdi- ' fthen Schulen (Refortir des Religionsunterrichtes; Umwandlung der „Jttd. theologischett Lehranstalt" in Wien in eine Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. (Stipendien für Hörer und Ansbildungssttpendien für Absolventen der Anstalt.) UI. Veranstaltung votl volkstümlichen Vorträgen und Kursen über hebräische Sprache und ' Literatur, jüdische- Geschichte, Palästinakunde, jüdische Religion, jüdisches Recht, jüdische Kunst. . . IV. Förderung von Arbeiten «uf dem Gebiet der jüdischen Wissenschaft mrd Jugenderziehmtg (Beiträge zu den Druckkosten iverwoller wissenschaftlicher Arbeiten und Jugendschriften; Znsatmnenstellung einer Liste boN Äissertätionsthemen). V. Einrichtung vo« Volks- und Jugendbchliotheken. Einflußnahme auf-die Ausgestaltung der Bibliothek der Kultusgemeinde (Aetlderung der die Bertützung erschwerenden ,Mbliotheksordnung"). 'Schaffung eines Zentralkataloges aller in öffentlichen Bibliotheken vorhandenen jüdischen Bücher. s B. Einrichtung des UirterrichtsamteS. Das Urtterrichtsamt setzt sich aus einem Leiter und eitlem Beirat zusammen, der aus Mitgliedern des Nationalrates, Vertreter»! der jüdischetr Wissenschaft und erfahrenen Schulmännern bestehen soll. . ' Der Vorsitzende eröffnet die Debatte über das Unterrichtsreferat. Dr. Ludwig Werner hat im Auftrag des am Erscheinen verhinderten Nationalratsmitgliedes Moritz Müller, des Obmanits des Döblinger Tempelvereins, mitzuteilen, daß die Tetnpelvereme in ihrem Kultusgemeindeprogramm beschlossen haben, daß sakultattv jüdische Volks-, Bürger- und Mittelschulen geschaffen werdett sollen. Daraus geht hervor, daß die Schaffung der jüdischen Schule eilt allgemeines Bedürfnis sei, tticht nur iit national gesinnten Kreisen. Er schlägt daher vor, sofort mit der Gründung privater und Bereinsschnlen zu beginnen. Wenn private Gruppen in den einzelnen Bezirken eine genügende Anzahl von Interessenten eufbringen, so soll diesen Grupperr jede Art Unterstützung gewährt werden. Zunächst wäre die Errichtung im 2. und 20. Bezirk zu betreiben. MoseS Rath vermißt m dem Referat konkretere Vorschläge für soforttge Arbeit. Er fordert vor allem die Gründung hebräischer Kindergärten, die dann daS Schülerinaterial für Volksschulen und Mittelschulen bilden können.' Die Sprachenfrage wird bei uns keinen Streitpunkt bilden . können wie im Osten, da Redner jiddische Schulen in Deutschösterreich für unmöglich hält.. Es. kommt sonach nur der all- Astßbau, eines, hebräischen S,cMwrsens. in Betracht. Hierüber ii:ög>» tm* Unterrichtsamt bei nächster Gelegenheit 1 ein datailtiertev Progranntt vorlegeu. . --'Nx- /'Hierauf ergreift das SSovt der als Gast anwesende:: Dr. Marius Brande, Direktor des jüdischen GhnmastuM M .. Lodz. Tr. Brande führt ungefähr folgendes ans: Die Rede Dr. Braudes. Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen etwas von meinen; Erfahrungen mitzuteiten« davon werden Ihre Fragen wenn! nicht die Löstlng, doch eine Förderung -erfahren. Vor allenrz »miß matt ans den! Gebiet praktischer Schulbildung das ganzes Problem der Sprachen frage aus sch alten,. Das;« Leben selbst »vird zeigen, welcher Typus der jüdischen Volks-- - schule sich erhalten kann und ich will hier nur von »neinett Erfahrungen sprechen. Die Lodzer Schule ist eine Mitlel--. schule, welche ansgcbaut ist auf dem Prinzip der polnischen: - Unterrichtssprache in den allgemeinen und der hebräische«.^ Unterrichtssprache in. den jndaistischen Fächern. Dieser Begriff.' itnisaßt Religionsgeschichte, hebräische Sprache und '-Literatur,. .. Bibel, eventuell etwas Taltnud, jüdische Literatur des Mittels alters. Für diese Gegenstände haben wir prinzipiell von' der utrterstet! Klassedie hebräische U nt e.tt ich t s-'' spräche angesetzt. Praktisch hat sich gezeigt, daß ein solcher/ Schultypus sich als am ehesten durchführbar bewährt hat., Die Lodzer 5kitabenschule, die ursprünglich nur bis zur zwetteni, Klasse ging, geht yettte bis zur achten Klasse. Wir haben heute 17 Klassen (inklusive der Parallelklassen) und' 631 Schüler; die Mädchenschule, welche vor zwei Jahren!' gcgrmtdet wurde, hat heute fünf Klassen und nahezu 300 Schülerinnen. Das gesamte . Budget. beider. Schulen:' beträgt eine halbe Million Mark, welche Summe, ans,herü eigenen Einnahmen der Schule gedeckt wird.' Die Sub-' veutiau des Lodzer Magistrates im Betrage von 10.000'Mark ' könnten »iiir beinahe entbehren, da. die Lodzer Eltern die. Schulen aus eigenen. Mitteln erhalten. Das Schulgeld für« - -die Knaben beginnt mit '500 Mark und steigt in den oberstem Klassen bis auf 760 Mark, in der Mädchenschule ist öä^ Schulgeld etwas niedriger und trotzdem sind die Klasserr' ' überfüllt. Aehltlich geht es in den Schulen im. ganKW Königreich Polen. Im Laufe der letzten zwei Jahre, sind', über- 11 solcher Gymnasien entstanden nach Lodzer Muster.-. Alle diese' Schulen sind' heute finanziell.vollskattdig gesichert, ' einfache aus dem Schulgeld der Schüler. Jeden Mouat kommetti' Leuteaus der Provinz. mit Vorschlägen, . um Schulen zü'1 / gründen, da Geld, Schüler, hebräische-Lehrer und MateriaL vorhäuben. ist. Ich führe dies nur an,, ütst zu zeigen, haßb. sich. dieser Schultypus bewährt hat. Schüler der ' achteÄ.' Klass< sprechen heute vollständig frei hebräisch, siüd . tu'dW Literatur (im Rahmen der Mittelschule) zienilich bewänbert, kennen'. dir.' Bibel,- .wissen etwas vom Talmud, und lernte» bid jüdische Geschichte. „ . ,! In Lodz ist auch eine Mittelschule mit hebräischer Untev»?'.' richtssprache (die Schule „Jabue"), welche nicht von mir ge«- ' gründet wurde, ins Leben gerufen worden, und die erster Versuch dieser- Art sehr wertvoll ist, und sich als; Versuch nach der prinzipiellen Seite bewährt'hat. In ihreW Verhältnis zu der Bevölkerung hat sie sich hingegen nicht" bewährt. Während nach unserem Gymnasiunr trotz der hohen. Schulgelder immerwährend Andrang herrscht, und die Leute-, ^auch.bereit sind, .hohe Schulgelder zu bezahlen, vollizeht .sich'^ leider eine Differenzierung des Schülermatertals, indem die! tvohlhabenden Schüler zu uns, die minderbemittelten wegetti' Mangel an Mitteln in die hebräische Schule gehen'. Wirz sind an der Weitererhaltung dieser einen hebräischen Schule! sehr interessiert, damit wir im polnischen Lande zum erstenmal', die prinzipielle Forderung des gesamten Mittelschulunterrichtes: in hebräischer Sprache erfüllen, den Aufbau eines solchen Lehrsystems vervollkommnen und die innere Berechtigung eines« solchen Typus vor uns selbsterweisen; eine solche Schule, kann'.sich jedoch nur in einem Land mit großer jüdischer! Bevölkerung durchsetzen. Für die Wiener Verhältnisse ist' nur. .der'Lodzer' Typus möglich. Die' Schüler, die aus" höheren Klassen anderer Schulen zu uns kommen, können wir ' bei uns nicht aufnehmen, da sie nicht genug Hebräisch können'.' Infolge verschiedener Vorkommnisse au anderen Schulen kommen die Schüler gruppenweise 40 bis 59 zusammen, mit.den Eltern zu uns und bitten um Aufnahme, machen Vorschläge, zur Errichtung von Parallelschulen, doch haben wir uns demgegenüber prinzipiell ablehnend verhalten, weil, .wir fürchte«, überflutet zu werden mit nicht genügend vorbereitetem- Material. ■ Sie müssen vor allem bestrebt sein, daß die ersten Schulen, die Sie gründen, Must er sch ulen sind. .Muster- - schulen fordern sehr viel Geld. Wir geben jährlich viele:: Tausende ans für Beschaffung von Lehrmitteln; wir habenalle , modernsten Schulbehelfe, komplett eingerichtetes physikalisches Kabinett, Lichtbilder usw. Wir unterlassen nichts/, um die Schule auf der Höhe zu erhalten, damit wir ja,, nie den. Vorwurf zu hören bekommen, die Schule sei nichts'/ wert." Daher kostet die Schule auch Geld und es ist natürlich^ sehr. traurig, daß wir heute nicht die Möglichkeit haben,! unsere ersten Schulen der minderbemittelten Bevöllerung zugänglich zn machen. Die Kosten der Musterschnlen. müssest 'zuerst wohlhabende Eltern tragen. Ich bin überzeugt,/daß, wenn wir für unsere. Schulen jetzt die Anerkennung ' : Staates erkämpft haben werden, auch unsere KtcktusgememLe nachhinken und uns Subventionen geben wird. (Unsere Schule' hat übrigens jährlich den.Betrag von 40.000 Mark ausgesetzt, t um auch einer Anzahl ärmeren begabten Schillerst den Eintritt zn erleichtem oder zu ermöglichen, auch hierftiv.^ tvird seitens des Elternkomitees gesorgt, welches auch seinerseits zn diesem Zweck Gelder ausbringt.) .Auch Sie müssen!' priuzipiellKdaraus bedacht sein, zwei bis drei gute Schuftw zu. haben, welche öffentlich als der richtige, notwendige Typus!. der jüdischen Schule anerkannt sind, und dann wird äüch!' die Kultus gemeinde und die breite Oeffentlichkeit zu Jhnetr kommen «rüssen, bann wird auch der Staat dazu gelangest tnüssen, diese Schulen itt seine Verwaltung zu übernehmest oder in ausreichendem Maß zu subventionieren.' Eine andere Takttk können Sie nicht einhalten, doch kann ich auf ttähertz DetaiN hier nicht eingehen. " Weitere Schwierigkeiten bilden der M.a«gel an- "Lehrbüchern und die ungenügende Anzahl voni Lehrkräften. Wir reißen einander die besseren . Lehret sozusagen aus der Hand, es ist geradezu ein Kettenhandöb in dieser Beziehmig eingerissen. (Heiterkeit.) Man zahlsteinem - besseren hebräischen Lehrer (ohne akademische Bildung)) in Lodz 10 Mark Per Stunde, das ist aber nur ein besserest- Volksschullehrer, ein Lehrer der obere»! Klassen' mit akademischer Bildung bekomntt 20 bis 25 Mark die Stunde-.»' Wir stehen vor der Gründung eines Lehrersemi^iars,; die Konzession habe ich schon voriges Jahr gehabt, auch .'basjerforderliche Geld sowie Lokalitäten , sind vorhmtden; ichp konnte das Senlinar bisher nicht eröffnen, weil ich keuienr richtigen Leiter hatte, ich hoffe, daß es dieses Jahr gelingen; wird, . die Schule zn eröffnen. Wir haben in Lodz euv besonderes Antt zur Herstellung von. Lehrbüchern, haben hierzu.' einen eigenen Fonds. Dr. Sitnechoni schreibt gegenwärtig ein Buch über jüdische Geschichte. Den Unterricht in. Vielem Fächern müssen wir nach Skripten vornehmen; es werdettz die Vorträge litographisch vervielfältigt und unter die Schütest verteilt. Damit nicht die Kräfte zersplittert werden, könntest wir mit Ihnen gemeinsam ein Antt gründen, um eine. ÄrbeiA^ Leitung vorzunehmen, zum Beispiel bei AuKarlyLtuna der! Lehrpläne tnid .Verfassung von Lehrbüchern^ " c

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