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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-16 · Heft 57 (16.3.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 57 (16.3.1919)
Date
1919-03-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sit. 57 Wien, Sontttag , _Wiener Morgenzeitung 16. März 1919 Seite S Bei den Verhandlungen über den Völkerbund entrollte Herr Locker 'mit ' außerordinlilicher Klarheit das jüdische Problem. Mit dem Hinweis darauf, daß nur durch Erteilung voller -nationale r Rechte dies so komplizierte Problem gelöst werde,t kann, begründete er unsere Forderntngen in den Golusländern. Mit flammenden Worten protestierte er gegen die polnischen Pogromhetzer sowie gegen das Verhalten der Mehrheit der polnischen Sozialisten den Pogromen gegenüber. Dies erste Auftreten vor der Internationale machte auf der ganzen Konferenz einen außerf ordentlich starken Eindruck. Selten hörte man während der ganzen Konferenz einer Rede mit so gespannter Aufmerksamkeit zu, wie der des Herrn Locker. Von allen führenden Sozialisten, mit, denen man nach dieser Rede sprach, hörte man die vollständige. Zustimmung zu unseren F.ordernngen. Aber nicht «rr dies. Bald »ach dem erste« Auftreten des Herr« Locker scharten sich um unsere Delegation die Vertreter der Minderheitsvölker, die der Finnen, Georgier und Armenier. Zusammen mit der armenischen Delegation brachte dann nnser Herr Rudolf Lohn (Prag) eine Resolution ein, in der die.Bildung eines internationalen Gerichtshofes Le!« Völkerbund znm Schutz der kleinen Rationen gegen Unterdrückung und Verfolgung verlangt wurden Der Antrag wurde als Zusatzantrag zu dem des Del. Huysman angenommen. Während der ganzen Zeit der Beratungen unterhielten die Vertreter der kleinen Nationen sehr warme und herzliche Beziehungen zu uns. Auch die französische, englische, schwedische, dänische und die Mehrheit der deutschen Delegation haben sich in privaten , Gesprächen ganz für unsere Forderungen ausgesprochen. Die warme Rede des Herrn Aonguet gegen die Judenverfolgungen in Rumänien war der beste Beweis dafür, wie nahe die jüdischen Interessen dem Führer der linken französische» Sozialisten sind. Auch Del. Mistral, der Referent der Resolutionskommifsüm, erklärte in seinem Referat ganz klar, daß die gesamte Kommission mit de« Forderungen des jüdischen Volkes, wie sie von der Poale-Zion formuliert werden, einverstanden ist. Niemand wagte ein Wort dagegen zu sagen, daß das jüdische Volk zusammen mit den anderen Völkern in den Völkerbund ausgenommen werde. Herr Zocker sprach ein Zweites Mal bei dem Punkt „Territoriale Fragen" und begründete ausführlich unser Recht auf Pa lästina, so, daß es für die ganze Konferenz klar wurde, daß unsere Palästinaforderung keinesfalls mit den imperialistische» Forderungen anderer Völker zu vergleichen ist, daß es hier darum geht, eine Heimstätte für das ewig wandernde mtü arbeitsuchende jüdische Volk zu schaffen, irnd daß dadurch keineswegs irgendwer in seinen Achten beeinträchtigt wird, sondern daß hier ein altes Unrecht gqt zu machen ist und ein bisher wüster und unbebauter Erdenwinkel kultiviert tverden soll. Diese unsere Forderung wurde von der ganzen Konferenz, außer de» Vertreter« des „Bund" (über die wir noch später sprechen werde») richtig verstanden, mrd niemand wagte, sich diesen berechtigten Forderungen entgegenzustellen. Die Poale-Zion-Delegaticm nahm noch zu. zwei Fragen Stellung, die in der nächsten Zeit im Leben des jüdischen Volkes und besonders beim jüdischen Proletariat eine bedeutende Rotte spielen werden. Bei der erstem Gelegenheit vach dem Krieg wirb bestimmt eure ungeheure Einigration ans den Ländern, wo die Juden in größeren Massen leben, einsetze». Schon jetzt ist es klar, daß Palästina nicht in der Lage sein wird, dies« ungeheuer große Menge von Emigranten aufzunehnren, und daß Amerika, England und die anderen Emigrationsländer nach wie vor einen großen Teil der jüdischen emigrierenden Masse anziehen werden. Und gerade in diesen Ländern der jüdischen Einwanderung wird die reaktionäre Bewegung der 'Einwanderungssperre mit jedem Tag stärker. Bei dem Punkte Emigrationsgesetze verweltabgewandt, nie resigniert-weltgewandt. Auch hier also ei» Sprung. Oder sollte Wassermann durch die mißverstandene Dostojewski-Gestalt des „Idioten" Myschkin zu dieser verkleinernden Zeichnung feines Helden verführt worden sein? Warum ist dann solch ein Christian im ersten Teil des Werkes der Abgott der Menschen nach Art des genießerischen Relativisten Crammon — nebenbei bemerkt der einzigen Figur des Romans, die schärfer, mit einer gewisse» behagliche« Schärfe konturiert ist? Christian geht den Weg Zum Leid. Er nimmt ente schwangere litauische Dime zu sich, Karen Engelschall, die bei ihm stirbt. Dieser Teil des Werkes hat die eindringlichsten Szenen, die „Gespräche in der Nacht". Doch sie werden nicht lebendig; es fehlt ihnen am Mitleiden des Helden.- Christian gibt Karen in? ihr Ende eine kostbare einzigartige Perlenschnur, doch nichts von sich selbst. Er gibt ihr und den vielen, die er auf dem Elendwege trifft, ein Lächeln. Lächeln der Verlegenheit. Und quälendes Fragen: „Wie ist dies und wie war das?" Warum, wozu die Fragen? Um zu wissen? Wer bas Leid der Welt fühlt, fragt nicht/ braucht nicht wissen. / Christians nächste Station auf dem Weg «ach Golgatha: daß Jndenmädchen Ruth, nach der das zweite Buch des Romans benannt ist. Ansätze, bloße Ansätze! Ruth trägt als leichte Bürde auf anmutigen Schultern das Heid dex AuSgestoßenen. Christian sucht den Weg mit ihr, Doch.Ruth M.'e ' i d-4 Bruders Karens. des /'Verbrechers und Mörders. Eine schattenhafte Episode bleibt das Begegnen mit Ruth, tausend deutenden Möglichkeiten offen. Wollte Wassermann andeuten, daß die Seele des Inden W. was .die des Deutschen sucht? Dann hat er aus Schwächender sich selbst fremden Seele zu schemenhaft gestaltet ober — eS hgt ihm an Mut gefehlt. Das war es wohl. Und Christian, d-r Erlöser, bisher llein, wird noch kleiner, d.a er nicht «rtzS Eigenem das Bewußtsein seiner Sendung empfindet, lrrMrn stets erL durch. Begehe«: nut Decker, mit Karen, s langte . daher Herr Chasanowic-,, daß, die K o n-! trolle über die Elin igrationSgesetze v o iit Völkerbund ausgeüb t werde. Dadurch soll verhütet tverden, daß irgendwelchen reaktionären Tendenzen. zuliebe es der wandernden jüdischen Masse unmöglich gemacht werde, Lebens- und Arbeitsmöglichkeit zu finden. Ein zweites Mal nahmen tvir Stellung bei den Verhandlungen über den wöchentlichen Ruhetag und forderten, daß dort, wo in den Arbeiterschutzgesehen die Sonntagsruhe verlangt wird, jenen Völkern, die den Sonntag nicht feiern, (Mohammedaner, Juden), das Recht gegeben werde, an einein anderen Tage der Woche git ruhen. .Herr Chasanowicz wies bei dieser Gelegenheit nach, daß die Frage beS Ruhetages von den Antisemiten in Polen als Kampfmittel gegen die Juden verwendet werde. Sowohl in der ^migrationsfrage als auch in der Frage des Ruhetages wurden unsere Forderungen angenommen. Zu wiederholten Zusammenstößen kam eS zwischen unserer Delegation und den Vertretern des „Bund". Bald nach dem ersten Auftreten des Herrn. Locker gab der ,Bund" eine Erklärung ab, in der er in altgewohnter Weise an dem Problem vorbeiredet und die Lösung der Judenfrage nur von der Berwirllichung des Sozialismus abhängig macht. Diese Erllärung machte auf der Konferenz keinerlei Eindruck und wir hielten es für besser, auf dieselbe überhaupt nicht zu reagieren. Zeigte eS sich doch, daß die Bundisten weder ihren halbassimilatorischen Sozialismus vergessen können, noch ans der jüdischen Wirllichkeit irgendwelche Lehren gezogen haben. Ein zweites Mal kamen die Gegensätze zwischen unserer Delegation und dem „Bund" in der Frage des Ruhetages zur Geltung. Obzwar der ,^8unb" immer die Samstagruhe für die jüdischen Arbeiter in Osteuropa verlangt hat, hatte der bundistische Vertreter in Bern nicht den Mut (Feigheit ist überhaupt eine der bezeichnenden Eigenschaften des jetzigen ,^3und"; ein führender Genosse behauptet, daß die Bundisten auch nur aus Feigheit solch eingefleischte Menschewiki sind) oder die Ehrlichkeit, sich unserer Forderung anzuschließen. Am schändlichsten jedoch benahmen sich die Bundisten bei der ersten Sitzung der Permanenzkommission, als über die Resolutionen gegen die Pogrome verhandelt wurde. Unsere Resolution enthält einen Appell an die polnischen Sozialisten, sich der Pogromhetze im eigeiren Lande entgegenZnstellen. Obzwar wir genügend Beschuldignngsmaterial gegen die polnischen Sozialisten in der Pogronrfrage haben, hielten wir den Moment nicht für geeignet, um diese Frage vor das Forum der Konferenz zu bringen, hauptsächlich deshalb, weil die polnischen Sozialisten in Bern nicht anwesend waren. Aber schon der bloße Appell an die polnischen Sozialist^! erschien den Bundisten zuviel und sie sprachen sich gegen unsere Resolution aus. Es wäre für uns garnicht schwer gewesen, diesen halb assimilatorischen und kriecherischen Standpunkt des „Bund" in die richtige Beleuchtung zu setzen, allein aus taktischen Gründen entschlossen wir uns, eine Auseinandersetzung in Bern zu vermeiden. Wir versprachen der Internationale ein genaues und ausführliches Material über die polnischen Pogrome vorzulegen, und den Beweis für das nichtsozialistische Verhalten der Mehrheit der polnischen Sozialisten zu erbringen. Mit den Vertretern des ,Sund" jedoch werden wir vor der jüdischen Ocfsentlichkeit abrechnen. In Bern schenkte man den Bundisten sehr geringe Aufmerksamkeit. Unsere Delegation allein hatte in jeder jüdischen Frage den ganzen Einfluß auf die sozialistische Konferenz. Und unser Einfluß wird erst jetzt, je häufiger wir mit den Sozialisten der verschiedenen Völker zusammenkominen und je mehr wir Gelegenheit haben werden, ihnen unsere Forderungen Larzumachen, wachsen. Diese Tatsache ist von größter Bedeutung für die Realisierung des Auflebungsgedankens unseres Pottes. mit Ruth. Neuer Bruch der Linie ins Skeptische und Unzulängliche. Nur einmal ist Christian das Geschöpf seiner Sendung. Als er Ruth rächt und dem Bruder Karens das Geständnis abnimmt. Da nimmt er Niels Friedrich Engelschalls Schicksal auf sich als „Richter, der nicht verdammt. Dann taucht er ganz unter in die Welt der Elende«, verspottet und beneidet noch unter seinen Jüngern von dem „Judas" Amadeus Boß, dem Kindheitsgespielen, dem auftriebniedrigen Plebejer. Dies« Figur zeichnet Wassermann mit einer vordringlichen Didaktik^ die noch abstoßender ist als Boß selbst. Didaktik ersetzt nicht den Mangel an Ethos. Mangel an Ethos macht Christians Gestalt zum Schatten, der im Irgendwo verschwindet und eine leere Welt vo« Toten zurückläßt. Christus ist vom Kreuztod auferstanden; Myschkin hat den Weltwahnsinn des toten Freundes auf sich genommen. Christian geht in die Chinesenviertel. Ist das die Aufgabe, eines deutschen Erlösers? Wohl nur m der „Trägheit deS Herzens" des undeutschen BlutSfremdtz«. Hohn und Unwert dem Gedanken der Weltlösung, u«terzutauchen aus der Leere ins Leere. Mag die WeltlösÜU „ewiger Sabbat" sein, der Gottes Gericht aushebt, wie chassidische Mystik es deutet; sei sie Glück des reinen Schaffens oder einen der Menschheitswille, oder ein populäres „besseres Jenseits", nie ist sie Versinken. Stets Nnbcdingthcit, Glorjs. Die verlorene Glorie Gottes der Judensage, die der Mepfch wiederherstellt. Sie hat Wassermann nie verspürt, der Jupe, der nicht aus sich selbst, sondern aus der Skepsis Europas kommt. Darum ist sein Werk von der Lösung des Weltleids; sein Held, der das Schicksal der Welt erfüllend auf sich nehmen soll, ein Schemen. Und wo in diesem Werk Leben spürbar wird, kommt cs aus dem Schema. In der mit allen Wassern der Romanschilderuug gewaschenen Kaleidoskopik von hundert Figuren, die diesen Roman füllen, sind die einzigen greifbaren Wesen, die nicht beim. Arifcützn flnallenhast verschwinden, die typischen Die Friedenskonferenz. ,- "i.’•<! Besprechungen Wilsons Nrrt Elemeneeru. — Die Schnldfrage. Paris» 15. März. Die Agence Havas veröffentlicht folgend « Bericht über die diplomatische Lage: Präsident Wilson hatte gestern nachmittags tb&t Br sprechung mit dem Ministerpräsidenten Clemencea«. Um 3 Uhr fand die Sitzung des Obersten Kriegsrates statt. Auf bei Tagesordnung standen in erster Linie die militärischen mtd «tot* timen Bcdmglmgen des Waffenstillstandes. Die Kommissionen der Konferenz setzen ihre Arbeiten mn-iftl fort., Die Kommission zur Feststellung der Verantwortlichkeit« hat bereits wichtige BeschlÜffe gefaßt, die in zwei oder drei Tag« endgültig sein werden. Sie sprach sich dahin ans, daß die Lerantz wortbchkeit fiir den Ausbruch des Krieges und die Verletzung Belgiens und Luxemburgs strafrechtlichen Ch itrfcf tei h a b e und daher zur gerichtliches Verfolgung der Urheber b» richtigen könne, und zwar sowohl durch staatliche Gerichtshöfe, -8 durch ein internationales Tribunal. Auch Wilhelm II. werbe «mt1 Verurteilung nicht entgehen. Wilson über die Sicherung des Weltfriedens. Haag, 15. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) Präsiden! Wilson erklärte auf dem „George Washington" Vertretern der Presse, daß er erst nach Amerika zurückkehren werde, wen» der Friede völlig gesichertsei. Unter Sichenckg der Friedens verstehe er nicht die Unterzeichnung eines umfangreiche« Aktenstückes, sondern die Schaffung von Zu stände«, die allenBölkeru ei» ertraglichesLebe» mö glich machen. Borlausig sei die östliche HAste to* Europa und ein Teil Asiens in einem Zustande, der dem Krieg verzweifelt ähnlich sehe, und es bestehe die Gefahr, daß die z«' setzenden Kräfte, die in Rußland an der Arbeit sind, weiter gegen Westen greifen und schließlich den ganzen europäischen Kontmevt erfassen. Man werde daher zunächst Mittel ergreifen muffen, u« die bolschewikische Welle emzudämmen mrdschließlich aufzuhalten. Dann erst sei ein gesicherter Weltfriede Möglich. Die Konferenz der Neutralen. Panis» 15. Marz. Auf die an die neutralen Stauten er» gcmgrne Einladung der Friedenskonferenz, an den Beratungen Über den Völkerbund teilzuuehmeu, haben die Schweiz, Holland,. Dänemark, Norwegen und Schweden der Konferenz ihre 2j(«* sichten zu dieser Frage mitgeteilt. Die Verteilung der Kolomen. Haag, 15. März. (Tel. der „Wr.' Morgenztg.^. Nach einer Information des „Jntransigeaut" haben sich die Alliierten jetzt über die Verteilung der Kolonien geeinigt. Darnach soll Frankreich Syrien erhalten, England erhält das Mandat über Mesopotamien und Palästina sowie über Ostafrika. Frankreich erhall noch den größten Teil, von Kamerun und Togo. Südafrika soll Deutsch-Südwesiasrika erhalten, Japcktt di? Inseln im Süllen Ozean mit Ausschluß von Samw, das au Neuseeland fallen soll. Die Zukunft des linken Rheinnfers. . Haag» 15. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg."'» „Manchester Guardian" bezweifelt, ob Wilson der Annexion des SaartaleS und der Errichtung eines Pufferstaates auf de« linken Rheittuser -mstimmen werde, da die Abtrennung eines großen deutschen Gebietes ohne Befragen der Bevölkerung mit dem Grundsatz des SelbstbeftimMMgsrechies der Volker nicht übereinstitnure. Schleswig-Holstein — ein Pufferstaat? Zürich» 15. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Pariser Regierungsvresse berichtet von einem uemu Bla» der Entente, nach dem die Umbildung von Teilen Schleswig-Holsteins gtt einem republikanischen Pufferstaat erfolgen soll. Die Schwierigkeiten eines solch« Versuches werdet allerdings nicht verkannt. Rornanfiguren: Gräfin Brainitz, ein Nnterhaltungsrou««- vequisit, da§ Luderchen Lättzia; der dunkle Gewitterfleck eines russischen Großfürsten, dem Aikolajewitsch Modell gestanden ist; der Großspekulant des henttge« Europa, hier Felix Jmhosf genamtt; Crammon, der dem verlogene» Märchen vom österreichischen Phäakentum entsprungene Genießer; daneben die Wiener Großstadtjüdin Johanna Schöntag, Christus-Christians Magdalena, ins widerlich Perverse eines Triebes zu den Plebejerniedrigkeiten eines Amadeus Boß gewendete Typen, Abklatsche, Relativitäten, nichts Nn- . bedingtes. | In dieser bunten Reihe unwessnhaster Wesenist auch' daS Hilb des Schauspielers Edgar Lorm gezeichnet; ein aus' einseitjg-verständnisvollem Herzen errichtetes Denkmal JoseH Kainz^ Seine Kunst nennt Wassermann „Fanfaren der Zrit".z Und Kawz-Lorms Wesen wird analysiert durch das ihu' niederdxückende Bewußtsein, daß das Wort hunderterlei Liestasten annehnren kann, hinter denen die Leere gähnt. Ds> hs^ Wassermann — allerdings wieder mehr in skeptischer PidgDk als mit der vollen Stimme des EthoZ — die Zeit dieses Europas in einem Brennspiegel gefangen. Dieses!. Bechstßjsein der hundert Gestalten des Wortes ohne Wesen, dgs höM Dichter ümewohnt, »mg wohl auch zu der skeptischverlegenen Gestaltung seines Helden Christian bcigetragerl üabe'n» Christian Wahnschaffe wirkt darum nicht, tut keine Tut..Dort jedoch, wo das Werk gilt, bei denen, die reinen' Herzens das Schicksal der Welt auf sich nehmen, ist das! Wort eindeutig, eingestaltig, jenes „Ja — ja; Nein — nein".' Der gläubige. Schöpfer des Werkes ist Herr des Wortes, nicht Diener ' seiner hundert Wandlungen. Lorms Tragik ist an seinem Dichter, der einst den Begriff des Literaten! ethisch analysiert hat, wahr geworden: Er weiß um alles! und sein Wort hat hundert Gestalten; doch keine Gestalt. Trag!! des Talentes, das unerlöst geblieben' ist. r , Siegfried

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