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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-12 · Heft 53 (12.3.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 53 (12.3.1919)
Date
1919-03-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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6 euc Sbiert, Miuwoiy Wiener Morgenzeituug durch' den Krieg gezüchteten Entmenschung von vier Jahren, die in der Geschichte der Humanität schwerer wiegen alS ebensoviele Jahrhunderte. Die Schandtaten von Berlin drohen den Geist der Revolution für alle Zeiten vor der Geschichte zu konchronntieren. Die Revolution glaubt Bismarcks Machtgeist zerstört zu haben und setzt die Methoden des Mannes fort, der sich zum Grundsatz bekannte, daß di« großen Fragen dieser Wett mit Blut und Eisen gelöst werden müßten. Die Saat des Hasses, den ein Heer von hohen und niederen Bütteln gestreut hat, ist furchtbar aufgegangen und es tut not, die Menschen wieder zur Liebe'zu erziehen. Keine Zeit wäre geeigneter als diese, daß man sich abwendete von allem, was die Gegensätze unter den Menscken noch vertieft. Eine Völlige moralische Wiedergeburt der Menschheit ist nötig, damit die werdende Epoche wirklich ein neues, helleres Kapitel werde. Auf einem schönen Wiener Platze steht ein geharnischter Ritter, über und über von Nägeln bedeckt. Man möchte es nicht glauben, baß es noch Leute gibt, die an dem Schicksal dieses Wahrzeichens der traurigsten Zeit, die je über die Welt hereingebrochen ist, Interesse finden. Vor einigen Tagen ging eine Mitteilung durch die Blätter, der Wrhrinann werde entfernt werden müssen, goldene Nägel seien aus seiner Rüstung gestohlen worden. Die Mitteilung erwies sich, Gott sei Tank, als unrichtig und von den Herzen der trauernden Patrioten ist ein brückender Alp gewichen: der Wehrmann bekoinmt ÄM Wiener Rathaus seinen Platz. Es wird also dafür gesorgt, daß das Denkmal von unserer Zeiten Schande erhalten bleibe. „Reißt aus die Kreuze aus der Erden, alle müssen Schwerter werden", sang der deutsche Freiheitsdichter H e r w e g h. Es wird Aufgabe einer reifer gewordenen Menschheit sein, die verschiedenen Symbole menschlicher Verirrung zu Monumenten umzugießen, die den Geist der neuen Zeit versinnbildlichen. Vielleicht nimmt 'man, sollte es an Material gebrechen, auch das römische Lügenwort dazu, mit dem man Generationen auferzogen hat und das noch immer als Aufschrift auf dem Kricgsministerium prangt, düs Wort, daß Man zum .Kriege rüsten müsse, wenn man den Frieden wolle. Aber solange wir dazu nicht wirklich reif geworden sind, mögen die Zeichen einer versinkenden Welt ruhig an ihrem Platze bleiben und die Menschen immer wieder vor dem Rückfall in den Wahnsinn warnen. Die Friedenskonferenz. Friedensfchlntz ohne Präliminarfrieden? - Berlin, 11. März. (Korr.-Bur.) Bon gut unterrichteter Seite mährt die „Kölnische Zeitung", daß Pichons Erklärung bei der Besprechung mit dm Verbmdsjournalistm, wonach der _ Fricdeusschluß wahrscheinlich beschleunigt und früher erfolgen werde, als man allgemein annehme, tiefere Bedeutung habe, als es auf den ersten Bück erscheine. Man fet in maßgebenden .streifen der Ansicht, daß man vielleicht den aanzen Prozeß eines Vorfriedcns ü b e r s p r i n g e n und mit Deutschland sofort 'Frieden machen könne. * Die Wiederaufnahme der Verhandlungen in Brüssel. Paris, 11. März. (Havas.) Admiral W r h m i ß ist nach Brüssel ab gereift, wo er mit der deutschen Mission in Angelegenheit der in Spaa abgebrochenen Verhandlungen zusanunentreffen wird. Weymiß begibt sich allem nach Brüssel und ist mit allen Vollmachten ausgestattet. Deutschland ohne Kriegsflotte. — Gin tschechoslowakischer Protest.-- Deutschlands Ost- und Westgrenzen. Paris, 11. Marz. (Havas.) Der Oberste Kriegsrat hat in seiner gestrigen Sitzimg weiters beschlossen: Demschland hat seine Mllitärlager äufzuheben, das Führen einer .Kriegsflotte i ft ihm untersagt und es wird nur noch 15.000 Seesoldaten behalten dürfen. Es wird ihm erlaubt einige Flugzeuge zu halten. Die das vorgesehene Maß übersteigenden Vorräte an Material und Munttion sind zu zerstören und bürfeit von den Kriegsbetrieben nicht ersetzt werden. Den endgültigen Wortlaut wird heute Nachmittags ein Redaltionsausschuß festlegen, der aus je einem Militär-- Md einem Zivllvertreter der Großmächte bestehen wird. Der Text wird Mittwoch vom Obersten Krugsrat endgültig angenommen werden. Sodann regelte der Rat den Vorfall mit den lleinm Machten Md versicherte, daß diese die Finanzkommission mit sechs und die Wirtschaftskominission mit, sieben Vertretern beschicken sollen. Es werden diejenigen europäischen Machte, die im Krieg mitgcwlrkt habe«, sowie Brasilien vertreten fein. Die übrigen. Mächte mit begrenzten Interessen werden gchört werden, weM ihre Interessen zur Sprache kommen. Der Rat wird sich heute mit dem Protest der D s ch e ch o - S l o w a k e n gegen das bolschewikeusreundliche Treiben der Ungarn befaffett tmd die schltSwigsche Angelegenheit endgültig regeln. Mittwoch Md Donnerstag wird die Frage der Oft-- und Weftgrenzen Deutschlands erörtert werden, Samstag gedenkt der Rat mit der Behandlung der Entschäd'gungsfrage beginnen zu können. In den am Mittwochen Brüsielbegilmendcn Verhandlungen über die Nebergabe der deutschen Handelsflotte werden die Alliierten durch Admiral Hope vertrete» sein. Tittoni über die italienischen Ansprüche. Nom, ii. März. (Agmzia.) Der frühere Minister des Aeußerrc, Tittoni, kam gestern im Senat im Lause der Verhandlung über die Erklärungen der Regierung auf die Berbandlmigeu der Pariser Konferenz, wobei er betonte, daß die Blättermeldungen über die Verteilung der Mandate in Kleinasien in ganz Italien Besorgnis und Erregung hervornentfen hatten. England habe das Mandat über M e s o p o t a m r e n und P a l ä st t« a e rl) alte n, Frankreich über Syrien, Arnrnka über Armenien, Italien über das Gebiet zwischen Armemerl mrd der Gegend von Smyrna. Für das letztere Gebiet ser das Mandat Grrechcnland übergeben worden. In Afrika habt Englarrd das Mandat über lDmsich'Ostafr'ka, Frankreich über Kamanm imb Togo. Italien habe in Afrika kein Mandat. Bezüglich der Adria sei kein Wort gesagt wordeni Redner erinnerte a« die Merwartet großen Opfer, die Italien un Kriege gebracht habe. Man habe Jmlien Kompensationen in Afrika versprochen, wenn die alllierten Mächte die deutschen Kolonien ganz oder teilweise erhielten. Mau könne Italien diese Kompensationen nicht vorenthalten, auch wenn die Besetzung der.Kolonien auf Grund eines Mandates des BölkerbMdeS stattfände. China gegen Japan. , Bern» 11. Mörz. (Korr.-Bur.) Nach einer Blaitmeldung entwickelten der chinesische Minister des Neustem Luchenghsiana und die chinesischen Friedeusdelegierten Wellington uns 5? o o in Pans vor einer Gesellschaft von Diplomaten und Journalisten die F o r d e r u u g e n Chinas auf der Friedenskonferenz. China verlange, daß die deutschen Rechte in Schantung a n s gehoben .Md mcht an Japan übertragen werden. Die japanische Forderung der bedingungslosen Abtretung der Pachtung von Kiantschall, der Eisenbahn und der anderen deutschen Rechte ist für China um so ernster, als Schautttng in bezug auf den Flächeninhalt und die Bevölkemngszahl größer ist als England . und die Heimat des Konfutnts ist. Noch bedenklicher für China sind die 21 Forderungen, die Japan am 18. Jänner 1915 unterbreitet hatte und deren Genehmigung es unter Kkieasandrohnng am 25. Mai 1615 erzwang. China durfte nie alle, diese Forderungen verösfemlichen und Japan hatte den Bestand einiger dieser Fordernngen sogar zu leugnen versucht. Diese Forderungen sind unvereinbar mit der Integrität Chinas und mit der Politik der offenen Tür für alle Mächte. Potttische^Rundschau. Die Albert für den Völkerbund. Die Berner Resolution vom 10. Mürz. — Die Presse muß „abrüsten"! — Ein englischer Antrag gegen die Blockade. — Nansen in Paris. Mit geschärftem Ohr horcht man jetzt nach Bern hinüber, wo die Völkerbundkonferenz tagt. In der Sitzung vom 10. März wurde eine sehr wichtige Resolution einstimmig -angenommen, die den Zweck des Völkerbundes klär umschreibt: „Der Völkerbund muß erstens den Weltfrieden sichern, zweitens die wichtigsten materiellen Verhältnisse der Völker regeln, drittens die Zusammenarbeit der Völker auf kulturellem Gebiete fördern." Die Resolution führt dann aus, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, damit dev Völkerbund diese drei Zwecke erreicht. Als besonders wichtig wird die Schaffung eines Wirtschaftsamtes bezeichnet, um den Ausgleich der Naturschätze und Paturkräfje unter den Völkern zu gewährleisten. Vielfach wurde Über die Haltung der Presse geklagt, die zum Teile rroch immer nicht „abrüstet" und die öffentliche Meinung vergiftet. Es lag der Antrag vor, einen Gerichtshof für die Presse einzusetzen. Dr. Häberlin beantragte, an Stelle eines Gerichtshofes für die Presse bloß cxls besondere Aufgabe des. Völkerbundes?auch die friedliche Beinflusfung der öffentlichen Meinung als Zusatz zur Resolution zu stivulieren. Bemerkenswert ist auch die Rede der Frau S n o wden (England), die im Interesse der Menschlichkeit die endliche Aufhebung der Blockade gegen die Zentralmächte forderte. Widmer appellierte an die Neutralen, soviel als möglich an die Zentralmächte abzugeben. Derartige „Aufforderungen" sind natürlich ziemlich wertlos und mit der Aushilfe aus Neutralien ist es nicht getan. Nansen weilt in Paris, um als Vorsitzender des „Christianischen Ausschusses für die Gesellschaft der Nationen" die Idee des Völkerbundes zu prspüaiereu. Pressevertretern erklärte er, Norwegen wünsche zu wissen, in welcher Weise es „für das grandiose Projekt des Präsidenten Wilson" arbeiten solle. * „Ich bin beauftragt, die Meinungen und die Absichten der Staatsmänner der Entente uns Neutralen, und besonders uns Norwegern gegenüber zu erforschen. Ich habe in dieser Beziehung Leon Bourgeois, Lord Robert Ceeil und Oberst House gesprochen, und die Eindrücke, die ich gewonnen habe, sind prächtig." Durchaus erfreuliche Meldungen wenn man auch noch immer nicht aufzuatmen wagt, weil dev Imperialismus leider noch in fast allen Ländern starke Positionen behauptet. Das Gebiet des tschecho-slorvakischen Staates sichergesteltt? .. Der Pariser Korrespondent der „Norodni Lisch" teilt mit: Sämtliche Hauptfragen des tschechischen Jntegrolprogramms sind prinzipiell zugunsten der Tschechen gelöst worden. Fürchte Alliierten besteh: die Frage der Abtrennung des vechcmschtcn Gebietes überhaupt nicht! Bezüglich der Grnuctt der Stawakai ist die Sache zugunsten der Tschechm viel günstiger entschieden worden, als die durch die Demarkationslinie herbeigesiiyrre provisorische Lösung war. Die Frage von T e s ch e n ist dagegen überhaupt eine Frage nebensächlicher Art und wird in richtigem Zeitpunkt zwischen den Tschechen und Polen ohne Schwtengkeiten aelöst. Die Tschechen standen gegenüber Oesterreich auf dem Standpunkte der Negativ» und hattet. , das Recht, von , den Polen zu fordern, daß sie gleichfalls die rechtliche Existenz Oesterreichs itirif)t anerkennen. Falls die Polen glauben, auf das Teschener Gebiet Ansprüche zu haben, hätten sie diese geltend machen müssen. D:ePolen haben j doch dieJlloyalttüt begangen, die Ansprüche auf das Teschener Gebiet als einen Bestandteil der Konkursmasse Oesterreichs anzumeldcn, und fingen dort an zu wirtschaften, als ob dw historischen Rechte der Tschechen aus dieses Gebiet überhaupt nicht existieren wütbeit. Der Vorgang der Polen läßt sich durch nichts rechifectigen. Düs Teschener Gebiet betrachten die Tschechen auch Wetter als das ihrige. Die Frage der schlesischen Kohle Md die Frage der tschechischen Verbindung Mt der Slowakei ist und wird zugunsten der Tschechen gelöst. Die durch die tschechischen Vertreter bei der Friedenskonferenz vorgebrachten Gründe sind derart entschiedener Natur, daß der tschechische Staat um dieses wichtige Gebiet nicht gebracht wo^er tarnt, vet*». auch nicht gebracht werden wird. 12. März 1919 Nr. 53 Paderewski und die Lösrrng der Juden frage in Polen. Der polnische Ministerpräsident Paderewski er klärte einer jüdischen Deputation, daß er den Inden fr" Polen soviel Rechte einzuräumen bereit sei, als den Pole»' -in Amerika eingeräumt wurden.- Auf diese Aeußerun/ Paderewski? reagiert der „Nowy Dziennik" in einen* sehr interessanten Artikel, dem wir folgendes cnk nehmen. ' . Der polnische Ministerpräsident hat a limine du nationalpolitischen und kulturellen Forderungen der jüdischen Delegation a b g e l e h n t. Er Müßte an politischer Erfahrung reicher sein, um zu erkennen, tot* unheilvoll für den Staat die Verfolgung der Juden¬ oder auch rtur deren Geringschätzung werden kann Bedeutendere Staatsmänner als der Klaviervirttwst haben in ihrer Verelendung auf diesem Gebiete schws* gesündigt, nicht nur den Verfolgten gegenüber, sonder' vor allem gegenüber dem Staate, welche', die Fehler seiner Staatsmänner teuer bezahlen mußte. Darüber könnte Herr Paderewski so manches hei den ihnt nahestehenden Konnationalen aus Posen erfahren... Seine Ablehnung erschreckt und entmutigt uns durchaus nicht. Kein Mächtiger dieser Wel' war jemals imstande, nationale Bewegungen für immer zu ersticken. Er konnte höchstens deren Wogen eindämmen, worauf sie mit um so größerer Wucht di> anfgebauten Dämme niederrissem , — Dies? Erfahrung erlangten die Polen im Lagfihrer kaum 150jährigen Unterdrückung. Die Knecht/ schuft, der Juden ist wesentlich älter und stählte sfrgegen nationale Verfolgungen umsomehr. „Die nationale Autonomie werden wir euch nicht geben, aber ihr werdet so viel Freiheit erlangen, tväe die Polen in Amerika." In dieser Art pflegt sich Herr Paderewski zu äußern, so oft er Juden gegen- - über seine programmatischen Erklärungen abgibt. Wi* - bringen weder dem Verständnis des Minij?erpräsiden< ten für die Lösung der polnisch-jüdischen Frage beson deres Vertrauen entgegen, noch trauen wir seinem Wohl'' wollen für die Juden. Wir nehmen jedoch an, daß er seine Erklärung als Programm und nicht als hohle Phrase betrachtet, und entgenen ihm darauf, daß di, Polen in Amerika keine 15 Prozent ausmachen, und somit keine so ansehnliche Minorität dort bilden, wie wir in Polen. Sie erfreuen sich dennoch einer Freiheit, nach der wir uns sehnen, aber in Wirklichkeit ihren' völlig beraubt sind. In Amerika besitzen bis Polen eigene Schulen, niemand verwehrt sie ihnen, sie behalten und entfalten ihre nationale Entwicklung, es wird ihnen kein Zwang auserlegt,, ihrer Nationalkultur zu entsagen. Niemand sieht in ihrer nationalen Eigenart eine Bedrohung des ''Staates, die Presse hetzt wicht. , Die persönliche Freiheit und Sicherheit gilt, als geheiligt, wehe dem, der im In- oder Auslände die Unantastbarkeit des amerikanischen Staatsbürgers^ verletzen würde, unabhängig davon, welcher nationalen Gemeinde dieser Staatsbürger angehört. Bei uns könnte ein Minister guten Willens —-, auch ohne Verkleidung des mystischen Kalifen — sich täglich davon überzeugen, wic^ brutal in den galizischen, Eisenbahnzügen Passagiere mißhandelt werden, weil sie durch ihr Aeußeres und die Tracht den Juden verraten. Manchmal wird auch ein Nichtjude geprügelt, wenn er das Pech hat für einen Juden gehalten zu werden. Physisch werden tvir in der brüten Klasse mißhandelt, moralisch in der ersten. Von den Novemberpogvomen wollen wir in diesem Zusammenhänge gar, nicht reden. Was Wunder, wenn Physisch bedrängt, moralisch bedrückt, in der Existenzmöglichkeit nicht nur./ bedroht aber direkt unterbunden und sogar der Möglichkeit einer Selbstwehr beraubt — den Juden nichts anderes übrig bleibt, als der Verzweiflungsschrei! Es ist nicht unsere Schuld, wenn erst das vom AnL.lrnde zurückschallende Echo hier im Lande die Aufmerksamkeit auf die Judensrage lenkt. Es ist nicht unsere Schuld, wenn man hierzulande anstatt die Judenfrage zu lösen, den Juden lieber als Schreckgespenst im gegenseitigen politischen Kampfe der Parteien mißbraucht. Die Polnisch-Nationalen konnten im ehemaligen Kongreß-Polen anläßlich der Landtagswahlen mit Erfolg die polnischen Sozialdemokraten durch den e Hinweis bloßstellen, daß auf der Wahlliste der Name des Juden Perl prangte. Dieser bekannte polnische Sozialdemokrat trug durch seine jüdische Herkunft zur Niederlage dev sozialdemokratischen Listen bei. Die Sozialdemokraten schwuren Rache. Als nachher der Landtagspräsident Trapczynski den Stimmen des. jüdischen Klubs im Landtage feine Wahl verdankte, verhöhnten sie tagelang in ihrer Presse den „Erwähltet:" der Juden, wodurch nicht nur das Prestige des neue" LanbtagsprnsideitteU, sondern auch das seiner politischen Anhänger in den Augen der polnischeit Masse erniedrigt werden sollte. Diese Empfindungen sind in Amerika den Polen , fremd, trotzdem sie dort kaunt 80 Jahre leben — im Gegensätze zu den Juden, die in Poleir seit einigen Jahrhunderten ansässig sind. Wie die Polen in Amerika,. sollen wir behandelt werden. Vorläufig behau' elt man uns weit schlimmer als es bis nun die'Deutsche»- mit den Polen in Posen tatet!, obwohl mir doch — denen dort hier keine Fremdlinge sind, sondern. mit dent Bodett verwachsene zwar mitione Juduqi. doch cives Poloni. >.

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