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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-11 · Heft 52 (11.3.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 52 (11.3.1919)
Date
1919-03-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«r- Nr. ZS Wien, Dienstag Die Anschlutzfrage. Enthüllungen De. Dillons. Hinter den Kulissen der Friedenskonferenz machen., sich, wie Dr. Dillon im „Daily Telegraph" schreibt, verschiedene Bestrebungen geltend, üm den. Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland zu verhindern. Zwischen dem Standpunkt Wissons, der auch für Deutschösterreich das völlige Selbstbestimmungsrecht geltend macht und dem offenen Widerstand französischer Politiker , gegen den Anschluß, macht sich eine dritte Strömung geltend, die unter dev österreichischen Bevölkerung den Hindruck verbreitet, daß die Entente einem Anschlüsse nicht gewogen sei. Man möchte zu diesem Zwecks .die klerikalen und christlichsozialen Kreise Oesterreichs, favorisieren. Auch die österreichischen Finanzdelegierten in Paris hätten nach . Wien telegraphiert, man möge in derr Anschlutzfrage jeden voreiligen Schritt vermeiden. BÄd darauf antwortete das österreichische Kabinett, rvelches durch Ludo Hartmann geheime Verhandlungen mit dem deutschen Außenminister Grafen Bryckdorfs- Rantzau geführt und im geheimen die Bedingungen für den Anschluß Oesterreichs festgesetzt hatte, auf das v Telegramm der Finanzkommission, daß das österreichische Kabinett auf eine eigene Politik nicht verzichten ' könne, da es die Sozialisten repräsentierte, welche Förderer des Ausschusses seien, und da es tatsächlich schon ein Abkommen mit Deutschland geschlossen hätte; aber um den eigenen Wunsch zu beweisen, sich hie Völker der Entente nicht zu verfeinden, mache man die Finanzdelegation aufmerksam, daß die Wiener j Regierung int Falle der Vereinigung mit ' Deutschland bereit wäre, eine Formel festzusetzen, laut welcher Deutfchösterreich die Verpflichtung einginge, sich irjt unwahrscheinliche n Falle eines, künftigen Krieges zwischen Frankreich und Deutschland neutral zu verhalten. Dr. Dillon gehört zu den kenntn-isreichsten und bestinfo pürierten Journalisten Englands und er war in Friedenszeiten stets ein Fremrd der Monarchie. Umso seriöser sind seine hier wieder gegebenen Mitteilungen zu werten. Wir müssen deshalb öffentlich fragen: Hat tatsächlich unsere Regierung einen solchen Vorschlag, der der Doppelzüngigkeit der alten Aristokratendiplomatie alle Ehre machen würde, im Wege der Bernex amerikanischen Gesandtschaft nach Paris weitergegeben?.- .. , ' ' ' Vor einigen Tagen hat der Staatskanzler Dr. R e n n e r nt einer Unterredung nnt den ParlamentsMnialisten es als großen Gewinn bezeichnet, daß unsere Finanzunterhändler in Baris eine günstige und freundliche Aufnahme erfahren haben. Die Verhandlungen dieser Unterhäudler«üyd, wie wir erfahren, tatsächlich sehr weit gediehen und st.'llen' sich wirklich als ein ansehnlich er Ers o l g dar. Man kann dies daraus er- ■ , . - . kennen, daß die Pariser Konferenz hie Lebensmlttelsendimgen nach . Demschösterreich durch die Einkünfte der S <r l z b c r g w e r k e . - undderStadtWien fundieren will. , Wie wir von gM unterrichteter Sette erfahren, sind die Unterhandlungen durch die Abreise der Delegierten uicht unker- X, : brachen, sondern m der Zwischenzeit weiter geführt worden. Es \ dürste zu einer vollständigen Verpfändung^ der elektrischen, Gas- und Straßenbahnanlagen der Stadt Wien kommen. Daraus ist wohl zur Genüge die Eile erklärlich, mtt der Bürgermeister Dr. W e i s k r.^ ch n e r das Rathaus verlassen will. Das dresiX-W bezügliche Abkommen soll sein sozialdemokratischer Nachfolger •-V ' unterfertigen. Dies wird aber nichts an der Tatsache ändern, daß genau neun Jahre nack dem Tage, an dem Dr. L u eger ver- " ' kündete, daß der letzte Engländer W en verlasse, die.Staaten der * •, '■ Entente Hand auf die öffentlichen Betriebe der Stadt Wien V-'',, -■ legen ... J m’ *V Die Aufnahme unserer Delegierten m Paris war — dem * - Kriege entsprechend — freundlich. Sie wurden allerdings 1,Xs auf Schritt und Tritt von Detektivs überwacht und fanden Untert-XKXy:'' kunst m einer Pension, welche ursprünglich für amerikanische ’ - Soldaten bestimmt war. ® -D' - Man grbt sich natürlich in allen Kreisen, die mit der Wahrung der Lebensmtereffen der Republik Demschösterreich befaßt , sind, keinem Zweifel darüber hin. daß die Politik, wre sre gegenwärüg vom Staatsamte desAmßeren betrieben wird, früher oder später zusammenbrechen muß. Die Berichte der englischen Preffe, die" Übereinstimmend von einer Neutralitätserklärung d er'- dentschösterreichischen Regierung für den Fall eines zukünftigen Krieges zwischen Deutschland und Frankreich sprechen, sind bereits in die französische und italienische . Preffe übergeganaen Md werden die Stellung unserer Delegierten S . bei künftigen Verhandlungen außerordentlich komplizieren. Es wird sich nicht umgehen lassen, daß unsere Regierung dem Gedanken der Koalition Rechnung trägt und sich entweder für Paris oder für Berlin entscheidet. Sie laust sonst Gefahr, auf beiden Setten den politlschm Kredit zu verlieren. Die Aufhebung dev Blockade und die „Isolierungspolitik". Welches ist die erste und wichtigste Voraussetzung dafür, daß die Aufhebung der Blockade so rasch als möglich Erleichterung schafft? Die Jsolierungsbestrebungen derjenigen Politiker, welche Wien mit einer chinesischen Mauer umgehen . und den freien Zuzug behindern wollen, müssen raschestens , ' besserer Einsicht Platz machen. Eine internationale Kommission wird die Frage der ZahlungSMöglichkeit prüfen. Das . allein weist schon darauf hin, was vor allem nottut. .Dir werden aus führen müssenwenn wir wollen, baß Lebensmittel eing eführt werden, es ist daher ein reger Verkehr unserer Kr ^rute mit dem Ausland zu begünstigen und dafür zp sorgen, daß ausländische Interessenten rasch und leicht den Wiener Platz aufsuchen können. Neben dem Ertrag der Salzbergwerke werden unsere HolzbestLnde und manche Jndustrieerzeugnisse als Zahlungsmittel dienen müssen und mannigfache Rohstoffe werben zur Verarbeitung nach dem , Industriezentrum Wien einzuführen sein. ES ist daher allen beteiligten Industriellen und Kausleuten Gelegenheit zu geben, iljvc Auslandsbeziehuiigeil wieder' aufzunehmen. Wiener Morgenzeitung . Diese Notwendigkeiten find mit Absperrungsmaßnahmen jeder Art unvereinbar.Md es zeigt sich klar, daß die von antisemitischer Seite inaugurierte. Politik der ,,deutschnationalchinesischen Mauer", wie sich ein Gemeinderat ausdrückte, einer Aushungerungspolitik gleichkäme. . Gerade das Gegenteil wird jetzt dem Staate auf die i^ine helfen. Begünstigung des Zuzuges und Förderung des xegsten Verkehrs mit der Außenwelt. Der Zionismus in der französischen Presse. Wahrend sich die englischen Blätter ohne Ausnahme für die Annahme der zionistischem Forderungen auf der Friedenskonferenz ausspxechen, .. nimmt der größere Teil der Pariser Presse gegen die Zuerkennung „allzu weitgehender" Rechte für die Zionisten Stellung. Eigentlich bilden nur Herv s und Albert Thomas, der sozialistische Munitionsmmister, eine Ausnahme. Namentlich dieser findet für hie zionistischen Forderungen Worte von wohltuender Wärme.' Man merkt den französischen Pressestimmen deutlich an, daß sich in ihnen bie Wünsche der französischen Regierung aussprechen, die bekanntlich, eine Teilung der palästinensischen Interessensphären unLer> England und Frankreich von der Konferenz heimbringen möchte und sich dabei auf ein altes Abkommen mit England, beruft. „Matin" findet es sogar für gut, Vertreter verschiedener christlicher Glaubensbekenntnisse ins. Treffen zu sichren, Im allgemeinen spricht aus den Aeußerungen der französischen Presse mangelndes Verständnis für die jüdischen Aspirationen,. die so gar nichts zu tun haben mit irgend welchen Ännexionismus . oder mit terrichriaben Machtgelüsten. Es ist leicht, darauf hinzuweisen, daß die Juden in Palästina nur eine Minderheit bilden. Die französische Presse übersieht völlig, daß die Beschränkungen des türkischen Regimes es waren, welche einer größeren Einwanderung im Wege standen. Abssr ganz abgesehen davon, bildet unser Anspruch aus Palästina ein Problem von solcher Einzigartigkeit, daß ihm aus dem Gesichtspunkte der unterschiedlichen .staatspolitischen Anschauungen nicht beizukommen ist. Ob der heutige Bevölkerungsstand von Palästina eine größere oder kleinere Minorität ausmacht den, jüdischen Ansprüchen aus Palästina kommt an Unverjährtheit und Legitimität kaum etwas auf der Welt gleich, denn, hier ruhen die Wurzeln des Geistes, , der die Einheit jenes Volkes ausmacht, bas Europas Menschheit ihre oral und ihre Idealität vorgezeichnet hat, und die Grundlagen einer Nation, die ihre unzerstörbare Lebenskraft in der Geschichte bewiesen hat. Es wird immer klarer, daß es die' französische' offizielle Politik war, die sich aus-dem Munde Professor Levys auf der Friedenskonferenz-vernehmen ließ. Die englische Erklärung .wegem ^alHina,-ber - 'sich später alle Ententestäaten, äuch Fränkreich^ anschlössen, ist an die Adresse derZiönisten gerichtet. Damit sind diese als Wortführer der jüdischen Nation auch von der Entente anerkannt. Und in diesem Sinne hatte L6vy auf der Friedenskonferenz nichts zu suchen gehabt: Im übrigen hat er seine französischen Auftraggeber nicht enttäuscht. Daß sein 'Auftreten, das des typischen Assimilanten, dem jüdischen Volke in., dem geschichtlichsten Augenblicke, den es feit zweitausend Jahren erlebt, Schaden bringen kann, scheint ihn wenig zu bekümmern. In dieser Frage konnte es für Silvain L6vy keinen Gewissenskonflikt geben, und daß gerade er der Friedenskonferenz seine Besorgnisse um das Schicksal der Araber vorträgt, die niemand bedroht und denen die jüdische Kolonisation, wie es sich auch bisher gezeigt hat, nur zum Vorteile gereichen kann, macht sein, Auftreten zu einer herostratischen Tat. Zusammensassend kann man sagen, daß die französische Presse die zionistischen Forderungen an sich trotz allere Wenn und Aber, die sie vorbringt, nicht ab lehnt. Sie sucht sie bloß zu reduzieren und mit Frankreichs Kolonialplänen in Einklang zu bringen. Die Friedenskonferenz. Wiederaufnahme der in Span abgebrochenen Verhandlungen. Die deutschen Delegierten nach Brussel berufen. Paris, 10. März. (Funksvr. des Korr.-Bur.) Die deutschen Delegierten bei der Verpflegungskommsssiori werden Mitte dieser Woche nach Brüssel berufen werden, um die am 6. d. M. in Spaa unterbrochenen Be Handlungen wieder aufzunehmen. Admiral W e m l ß wird >m Namen der Entente sprechen. Der Wortlaut der chm sowie seinen Mitdcl?gietten erteilten Weisuu-> gen ist . Samstag , im Ministerium . des Sleujcnt festgesetzt worden. Die verbündeten Mächte sind der Ansicht, daß Artikel 8 des Waffenstlllstandsabkommens ihnen das R e ch t verleiht, einfach die deutsche Handelsflotte zu verlangen, die der Verpflegung nicht bloß Demschands, sondern Deutschlands und des übrigen Europa zur Verfügung gestellt werden soll. Es nt übrigens mcht die'Rede davon, das deutsche Volk der Unterhaltsmittck zu berauben, sondern es wird „mens ch l i ch" b e h a y d e l t werden, wie dre Häupter der assoziierten Regierungen in mehreren Reden wiederholt erklärt haben. Prchon gegen den Anschluß. Die Notwendigkeit einer besonderen Konferenz. Berlin» 10. März. „B. Z. am Mittag" meldet ans Rotterdam: Munster des Äußern Pichon erlärte gestern, daß die Vereinigung Deutschösterrelchs mit Deutschland von diesen Mächten allein nicht v o l l.z o g e n w e r de n könne. Hierfür sei eine besondere Konferenz notwendig. 11. März 1919 Seite 3 Die englische Presse für den sofortigen Friedensschlutz. Amsterdam» 10. März. Jmfast allen englischen Zeitunger die heute hier eingetroffen sind, wirddie dringendeNot w e n d i g k e i t . betont, die Friedensverhandlungen mit Rücksich auf die' gefährliche Läge' in Mittel Md Südostmröpa zu b v schleunigen. Deutschland soll Belgien 1600 Millionen! Pfund Schadenersatz Leistem Paris, s. März. (Reuter.) Di^. belgischen Fordeküngei an Deutschland, die der Kommission für An'gclegenheiten' M Wiedergutmachung vorgelcgt worden sind, betragen 110 y .b i i 16 0 0 M i l li o n e n Pfund Sterling. Nansen in Paris. Paris, 10. März. (Tel.-Korr.-Bnr.) Der berühmte no^ wegische Forscher N a ns en' hat sich bei seiner soeben erfolgte'p Anümft m Paris Pressevertretern' gegenüber' folgendermaßen» übe seine Mission ausgesprochen: In meiner Eigenschaft als Wv sitzender des Christianiaer Ausschusses für die Gesellschaft de Nationen hin ich hierher gekommen, um zu erklären, daß Norweger Wert darauf'legt, zu wissen, in welcher Weise'es in bicfcu Augenblick arbeiten soll, um diesen Bund zu schaffend Ich bi, beauftragt, die Meinungen und die Absichten der Staatsmänile der Entente und Neutralen und besonders «uns Norwegern gegenüber zu erforschen. Ich habe in dieser Beziehung Leon BürgeoiS Lord Robert Cecil und Oberst House gesprochen und die Ewdrücke die ich gewonnen habe, sind prächtig. Die Kämpfe in Berlin. Die Ausrufung der Räterepublik mißtzlückt. — 100 Tote in Lichtenberg. — Spartakistifchi Flieger. — Intelligenzler als Spartakisten. Berlin, 10. März. Bon zuständiger m il i t är rs ch er Seite wird über den Ausruhr in Berlin erklärt: Verbrecherisch! Elemente haben den Streik benützt, um einen Aufruhr zu enü feffelm Die Unabhängigen und sogar die kommunistischen Führer hielten die Lage im Osten und in Berlin noch nicht' für'reif M Anwendung der Gewalt. Der bewaffnete Aufruhr in'Berlir brach g e g e n i h r e n W i l l e n los. Bewaffnete Arbeitslose Mitglieder der großen Betriebe, des Roten Soldatenbundes, der- Volksmarinedivision und Telle-der republikanischen SqldateNwehi stehen an Aufruhr. Das Polizeipräsidium erschien ihnen äkl Haupthluderms ihrer Plünderungsabsichten. Sie wvlltm nack dem Präsidium den Reichstag, die Reichsdmckerei und di^ Bähnböfe nehmen und dann die R ä t e r e p u b l i-k erkläre^. Das Zentmm ist gesäubert. Wir haben die Sicherheit, , NW, den Aufrührern restlos, fertig zu werden. Die aufrührerischer Banden sind zusammengeschmmpft und haben sich iw k-l el kj* T'r upps ohne e i n h e i t l i ch e L e i t u n g aufgelöst Die NegierMgstruppen sind absolut verläßlich. Zm-chst sollet; der Osten und die östlichen und nordöstlichen Vororte gesäubert werden.- Wir werdm von jedem neugeplanten Auftuhr rechtzeitig unterrichtet werden. - " ' ' In Llchtenberg sind tatsächlich etwa h u n d e nt, P e x-- \ s ö tt e u t o t g c f chlagen worden. Ueberall würde..geplündert.. Es scheint wahr zu^sein, daß ein oder mehrere, s v a rt a k r st i s ch e F l i e g e r über Berlin arbeiten. Dle 'milltärlsch«- Führung der Aufrührer lag m den Händen des Roten Soldaten» bundes, der der kommunistischen Partei nahesteht,- Md bestand' zweifellos zürn Teil aus Mitgliedern der Int e ll-i g e n z., . Eine Neutralität von bewaffneten Truppenteilen in Berlin wird nicht geduldet. Die Garde hat sich'ausnahmslos, bereit erklär^ .die' Befehle Nirskes anzuerkennen und auszüführew. Ilnzttverlässige Elemente-werden schnell' erkannt und entfernt. . ,<°- Xi'X. . Änarchie in Lichtenberg. . . . Mord und Plünderung. Berlin,' 10. März. (Korr.-Bur.) Wie die Abendblätter melden, henscht in Lichtenberg volle A u a r ch it. Selbst die Führer der Spartakisten sind scheinbar nicht ineyr imstande, den Ausbrüchen ' der niedrigsten menschlichen Leiden-' schäften in ihren Reihen Einhalt zu gebieten. ' Junichts' untere scheidet sich das dortige Treiben der Spartakisten von dem der russischen Bolschewiken. Die Blätter bringen Schilderungen derartiger Bestialitäten. So wurde ein gefangener Soldat von etwa 30 Menschen, darunter vielen 'Frauen, zunächst durch nnzählige Stiche mit Taschenmessern schwer verwundet. Er sank zu Boden und wurde dann zur Seite gestoßen-; eirie Anzahl Weiber warf sich auf ihn und zerlrat ihn im wahrsten Smne des Wortes. In der Frankfurter-Allee wurde' ein ge-' fangener Soldat nackt ausgezogen Md so lange mit Handgranaten beworfen, bis sein Leichnam'm Stücke zerfetzt war. Aber uicht nur Angehörige der Regierungstnrppen werden von den Spartakisten in dieser'grausamen Weise behandeltfast j ed.e.r besser gekleidete Bürger wird von ihnen angesajlen, berapbt und oftmals sogar getötet. \ Das Massaker in Lichtenberg. Berlin» 10. März. Wie die „B. Z. am Mittag" mesdct, haben sich nach den Aligaben des Polizeipräsidenten von L i ch t e n b e r g die dortigen Vorgänge in folgender' Wesse abgespielt: Bald nach der Einnahme des Postgebäudes-wandte' sich der spartakistische Haufe, 300 bis 400 Mann, gegen das Llchtenberger PoUzeiprästdium, in dem'sich unzweifelhaft Soldaten der Regierungstruppen au'gehalten haben sollen. In der Hauptsache hatten die Schutzleute und Pöbzeibeamten die Berteidiguug des Polizeigebäudcs un Falle emes Angriffes zu besorgen» Die Vorgänge - m der Post scheinen aber die Polizeibeamten stark dcpnmrert zu haben. Den Spartakisten gelang es, das Polizeigebäude in wenigen Minute n zu 'nehmen. Sämtl che Beamten wurden unter Mißhandlungeii mit Kolben und Fäusten aus dem Gebäude herausgeschleppt und i n v e r s ch - e o e n e n a h e g e {c g e n c H ä t c g t* bracht, umdo r t e r s ch o s s e n z u w e r d e n. Dabei leisteten sich die Spartakisten einen unmenschlichen Schey;. Sic ließen einige von den Polizeisekretären zuerst frei. Ass aber die Armen wegzulanfcn begannen, wurde unter Lachen h i n t e.r ihnen h e r g e s ch o s s e n. Die meisten von ihnen sind getötet worden, ebenso sämtliche uniformierten Polizeibeamten Md zumTeilauchihre Angehörigen,, dar u nter Frauen und Kinder, die im Gebäiwe des Polizei präsidiilms wohnten. ' Heute vormittag wird der Versuch gemacht werden, mtt. deck Tritppen um Lichtenberg, .mit denen man sich weher, telephonisch noch durch Radfahrer in Verbindung setzen kann-. Fühlung zu nehmen. ' .'XX Standrechtliche Erschießungen. Berlin, 10. März. (Korr.-Bur.) Im Jnnem der Stadt kam es auch in der vergangenen Nacht zu Dach k ä m p'f e tu Diese Zwischenfälle veranlaßten die Regierungstruppen, das Stadtinnere noch m verstärktem Maße abzuschlzeven.' Dii Zahl der Verhaftungen in der vergangenen Nacht istwieder'sehr erheblich gewesen. An verschiedenen Stellen wurde bereits das' Stand recht ausgeübt und Personen, die kmnpfend in die Hände der RegierungSsoldaten. gefallen waren, wurden aus der Stelle erschossen. i i

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