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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-09 · Heft 50 (9.3.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 50 (9.3.1919)
Date
1919-03-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ar.M 'Men"Sonntag ,% &?* -i •>* / seit langen Jahren in Polen ansässig sind und welche Molen mit Zuneigung betrachten." ' Es ist erstaunlich, daß cs in einer Zeit, in welcher die jüdischen Forderungen vor dem Forum der Völker vertreten werden, in einem Lande, dessen Regierung schon längst die Berechtigung der jüdischen Forderungen eingesehen hat, noch Zeitungen gibt, welche die Meldungen der polnischen Preßbureaus gutgläubig und unkontrolliert abdrucken. Die Demagogie und wohl auch polnische Nationalität des Berichterstatters kommt am deutlichsten, in einem Satz zu Ausdruck, in welchem er für die jüdische Sprache die Bezeichnung „germanischer Dialekt wählt, um so den Anschein zu erwecken, daß die Juden Träges des deutschen Geistes seien. Anscheinend aber ist eine solche Verdächtigung selbst in England nicht mehr ausreichend, die beabsichtigte Wirkung zu erzielen, so daß zum Ueberftuß in einem zweiten Satz betont wird, daß die Juden gleichzeitig Träger des Nussentums seien. Doppelt hält besser! Die Flottenverluste. Drei Milliarden Franks versenkt. . Die offiziellen 'Statistiken über die Verluste, die die der schredenen Kriegsmarinen im Verlaufe der Feindseligkeiten erlitten Hadem find noch nicht veröffentlicht worden. Die Mit Hilfe der zuverlässigsten Quellen betriebenen Nachforschungeil gestatten nach einer Muteilung des .Matin" folgende Ausstellung: Bei der Entmte: Enäland: Panzerschiffe 13, Schlachtkreuzer 3, Kreuzer 25, Monitore 6, Zerstörer 64, Torpedoboote 10, V-Boote 60, Kanonenboote, Avisoschiffr 27, Summe: 550.000 Tonnen. — Frankreich: Panzerschiffe 4, Kreuzer 5. Torpedobootzerstörer 14, Torpedoboote 8, V-Boote 14, Avisoschiffe und Patromllmschiffe 9, Summe: 110.0OY Tonnen. — Italien: Panzerschiffe 3, Kremer 4, Zerstörer 3, Torpedoboote 1. Summe: 76.000 Tonnen. — Japan: Panzerschiffs 1, Kreuzer 4, Zerstörer 3, Torpedoboote 1. Summe 50.000 Tonnen. — Be reinigte Staaten: Kreuzer 1, Zerstörer 2, U-Boote 1. Summe: 17.000 Tonnen. Generalsimme für die Alliierten 8O3.O00 Tonnen. — Bei den Mittelmächten: Deutschlands Panzerschiffe 1, Schlachtkreirzer 1, Kreuzer 24, Zerstörer 72, Torpedoboote 51, U-Boote 205. Summe: '350.000 Tonnen. — O e ft e r r e ich - U n g a r n : Panzerschiffe 3, Kreuzer 2, Monitoren, Zerstörer 5, Torpedoboote 4, v-Boote8: Sumnie: 65.000 Tonnen. — Generalsumme für die Zentralniächte: 415.000 Tonnen« Wenn man den mittleren Preis für eine Tonne bei Kriegsschiffen mit 2500 Franks annimmt, konimt man zu der Summe von 3 Milliarden Franks für die Schiffe, die seit 1914 versenkt wurden. Unter diesen Uniständen ist es angesichts der Schiffsraumnot nicht notwendig, auch noch die deutschen Schiffe, die bei Äcapa-Flow konzentriert wurden, zu versenken, wie dies angeregt wurde. __ Die Friedenskonferenz. Die Schuld am Kriege. Paris, 8. März. (Fünkspruch.) Die zwei von der „Schuldfrage-Kommission" zur näheren Prüfung dieser Frage eingesetzten SnbKommissionen legten gestern ihren Bericht vor. Diesem gemäß wird sowohl die moralische als au ch d ie re ch tliche Schuld an dem Ausbruch des Krieges dem ehemaligen deutschen Kaiser, dpw Kronprinzen, der deutschen Militärpartei sowie einerNeihe vonZivil-und Militärfunktionären zur Last gelegt, die die in Belgien, Frankreich und Polen von Deutschland besetzten Gebiete regierten und im allgemeinen die Angelegenherten Deutschlands verwalteten. Eine sehr erhebliche Menge von Urkunden ist von den zwei Kommissionen in diesem Zusammenhänge gesammelt worden. Wilsons Ankunft. Am 13. März in Brest. , Washington» 8. März. (Funkspruch der Trl.-Komp.) W ilson wird am 13. März nachmurags in Brest und am? 14j. März vormittags in Paris eintreffen. Pichon, Tardseu, Iufferand und LcgyneS werden den Präsidenten begrüßen. Wilson ist drahtlos von allen Verhandlungen der Konferenz nnterrichtet und die Arbeiten der Konferenz können nach seiner Rückkehr schnell erledigt werden, was bereits am 20. der Fall sein dürfte.. Die Kommissionen wurden beauftragt, ihre Berichte in einer Anzahl von Paragraphen zu fixieren, die dem Text drS Präliminarfriedens einverleibt werden sotten. Forderung eines Dölkerparlaments, Bern» 7. März. (Schweizerische Depeschen-Agentur.) Die . von der Internationalen Völkerbundkotüerenz eingesetzte K o tunt i ssion für internationaleLegislative bat am Freilag ihre Beratungen begonnen und folgende Resobttion als Antrag an das Plenum der Konferenz angenommen: Um die Verfassung des Völkerbundes mit dem demokratischen Geist der Zeit nr Einklang zu bringen und den internationalen Bewegungen die Geltendmachung ihres die Menschheit zusammen--, schließenden Einflusses zu ermöglichen, soll eme aus direkten Völkswahlen hervorgehende internationale g e s t tz» gebende Versam m lun g a 1 s V ö l k e r p a r l o* ■ m‘cnt geschaffen werden. Deutschlands Kriegsentschädigung. « Haag, 8. März. (Tel. der „Wr. Morgenzlg.") Die Amerikaner haben als die ersten unter den Alliierten ihre Entschädigungsfordcruttgen gegen Deutschland fertig gestellt. Amerika fordert dreiviertcl Milliarden Dollar als Wiedergutmachung. Amerika wünscht, daß alle Staaten ihre Forderungen genau präziffMn. Zuletzt sollen die Summen derartig herabgesetzt werden, daß -sie du Zahlungsfähigkeit Deutschlands nicht überschreiten. Man glaubt, daß Deutschland eine Zahlung von 25 M i l l i a r d e n Dollar auferlegt werden wird, welche in langfristigen Raten unter Zugrundelegung eines für die Alliierten günstigen Zinsfußes zu zahlen sein wird. Deutschlands künftige Armee. — Der italienisch-slawische Zwischenfall. — Die belgischen Fragen. , Par)s, 8. März. (HavaS.) In der Sitzung vom, Freitag Nachmittags stinunte der Oberste Krngsrat grundsätzlich dem Wiener Morgenzeitung Vorschläge LloydGeorgeszn, wonach Deutschland durch den Prälmuuarsrieden verpstichtet werden soll, nur mehr eine 1,5 Divisionen starke A r m 11 aufrechtzuerhalteu, die sich ausschließlich ans freiwilligen Berufssoldaten mit zw ölfjä hr ig er Dienstpflicht zusammensetzen soll. Der Militärausschuß wurde beauftragt, einen entsprechenden Tert auszuarbeitcu, der dem Rate am Montag vorgelegt werden wird. Am Samstag wird der Rat, die interalliierte Militäruüsfion ernennen, b i c bi« italienisch-slawischen Zwischenfälle zu n n t e rs n ch e n h a b e n w i r d. Sie wird ferner wegen des Abbruches der in Svaa über die Auslieferung der deutschen Handelsflotte geführten Verhandlungen einen Entschluß fassen. Die Angelegenheit war gestern Gegenstand einer einfachen Darlegung der Vorfälle von Sette Lord Robert C e c i l s. Der Rat hörte den Bericht der Kommission für belgische Angelegenheiten an, der darin gipfelt, daß der Vertrag von 1830 betreffend'die Neutralität Belgienszu revidieren sei. Heute wird der Rat den Vorfall mit den kleinen Mächten regeln. ’ Der. oberste Krregsrat. Paris» 8. März. (Amtlich. — Havas.) Der Oberste K r i e g s r a t wurde von der Tatsache in Kenntnis gesetzt, daß die Verhandlungen in Span über die Auslieferung der deutschen Flotte abgebrochen sind. Arrf Wunsch der italienischen Delegation wurde die Ernennung einer interalliierten Mslitärkommissiou beschlossen, die die V v r k o m m n i s s e i n L a i b a ch untersuchen soll. Sodann wurde die Erörterung derBersorgung der Länder des ehemaligen Oesterreich- Ungar n f o r t g e s e tz t. Lloyd George referierte dem Rat. über die militärischen Bedingungen des Präliminarfriedens -mit Deutschland. 9. Marz 1919 Seite 5 Inland. Die Aenderung der Verfassung. Die Staatskauzlci hat die Vorentwürfe, die die künftige Stellung der Volksvertretung und. die Reorganisation der Zentralregicrung betreffen, ausgearbeitet. Das Gesetz über die V o l k s v e r 1 r e t u n g sieht vor allem die Ausschaltung d e s S t a a t s r a t e s und die Einführung eines H a u p t a u s s ch n s s e 8 nach reichsdeutschem Muster vor. Die Vorlage über die Organisation der Zentralverwaltung überträgt Regierung und Verwaltung ausschließlich dem Kabinette der Staatssekretäre. Die Zahl der Staatsämter wird verringert, wobei allerdings noch drei Staatsämter (Volkse r n ä h r u n g, Heer n n d Aeußeres) solange selbständig fortgesührt werden müssen, bis bet* A n s ch t u ß an D ent s ch l a n d v o l lz o g e n n n d d i e F r i e d e n s w i r t s ch a f t w i e d e r h e r g e st e l l t i ft. In Bezug auf die Zusammemetzrmg der Regierung bewegen sich die Vorbesprechungen ausschlieirlich auf progrannnatlschem Boden. U e b e r P e r s o n e n f r a g e n w u r d e z w i s ch e n den Parteien n o ch n i ch t v e r h a n d e l t. Eme Eimgung wurde bisher nur in Bezug mtf die Gestaltung der Volksernährnng erzielt. Die Anfchlußfrage. Italienische und französische Aeußerungen. Der „Corriere della Serq^ schreibt iiber den A n s ch l u s; D e n t s ch v st e r r e i ch s an Deutschland : Wir haben schon einige Male, und zwar schon vor best dentschästrrreichischen Wahlen, ans denen die Anhänger des Amchlußgedaukcus siegreich hervorgingen. Misere Ansicht dahin geäußert, daß uns der Anschluß unvermeidlich und wünschenswert erscheint. Wir haben nicht ohne lebhaftes Befrrmdcil die.Hartnäckigkeit wahrgenommen, mit der ein großer Teil der französischen Presse den Anschluß verhindern will. Sie hat wenig Widerstand gezeigt gegen die Versuchung, einen „französischen Frieden" zu verwirklichen, wobei sie gegebenenfalls bereit war, dw wichtigsten Interessen Italiens zu opfern. Wir wünschen aus jeden Fall, daß die Preßkampagne gegen den nationalen Willen Deutschösterreichs sich ja Nicht in eine wirkliche vol tische Aktion ummandle, die darauf abzielen würde, jenem frei ailsgedrücktcn Willen Gewalt anzulun. Ein derartiges Vorgehen würde einen entschieden feindseligen Akt gegen Italien und gegen die Hoheit der Rechtsgruudsätzc, in deren Namen dieser Krieg ausgekämpst und gewonnen wurde, bedeuten. Dev „Teinv 3" beschäftigt sich m einem Leitartikel mit der Frage D e u t s ch 8 st e r r e i ch s und schreibt: Die Annexion Deutschösterreichs durch das Deutsche Reich hätte zur Folge, daß ganz Böhmen in. einen Schraubstock käme. Die Lage Jugoslawiens würde schwierig werden. Einzig die Magyaren hätten dadurch den Vorzug, daß sie sich an Deutschland anlrlmen und diesem den Zugang zum Balkan öffnen. Das Blatt schlägt vor, daß die V e r s o r g u n g Deutsch- Österreichs nt i t Lebensmitteln deshalb davon abhängig.gemacht werde, d a ft, c § als neutraler Staat unter dem Schutze des Völkerbundes erklärt werde. Die international garantierte Unabhängigkeit und Neutralität Deuock"'terreichS würde, so schreibt das Blatt, den Interessen DeutschösterreichS am ehesten entsprechen. Staatssekretär Dr. Steinwender über Notenabstempelung und Vermögensabgabe. Vor einem zahlreich versammelten Publikirm fand gestern im Saale des Jndustriepalastes eine vom „Verein Wahrungsschu tz" einberufene Versanynlung statt, auf deren Tagesordnung die Notenabstempelung und die damit verbundenen Finanzfragen standen. Als erster Redner legte Stadtrat.Dr. Kienb ö ck dar, daß die vorn tsck.echo-slowakischen Staat eingeleiteten Schritte zur Herstellung einer eigenen Valuta die deutschösterreichische Regierung zu entsprechenden Gegenmaßnahmen gedrängt haben. Die Abstempelung solle mit größter Schnelligkeit durchgeführt und alles darangesetzt werden, unsere Noten gegenüber Tschechien möglichst gleichwertig zrr halten. Hierzu sollen Sie irr Wien lagernden TitreS von Unternehmungen, die ihren Sitz im tschechoslowakischen Staat haben, verwendet werden. Auch vor einer Vermögensabgabe dürfe man nicht zurückschrecken, denn eine richtige Finanzwirtschaft erfordert eine zielbewußte Politik der Regierung und Mitwirkung des Publikums. (Beifall.) Hierauf nahm Staatssekretär Dr. Steinwender das Wort und führte unter anderem aus: DaS alte Oester reich hat im Krieg seine Bedürfnisse in einer Weise gedeckt, wie kein zweiter Staat, nur durch Schulden und nicht durch Mehreinnahmen. Demzufolge ist eine riesiae Notenschuld entstanden, ussd es finb fünfzehnmal so viel Roten im Umlauf wie vor dem Kriege. Die Notenmasse treibt die Preise in die Höhe und brückt best. Wert des Geldes im In- und Ausland!.' Die einzelnen Teil-c' , staaten, namentlich Tschechien, suchen sich von der Währung des alten Staates loszulösen. Da Tschechien auf eine aktive Handels- und Zahlungsbilanz zu rechnen hat, kann es sich unabhängig machen. Der Versuch wurde gemacht durch bist, Absperrung, und uuS bleibt nichts,, anderes übrig, als zu' folgen. Es wurden iit der OeffeÄlichkeit Stimmen laut,! daß wir das, was'Dr. Naschin getan hat, früher hättest tun sollen; ein Verlangen, das ungerecht ist, weil maw ebensö wie hier, auch in Tschechien nicht weiß, ob dieseA Experiment gelingen wird. Wir fürchten «ns nicht vor^ dein Einbringen dev tschechischen Noten, eher haben wist dies von der ungarischen Seite zu befürchten, .da dort viele! ✓ Noten aufgestapelt sind. Wir üben Maß gegenüber dem,i was in Tschechien geschehen ist, denn unsere Bevöl-! kerung hat nicht die Lust und auch nicht dse Kraft wie die tsche'chische im Bewußtsein des Siegers'.j In den Sperrmaßnahmen dürfen wir ebenfalls nicht scharf Vorgehen wegen der mißlichen Ernährungsverhältnisse.' Z u-, erst kommt die Ernährung, dann die Wäh tung.i 1 (Zustimmung.) Wir haben bis jetzt.jede Stockung vermiedene ‘ die Coupons tpurbeu bezahlt. Die Steuern haben wir eingetrieben, um jede Stockung zu vermeiden. Das Ergebnis war glänzend. Wenn man dabei unpopulär, wird, daraus mache ich mir nichts. (Beifall.) Wir haben' ein Dutzend neue Steuern eingesührt, die zwar , jetzt nicht viel eintragtzn, aber für die Zukim ft aussichtsreich sind^i Leider haben wir für die Heeres macht viel Ausgaben,, mehr als wir verantwortest können, doch wir werdest sparen. Es gibt viele Arbeitslose, doch wird Arbeitslust und' Arbeitskraft wieder lebendig werden. Wir werden neue Steuern bringen, wenn nicht ich, so meine Nachfolger. Die Vorarbeiten für eine Vermögensabgabe sind fertiggestellt, die Vermögensabgabe wird kommen. (Rufe: „Aber > eine gerechte!^ Sie wird gewiß gerecht, aber ausgiebig, sein. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende, Staatsrat Doktor, v. Licht, dankte dem Staatssekretär für seine Ausführungen.! Dr. Sternwenders Nachfolger. Der bisherige Staatssekretär der Finanzen Dr. S t e-i n- Wender wird wahrscheinlich noch 14 Tage im Amte bleibest müssen, bis er in oic Lage gesetzt sein wird, dte Agenden des Finanzressorts seinem Nachfolger zu übergeben. In Betracht käme als solcher entweder ein Angehöriger der sozialdemokrattschen oder der christlichsozialen Parier. Da sich aber dte Chrsstlschsozialen mit Händen und Füßen , sträuben, dieses undankbare Amt zsr übernehmen, werden vielleicht die Sozialdemokraten daran glaubest muffen, und es wird auch bereits Abgeordneter Dr. Ell enb o g e n als Nachfolger Steinwettders genannt. Schließlich wird nsöglicherwesse der Ausweg gesunden — da auch 'die Sozialdesnokraten, wie angedeutet, mit der Sache nicht gerne zu . tust haben tvollen — einen sogenannten „F a ch m a n n" nttf der Führung des Amtes zst betrauen. ■% - A- Telegramme. Verhängung des Kriegszustandes über die Slowakei. f Preßburg, 7. März. (Tschecho-flowakrsches Prefzbureau.) Das Militärkommando hat zur Eindämmung jedweder Lnruhen und zur Sicherung des Verkehres über die gesamte Slowakei den K r i e g s z u st a n o v e rhäng t. Pretzburg, 8. März. Der Minister für die Slowakei Dr. S ch r o b a r hat den K r i e g s z u st a n d 8 b e r d i e * gesamte Slowakei proklamiert. Alle politischen Ver". sammlungen und Umzüge nsüffen eine Woche vor ihrer Anberausnssng bei der Behörde angemrldet werden. In dem Erlaß wird dte Verfügung in folgender Weise begründet: j „In den letzten Tagen haben sich m der Slowakei Begebenhesten ereignet, die die geordnete Entwicklung der tschechoslosvakischen Repubuk unmöglich machen, die ruhige Organisation einschränkesr, eisszelne Klaffen gegen andere und gegen den Staat aufwsegelss, die Bevölkerung mit L ü g e n m e l d ü ngen beunrsshigen und sie gegen die tschecho-slowakssche Repssblik assfreizen sollest.- Eine magyarische Propaganda- Mission hat durch aus Flugzeugen hrrabgeworfene postalisch oder durch Agentesr auf Schleichwegen verbreitete Flug-, zettel sowie durch von Zeittmgen bezahlte Agitatoren die Beamten des ehemaligen ungarischen Königreiches so aufgewiegelt, daß diese der tchecho-slosvakischen Republik den Dienst gekündigt und die passive Residenz einyeleitet haben. Sie haben dse Arbeiter zum allgemensen Streik und Ausichrritungen veranlaßt, die zu bedauernssvcrtem Blutvergießen gefsKrt haben. Durch Lügenmeldnngcn will man in der slowaksschen Bevölkerung Haß gegen die Tchcchen säen. Feindliches magyarisches Milstär stehtlängs der gasszen östlichen und südlichen Demarkationslinie in Knegsbereitschaft". . Die Vorgänge in Böhmen. Die Kladnoer Arbeiter in Erregung. Kladno, 8. März. Gesterst fanb hier eine Massen- Versammlung statt, an der etwa 40.000 Bergarbeiterteilnahmen. Die rstimmung war sehr erreg.tz ssud richtete sich ssansentlich gegen die offizielle Regierungspolitsk und gegess das jetzige Äkinisteristm, das eine durchaus bürgerlichst! und u n s o z i a l i st i s ch e Haltung einnehme. Scharfe Worte fielen gegen die Nalionalsozialssten, gegen die „Narodssi; Listy" ussd gegen den „Venkov". Die Teslnehmer an der Nersasusnlssug förderten, daß die sozialistischen Minister aus dem? Msssssteriusn austreten. . \ Trotz ungemein großer Beteiligssng verlief die Verfasnmlsmg ohne jeden Zwifchessfall. Die Gerüchte über einen G e n e-j r a l st r e i k blieben bis jetzt unbestätigt. . Die Prager Brotwochenmenge herabgesetzt. Prag» 8. Marz. Mit Rücksicht darauf, daß sich die Voraus-j sehungen üc dse seinerzeitige Erhöhung der Brot- und Akehlauote niefit erfüllten, sieht sich das Ernährungsmimstermm veranlaßt, die bisherige svöchcntlsche Verbrauchssnenge auf 1400 Gramm herabzusetzesr. Hicvoss entfallen 000 Graisnn'auf Brot (bisher 110Ü>. suib 500 Gramm aus Mahlerzeuguisie (bisher 750.Gramm)«:

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